TV-Tipp für den 20. April: True Grit – Vergeltung

April 19, 2020

Arte, 20.15

True Grit (True Grit, USA 2010)

Regie: Joel Coen, Ethan Coen

Drehbuch: Joel Coen, Ethan Coen

LV: Charles Portis: True Grit, 1968 (Die mutige Mattie; True Grit)

Die vierzehnjährige Mattie Ross will den Mörder ihres Vaters, den Feigling Tom Chaney, finden. Für die Jagd engagiert sie den versoffenen, aber furchtlosen Marschall Rooster Cogburn.

Ein zukünftiger Western-Klassiker

mit Jeff Bridges, Hailee Steinfeld, Matt Damon, Josh Brolin, Barry Pepper

Wiederholung: Donnerstag, 23. April, 13.45 Uhr

Hinweise

Wikipedia über Charles Portis (deutsch, englisch) und „True Grit

New York Times über Charles Portis (19. Dezember 2010)

Amerikanische Homepage zu „True Grit“ (Coen-Version)

Deutsche Homepage zu „True Grit“ (Coen-Version)

Metacritic über “True Grit”

Rotten Tomatoes über “True Grit”

Drehbuch „True Grit“ von Joel und Ethan Coen

Meine Besprechung von Charles Portis’ Roman „True Grit/Die mutige Mattie“ (True Grit, 1968)

Meine Besprechung von Bill Green/Ben Peskoe/Will Russell/Scott Shuffitts „Ich bin ein Lebowski, du bist ein Lebowski – Die ganze Welt des Big Lebowski“ (I’m a Lebowski, you’re a Lebowski, 2007)

Meine Besprechung des Coen-Films „Blood Simple – Director’s Cut“ (Blood Simple, USA 1984/2000)

Meine Besprechung von Michael Hoffmans “Gambit – Der Masterplan” (Gambit, USA 2012 – nach einem Drehbuch von Joel und Ethan Coen)

Meine Besprechung des Coen-Films “Inside Llewyn Davis” (Inside Llewyn Davis, USA/Frankreich  2013)

Meine Besprechung des Coen-Films „Hail, Caesar!“ (Hail, Caesar!, USA/Großbritannien 2016)

Die Coen-Brüder in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 21. Februar: True Grit – Vergeltung

Februar 20, 2020

Wegen des Todes von Charles Portis (28. Dezember 1933 – 17. Februar 2020)

Tele 5, 20.15

True Grit (True Grit, USA 2010)

Regie: Joel Coen, Ethan Coen

Drehbuch: Joel Coen, Ethan Coen

LV: Charles Portis: True Grit, 1968 (Die mutige Mattie; True Grit)

Die vierzehnjährige Mattie Ross will den Mörder ihres Vaters, den Feigling Tom Chaney, finden. Für die Jagd engagiert sie den versoffenen, aber furchtlosen Marschall Rooster Cogburn.

Ein zukünftiger Western-Klassiker

mit Jeff Bridges, Hailee Steinfeld, Matt Damon, Josh Brolin, Barry Pepper

Wiederholung: Montag, 24. Februar, 01.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über Charles Portis (deutsch, englisch) und „True Grit

New York Times über Charles Portis (19. Dezember 2010)

Amerikanische Homepage zu „True Grit“ (Coen-Version)

Deutsche Homepage zu „True Grit“ (Coen-Version)

Metacritic über “True Grit”

Rotten Tomatoes über “True Grit”

Drehbuch „True Grit“ von Joel und Ethan Coen

Meine Besprechung von Charles Portis’ Roman „True Grit/Die mutige Mattie“ (True Grit, 1968)

Meine Besprechung von Bill Green/Ben Peskoe/Will Russell/Scott Shuffitts „Ich bin ein Lebowski, du bist ein Lebowski – Die ganze Welt des Big Lebowski“ (I’m a Lebowski, you’re a Lebowski, 2007)

Meine Besprechung des Coen-Films „Blood Simple – Director’s Cut“ (Blood Simple, USA 1984/2000)

Meine Besprechung von Michael Hoffmans “Gambit – Der Masterplan” (Gambit, USA 2012 – nach einem Drehbuch von Joel und Ethan Coen)

Meine Besprechung des Coen-Films “Inside Llewyn Davis” (Inside Llewyn Davis, USA/Frankreich  2013)

Meine Besprechung des Coen-Films „Hail, Caesar!“ (Hail, Caesar!, USA/Großbritannien 2016)

Die Coen-Brüder in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 4. Oktober: Der Staatsfeind Nr. 1

Oktober 3, 2019

Schon als junger Mann musste „Gemini Man“ Will Smith gegen den Staat kämpfen als

RTL II, 20.15

Der Staatsfeind Nr. 1 (Enemy of the State, USA 1998)

Regie: Tony Scott

Drehbuch: David Marconi

Anwalt Robert Clayton Dean gelangt unwissentlich in den Besitz eines Videos, das den Mord an einem Politiker zeigt. Der Täter, ein hochrangiger Abgeordneter, setzt den ganzen Geheimdienst-Überwachungsapparat ein, um den Zeugen zu beseitigen. Und los geht die Hatz durch die USA.

Spannender, etwas lang geratener Thriller von Produzent Jerry Bruckheimer, der heute aktueller als damals ist. Denn wer geht heute noch ohne Handy vor die Haustür?

mit Will Smith, Gene Hackman, Jon Voight, Lisa Bonet, Regina King, Stuart Wilson, Tom Sizemore, Loren Dean, Barry Pepper, Jack Busey, Scott Caan, Gabriel Byrne

Wiederholung: Samstag, 5. Oktober, 09.35 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Staatsfeind Nr. 1“

Metacritic über „Der Staatsfeind Nr. 1“

Wikipedia über „Der Staatsfeind Nr. 1“ (deutsch, englisch)

Tony Scott in der Kriminalakte

Ein informatives Gespräch mit Tony Scott über den Film


Neu im Kino/Filmkritik: „Crawl“ oder Alligatoren in der Wohnung

August 22, 2019

Florida wird mal wieder von einem besonders schlimmen Hurrikan heimgesucht und alle Menschen sollten in ihren Wohnungen bleiben. Aber Haley (Kaya Scodelario) macht sich auf den Weg in ihren Geburtsort. Denn ihr Vater Dave (Barry Pepper) meldet sich nicht. Sie findet ihn verletzt im Kriechkeller des Elternhauses. Als sie ihn aus dem Keller zieht, bemerkt Haley, dass sie nicht allein sind. Ein Alligator ist ebenfalls im Keller und er hat sie auf seinen Speiseplan gesetzt.

Bei einem weiteren Ausbruchsversuch aus dem Keller bemerkt Haley, dass sie nicht von einem, sondern von zwei großen Alligatoren gejagt werden.

In der Realität sind die meisten Alligatoren zwischen durchaus beängstigenden dreieinhalb und vier Metern. Einige sind auch furchterregende sechs Meter groß und das ist ungefähr die Größe der in dem spannenden Horrorthriller „Crawl“ auftauchenden Alligatoren.

Weil das Wasser unaufhaltsam steigt, müssen Haley und Dave, der sich kaum bewegen kann, trotzdem versuchen, an den Tieren vorbei aus dem Keller zu entkommen.

Das ist das angenehm sparsame Set-up für Alexandre Ajas neuen Horrorfilm „Crawl“. Genrefans kennen seine vorherigen Filme, wie „High Tension“, das Wes-Craven-Remake „The Hills Have Eyes – Hügel der blutigen Augen“, „Piranha 3D“ und der Joe-Hill-Verfilmung „Horns“.

