TV-Tipp für den 24. Juli: American Hustle

Juli 24, 2016

Pro7, 20.15

American Hustle (American Hustle, USA 2013)

Regie: David O. Russell

Drehbuch: Eric Warren Singer, David O. Russell

New York in den späten Siebzigern: FBI-Agent DiMaso will einen korrupten Bürgermeister überführen. Dabei sollen ihm der Betrüger Rosenfeld und seine Geliebte helfen.

Durchaus vergnügliche, aber auch von sich selbst zu sehr überzeugte Mega-Retro-Gaunerkomödie, die auf einem wahren Fall basiert.

Alles weitere in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Christian Bale, Amy Adam, Bradley Cooper, Jennifer Lawrence, Jeremy Renner, Jack Huston, Michael Peña, Louis C. K., Shea Whigham, Elisabeth Rohm, Barry Primus, Robert De Niro

Wiederholung: Montag, 25. Juli, 07.25 Uhr (für Frühaufsteher mit spätem Arbeitsbeginn)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „American Hustle“

Moviepilot über „American Hustle“

Metacritic über „American Hustle“

Rotten Tomatoes über „American Hustle“

Wikipedia über „American Hustle“ (deutsch, englisch) und die Operation Abscam (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „American Hustle“

Meine Besprechung von David O. Russells „American Hustle“ (American Hustle, USA 2013)

Meine Besprechung von David O. Russells „Joy – Alles außer gewöhnlich“ (Joy, USA 2015)

Werbeanzeigen

TV-Tipp für den 26. September: James Dean – Ein Leben auf der Überholspur

September 26, 2015

ServusTV, 20.15
James Dean – Ein Leben auf der Überholspur (USA 2001, Regie: Mark Rydell)
Drehbuch: Israel Horovitz
Durchaus gelungenes Biopic über James Dean (8. Februar 1931 – 30. September 1955).
James Franco erhielt für sein Spiel einen Golden Globe.
mit James Franco, Michael Moriarty, Valentina Cervi, Enrico Colantoni, John Pleshette, Barry Primus
Wiederholung: Sonntag, 27. September, 15.35 Uhr
Hinweise
Rotten Tomatoes über „James Dean“
Wikipedia über James Dean (deutsch, englisch) und „James Dean“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Die überschätzte Siebziger-Jahre-Gaunerkomödie „American Hustle“

Februar 13, 2014

Als die Oscar-Nominierungen veröffentlicht wurden, war die Nominierungsliste mit zehn Nominierungen für David O. Russells „American Hustle“, darunter, wie schon für seinen vorherigen Film „Silver Linings“, in den Kategorien bester Film, beste Regie, bestes Drehbuch und, was äußerst selten ist, in allen vier Darstellerkategorien, nur der vorläufige Höhepunkt des Nominierungs- und Preisregen der seit dem Kinostart auf die lose von der sehr umstrittenen FBI-Operation „Abscam“ inspirierte Siebziger-Jahre-Gaunerkomödie herabregnet. Begleitet von fast einhelligem Kritikerlob und guten Zuschauerzahlen, die sich so richtig in den damaligen Geschmacklosigkeiten suhlen und Männer bei der Haarpflege bewundern können. Denn der FBI-Agent Richie DiMaso (Bradley Cooper) und der Betrüger Irving Rosenfeld (Christian Bale) pflegen und kämmen ihre Haare vor der Kamera ausdauernder als Sylvester Stallone für sein tägliches Workout benötigt. Bürgermeister Carmine Polito (Jeremy Renner) pflegt seine überdimensionierte John-F.-Kennedy-Elvis-Presley-Tolle off screen.

So beginnt „American Hustle“ folgerichtig mit Rosenfeld (für die Rolle nahm Christian Bale jedes „Batman“-Kostüm sprengende Pfunde zu), der liebevoll mehrere Minuten seine verbleibenden Haare über seine beginnende Glatze kämmt, mit einem Toupet verschönert und mit viel Haarspray in die ihm gefallende Form bringt, die dann von DiMaso verwuschelt wird. In dem Moment stehen die beiden Männer kurz vor einem wichtigen Gespräch. Sie wollen nämlich Polito der Korruption überführen, indem er in einem vom FBI mit modernster Videotechnik überwachtem Hotelzimmer Schmiergeld annimmt.

Rosenfeld ist, wie wir in einer Rückblende erfahren, eigentlich ein Wäschereibesitzer, der mit kleinen Betrügereien und gefälschten Bildern ein erkleckliches Zubrot verdient. Dabei hilft ihm seine Geliebte Sydney Prosser (Amy Adams). Dass er gleichzeitig immer noch mit der ziemlich zickigen, latent zum Alkoholismus neigenden Rosalyn (Jennifer Lawrence) verheiratet ist, und er seinen Sohn liebt, verkompliziert die Beziehung in einer Mischung aus Siebziger-Jahre-Libertinage und katholischem Verschweigen kam.

Als er von DiMaso des Kreditbetrugs überführt wird, ersinnen Rosenfeld, Prosser und DiMaso schnell aus durchaus unterschiedlichen Eigeninteressen einen Plan, der eine fatale Eigendynamik Richtung Chaos entwickelt: Rosenfeld und Prosser arbeiten für das FBI und helfen dem überambitionierten, aber nicht besonders schlauem DiMaso an die wirklich großen Fische, die Wirtschaftsverbrecher, die korrupten Politiker und die Mafiosi, zu kommen. Ihr von DiMaso auserwähltes Ziel ist Carmine Polito, der allgemein beliebte Bürgermeister der 100.000-Einwohner-Gemeinde Camden in New Jersey. Polito möchte gerne Atlantic City wieder im alten Glanz erstrahlen lassen, damit dringend benötigte Arbeitsplätze beschaffen und er braucht dafür potente Investoren.

Mit einer Scheinfirma und einem falschen arabischen Scheich, der unbedingt Geld in New Jersey investieren will, beginnt das Trio den charmanten Kommunalpolitiker zu umwerben. Der sieht die Chance, für seine Gemeinde etwas Gutes zu tun.

Während DiMaso begeistert ist, dass er endlich an die großen Fische herankommt, wird es Rosenfeld zunehmend mulmiger. Denn er wird gezwungen in einem Spiel mitzuspielen, das er nicht mehr beherrscht, bei dem ihn jeder Fehler seine Freiheit und, als die Mafia ebenfalls investieren will, auch sein und das Leben der von ihm geliebten Personen kosten kann.

American Hustle“ ist kein schlechter Film. Er hat eine Riege grandios aufspielender Schauspieler, eine stimmige Ausstattung, die dazu passende Musik, ein Gespür für die Absurditäten von Situationen und die Dynamik zwischen den Charakteren.

Aber er ist auch bei weitem nicht so gut, wie er gerne wäre. Eigentlich zeigen schon die ersten Minuten, wenn Christian Bale sich ewig die Haare kämmt, alle Probleme des Films. Er ist mit gut 140 Minuten viel zu lang geraten. Anstatt stringent eine Geschichte zu erzählen, mäandert er zwischen mehreren hin und her. Damit ist er als Gaunerkomödie oder politische Satire zu lang und ohne Fokus. Für ein Caper-Movie ist „American Hustle“ ebenfalls zu nachlässig erzählt. Anscheinend wurden große Teile des Films während des Drehs improvisiert und damit veränderte sich auch die Geschichte, was man am langen Auftakt, in dem vor allem das Liebespaar Rosenfeld/Prosser und ihre kleinen Betrügereien lange eingeführt werden, und dem fast schon hastigen Ende erkennt. Denn da fädelt Rosenfeld, nachdem dank seiner Ehefrau alle seine Pläne schiefgehen könnten, mit seiner Freundin schnell einen allerletzten, aber auch sehr durchschaubaren Betrug, der schon damals zum Standardinventar für beginnende Betrüger gehörte, ein. Als Charakterstudie hat „American Hustle“ nicht besonders viel Tiefe. Es sind halt alles wahnsinnig von sich überzeugte Blender, die immer eine Spur zu dick auftragen und lauthals in die Welt hinausposaunen, wie genial sie sind, dabei aber Schein mit Sein verwechseln..

Und genau wie sie ist der egozentrische Film zu sehr von sich und seinen Qualitäten, die vor allem auf dem äußeren Schein beruhen, überzeugt, um mich zu überzeugen.

American Hustle - Plakat

American Hustle (American Hustle, USA 2013)

Regie: David O. Russell

Drehbuch: Eric Warren Singer, David O. Russell

mit Christian Bale, Amy Adam, Bradley Cooper, Jennifer Lawrence, Jeremy Renner, Jack Huston, Michael Peña, Louis C. K., Shea Whigham, Elisabeth Rohm, Barry Primus, Robert De Niro

Länge: 138 Minuten

FSK: ab 6 Jahre (erstaunlich)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „American Hustle“

Moviepilot über „American Hustle“

Metacritic über „American Hustle“

Rotten Tomatoes über „American Hustle“

Wikipedia über „American Hustle“ (deutsch, englisch) und die Operation Abscam (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „American Hustle“

Zwei ausführliche Interviews mit David O. Russell, eines mit ihm und Teilen des Ensembles


Neu im Kino/Filmkritik: „Zwei vom alten Schlag“ kloppen sich

Januar 9, 2014

 

Verkauft wurde „Zwei vom alten Schlag“ wahrscheinlich als „Rocky“ trifft „Wie ein wilder Stier“ Jake La Motta mit Sylvester Stallone und Robert De Niro in den Hauptrollen. Nach diesem Besetzungscoup ist die Sache dann ein Selbstläufer: andere bekannte Schauspieler machen gerne mit und bei der geballten Starpower winkt dann auch ein gutes Einspielergebnis. Diese Rechnung ging in den USA an der Kinokasse nicht auf; – was durchaus verständlich ist. Denn außer dem Besetzungscoup, der sich wie ein Gag in einer TV-Show liest, hat das Starvehikel nichts zu bieten.

Die banale Filmgeschichte wird überraschungsfrei und ziemlich nachlässig bis zum abschließenden Boxkampf erzählt: Henry ‚Razor‘ Sharp (Sylvester Stallone) und Billy ‚The Kid‘ McDonnen (Robert De Niro) sind zwei Boxer aus Pittsburgh. In den frühen Achtzigern kämpften sie zweimal gegeneinander. Weil jeder einen Kampf gewann, sollte ein dritter Kampf endgültig zeigen, wer der bessere Boxer ist. Aber noch vor dem Kampf zog sich Razor zurück und wurde zu einem Stahlschweißer in einer Fabrik. Kid ging es finanziell besser, aber wirklich glücklich ist er als Unternehmer und Kneipier mit seiner unwitzigen Stand-Up-Comedy-Show auch nicht.

Dreißig Jahre später soll jetzt dieser Kampf ausgetragen werden. Vor dem Kampf muss dann noch etwas Ballast aus dem Weg geräumt werden: einerseits Gewichtsballast, weil beide nicht mehr sonderlich fit sind, andererseits emotionaler Ballast, weil natürlich eine Frau der Grund für Razors Rückzug war. Sally (Kim Basinger, anscheinend seit „9 1/2 Wochen“ nicht gealtert) war Razors Freundin, sprang aber auch einmal mit Kid ins Bett und aus diesem One-Night-Stand entstand ein Sohn (Jon Bernthal, gewohnt zuverlässig), der sich jetzt bei Kid meldet und dann sein Trainer wird.

Und beide Boxer sind spinnefeind, was dazu führt, dass jede ihrer Begegnungen schnell von einem Wortgefecht zu einer Schlägerei führt.

Alle drei Geschichten plätschern, garniert mit einigen halbgaren Witzen, meist zwischen Kalauer und Zote, lustlos die Plot-Points abhakend, bis zu ihrem absehbaren Ende vor sich hin. Dass, zum Beispiel, der verantwortungslose Single Kid, wenn er auf seinen Enkelsohn aufpassen soll, dann nicht mit ihm ins Kino geht, sondern sich in seiner Kneipe hoffnungslos betrinkt und mit der erstbesten Schönheit ins Bett springt (auch wenn das Bett die Rückbank von seinem Auto ist), dürfte nur die überraschen, die noch nie eine Familienkomödie gesehen haben. Dass Razor und Sally wieder zusammenkommen, dass Kid und sein Sohn, den er noch nie gesehen hat, zusammenkommen, ist ebenso vorhersehbar.

Eigentlich gibt es nur eine Überraschung in dem Film: während des finalen Boxkampfes zwischen Razor und Kid, die beide für ihr Alter in überraschend guter Form sind, kommt es dann zu einer überraschenden Wendung, die vielleicht Harmoniegefühle befriedigt, aber vollkommen out of character ist.

Sowieso vermeidet der Film konsequent jeden Konflikt und jeden Anschein von Realismus. So ist die romantisierte Blue-Collar-Arbeiterwelt mit dampfenden „Flashdance“-Stahlwerken, die in Bruce-Springsteen-Songs besungen wird, inzwischen hemmungslos anachronistisch. Nach der Stahlkrise der siebziger Jahre und dem auch in Pittsburgh seitdem stattgefundenem Strukturwandel wird dort in anderen Branchen Geld verdient. Aber ein echter Razor hält die Zeit einfach bei 1983 an.

Zwei vom alten Schlag“ überzeugt weder als Drama, noch als Komödie. Es ist das filmische Äquivalent zum Junk TV, das als anspruchsloser Zeitvertreib spätestens mit dem Verlassen des Kinosaals vergessen ist.

Zwei vom alten Schlag - Plakat

Zwei vom alten Schlag (Grudge Match, USA 2013)

Regie: Peter Segal

Drehbuch: Tim Kelleher, Rodney Rothman (nach einer Geschichte von Tim Kelleher)

mit Sylvester Stallone, Robert De Niro, Kevin Hart, Allan Arkin, Jon Bernthal, Kim Basinger, Camden Gray, LL Cool J, Barry Primus

Länge: 113 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Zwei vom alten Schlag“

Moviepilot über „Zwei vom alten Schlag“

Metacritic über „Zwei vom alten Schlag“

Rotten Tomatoes über „Zwei vom alten Schlag“

Wikipedia über „Zwei vom alten Schlag“ (deutsch, englisch)

 

 


%d Bloggern gefällt das: