Neu im Kino/Filmkritik: „Winchester – Das Haus der Verdammten“ und der begeisterten Lebenden

März 17, 2018

Dr. Eric Price (Jason Clarke) ist 1906 in San Francisco ein Arzt, dem man ohne Not keine Operation und auch keine andere Aufgabe anvertrauen würde. Gerade das prädestiniert ihn aus offensichtlichen und weniger offensichtlichen Gründen für diese Aufgabe. Im Auftrag des Unternehmensvorstandes soll er Sarah Winchester (Helen Mirren) begutachten.

Seit dem Tod ihres Mannes William Winchester 1880 gehört der Witwe die Hälfte der Winchester Repeating Arms Company. Die Firma ist auch heute noch vor allem für das Winchester-Gewehr bekannt. Sie lebt in einem riesigen Haus, das sie seit Jahren Tag und Nacht immer wieder umbauen lässt und das inzwischen so verschachtelt ist, dass niemand mehr weiß, wo die verschiedenen Gänge hinführen. Das gleiche gilt für die Zimmer, die man teilweise nicht betreten kann. Das Haus ist ein einziges Escher-Labyrinth. Ihre exorbitant teueren Bauarbeiten rechtfertigt die Spritistin mit den Geistern der von Winchester-Waffen erschossenen Menschen, die hier von ihr mehr oder weniger lange eingesperrt werden. Das könnte man als den Spleen einer reichen Frau abtun, wenn sie nicht auch noch für die Finanzen des Unternehmens zuständig wäre. Die Firmenleitung würde die inzwischen ungefähr 75-jährige Spinnerin gerne von ihren Pflichten entbinden. Price soll mit seiner Begutachtung die dafür nötige Grundlage schaffen.

Ausgewählt wurde er allerdings nicht von seinem Auftraggeber, sondern von Sarah Winchester.

Kurz nachdem Price das malerisch gelengene Winchester-Anwesen betreten hat, gibt es seltsame Vorfälle und Erscheinen, bei denen unklar ist, ob Price, der gerade einen von Sarah Winchester verordneten kalten Drogenentzug durchmachen muss (sie duldet keine Drogen in ihrem Haus), halluziniert oder ob es wirklich die Geister der Ermordeten sind, die sich an ihrem Mörder, also in diesem Fall der Firma, die die Waffe für ihren Tod herstellte, rächen wollen.

Winchester – Das Haus der Verdammten“ ist von dem realen Winchester-Anwesen inspiriert. Es liegt in San José, Kalifornien, und Sarah Winchester ließ es endlos umbauen. Die sich daraus entwickelnde Geschichte ist dann ein altmodischer Grusler, der überraschungsfrei und unblutig, mit den üblichen Schockmomenten, den vertrauten Pfaden folgt. „Winchester“ zeigt nichts, was nicht so auch schon vor dreißig, vierzig, fünfzig Jahren erzählt wurde.

Das ist, nachdem die Brüdern Michael und Peter Spierig mit „Daybreakers“ und „Predestination“ spannende und eigenständige Genrefilme inszenierten, dann doch zu wenig, um wirklich zu begeistern.

Das Winchester House, bzw. Winchester Mystery House, das während des San-Francisco-Erdbebens 1906 (der Film spielt in den Tagen vor dem Erdebeben) teilweise zerstört und teilweise wieder aufgebaut wurde, kann besichtigt werden. Wenn man wieder Urlaub in den USA macht.

Der Film wurde, abgesehen von drei Drehtagen im Originalhaus, in einem Studio in Melbourne gedreht.