Crawl“ ist ein fast in Echtzeit in einem Haus spielendes Zwei-Personenstück, das sich auf den Kampf von Haley und Dave gegen die Alligatoren konzentriert. Dabei sind die Alligatoren extrem hungrig, beißwütig und schlecht gelaunt. Etwaige Retter werden von ihnen umstandslos totgebissen.

Für ein schnörkelloses B-Picture, das einfach nur knappe neunzig Minuten spannend und ohne ironische Brechungen oder ablenkende Nebengeschichten unterhalten will, ist das genug.

Dummerweise sind die Macher zu sehr einem völlig überflüssigem „mehr ist besser“-Wahn verfallen. Schon ein mordgieriger Alligator im Keller wäre abendfüllend gewesen. Zwei Alligatoren sind dann mehr als genug. Aber Aja und die Drehbuchautoren Michael und Shawn Rasmussen lassen ungefähr ein Dutzend Alligatoren auf die Menschen los, die dann auch noch gegen das Unwetter kämpfen müssen. Ohne die Aussicht auf Hilfe.

Crawl (Crawl, USA 2019)

Regie: Alexandre Aja

Drehbuch: Michael Rasmussen, Shawn Rasmussen

mit Kaya Scodelario, Barry Pepper, Morfydd Clark, Ross Anderson, Jose Palma, George Somner, Anson Boon

Länge: 88 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Crawl“

Metacritic über „Crawl“

Rotten Tomatoes über „Crawl“

Wikipedia über „Crawl“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 12. Mai: Three Burials – Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada

Mai 11, 2019

Arte, 20.15

Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada (Three Burials of Melquiades Estrada, USA/Frankreich 2005)

Regie: Tommy Lee Jones

Drehbuch: Guillermo Arriaga

Ein junger Grenzpolizist erschießt irrtümlich den Rancharbeiter Melquiades Estrada. Sein bester Freund, der Vorarbeiter Pete Perkins, will Estradas letzten Wunsch, eine Beerdigung in seiner Heimat Mexiko, erfüllen. Weil die Polizei sich nicht für den Tod eines Illegalen interessiert und Perkins altmodische Vorstellung von Moral und Ehre hat, entführt er den Todesschützen und begibt sich mit ihm und der Leiche auf den Weg zu Estradas Heimatdorf.

Toller noirischer Neo-Western, der leider nie richtig in unseren Kinos lief. In Cannes erhielten Tommy Lee Jones und Guillermo Arriaga die Preise für beste Regie und bestes Drehbuch. Außerdem erhielt „Die drei Begräbnisse des Melquides Estrada“ den Bronze Wrangler der Western Heritage Awards als bester Kinofilm.

Der Film ist Tommy Lee Jones’ erster Kinofilm. 2014 folgte der Western „The Homesman“.

mit Tommy Lee Jones, Barry Pepper, Julio César Cedillo, Dwight Yoakam, January Jones, Melissa Leo, Levon Helm, Guillermo Arriaga

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Rotten Tomatoes über “Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada”

Wikipedia über „Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada“ (deutsch, englisch)

Unionsverlag über Guillermo Arriaga

Meine Besprechung von Tommy Lee Jones‘ „The Homesman“ (The Homesman, USA 2014)


TV-Tipp für den 26. Januar: Broken City – Stadt des Verbrechens

Januar 25, 2019

ZDFneo, 21.30

Broken City – Stadt des Verbrechens (Broken City, USA 2013)

Regie: Allen Hughes

Drehbuch: Brian Tucker

Billy Taggart, Ex-Cop und inzwischen glückloser Privatdetektiv, soll die Frau des Bürgermeisters observieren. Dieser glaubt, dass sie ihn betrügt.

Biederer Neo-Noir, der mitten im Wahlkampf um den Bürgermeisterposten spielt und bei dem es um Korruption und illegale Immobiliengeschäfte geht. Die Geschichte ist vertraut (selbstverständlich hat Bürgermeister Hostetler einige Hintergedanken, selbstverständlich stolpert Taggart in eine „Chinatown“-Geschichte, selbstverständlich…). Er ist prominent besetzt. Er liefert einige ungewöhnliche Ansichten von New York und es gibt etwas Action. Am Auffallendsten ist die oft beunruhigende Musik/Soundcollage von Atticus Ross, Leopold Ross und Claudia Sarne. Ross schrieb mit Trent Reznor die Musik für die David-Fincher-Filme „The Social Network“, „Verblendung“ und „Gone Girl – Das perfekte Opfer“.

mit Mark Wahlberg, Russell Crowe, Catherine Zeta-Jones, Jeffrey Wright, Barry Pepper, Natalie Martinez, Kyle Chandler, Griffin Dunne

Wiederholung: Sonntag, 27. Januar, 00.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Broken City“

Metacritic über „Broken City“

Rotten Tomatoes über „Broken City“

Wikipedia über „Broken City“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 9. April: Greenpeace – Wie alles begann (aka „How to change the World“)

April 9, 2018

Weil der WDR die TV-Premiere „Elle“ um 23.20 Uhr zu sehr später Stunde zeigt und der grandiose Thriller hoffentlich demnächst zu einer früheren Uhrzeit gezeigt wird, empfehle ich

3sat, 20.15

Greenpeace – Wie alles begann… (How to change the World, Großbritannien/Kanada 2015)

Regie: Jerry Rothwell

Drehbuch: Jerry Rothwell

Tolle Doku über die ersten Jahre von Greenpeace, mit vielen bis dahin unbekannten Bildern.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

Im Kino lief die Doku als „How to Change the World – The Revolution will not be organized“.

mit Bob Hunter, Paul Watson, Patrick Moore, Barry Pepper (Erzähler, im Original)

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „How to change the World“
Moviepilot über „How to change the World“
Metacritic über „How to change the World“
Rotten Tomatoes über „How to change the World“
Wikipedia über „How to change the World“
Deutsche Homepage von Greenpeace

Meine Besprechung von Jerry Rothwells „How to Change the World – The Revolution will not be organized“ (How to change the World, Großbritannien/Kanada 2015)


Neu im Kino/Filmkritik: „Maze Runner – Die Auserwählten in der Todeszone“ um WCKD zu besiegen

Februar 3, 2018

Als im Oktober 2014 der erste „Maze Runner“-Film in die Kinos kam, fiel er im Subgenre der zahlreichen Dystopien mit jugendlichen Helden auf. Denn der Protagonist war ein Mann.

Jetzt, wo der dritte und finale Teil in den Kinos anläuft, fällt die „Maze Runner“-Trilogie wieder auf. Denn sie gehört zu den wenigen, manchmal auf vier Filme aufgeteilten Trilogien in diesem Subgenre, die wirklich bis zum Ende erzählt wird. Auch wenn wegen eines Unfalls von Hauptdarsteller Dylan O’Brien im März 2016 bei den Dreharbeiten das Ende später als von den Machenr ursprünglich geplant fertig wurde.

Viele andere Jugend-Dystopien endeten in den letzten Jahren schon vor dem zweiten Film und bei „Die Bestimmung“ wird, nach dem enttäuschenden Einspielergebnis des dritten Kinofilms, der Abschluss der Serie, der vierte Film (bzw. der zweite Teil des dritten Teils), nie in die Kinos kommen. Und ob aus den TV-Plänen etwas wird, wissen wahrscheinlich noch nicht einmal die Götter.

