TV-Tipp für den 3. Oktober: Die Blechtrommel

Oktober 2, 2019

BR, 22.45

Die Blechtrommel (Deutschland/Frankreich 1979)

Regie: Volker Schlöndorff

Drehbuch: Volker Schlöndorff, Jean-Claude Carrière, Franz Seitz, Günther Grass (Dialogbearbeitung)

LV: Günter Grass: Die Blechtrommel, 1959

Die Geschichte von Blechtrommler Oskar Matzerath, der am 12. September 1927 als Dreijähriger beschließt, nicht weiter zu wachsen.

Ein Klassiker des deutschen Films, ausgezeichnet, u. a., mit der Goldenen Palme in Cannes und dem Oscar als bester ausländischer Film und ein Kassenerfolg.

Mit David Bennent, Mario Adorf, Angela Winkler, Daniel Olbrychski, Katharina Thalbach, Heinz Bennent, Andrea Ferréol, Fritz Hakl, Ernst Jacobi, Otto Sander, Charles Aznavour

Hinweise

Filmportal über „Die Blechtrommel“

Rotten Tomatoes über „Die Blechtrommel“

Wikipedia über „Die Blechtrommel“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Volker Schlöndorffs „Rückkehr nach Montauk“ (Deutschland 2017)


TV-Tipp für den 17. Mai: Messer im Kopf

Mai 16, 2019

3sat, 22.25

Messer im Kopf (Deutschland 1978)

Regie: Reinhard Hauff

Drehbuch: Peter Schneider

Bei einer Razzia wird der Biogenetiker Dr. Berthold Hoffmann (Bruno Ganz) von einem Polizisten angeschossen. Durch den Kopfschuss hat er sein Gedächtnis verloren. Die Polizei behauptet, dass Hoffmann ein gefährliche Terrorist sei und den Polizisten angegriffen habe. Seine Freunde sagen, er sei ein harmloser Bürger und Opfer des Polizeiterrors.

Packender Polit-Thriller, der das damalige Klima des Deutschen Herbst aufgreift und immer mehr zu einem intelligentem Psychodrama wird, das bis zum letzten Bild (und darüber hinaus) zum Nachdenken über die eigene Position anregt.

Lief seit Ewigkeiten nicht mehr im TV.

mit Bruno Ganz, Angela Winkler, Hans-Christian Blech, Heinz Hönig, Hans Brenner, Udo Samel, Eike Gallwitz, Hans Noever

Hinweise

Filmportal über „Messer im Kopf“ und über Terrorisms im deutschen Film

Rotten Tomatoes über „Messer im Kopf“

Wikipedia über „Messer im Kopf“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 8. Mai: Jagdszenen aus Niederbayern

Mai 8, 2019

3sat, 22.00

Jagdszenen aus Niederbayern (Deutschland 1968)

Regie: Peter Fleischmann

Drehbuch: Peter Fleischmann (nach dem Theaterstück von Martin Sperr)

Der zwanzigjährige Abram kehrt nach einem längeren Aufenthalt in Landshut wieder zurück in das niederbayerische Dorf, in dem er aufwuchs. Die Dorfbewohner glauben, dass er homosexuell ist und deswegen im Gefängnis saß. Sie verachten ihn. Nur Hannelore begegnet ihm ohne Vorurteile. Als sie behauptet, Abram habe sie geschwängert, eskaliert die Situation.

Ein Klassiker des Neuen Deutschen Films, der ein wenig schmeichelhaftes Bild der Provinz zeichnet. Der Verleih nennt Fleischmanns Antiheimatfilm zutreffend „eine verstörende Parabel auf Grausamkeit und den alltäglichen Faschismus“.

mit Martin Sperr, Angela Winkler, Else Quecke, Maria Stadler, Hanna Schygulla

Hinweise

3sat über „Jagdszenen aus Niederbayern“

Filmportal über „Jagdszenen aus Niederbayern“

Wikipedia über „Jagdszenen aus Niederbayern“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Peter Fleischmanns „Der dritte Grad“ (La Faille, Deutschland/Frankreich/Italien 1974)


TV-Tipp für den 30. März: Die Blechtrommel

März 30, 2019

Weil Volker Schlöndorff am Sonntag wieder ein Jahr nicht jünger wird und er dieses Jahr sogar einen runden Geburtstag feiert (was alle anderen TV-Sender ignorieren [Pfui!])