Winchester – Das Haus der Verdammten (Winchester, USA 2018)

Regie: Michael Spierig, Peter Spierig (aka The Spierig Brothers)

Drehbuch: Michael Spierig, Peter Spierig, Tom Vaughan

mit Helen Mirren, Jason Clarke, Sarah Snook, Finn Scicluna-O’Prey, Eamon Farren, Angus Sampson, Tyler Coppin, Laura Brent

Länge: 100 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Winchester“

Metacritic über „Winchester“

Rotten Tomatoes über „Winchester“

Wikipedia über „Winchester“

Meine Besprechung von Michael und Peter Spierigs „Daybreakers“ (Daybreakers, Australien/USA 2009)

Meine Besprechung von Michael und Peter Spierigs „Predestination (Predestination, Australien 2014)

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Neu im Kino/Filmkritik: „Insidious: Chapter 3“ springt etwas in die Vergangenheit

Juli 1, 2015

Nachdem im vorherigen „Insidious“-Film die Geister, die die Familie Lambert heimsuchten, endgültig gebannt waren und das Spiel zwischen Real- und Geisterwelt, Gegenwart, Vergangenheit und verschiedenen Visionen unnötig komplex wurde, haben die Macher sich bei dem dritten Film ihrer „Insidious“-Reihe für einen wohltuenden Schritt zurück entschieden. Zuerst einmal spielt die Geschichte von „Insidious: Chapter 3“ vor „Insidious“ und „Insidious: Chapter 2“. Mit diesem Schritt zurück in die Vergangenheit kurz vor der Heimsuchung der Lamberts und damit auch vor der Erkundung von der Gegenwelt The Further (das Ewigreich) kann auch eine einfachere Geschichte erzählt werden, die nur zwischen Real- und Geisterwelt (ein düsterer, dunkler Ort) spielt. Und die schon aus den vorherigen Filmen bekannten und beliebten Geisterjäger übernehmen die zentrale Rolle, weshalb „Insidious“, wenn die Macher genug abwechslungsreiche Geschichten finden, eine durchaus langlebige Reihe mit Geisterjägern und wechselnden von Dämonen und Geistern besessenen Menschen werden kann.
Die aus den vorherigen Filmen bekannte und im zweiten „Insidious“-Film verstorbene Elise Rainier (Lin Shaye) ist, weil „Insidious: Chapter 3“ vor den ersten beiden Filmen spielt, noch am Leben. Sie hat, nach dem Tod ihres über alles geliebten Mannes, ihre Arbeit als Medium aufgegeben. Sie lebt allein und zurückgezogen in ihrem dunklen Haus und verbringt die Tage bevorzugt im bequemen Bademantel. Auch Quinn Brenner (Stefanie Scott) will sie zunächst nicht helfen. Der Teenager hat vor kurzem ihre Mutter verloren. Aber sie glaubt, dass ihre Mutter den Kontakt zu ihr sucht.
Elise macht dann doch eine Spontan-Seance, bei der sie auf einen äußerst bösen Geist trifft. Sie bricht die Seance schockiert ab und beschwört Quinn, nicht mehr nach ihrer Mutter zu suchen. Denn wenn man einen Geist rufe, hörten das auch alle anderen und Quinn habe einen besonders bösen Geist geweckt.
Natürlich hält sich Quinn nicht an den gut gemeinten und zu spät kommenden Ratschlag. Nach einem Autounfall (zehn Punkte für die brachiale Inszenierung) liegt sie mit zwei gebrochenen Beinen im Bett. Für den Geist ist das natürlich ein ideales Jagdrevier – und wir erleben eine lustvolle Reise durch die Standardsituationen des Horrorfilms, inclusive einem Blick unter das Bett und den wiederholten Besuchen von dunklen Zimmern.
Neben der Geschichte von Quinn erzählt „Insidious: Chapter 3“ auch die Geschichte von Elise Rainier, die sich entschließt, wieder als Geisterjägerin zu arbeiten und sie lernt zwei junge Geisterjäger kennen.
„Insidious: Chapter 3“ versteht sich als ein weiteres Kapitel der Saga, das es deshalb nicht nötig hat, mit großen Effekten um sein Publikum zu werben. Es begnügt sich mit einer altbekannten Geschichte, die etwas variiert wird und gut unabhängig von den ersten beiden „Insidious“-Filmen, die eigentlich eine große Geschichte erzählten, gesehen werden kann.
Leigh Whannell, der Autor von „Saw“ und den ersten beiden „Insidious“-Filmen (die von James Wan inszeniert wurden), inszenierte sein Regiedebüt angenehm altmodisch. So unterhielt er sich vor dem Dreh mit „The Exorzist“-Regisseur William Friedkin und er sah sich vor dem Dreh den Schauspielern, um sie in die richtige Stimmung zu bringen, Stanley Kubricks „The Shining“ an; beide Filme sind gute Vorbilder. Dank des Verzichts auf Found-Footage-Gedöns ist er stilistisch geschlossener als der vorherige „Insidious“-Film und die Musik (wieder von Joseph Bishara) ist zurückhaltender ausgefallen.
Whannell verließ sich bei „Insidious: Chapter 3“ auf das Bewährte – und das ist gut so.

Insidious 3 - Plakat

Insidious: Chapter 3 – Jede Geschichte hat einen Anfang (Insidious: Chapter 3, USA 2015)
Regie: Leigh Whannell
Drehbuch: Leigh Whannell
mit Lin Shaye, Stefanie Scott, Dermout Mulroney, Angus Sampson, Leigh Whannel, Ele Keats, Tate Berney, Steve Coulter, Michael Reid MacKay
Länge: 98 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Amerikanische Homepage zum Film
Film-Zeit über „Insidious: Chapter 3“
Moviepilot über „Insidious: Chapter 3“
Metacritic über „Insidious: Chapter 3“
Rotten Tomatoes über „Insidious: Chapter 3“
Wikipedia über „Insidious: Chapter 3“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von James Wans „Insidious: Chapter 2“ (Insidious: Chapter 2, USA 2013)

Und dann gibt es noch ein Onlineplakat

Insidious 3 - Onlineplakat


Neu im Kino/Filmkritik: Aufgeschlagen „Insidious: Chapter 2“ mit Geistern aus der Vergangenheit

Oktober 19, 2013

 

Wie es sich für ein zweites Kapitel gehört, beginnt der Horrorfilm „Insidious: Chapter 2“ unmittelbar nach dem Ende des Überraschungserfolgs „Insidious“ und liefert denen, die den ersten Film nicht gesehen haben in den ersten Minuten elegant die nötigen Informationen. Denn jetzt sehen wir, was 1986 geschah und warum nur Josh Lambert (Patrick Wilson) seinen Sohn retten konnte.

Allerdings wissen wir auch, dass Josh jetzt von einem Dämon aus dem Totenreich besessen ist und er deshalb am Ende von „Insidious“ die Geisterjägerin Elise Rainier (Lin Shaye) ermordete. Aber die Polizei kommt bei ihren Ermittlungen nicht weiter und die Lamberts dürfen gehen. Sie ziehen in Joshs Elternhaus, wo seltsame Dinge geschehen und Joshs seltsames Verhalten ängstigt seine Frau Renai (Rose Byrne), die eigentlich nach dem Ende von „Insidious“ wissen müsste, wer ihr Mann ist. Immerhin hat auch sie die Aufnahme gesehen, die Elise von Josh gemacht hat. Aber diese Idee verfolgen die Macher des Films nicht weiter. In „Insidious: Chapter 2“ fragen Renai und ihre Kinder sich, warum ihr liebevoller Vater sich jetzt wie eine Mischung aus „Stepfather“ Jerry Blake und Norman Bates benimmt.

