Neu im Kino/Filmkritik: „Safari – Match me if you can“ in der deutschen Komödie

August 30, 2018

Boah, war das – – –

Beginnen wir mit den Fakten:

Regie führte Rudi Gaul. Von ihm ist die Doku „Wader Wecker Vater Land“.

Das Drehbuch ist von Rudi Gaul und Friederike Klingholz. Frei nach Arthur Schnitzlers „Reigen“. Naja, Tote können sich nicht mehr wehren. Und der Film ist ein Reigen von Liebesgeschichten und sexuellen Begegnungen in der Großstadt.

Justus von Dohnányi, Sunnyi Melles, Elisa Schlott, Juliane Köhler, Friederike Kempter, Max Mauff, Sebastian Bezzel, Patrick Abozen und Janina Fautz spielen die beziehungssuchenden Großstädter. Wobei sie eher nicht nach der großen Liebe, sondern dem schnellen Sex suchen. Früher funktionierte das über Kleinanzeigen und „Fisch sucht Fahrrad“-Abende. Heute gibt es dafür die titelgebende App „Safari“, die Männlein und Weiblein nach ihren individuellen Vorlieben perfekt zusammenbringen soll. Dass ihre Selbstbeschreibung nicht immer der Realität entspricht: geschenkt. Und dass im Lauf des Films diese Lügen und Selbsttäuschungen aufgedeckt werden, gehört ebenfalls zum Genre. Aber es sollte dann schon etwas interessanter, überraschender und, immerhin will „Safari – Match me if you can“ (es geht doch nichts über einen guten deutschen Titel) eine Komödie, witziger sein.

Denn Gauls Ensemblekomödie ist das filmische Äquivalent zu einem dieser gottseidank der Vergangenheit angehörenden Abende, an denen die Privatsender in unzähligen Sketchshows einen unwitzigen Sketch nach dem nächsten präsentierten. Die Sketche waren fast ausschließlich Blindgänger. Die Sets hatten mit der Realität nichts zu tun und die Schauspieler hatten wahrscheinlich ihren Spaß. Ein größerer Zusammenhang zwischen den Witzen war auch nicht erkennbar.

Aber in einem Spielfilm nervt es, wenn nichts zusammenpasst. So gibt es in „Safari“ einen Tramfahrer, der für seine Sexabenteuer als Pilot auftritt. Er ist mit einer Psychologin, bzw. genaugenommen einer französischen Sex-Therapeutin, verheiratet. Und jetzt sollen wir glauben, dass dieses Ehepaar jemals zusammengefunden hat und dass der Tramfahrer ungestört und unentdeckt in seiner Heimatstadt München unzählige Sexabenteuer haben kann. Denn alle seine Sexabenteuer werden auf der titelgebenden und unglaublich beliebten „Safari“-App zum Besten gegeben. Die App-Nutzer haben Profilfotos von sich hochgeladen und sie bewerten sich gegenseitig nach ihrem, ähem, Geschlechtsverkehr. München ist zwar eine Großstadt, aber so groß ist die Landeshauptstadt von Bayern dann doch nicht.

Außerdem sind alle „Safari“-User auf der Suche nach der normalheterosexuellen Liebe unter weißen Deutschen. Als Alibiausländer darf ein sehr südländischer Kleinstadtgigolo Verführungstipps geben, die er – Überraschung! – nicht aus eigener Erfahrung hat.

Safari – Match me if you can“ ist ein unwitziges Desaster, bei dem ich mich fragte, wer sich so etwas ansehen soll. Denn die moderne Smartphone-Oberfläche verdeckt den Muff und die biedere Sexualmoral der fünfziger Jahre noch nicht einmal notdürftig.

Safari – Match me if you can (Deutschland 2018)

Regie: Rudi Gaul

Drehbuch: Rudi Gaul, Friederike Klingholz (frei nach Arthur Schnitzlers „Reigen“)

mit Justus von Dohnányi, Sunnyi Melles, Elisa Schlott, Juliane Köhler, Friederike Kempter, Max Mauf, Sebastian Bezzel, Patrick Abozen, Janina Fautz

Länge: 109 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Safari – Match me if you can“

Moviepilot über „Safari – Match me if you can“

Wikipedia über „Safari – Match me if you can“

 

 

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TV-Tipp für den 31. Juli: Lolita/Eyes Wide Shut

Juli 30, 2016

Zwei Liebesfilme von Stanley Kubrick

Arte, 20.15

Lolita (Großbritannien/USA 1962, Regie: Stanley Kubrick)

Drehbuch: Vladimir Nabokov

LV: Vladimir Nabokov: Lolita (1955/1958, Lolita)

Professor Humbert Humbert verliebt sich in die pubertierende Tochter seiner Vermieterin Charlotte Haze.