RBB, 22.50

Die Blechtrommel (Deutschland/Frankreich 1979)

Regie: Volker Schlöndorff

Drehbuch: Volker Schlöndorff, Jean-Claude Carrière, Franz Seitz, Günther Grass (Dialogbearbeitung)

LV: Günter Grass: Die Blechtrommel, 1959

Die Geschichte von Blechtrommler Oskar Matzerath, der am 12. September 1927 als Dreijähriger beschließt, nicht weiter zu wachsen.

Ein Klassiker des deutschen Films, ausgezeichnet, u. a., mit der Goldenen Palme in Cannes und dem Oscar als bester ausländischer Film und ein Kassenerfolg.

Mit David Bennent, Mario Adorf, Angela Winkler, Daniel Olbrychski, Katharina Thalbach, Heinz Bennent, Andrea Ferréol, Fritz Hakl, Ernst Jacobi, Otto Sander, Charles Aznavour

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Blechtrommel“

Wikipedia über „Die Blechtrommel“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Volker Schlöndorffs „Rückkehr nach Montauk“ (Deutschland 2017)


Neu im Kino/Filmkritik: „Suspiria“, die Version von Luca Guadagnino

November 16, 2018

Als Dario Argentos „Suspiria“ 1977 in die deutschen Kinos kam, war er bereits um einige Minuten gekürzt und „frei ab 18 Jahre“. Das, die Bilder und das, was man in den folgenden Jahren über den mehr oder weniger verbotenen Film hörte, steigerten natürlich die Neugierde. Seitdem avancierte der Gothic-Horrorfilm zu einem Kultfilm und Klassiker des Horrorfilms. Er ist einer von Argentos besten Filmen. Das düstere, aber farbenprächtige Schauermärchen ist ein Trip, der 1977 in Freiburg im Breisgau spielt. Eine junge US-Amerikanerin will dort an einer Ballettschule studieren und gerät in einen Strudel mysteriöser Ereignisse.

Und es ist ein Film, bei dem ein Remake prinzipiell zum Scheitern verurteilt ist. Zu deutlich ist Argentos Stil, bei dem die Bilder eindeutig wichtiger als eine konventionelle Filmgeschichte sind. Zu überflüssig wäre ein konventionelles Remake, in dem eine konventionelle Horrorgeschichte konventionell erzählt wird. Und wenn man sich zu sehr an das Original hält, wäre man schnell bei einer Pastiche oder einer Parodie.

Trotzdem hat Luca Guadagnino sich jetzt daran gewagt. Dabei ist es eine alte Idee von ihm. Seit über 25 Jahren sprach er mit Freunden über ein Remake und entwickelte Ideen dazu. Gleichzeitig wurde Guadagnino in den letzten Jahren mit Filmen wie „I am Love – Ich bin die Liebe“, „A bigger splash“ und „Call me by your Name“ zum geachteten Arthouse-Regisseur. Bei ihm war daher ein neuer Ansatz zu erwarten und er nennt seine Version von „Suspiria“ auch nicht Remake, sondern eine persönliche Hommage und eine Cover-Version; – wobei sich bei Cover-Versionen die gleichen Fragen und Probleme wie bei einem Remake stellen.

Auch in Guadagninos Version spielt der Film in Deutschland im Herbst 1977 und er folgt Argentos Geschichte. Auch dieses Mal will eine junge Amerikanerin (Dakota Johnson) in einer renommierten Tanzschule studieren. Die Schule ist die Fassade für etwas ganz anderes. Die Tanzschule steht allerdings nicht in Freiburg, sondern im geteilten Berlin, in Sichtweite der Mauer. Im Radio und Fernsehern laufen die neuesten Meldungen über die terroristischen Anschläge. Die Farben scheinen nur aus verschieden ausgebleichten Braun- und Grautönen zu bestehen. Es ist eine bedrückende, kränklich machende Optik, die an die Optik damaliger Filme erinnert. Vor allem wenn man eine alte, schon tausendmal abgespielte Kopie eiens Farbfilms sieht. Die BRD war schon recht farblos. Die Tanzschule ist ein Ort ohne Männer und alle Frauen sind ‚Fräuleins‘, gespielt von Renée Soutendijk, Angela Winkler und Ingrid Caven, der alten Fassbinder-Schauspielerin. Und Rainer Werner Fassbinder ist auch ein unübersehbarer Einfluss auf den Film.

So entsteht ein Bild von Deutschland als mythischem Reich des Todes, in dem Hexen eine Tanzschule leiten und enthemmte Tänze dämonische Ereignisse heraufbeschwören können.

In seiner hundertünfzigminütigen Version von Argentos hundertminütigem Film entkernt Guadagnino die eh schon kryptische Geschichte noch weiter, bis nur noch eine Abfolge von Sinneseindrücken übrigbleibt. Einige Szenen bieten dabei Ansätze für Interpretationen. Aber letztendlich interessiert Guadagnino sich nicht dafür. Viel lieber lässt er die jungen Frauen unter der Anleitung von Madame Blanc (Tilda Swinton) tanzen, als gelte es eine Feelbad-Version von „Black Swan“ zu inszenieren.

So ist Guadagninos „Suspiria“ durchaus eine eigenständige Interpretation von Argentos Film. Es werden auch viele Themen andeutet, an denen Argento kein Interesse hat. Guadagnino zeichnet ein beklemmendes Bild von Deutschland im Jahr 1977. Aus dem Handlungsort Berlin macht er allerdings erstaunlich wenig. Einerseits weil fast der gesamte Film in der von der Außenwelt hermetisch abgeschlossenen Tanzschule spielt, andererseits weil die auf der Hand liegenden Berlin-Themen nur im Hintergrund, wie die Fernsehnachrichten, wabern, ohne irgendeinen Einfluss auf die Geschichte der Hexen und ihrer Rituale zu haben. Das gleiche gilt für einen in den Zweiten Weltkrieg zurückreichenden Subplot und für die Ermittlungen von Dr. Josef Klemperer. Immerhin zeigt dieser Plot um den alten Psychotherapeuten die schauspielerische Bandbreite von Tilda Swinton. Inzwischen ist die Identität des Klemperer-Schauspielers Lutz Ebersdorf, für den Macher sogar eine Biographie erfanden, enthüllt. Er ist Swinton.

Stilistisch ist das als in sich hermetisch abgeschlossene, beklemmend-klaustrophobische Feelbad-Vision beeindruckend.Aber es ist auch l’Art pour l’Art, bei der man alle Charaktere und ihre Bewegungen durch die Ballettschule gelangweilt betrachtet und sich fragt, ob dieses Remake wirklich nötig ist und ob es wirklich so lang sein muss..

Radiohead“-Musiker Thom Yorke schrieb die Musik.

P. S.: Arte zeigt am Mittwoch, den 28. November, Dario Argentos in Deutschland von Juni 1983 bis Mai 2014 indizierten Horrorfilm „Suspiria“ ungekürzt um 22.40 Uhr.

Suspiria (Suspiria, Italien/USA 2018)

Regie: Luca Guadagnino

Drehbuch: David Kajganich (nach dem Drehbuch von Dario Argento und Daria Nicolodi)

mit Dakota Johnson, Tilda Swinton, Mia Goth, Lutz Ebersdorf, Chloe Grace Moretz, Angela Winkler, Ingrid Caven, Jessica Harper, Elena Fokina, Renée Soutendijk, Alek Wek, Sylvie Testud, Christine Leboutte, Fabrizia Sacchi

Länge: 152 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Suspiria“

Metacritic über „Suspiria“

Rotten Tomatoes über „Suspiria“

Wikipedia über „Suspiria“ (deutsch, englisch, italienisch)

Meine Besprechung von Luca Guadagninos „A bigger Splash“ (A bigger Splash, Italien/Frankreich 2015) und der DVD

Meine Besprechung von Luca Guadagninos „Call me by your Name“ (Call me by your Name, USA 2017)

Die Venedig-Pressekonferenz (sorry, ohne Simultanübersetzung)

Ein Gespräch mit Luca Guadagnino über den Film

Luca Guadagnino erklärt eine Szene zwischen Dakota Johnson und Tilda Swinton


TV-Tipp für den 6. Oktober: Die Blechtrommel

Oktober 6, 2018

One, 22.10

Die Blechtrommel (Deutschland/Frankreich 1979)

Regie: Volker Schlöndorff

Drehbuch: Volker Schlöndorff, Jean-Claude Carrière, Franz Seitz, Günther Grass (Dialogbearbeitung)

LV: Günter Grass: Die Blechtrommel, 1959

Die Geschichte von Blechtrommler Oskar Matzerath, der am 12. September 1927 als Dreijähriger beschließt, nicht weiter zu wachsen.

Ein Klassiker des deutschen Films, ausgezeichnet, u. a., mit der Goldenen Palme in Cannes und dem Oscar als bester ausländischer Film und ein Kassenerfolg.