Zur gleichen Zeit will Joshs Mutter Lorraine (Barbara Hershey) mit den beiden Geisterjägern aus dem ersten „Insidious“-Film (Leigh Wannell und Angus Sampson), die dieses Mal ihre Rolle wesentlich ernster und damit auch professioneller ausfüllen (im ersten Teil waren sie ein fehlgeleiteter Comedy-Sidekick), und Carl Stanaway (Steve Coulter), der 1986 bei der Seance als Assistent von Elise Rainier dabei war, herausfinden, von wem ihr Sohn besessen ist. Zusammen mit den Geisterjägern führen ihre Ermittlungen sie zu ihrer alten Arbeitsstelle: einem verlassenen Krankenhaus – und in einer Nacht werden alle Geheimnisse aufgedeckt.

Natürlich hat „Insidious: Chapter 2“ vieles aus dem ersten „Insidious“-Film übernommen. Vor allem die Besetzung, die Liebe zum Spiel mit Genrezitaten und es gibt, wie es sich für eine Fortsetzung gehört, mehr Geister als im ersten Film.

Aber Regisseur James Wan (zuletzt „The Conjuring“) und Drehbuchautor Leigh Whannell, die vor knapp zehn Jahren mit „Saw“ dem Horrorgenre neues Blut einhauchten und sich später mehr den traditionellen Spielarten des Horrorfilms zuwandten, erzählen in „Insidious: Chapter 2“ wirklich die Geschichte des ersten Films weiter. Mit neuen Wendungen und einem tieferen Blick in die Seelen der Hauptcharaktere und einem Spiel auf mehreren Zeitebenen, das aus meiner Sicht nicht wirklich logisch aufgeht. Denn Josh springt in der „The Further“ genannten Traumwelt, die Kontakt zur realen Welt hat, zwischen der Gegenwart, der jüngsten Vergangenheit (also dem ersten Film) und 1986 hin und her – und dann gibt es noch den Geist des durchgeknallten Mörders Parker Crane, dem Lorraine damals im Krankenhaus begegnete.

Genau wie Wan und Whannell zwischen den Zeit- und Realitätsebenen wechseln, wechseln sie auch die Stilmittel, was dazu führt, dass die nächtlichen Ermittlungen der Geisterjäger mit Lorraine zu sehr im inzwischen überlebten Found-Footage-Stil gefilmt wurden. Der Sound und die deutlich von „Psycho“ inspirierte Musik setzen dann zu oft auf die üblichen Schockmomente, die spätestens nach dem dritten überraschenden, schrillen und lauten Musikeinsatz langweilen.

Aber dafür gibt es etliche Anspielungen für den Genrejunkie und Patrick Wilson als böser Vater hat sichtlich Spaß an seinem neuen Ich.

Insgesamt ist „Insidious: Chapter 2“ nicht so gut wie „The Conjuring“, aber besser als „Insidious“ – und, weil am Ende die Geheimnisse der Familie Lambert gelöst sind, können die beiden Geisterjäger, mit etwas Hilfe aus dem Totenreich von Elise Rainier (die ebenfalls wieder, dieses Mal als helfender Geist, dabei ist), sich neuen Fällen widmen. Ein drittes Kapitel ist schon angekündigt.

Insidious 2 - Plakat

Insidious: Chapter 2 (Insidious: Chapter 2, USA 2013)

Regie: James Wan

Drehbuch: Leigh Whannell (nach einer Geschichte von James Wan und Leigh Whannell)

mit Patrick Wilson, Rose Byrne, Ty Simpkins, Lin Shaye, Barbara Hershey, Steve Coulter,

Leigh Whannell, Angus Sampson, Andrew Astor. Hank Harris

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Insidious: Chapter 2“

Moviepilot über „Insidious: Chapter 2“

Metacritic über „Insidious: Chapter 2“

Rotten Tomatoes über „Insidious: Chapter 2“

Wikipedia über „Insidious: Chapter 2“ (deutsch, englisch)

Den of Geek: Interview mit Leigh Whannell über den Film

Meine Besprechung von James Wans „The Conjuring“ (The Conjuring, USA 2013)

 

 


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