DVD-Kritik: Die „Wrong Cops“ machen alles richtig richtig falsch

Februar 20, 2015

Die von Quentin Dupieux porträtierten „Wrong Cops“ sind keine falschen Polizisten, sondern echte Gesetzeshüter die einfach alles falsch machen. Sie verkaufen Drogen, elegant getarnt in toten Ratten. Sie nehmen einen Mordfall nicht auf, sondern glauben ungerührt die vollkommen idiotische Geschichte des Zeugen, während sie seinen Kühlschrank inspizieren. Gelangweilt schikanieren sie alle Bürger, denen sie begegnen. Ein Polizist ist busenfixiert. Ein anderer will erotische Bilder von ihm, die in einem Schwulenmagazin erschienen sind, vor seiner Familie verbergen. Ein anderer arbeitet, obwohl er vollkommen untalentiert ist, in erster Linie an seinem großen Durchbruch als Musiker (die Musik ist von Mr. Oizo). Außerdem wird von den Polizisten ein angeschossener Mann, der eigentlich schon lange Tod sein sollte, durch die Geschichte geschleppt. Mal ist er im Kofferraum, mal auf der Rückbank des Autos, mal blutet er auf einer Couch und er hat immer nur einen Wunsch. Er möchte, zur Ablenkung von seinen Schmerzen, Musik hören.
Aber nicht nur die Polizisten sind schräg. Auch alle anderen Charaktere verhalten sich seltsam. So ist ein Plattenproduzent zuerst von der Verkaufsshow des Musikers begeistert. Einen uniformierten Polizisten und einen blutenden Verdächtigen hat er noch nicht gesehen und nur wenige Musiker verstehen so viel von Werbung. Als er erfährt, dass der Polizist ein echter Polizist ist und der andere Mann wirklich verblutet, bedauert er nur, dass jetzt auch der Werbeauftritt des Musikers nicht mehr vorhanden ist. So könne er den schlechten Song überhaupt nicht mehr verkaufen.
Und ein schüchterner Jugendlicher erlebt mit dem Polizisten Duke (der auch mit Drogen in Ratten und, später, Fischen handelt) das verstörendste Erlebnis, das er je hatte. Der Teenager wird von Marylin Manson gespielt.
Das ist unverkennbar die Welt von Quentin Dupieux, der mit „Rubber“ (über einen mörderischen Autoreifen) und „Wrong“ (über die Such nach einem entführten Hund), bereits zweimal beim Fantasy-Filmfest überzeugte. Auch „Wrong Cops“ wurde dort gezeigt und, im Gegensatz zu seinen beiden vorherigen Spielfilmen ist „Wrong Cops“ eine Ansammlung von Sketchen, die man auch in einer anderen Reihenfolge (zum Beispiel chronologisch) hätte zeigen können.
Insofern ist der Film eine Entspannungsübung mit ziemlich seltsamen Polizisten – und einigen alten Bekannten aus den vorherigen Filmen von Dupieux.

Wrong Cops - DVD-Cover

Wrong Cops – Von Bullen und Biestern (Wrong Cops, Frankreich/USA/Russland 2013)
Regie: Quentin Dupieux
Drehbuch: Quentin Dupieux
mit Eric Judor, Steve Little, Mark Burnham, Arden Myrin, Marilyn Manson, Eric Wareheim, Eric Roberts, Ray Wise, Jack Plotnick

DVD
Tiberius Film
Bild: 1,78:1 (16:9)
Ton: Deutsch (DTS, DD 2.0, DD 5.1), Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Trailer
Länge: 79 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Wrong Cops“

Metacritic über „Wrong Cops“

Rotten Tomatoes über „Wrong Cops“

Wikipedia über „Wrong Cops“

Meine Besprechung von Quentin Dupieux‘ „Wrong“ (Wrong, Frankreich/USA 2012)


Bald auf DVD/Filmkritik: In dieser Welt ist alles „Wrong“

September 5, 2013

Auf dem Fantasy-Filmfest hat „Wrong“ einige Kinoaufführungen, bevor er am 7. November auf DVD erscheint. Es ist der neue Film von Quentin Dupieux, der schon mit dem Fantasy-Filmfest-Liebling „Rubber“ (das war der Film mit dem Autoreifen) sein Gespür für schräge Geschichten bewies.

Im Mittelpunkt steht dieses Mal allerdings kein Reifen, sondern Dolph Springer (Jack Plotnick), ein auf den ersten Blick normal-biederer Angestellter, dessen Wecker um 7:60 (kein Tippfehler) klingelt. Eines Tages ist sein Hund spurlos verschwunden. Nachdem er keinen Erfolg bei seiner Suche hat, erhält er eine Nachricht von Master Chang (William Fichtner), der ihm erzählt, dass man erst durch das Verlieren von etwas merkt, wie viel einem die verlorene Sache bedeute. Deshalb habe er Paul entführt.

Dieser Handlungsfaden dient allerdings nur dazu, eine vollkommen verdrehte Welt zu zeigen. Eine Welt in der alles falsch ist – und dieses stimmungsvolle Bild schon alles verrät:

Wrong - Plakat - 4

In dieser Welt geht dann auch ein Mann zur Arbeit, obwohl er schon vor Wochen entlassen wurde, eine Palme verwandelt sich über Nacht in eine Tanne und eine Frau hält zwei sehr verschiedene Männer für einen Mann. Es geht aber noch absurder: In dem Büro regnet es. Aber die Angestellten gehen stoisch ihrer Arbeit nach. Dupieux hat noch viele solch absurder Ideen. Auch seine Dialoge sind herrlich absurd und schräg.

Eigentlich ist „Wrong“ ein grundsympathischer Film: die Prämisse der falschen Welt gefällt, die daraus entstehenden Ideen und Situationen sind oft komisch, aber insgesamt agieren alle Schauspieler zu unterkühlt, die Regie präsentiert alles gleich stoisch, das Erzähltempo ist eher langsam und mit der Zeit wird es dann doch etwas monoton.

Wrong - DVD-Cover-vorläufig

Wrong (Wrong, Frankreich/USA 2012)

Regie: Quentin Dupieux

Drehbuch: Quentin Dupieux

mit Jack Plotnick, William Fichtner, Eric Judor, Alexis Dziena, Steve Little, Regan Burns, Mark Burnham, Arden Myrin

Länge: 89 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

DVD erscheint am 7. November bei Tiberius Film/Sunfilm Entertainment. Als Bonusmaterial soll es ein „Making of“ geben.

Hinweise

Homepage zum Film

Rotten Tomatoes über „Wrong“

Wikipedia über „Wrong“ (englisch, französisch)

Slashfilm: Interview mit Quentin Dupieux (28. März 2013)


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