Mit David Bennent, Mario Adorf, Angela Winkler, Daniel Olbrychski, Katharina Thalbach, Heinz Bennent, Andrea Ferréol, Fritz Hakl, Ernst Jacobi, Otto Sander, Charles Aznavour

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Blechtrommel“

Wikipedia über „Die Blechtrommel“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Volker Schlöndorffs „Rückkehr nach Montauk“ (Deutschland 2017)


TV-Tipp für den 11. Mai: Die Blechtrommel – Director’s Cut

Mai 11, 2018

3sat, 23.00

Die Blechtrommel – Director’s Cut (Deutschland/Frankreich 1979)

Regie: Volker Schlöndorff

Drehbuch: Volker Schlöndorff, Jean-Claude Carrière, Franz Seitz, Günther Grass (Dialogbearbeitung)

LV: Günter Grass: Die Blechtrommel, 1959

Die Geschichte von Blechtrommler Oskar Matzerath, der am 12. September 1927 als Dreijähriger beschließt, nicht weiter zu wachsen.

Ein Klassiker des deutschen Films, ausgezeichnet, u. a., mit der Goldenen Palme in Cannes und dem Oscar als bester ausländischer Film und ein Kassenerfolg. 3Sat zeigt heute den längeren „Director’s Cut“, der möglich wurde, weil 2010 in den Geyer-Kopierwerken Negative von 1979 weggelassenen Szenen entdeckt wurden.

Mit David Bennent, Mario Adorf, Angela Winkler, Daniel Olbrychski, Katharina Thalbach, Heinz Bennent, Andrea Ferréol, Fritz Hakl, Ernst Jacobi, Otto Sander, Charles Aznavour

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Blechtrommel“

Wikipedia über „Die Blechtrommel“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Volker Schlöndorffs „Rückkehr nach Montauk“ (Deutschland 2017)


TV-Tipp für den 21. Dezember: Die Wolken von Sils Maria

Dezember 21, 2016

Arte, 20.15

Die Wolken von Sils Maria (Clouds over Sils Maria, Deutschland/Frankreich/Schweiz 2014)

Regie: Olivier Assayas

Drehbuch: Olivier Assayas

Eine alternde Schauspielerin probt eine Rolle in einem Stück ein, mit dem sie vor Jahren ihren Durchbruch hatte und Olivier Assayas nutzt diesen Plot zu einer vielschichtigen Betrachtung über das Wesen des Künstlers, die verschwimmenden Grenzen zwischen Wirklichkeit und Rolle und die Unterschiede zwischen Hoch- und Trivialkultur, garniert mit Ausschnitten aus Arnold Fancks Stummfilmfragment „Das Wolkenphänomen von Maloja“ und dieser Malojaschlange, einem Wolkenphänomen, bei dem Wolken sich tagsüber in das Tal bewegen. Dabei ist sein Film anspruchsvoll, intellektuell herausfordernd und kompromisslos. Er verfolgt seine Vision und nimmt dabei keine Rücksicht auf seine Zuschauer. Aber gleichzeitig ist er ungeheuer verspielt, kurzweilig, voller schöner Betrachtungen, eklektisch und niemals zerfasernd, sondern auch lustvoll Umwege nehmend, wie man bei einem Spaziergang auch mal einen kleinen Abstecher macht, ehe man wieder auf den Weg zurückkehrt und immer etwas interessantes entdeckte. Und wenn es nur die Aussicht in ein Bergtal ist.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

Nach der TV-Premiere von „Die Wolken von Sils Maria“ zeigt Arte, um 22.15 Uhr, „Irma Vep“; ein weiterer Film von Assayas, in dem er, äußerst kurzweilig, von den Problemen bei den Dreharbeiten für ein Remake des Stimmfilms „Die Vampire“ mit Maggie Cheung in der Hauptrolle erzählt.

mit Juliette Binoche, Kristen Stewart, Chloë Grace Moretz, Lars Eidinger, Hanns Zischler, Angela Winkler, Nora von Waldstätten, Aljoscha Stadelmann

Wiederholungen

Donnerstag, 29. Dezember, 23.10 Uhr

Samstag, 7. Januar, 00.55 Uhr (VPS 01.20)

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Die Wolken von Sils Maria“
Moviepilot über „Die Wolken von Sils Maria“
Metacritic über „Die Wolken von Sils Maria“
Rotten Tomatoes über „Die Wolken von Sils Maria“
Allociné über „Die Wolken von Sils Maria“
Wikipedia über „Die Wolken von Sils Maria“ (englisch, französisch)

Meine Besprechung von Olivier Assayas’ „Carlos – Der Schakal“ (Kinofassung)