Film und Buch gehören heute zu den Klassikern in ihrem Genre.

Nabokovs Roman wurde 1955 zuerst auf Englisch in Frankreich veröffentlicht. Die US-amerikanische Erstausgabe erschien 1958 und wurde sofort ein Bestseller.

Mit James Mason, Sue Lyon, Peter Sellers, Shelley Winters

Wiederholung: Donnerstag, 4. August, 00.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Lolita“

Wikipedia über “Lolita” (deutsch, englisch)

Stanley Kubrik in der Kriminalakte

Arte, 22.45

Eyes Wide Shut (USA 1999, Regie: Stanley Kubrick)

Drehbuch: Stanley Kubrick, Frederic Raphael

LV: Arthur Schnitzler: Traumnovelle, 1926 (Buchausgabe, davor 1925/1926 als Fortsetzungsroman in „Die Dame“ erschienen)

Nachdem seine Frau ihm eine Jahre zurückliegende außereheliche Sexfantasie beichtet, tickt William aus. Verstört irrt der Doktor durch das nächtliche New Yorker zwischen Prostituierten und Swingerclubs.

Kubricks letzter Film ist nicht sein bester. Dafür ist er zu lang (auf mich wirkt er wie der Rohschnitt) und durch den Wechsel der Handlungszeit vom Wien der späten Kaiserjahre in das heutige New York wird die Geschichte ihres moralischen Kontextes beraubt. Denn in einer heute, unter normalen Menschen, spielenden Geschichte ist es einfach unglaubwürdig, dass ein Mann so von einer außerehelichen Sexualfantasie irritiert ist.

Zum Glück spielen weite Teile in pompös-altmodischen Innenräumen und die Dialoge wurden auch von Schnitzler übernommen. So kann man meistens ausblenden, dass „Eyes Wide Shut“ zur falschen Zeit spielt.

Mit Tom Cruise, Nicole Kidman, Sydney Pollack, Sky Dumont

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Eyes Wide Shut“

Wikipedia über “Eyes Wide Shut” (deutsch, englisch)

Stanley Kubrik in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 21. Februar: Eyes Wide Shut

Februar 21, 2014

RTL II, 22.00

Eyes Wide Shut (USA 1999, R.: Stanley Kubrick)

Drehbuch: Stanley Kubrick, Frederic Raphael

LV: Arthur Schnitzler: Traumnovelle, 1926 (Buchausgabe, davor 1925/1926 als Fortsetzungsroman in „Die Dame“ erschienen)

Nachdem seine Frau ihm eine Jahre zurückliegende außereheliche Sexfantasie beichtet, tickt William aus. Verstört irrt der Doktor durch das nächtliche New Yorker zwischen Prostituierten und Swingerclubs.

Kubricks letzter Film ist nicht sein bester. Dafür ist er zu lang (auf mich wirkt er wie der Rohschnitt) und durch den Wechsel der Handlungszeit vom Wien der späten Kaiserjahre in das heutige New York wird die Geschichte ihres moralischen Kontextes beraubt. Denn in einer heute, unter normalen Menschen, spielenden Geschichte ist es einfach unglaubwürdig, dass ein Mann so von einer außerehelichen Sexualfantasie irritiert ist.

Zum Glück spielen weite Teile in pompös-altmodischen Innenräumen und die Dialoge wurden auch von Schnitzler übernommen. So kann man meistens ausblenden, dass „Eyes Wide Shut“ zur falschen Zeit spielt.

Mit Tom Cruise, Nicole Kidman, Sydney Pollack, Sky Dumont

Hinweise

Wikipedia über “Eyes Wide Shut” (deutsch, englisch)

Stanley Kubrik in der Kriminalakte


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