Maze Runner – Die Auserwählten in der Todeszone“ unterscheidet sich noch in zwei weiteren Punkten von den anderen Jugend-Dystopien. Man muss die vorherigen beiden Film nicht gesehen haben, um den dritten Film zu verstehen. Regisseur Wes Ball führt die vielen Charaktere mit ihren wichtigsten Eigenschaften und Beziehungen schnell ein. Außerdem erzählen alle drei „Maze Runner“-Filme vollkommen verschiedene Geschichten, die verschiedene Genretopoi bedienen, alle in deutlich unterscheidbaren Welten spielen und eine entsprechend anderen visuellen Stil haben.

Wer die ersten beiden „Maze Runner“-Filme „Die Auserwählten im Labyrinth“ (der auf einer von einem tödlichen Labyrinth umgebenen Lichtung spielt, aus dem die Jungs ausbrechen wollen) und „Die Auserwählten in der Brandzone“ (in dem Thomas und seine Freunde vor den WCKD-Schergen durch die Wüste in die Berge flüchten, weil sie hoffen, dort die Widerstandsgruppe „The Right Arm“ zu treffen) gesehen hat, wird viele bekannte Gesichter entdecken. Wer die Filme nicht kennt, wird ein trotz seiner Länge von über hundertvierzig Minuten flott erzähltes SF-Actionabenteuer sehen, das in einer Dystopie spielt, die als in sich geschlossene Welt durchaus glaubwürdig ist. Jedenfalls ist die „Maze Runner“-Welt glaubwürdiger als die in anderen Jugend-Dystopien präsentierten Welten, die teilweise hyperkomplex und gleichzeitig vollkommen idiotisch sind. Auch wenn man die Städte und die Ordnung der Gesellschaft nur als sehr offensichtliches Bild für die Weltsicht der jugendlichen Protagonstinnen und ihrer Gefühle beim Erwachsenwerden sehen will.

Da bleibt die „Maze Runner“-Trilogie angehem bodenständig und einfach.

Der SF-Thriller „Die Auserwählten in der Todeszone“ beginnt sechs Monate nach „Die Auserwählten in der Brandwüste“. Minho (Ki Hong Lee) wurde damals von WCKD (ein sehr treffender Name für eine sehr böse Firma) geschnappt. Thomas („American Assassin“ Dylan O’Brien) und seine Freunde versuchen ihn aus einem fahrenden Zug zu befreien. In einer ziemlich spektakulären Aktion. Dummerweise war Minho nicht in dem Zug. Thomas vermutet, dass Minho, nachdem er alle Informationen zusammenpuzzelt, in die von WCKD kontrollierte Stadt Last City, die es eigentlich nicht mehr geben sollte, gebracht wird.

Während „The Right Arm“-Führer Vince (Barry Pepper) sich mit den Kindern, die sie aus dem Zug befreit haben, und anderen Menschen in einem Schiff an einen sicheren Ort begeben will, entschließt Thomas sich, sich auf den Weg nach Last City zu machen. Begleitet wird er von Newt (Thomas Brodie-Sangster), Frypan (Dexter Darden) (beide bekannt aus dem ersten „Maze Runner“-Film), Jorge (Giancarlo Esposito) und Brenda (Rosa Salazar) (bekannt aus dem zweiten „Maze Runner“-Film).

Vor den Toren der Stadt treffen sie wieder auf Gally (Will Poulter), den sie im ersten Teil auf der Lichtung sterbend zurückließen. Er und Lawrence (Walton Goggins) wollen ihnen helfen nach Last City, einer großen, gepflegten, gut überwachten Gated Community für die Reichen, zu gelangen.

Dort wird Minho im WCKD-Labor als Versuchskaninchen für medizinische Tests gequält. WCKD-Executive-Director Dr. Ava Paige (Patricia Clarkson) und Teresa (Kaya Scodelario), Thomas‘ Ex-Freundin, glauben, dass sie kurz vor der Entdeckung eines Gegenmittels gegen den Flare-Virus stehen.

Beschützt wird die Anlage von WCKD-Sicherheitschef Janson (Aidan Gillen), der schon im zweiten Film Thomas und seine Freunde unerbittlich durch die Wüste verfolgte.

Teenagern, für die der Film in erster Linie gemacht ist, dürfte die von Wes Ball souverän inszenierte Mischung aus Action und Sentiment mit durchaus glaubwürdigen Charakteren gefallen.

Ältere erkennen natürlich sofort die zahlreichen Vorbilder, die Regisseur Wes Ball, wieder nach einem Drehbuch von T. S. Nowlin, verarbeitet und natürlich ist alles etwas einfach und auch vorhersehbar. „Maze Runner – Die Auserwählten in der Todeszone“ erfindet nichts neu und es handelt sich sicher nicht um einen künftigen Klassiker, aber es ist ein guter Film, in dem Wes Ball, wieder einmal, sein Können beim Inszenieren von Actionszenen unter Beweis stellt. Nie verliert man, egal wie komplex sie werden, den Überblick. Trotz gewisser Übertreibungen bleiben sie angenehm realistisch zwischen Schusswechseln und Faustkämpfen – und, ähem, Spielereien mit Zugwaggons und Bussen.

Auch bei den zahlreichen Handlungssträngen und dem großen Ensemble verliert man nie den Überblick.

Damit überzeugt die als Underdog gestartete „Maze Runner“-Trilogie in der Gesamtschau als gelungenes, abwechslungsreiches und kurzweiliges SF-Jugendabenteuer. Und Wes Ball empfiehlt sich als guter Actionregisseur für, nun, eine Comicverfilmung.

Maze Runner – Die Auserwählten in der Todeszone (Maze Runner: The Death Cure, USA 2018)

Regie: Wes Ball

Drehbuch: T.S. Nowlin

LV: James Dashner: The Death Cure, 2011 (Die Auserwählten – In der Todeszone)

mit Dylan O’Brien, Ki Hong Lee, Kaya Scodelario, Thomas Brodie-Sangster, Dexter Darden, Will Poulter, Jacob Lofland, Rosa Salazar, Giancarlo Esposito, Patricia Clarkson, Aidan Gillen, Barry Pepper, Nathalie Emmanuel, Katherine McNamara, Walton Goggins

Länge: 142 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Maze Runner: Die Auserwählten in der Todeszone“

Metacritic über „Maze Runner: Die Auserwählten in der Todeszone“

Rotten Tomatoes über „Maze Runner: Die Auserwählten in der Todeszone“

Wikipedia über „Maze Runner: Die Auserwählten in der Todeszone“ (deutsch, englisch)

Ein Gespräch mit Wes Ball bei einem IMAX-Screening


TV-Tipp für den 2. Februar: Der Staatsfeind Nr. 1

Februar 2, 2018

RTL II, 20.15

Der Staatsfeind Nr. 1 (USA 1998, Regie: Tony Scott)

Drehbuch: David Marconi

Anwalt Robert Clayton Dean gelangt unwissentlich in den Besitz eines Videos, das den Mord an einem Politiker zeigt. Der Täter, ein hochrangiger Abgeordneter, setzt den ganzen Geheimdienst-Überwachungsapparat ein, um den Zeugen zu beseitigen. Und los geht die Hatz durch die USA.

Spannender, etwas lang geratener Thriller von Produzent Jerry Bruckheimer, der heute aktueller als damals ist. Denn wer geht heute noch ohne Handy vor die Haustür?

mit Will Smith, Gene Hackman, Jon Voight, Lisa Bonet, Regina King, Stuart Wilson, Tom Sizemore, Loren Dean, Barry Pepper, Jack Busey, Scott Caan, Gabriel Byrne

Wiederholung: Samstag, 3. Februar, 02.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Staatsfeind Nr. 1“

Metacritic über „Der Staatsfeind Nr. 1“

Wikipedia über „Der Staatsfeind Nr. 1“ (deutsch, englisch)

Tony Scott in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 11. Oktober: True Grit/No Country for Old Men

Oktober 11, 2017

Ein wahrhaft coeniglicher Abend

Kabel 1, 20.15

True Grit (USA 2010, Regie: Joel Coen, Ethan Coen)

Drehbuch: Joel Coen, Ethan Coen

LV: Charles Portis: True Grit, 1968 (Die mutige Mattie; True Grit)

Die vierzehnjährige Mattie Ross will den Mörder ihres Vaters, den Feigling Tom Chaney, finden. Für die Jagd engagiert sie den versoffenen, aber furchtlosen Marschall Rooster Cogburn.

Ein zukünftiger Western-Klassiker

mit Jeff Bridges, Hailee Steinfeld, Matt Damon, Josh Brolin, Barry Pepper

Wiederholung: Donnerstag, 12. Oktober, 01.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über Charles Portis (deutsch, englisch) und „True Grit

New York Times über Charles Portis (19. Dezember 2010)

Amerikanische Homepage zu „True Grit“ (Coen-Version)

Deutsche Homepage zu „True Grit“ (Coen-Version)

Film-Zeit über „True Grit“ (Coen-Version)

Metacritic über “True Grit”

Rotten Tomatoes über “True Grit”

Drehbuch „True Grit“ von Joel und Ethan Coen

Meine Besprechung von Charles Portis’ Roman „True Grit/Die mutige Mattie“ (True Grit, 1968)

Kabel 1, 22.25

No Country for Old Men (USA 2007, Regie: Ethan Coen, Joel Coen)

Drehbuch: Ethan Coen, Joel Coen

LV: Cormac McCarthy: No Country for Old Men, 2005

Lewellyn Moss findet in der texanischen Wüste die Überreste eines gescheiterten Drogendeals: Leichen, Heroin und zwei Millionen Dollar. Er schnappt sich die Kohle und steht auf der Abschussliste eines gnadenlosen Killers.

Feine McCarthy-Verfilmung der Coen-Brüder, die, neben vielen anderen Preisen, auch den Oscar als bester Film des Jahres gewann und für den Edgar nominiert war (aber das war auch mit dem Gewinner “Michael Clayton”, “Tödliche Versprechen”, “Zodiac – Die Spur des Verbrechers” und “Die Regeln der Gewalt” ein starkes Jahr für Krimifreunde).

Mit Tommy Lee Jones, Javier Bardem, Josh Brolin, Woody Harrelson, Kelly Macdonald

Wiederholung: Freitag, 13. Oktober, 01.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Amerikanische Homepage zum Film

Metacritic über “No Country for Old Men”

Rotten Tomatoes über “No Country for Old Men”

Wikipedia über “No Contry for Old Men” (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Bill Green/Ben Peskoe/Will Russell/Scott Shuffitts „Ich bin ein Lebowski, du bist ein Lebowski – Die ganze Welt des Big Lebowski“ (I’m a Lebowski, you’re a Lebowski, 2007)

Meine Besprechung des Coen-Films „Blood Simple – Director’s Cut“ (Blood Simple, USA 1984/2000)

Meine Besprechung von Michael Hoffmans “Gambit – Der Masterplan” (Gambit, USA 2012 – nach einem Drehbuch von Joel und Ethan Coen)

Meine Besprechung des Coen-Films “Inside Llewyn Davis” (Inside Llewyn Davis, USA/Frankreich  2013)

Meine Besprechung des Coen-Films „Hail, Caesar!“ (Hail, Caesar!, USA/Großbritannien 2016)

Die Coen-Brüder in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 20. Mai: Broken City – Stadt des Verbrechens

Mai 19, 2017

ZDFneo, 22.35

Broken City – Stadt des Verbrechens (USA 2013, Regie: Allen Hughes)

Drehbuch: Brian Tucker

Billy Taggart, Ex-Cop und inzwischen glückloser Privatdetektiv, soll die Frau des Bürgermeisters observieren. Dieser glaubt, dass sie ihn betrügt.

Biederer Neo-Noir, der mitten im Wahlkampf um den Bürgermeisterposten spielt und bei dem es um Korruption und illegale Immobiliengeschäfte geht. Die Geschichte ist vertraut (selbstverständlich hat Bürgermeister Hostetler einige Hintergedanken, selbstverständlich stolpert Taggart in eine „Chinatown“-Geschichte, selbstverständlich…). Er ist prominent besetzt. Er liefert einige ungewöhnliche Ansichten von New York und es gibt etwas Action. Am Auffallendsten ist die oft beunruhigende Musik/Soundcollage von Atticus Ross, Leopold Ross und Claudia Sarne. Ross schrieb mit Trent Reznor die Musik für die David-Fincher-Filme „The Social Network“, „Verblendung“ und „Gone Girl – Das perfekte Opfer“.

mit Mark Wahlberg, Russell Crowe, Catherine Zeta-Jones, Jeffrey Wright, Barry Pepper, Natalie Martinez, Kyle Chandler, Griffin Dunne

Hinweise

Moviepilot über „Broken City“

Metacritic über „Broken City“

Rotten Tomatoes über „Broken City“

Wikipedia über „Broken City“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 18. März: Greenpeace – Wie alles begann… (aka „How to Change the World“)

März 17, 2017

Arte, 21.40

Greenpeace – Wie alles begann… (How to change the World, Großbritannien/Kanada 2015)

Regie: Jerry Rothwell

Drehbuch: Jerry Rothwell

Tolle Doku über die ersten Jahre von Greenpeace, mit vielen bis dahin unbekannten Bildern.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

Im Kino lief die Doku als „How to Change the World – The Revolution will not be organized“.

mit Bob Hunter, Paul Watson, Patrick Moore, Barry Pepper (Erzähler, im Original)

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „How to change the World“
Moviepilot über „How to change the World“
Metacritic über „How to change the World“
Rotten Tomatoes über „How to change the World“
Wikipedia über „How to change the World“
Deutsche Homepage von Greenpeace

Meine Besprechung von Jerry Rothwells „How to Change the World – The Revolution will not be organized“ (How to change the World, Großbritannien/Kanada 2015)


Neu im Kino/Filmkritik: „How to change the World“ – das erste Jahrzehnt von Greenpeace

September 10, 2015

Wie man die Welt ändert, das wussten in den frühen Siebzigern auch in Kanda die Hippies nicht. Aber sie waren gegen den geplanten Atomtest der USA in Amchitka, Alaska. Also charterten einige von ihnen einen rostigen Fischkutter, nannten ihn „Greenpeace“, und machten sich im September 1971 auf den Weg nach Alaska. Dass sie damit etwas starteten, was, wie man so schön pathetisch sagt, größer wurde, als sie selbst, ahnten sie nicht. Denn die Fahrt bedeutet auch die Geburtsstunde von Greenpeace und der damals spontan ausgedachte Name und das Logo wurden weltberühmt.
Sie hatten, wie sie bei der Rückkehr ihrer als erfolglos empfundenen Fahrt (sie hatten Amchitka nicht erreicht) erfuhren, nicht nur die Tests verzögert (kurz darauf wurden sie endgültig abgebrochen), sondern ihre Berichte von der Fahrt hatten auch dazu geführt, dass es in Kanada in allen größeren Städten Proteste gegen den US-Atomtest gab und sie zu ihrer Überraschung, bei der Einfahrt in den Hafen, von einer jubelnden Menschenmenge empfangen wurden. In den nächsten Monaten und Jahren, während die Gründer auf den Weltmeeren für Frieden und Umweltschutz protestierten, gründeten sich schnell weitere Unterstützergruppen, was dann auch schnell zu Konflikten mit den basisdemokratischen Prinzipien und den Egos der Gründer führte.
In seiner absolut sehenswerten Dokumentation „How to change the World – The Revolution will not be organized“ erzählt Jerry Rothwell das erste Jahrzehnt der Umweltorganisation und den Selbstzweifeln und Machtkämpfen der Gründer untereinander. Und weil mit Robert ‚Bob‘ Hunter (aus dessen Perspektive der Film geschildert wird) von Anfang an ein Journalist an Bord war und alle mit einer Dokumentation ihrer ersten Fahrt (später wurde gerade diese Betonung öffentlichkeitswirksamer Aktionen und das fotogene Anbringen des „Greenpeace“-Logos zu einem Vorwurf) einverstanden waren, konnte Rothwell auf einem sagenhaftem Fundus historischer Aufnahmen zurückgreifen. In den Greenpeace-Archiven in Amsterdam lagerten 1500 Filmdosen mit 16mm-Filmen, die bislang nicht geöffnet waren. Sie sind ungewöhnlich professionell aufgenommen und sehen daher, was man nicht von allen Dokumentationen mit historsichem Filmmaterial behaupten kann, auch auf der Kinoleinwand gut aus.
Auf ihrer Fahrt nach Amchitka entdeckten die Pazifisten eine verlassene Walfangstation und damit auch das Thema, mit dem Greenpeace über die nächsten Jahre bekannt wurde: dem Kampf gegen den Walfang. Im Golf von Alaska waren sie damals schon ausgerottet. In diesen Jahren wuchs die Organisation, es gab Streit zwischen den Gründern (die in historischen und aktuellen Statements zu Wort kommen) und mit dem Kampf gegen die Robbenjagd hatte Greenpeace Ende der siebziger Jahre, unterstützt von Prominenten, ihr zweites großes Thema gefunden. Diese Jahre, die mit der Gründung von Greenpeace International (und damit einer neuen Struktur der Organisation) endeten, schildert Rothwell mit kritischer Sympathie und er vermittelt viel von der damaligen Aufbruchstimmung und dem kompromisslosem Kampf für eine bessere Wet. Im Zentrum steht eine Gruppe erinnerungswürdiger Typen, die zeigen, dass wenige Menschen einen Unterschied machen können.
Emily Hunter, die Tochter von Bob Hunter, meint, der Film sei die letzte Mind-Bomb (Bewusstseinsbombe) ihres Vaters. Mit ihnen wollte er, durch die Medien, das Bewusstsein der Menschen verändern und revolutionäre Veränderungen anzustoßen.

How to Change the World - Plakat - 4

How to Change the World – The Revolution will not be organized (How to change the World, Großbritannien/Kanada 2015)
Regie: Jerry Rothwell
Drehbuch: Jerry Rothwell
mit Bob Hunter, Paul Watson, Patrick Moore, Barry Pepper (Erzähler, im Original)
Länge: 110 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „How to change the World“
Moviepilot über „How to change the World“
Metacritic über „How to change the World“
Rotten Tomatoes über „How to change the World“
Wikipedia über „How to change the World“
Deutsche Homepage von Greenpeace


Neu im Kino/Filmkritik: „Kill the Messenger“, vor allem wenn’s ein Journalist ist

September 10, 2015

Was geschieht, wenn ein Journalist die größte Enthüllungsgeschichte seines Lebens und seiner Tageszeitung während des größten Umbruchs der Zeitungsgeschichte schreibt? Das fragte sich Gary Webb nicht, als er zufällig, bei einer Gerichtsverhandlung gegen einen Drogenhändler, die Verbindung zwischen aus Südamerika kommendem Crack in South Central Los Angeles und der Mitwisserschaft der CIA entdeckte. Das fragte er sich auch nicht, als er seine Story auch in Washington, D. C., und Nicaragua recherchierte. Denn vor zwanzig Jahren hatten nur wenige Menschen einen Internetanschluss. Und als er im August 1996 in der San Jose Mercury News, bei der er angestellt war, seine Recherchen in einer dreiteiligen Artikelserie veröffentlichte, war die Online-Publikation ein netter Zusatznutzen, um den Lesern weiterführende Informationen und Dokumente zu präsentieren. Im Film wird das nicht erwähnt. Denn wenn sie es getan hätten, hätten sie in der zweiten Hälfte andere Schwerpunkte setzen müssen.
Damals verschaffte die Online-Publikation (was damals noch ungewöhnlich war) dem Lokalblatt und der Reportage eine weit eine über die normalen Leser der Tageszeitung hinausgehende Leserschaft und Aufmerksamkeit. Dabei war einges von Webbs Recherchen schon vorher (unter anderem durch die Iran-Contra-Affäre) bekannt, aber jetzt wurden die ihm veröffentlichten Fakten über die Finanzierung der nicaraguanischen Contra-Rebellen durch den Schmuggel von Drogen in die USA (während die USA gleichzeitig einen „war on drugs“ führte) zu einem Skandal. Die Bewohner von South Central waren empört, dass die Regierung (vor allem die CIA), mindestens Mitwisser, vielleicht sogar Mithelfer, bei der Crack-Epidemie, dem steigenden Verbrechen und der desolaten Lage ihres Viertels war. Auch in anderen Großstädten sah es oft nicht besser aus.
Damals wusste niemand, dass Webb seine Enthüllungsgeschichte am Vorabend des US-Zeitungssterbens und des Aufstiegs des Internets zu einem Massenmedium schrieb. Dieser historisch wichtige Umbruch wird im in zwei Teile zerfallenden Film „Kill the Messenger“ zwar nicht weiter angesprochen, aber er verleiht ihm einen beunruhigenden Subtext. Jedenfalls wenn man „guten Journalismus“ nur mit „Zeitungsjournalismus“ verbindet.
Michael Cuesta („Dexter“, „Homeland“) erzählt, nach einem Drehbuch von „New York Times Magazine“-Journalist Peter Landesman, in seinem Film Gary Webbs Geschichte. In der ersten Hälfte, wenn wir Webbs Recherchen verfolgen, steht der Film fest in der Tradition der Thriller, die investigative Journalisten und ihre Arbeit feiern und die sogar Präsidenten, siehe „Die Unbestechlichen“, zu Fall bringen können. Das ist spannend und, auch wenn die Tatsachen heute allgemein anerkannt sind, schockierend.
In der zweiten Hälfte erzählt er, was nach der Enthüllung geschah: wie Webb seine Recherchen verteidigt, er von seinen Vorgesetzten nicht gegen Angriffe verteidigt wird und er sich, auch aufgrund seiner Persönlichkeit, zunehmend isoliert. Dieser Teil ist dann weniger spannend, teilweise schrecklich misslungen, aber thematisch interessanter. Denn er zeigt, wie sehr das Bild des edlen, wahrheitssuchenden, von seiner ebenso edlen, nur der Wahrheit verpflichtenden Redaktion, die ihn bis zum Tod und darüber hinaus beschützt und gegen alle Angriffe verteidigt, eine gut gepflegte Chimäre ist. Jedenfalls für viele Redaktionen. Und, weil die Geschichte gerade an der Schwelle zum Internetzeitalter spielt, zeigt der Film unterschwellig auch, wie sich, ohne dass die Beteiligten es wissen, ein seit Jahrzehnten gepflegtes Modell von Zeitung, von Lokaljournalismus und von Tageszeitung in den USA gerade verabschiedet. In Deutschland ist die Situation nicht vergleichbar, weil hier Tageszeitungen vor allem Abo-Zeitungen sind und daher die Einnahmesituation vollkommen anders aussieht.
Allerdings ist die zweite Hälfte auch weniger gelungen als die erste. Er zerfasert etwas zwischen der Rufmordkampagne durch die Regierung und die Hauptstadtjournalisten, die dem Nobody von dem Provinzblatt nicht die sensationelle Story gönnen, Webbs Kämpfe in der Redaktion und seinem Privatleben. Der Film versucht uns jetzt mehr für den Journalisten und seine beruflichen und privaten Probleme zu interessieren, während davor die Story im Mittelpunkt stand. Jetzt wird der Bote zur Story – und der Film verliert seine Geschichte. Dabei spricht er viele Punkte an, ohne wenigstens einen konsequent in den Mittelpunkt zu rücken. Er geht auch nicht darauf ein, wie sehr Webbs Persönlichkeit seinen Fall vom geachteten Journalisten zum Outsider begünstigte. Webb beging, was auch nicht vom Drehbuchautor angezweifelt wird, am 10. Dezember 2004 Suizid. Aber der Film endet schon Jahre früher mit einer die Tugenden des Journalismus hochhaltenden Rede, die gleichzeitig ein Abgesang auf sie ist.
So ist „Kill the Messenger“ nicht so gut, wie er hätte sein können. Aber er spricht interessante und wichtige Fragen über die Rolle des Journalismus in einer freien Gesellschaft, das Verhalten von Journalisten untereinander, dem Verhalten von Vorgesetzten gegenüber ihren Angestellten und zum Wandel der Medien durch das Internet an. Er drückt sich allerdings um Antworten herum.

Kill the Messenger - Plakat

Kill the Messenger (Kill the Messenger, USA 2014)
Regie: Michael Cuesta
Drehbuch: Peter Landesman
LV: Gary Webb: Dark Alliance – The CIA, the Contras and the Crack Cocaine Explosion, 1998; Nick Schou: Kill the Messenger – How the CIA’s Crack-Cocaine Controversy destroyed Journalist Gary Webb, 2006
mit Jeremy Renner, Rosemarie DeWitt, Tim Blake Nelson, Barry Pepper, Oliver Platt, Andy Garcia, Michael Sheen, Paz Vega, Michael Kenneth Williams, Mary Elizabeth Winstead, Ray Liotta, Robert Patrick
Länge: 112 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Facebook-Seite zum Film
Film-Zeit über „Kill the Messenger“
Moviepilot über „Kill the Messenger“
Metacritic über „Kill the Messenger“
Rotten Tomatoes über „Kill the Messenger“
Wikipedia über „Kill the Messenger“ (deutsch, englisch)
History vs. Hollywood über „Kill the Messenger“


TV-Tipp für den 22. Mai: Der Staatsfeind Nr. 1

Mai 22, 2015

Pro Sieben, 20.15

Der Staatsfeind Nr. 1 (USA 1998, Regie: Tony Scott)

Drehbuch: David Marconi

Anwalt Robert Clayton Dean gelangt unwissentlich in den Besitz eines Videos, das den Mord an einem Politiker zeigt. Der Täter, ein hochrangiger Abgeordneter, setzt den ganzen Geheimdienst-Überwachungsapparat ein, um den Zeugen zu beseitigen. Und los geht die Hatz durch die USA.

Spannender, etwas lang geratener Thriller von Produzent Jerry Bruckheimer, der heute aktueller als damals ist. Denn wer geht heute noch ohne Handy vor die Haustür?

mit Will Smith, Gene Hackman, Jon Voight, Lisa Bonet, Regina King, Stuart Wilson, Tom Sizemore, Loren Dean, Barry Pepper, Jack Busey, Scott Caan, Gabriel Byrne

Wiederholung: Sonntag, 24. Mai, 15.05 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Staatsfeind Nr. 1“

Metacritic über „Der Staatsfeind Nr. 1“

Wikipedia über „Der Staatsfeind Nr. 1“ (deutsch, englisch)

Tony Scott in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 27. März: True Grit

März 27, 2015

Pro 7, 20.15

True Grit (USA 2010, Regie: Joel Coen, Ethan Coen)

Drehbuch: Joel Coen, Ethan Coen

LV: Charles Portis: True Grit, 1968 (Die mutige Mattie; True Grit)

Die vierzehnjährige Mattie Ross will den Mörder ihres Vaters, den Feigling Tom Chaney, finden. Für die Jagd engagiert sie den versoffenen, aber furchtlosen Marschall Rooster Cogburn.

Ein zukünftiger Western-Klassiker

mit Jeff Bridges, Hailee Steinfeld, Matt Damon, Josh Brolin, Barry Pepper

Wiederholung: Sonntag, 29. März, 00.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über Charles Portis (deutsch, englisch) und „True Grit

New York Times über Charles Portis (19. Dezember 2010)

Amerikanische Homepage zu „True Grit“ (Coen-Version)

Deutsche Homepage zu „True Grit“ (Coen-Version)

Film-Zeit über „True Grit“ (Coen-Version)

Metacritic über “True Grit”

Rotten Tomatoes über “True Grit”

Drehbuch „True Grit“ von Joel und Ethan Coen

Meine Besprechung von Charles Portis’ Roman „True Grit/Die mutige Mattie“ (True Grit, 1968)

„You know, for kids!“  – The Movies of the Coen Brothers (eine sehr umfangreiche Seite über die Coen-Brüder)

Meine Besprechung von Bill Green/Ben Peskoe/Will Russell/Scott Shuffitts „Ich bin ein Lebowski, du bist ein Lebowski – Die ganze Welt des Big Lebowski“ (I’m a Lebowski, you’re a Lebowski, 2007)

Meine Besprechung von Michael Hoffmans “Gambit – Der Masterplan” (Gambit, USA 2012 – nach einem Drehbuch von Joel und Ethan Coen)

Meine Besprechung des Coen-Films “Inside Llewyn Davis” (Inside Llewyn Davis, USA/Frankreich  2013)

Die Coen-Brüder in der Kriminalakte


DVD-Kritik: Ist der „Lone Ranger“ wirklich so schlecht?

Dezember 10, 2013

Die US-Kritiker waren mit dem Film so unzufrieden, dass Hauptdarsteller Johnny Depp, Regisseur Gore Verbinski und Produzent Jerry Bruckheimer in einem Interview die schlechten Kritiken und die negativen Meldungen, die es teilweise schon während der sich ewig hinziehenden Vorproduktion und der Dreharbeiten gab, für den finanziellen Misserfolg des Films verantwortlich machten. Das schmeichelte sicher dem Ego der US-Kritiker, aber wenn ich einen Blick auf andere, von der Kritik negativ besprochenen Filme und die Einspielergebnisse werfe, sehe ich keinen so einfachen Zusammenhang. Immerhin wurden Verbinskis zweiter und dritter „Piraten der Karibik“-Film auch nicht überwältigend besprochen und die kommerziell überaus erfolgreichen Blockbuster von Michael Bay werden regelmäßig verrissen.

Es kann daher auch sein, dass niemand den Film sehen will, weil er schlecht ist.

Die erstaunlich lieblose DVD-Veröffentlichung (Es sind nur zwei zusätzliche, weitgehend animierte Szenen und einige Pannen beim Dreh vorhanden. Sogar auf den Trailer wurde verzichtet.) bietet die Möglichkeit, das mit etwas Abstand zu überprüfen. Denn, immerhin meinte Bruckheimer, dass „Lone Ranger“ wie „Der Zauberer von Oz“ „Ist das Leben nicht schön?“, „2001: Odyssee im Weltraum“ und „Blade Runner“ mit der Zeit gewinnen und als Meisterwerk anerkannt werde.

Nun, das glaube ich nicht. Dafür ist „Lone Ranger“ einfach zu schlecht, aber es könnte einer dieser Feiertagsfilme werden, die man sich immer wieder, wenn auch nur bis zur nächsten Werbepause, ansieht, weil die gesamte Filmgeschichte zwar keinen Sinn macht, es aber einige eher müde Witze und, am Ende, eine ziemlich spektakuläre, slaptstickhafte Actionszene gibt, die deutlich von Stummfilmen, wie Buster Keatons „Der General“, inspiriert ist. Nur dass Verbinski die Action auf zwei Züge und mehr oder weniger nebeneinander verlaufenden Gleisen verlegte. Das ist dann so beeindruckend wie sinnfrei.

Davor gibt es eine chaotische Geschichte über einen Eisenbahnbauer, der im Indianergebiet illegal Gold abbauen will und der dafür, illegal und unbemerkt, gleich Gleise ins Indianergebiet verlegte. Seine skrupellosen Handlanger bringen in einem Hinterhalt John Reids Bruder und weitere Gesetzeshüter um. Nur John Reid (Armie Hammer), der sich jetzt „The Lone Ranger“ nennt, überlebt den Hinterhalt und gemeinsam mit dem Indianer Tonto (Johnny Depp) beginnen sie die Bösewichter zu jagen.

Dieses Chaos wird, in einer 1933 in San Francisco spielenden Rahmenhandlung, von Tonto erzählt und jede Unlogik kann natürlich damit erklärt werden, dass Tonto ein chronisch unzuverlässiger Erzähler ist, der sich immer wieder in den Mittelpunkt rückt. Denn in den ursprünglichen „Lone Ranger“-Geschichten ist Tonto nur der Gehilfe des edlen Lone Rangers.

Der Lone Ranger ist ein legendärer, von Fran Striker erfundener Charakter, der zuerst in den Dreißigern im Radio Bösewichter jagte. Bis September 1954 entstanden dreitausend „Lone Ranger“-Radioepisoden. Später trat der „Lone Ranger“ auch, ebenfalls äußerst erfolgreich, im Kino, im Fernsehen, in Romanen und in Comics auf. Die Geschichten waren für ein jugendliches Publikum geschrieben. Deshalb musste der „Lone Ranger“ sich auch immer gut benehmen, wie man aus den von Fran Striker und Radioproduzent George Trendle formulierten Statuten erfährt: „Der Ranger ist ein Mann, der allen Widrigkeiten trotzt und niemals aufhört zu kämpfen, sich aber auch die Zeit nimmt, einem Vogel mit einem verletzten Flügel zu helfen. (…) Der Ranger spricht immer klar und deutlich, ohne Dialekt- oder Slangbegriffe. (…) Der Ranger schießt nie, um zu töten. (…) Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit gegenüber Kindern ist wichtig. Das Einhalten von Gesetzen und der Respekt gegenüber der Polizei ebenso.“

Tja, ein ziemlich naiver Held für ein sehr junges Publikum.

Mit dem originalen Lone Ranger hat diese viel zu teuer geratene Verfilmung, außer einigen Accessoires – die Maske des Lone Rangers, die Verkleidung des Lone Rangers, die Augenbinde des Lone Rangers – und einer extremen Schwarz-Weiß-Zeichnung der Charaktere, nichts mehr zu tun. Auch der naive Charme der alten, für ein Taschengeld produzierten Serials fehlt.

Als Spielfilm setzt Verbinskis Werk sich, weil nie eine erzählerische Haltung erkennbar ist, als „Piraten der Karibik“-im-Wilden-Westen-Übung zwischen die Stühle. Einerseits soll die Klamauk-Ebene bedient werden, andererseits soll die Pracht des Wilden Westens wie in einem klassischen Western auf der Leinwand erstrahlen. Dabei durchkreuzt der eine erzählerische Ansatz immer wieder den anderen, nichts funktioniert und am Ende hat der „Lone Ranger“ höchstens die Faszination eines missglückten Experiments: die Zutaten stimmen, das Ergebnis nicht.

Dabei hat es nicht am Geld gelegen. Immerhin kostete der „Lone Ranger“ ungefähr 215 Millionen Dollar. „Django Unchained“ kostete 100 Millionen, „True Grit“ 38 Millionen, „Appaloosa“ 20 Millionen, „Todeszug nach Yuma“ 55 Millionen, „Open Range“ 22 Millionen und „Erbarmungslos“ 14,4 Millionen. Alle diese Western sind deutlich gelungener und sie fanden ihr Publikum, weil sie das hatten, was dem „Lone Ranger“ fehlt: eine Geschichte.

P1.43 (LONER_009H_G - International Payoff (With Weapons))

Lone Ranger (The Lone Ranger, USA 2013)

Regie: Gore Verbinski

Drehbuch: Ted Elliott, Terry Rossio, Justin Haythe

mit Johnny Depp, Armie Hammer, Tom Wilkinson, Ruth Wilson, William Fichtner, Barry Pepper, James Badge Dale, Helena Bonham Carter

DVD

Disney

Bild: 2,40:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch, Türkisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte, Türkisch

Bonusmaterial: Zusätzliche Szenen, Pannen beim Dreh

Länge: 143 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Lone Ranger“

Moviepilot über „Lone Ranger“

Metacritic über „Lone Ranger“

Rotten Tomatoes über „Lone Ranger“

Wikipedia über „Lone Ranger“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Brett Matthews (Text)/Sergio Cariello (Zeichnungen) „The Lone Ranger – Band 1: Für immer und ewig“ (The Lone Ranger – Volume 1: Now and Forever, 2007)


TV-Tipp für den 18. September: Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada

September 18, 2013

 

3sat, 22.25

Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada (USA/F 2005, R.: Tommy Lee Jones)

Drehbuch: Guillermo Arriaga

Ein junger Grenzpolizist erschießt irrtümlich den Rancharbeiter Melquiades Estrada. Sein bester Freund, der Vorarbeiter Pete Perkins, will Estradas letzten Wunsch, eine Beerdigung in seiner Heimat Mexiko, erfüllen. Weil die Polizei sich nicht für den Tod eines Illegalen interessiert und Perkins altmodische Vorstellung von Moral und Ehre hat, entführt er den Todesschützen und begibt sich mit ihm und der Leiche auf den Weg zu Estradas Heimatdorf.

Toller noirischer Neo-Western, der leider nie richtig in unseren Kinos lief. In Cannes erhielten Tommy Lee Jones und Guillermo Arriaga die Preise für beste Regie und bestes Drehbuch. Außerdem erhielt „Die drei Begräbnisse des Melquides Estrada“ den Bronze Wrangler der Western Heritage Awards als bester Kinofilm.

Der Film ist Tommy Lee Jones’ bislang einziger Kinofilm.

mit Tommy Lee Jones, Barry Pepper, Julio César Cedillo, Dwight Yoakam, January Jones, Melissa Leo, Levon Helm, Guillermo Arriaga

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Rotten Tomatoes über “Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada”

Wikipedia über „Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada“ (deutsch, englisch)

Film-Zeit über „Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada“

Unionsverlag über Guillermo Arriaga


Neu im Kino/Filmkritik: „Snitch – Ein riskanter Deal“ ist eine bitterböse Anklage gegen die US-Drogenpolitik

Juni 7, 2013

 

Wer in „Snitch – Ein riskanter Deal“ das prototypische Dwayne-Johnson-Actionvehikel mit viel Testosteron und wenig Hirn erwartet, sollte sein Geld lieber in einen zweiten Besuch von „“Fast & Furious 6“ stecken stecken. Denn „Snitch“ ist ein gelungener 70er-Jahre-Crime-Thriller mit etwas Action, vor allem am Ende, und Charakteren, die aufgrund der Umstände vor schwierigen Entscheidungen stehen.

So muss sich der Bauunternehmer John Matthews (Dwayne Johnson) fragen, was er für seinen achtzehnjährigen Sohn Jason (Rafi Gavron) tun wird. Jason wurde mit einem Päckchen Ecstasy-Pillen geschnappt. Er hat das Päckchen für einen Freund angenommen. Angeklagt ist er jetzt als Drogenhändler.

Jason erhält jetzt das Angebot, seine Strafe, die sich auch bei Ersttätern ausschließlich nach der Menge der konfiszierten Drogen bemisst, von zehn Jahren zu reduzieren, wenn er der Polizei einen anderen Drogenhändler nennt. Eine andere Möglichkeit, die Strafe zu reduzieren, gibt es nicht. Dummerweise kennt Jason keine Drogenhändler und er will auch nicht irgendeinen x-beliebigen Klassenkameraden verpetzen.

Als John sieht, wie es seinem Sohn im Gefängnis zunehmend schlechter geht, verfällt der anständige Bürger auf eine wahnwitzige Idee: wenn er der konservativen republikanischen Staatsanwältin Joanne Keeghan (Susan Sarandon) einen Drogenhändler liefert, könne das doch strafmildernd auf die Haft seines Sohnes angewandt werden.

Aber auch John kennt keine Drogenhändler. Er versucht den bei ihm angestellten Ex-Häftling Daniel James (Jon Bernthal), der als bereits zweimal verurteilter Familienvater ein ehrliches Leben führen will, zu überzeugen, seine guten Vorsätze aufzugeben.

Diesen Weg ins Verderben zeichnet Ric Roman Waugh („Felon“) für heutige Sehgewohnheiten ungewöhnlich ruhig nach und Dwayne Johnson, der unbesiegbare Muskelprotz darf hier, sehr reduziert, einen Normalbürger spielen, der sein Gehirn einsetzen muss. Denn seine Muskeln helfen ihm nicht gegenüber den Drogenhändlern und gegenüber der Staatsanwältin Keeghan, die ihre Menschenverachtung nur mühsam hinter Paragraphen verbirgt und Matthews kalt lächelnd als potentielles Bauernopfer in immer größere Gefahr bringt. Und das kann sie tun, weil es in den letzten Jahren im US-amerikanischen Justizsystem eine groteske Fehlentwicklung gab: im Kampf gegen die Drogenkriminalität wurden die Mindeststrafen auch für Ersttäter immer weiter angehoben. Nach den „Mandatory Drug Sentencing Laws“ gibt es für zehn Gramm LSD zehn Jahre Haft und der Täter kann seine Strafe für Drogenbesitz, die bis zu dreißig Jahren betragen kann, nur verringern, indem er einen anderen Drogenhändler verpfeift. So wollte man an die großen Bosse kommen. In der Realität sitzen Jungs wie Jason im Gefängnis.

Die Inspiration für „Snitch“ war die PBS-“Frontline“-Sendung „Snitch“ und dieser Fall:

Another case profiled is that of 18- year-old Joey Settembrino, a first time offender who received a 10-year prison sentence after being caught in a drug sting instigated by a friend who was facing federal prosecution. After Joey was busted, federal agents enlisted his father to try to set up others in a drug sting. If the father delivered, his son would be spared a lengthy prison term. The effort failed. Joey is serving a mandatory 10 years without parole.“

Snitch“ ist sicher nicht das typische Blockbuster-Futter, aber es ist ein angenehm altmodischer Thriller, in dem die Schauspieler im Vordergrund stehen und auch eine Botschaft transportiert wird. Denn natürlich fragt man sich, ob es wirklich richtig ist, wenn ein unbescholtener Einser-Schüler aufgrund der Gesetze zu einer zehnjährigen Haftstrafe verurteilt wird und sein ebenfalls unbescholtener Vater zum Verbrecher werden muss, um seinem Sohn helfen zu können. „Snitch“ zeigt im Rahmen einer spannenden, aber auch vorhersehbaren Genre-Geschichte, wie sehr in den USA Gesetz und Gerechtigkeitsempfinden im Kampf gegen die Drogenkriminalität auseinanderklaffen.

Snitch - Plakat

Snitch – Ein riskanter Deal (Snitch, USA 2013)

Regie: Ric Roman Waugh

Drehbuch: Justin Haythe, Ric Roman Waugh

mit Dwayne Johnson, Barry Pepper, Jon Bernthal, Susan Sarandon, Michael K. Williams, Rafi Gavron, Melina Kanakaredes, Velazquez Maria, Benjamin Bratt, Lela Loren, JD Pardo, David Harbour

Länge: 112 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Snitch – Ein riskanter Deal“

Metacritic über „Snitch – Ein riskanter Deal“

Rotten Tomatoes über „Snitch – Ein riskanter Deal“

Wikipedia über „Snitch – Ein riskanter Deal“

PBS: Frontline-Sendung „Snitch“, die den Spielfilm inspirierte

 


TV-Tipp für den 22. Mai: Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada

Mai 22, 2013

RBB, 22.45

Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada (USA/F 2005, R.: Tommy Lee Jones)

Drehbuch: Guillermo Arriaga

Ein junger Grenzpolizist erschießt irrtümlich den Rancharbeiter Melquiades Estrada. Sein bester Freund, der Vorarbeiter Pete Perkins, will Estradas letzten Wunsch, eine Beerdigung in seiner Heimat Mexiko, erfüllen. Weil die Polizei sich nicht für den Tod eines Illegalen interessiert und Perkins altmodische Vorstellung von Moral und Ehre hat, entführt er den Todesschützen und begibt sich mit ihm und der Leiche auf den Weg zu Estradas Heimatdorf.

Toller noirischer Neo-Western, der leider nie richtig in unseren Kinos lief. In Cannes erhielten Tommy Lee Jones und Guillermo Arriaga die Preise für beste Regie und bestes Drehbuch. Außerdem erhielt „Die drei Begräbnisse des Melquides Estrada“ den Bronze Wrangler der Western Heritage Awards als bester Kinofilm.

Der Film ist Tommy Lee Jones’ bislang einziger Kinofilm.

mit Tommy Lee Jones, Barry Pepper, Julio César Cedillo, Dwight Yoakam, January Jones, Melissa Leo, Levon Helm, Guillermo Arriaga

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Rotten Tomatoes über „Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada“

Wikipedia über „Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada“ (deutsch, englisch)

Film-Zeit über „Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada“

Unionsverlag über Guillermo Arriaga


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