Meine Besprechung von Olivier Assayas’ „Carlos – Der Schakal“ (Director’s Cut – bzw. die dreiteilige TV-Fassung)

Meine Besprechung von Olvier Assayas’ “Die wilde Zeit” (Après Mai, Frankreich 2012) (und der DVD)

Meine Besprechung von Olivier Assayas‘ „Die Wolken von Sils Maria“ (Clouds over Sils Maria, Deutschland/Frankreich/Schweiz 2014) (mit Pressekonferenzen) und der DVD


DVD-Kritik: Wunderschön, „Die Wolken von Sils Maria“

August 31, 2015

Zum Kinostart kurz vor Weihnachten schrieb ich schamlos begeistert über Olivier Assayas‘ neuen Film „Die Wolken von Sils Maria“:

Der Film erzählt von einer Schauspielerin, die eine Theaterrolle annimmt, die Rolle einstudiert und schließlich die Premiere feiert.
Das klingt jetzt nicht furchtbar spannend, aber „Die Wolken von Sils Maria“ ist von Olivier Assayas inszeniert, der zuletzt mit „Carlos – Der Schakal“ und „Die wilde Zeit“ überzeugte, und mit Juliette Binoche und Kristen Stewart in den Hauptrollen und Chloë Grace Moretz in einer wichtigen Nebenrolle ist der Film auch namhaft besetzt. Und Assayas nutzt den Plot zu einer vielschichtigen Betrachtung über das Wesen des Künstlers, die verschwimmenden Grenzen zwischen Wirklichkeit und Rolle und die Unterschiede zwischen Hoch- und Trivialkultur, garniert mit Ausschnitten aus Arnold Fancks Stummfilmfragment „Das Wolkenphänomen von Maloja“ und dieser Malojaschlange, einem Wolkenphänomen, bei dem Wolken sich tagsüber in das Tal bewegen. Dabei ist sein Film zwar anspruchsvoll, intellektuell herausfordernd und kompromisslos. Er verfolgt seine Vision und nimmt dabei keine Rücksicht auf seine Zuschauer. Aber gleichzeitig ist er ungeheuer verspielt, kurzweilig, voller schöner Betrachtungen, eklektisch und niemals zerfassernd, sondern auch lustvoll Umwege nehmend, wie man bei einem Spaziergang auch mal einen kleinen Abstecher macht, ehe man wieder auf den Weg zurückkehrt und immer etwas interessantes entdeckte. Und wenn es nur die Aussicht in ein Bergtal ist.
Im Mittelpunkt stehen die Textproben der von Juliette Binoche gespielten Maria Enders. Sie hatte vor zwanzig Jahren, im Theater, ihren Durchbruch als verführerische junge Sigrid, die ihre Vorgesetzte Helena in Gefühlswirren stürzt und in den Selbstmord treibt.
Wilhelm Melchior, der Autor des Stückes, wurde während der Proben und danach in jeder Hinsicht ihr Mentor.
Kurz vor einer Ehrung für sein Lebenswerk, bei der sie eine Rede halten sollte, erfährt sie, dass er gestorben ist. Gleichzeitig wird ihr die Hauptrolle in einer Neuinszenierung des Stückes angeboten. Der junge, von der Kritik abgefeierte Regisseur will sie unbedingt haben. Aber jetzt soll sie nicht Sigrid, mit der sie sich identifizierte, sondern Helena, ihre Antagonistin, die Böse, spielen.
Zögernd nimmt sie die Rolle an, quartiert sich in der Berghütte von Melchior in Sils Maria ein und beginnt mit ihrer persönlichen Assistentin Valentine (Kristen Stewart) die Rolle zu proben. Dabei übernimmt Valentine die Rolle der Jüngeren – und bei den Proben ist oft nicht erkennbar, wann der Text des Stückes übergeht in persönliche Bekenntnisse und wann persönliche Bekenntnisse von dem Stück überlagert werden.
Später lernt Enders auch Jo-Ann Ellis (Chloë Grace Moretz) kennen, die Sigrid spielen soll. Sie ist ein junger Hollywoodstar, die mit einer Rolle in einem Superheldenfilm berühmt wurde, jetzt souverän mit ihren Skandalen auf der Klaviatur der Facebook- und Twitter-Öffentlichkeit spielt und mit einer prestigeträchtigen Theaterrolle den nächsten Schritt in ihrer Karriere machen würde.
Dieses Spiel zwischen Rolle und Schauspielerpersönlichkeit gewinnt durch die Besetzung natürlich zusätzliche Facetten und wird dadurch ein schönes Spiel zwischen den verschiedenen Ebenen, zwischen Selbsterkenntnissen, Einblicken in die Welt der Schauspielerinnen und schönen Lügen, die wahrer als das wahre Leben sind. Immerhin trifft hier ein europäischer Altstar auf zwei Hollywood-Jungstars, die auch in Superheldenfilmen mitspielen – und wenn es keine Theaterrolle gibt, ist natürlich eine Rolle in einem europäischen Kunstfilm auch nicht zu verachten.
Ein Punkt störte mich allerdings bei „Die Wolken von Sils Maria“. Olivier Assayas verjüngte Juliette Binoche um mindestens zehn Jahre. Denn als sie, im Film, vor zwanzig Jahren ihren Durchbruch hatte, war sie eine Achtzehnjährige; was sie im Film zu einer knapp Vierzigjährigen machen würde, während ich mich immer wieder fragte, warum sie keine Fünfzigjährige spielen darf. Das hätte ihren inneren Konflikt noch glaubwürdiger gemacht.
Das ändert aber nichts daran, dass „Die Wolken von Sils Maria“ die europäische Version des ebenfalls grandiosen „Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“, der am 29. Januar bei uns anläuft, ist. Man sollte sich unbedingt beide Filme ansehen. Vielleicht sogar hintereinander und dann vergleichen.

