Neu im Kino/Filmkritik: Nicole Kidmans Tough-Cop-Show „Destroyer“

März 14, 2019

Den Abschluss der kleinen Reihe von Filmen, die in den vergangenen Wochen in unseren Kinos anliefen („Aquaman“, „Der verlorene Sohn“, „Mein Bester & Ich“) und in denen Nicole Kidman ihre schauspielerische Bandbreite zeigt, endet mit „Destroyer“.

Der harte Neo-Noir-Cop-Thriller verlangt ihr in puncto Aussehen das Meiste ab. Denn bei den in der Gegenwart spielenden Teilen ist sie auch auf den zweiten und dritten Blick kaum zu erkennen. Sie ist ein klappriges Alkoholwrack, das seit Jahren nur noch mit der Hilfe von Drogen den Tag überlebt. Als Mutter und Kollegin ist Erin Bell die Totalkatastrophe, die den „Bad Lieutenant“ (egal ob in der Version von Abel Ferrara oder Werner Herzog) zum Mitarbeiter des Monats macht.

Als junge FBI-Agentin war Erin Bell Teil eines gefährlichen Undercover-Einsatz gegen Silas und seine skrupellose Bankräuberbande. Der Einsatz ging schief. Wie und warum verrät der Neo-Noir erst gegen Ende.

Siebzehn Jahre später kehrt Silas zurück nach Los Angeles. Er raubt weiterhin Banken aus und es können alte Rechnungen beglichen werden. Aber zuerst muss LAPD Detective Bell Silas finden. Und wie es sich für einen harten Cop gehört, geht Bell nicht zimperlich vor.

Viel mehr kann über Karyn Kusamas „Destroyer“ nicht verraten werden, ohne den gesamten Film zu spoilern. Denn sie erzählt die letztendlich sehr einfache Geschichte durchgehend und in jeder Beziehung fragmentarisch. Das entspricht der Wahrnehmung eines Drogensüchtigen.

Gleichzeitig ist es schwer, sich mit Bell zu identifizieren. Nicht weil sie drogensüchtig und konsequent unhöflich ist, sondern weil ihre Handlungsmotive teilweise bis zum Ende rätselhaft bleiben. So werden die Ereignisse der siebzehn Jahre zurückliegenden Undercover-Operation, die auch der Beginn ihrer Suchtbiographie ist, erst langsam enthüllt. Das ganze Bild hat man erst am Ende. Und erst in der letzten Minute weiß man, wie die verschiedenen Zeitebenen zusammenhängen. Das ist, wenn man Filme gerne mit einem Notizblock ansieht, interessant. Aber emotional involviert ist man nicht. Jedenfalls nicht in diesem Fall.

Dazu kommen im Rahmen des sich realistisch gebenden Noirs hoffnungslos unrealistische Szenen. Zum Beispiel beobachtet Bell bei einer Observation einen Banküberfall. Anstatt auf das Spezialeinsatzkommando zu warten, stürmt sie mit einer Maschinenpistole im Arm und zwei zufällig anwesenden Streifenpolizisten im Schlepptau in die Bank und beginnt eine Schießerei, die eindeutig von „Heat“ inspiriert ist. Menschen sterben. Panik bricht aus. Und sie befördert am helllichten Tag auf einem gut einsehbarem Parkplatz mitten in der Stadt einen der Bankräuber in den Kofferraum ihres Autos. Später im Film wird diese Schießerei und ihre Entführung (Verhaftung kann es nicht genannt werden) nicht einmal erwähnt. Es ist, als habe es den Schusswechsel und die zahlreichen Toten niemals gegeben.

Karyn Kusama, die nach ihren Spielfilmen „Girlfight“, „Æon Flux“ und „Jennifer’s Body“ in den vergangenen Jahren vor allem Episoden für Serien wie „Chicago Fire“, „Halt and Catch Fire“, „The Man in the High Castle“ und „Billions“ inszenierte, ist durch diese TV-Arbeiten den schnellen, effektiven Dreh mit einem überschaubarem Budget gewohnt. Auch bei „Destroyer“ war das Budget mit neun Millionen Dollar überschaubar. Aber dem an ausschließlich an Originalschauplätzen in Los Angeles gedrehtem Film sieht man das niedrige Budget nicht an.

Die Bilder und vor allem Nicole Kidman überzeugen. Sie hält den Film zusammen. Sie ist unbestritten das Zentrum des Films, der seine altbekannte Geschichte viel zu umständlich erzählt.

Destroyer (Destroyer, USA 2018)

Regie: Karyn Kusama

Drehbuch: Phil Hay, Matt Manfredi

mit Nicole Kidman, Toby Kebbell, Tatiana Maslany, Sebastian Stan, Scott McNairy, Bradley Whitford, Toby Huss, James Jordan, Beau Knapp, Bradley Whitford

Länge: 122 Minuten

FSK: ab 12 Jahre (hätte eher mit FSK-16 gerechnet)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Destroyer“

Metacritic über „Destroyer“

Rotten Tomatoes über „Destroyer“

Wikipedia über „Destroyer“ (deutsch, englisch)

Ein Mini-Werbe-Making-of

Ein Q&A beim TIFF mit Karyn Kusama, Nicole Kidman, Tatiana Maslany, Sebastian Stan, Phil Hay und Matt Manfredi

Scott Feinberg unterhält sich mit Karyn Kusama und Nicole Kidman

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TV-Tipp für den 14. Oktober: The Nice Guys

Oktober 14, 2018

RTL, 22.45

The Nice Guys (The Nice Guys, USA 2016)

Regie: Shane Black

Drehbuch: Shane Black, Anthony Bagarozzi

Buch zum Film: Charles Ardai: The Nice Guys, 2016

Los Angeles in den Siebzigern: Nach einem etwas ruppigen Start arbeiten Privatdetektiv Holland March (Ryan Gosling) und Schläger Jackson Healy (Russell Crowe) zusammen. Sie wollen herausfinden, was der Tod eines Pornostars mit einer vermissten jungen Frau und einem labyrinthischen politischen Ränkespielen zu tun haben.

Wundervoll-kurzweiliger Mix aus Buddymovie und Privatdetektivkrimi und eine witzige Liebeserklärung an das Genre.Kultig.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Russell Crowe, Ryan Gosling, Angourie Rice, Matt Bomer, Margaret Qualley, Keith David, Yaya DaCosta, Beau Knapp, Kim Basinger, Lois Smith, Murielle Telio, Gil Gerard

Wiederholung: Montag, 15. Oktober, 03.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „The Nice Guys“

Metacritic über „The Nice Guys“

Rotten Tomatoes über „The Nice Guys“

Wikipedia über „The Nice Guys“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Shane Blacks „Iron Man 3“ (Iron Man, USA 2013)

Meine Besprechung von Shane Blacks „The Nice Guys“ (The Nice Guys, USA 2016) und der Blu-ray

Meine Besprechung von Shane Blacks „Predator – Upgrade“ (The Predator, USA 2018)


TV-Tipp für den 14. April: Southpaw

April 14, 2018

Pro7, 20.15

Southpaw (Southpaw, USA 2015)

Regie: Antoine Fuqua

Drehbuch: Kurt Sutter

Billy Hope ist ein erfolgreicher Boxer. Bis eine persönliche Katastrophe sein bisheriges Leben auf den Kopf stellt und er auch an ganz anderen Fronten kämpfen muss.

Überzeugender Boxerfilm, der innerhalb der bekannten Genrekonventionen interessante Akzente setzt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Jake Gyllenhaal, Rachel McAdams, Forest Whitaker, Naomie Harris, Curtis `50 Cent`Jackson, Oona Laurence, Miguel Gomez, Skylan Brooks, Beau Knapp, Victor Ortiz

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Englische Homepage zum Film
Film-Zeit über „Southpaw“
Moviepilot über „Southpaw“
Metacritic über „Southpaw“
Rotten Tomatoes über „Southpaw“
Wikipedia über „Southpaw“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Training Day” (Training Day, USA 2001)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Gesetz der Straße – Brooklyn’s Finest” (Brooklyn’s Finest, USA 2009)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Olympus has fallen – Die Welt in Gefahr” (Olympus has fallen, USA 2013)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “The Equalizer” (The Equalizer, USA 2014)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Southpaw” (Southpaw, USA 2015)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas „Die glorreichen Sieben“ (The Magnificent Seven, USA 2016)


Neu im Kino/Filmkritik: Bruce Willis hat (k)einen „Death Wish“

März 8, 2018

Nach „Extraction“, „Precious Cargo“, „Marauders“, „Once Upon a Time in Venice“, „Acts of Violence“ und „First Kill“ (demnächst bei uns auf DVD) ist mit „Death Wish“ endlich wieder ein Bruce-Willis-Film in unseren Kinos. Sein letzter Kinoauftritt war 2016 in „Rock the Kasbah“ (2015). In der Komödie hatte er nur eine Nebenrolle und niemand ging wegen ihm in den Film. Naja, eigentlich ging niemand in den Film. Davor spielte er in „Vice“ und „The Prince – Only God Forgives“ mit. Zwei weitere vergessenswerte Straight-to-DVD-Filme. Und dann sind wir bei „Sin City 2: A Dame to Kill For“ (nur eine Nebenrolle), „R.E.D. 2 – Noch Älter. Härter. Besser.“, „G.I. Joe – Die Abrechnung“ (wieder nur eine Nebenrolle) und „Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben“ die zwar im Kino liefen, aber Schrott waren.

Das ist die aktuelle, erschreckend dürftige filmische Bilanz von dem großen (dem größten?) Actionstar der späten achtziger und neunziger Jahre, der mit John McClane einen neuen Actionhelden erfand und der damals zwischen seine Blockbuster-Actionfilme etliche kleinere Filme schob, in denen er sich als Schauspieler beweisen konnte. Damals freute man sich auf den neuen Bruce-Willis-Film. Auch die misslungen waren wenigstens interessant. Seine aktuelle Filmographie ist dagegen randvoll mit Filmen, die schon vor dem Drehstart uninteressant sind und in denen er lustlos seine Gage abgreift.

Da ist „Death Wish“ auf den ersten Blick etwas interessanter. Die Vorlage, der Roman „Ein Mann sieht rot“ (Death Wish) von Brian Garfield, ist ein Klassiker. Die Verfilmung von Michael Winner ebenfalls. Die Fortsetzungen und zahlreichen Kopien des Selbstjustiz-Thrillers sind meistens reaktionärer Müll. Joe Carnahan schrieb das Drehbuch. Er schrieb auch das Drehbuch für den Polizeithriller „Das Gesetz der Ehre“ und führte Regie bei „Narc“ und „The Grey – Unter Wölfen“. Die Regie übernahm dann Toture-Porn-Horrorregisseur Eli Roth.

Trotz Warnsignalen – Eli Roth ist wahrlich nicht für seine subtilen gesellschafts- und soziopolitischen Kommentare bekannt und Brian Garfield beschwerte sich schon bei Winners Verfilmung, dass der sein Anliegen falsch verstanden habe – könnte dieser Film vielleicht kein guter, aber immerhin ein interessanter Film werden.

Am Ende ist „Death Wish“ klassisches Straight-to-DVD-Futter, das in dem Rahmen als schnöder 08/15-Selbstjustiz-Thriller okay wäre, wenn er sich nicht neben Garfields Roman und Winners Film stellen würde. Leider ohne auch nur den Schimmer einer Ahnung davon zu haben, was das Thema, die Aussage, der gesellschaftliche Hintergrund und das schockierende an „Ein Mann sieht rot“ war. Kleiner Hinweis: es war nicht die Selbstjustiz. Die gibt es in jedem zweiten Western.

Die Story, die auch für die aktuelle Verfilmung kaum verändert wurde, dürfte ja bekannt sein. Roths Version spielt in Chicago, dem neuen Hort des Verbrechens. Denn New York, der Handlungsort des ersten „Ein Mann sieht rot“-Films, ist heute eine fast schon langweilig heimelige Stadt. Paul Kersey (im Roman Paul Benjamin) arbeitet als Arzt im Krankenhaus. Er ist glücklich verheiratet. Die Tochter geht demnächst auf die Universität. Er selbst ist ein Gewalt ablehnender Liberaler; – jedenfalls soweit das in dem Film erkennbar ist.

Eines Abends dringen Einbrecher in sein Haus ein. Sie töten seine Frau und misshandeln seine Tochter. Anschließend liegt sie im Koma. Und bei Kersey erwacht, nach der Beerdigung seiner Frau in Texas, der Wunsch, das Gesetz in die eigenen Hände zu nehmen.

Das tut er dann auch. Als Rächer. Als Vigilant. Als, unterstützt von Radiomoderatoren, die über seine Verbrechen sprechen, Stimme des Volkes, die einfach die Todesstrafe für jedes ihnen missfallende Verhalten fordert.

Diese Geschichte kann verschieden interpretiert werden. Roth entschließt sich für die reaktionäre Variante als feuchter Traum der NRA. Denn, so der idiotische Spruch der US-Waffenlobby, gegen einen bösen Mann mit einer Waffe hilft nur ein guter Mann mit einer Waffe. Auch Kerseys Psychiaterin befürwortet seine Aktionen, wenn sie in einer Sitzung zu dem sich aus seiner Trauer lösenden Kersey sagt, egal was er tue, es helfe ihm und er solle damit fortfahren. Dass sie in diesem Moment nicht weiß, was Kersey tut, ist egal. Erstens ist der Satz innerhalb der Filmgeschichte eine klare Legitimation für Kerseys Selbstjustiz. Zweitens folgt von ihr niemals eine Distanzierung gegenüber irgendeiner Form der Selbstjustiz.

In diesem Punkt hat Paul Kerseys Bruder eine interessantere Entwicklung. Sofern bei einer kaum ausformulierten Nebenfigur überhaupt von einer Entwicklung gesprochen werden kann. Immerhin darf er sich vor der finalen Schießerei Shoot Out alibimäßig gegen Selbstjustiz äußern.

Denn in „Death Wish“ wird Selbstjustiz als eine erfolgreiche und empfehlenswerte Form der Bewältigung von Verlust und als ein probates Mittel gegen das Verbrechen gezeigt. Das ist in jeder Beziehung gefährlicher Unfug.

Neben dieser Botschaft und dem schlampigen Plotting ist das größte Problem des Films Bruce Willis. Er spielt die Hauptrolle im von ihm in den letzten Jahren perfektionierten „Where’s my paycheck?“-Modus. Ohne irgendein spürbares Engagement steht er da und liefert emotionslos seine Sätze ab. Mit einigen typischen Willis-Manierismen und ein, zwei John-McClane-Momenten, die nicht in den Film passen. Weil Willis sich noch nicht einmal bemüht, zu spielen, ist von Kerseys Gewissenkonflikt und seiner emotionalen Reise bei seiner Wandlung vom superpatenten Vater und Arzt zum skrupellosen Rächer nichts zu spüren.

Eli Roths „Death Wish“ ist nur noch der reaktionäre Film, der Waffenfans gefällt. Ohne irgendeine der Fragen zu stellen, die in Winners Film (weniger) und Garfields Roman (mehr) thematisiert werden.

Nämlich wann ist Selbstjustiz, vulgo Vigilantismus, gerechtfertigt bzw. erklärbar und was macht das mit einem Menschen. Brian Garfield ist überzeugt, dass Gewalt nur Gegengewalt erzeugt und sie zu einem moralischen Verfall des Täters führt. Davon erzählt er in „Ein Mann sieht rot“ und, weil er fand, dass seine Botschaft von Michael Winner falsch dargestellt wurde, auch in seiner „Ein Mann sieht rot“-Fortsetzung „Death Sentence“ (1975). Der Roman wurde 2007 als äußerst pessimistische Studie über Selbstjustiz verfilmt. In anderen Romanen erzählt er, wie seine Protagonisten erfolgreich und ohne Gewalt anzuwenden gegen Gewalttäter vorgehen.

Zu „Ein Mann sieht rot“ erklärte Garfield: „I meant it (if you believe in the influence ov subtext) as a cautionary lesson, not a recommendation. Revenge is a universal fantasy but, in practice, it isnt’t a solution, it’s a problem.“

Charles Bronson, der Paul Kersey in „Ein Mann sieht rot“ spielte, äußerte sich in Interviews über Winner-Film ähnlich. Und Winners Film hat durchaus ein Interesse an dieser Frage. Sein Film spielt auch vor einem konkreten sozialen und politischen Hintergrund: dem New York der frühen siebziger Jahre. Er stellt Fragen. Auch darüber, ob der Staat versagt und wie der Staat mit Selbstjustiz umgehen soll.

Es sind Fragen, über die es sich lohnt, zu diskutieren und über die Geschichten erzählt werden können, die dann für Diskussionen sorgen. Brian Garfield und Michael Winner gelang das. Garfields Botschaft ist heute sogar, angesichts des US-Präsidenten und seiner Fürsprecher und Fans, aktueller denn je.

Eli Roths „Death Wish“ beschäftigt sich nicht mit diesen Fragen. Er versucht es noch nicht einmal. Entsprechend gering ist der Erkenntisgewinn.

Dazu kommt in diesem Fall, – schließlich gibt es unzählige Selbstjustizthriller -, die Verärgerung über die Macher, die sich explizit auf ein älteres Werk beziehen, sich höchst oberflächlich mit den dort gestellten Fragen und Themen beschäftigen und dann alles falsch verstehen. Dadurch wird ihr Versagen noch offensichtlicher.

Zum Abschluss noch ein Wort zum Drehbuchautor: Joe Carnahan sollte den Film vor mehreren Jahren inszenieren. Er schrieb ein Drehbuch und wollte Liam Neeson als Hauptdarsteller. Das zerschlug sich und seitdem waren mehrere Regisseure mit dem Projekt beschäftigt, verschiedene Hauptdarsteller im Gespräch (eigentlich jeder Mann über fünfzig) und Carnahans Drehbuch wurde von mehreren Autoren überarbeitet. Im Final Shooting Draft werden neun Autoren genannt. Dean Georgaris scheint der Hauptautor des verfilmten Drehbuchs zu sein, aber die Writer’s Guild beschloss, dass Carnahan in den Credits als einziger Autor genannt werden soll.

Deshalb wäre es Quatsch, diesen Film mit Joe Carnahans anderen Filmen zu vergleichen.

Georgaris ist der Autor von „Der Manchurian Kandidat“, „Paycheck – Die Abrechnung“ und „Lara Croft – Tomb Raider: Die Wiege des Lebens“.

Death Wish (Death Wish, USA 2018)

Regie: Eli Roth

Drehbuch: Joe Carnahan

LV: Brian Garfield: Death Wish, 1972 (Ein Mann sieht rot)

mit Bruce Willis, Elisabeth Shue, Camila Morrone, Vincent D’Onofrio, Beau Knapp, Kimberly Elise, Dean Norris

Länge: 109 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Death Wish“

Metacritic über „Death Wish“

Rotten Tomatoes über „Death Wish“

Wikipedia über „Death Wish“

Meine Besprechung von Eli Roths „Knock Knock“ (Knock Knock, USA/Chile 2015)

Homepage von Brian Garfield

Meine Besprechung von Joseph Rubens  “The Stepfather” (The Stepfather, USA 1986, nach einer Geschichte von Brian Garfield)

Bonushinweis

Nach einer Neuprüfung ist die Vorlage für Eli Roths „Death Wish“ (jau, der Film wird in den Credits ausdrücklich als Vorlage genannt), Michael Winners „Ein Mann sieht rot“ jetzt von der Liste jugendgefährdender Medien gestrichen und „frei ab 16 Jahren“. Studiocanal spendierte schneller als erwartet eine Neuausgabe des Films. Sie erscheint, ohne nennenswertes Bonusmaterial, am 22. März.

Herbie Hancock schrieb die Musik.

Ein Mann sieht rot (Death Wish, USA 1974)

Regie: Michael Winner

Drehbuch: Wendell Mayes

LV: Brian Garfield: Death Wish, 1972 (Ein Mann sieht rot)

mit Charles Bronson, Hope Lange, Vincent Gardenia, Steven Keats, William Redfield, Stuart Margolin, Stephen Elliott, Jeff Goldblum (sein Debüt)

BBC-Filmkritiker Mark Kermode fasst 2016  die Produktionsgeschichte von „Death Wish“ bis zur Regieübernahme von Eli Roth zusammen.


DVD-Kritik: Nice, „The Nice Guys“ beim Hausbesuch

Oktober 17, 2016

Zum Kinostart schrieb ich ziemlich begeistert:

Los Angeles, siebziger Jahre, als Philip Marlowe schon den long goodbye eingeläutet hat und Jim Rockford in seinem Büro am Strand (mit Anrufbeantworter!) auf Kundschaft wartet, treffen Holland March (Ryan Gosling) und Jackson Healy (Russell Crowe) aufeinander. Eigentlich bricht Healy, ein Mann fürs Grobe, March den Arm. Rein beruflich. March ist ein glückloser Privatdetektiv mit, was weder Marlowe noch Rockford passiert wäre, pubertierender, Nancy Drew spielender Tochter. Manchmal, wenn sie sich nicht gerade in den nicht jugendfreien Fall einmischt, liest Holly (Angourie Rice) auch ein Buch von Agatha Christie.

Kurz darauf wird Healy höchst unprofessionell von einigen Typen zusammengeschlagen, die seine inzwischen spurlos verschwundene Auftraggeberin suchen.

Healy engagiert March, der Amelia bereits im Auftrag einer anderen Person gesucht hat, für diese Suche und gemeinsam versuchen sie herauszufinden, was der Tod eines Pornostars mit einer vermissten jungen Frau und politischen Ränkespielen zu tun hat. Die mit viel Humor gewürzte, labyrinthische Handlung lässt „Tote schlafen fest“ wie ein Kinderrätsel wirken; – wobei schon damals die Atmosphäre wichtiger als der nach dem Lehrbuch aufgebaute, strikt logische Plot war.

Los Angeles war in den 1970er Jahren von Verfall geprägt. Smog bedeckte die ganze Stadt und aus dem Hollywood Boulevard war ein Pfuhl der Pornographie geworden. Vor diesem Hintergrund entfaltet sich die Geschichte zweier Schwachköpfe, die in eine Sache hineinstolpern, der sie nicht gewachsen sind, als sie versuchen eine gewaltige Verschwörung aufzudecken. Es gibt in dieser Story also Korruption und Dekadenz, und es stellte sich für mich die Frage, wie beunruhigend ungeeignet und überfordert man diese beiden Typen für diese Aufgabe zeichnen und zeigen durfte, auf die sie sich eingelassen hatten.“ (Shane Black)

The Nice Guys“ ist in seiner großen Lust, jedes Privatdetektiv-Klischee aus Buch und Film zu zitieren und gegen den Strich zu bürsten, ein großer Spaß für die Freunde des Genres. Und Shane Black ist einer. Er schrieb die Drehbücher für „Lethal Weapon – Zwei stahlharte Profis“, „Last Boy Scout“, „Last Action Hero“ und „Tödliche Weihnachten“, die als Actionkomödien immer dann besonders gut waren, wenn sie auch ein Buddy-Movie waren. Das war schon bei dem ersten „Lethal Weapon“-Film keine neue Formel, aber Shane Black erfüllte sie besser, gewitzter und intelligenter als die meisten anderen Autoren. Die brachiale Action half dann beim Kassenerfolg.

Zuletzt inszenierte er „Iron Man 3“ und auch der war letztendlich ein Buddy-Movie.

Aber die Blaupause für „The Nice Guys“ ist „Kiss Kiss Bang Bang“. Diese noirische Actionkomödie/Buddy-Movie war vor elf Jahren, nachdem man lange nichts von ihm hörte, sein Regiedebüt und seine Rückkehr nach Hollywood. Mit Robert Downey Jr. und Val Kilmer als Freunde wider Willen, die in Los Angeles ein vollkommen undurchschaubares Komplott aufklären müssen. „Kiss Kiss Bang Bang“ basiert offiziell auf einem Roman von Brett Halliday, der wahrscheinlich sein Buch nicht mehr erkannte. Er war vor Jahrzehnten ein enorm erfolgreicher Pulp-Autor, der mit dem Privatdetektiv Michael ‚Mike‘ Shayne einen langlebigen Privatdetektiv erschuf, der – jedenfalls in den Romanen, an die ich mich noch erinnere – in einer Nacht mehr Abenteuer erlebte als Jack Bauer in einer Handvoll „24“-Staffeln. In „The Nice Guys“ gibt es im Abspann einen ‚besonderen Dank‘ den 1977 verstorbenen Erfinder von Mike Shayne.

Das ist die Welt, in der „The Nice Guys“ existiert und der gerade wegen des liebevollen Porträts dieser Welt, Zeit und Charaktere ein großer Spaß ist. Auch wenn „The Nice Guys“ letztendlich „Kiss Kiss Bang Bang“ in den Siebzigern ist.

Störend in diesem 1977 spielendem Retro-Fest ist eigentlich nur Kim Basinger als Leiterin des kalifornischen Justizministeriums. Die alterslose Schönheit, die hier mehr einem Avatar als einem Menschen ähnelt, spielt den Bösewicht, den Quasi-Strippenzieher, der in einem Amt ist, in das damals niemals eine Frau gekommen wäre. Immerhin hat sie eine afroamerikanische Sekretärin, die nicht nur in die Tasten der Schreibmaschine schlagkräftig bedienen kann.

Und die Chemie zwischen den Buddys Russell Crowe und Ryan Gosling, beide mit Mut zur Hässlichkeit, ist, wenn sie zwischen Schießereien und Kloppereien Einzeiler austauschen, glänzend.

 

Beim zweiten Ansehen, und auch nach der Lektüre von Charles Ardais Filmroman (der einiges umstellte, was die Story nachvollziehbarer und nacherzählbarer macht, aber den lakonischen Humor des Films vermissen lässt), fällt auf, wie gut die Chemie zwischen den drei Hauptdarstellern, also Russell Crowe, Ryan Gosling und seiner Filmtochter Angourie Rice ist. Das kann einfach nicht in einen Roman (der nicht übersetzt wurde und der auch nie übersetzt wird) übertragen werden. Dazu kommen im Film feinste Retro-Optik, knackiger Seventies-Soul, glänzend aufgelegte Schauspieler, die alle ihre unvergesslichen Auftritt haben und lakonische Einzeiler. „The Nice Guys“ ist eine wundervoll kurzweilige Liebeserklärung an das Privatdetektiv-Genre.

Im Bonusmaterial erfährt man zwar ein, zwei interessante Details (vor allem in dem Featurette „Die schlechtesten Detektive aller Zeiten. Making The Nice Guys“), aber insgesamt sind die zwei Featurettes (insgesamt knapp zwölf Minuten) und die Interviews mit Russell Crowe, Ryan Gosling, Kim Basinger, Matt Bomer und Margaret Qualey (insgesamt ebenfalls knapp zwölf Minuten) enttäuschend.

Oh, und es gibt insgesamt sieben Trailer zum Film.

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The Nice Guys (The Nice Guys, USA 2016)

Regie: Shane Black

Drehbuch: Shane Black, Anthony Bagarozzi

mit Russell Crowe, Ryan Gosling, Angourie Rice, Matt Bomer, Margaret Qualley, Keith David, Yaya DaCosta, Beau Knapp, Kim Basinger, Lois Smith, Murielle Telio, Gil Gerard

Blu-ray

Concorde

Bild: 1080p High Definition, 2,35:1 (16:9)

Ton: Deutsch (DTS-HD Master Audio 5.1, DD 2.0), Englisch (DTS-HD Master Audio 5.1)

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bonusmaterial: Featurettes, Interviews, Trailer

Länge: 116 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Der Roman zum Film

Wie es sich für einen schundigen 70er-Jahre-Retro-PI-Film gehört, gibt es auch einen pulpigen Roman zum Film, veröffentlicht in dem Verlag, der darauf spezialisiert ist.

Ardai - The Nice Guys

Charles Ardai: The Nice Guys

Hard Case Crime, 2016

288 Seiten

7,99 US-Dollar (derzeit bei Amazon 7,64 Euro)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „The Nice Guys“

Metacritic über „The Nice Guys“

Rotten Tomatoes über „The Nice Guys“

Wikipedia über „The Nice Guys“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Shane Blacks „Iron Man 3“ (Iron Man, USA 2013)

Meine Besprechung von Shane Blacks „The Nice Guys“ (The Nice Guys, USA 2016)


Neu im Kino/Filmkritik: Kiss Kiss Bang Bang mit den „Nice Guys“

Juni 1, 2016

Los Angeles, siebziger Jahre, als Philip Marlowe schon den long goodbye eingeläutet hat und Jim Rockford in seinem Büro am Strand (mit Anrufbeantworter!) auf Kundschaft wartet, treffen Holland March (Ryan Gosling) und Jackson Healy (Russell Crowe) aufeinander. Eigentlich bricht Healy, ein Mann fürs Grobe, March den Arm. Rein beruflich. March ist ein glückloser Privatdetektiv mit, was weder Marlowe noch Rockford passiert wäre, pubertierender, Nancy Drew spielender Tochter. Manchmal, wenn sie sich nicht gerade in den nicht jugendfreien Fall einmischt, liest Holly (Angourie Rice) auch ein Buch von Agatha Christie.

Kurz darauf wird Healy höchst unprofessionell von einigen Typen zusammengeschlagen, die seine inzwischen spurlos verschwundene Auftraggeberin suchen.

Healy engagiert March, der Amelia bereits im Auftrag einer anderen Person gesucht hat, für diese Suche und gemeinsam versuchen sie herauszufinden, was der Tod eines Pornostars mit einer vermissten jungen Frau und politischen Ränkespielen zu tun hat. Die mit viel Humor gewürzte, labyrinthische Handlung lässt „Tote schlafen fest“ wie ein Kinderrätsel wirken; – wobei schon damals die Atmosphäre wichtiger als der nach dem Lehrbuch aufgebaute, strikt logische Plot war.

Los Angeles war in den 1970er Jahren von Verfall geprägt. Smog bedeckte die ganze Stadt und aus dem Hollywood Boulevard war ein Pfuhl der Pornographie geworden. Vor diesem Hintergrund entfaltet sich die Geschichte zweier Schwachköpfe, die in eine Sache hineinstolpern, der sie nicht gewachsen sind, als sie versuchen eine gewaltige Verschwörung aufzudecken. Es gibt in dieser Story also Korruption und Dekadenz, und es stellte sich für mich die Frage, wie beunruhigend ungeeignet und überfordert man diese beiden Typen für diese Aufgabe zeichnen und zeigen durfte, auf die sie sich eingelassen hatten.“ (Shane Black)

The Nice Guys“ ist in seiner großen Lust, jedes Privatdetektiv-Klischee aus Buch und Film zu zitieren und gegen den Strich zu bürsten, ein großer Spaß für die Freunde des Genres. Und Shane Black ist einer. Er schrieb die Drehbücher für „Lethal Weapon – Zwei stahlharte Profis“, „Last Boy Scout“, „Last Action Hero“ und „Tödliche Weihnachten“, die als Actionkomödien immer dann besonders gut waren, wenn sie auch ein Buddy-Movie waren. Das war schon bei dem ersten „Lethal Weapon“-Film keine neue Formel, aber Shane Black erfüllte sie besser, gewitzter und intelligenter als die meisten anderen Autoren. Die brachiale Action half dann beim Kassenerfolg.

Zuletzt inszenierte er „Iron Man 3“ und auch der war letztendlich ein Buddy-Movie.

Aber die Blaupause für „The Nice Guys“ ist „Kiss Kiss Bang Bang“. Diese noirische Actionkomödie/Buddy-Movie war vor elf Jahren, nachdem man lange nichts von ihm hörte, sein Regiedebüt und seine Rückkehr nach Hollywood. Mit Robert Downey Jr. und Val Kilmer als Freunde wider Willen, die in Los Angeles ein vollkommen undurchschaubares Komplott aufklären müssen. „Kiss Kiss Bang Bang“ basiert offiziell auf einem Roman von Brett Halliday, der wahrscheinlich sein Buch nicht mehr erkannte. Er war vor Jahrzehnten ein enorm erfolgreicher Pulp-Autor, der mit dem Privatdetektiv Michael ‚Mike‘ Shayne einen langlebigen Privatdetektiv erschuf, der – jedenfalls in den Romanen, an die ich mich noch erinnere – in einer Nacht mehr Abenteuer erlebte als Jack Bauer in einer Handvoll „24“-Staffeln. In „The Nice Guys“ gibt es im Abspann einen ‚besonderen Dank‘ den 1977 verstorbenen Erfinder von Mike Shayne.

Das ist die Welt, in der „The Nice Guys“ existiert und der gerade wegen des liebevollen Porträts dieser Welt, Zeit und Charaktere ein großer Spaß ist. Auch wenn „The Nice Guys“ letztendlich „Kiss Kiss Bang Bang“ in den Siebzigern ist.

Störend in diesem 1977 spielendem Retro-Fest ist eigentlich nur Kim Basinger als Leiterin des kalifornischen Justizministeriums. Die alterslose Schönheit, die hier mehr einem Avatar als einem Menschen ähnelt, spielt den Bösewicht, den Quasi-Strippenzieher, der in einem Amt ist, in das damals niemals eine Frau gekommen wäre. Immerhin hat sie eine afroamerikanische Sekretärin, die nicht nur in die Tasten der Schreibmaschine schlagkräftig bedienen kann.

Und die Chemie zwischen den Buddys Russell Crowe und Ryan Gosling, beide mit Mut zur Hässlichkeit, ist, wenn sie zwischen Schießereien und Kloppereien Einzeiler austauschen, glänzend.

The Nice Guys - Plakat

The Nice Guys (The Nice Guys, USA 2016)

Regie: Shane Black

Drehbuch: Shane Black, Anthony Bagarozzi

mit Russell Crowe, Ryan Gosling, Angourie Rice, Matt Bomer, Margaret Qualley, Keith David, Yaya DaCosta, Beau Knapp, Kim Basinger

Länge: 116 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Der Roman zum Film

Wie es sich für einen schundigen 70er-Jahre-Retro-PI-Film gehört, gibt es auch einen pulpigen Roman zum Film, veröffentlicht in dem Verlag, der darauf spezialisiert ist.

Da kann ich nur sagen, auch ohne das Buch gelesen zu haben und ohne irgendeine deutsche Übersetzung in Sichtweite: Lesebefehl.

Ardai - The Nice Guys

Charles Ardai: The Nice Guys

Hard Case Crime, 2016

288 Seiten

7,99 US-Dollar (derzeit bei Amazon 7,69 Euro)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „The Nice Guys“

Metacritic über „The Nice Guys“

Rotten Tomatoes über „The Nice Guys“

Wikipedia über „The Nice Guys“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Shane Blacks „Iron Man 3“ (Iron Man, USA 2013)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Antoine Fuquas Boxerfilm „Southpaw“

August 21, 2015

Die Regeln des Boxerfilms sind ja bekannt und „Southpaw“ folgt ihnen auch mit einem Boxkampf am Anfang, der Herausforderung eines Konkurrenten, einer krachenden Niederlage, dem langen Training für den nächsten Kampf und schließlich dem Schlußkampf, bei dem der Held siegreich den Ring verlässt. Das kennt man spätestens aus den „Rocky“-Filmen.
Aber Regisseur Antoine Fuqua (zuletzt „The Equalizer“) und Drehbuchautor Kurt Sutter („The Shield“, „Sons of Anarchy“) setzen eigene Akzente, die „Southpaw“ innerhalb des Genres zu einem sehr interessanten Film machen. Dabei ist die Besetzung der Hauptrolle mit Jake Gyllenhaal der uninteressanteste Punkt. Immerhin spielte schon Robert De Niro in Martin Scorseses grandiosem SW-Boxerfilm „Raging Bull – Wie ein wilder Stier“ einen Boxer.
Der interessante Punkt ist, wie viel Zeit sich Fuqua nimmt, um das Leben abseits des Boxkampfes und abseits des Boxrings zu zeigen. Es geht um die Einsamkeit nach dem Kampf in ranzigen Hinterzimmer, in denen man sich wenige Minuten früher auf den Kampf vorbereitete. Nach dem Lärm der jubelnden Menge in dem bis zum letzten Platz gefüllten Veranstaltungssaal ist die Stille und Einsamkeit in dem anonymen, funktionalem und fensterlosen Zimmer noch bedrückender. Es geht um die Schmerzen, die man nach einem Boxkampf am ganzen Körper spürt. So stolpert Billy Hope wie ein Schwerverletzter durch sein mondänes Anwesen. Es geht um die Geschäfte, die das Profiboxen begleiten. Also um das Abschließen von Verträgen, Auftritte bei Wohltätigkeitsveranstaltungen und Entscheidungen über das Leben nach der Sportkarriere. Es geht auch um die große Entourage, die man hat, so lange man Geld hat.
Diese Gefolgschaft verlässt Billy ‚The Great‘ Hope (Jake Gyllenhaal), ein impulsiv-jähzorniges Waisenkind, das sich von ganz unten aus dem Kinderheim nach oben zum Halbschwergewichtsmeistertitel boxte, mit seiner Jugendliebe Maureen (Rachel McAdams), die sein Leben in jeder Beziehung organisiert, glücklich verheiratet ist und mit ihr eine zehnjährige Tochter (Oona Laurence) hat, die er abgöttisch liebt, nachdem Maureen während einer Wohltätigkeitsveranstaltung bei einer Rangelei mit einem anderen Boxer durch einen Schuss tödlich verletzt wird. Ohne Maureen ist Billy ein vom Leben überfordertes Häufchen selbstmitleidiges Elend, das nach einem missglückten Boxkampf, der für ihn mit einer einjährigen Kampfsperre endet, auch schnell sein Vermögen verliert. Seine Tochter Leila kommt in ein Heim und er weiß nicht, wann er wieder mit ihr zusammen leben darf.
Weil Leila sein einziger Halt ist, will er für sie ein anständiger Vater sein. Deshalb nimmt er bei dem Amateur-Boxtrainer Titus ‚Tick‘ Wills (Forest Whitaker), der für die Kinder im Viertel auch ein Sozialarbeiter ist, eine Arbeit als Putzmann an. Und selbstverständlich trainiert er dort für seinen nächsten Kampf.
Wichtiger als die furios inszenierten Boxkämpfe sind in „Southpaw“, wie gesagt, die sonst nicht gezeigten Momente, die den Film, innerhalb der bekannten Regeln und absolut ironiefrei, zu einer intensiven und düsteren Charakterstudie machen. Und Jack Gyllenhaal überzeugt nach „Nightcrawler“, wo er ebenfalls einen – höflich formuliert – schwierigen Charakter spielte, wieder einmal als ein auch an seine körperlichen Grenzen gehender Schauspieler restlos.

Southpaw - Plakat

Southpaw (Southpaw, USA 2015)
Regie: Antoine Fuqua
Drehbuch: Kurt Sutter
mit Jake Gyllenhaal, Rachel McAdams, Forest Whitaker, Naomie Harris, Curtis `50 Cent`Jackson, Oona Laurence, Miguel Gomez, Skylan Brooks, Beau Knapp, Victor Ortiz
Länge: 125 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Englische Homepage zum Film
Film-Zeit über „Southpaw“
Moviepilot über „Southpaw“
Metacritic über „Southpaw“
Rotten Tomatoes über „Southpaw“
Wikipedia über „Southpaw“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Training Day” (Training Day, USA 2001)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Gesetz der Straße – Brooklyn’s Finest” (Brooklyn’s Finest, USA 2009)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Olympus has fallen – Die Welt in Gefahr” (Olympus has fallen, USA 2013)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “The Equalizer” (The Equalizer, USA 2014)


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