Seitdem hat „Birdman“ den Oscar als bester Film bekommen und Kristin Stewart trat neben Julianne Moore (die für ihre Rolle den Oscar erhielt) in dem Alzheimer-Drama „Still Alice“ auf.
Stewart und Juliette Binoche erhielten für ihr Spiel in „Die Wolken von Sils Maria“ jeweils einen César. Ein dritter César ging an Oliver Assayas‘ Drehbuch.
Stewart soll auch in Assayas‘ nächstem Film „Personal Chopper“ auftreten, der nächstes Jahr in die Kinos kommen soll.
Das Bonusmaterial besteht nur aus einem zwölfminütigem Interview mit Olivier Assayas, das aber gewohnt informativ ausgefallen ist.

Die Wolken von Sils Maria - DVD-Cover

Die Wolken von Sils Maria (Clouds over Sils Maria, Deutschland/Frankreich/Schweiz 2014)
Regie: Olivier Assayas
Drehbuch: Olivier Assayas
mit Juliette Binoche, Kristen Stewart, Chloë Grace Moretz, Lars Eidinger, Hanns Zischler, Angela Winkler, Nora von Waldstätten, Aljoscha Stadelmann

DVD
NFP marketing & distribution/EuroVideo
Bild: 2,35:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Originalfassung (Englisch mit Passagen in Deutsch und Französisch)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Interview mit Olivier Assayas, Trailer, Hörfilmfassung
Länge: 118 Minuten
FSK: ab 6 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Die Wolken von Sils Maria“
Moviepilot über „Die Wolken von Sils Maria“
Metacritic über „Die Wolken von Sils Maria“
Rotten Tomatoes über „Die Wolken von Sils Maria“
Allociné über „Die Wolken von Sils Maria“
Wikipedia über „Die Wolken von Sils Maria“ (englisch, französisch)

Meine Besprechung von Olivier Assayas’ „Carlos – Der Schakal“ (Kinofassung)

Meine Besprechung von Olivier Assayas’ „Carlos – Der Schakal“ (Director’s Cut – bzw. die dreiteilige TV-Fassung)

Meine Besprechung von Olvier Assayas’ “Die wilde Zeit” (Après Mai, Frankreich 2012) (und der DVD)

Meine Besprechung von Olivier Assayas‘ „Die Wolken von Sils Maria“ (Clouds over Sils Maria, Deutschland/Frankreich/Schweiz 2014) (mit Pressekonferenzen)


Neu im Kino/Filmkritik: Taffe Frauen: Juliette Binoche und Kristen Stewart suchen „Die Wolken von Sils Maria“

Dezember 18, 2014

Der Film erzählt von einer Schauspielerin, die eine Theaterrolle annimmt, die Rolle einstudiert und schließlich die Premiere feiert.
Das klingt jetzt nicht furchtbar spannend, aber „Die Wolken von Sils Maria“ ist von Olivier Assayas inszeniert, der zuletzt mit „Carlos – Der Schakal“ und „Die wilde Zeit“ überzeugte, und mit Juliette Binoche und Kristen Stewart in den Hauptrollen und Chloë Grace Moretz in einer wichtigen Nebenrolle ist der Film auch namhaft besetzt. Und Assayas nutzt den Plot zu einer vielschichtigen Betrachtung über das Wesen des Künstlers, die verschwimmenden Grenzen zwischen Wirklichkeit und Rolle und die Unterschiede zwischen Hoch- und Trivialkultur, garniert mit Ausschnitten aus Arnold Fancks Stummfilmfragment „Das Wolkenphänomen von Maloja“ und dieser Malojaschlange, einem Wolkenphänomen, bei dem Wolken sich tagsüber in das Tal bewegen. Dabei ist sein Film zwar anspruchsvoll, intellektuell herausfordernd und kompromisslos. Er verfolgt seine Vision und nimmt dabei keine Rücksicht auf seine Zuschauer. Aber gleichzeitig ist er ungeheuer verspielt, kurzweilig, voller schöner Betrachtungen, eklektisch und niemals zerfassernd, sondern auch lustvoll Umwege nehmend, wie man bei einem Spaziergang auch mal einen kleinen Abstecher macht, ehe man wieder auf den Weg zurückkehrt und immer etwas interessantes entdeckte. Und wenn es nur die Aussicht in ein Bergtal ist.
Im Mittelpunkt stehen die Textproben der von Juliette Binoche gespielten Maria Enders. Sie hatte vor zwanzig Jahren, im Theater, ihren Durchbruch als verführerische junge Sigrid, die ihre Vorgesetzte Helena in Gefühlswirren stürzt und in den Selbstmord treibt.
Wilhelm Melchior, der Autor des Stückes, wurde während der Proben und danach in jeder Hinsicht ihr Mentor.
Kurz vor einer Ehrung für sein Lebenswerk, bei der sie eine Rede halten sollte, erfährt sie, dass er gestorben ist. Gleichzeitig wird ihr die Hauptrolle in einer Neuinszenierung des Stückes angeboten. Der junge, von der Kritik abgefeierte Regisseur will sie unbedingt haben. Aber jetzt soll sie nicht Sigrid, mit der sie sich identifizierte, sondern Helena, ihre Antagonistin, die Böse, spielen.
Zögernd nimmt sie die Rolle an, quartiert sich in der Berghütte von Melchior in Sils Maria ein und beginnt mit ihrer persönlichen Assistentin Valentine (Kristen Stewart) die Rolle zu proben. Dabei übernimmt Valentine die Rolle der Jüngeren – und bei den Proben ist oft nicht erkennbar, wann der Text des Stückes übergeht in persönliche Bekenntnisse und wann persönliche Bekenntnisse von dem Stück überlagert werden.
Später lernt Enders auch Jo-Ann Ellis (Chloë Grace Moretz) kennen, die Sigrid spielen soll. Sie ist ein junger Hollywoodstar, die mit einer Rolle in einem Superheldenfilm berühmt wurde, jetzt souverän mit ihren Skandalen auf der Klaviatur der Facebook- und Twitter-Öffentlichkeit spielt und mit einer prestigeträchtigen Theaterrolle den nächsten Schritt in ihrer Karriere machen würde.
Dieses Spiel zwischen Rolle und Schauspielerpersönlichkeit gewinnt durch die Besetzung natürlich zusätzliche Facetten und wird dadurch ein schönes Spiel zwischen den verschiedenen Ebenen, zwischen Selbsterkenntnissen, Einblicken in die Welt der Schauspielerinnen und schönen Lügen, die wahrer als das wahre Leben sind. Immerhin trifft hier ein europäischer Altstar auf zwei Hollywood-Jungstars, die auch in Superheldenfilmen mitspielen – und wenn es keine Theaterrolle gibt, ist natürlich eine Rolle in einem europäischen Kunstfilm auch nicht zu verachten.
Ein Punkt störte mich allerdings bei „Die Wolken von Sils Maria“. Olivier Assayas verjüngte Juliette Binoche um mindestens zehn Jahre. Denn als sie, im Film, vor zwanzig Jahren ihren Durchbruch hatte, war sie eine Achtzehnjährige; was sie im Film zu einer knapp Vierzigjährigen machen würde, während ich mich immer wieder fragte, warum sie keine Fünfzigjährige spielen darf. Das hätte ihren inneren Konflikt noch glaubwürdiger gemacht.
Das ändert aber nichts daran, dass „Die Wolken von Sils Maria“ die europäische Version des ebenfalls grandiosen „Birdman (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“, der am 29. Januar bei uns anläuft, ist. Man sollte sich unbedingt beide Filme ansehen. Vielleicht sogar hintereinander und dann vergleichen.

Die Wolken von Sils Maria - Plakat

Die Wolken von Sils Maria (Clouds over Sils Maria, Deutschland/Frankreich/Schweiz 2014)
Regie: Olivier Assayas
Drehbuch: Olivier Assayas
mit Juliette Binoche, Kristen Stewart, Chloë Grace Moretz, Lars Eidinger, Hanns Zischler, Angela Winkler, Nora von Waldstätten, Aljoscha Stadelmann
Länge: 124 Minuten
FSK: ab 6 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Die Wolken von Sils Maria“
Moviepilot über „Die Wolken von Sils Maria“
Metacritic über „Die Wolken von Sils Maria“
Rotten Tomatoes über „Die Wolken von Sils Maria“
Allociné über „Die Wolken von Sils Maria“
Wikipedia über „Die Wolken von Sils Maria“ (englisch, französisch)

Meine Besprechung von Olivier Assayas’ „Carlos – Der Schakal“ (Kinofassung)

Meine Besprechung von Olivier Assayas’ „Carlos – Der Schakal“ (Director’s Cut – bzw. die dreiteilige TV-Fassung)

Meine Besprechung von Olvier Assayas’ “Die wilde Zeit” (Après Mai, Frankreich 2012) (und der DVD)

Die Pressekonferenz in Cannes

(französisch)

(englisch)

Und beim NYFF52

 


TV-Tipp für den 17. November: Hell

November 17, 2013

Pro7, 22.30

Hell (Deutschland/Schweiz 2011, Regie: Tim Fehlbaum)

Drehbuch: Tim Fehlbaum, Oliver Kahl, Thomas Woebke

Buch zum Film: Tim Moecks: Hell, 2011

In naher Zukunft: die Erde ist nur noch ein ziemlich unbewohnbarer Wüstenplanet. Eine kleine Gruppe junger Menschen will in die Berge fahren, weil es dort noch Wasser geben soll.

Hell“ ist ein absolut sehenswerter Science-Fiction-Film.

mit Hannah Herzsprung, Lisa Vicari, Lars Eidinger, Stipe Erceg, Angela Winkler,Yoann Blanc, Christoph Gaugler, Lilo Baur, Marco Calamandrei

Wiederholung: Montag, 18. November, 02.10 (Uhr)

Hinweise

Homepage zum Film

Tim Fehlbaum bloggt über den Film und die Tour

Film-Zeit über „Hell“

Meine Besprechung von Tim Fehlbaums „Hell“ (Deutschland/Schweiz 2011)


TV-Tipp für den 30. Oktober: Benny’s Video

Oktober 30, 2013

 

Arte, 22.40

Benny’s Video (Österreich/Schweiz 1992)

Regie: Michael Haneke

Drehbuch: Michael Haneke

Weil seine vermögenden Eltern mit anderen Dingen beschäftigt sind, verbringt der 14-jährige Benny seine Zeit vor dem Videorecorder mit dem Genuss von Gewaltfilmen. Als er ein gleichaltriges Mädchen trifft, demonstriert er an ihr die Wirkung eines Bolzenschussgeräts – und zeigt später das Video seinen Eltern.

Der Film von Michael Haneke beobachtet nur und kommentiert nicht. Er erzählt die Geschichte in einer Stringenz und Dichte, die zunächst äußerst unbequem wirken, aber dem Thema und dem Anliegen des Films angemessen sind.“ (Fischer Film Almanach 1994)

Und über diese These kann man trefflich streiten. Damals und heute immer noch.

Mit diesem Film, der bereits all die Themen und Stilistiken hat, die seine späteren Filme auch haben, wurde Michael Haneke einem breiteren Publikum bekannt. Danach drehte er „Funny Games“ (und zehn Jahre später ein für uns überflüssiges US-Remake), „Code – Unbekannt“, „Caché“, „Das weiße Band“ und „Liebe“.

Haneke erhielt für „Benny’s Video“ den FIPRESCI Preis.

mit Arno Frisch, Angela Winkler, Ulrich Mühe, Ingrid Stassner

Wiederholung: Dienstag, 5. November, 00.40 Uhr (VPS 01.05 Uhr, Taggenau!)

Hinweise

Arte über „Benny’s Video“

Rotten Tomatoes über „Benny’s Video“

Wikipedia über „Benny’s Video“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Thomas Assheuers Interviewbuch “Nahaufnahme: Michael Haneke” (2010)

Meine Besprechung von Michael Hanekes „Liebe“ (Amour, Frankreich/Deutschland/Österreich 2012)

Michael Haneke in der Kriminalakte


%d Bloggern gefällt das: