Neu im Kino/Filmkritik: „1917“, ein normaler Tag an der Westfront

Januar 16, 2020

Ohne Schnitt und in Echtzeit ist „1917“ nicht erzählt. Immerhin beginnt die in zwei Stunden Filmzeit erzählte Geschichte am helllichten Tag und endet am nächsten Tag. Ebenfalls tagsüber. Außerdem müssten die beiden britischen Soldaten, die eine wichtige Botschaft über die Pläne der deutschen Armee an ein anderes Bataillon überbringen sollen, solche Torturen durchstehen, dass es ein Wunder ist, wie sie all die Kämpfe, Stürze, Explosionen und einen Sturz in einen reißenden Fluss unverletzt überleben. Wobei, das sei gesagt, ein Soldat stirbt auf dem Weg.

Sam Mendes‘ erzählt die von Erzählungen seines Großvaters und anderer Soldaten, die im Ersten Weltkrieg kämpften, inspirierte Geschichte in mehreren langen Plansequenzen, die sich nahtlos aneinander fügen. Meistens dienen Türen, dunkle Ein- und Durchgänge und im Weg stehende Gegenstände als Übergang von einer zur nächsten Sequenz. Das nimmt dem Drama nichts von seiner inszenatorischen Brillanz. Die Kamera schwebt schwerelos durch Schützengräben, über das Niemandsland, durch eine Ruinenstadt, einen reißenden Fluss, Felder und Wälder, in denen Soldaten lagern.

Damit dies gelang, war viel Vorarbeit nötig. Detailreiche Sets, in denen die Kamera sich in jede Richtung bewegen konnte, wurden errichtet. Die einzelnen Bewegungen von Kamera, Schauspielern und Crew wurden über mehrere Monate geplant und geprobt.

Für den Film mussten große Sets errichtet werden, durch die die Kamera sich frei bewegen und auch um die eigene Achse drehen konnte, ohne dass die Illusion zerstört wird. Roger Deakins, der für „Blade Runner 2049“ seinen schon lange überfällige Oscar-Auszeichnung erhielt und schon mehrmals mit Mendes zusammen arbeitete, fand beeindruckende Bildkompositionen. Unter anderem wenn die Lance Corporals Schofield (George MacKay) und Blake (Dean-Charles Chapman) durch das matschige mit Stacheldraht und Leichen übersäte Niemandsland zwischen den Schützengräbern der Kriegsparteien schleichen oder wenn Schofield in der Nacht durch eine von Bomben und Feuer erleuchtete Ruinenstadt läuft.

Das ist alles so elegant inszeniert, dass man niemals die fehlenden Schnitte bemerkt. Am Ende kann man sich nicht vorstellen, dass sich irgendwann irgendjemand „1917“ in einer konventionellen Inszenierung gewünscht haben könnte.

Konventionell ist dagegen die Filmgeschichte von zwei Soldaten, die auf eine gefährliche Mission geschickt werden, einigen Offizieren und vielen gesichtslosen Soldaten begegnen und selbst wenn sie am Ende ihren Auftrag irgendwie erfüllen, ändern sie am Kriegsverlauf nichts. Schließlich sind sie nur einfache Soldaten. Die Befehle werden von anderen Männern gegeben. Dieses Hohelied auf den tapferen einfachen Soldaten wurde schon oft erzählt. „1917“ fügt dem, bei aller Begeisterung über das Drama, nichts Wesentliches bei.

Weltweit bekannt wurde Sam Mendes als Regisseur der James-Bond-Filme „Skyfall“ und „Spectre“. Davor inszenierte er die Satire „American Beauty“, den Gangsterfilm „Road to Perdition“ und den Kriegsfilm „Jarhead“.

Am Montag erhielt „1917“ zehn Oscar-Nominierunge. Mindestens die Preise für besten Film („1917“ ist der prototypische Oscar-Preisträger), Kamera (Roger Deakins) und Regie sollten drin sein. Die Golden Globes für den besten Film und die beste Regie hat er schon erhalten. Neben bis jetzt über siebzig weiteren Preisen und viel berechtigtes Kritikerlob.

1917 (1917, USA 2019)

Regie: Sam Mendes

Drehbuch: Sam Mendes, Krysty Wilson-Cairns

mit George MacKay, Dean-Charles Chapman, Mark Strong, Andrew Scott, Richard Madden, Claire Duburcy, Colin Firth, Benedict Cumberbatch, Daniel Mays, Colin Firth, Nabhaan Rizwan, Jamie Parker, Adrian Scarborough

Länge: 119 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „1917“

Metacritic über „1917“

Rotten Tomatoes über „1917“

Wikipedia über „1917“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Films „Skyfall“ (Skyfall, GB/USA 2012)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Film “Spectre” (Spectre, USA/GB 2015)

Einige Blicke hinter die Kulissen

 


Neu im Kino/Filmkritik: „Avengers: Endgame“ im Kampf um die Klunker, das Universum und den ganzen Rest

April 24, 2019

Nachdem die Fans in den vergangenen Monaten jedes Standfoto und Bild aus den verschiedenen Trailern vorwärts und rückwärts analysierten und mit wilden Vermutungen garnierten, wie denn nun das „Endgame“ der Avengers endet und die Vorverkaufszahlen astronomisch sind, läuft der Superheldenfilm jetzt in unseren Kinos an. Der US-Start ist erst am 26. April. Die Prognosen für das weltweite Einspielergebnis liegen aktuell für das Startwochenende bei 850 bis 900 Millionen US-Dollar. In den USA wird damit gerechnet, dass „Endgame“ am Startwochenende mehr einspielt als der vorherige Avengers-Film „Infinity War“. Und der spielte über 257 Millionen US-Dollar ein. Die meisten Prognosen liegen bei über 270 Millionen US-Dollar, einige sogar bei über 300 Millionen US-Dollar. Etliche US-Kinos werden den Film, um die Nachfrage zu befriedigen, mehrere Tage ohne Unterbrechung zeigen. Damit dürfte „Endgame“ „Infinity War“ in vielen Listen auf den zweiten Platz verdrängen. Schon bevor ein Zuschauer den Film gesehen hat, gehört der Film zu den erfolgreichsten Filmen. An der Kinokasse.

Der Film ist der 22. Film des Marvel Cinematic Universe (MCU). Er ist der lange angekündigte und vorbereitete Höhepunkt und das Ende der bisherigen Marvel-Filme. Es begann 2008 mit „Iron Man“, der im Kino ein Überraschungserfolg und der Beginn des Marvel Cinematic Universe war. In den nächsten Filmen wurden verschiedene, aus Comics bekannte Marvel-Helden vorgestellt. Sie traten auch in anderen MCU-Filmen auf. So entstand schnell über die wiederkehrenden Figuren der Eindruck, dass die Filme miteinander zusammen hängen. Auch wenn der Auftritt manchmal nur kurz war. Im vierten MCU-Film „Thor“ wurden erstmals die Infinity-Steine erwähnt. Diese sechs Steine entstanden aus den Singularitäten, die vor der Entstehung des Universums existierten. Mit jedem Stein kann man einen grundlegenden Aspekt des Universums manipulieren. Wer alle Steine besitzt, kann das Universum vernichten. Damit das nicht geschieht, wurden sie vor Ewigkeiten an verschiedenen Orten im Universum versteckt. Thanos will sie alle haben und, weil Thanos das Universum vor der Überbevölkerung retten will, will er mit Hilfe der Steine die Hälfte allen Lebens auslöschen. Mit einem Fingerschnippen. In „Avengers: Infinity War“, dem ersten Teil des großen Finales, kämpften all die aus den vorherigen Superheldenfilmen bekannten Charaktere gegen Thanos. Sie verloren den Kampf. Thanos vernichtete die Hälfte von allem Leben – und etliche Superhelden zerfielen zu Staub.

Schon damals schrieb ich über das schockierende Ende, dass ich einige Tote seltsam fand. So starben unter anderem Dr. Strange und Spider-Man, die gerade in neuen Filmen als Superhelden etabliert wurden, während Captain America und Iron Man, die von Anfang an dabei waren, überlebten.

Vor dem Filmstart unkte ich noch herum, wie unsere tapferen Superhelden die Welt retten und wer wirklich stirbt. Meine Vermutung lag ziemlich nah an der Filmgeschichte und daher wäre sie ein Spoiler.

Aber soviel kann verraten werden, – auch weil man es durch die Trailer, die Besetzungsliste und verschiedene Gerüchte über kommende Filme (Ja, es gibt einen weiteren „Guardians of the Galaxy“-Film und James Gunn ist wieder als Regisseur an Bord. Ja, es gibt den schon lange erwarteten „Black Widow“-Film; der soll allerdings 2005 und damit vor „Iron Man“ spielen), schon ahnt: ungefähr alle aus den bisherigen Filmen bekannten und beliebten Charaktere sind wieder dabei. Teilweise nur mit Mini-Auftritten, teilweise sogar ohne Dialog.

Die Filmgeschichte beginnt unmittelbar nach dem Ende von „Infinity War“. Die überlebenden Helden treffen sich auf der Erde und sie können Thanos sogar besiegen. Dummerweise hat er die Steine vernichtet. Damit kann seine Tat nicht rückgängig gemacht werden. Bis, fünf Jahre später, Ant-Man eine verwegene Idee hat: wenn sie in der Zeit zurückreisen zu Zeitpunkten, an denen sie wussten, wo die Steine sind, können sie sie holen und Thanos‘ Tat ungeschehen machen. „Captain America“ Steve Rogers (Chris Evans), „Iron Man“ Tony Stark (Robert Downey Jr.), „Black Widow“ Natasha Romanoff (Scarlett Johansson), „Hulk“ Bruce Banner (Mark Ruffalo, jetzt als großer Teddybär), „War Hammer“ James Rhodes (Don Cheadle), Thor (Chris Hemsworth, im Lebowski-Modus, allerdings nicht so cool), Nebula (Karen Gillan), „Hawkeye“ Clint Barton (Jeremy Renner, mit gruseliger Frisur), „Ant-Man“ Scott Lang (Paul Rudd, zurück aus der subatomaren Dimension) und Rocket (im Original mit der Stimme von Bradley Cooper) machen sich auf den Weg in die Vergangenheit.

Mit dieser Zeitreiseidee können die MCU-erfahrenen Regisseure Anthony und Joe Russo alle bekannten Charaktere auftreten lassen, ohne dass die Besetzungsliste eine Spoilerliste ist. Gleichzeitig können sie wichtige Szenen aus den älteren Filmen aus einer anderen Perspektive zeigen, einige Überraschungen einbauen und das Gefühl vermitteln, dass wirklich alles von langer Hand geplant wurde. Also, dass es sich nicht um viele Einzelfilme, sondern um eine zusammenhängende Geschichte handelt, die in den vergangenen Jahren in vielen Filmen erzählt wurde.

Auch später, beim Schlusskampf, gibt es zahlreiche Momente, die das Fanherz höher schlagen lassen. In dem Moment gibt es auch reichlich Action. Der in dunklen Bildern gehaltene Schlusskampf ist zu sehr eine lustlose Wiederholung des Endkampfs von „Infinity War“, um wirklich zu begeistern. Auch die anderen Actionszenen sind mehr Pflicht als Kür.

Insgesamt ist „Endgame“ ein ruhiger, fast schon kontemplativer und meditativer Film, in dem die verbliebenen Avengers vor allem ausführlich trauern und an sich selbst und ihren Fähigkeiten zweifeln.

Die verbliebene Hälfte der Menschheit ist ebenfalls auch Jahre nach der Tat von Thanos immer noch in einer kollektiven Schockstarre ist. Die Welt sieht fünf Jahre nach der Katastrophe aus, als sei sie gestern gewesen.

‚Captain Marvel‘ Carol Danvers (Brie Larson), die erst vor wenigen Wochen mit ihrem eigenen Film als „mächtigste Figur im Marvel Cinematic Universe“ (Produzent Kevin Feige) etabliert wurde, ist in „Endgame“ auch dabei. Aber ihre wenigen Auftritte sind kurz und, ausgehend von der geschürten Erwartung, dass sie die mächtigste Superheldin ist und von Nick Fury (Samuel L. Jackson) gerufen wurde, um den Avengers beim Retten der Welt zu helfen, erstaunlich uninteressant. Die meiste Zeit rettet sie off-screen andere Welten.

Der Film selbst ist mit über drei Stunden der längste Marvel-Film bislang. Trotzdem vergeht die Zeit bis zum Abspann ziemlich schnell. In dem Moment geht eine Reise zu Ende. Die Verluste sind nicht so hoch, wie es zur Halbzeit aussah (Yep, nicht alle Avengers überleben) und es hat sich nicht so viel verändert, wie die Werbemaschine vorher versprach. Letztendlich ist das Universum nach dem Endgame nicht viel anders als vor dem Infinity War.

Und die nächsten Marvel-Filme sind schon, teils mit Titel und Startdatum, angekündigt.

Avengers: Endgame (Avengers: Endgame, USA 2019)

Regie: Anthony Russo, Joe Russo

Drehbuch: Christopher Markus, Stephen McFeely (basierend auf den Marvel-Comics von Stan Lee und Jack Kirby und dem Comic von Jim Starlin)

mit Robert Downey Jr., Chris Hemsworth, Mark Ruffalo, Chris Evans, Scarlett Johansson, Jeremy Renner, Brie Larson, Paul Rudd, Don Cheadle, Lupity Nyong’o, Karen Gillan, Josh Brolin, Tessa Thompson, Evangeline Lilly, Pom Klementieff, Tom Holland, Jon Favreau, Elizabeth Olsen, Dave Bautista, Sebastian Stan, Michelle Pfeiffer, Tilda Swinton, Gwyneth Paltrow, Chadwick Boseman, Danai Gurira, Winston Duke, Frank Grillo, Benedict Wong, Michael Douglas, Robert Redford, Paul Bettany, Tom Hiddleston, Benedict Cumberbatch, Zoe Saldana, Samuel L. Jackson, Bradley Cooper (Stimme im Original) (hoffe, dass ich niemand vergessen habe)

Länge: 182 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Avengers: Endgame“

Metacritic über „Avengers: Endgame“

Rotten Tomatoes über „Avengers: Endgame“

Wikipedia über „Avengers: Endgame“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Anthony und Joe Russos „The Return of the First Avenger“ (Captain America: The Winter Soldier, USA 2014)

Meine Besprechung von Joe und Anthony Russos „The First Avenger: Civil War“ (Captain America: Civil War, USA 2016)

Meine Besprechung von Anthony und Joe Russos „Avengers: Infinity War“ (Avengers: Infinity War, USA 2018)


TV-Tipp für den 21. April: The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben

April 20, 2019

ARD, 23.35

The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben (The Imitation Game, USA/Großbritannien 2014)

Regie: Morten Tyldum

Drehbuch: Graham Moore

LV: Andrew Hodges: Alan Turing: The Enigma, 1983 (Alan Turing – Enigma)

Hübsch verschachteltes Biopic, getarnt als gediegenes Thrillerdrama, über den genialen Mathematiker Alan Turing, der den Enigma-Code der Nazis entschlüsselte,

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung (mit der TIFF-Pressekonferenz und einem Interview mit den beiden Hauptdarstellern).

mit Benedict Cumberbatch, Keira Knightley, Matthew Goode, Mark Strong, Rory Kinnear, Charles Dance, Allen Leech, Matthew Beard, Alex Lawther

Wiederholung: Montag, 22. April, 02.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „The Imitation Game“

Metacritic über „The Imitation Game“

Rotten Tomatoes über „The Imitation Game“

Wikipedia über „The Imitation Game“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „The Imitation Game“

Meine Besprechung von Morten Tyldums „Headhunters“ (Hodejegerne, Norwegen/Deutschland 2011)

Meine Besprechung von Morten Tyldums „The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben“ (The Imitation Game, USA/Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Morton Tyldums „Passengers“ (Passengers, USA 2016)


TV-Tipp für den 15. Dezember: Sherlock: Die Braut des Grauens

Dezember 15, 2018

3sat, 22.30

Sherlock: Die Braut des Grauens (Sherlock: The Abominable Bride, Großbritannien 2016)

Regie: Douglas Mackinnon

Drehbuch: Mark Gatiss, Steven Moffat

Um die Wartezeit zwischen der dritten und vierten „Sherlock“-Staffel (in einigen Tagen im Original, in einigen Monaten in Deutschland zu sehen) zu verkürzen, schrieben die beiden „Sherlock“-Erfinder Mark Gatiss und Steven Moffat ein am Neujahrstag in England ausgestrahltes „Special“, das von zwölf Millionen Zuschauern gesehen wurde und Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch) und Dr. John Watson (Martin Freeman) ins viktorianische London führt. Also die Zeit, in der die von Sir Arthur Conan Doyle geschriebenen Sherlock-Holmes-Geschichten spielen.

Inspektor Lestrade bittet Holmes in einem schwierigen Fall um Hilfe: Emilia Ricoletti, die titelgebende Braut des Grauens, hat sich am helllichten Tag in aller Öffentlichkeit erschossen. Einige Stunden später bringt sie, obwohl ihre Leiche im Leichenschauhaus liegt, ihren Mann um.

Der Fall wird noch mysteriöser, weil die tote Emilia Ricoletti fortan weitere Morde verübt haben soll. Nur, und ist sich Sherlock Holmes sicher, Geister gibt es nicht und Emilia Ricoletti ist tot.

Und dann taucht auch noch Professor Moriarty in der Wohnung von Sherlock Holmes auf.

Nach der enttäuschenden dritten „Sherlock“-Staffel, die zwar gute Zuschauerquoten hatte, sich aber zu sehr auf die Hauptcharaktere und ihre Befindlichkeiten konzentrierte, während die Fälle noch nicht einmal als Nebensache wichtig und erinnerungswürdig waren, ist „Die Braut des Grauens“ eine wohltuende Rückkehr zu einem starken Fall, garniert mit vielen Anspielungen auf die vorherigen „Sherlock“-Filme (auch weil alle bekannten und wichtigen Charaktere, teils in veränderter Erscheinung, auftreten) und einem herrlichen Spiel zwischen Fakt und Fiktion und zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Denn obwohl „Die Braut des Grauens“ im viktorianischen London spielt, schließt sie auch unmittelbar an „Sein letzter Schwur“, die letzte Folge der dritten „Sherlock“-Staffel an.

Und die einfallsreiche Regie tut ihren Teil dazu.

Absolut sehenswert! Für alte „Sherlock“-Fans und auch für neue „Sherlock“-Fans, die allerdings etwas verunsichert von den vielen eingestreuten Anspielungen und dem wilden Spiel mit und im Holmes-Kosmos sein könnten.

Die vierte Staffel war dann wieder gelungener.

Mit Benedict Cumberbatch, Martin Freeman, Una Stubbs, Rupert Graves, Mark Gatiss, Andrew Scott, Louise Brealey, Amanda Abbington, Jonathan Aris, Catherine McCormack, Tim McInnerny, Natasha O’Keeffe

Hinweise

Homepage von Sir Arthur Conan Doyle (Erben)

Krimi-Couch über Sir Arthur Conan Doyle

Kirjasto über Sir Arthur Conan Doyle

Wikipedia über Sir Arthur Conan Doyle (deutsch, englisch)

Sherlockian.net (Einstiegsseite mit vielen Links)

Facebook-Seite der deutschen Sherlock-Holmes-Gesellschaft

Thrilling Detective über Sherlock Holmes

Meine Besprechung von Arthur Conan Doyles “Sherlock Holmes Geschichten”, “Sherlock Holmes Kriminalgeschichten” und “The Adventures of Sherlock Holmes” (und hier eine Auflistung der in diesen Werken enthaltenen Geschichten)

Meine Besprechung von Arthur Conan Doyles „Sherlock Holmes – Seine Abschiedsvorstellung“ (His last Bow, 1917)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „Das Geheimnis des weißen Bandes“ (The House of Silk, 2011)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „Der Fall Moriarty“ (Moriarty, 2014)

Meine Besprechung von Mattias Boströms „Von Mr. Holmes zu Sherlock“ (Fran Holmes till Sherlock, 2013)

Meine Besprechung von Ian Edginton (Autor)/Davide Fabbris (Zeichner): Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies! (Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies, 2010)

Meine Besprechung von Ian Edginton (Autor)/Horacio Domingues/Davide Fabbris (Zeichner) „Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Dracula“ (Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Jekyll/Hyde; Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Dracula, 2010/2011)

Meine Besprechung von „Sherlock: Ein Fall von Pink“ (A Study in Pink, GB 2010)

Meine Besprechung von „Sherlock: Eine Legende kehrt zurück – Staffel 1“ (Sherlock, GB 2010)

Meine Besprechung von “Sherlock: Eine Legende kehrt zurück -Staffel 2″ (Sherlock, GB 2012)

Meine Besprechung von „Sherlock – Staffel 3“ (Sherlock, GB 2014)

Meine Besprechung von „Sherlock: Die Braut des Grauens“ (Sherlock: The Abominable Bride, Großbritannien 2016)

Mein Hinweis auf „“Sherlock: Eine Legende kehrt zurück – Staffel 4“ (Sherlock, GB 2017)

Meine Besprechung von “Sherlock: Ein Skandal in Belgravia” (A Scandal in Belgravia, GB 2012)

Meine Besprechung von Guy Ritchies „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“ (Sherlock Holmes: A Game of Shadows, USA 2011)

Sherlock Holmes in der Kriminalakte


DVD-Kritik: „Avengers: Infinitiy War“ oder Wer hat die Steine?

September 10, 2018

Über das schockierende Ende von „Avengers: Infinity War“ reden wir später. Beginnen wir mit dem Anfang des 150-minütigen Marvel-Films, der jetzt auf DVD, Blu-ray und 4K UHD Blu-ray erscheint.

Thanos, der Bösewicht, will seit Jahren und vielen, vielen Marvel-Filmen die Infinity-Steine besitzen. Wenn er alle sechs Steine hat, hat er die unbegrenzte Macht über das Universum und er kann gleich einmal die Hälfte aller Lebewesen auslöschen. Einfach so. In den vergangenen Jahren wurden Thanos und die Steine in ungefähr jedem Marvel-Film angesprochen. Auch wenn es nur in einer Szene im Abspann war.

Jetzt, auf einem Raumschiff mit den letzten Überlebenden von Asgard, gelangt Thanos, „ein Despot von intergalaktischer Bösartigkeit“ (Presseheft), an den zweiten Infinitiy-Stein. Gleichzeitig tötet er Loki, der sich mal wieder als zuverlässig opportunistischer Schleimbeutel erweist. Sein Tod ist der erste in einer Reihe überraschender Toter. Lokis Bruder Thor und „Hulk“ Bruce Banner überleben die Begegnung mit Thanos. Sie machen sich unverzüglich auf den Weg zur Erde. Dort sind nämlich sind zwei der Infinity-Steine. Und die Avengers, die sie verteidigen können, sind ebenfalls auf der Erde. Wenn es sie als einheitliche und kraftvolle Schutztruppe noch gäbe.

Avengers: Infinity War“ ist selbstverständlich ein Film für die zahlreichen Fans, die in den vergangenen Jahren alle Marvel-Filme gesehen und oft liebevoll bis in die letzte Verwinkelung analysiert haben. Sie kennen alle Charaktere und ihre Vorgeschichte. Die Macher, die Regisseure Joe und Anthony Russo und die ebenfalls Marvel-erfahrenen Drehbuchautoren Christopher Markus und Stephen McFeely nehmen sich daher keine Zeit, einen Charakter zu etablieren. Sie können gleich mit der Action beginnen und der Reihe nach all die alten bekannten Superhelden und die Guardians of the Galaxy auftreten lassen. Eigentlich fehlen nur Ant-Man und Hawkeye. Die sollen aber beim zweiten Teil von „Infinity War“ dabei sein. Der Film ist in Deutschland für den 25. April 2019 und in den USA für den 3. Mai 2019 angekündigt.

Die Story von „Avengers: Infinity War“ ist vor allem eine Vorbereitung auf das große Finale des Films, das zu einem großen Teil in Wakanda stattfindet.

Bis dahin spielt die Geschichte vor allem in der „Guardians of the Galaxy“-Welt auf Raumschiffen, fernen Planeten und, ab und zu, im Weltraum. Oder anders gesagt: in der Welt von Thanos und Thanos, grandios gespielt von Josh Brolin, hat in dem Film viel Leinwandzeit und auch ein nachvollziehbares Motiv für seine vollkommen wahnsinnigen Taten. Er ist im Marvel-Universum endlich einmal ein Bösewicht, der auch nach dem Abspann noch im Gedächtnis bleibt . Man erfährt auch, warum er tut, was er tut.

Am Ende des Films, der strukturell die Mitte eines großen Films ist (also Minute 45 bei einem „Tatort“) besitzt Thanos alle Infinity-Steine und er benutzt sie sofort, um die Hälfte aller Lebewesen auszulöschen. Dazu gehören auch etliche der Superhelden, die uns in den vergangenen Jahren ans Herz wuchsen. Wer von den Avengers und den anderen Marvel-Helden in einer optisch und akustisch beklemmend inszenierten Sequenz stirbt, überrascht dann schon etwas. Falls sie – immerhin kann mit dem Zeitstein, der sich im Besitz von Doctor Strange befindet, die Zeit manipuliert werden – wirklich gestorben sind. So ist man am Ende durchaus beeindruckt von der Konsequenz, mit der Thanos agiert, aber man ist nicht wirklich schockiert und die Trauer über den Tod der vielen Superhelden hält sich in überschaubaren Grenzen. Jedenfalls bis zum nächsten Film, in dem wir erfahren, wer nun wirklich gestorben ist.

Im langen Abspann gibt es keine Szene. Nach dem Abspann treffen wir dann Nick Fury.

Das Bonusmaterial auf der Blu-ray ist auf den ersten Blick erfreulich umfangreich geraten. Es gibt einen Audiokommentar von den Drehbuchautoren Christopher Markus und Stephen McFeelyden und Russo-Brüdern (die außerdem eine kurze Einleitung zum Film sprechen), mehrere Featurettes, die insgesamt über dreißig Minuten dauern, zehn Minuten zusätzliche Szenen (die, wie die sehr provisorischen Spezialeffekte zeigen, schon früh gestrichen worden und eine Szene mit ‚Happy Hogan‘ Jon Favreau [der im Film nicht auftaucht]) und, just for fun, zwei Minuten mit Pannen beim Dreh. Gerade die Featurettes enttäuschen. Sie sind, auch wenn das Ende des Films erwähnt und Bilder vom Finale gezeigt werden, reine Werbe-Featurettes, deren Informationsgehalt gegen Null tendiert. Da helfen auch die großzügig eingestreuten ‚Behind the Scenes‘-Bilder nicht.

Avengers: Infinity War (Avengers: Infinity War, USA 2018)

Regie: Anthony Russo, Joe Russo

Drehbuch: Christopher Markus, Stephen McFeely

mit Robert Downey Jr., Josh Brolin, Chris Evans, Scarlett Johansson, Chris Hemsworth, Mark Ruffalo, Benedict Cumberbatch, Chadwick Boseman, Chris Pratt, Tom Hiddleston, Gwyneth Paltrow, Benicio del Torro, Don Cheadle, Tom Holland, Zoe Saldana, Karen Gillan, Paul Bettany, Elizabeth Olsen, Anthony Mackie, Sebastian Stan, Idris Elba, Peter Dinklage, Benedict Wong, Pom Klementieff, Dave Bautista, Letitia Wright, Danai Gurira, William Hurt, Stan Lee, Samuel L. Jackson, Vin Diesel (Stimme im Original), Bradley Cooper (Stimme im Original)

Blu-ray

Walt Disney Studios Home Entertainment

Bild: 16:9 (1080p High Definition, 2.39:1)

Ton: Deutsch (Dolby Digital plus 7.1), Englisch (DTS-HD HR 7.1), Französisch (Dolby Digital plus 7.1)

Untertitel: Deutsch, Französisch, Niederländisch, Dänisch, Schwedisch, Norwegisch, Finnisch, Englisch für Hörgeschädigte

Bonusmaterial: Intro der Regisseure Joe und Anthony Russo, Pannen vom Dreh, Zusätzliche Szenen, Featurettes (Neue Teams, Der wahnsinnige Titan, Über die Schlacht auf Titan, Über die Schlacht in Wakanda), Audiokommentar zum Film

Länge. 149 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

4K UHD Blu-ray mit identischem Bonusmaterial; DVD ohne Bonusmaterial

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Avengers: Infinity War“

Metacritic über „Avengers: Infinity War“

Rotten Tomatoes über „Avengers: Infinity War“

Wikipedia über „Avengers: Infinity War“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Anthony und Joe Russos „The Return of the First Avenger“ (Captain America: The Winter Soldier, USA 2014)

Meine Besprechung von Joe und Anthony Russos „The First Avenger: Civil War“ (Captain America: Civil War, USA 2016)


TV-Tipp für den 1. Mai: 12 Years a Slave

April 30, 2018

Pro7, 20.15

12 Years a Slave (12 Years a Slave, USA 2013)

Regie: Steve McQueen

Drehbuch: John Ridley

LV: Solomon Northup: Twelve Years a Slave, 1853

New York, 1841: Solomon Northup wird von Sklavenhändlern entführt und in die Südstaaten verkauft.

Steve McQueens grandioser Film schildert die wahre Geschichte von Solomon Northup. Der vielfach ausgezeichnete und hochgelobte Film erhielt, unter anderem, den Oscar als Bester Film.

Mehr über den Film gibt es in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Chiwetel Ejiofor, Michael Fassbender, Lupita Nyong’o, Benedict Cumberbatch, Brad Pitt, Paul Dano, Paul Giamatti, Sarah Paulson, Alfre Woodard

Wiederholung: Mittwoch, 2. Mai, 02.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film (dito)

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „12 Years a Slave“

Moviepilot über „12 Years a Slave“

Metacritic über „12 Years a Slave“

Rotten Tomatoes über „12 Years a Slave“

Wikipedia über „12 Years a Slave“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steve McQueens „Shame“ (Shame, Großbritannien 2011)

Meine Besprechung von Steve McQueens „12 Years a Slave“ (12 Years a Slave, USA 2013)


DVD-Kritik: „Thor – Tag der Entscheidung“ im Puschenkino

März 20, 2018

Von der großen Leinwand, also der wirklich großen IMAX-Leinwand, hat sich der Mann mit dem Hammer jetzt auf den Weg auf die kleinen Bildschirme gemacht. Da wirken dann einige Kloppereien nicht mehr so groß wie im Kino, aber der Spaß bleibt.

Das Marvel-Studio hat nämlich Taika Waititi mit der Regie für „Thor – Tag der Entscheidung“ beauftragt und ihm bei diesem dritten „Thor“-Einzelabenteuer freie Hand gelassen. Waititi ist ein Neuseeländer, der mit Komödien bekannt wurde. Wie die Pseudo-Doku „5 Zimmer Küche Sarg (What we do in the Shadows, Neuseeland 2014) über eine Vampir-WG im heutigen Wellington (Neuseeland) und ihre alltäglichen Probleme zwischen Hausputz (studentisch), Essgewohnheiten (blutig) und Abendgestaltung (eher einsam). Das war eine herrlich abgedrehte schwarze Komödie für Halloween. „Thor – Tag der Entscheidung“ ist dann weniger schwarzhumorig geraten.

Als nach dem Tod ihres Vaters Odin (Anthony Hopkins) die Schwester der miteinander verfeindeten Halbbrüder Thor (Chris Hemsworth), der Edle, und Loki (Tom Hiddleston), der Schlawiner, auftaucht, gibt es gleich Ärger. Denn die Todesgöttin Hela (Cate Blanchett) ist ziemlich verärgert. Als Erstgeborene will sie die ihr zustehende Macht über Asgard haben. Sofort befördert sie ihre Brüder, die bislang nichts von ihr wussten, an das letzte Ende der Galaxis auf den Schrottplaneten Sakaar. Dort regiert der Grandmaster (Jeff Goldblum). Wie es sich für einen egozentrischen Herrscher mit Klatsche gehört, erfreut er mit eratischem Gehabe. Zum Ämusement des Volkes veranstaltet er Gladiatorenkämpfe. Bei dem nächsten Kampf soll Thor gegen das unbesiegbare grüne Monster kämpfen. Also, eigentlich soll er sich von ihm töten lassen. Als Thor in der Arena steht, erkennt er das Monster sofort: Es ist sein alter Freund Bruce Banner (Mark Ruffalo), der seit längerem als Hulk lebt und extrem – – – hulkig ist.

Und das ist erst der Anfang des neuesten Thor-Abenteuers.

Waititi erzählt seine Geschichte mit vielen Abweichungen und irrwitzigen Einfällen als durchgeknallte, herrlich respektlose Nummernrevue. Mit viel Slapstick in und zwischen den Kloppereien. Und viel Witz und Situationskomik zwischen den Kloppereien.

Thor, der als hammerschwingender Sohn von Odin mit Goldlocken, schon immer etwas lächerlich war, darf hier seinen Spruch „Ich bin Thor, Sohn von Odin“ ungefähr ein Dutzend Mal voller Inbrust und mit heiligem Ernst, als sei es ein tiefschürendes Shakespeare-Zitat, aufsagen. Die Angesprochenen sind von dieser Vorstellung wenig beeindruckt. Denn Thor ist ein Trottel. In einer Trottelgeschichte. Das ist in diesem Umfang eine vollkommen neue und sehr vergnügliche Dimension im Marvel Cinematic Universe.

Die Standard-DVD hat kein Bonusmaterial.

Derzeit läuft im Kino noch sehr erfolgreich das nächste Marvel-Einzelabenteuer „Black Panther“.

Am 26. April läuft „Avengers: Infinity War“ an. Der neue Trailer des über zweieinhalbstündigen Films mit über sechzig Hauptcharakteren, so heißt es infinitiv aus dem Hause Marvel, sieht so aus:

Thor: Tag der Entscheidung (Thor: Ragnarok, USA 2018)

Regie: Taika Waititi

Drehbuch: Eric Pearson, Craig Kyle, Christopher L. Yost

LV: Charaktere von Stan Lee, Larry Lieber, Jack Kirby

mit Chris Hemsworth, Tom Hiddleston, Cate Blanchett, Idris Elba, Jeff Goldblum, Tessa Thompson, Karl Urban, Mark Ruffalo, Anthony Hopkins, Benedict Cumberbatch, Sam Neill, Stan Lee, Matt Damon (ungenannt)

DVD

Marvel/Walt Disney Studios Home Entertainment

Bild: 2,39:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch, Türkisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte, Türkisch

Bonusmaterial: –

Länge: 125 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Marvel-Facebook-Seite

Moviepilot über „Thor: Tag der Entscheidung“

Metacritic über „Thor: Tag der Entscheidung“

Rotten Tomatoes über „Thor: Tag der Entscheidung“

Wikipedia über „Thor: Tag der Entscheidung“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Taika Waititi „5 Zimmer Küche Sarg“ (What we do in the Shadows, Neuseeland 2014)


TV-Tipp für den 20. Januar: Sherlock: Der leere Sarg

Januar 20, 2018

One, 20.15
Sherlock: Der leere Sarg (Großbritannien 2014, Regie: Jeremy Lovering)
Drehbuch: Mark Gatiss
Erfinder: Mark Gatiss, Steven Moffat
LV: die Sherlock-Holmes-Geschichten von Sir Arthur Conan Doyle
Sherlock Holmes und Dr. John Watson sollen einen Anschlag auf das britische Parlament verhindern.
Nachdem die zweite „Sherlock“-Staffel mit „Der Reichenbachfall“ und dem Tod von Sherlock Holmes endete, kehrt der Detektiv jetzt zurück. Allerdings erfahren wir auch jetzt nicht, wie er seinen Tod inszenierte. Dafür gibt es etliche, mehr oder weniger abstruse, Theorien.
Und das ist ein Problem der dritten „Sherlock“-Staffel: während in den beiden vorherigen Staffeln die Fälle gut konstruiert und spannend waren, liefern die Macher hier nur vernachlässigbare Fälle (Kann einer zehn Minuten nach dem Abspann den Fall erklären?) und durchaus rasante und witzige, aber auch erschreckend selbstgenügsame Unterhaltung.
Mit der vierten Staffel wurden die Fälle dann wieder interessanter.
mit Benedict Cumberbatch, Martin Freeman, Una Stubbs, Rupert Graves, Mark Gatiss, Amanda Abbington, Andrew Scott

Wiederholung: Montag, 22. Januar, 22.55 Uhr

Hinweise

The Science of Deduction (Homepage von Sherlock Holmes)

John Watson’s Blog

Molly Hooper’s Diary

BBC über „Sherlock“

BBC Germany über „Sherlock“

ARD über „Sherlock“

Hartswood Film über „Sherlock“

YouTube-Kanal „Sherlock“

Wikipedia über „Sherlock“ (deutsch, englisch)

Homepage von Sir Arthur Conan Doyle (Erben)

Krimi-Couch über Sir Arthur Conan Doyle

Kirjasto über Sir Arthur Conan Doyle

Wikipedia über Sir Arthur Conan Doyle (deutsch, englisch)

Sherlockian.net (Einstiegsseite mit vielen Links)

Facebook-Seite der deutschen Sherlock-Holmes-Gesellschaft

Thrilling Detective über Sherlock Holmes

Meine Besprechung von Arthur Conan Doyles “Sherlock Holmes Geschichten”, “Sherlock Holmes Kriminalgeschichten” und “The Adventures of Sherlock Holmes” (und hier eine Auflistung der in diesen Werken enthaltenen Geschichten)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „Das Geheimnis des weißen Bandes“ (The House of Silk, 2011)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „Der Fall Moriarty“ (Moriarty, 2014)

Meine Besprechung von Mattias Boströms „Von Mr. Holmes zu Sherlock“ (Fran Holmes till Sherlock, 2013)

Meine Besprechung von Ian Edginton (Autor)/Davide Fabbris (Zeichner): Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies! (Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies, 2010)

Meine Besprechung von Ian Edginton (Autor)/Horacio Domingues/Davide Fabbris (Zeichner) „Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Dracula“ (Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Jekyll/Hyde; Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Dracula, 2010/2011)

Meine Besprechung von „Sherlock: Ein Fall von Pink“ (A Study in Pink, GB 2010)

Meine Besprechung von „Sherlock: Eine Legende kehrt zurück – Staffel 1“ (Sherlock, GB 2010)

Meine Besprechung von “Sherlock: Eine Legende kehrt zurück -Staffel 2″ (Sherlock, GB 2012)

Meine Besprechung von „Sherlock – Staffel 3“ (Sherlock, GB 2014)

Mein Hinweis auf „“Sherlock: Eine Legende kehrt zurück – Staffel 4“ (Sherlock, GB 2017)

Meine Besprechung von “Sherlock: Ein Skandal in Belgravia” (A Scandal in Belgravia, GB 2012)

Meine Besprechung von Guy Ritchies „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“ (Sherlock Holmes: A Game of Shadows, USA 2011)

Sherlock Holmes in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 8. Dezember: Sherlock: Ein Fall von Pink

Dezember 8, 2017

Das ist ein Repost meiner Besprechung vom 24. Juli 2011 zur TV-Erstausstrahlung

ARD, 23.30

Sherlock: Ein Fall von Pink (GB 2010, R.: Paul McGuigan)

Drehbuch/Erfinder: Steven Moffat, Mark Gatiss

LV: Charakter von Sir Arthur Conan Doyle

Die Idee war wohl ganz einfach: Was wäre, wenn Sherlock Holmes im heutigen London leben würde?

Die Skepsis der Krimifans auf der Insel über diese bescheuerte Idee wich, schon während sie den ersten Holmes-Film sahen, nackter Begeisterung, die sich in zahlreichen Jubelarien, Nominierungen und Preisen, unter anderem dem BAFTA für die beste Drama Series, niederschlug. Denn Steven Moffat und Mark Gatiss haben nur wenig im Holmes-Universum geändert. Sie haben Sherlock Holmes, Dr. Watson und all die anderen aus den Geschichten von Sir Arthur Conan Doyle bekannten, wichtigen Charaktere und deren Beziehungsgeflecht einfach aus der Vergangenheit in die Gegenwart versetzt, das ganze erzählerisch ordentlich beschleunigt (jedenfalls im Vergleich zu den vielen bekannten Film- und TV-Interpretationen) und neue Holmes-Geschichten erfunden, die auch von Doyle hätten stammen können.

So jagt Sherlock Holmes in „Ein Fall von Pink“ einen Serienmörder, der seine Opfer, die augenscheinlich keinen Grund für einen Selbstmord hatten, so vergiftet, dass es nach einem Selbstmord aussieht.

Der Fall und wie Holmes den Täter enttarnt, ist zwar etwas schwach, aber dafür lernen wir alle Charaktere kennen und Holmes darf mehrmals zeigen, wie gut er kombinieren kann; wenn er zum Beispiel Dr. John Watson nach einer kurzen Begrüßung dessen Biographie erklärt oder Holmes und Watson zu Fuß ein Taxi verfolgen und, weil Holmes London in und auswendig kennt, sie es auch erwischen.

Dass die ARD die geniale BBC-Serie „Sherlock“ im Sommerloch versteckt wird, ist natürlich gut geplant. Denn da schalten weniger Menschen die Glotze ein. Andererseits ist es schon gemein, dass „Sherlock“ direkt nach dem „Tatort“ läuft. Denn da fällt der Vergleich zwischen den mediokren deutschen Krimis (britisches Understatement) mit den überragenden britischen Krimis so leicht.

Und für Nachschub ist auch schon gesorgt. Im Herbst zeigt die BBC drei weitere „Sherlock“-Filme, die dann auch auf Geschichten von Sir Arthur Conan Doyle basieren.

Mit Benedict Cumberbatch (Sherlock Holmes), Martin Freeman (Dr. John Watson), Rupert Graves (DI Lestrade), Una Stubbs (Mrs. Hudson), Louise Brealey (Molly Hooper), Vinette Robinson (Sgt Sally Donovan), Phil Davis (Jeff), Mark Gatiss (Mycroft)

Wiederholung: Samstag, 9. Dezember, 02.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

The Science of Deduction (Homepage von Sherlock Holmes)

John Watson’s Blog

Molly Hooper’s Diary

BBC über „Sherlock“

BBC Germany über „Sherlock“

ARD über „Sherlock“

Hartswood Film über „Sherlock“

YouTube-Kanal „Sherlock“

Wikipedia über „Sherlock“ (deutsch, englisch)

Homepage von Sir Arthur Conan Doyle (Erben)

Krimi-Couch über Sir Arthur Conan Doyle

Kirjasto über Sir Arthur Conan Doyle

Wikipedia über Sir Arthur Conan Doyle (deutsch, englisch)

Sherlockian.net (Einstiegsseite mit vielen Links)

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Meine Besprechung von Arthur Conan Doyles “Sherlock Holmes Geschichten”, “Sherlock Holmes Kriminalgeschichten” und “The Adventures of Sherlock Holmes” (und hier eine Auflistung der in diesen Werken enthaltenen Geschichten)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „Das Geheimnis des weißen Bandes“ (The House of Silk, 2011)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „Der Fall Moriarty“ (Moriarty, 2014)

Meine Besprechung von Mattias Boströms „Von Mr. Holmes zu Sherlock“ (Fran Holmes till Sherlock, 2013)

Meine Besprechung von Ian Edginton (Autor)/Davide Fabbris (Zeichner): Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies! (Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies, 2010)

Meine Besprechung von Ian Edginton (Autor)/Horacio Domingues/Davide Fabbris (Zeichner) „Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Dracula“ (Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Jekyll/Hyde; Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Dracula, 2010/2011)

Meine Besprechung von „Sherlock: Ein Fall von Pink“ (A Study in Pink, GB 2010)

Meine Besprechung von „Sherlock: Eine Legende kehrt zurück – Staffel 1“ (Sherlock, GB 2010)

Meine Besprechung von “Sherlock: Eine Legende kehrt zurück -Staffel 2″ (Sherlock, GB 2012)

Meine Besprechung von „Sherlock – Staffel 3“ (Sherlock, GB 2014)

Mein Hinweis auf „“Sherlock: Eine Legende kehrt zurück – Staffel 4“ (Sherlock, GB 2017)

Meine Besprechung von “Sherlock: Ein Skandal in Belgravia” (A Scandal in Belgravia, GB 2012)

Meine Besprechung von Guy Ritchies „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“ (Sherlock Holmes: A Game of Shadows, USA 2011)

Sherlock Holmes in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 8. Juli: The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben

Juli 7, 2017

Wer den Film vor einigen Tagen verpasste:

One, 21.45

The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben (The Imitation Game, USA/Großbritannien 2014)

Regie: Morten Tyldum

Drehbuch: Graham Moore

LV: Andrew Hodges: Alan Turing: The Enigma, 1983 (Alan Turing – Enigma)

Hübsch verschachteltes Biopic, getarnt als gediegenes Thrillerdrama, über den genialen Mathematiker Alan Turing, der den Enigma-Code der Nazis entschlüsselte,

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung (mit der TIFF-Pressekonferenz und einem Interview mit den beiden Hauptdarstellern).

mit Benedict Cumberbatch, Keira Knightley, Matthew Goode, Mark Strong, Rory Kinnear, Charles Dance, Allen Leech, Matthew Beard, Alex Lawther

Wiederholung: Montag, 10. Juli, 01.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „The Imitation Game“
Moviepilot über „The Imitation Game“
Metacritic über „The Imitation Game“
Rotten Tomatoes über „The Imitation Game“
Wikipedia über „The Imitation Game“ (deutsch, englisch)
History vs. Hollywood über „The Imitation Game“
Drehbuch „The Imitation Game“ von Graham Moore
Meine Besprechung von Morten Tyldums „Headhunters“ (Hodejegerne, Norwegen/Deutschland 2011)

Meine Besprechung von Morten Tyldums „The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben“ (The Imitation Game, USA/Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Morton Tyldums „Passengers“ (Passengers, USA 2016)


TV-Tipp für den 3. Juli: The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben

Juli 3, 2017

ARD, 20.15

The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben (The Imitation Game, USA/Großbritannien 2014)

Regie: Morten Tyldum

Drehbuch: Graham Moore

LV: Andrew Hodges: Alan Turing: The Enigma, 1983 (Alan Turing – Enigma)

Hübsch verschachteltes Biopic, getarnt als gediegenes Thrillerdrama, über den genialen Mathematiker Alan Turing, der den Enigma-Code der Nazis entschlüsselte,

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung (mit der TIFF-Pressekonferenz und einem Interview mit den beiden Hauptdarstellern).

mit Benedict Cumberbatch, Keira Knightley, Matthew Goode, Mark Strong, Rory Kinnear, Charles Dance, Allen Leech, Matthew Beard, Alex Lawther

Wiederholung: Dienstag, 4. Juli, 02.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „The Imitation Game“
Moviepilot über „The Imitation Game“
Metacritic über „The Imitation Game“
Rotten Tomatoes über „The Imitation Game“
Wikipedia über „The Imitation Game“ (deutsch, englisch)
History vs. Hollywood über „The Imitation Game“
Drehbuch „The Imitation Game“ von Graham Moore
Meine Besprechung von Morten Tyldums „Headhunters“ (Hodejegerne, Norwegen/Deutschland 2011)

Meine Besprechung von Morten Tyldums „The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben“ (The Imitation Game, USA/Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Morton Tyldums „Passengers“ (Passengers, USA 2016)


TV-Tipp für den 4. Juni (und DVD-Hinweis): Sherlock: Die sechs Thatchers

Juni 3, 2017

ARD, 21.45

Sherlock: Die sechs Thatchers (The Six Thatchers, Großbritannien 2017)

Regie: Rachel Talalay

Drehbuch: Mark Gatiss

Erfinder: Steven Moffat, Mark Gatiss

LV: Charakter von Sir Arthur Conan Doyle

Ein Ministersohn wird ermordet. Auf einem Beistelltisch mit Margaret-Thatcher-Devotionalien fehlt eine Thatcher-Gipsbüste. Sherlock Holmes fragt sich, warum die Thatcher-Büste verschwunden ist – und was das Geheimnis der Thatcher-Büsten ist.

Die Inspiration für „Die sechs Thatchers“ ist die Sherlock-Holmes-Geschichte „Die sechs Napoleons“.

Ziemlich furioser Auftakt der vierten „Sherlock“-Staffel, die wieder aus drei spielfilmlangen Episoden besteht. Nachdem bei der dritten Staffel die Fälle so nebensächlich wurden, dass man sie schon während des Sehens vergaß, sind die Fälle jetzt wieder gelungener. Allerdings sind sie wieder kaum nacherzählbar und zunehmend durchgeknallter und immer mehr miteinander und mit den Biographien von Sherlock Holmes und John Watson verknüpft und sie gehen immer mehr in Richtung einer großen, großen Verschwörung. Das ist nicht uninteressant und flott erzählt, aber auch der Stoff, der sich in ungefähr jeder zweiten Serie findet.

Denn auch die brave Haushälterin Mrs. Hudson hat eine Vergangenheit, die wir bis jetzt nicht kannten.

Das Erste zeigt die vierte „Sherlock“-Staffel im gewohnten Turnus. Morgen läuft um 21.45 Uhr „Der lügende Detektiv“ (The lying Detective) und kommenden Sonntag, den 11. Juni, ebenfalls um 21.45 Uhr gibt es „Das letzte Problem“ (The final Problem).

Über eine fünfte Staffel entscheiden die sehr, sehr engen Terminpläne der Macher.

Mit Benedict Cumberbatch, Martin Freeman, Amanda Abbington, Una Stubbs, Louise Brealey, Rupert Graves, Mark Gatiss, Lindsay Duncan, Simon Kunz, Sacha Dhawan

Wiederholung: Montag, 5. Juni, 01.40 Uhr (Taggenau!)

Bonushinweis

Die DVD (und Blu-ray) mit der vierten „Sherlock“-Staffel erscheint am 12. Juni bei Polyband und sie ist, wie die anderen „Sherlock“-DVDs, mit Bonusmaterial vollgepackt. Es gibt „Behind 221B“, „John & Mary’s Flat“, „The Writer’s Chat“, „Mark Gatiss Video Diary – Part 1: On Set“, „Mark Gatiss Video Diary – Part 2: Final Scenes“, „Script to Screen“, (Special Effects Supervisor) „Danny Hargreaves Video Diary“ und „221B Set Timelaps“. Insgesamt 105 Minuten und natürlich mit deutschen Untertiteln.

Sherlock – Die Legende kehrt zurück: Staffel 4

Polyband

Bild: 16:9 (1,78:1)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bonusmaterial: siehe oben und ein 16-seitiges Booklet

Länge: 270 Minuten (3 x 90 Minuten) (2 DVDs)

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

BBC über „Sherlock“

ARD über „Sherlock“

Homepage von Sir Arthur Conan Doyle (Erben)

Krimi-Couch über Sir Arthur Conan Doyle

Kirjasto über Sir Arthur Conan Doyle

Wikipedia über Sir Arthur Conan Doyle (deutsch, englisch)

Sherlockian.net (Einstiegsseite mit vielen Links)

Facebook-Seite der deutschen Sherlock-Holmes-Gesellschaft

Thrilling Detective über Sherlock Holmes

Meine Besprechung von Arthur Conan Doyles “Sherlock Holmes Geschichten”, “Sherlock Holmes Kriminalgeschichten” und “The Adventures of Sherlock Holmes” (und hier eine Auflistung der in diesen Werken enthaltenen Geschichten)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „Das Geheimnis des weißen Bandes“ (The House of Silk, 2011)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „Der Fall Moriarty“ (Moriarty, 2014)

Meine Besprechung von Mattias Boströms „Von Mr. Holmes zu Sherlock“ (Fran Holmes till Sherlock, 2013)

Meine Besprechung von Ian Edginton (Autor)/Davide Fabbris (Zeichner): Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies! (Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies, 2010)

Meine Besprechung von Ian Edginton (Autor)/Horacio Domingues/Davide Fabbris (Zeichner) „Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Dracula“ (Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Jekyll/Hyde; Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Dracula, 2010/2011)

Meine Besprechung von „Sherlock: Ein Fall von Pink“ (A Study in Pink, GB 2010)

Meine Besprechung von „Sherlock: Eine Legende kehrt zurück – Staffel 1“ (Sherlock, GB 2010)

Meine Besprechung von “Sherlock: Eine Legende kehrt zurück -Staffel 2″ (Sherlock, GB 2012)

Meine Besprechung von „Sherlock – Staffel 3“ (Sherlock, GB 2014)

Meine Besprechung von “Sherlock: Ein Skandal in Belgravia” (A Scandal in Belgravia, GB 2012)

Meine Besprechung von Guy Ritchies „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“ (Sherlock Holmes: A Game of Shadows, USA 2011)

Sherlock Holmes in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 30. Dezember: Sherlock – Die Braut des Grauens

Dezember 30, 2016

RBB, 22.45

Sherlock: Die Braut des Grauens (Sherlock: The Abominable Bride, Großbritannien 2016)

Regie: Douglas Mackinnon

Drehbuch: Mark Gatiss, Steven Moffat

Um die Wartezeit zwischen der dritten und vierten „Sherlock“-Staffel (in einigen Tagen im Original, in einigen Monaten in Deutschland zu sehen) zu verkürzen, schrieben die beiden „Sherlock“-Erfinder Mark Gatiss und Steven Moffat ein am Neujahrstag in England ausgestrahltes „Special“, das von zwölf Millionen Zuschauern gesehen wurde und Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch) und Dr. John Watson (Martin Freeman) ins viktorianische London führt. Also die Zeit, in der die von Sir Arthur Conan Doyle geschriebenen Sherlock-Holmes-Geschichten spielen.

Inspektor Lestrade bittet Holmes in einem schwierigen Fall um Hilfe: Emilia Ricoletti, die titelgebende Braut des Grauens, hat sich am helllichten Tag in aller Öffentlichkeit erschossen. Einige Stunden später bringt sie, obwohl ihre Leiche im Leichenschauhaus liegt, ihren Mann um.

Der Fall wird noch mysteriöser, weil die tote Emilia Ricoletti fortan weitere Morde verübt haben soll. Nur, und ist sich Sherlock Holmes sicher, Geister gibt es nicht und Emilia Ricoletti ist tot.

Und dann taucht auch noch Professor Moriarty in der Wohnung von Sherlock Holmes auf.

Nach der enttäuschenden dritten „Sherlock“-Staffel, die zwar gute Zuschauerquoten hatte, sich aber zu sehr auf die Hauptcharaktere und ihre Befindlichkeiten konzentrierte, während die Fälle noch nicht einmal als Nebensache wichtig und erinnerungswürdig waren, ist „Die Braut des Grauens“ eine wohltuende Rückkehr zu einem starken Fall, garniert mit vielen Anspielungen auf die vorherigen „Sherlock“-Filme (auch weil alle bekannten und wichtigen Charaktere, teils in veränderter Erscheinung, auftreten) und einem herrlichen Spiel zwischen Fakt und Fiktion und zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Denn obwohl „Die Braut des Grauens“ im viktorianischen London spielt, schließt sie auch unmittelbar an „Sein letzter Schwur“, die letzte Folge der dritten „Sherlock“-Staffel an.

Und die einfallsreiche Regie tut ihren Teil dazu.

Absolut sehenswert! Für alte „Sherlock“-Fans und auch für neue „Sherlock“-Fans, die allerdings etwas verunsichert von den vielen eingestreuten Anspielungen und dem wilden Spiel mit und im Holmes-Kosmos sein könnten.

Die vierte Staffel wurde im Frühjahr/Sommer 2016 gedreht werden und wird Anfang 2017 ausgestrahlt werden. Die Gründe für den großen Abstand zwischen der dritten Staffel, die Anfang 2014 gezeigt wurde, und vierten Staffel sind ziemlich banal: die Autoren Mark Gatiss und Steven Moffat brauchen Zeit, um die Drehbücher zu schreiben und Benedict Cumberbatch und Martin Freeman sind seit dem weltweiten Erfolg von „Sherlock“ gefragte Schauspieler mit einem vollen Terminkalender. D. h.: die vierte Staffel könnte auch die letzte Staffel sein.

Mit Benedict Cumberbatch, Martin Freeman, Una Stubbs, Rupert Graves, Mark Gatiss, Andrew Scott, Louise Brealey, Amanda Abbington, Jonathan Aris, Catherine McCormack, Tim McInnerny, Natasha O’Keeffe

Wiederholung: BR, Sonntag, 1. Januar, 23.20 Uhr

Die DVD

Sherlock - Die Braut des Grauens - DVD-Cover 4

Parallel zur ersten TV-Ausstrahlung erschien (offiziell erschienen am 29. März 2016) die DVD/Blu-ray als „Special Edition“. Neben dem Film gibt es eine zweite DVD mit neunzig Minuten sehenswertes Bonusmaterial, das hauptsächlich von den beiden „Sherlock“-Autoren Mark Gatiss und Steven Moffat bestritten wird.

Und weil jedes Eingehen auf das Bonusmaterial auch Details der vertrackten Handlung verrät, hülle ich den Mantel des Schweigens darüber.

DVD

Polyband

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bonusmaterial (mit deutschen Untertiteln, 86 Minuten): Mark Gatiss: A Study in Sherlock, Mark Gatiss: Production Diary, Writer’s Interview, Creating the Look: 8 inside looks at how this unique Special was created, The creators of Sherlock answer questions from Sherlock’s ‚1 fan site, 12-seitiges Booklet

Länge: 90 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

 

Hinweise

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Wikipedia über Sir Arthur Conan Doyle (deutsch, englisch)

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Meine Besprechung von Arthur Conan Doyles “Sherlock Holmes Geschichten”, “Sherlock Holmes Kriminalgeschichten” und “The Adventures of Sherlock Holmes” (und hier eine Auflistung der in diesen Werken enthaltenen Geschichten)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „Das Geheimnis des weißen Bandes“ (The House of Silk, 2011)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „Der Fall Moriarty“ (Moriarty, 2014)

Meine Besprechung von Ian Edginton (Autor)/Davide Fabbris (Zeichner): Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies! (Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies, 2010)

Meine Besprechung von Ian Edginton (Autor)/Horacio Domingues/Davide Fabbris (Zeichner) „Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Dracula“ (Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Jekyll/Hyde; Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Dracula, 2010/2011)

Meine Besprechung von „Sherlock: Ein Fall von Pink“ (A Study in Pink, GB 2010)

Meine Besprechung von „Sherlock: Eine Legende kehrt zurück – Staffel 1“ (Sherlock, GB 2010)

Meine Besprechung von “Sherlock: Eine Legende kehrt zurück -Staffel 2″ (Sherlock, GB 2012)

Meine Besprechung von „Sherlock – Staffel 3“ (Sherlock, GB 2014)

Meine Besprechung von “Sherlock: Ein Skandal in Belgravia” (A Scandal in Belgravia, GB 2012)

Meine Besprechung von Guy Ritchies „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“ (Sherlock Holmes: A Game of Shadows, USA 2011)

Sherlock Holmes in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Doctor Strange“ betritt das Marvel Cinematic Universe

November 3, 2016

Gesehen in der Originalfassung in 3D im Imax – und das lohnt sich. Jedenfalls wenn man gerade in der Nähe eines Imax ist. Denn das Bild ist groß (etwa eine Stunde des Films wurde für das Imax-Kino optimiert, was zu einem wesentlich größerem Bild führt und dieses Mal funktioniert der Wechsel zwischen dem normalen Kinoformat und dem 1.9:1-Imax-Format flüssig), 3D stört nicht und die Spezialeffekte sehen verdammt gut aus.

Sie sind auch ein Problem des Films. Denn in den großen Actionszenen werden locker-flockig im „Inception“-Stil ganze Städte, Straßen und Häuserzeilen wild in alle möglichen Richtungen gefaltet oder zerschnitten und im Finale wird, eher Doctor Strange in eine andere Dimension wechselt, eine Stadt entstört. Das ist eine beeindruckende, in „Doctor Strange“ öfter wiederholte, Zirkusnummer, bei der auch immer spürbar ist, dass bei den Sprüngen zwischen den Dimensionen und Paralleluniversen niemand von den Schauspielern und Stuntmen in einer wirklich gefährlichen Situation ist.

Ein anderes Problem von „Doctor Strange“ ist, dass, wie immer bei Marvel, der Bösewicht und seine Motivation schwach sind. Dieses Mal ist der Bösewicht Kaecilius; Mads Mikkelsen, der schon ein James-Bond-Bösewicht war und demnächst in „Star Wars: Rogue One“ mitspielt, verkörpert ihn mit stoischer Mine.

Er ist, neben seinem starren, humorlosen Blick und den schwarzen Augenrändern, als Bösewicht vor allem daran erkennbar, dass er am Filmanfang zwei sehr wichtige Blätter aus einem Buch herausreißt und nebenbei den Bibliothekar bestialisch ermordet.

Das sehr, sehr wichtige Buch stand in der Bibliothek von The Ancient One (Tilda Swinton), die den titelgebenden Dr. Stephen Strange (Benedict Cumberbatch) zu einem besseren Menschen und Magier erzieht. Keine leichte Aufgabe, denn Strange ist ein Geistesverwandter von Tony Stark: ein arroganter Schnösel vor dem Herrn, der wie ein Rockstar lebt und ein begnadeter Neurochirurg ist. Nach einem Autounfall (selbst verschuldet) kann er seine Hände nicht mehr bewegen. Weil sein Beruf auch seine Berufung und der Sinn seines Lebens war, ist für ihn sein jetziges Leben vollkommen sinnlos und es ist für ihn unvorstellbar, irgendeiner anderen Profession nachzugehen. Einmal Chirurg, immer Chirurg.

Als er erfährt, dass es in Kathmandu einen Ort, das Kamar-Taj, und eine Person, The Ancient One, gibt, die ihm helfen kann, macht er sich auf den Weg.

Doctor Strange“ erzählt die Origin-Story von Stephen Strange. Der von Steve Ditko erfundene Charakter hatte 1963 seinen ersten Comic-Auftritt und schon damals sah er mit dem Amulett und seinem Umhang aus wie ein aus einem Dreißiger-Jahre-“Flash Gordon“-Serial entsprungener Charakter. Heute ist er modisch vollkommen aus der Zeit gefallen. Aber Benedict Cumberbatch trägt ihn mit der augenzwinkernden Würde eines gestandenen Theaterschauspielers.

Scott Derrickson, der sich vorher vor allem im Horrorfilm austobte („Der Exorzismus von Emily Rose“, „Sinister“, „Erlöse uns von dem Bösen“) erzählt die Geschichte, wie man es von Marvel gewohnt ist, mit großem Staraufgebot (das teilweise nur wenige Szenen hat), überwältigenden Tricks (auch wenn man vieles schon so ähnlich gesehen hat) und einer ordentlichen Portion Humor, der einen über die Storylücken, die doch recht einfache Geschichte und die schwurbeligen Weisheiten von The Ancient One hinwegsehen lässt. Das liegt allerdings auch an Tilda Swinton, die diese Weisheiten verkündet als seien es Shakespeare-Verse. Sie könnte allerdings auch ein Telefonbuch vorlesen und wir wären überzeugt, einen tiefsinnig-bedeutungsvollen Text zu hören.

Letztendlich liefert „Doctor Strange“ wieder genau das, was man von einem Marvel-Film erwartet. Auch wenn, wie es sich für eine Origin-Story gehört, der Fokus auf dem Helden liegt und all die anderen Superhelden (die Avengers, die Guardians, die wie-war-noch-einmal-der-Name) pausieren müssen. Das führt dann auch zu einer angenehm kurzen Laufzeit von unter zwei Stunden.

Ach ja: selbstverständlich gibt es ein Cameo von Stan Lee und im und nach dem Abspann je eine Szene, die den nächsten Film anteasert.

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Doctor Strange (Doctor Strange, USA 2016)

Regie: Scott Derrickson

Drehbuch: Scott Derrickson, C. Robert Cargill (nach einer Geschichte von Jon Spaihts, Scott Derrickson und C. Robert Cargill

LV: Charakter von Steve Ditko

Mit Benedict Cumberbatch, Tilda Swinton, Chiwetel Ejiofor, Rachel McAdams, Michael Stuhlbarg, Mads Mikkelsen, Benedict Wong, Benjamin Bratt, Scott Adkins

Länge: 115 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Doctor Strange“

Metacritic über „Doctor Strange“

Rotten Tomatoes über „Doctor Strange“

Wikipedia über „Doctor Strange“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Scott Derricksons „Erlöse uns von dem Bösen“ (Deliver us from Evil, USA 2014)


TV-Tipp für den 24. Oktober: Ein Abend mit John le Carré: Dame, König, As, Spion/Der Spion, der aus der Kälte kam

Oktober 24, 2016

Arte, 20.15

Dame, König, As, Spion (Tinker, Tailor, Soldier, Spy, Großbritannien/Frankreich/Deutschland 2011)

Regie: Tomas Alfredson

Drehbuch: Bridget O’Connor, Peter Straughan

LV: John le Carré: Tinker, Tailer, Soldier, Spy, 1974 (Dame, König, As, Spion)

Wer ist der Maulwurf im britischen Geheimdienst? George Smiley sucht den für die Sowjetunion arbeitenden Verräter.

Grandiose Verfilmung des verschachelten Agententhrillers von John le Carré.

mit Gary Oldman, Colin Firth, Tom Hardy, John Hurt, Toby Jones, Mark Strong, Benedict Cumberbatch, Ciarán Hinds, David Dencik, Simon McBurney, Kathy Burke, Stephen Graham, Svetlana Khodchenkova, John le Carré (Komparse bei der MI6-Silvesterfeier; also genau aufpassen)

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Dame, König, As, Spion“

Rotten Tomatoes über „Dame, König, As, Spion“

Wikipedia über die Verfilmung „Dame, König, As, Spion“ (deutsch, englisch)

Arte, 22.15

Der Spion, der aus der Kälte kam (GB 1965, Regie: Martin Ritt)

Drehbuch: Paul Dehn, Guy Trosper

LV: John le Carré: The spy who came in from the cold, 1963 (Der Spion, der aus der Kälte kam)

Der britische Geheimdienstler Leamas wechselt zum Schein die Seiten – und gerät in Teufels Küche.

Realistischer, kritischer, kalter Agententhriller über die Suche nach Doppelagenten und Überläufern. Mit le Carrés Buch (ein Welterfolg) und der gelungenen Verfilmung wandelte sich das heroische Bild des Spions zu eines sehr gewöhnlichem. Denn überall sind Spione „eine schmutzige Prozession von hohlen Narren und Verrätern. Ja, auch von Schwulen, Sadisten und Trinkern, von Leuten, die Räuber und Gendarm spielen, im ihrem erbärmlichen Leben etwas Reiz zu geben.“ (John le Carré: Der Spion, der aus der Kälte kam).

Mit Richard Burton, Oskar Werner, Claire Bloom, Peter van Eyck, Rupert Davies, Sam Wanamaker, Cyril Cusack, Bernard Lee

Hinweise

Arte über John le Carré

Rotten Tomaites über „Der Spion, der aus der Kälte kam“

Wikipedia über „Der Spion, der aus der Kälte kam“ (deutsch, englisch)

Homepage von John le Carré

Meine Besprechung von John le Carrés „Geheime Melodie“ (The Mission Song, 2006)

Meine Besprechung von John le Carrés “Marionetten (A most wanted man, 2008)

Meine Besprechung von John le Carrés “Verräter wie wir” (Our kind of traitor, 2010)

Meine Besprechung von John le Carrés “Empfindliche Wahrheit” (A delicate truth, 2013)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “Bube, Dame, König, Spion” (Tinker, Tailor, Soldier, Spy, Großbritannien/Frankreich/Deutschland 2011)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “A most wanted man” (A most wanted man, Deutschland/Großbritannien 2014) und der DVD

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung „Verräter wie wir“ (Our Kind of Traitor, Großbritannien 2016)

John le Carré in der Kriminalakte

Meine Besprechung der ersten beiden Episoden von Susanne Biers „The Night Manager“ (The Night Manager, Großbritannien/USA 2016) und der gesamten Miniserie

Bonushinweis

le Carre - Der Taubentunnel - 4

Am 9. September erschien „Der Taubentunnel“, die Memoiren von John le Carré, der am 19. Oktober seinen 85. Geburtstag feierte.

Über „Die Memoiren eines Jahrhundertautors“ schreibt der Verlag:

„Was macht das Leben eines Schriftstellers aus? Mit dem Welterfolg „Der Spion, der aus der Kält kam“ gab es für John le Carré keinen Weg zurück. Er kündigte seine Stelle im diplomatischen Dienst, reiste zu Recherchezwecken um den halben Erdball – Afrika, Russland, Israel, USA, Deutschland –, traf die Mächtigen aus Politik- und Zeitgeschehen und ihre heimlichen Handlanger. John le Carré ist bis heute ein exzellenter und unabhängiger Beobachter, mit untrüglichem Gespür für Macht und Verrat. Aber auch für die komischen Seiten des weltpolitischen Spiels.

In seinen Memoiren blickt er zurück auf sein Leben und sein Schreiben.“

John le Carré: Der Taubentunnel

(aus dem Englischen von Peter Torberg)

Ullstein, 2016

384 Seiten

22,00 Euro


TV-Tipp für den 16. Mai: 12 Years a Slave

Mai 15, 2016

Pro7, 20.15

12 Years a Slave (12 Years a Slave, USA 2013)

Regie: Steve McQueen

Drehbuch: John Ridley

LV: Solomon Northup: Twelve Years a Slave, 1853

New York, 1841: Solomon Northup wird von Sklavenhändlern entführt und in die Südstaaten verkauft.

Steve McQueens grandioser Film schildert die wahre Geschichte von Solomon Northup, für die er, unter anderem, den Oscar als Bester Film erhielt.

Mehr über den Film gibt es in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Chiwetel Ejiofor, Michael Fassbender, Lupita Nyong’o, Benedict Cumberbatch, Brad Pitt, Paul Dano, Paul Giamatti, Sarah Paulson, Alfre Woodard

Wiederholung: Dienstag, 17. Mai, 00.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film (dito)

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „12 Years a Slave“

Moviepilot über „12 Years a Slave“

Metacritic über „12 Years a Slave“

Rotten Tomatoes über „12 Years a Slave“

Wikipedia über „12 Years a Slave“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steve McQueens „Shame“ (Shame, Großbritannien 2011)

Meine Besprechung von Steve McQueens „12 Years a Slave“ (12 Years a Slave, USA 2013)


TV-Tipp für den 28. März – und DVD-Kritik: Sherlock: Die Braut des Grauens

März 28, 2016

ARD, 21.45

Sherlock: Die Braut des Grauens (Sherlock: The Abominable Bride, Großbritannien 2016)

Regie: Douglas Mackinnon

Drehbuch: Mark Gatiss, Steven Moffat

Um die Wartezeit zwischen der dritten und vierten „Sherlock“-Staffel zu verkürzen, schrieben die beiden „Sherlock“-Erfinder Mark Gatiss und Steven Moffat ein am Neujahrstag in England ausgestrahltes „Special“, das von zwölf Millionen Zuschauern gesehen wurde und Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch) und Dr. John Watson (Martin Freeman) ins viktorianische London führt. Also die Zeit, in der die von Sir Arthur Conan Doyle geschriebenen Sherlock-Holmes-Geschichten spielen.

Inspektor Lestrade bittet Holmes in einem schwierigen Fall um Hilfe: Emilia Ricoletti, die titelgebende Braut des Grauens, hat sich am helllichten Tag in aller Öffentlichkeit erschossen. Einige Stunden später bringt sie, obwohl ihre Leiche im Leichenschauhaus liegt, ihren Mann um.

Der Fall wird noch mysteriöser, weil die tote Emilia Ricoletti fortan weitere Morde verübt haben soll. Nur, und ist sich Sherlock Holmes sicher, Geister gibt es nicht und Emilia Ricoletti ist tot.

Und dann taucht auch noch Professor Moriarty in der Wohnung von Sherlock Holmes auf.

Nach der enttäuschenden dritten „Sherlock“-Staffel, die zwar gute Zuschauerquoten hatte, sich aber zu sehr auf die Hauptcharaktere und ihre Befindlichkeiten konzentrierte, während die Fälle noch nicht einmal als Nebensache wichtig und erinnerungswürdig waren, ist „Die Braut des Grauens“ eine wohltuende Rückkehr zu einem starken Fall, garniert mit vielen Anspielungen auf die vorherigen „Sherlock“-Filme (auch weil alle bekannten und wichtigen Charaktere, teils in veränderter Erscheinung, auftreten) und einem herrlichen Spiel zwischen Fakt und Fiktion und zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Denn obwohl „Die Braut des Grauens“ im viktorianischen London spielt, schließt sie auch unmittelbar an „Sein letzter Schwur“, die letzte Folge der dritten „Sherlock“-Staffel an.

Und die einfallsreiche Regie tut ihren Teil dazu.

Absolut sehenswert! Für alte „Sherlock“-Fans und auch für neue „Sherlock“-Fans, die allerdings etwas verunsichert von den vielen eingestreuten Anspielungen und dem wilden Spiel mit und im Holmes-Kosmos sein könnten.

Die vierte Staffel soll im Frühjahr/Sommer 2016 gedreht werden und dürfte Anfang 2017 (ein offizieller Termin ist noch nicht bekannt) ausgestrahlt werden. Die Gründe für den großen Abstand zwischen der dritten Staffel, die Anfang 2014 gezeigt wurde, und vierten Staffel sind ziemlich banal: die Autoren Mark Gatiss und Steven Moffat brauchen Zeit, um die Drehbücher zu schreiben und Benedict Cumberbatch und Martin Freeman sind seit dem weltweiten Erfolg von „Sherlock“ gefragte Schauspieler mit einem vollen Terminkalender.

Mit Benedict Cumberbatch, Martin Freeman, Una Stubbs, Rupert Graves, Mark Gatiss, Andrew Scott, Louise Brealey, Amanda Abbington, Jonathan Aris, Catherine McCormack, Tim McInnerny, Natasha O’Keeffe

Wiederholung: Mittwoch, 30. März, 00.00 Uhr (Taggenau! – um 01.35 Uhr folgt „Sherlock Holmes und das Halsband des Todes“ mit Christopher Lee als Meisterdetektiv)

Die DVD

Sherlock - Die Braut des Grauens - DVD-Cover 4

Parallel zur TV-Ausstrahlung erschien (hab sie schon am Gründonnerstag im Geschäft gesehen, obwohl sie offiziell erst am 29. März erscheint) die DVD/Blu-ray als „Special Edition“. Neben dem Film gibt es eine zweite DVD mit neunzig Minuten sehenswertes Bonusmaterial, das hauptsächlich von den beiden „Sherlock“-Autoren Mark Gatiss und Steven Moffat bestritten wird.

Und weil jedes Eingehen auf das Bonusmaterial auch Details der vertrackten Handlung verrät, hülle ich den Mantel des Schweigens darüber.

DVD

Polyband

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bonusmaterial (mit deutschen Untertiteln, 86 Minuten): Mark Gatiss: A Study in Sherlock, Mark Gatiss: Production Diary, Writer’s Interview, Creating the Look: 8 inside looks at how this unique Special was created, The creators of Sherlock answer questions from Sherlock’s ‚1 fan site, 12-seitiges Booklet

Länge: 90 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

 

Hinweise

Homepage von Sir Arthur Conan Doyle (Erben)

Krimi-Couch über Sir Arthur Conan Doyle

Kirjasto über Sir Arthur Conan Doyle

Wikipedia über Sir Arthur Conan Doyle (deutsch, englisch)

Sherlockian.net (Einstiegsseite mit vielen Links)

Facebook-Seite der deutschen Sherlock-Holmes-Gesellschaft

Thrilling Detective über Sherlock Holmes

Meine Besprechung von Arthur Conan Doyles “Sherlock Holmes Geschichten”, “Sherlock Holmes Kriminalgeschichten” und “The Adventures of Sherlock Holmes” (und hier eine Auflistung der in diesen Werken enthaltenen Geschichten)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „Das Geheimnis des weißen Bandes“ (The House of Silk, 2011)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „Der Fall Moriarty“ (Moriarty, 2014)

Meine Besprechung von Ian Edginton (Autor)/Davide Fabbris (Zeichner): Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies! (Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies, 2010)

Meine Besprechung von Ian Edginton (Autor)/Horacio Domingues/Davide Fabbris (Zeichner) „Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Dracula“ (Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Jekyll/Hyde; Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Dracula, 2010/2011)

Meine Besprechung von „Sherlock: Ein Fall von Pink“ (A Study in Pink, GB 2010)

Meine Besprechung von „Sherlock: Eine Legende kehrt zurück – Staffel 1“ (Sherlock, GB 2010)

Meine Besprechung von “Sherlock: Eine Legende kehrt zurück -Staffel 2″ (Sherlock, GB 2012)

Meine Besprechung von „Sherlock – Staffel 3“ (Sherlock, GB 2014)

Meine Besprechung von “Sherlock: Ein Skandal in Belgravia” (A Scandal in Belgravia, GB 2012)

Meine Besprechung von Guy Ritchies „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“ (Sherlock Holmes: A Game of Shadows, USA 2011)

Sherlock Holmes in der Kriminalakte


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: „Black Mass“ – ein Sachbuch und ein Film über Bostons Gangsterboss Whitey Bulger

Oktober 15, 2015

Was für ein Stoff! Die Geschichte eines Gangsterbosses, der auch jahrelang FBI-Informant war. Sein FBI-Führungsoffizier ist auch aus South Boston und kennt ihn seit Kindertagen. Sein Bruder, ein Demokrat, ist ein geachteter und einflussreicher Politiker, der von 1978 bis 1996 der Präsident des Repräsentantenhaus von Massachusetts war und damit immer noch der Politiker ist, der das Amt am längsten inne hatte. Entsprechend einflussreich und beliebt war er bei der Bevölkerung. Und dann ist das keine Hollywood-Fiktion, sondern Wahrheit. Der irischstämmige James ‚Whitey‘ Bulger war auf dem Höhepunkt seiner Karriere der unantastbare Gangsterboss von Boston. 1975 wurde der 1929 geborene Verbrecher FBI-Informant. Ende 1994 tauchte er unter, weil seine Tätigkeit für das FBI kurz vor der Enthüllung stand und er Anklagen für seine vielen Verbrechen befürchten musste.
Im Film, der mit der öffentlichen Enthüllung von Bulgers jahrzehntelanger Informantentätigkeit endet, wird Bulger von Johnny Depp gespielt und Depp lässt seine in den letzten Jahren gepflegten Komödien-Manierismen links liegen. Neben ihm sind Joel Edgerton, Benedict Cumberbatch, Kevin Bacon, Peter Sarsgaard, Rory Cochrane und Corey Stoll dabei. Das Drehbuch ist von Mark Mallouk (sein erstes verfilmtes Drehbuch, aber als Produzent war er involviert in „Rush“, „Ruhet in Frieden“ und „Everest“) und Jez Butterworth (u. a. „Fair Game – Nichts ist gefährlicher als die Wahrheit“, „Edge of Tomorrow“, „Get on up“ und „Spectre“, der neue Bond), also Jungs, die eine wahre, spannende und auch komplexe Geschichte erzählen können.
Die Regie übernahm Scott Cooper, dessen Debüt „Crazy Heart“ von der Kritik abgefeiert wurde und dessen zweiter Film „Auge um Auge – Out of the Furnace“ ein etwas schleppend erzähltes düsteres Drama ist.
Das klingt doch vielversprechend.
Und doch ist „Black Mass“ eine große Enttäuschung. Es ist ein Gangsterfilm, der so eifrig bemüht ist, alles zu ignorieren, was einen Gangsterfilm ausmacht, was natürlich ein etwas unsinniges Unterfangen ist (als würde man ein Musical ohne Gesangsnummern inszenieren), aber gelingen könnte, wenn die Macher gewusst hätten, was sie erzählen wollen. Geht es um den Aufstieg und Abstieg von Bulger? Geht es um seine Beziehung zu dem FBI-Agenten John Connolly? Geht es um Vertrauen, Verrat und Verhaltensregeln? Den Ehrenkodex des Gangsters?
Wahrscheinlich geht es darum. Immerhin beginnt der Film mit einem Verhör bei der Polizei; wobei der Vernehmungsbeamte für den Film egal ist. Der Gangster, der betont, dass er aussagen werde, aber kein Verräter sei, gehört zwar zur Bande von Whitey Bulger, aber der Film wird nicht aus seiner Perspektive erzählt. Denn wir sehen hier und nach den folgenden Verhörszenen immer wieder Szenen, in denen Dinge gezeigt werden, die die Verhörten nicht wissen können. Sowieso sind die eher willkürlich eingestreuten Verhörszenen mit verschiedenen Bandenmitglieder nur ein Gimmick, der die sprunghafte Handlung nur mühsam kaschiert. Denn mit jedem neuen Verhör wird einfach ein weiteres Kapitel aufgeschlagen und manchmal auch ein längerer Zeitraum überbrückt. Wer dann von Bulger und seinen Jungs umgebracht wird, ist uns egal, weil wir zu dem Opfer keine emotioale Verbindung aufbauen konnten. Sowieso scheinen die Opfer vor allem Mitglieder aus Bulgers Bande zu sein, was zu einem weiteren Problem führt. In einem Gangsterfilm kämpfen Gangster gegeneinander und gegen die Polizei. In „Black Mass“ nicht. Immerhin schützt das FBI Bulger. Über seinen Aufstieg vom das Viertel beherrschenden zum die Stadt beherrschenden Gangster erfahren wir nichts, außer dass einmal gesagt wird, dass er dank des Schutzes des FBIs vom Southie-Kleingangster zum Paten von Boston aufsteigen konnte. Dass es auch andere Gangsterbanden in Boston gibt, vor allem natürlich die italienische Mafia, gegen die das FBI in den Siebzigern einen Feldzug führte, bleibt daher letztendlich eine Behauptung, die wir dem FBI glauben müssen.
Und warum Bulger irgendwann mit der IRA Geschäfte macht, können wir uns aus unserem, sofern vorhandenem, historischen Wissen über die IRA und ihre Unterstützer in den USA zusammenreimen. Aus dem Film erfahren wir es nicht. Dort ist es nur eine Episode, in der plötzlich ein Schiff beladen wird.
Entspechend eindimensional bleiben alle Charaktere. Sie sind Stichwortgeber für eine nicht vorhandene Geschichte. Vor allem Bulger bleibt blass. Er ist immer ein etwas älterer Mann mit schütteren Haaren und schlechten Kleidern. Er sieht immer aus, wie ein älterer Arbeiter aus der nächsten Eckkneipe. Dass er kaltblütig mehrere Menschen erdrosselt und erschießt, erscheint da fast wie eine seltsame Marotte. Aber besonders furchterregend wird er dadurch nicht. In den Momenten versprüht er bestenfalls die Aura eines Mafia-Handlangers, der in der nächsten Filmszene stirbt.
Auch alle anderen Charaktere agieren wie in einem Korsett. Leblos und steif hängen die Staatsdiener in ihren Anzügen. Natürlich immer in unauffällig zeitlos-seriösen Farben, mit Schlips und Weste, wie es sich schon damals seit Jahrzehnten für den gut gekleideten Mann gehörte. Die Gangster pflegen dagegen die ebenso zeitlos funktionale Hafenarbeiterkluft, die sich schon damals seit Jahrzehnten nicht änderte. So verstärkt die Kleidung das Gefühl, dass in „Black Mass“ alles, aber auch wirklich alles, seit Jahrzehnten schon fest zementiert ist. Und niemand es ändern will.
Dass die Filmgeschichte sich über zwei Jahrzehnte erstreckt, erfahren wir nicht über die Bilder. Egal ob 1975, das Jahr in dem „Black Mass“ beginnt, oder die achtziger Jahre oder die frühen neunziger Jahre bis, Mitte der Neunziger, als Bulger als FBI-Spitzel enttarnt wird, immer sehen wir die gleichen abgeranzten Sechziger-Jahre-Arme-Leute-Küchen, South-Boston-Hinterhöfe, Hafenansichten, FBI-Büros (die nie durch Hippnes glänzten) und, selten, gehobene Restaurants, in denen ohne Schlips und Anzug niemand hineingelassen wird. Es sind Orte, an denen jede Modernisierung vorbei ging.
Die Dialoge stehen zwar in der George-V.-Higgins- und Elmore-Leonard-Schule, aber in „Black Mass“ bleiben sie nur folgenloses Gebabbel. Das ist in den ersten Minuten, wegen der vermeintlichen Authenzität noch toll, aber es wird zunehmend zu einem Problem. Denn die Dialoge drehen sich mehr im Kreis, als dass sie die Handlung vorantreiben. Die ist sowieso nur locker an Bulgers verschiedenen Morden aufgehängt. Morde, die für die Handlung keine erkennbare Bedeutung haben.
So wird der gesamte Film ziemlich schnell zu einer reinen Geduldsprobe, die gefühlt mindestens doppelt so lange ist wie der zweistündige Film.
Wieviel besser und kurzweiliger ist dagegen David O. Russells 138-minütiger „American Hustle“, der die gleichen Themen behandelte und ebenfalls auf einer wahren Geschichte basiert.
Und was hätte Martin Scorsese nur aus dieser Geschichte gemacht?
Uh, ähem, hat er schon. Vor neun Jahren. „Departed – Unter Feinden“ heißt der Film, Jack Nicholson spielt den Gangsterboss, der im Film Frank Costello heißt und der von Whitey Bulger inspiriert ist. Ein grandioser Film, der Scott Coopers Scheitern umso schmerzhafter zeigt.

Black Mass - Plakat

Black Mass (Black Mass, USA 2015)
Regie: Scott Cooper
Drehbuch: Mark Mallouk, Jez Butterworth
LV: Dick Lehr/Gerard O’Neill: Black Mass: Whitey Bulger, the FBI, and a Devil’s Deal, PublicAffairs, 2000 (Black Mass – Der Pate von Boston)
mit Johnny Depp, Joel Edgerton, Benedict Cumberbatch, Dakota Johnson, Kevin Bacon, Peter Sarsgaard, Jesse Plemons, Rory Cochrane, David Harbour, Adam Scott, Corey Stoll, Juno Temple, Julianne Nicholson
Länge: 123 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Die Vorlage: ein Lesebefehl für den True-Crime-Fan

Lehr - O Neill - Black Mass - 4

Pünktlich zum Filmstart erschien das von den „Boston Globe“-Journalisten geschriebene und mit dem Edgar ausgezeichnete Sachbuch „Black Mass“, das als Vorlage für den Film diente und schon auf den ersten Seiten fragte ich mich, wie es den Filmmachern gelang, all die auf dem Präsentierteller liegenden erzählerischen Goldstücke zu ignorieren. Vieles wird zwar im Film auch angesprochen oder angedeutet, aber erst beim Lesen des Buches versteht man die Hintergründe und damit auch die Handlungen der Beteiligten. Deshalb ist das Buch eine so ungemein spannende Lektüre, die einem so viel von der US-Kriminalitätsgeschichte erzählt und, im Gegensatz zum Film, den Wunsch weckt, South Boston zu besuchen.

Dick Lehr/Gerard O’Neill: Black Mass – Der Pate von Boston
(übersetzt von Joachim Körber)
Goldmann, 2015
512 Seiten
9,99 Euro

Originalausgabe
Black Mass: Whitey Bulger, the FBI, and a Devil’s Deal
PublicAffairs, 2000

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Film-Zeit über „Black Mass“
Moviepilot über „Black Mass“
Metacritic über „Black Mass“
Rotten Tomatoes über „Black Mass“
Wikipedia über „Black Mass“ (deutsch, englisch) und Whitey Bulger (deutsch, englisch)
History vs. Hollywood über die wahren Hintergründe von „Black Mass“

Die „Black Mass“-Pressekonferenz beim Filmfest in Venedig

Nachtrag (20. Oktober 2015)

„French Connection“ William Friedkin unterhält sich mit Scott Cooper über den Film

 

 


DVD-Kritik: Über die Special Edition von „Sherlock – Staffel 3“

April 10, 2015

Schon die reguläre DVD-Ausgabe von „Sherlock – Staffel 3“ hatte einiges an Bonusmaterial enthalten. Aber für die jetzt erschienene Special Edition legte Polyband noch einmal eine ordentliche Schippe drauf. „ca. 220 Minuten mit deutschen Untertiteln“ steht auf dem Cover und dann gibt es noch zwei Audiokommentare, die auf der ersten Ausgabe der dritten „Sherlock“-Staffel nicht enthalten waren. Dabei waren die Audiokommentare immer informative Highlights und Musterbeispiele für gelungene Audiokommentare.
Es gibt die von der Erstauflage der dritten „Sherlock“-Staffel bekannten Making of „Fans, Villains & Speculation“, „Shooting Sherlock“ und „The Fall“, die insgesamt knapp 45 Minuten dauern.
Einen kleinen Teil des restlichen Bonusmaterials dürften langjährige „Sherlock“-Fans schon kennen. Aber bis jetzt war es nur im Netz zu finden, wie das siebenminütige Prequel „Many Happy Returns“ zur dritten Staffel und die 2010 in verschiedenen BBC-Sendungen im Umfeld der ersten „Sherlock“-Staffel geführten, jeweils etwa achtminütigen Interviews mit Benedict Cumberbatch, Benedict Cumberbatch und Martin Freeman, Steven Moffat und Dramatiker Mark Ravenhill und, nach der Ausstrahlung der ersten Staffel, Steven Moffat und Sue Vertue. Das letzte Interview ist das uninteressanteste.
Neu sind, neben den beiden Audiokommentaren mit den Autoren Steven Moffat und Mark Gatiss, „Mrs. Hudson“-Darstellerin Una Stubbs und Produzentin Sue Vertue, eine geschnittene Szene (aus „Sein letzter Schwur“), einige Outtakes und „Unlocking Sherlock“ und „Sherlock uncoverd“, die nicht mit den gleichnamigen Making ofs zur ersten und zweiten Staffel verwechselt werden sollten. „Unlocking Sherlock“ dauert 55 Minuten und „Sherlock uncovered“ besteht aus drei Teilen: „The Return“ (26 Minuten), „The Women“ (26 Minuten) und „The Villains“ (23 Minuten).
Alle Extras sind untertitelt.
So umfangreich und informativ die Special Edition ausgefallen ist, so dünn sind dieses Mal die Fälle für Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch) und seinen Begleiter Dr. John Watson (Martin Freeman) ausgefallen. In „Der leere Sarg“ kehrt Sherlock Holmes von den Toten zurück und er soll einen Anschlag auf das Parlament verhindern. Aber vor allem werden uns verschiedene Theorien über den Tod von Sherlock Holmes präsentiert, ohne dass am Ende wirklich geklärt ist, wie er seinen Tod inszenierte.
In „Im Zeichen der Drei“ geht es vor allem um die Hochzeit von Dr. Watson und Mary Morstan, bei der Sherlock Holmes den Trauzeugen spielen soll und er gleichzeitig einige Verbrechen aufklärt.
In „Sein letzter Schwur“ kämpfen Sherlock Holmes und Dr. John Watson gegen Charles Augustus Magnussen (Lars Mikkelsen), einen Zeitungsmogul, der seinen Status vor allem Erpressungen verdankt. Denn er kennt die Geheimnisse der britischen Oberschicht, die er gegen gewisse Gefälligkeiten nicht veröffentlicht.
Vor allem in den ersten beiden Filmen sind die Fälle erschreckend dünn und so nebensächlich, dass sie schon nicht mehr nacherzählbar sind. „Sein letzter Schwur“ ist zwar besser, aber Magnussen ist mehr ein James-Bond- als ein Sherlock-Holmes-Bösewicht. In allen drei Filmen stehen in der dritten „Sherlock“-Staffel die Hauptcharaktere mit ihren Marotten im Mittelpunkt. Das ist zwar unterhaltsam, rasant, witzig und erschreckend selbstgenügsam.
Es ist zu hoffen, dass die Macher Stefen Moffat und Mark Gatiss in der vierten Staffel sich wieder mehr auf die Fälle konzentrieren. Schließlich ist „Sherlock“ ein Krimi, und keine Soap mit vernachlässigbarer kriminalistischer Beigabe.

Sherlock - Staffel 3 - Special Edition - DVD-Cover - 4

Sherlock – Staffel Drei – Special Edition
Erfinder: Steven Moffat, Mark Gatiss
mit Benedict Cumberbatch (Sherlock Holmes), Martin Freeman (Dr. John Watson), Amanda Abbington (Mary Morstan), Una Stubbs (Mrs. Hudson), Rupert Graves (Detective Inspector Lestrade), Mark Gatiss (Mycroft Holmes), Louise Brealey (Molly Hooper)

DVD
Polyband
Bild: 1,78:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bonusmaterial: Audiokommentar zu „Der leere Sarg“ und „Sein letzter Schwur“, Serie Three Prequel „Many Happy Returns“, Unlocking Sherlock, Sherlock Uncovered, Deleted Scene, Outtakes, TV Interviews from 2010, Fans, Villains & Speculation, Shooting Sherlock, The Fall, 16-seitiges Booklet, 3-teiliges Postkartenset
Länge: 261 Minuten (3 x 87 Minuten), 220 Minuten (Bonusmaterial) (3 DVDs)
FSK: ab 12 Jahre

Die Ermittlungen
Der leere Sarg (The Empty Hearse, Großbritannien 2014)
Regie: Jeremy Lovering
Drehbuch: Mark Gatiss

Im Zeichen der Drei (The Sign of Three, Großbritannien 2014)
Regie: Colm McCarthy
Drehbuch: Steve Thompson, Steven Moffat, Mark Gatiss

Sein letzter Schwur (His Last Vow, Großbritannien 2014)
Regie: Colm McCarthy
Drehbuch: Steven Moffat

Hinweise

The Science of Deduction (Homepage von Sherlock Holmes)

John Watson’s Blog

Molly Hooper’s Diary

BBC über „Sherlock“

BBC Germany über „Sherlock“

ARD über „Sherlock“

Hartswood Film über „Sherlock“

YouTube-Kanal „Sherlock“

Wikipedia über „Sherlock“ (deutsch, englisch)

Homepage von Sir Arthur Conan Doyle (Erben)

Krimi-Couch über Sir Arthur Conan Doyle

Kirjasto über Sir Arthur Conan Doyle

Wikipedia über Sir Arthur Conan Doyle (deutsch, englisch)

Sherlockian.net (Einstiegsseite mit vielen Links)

Facebook-Seite der deutschen Sherlock-Holmes-Gesellschaft

Thrilling Detective über Sherlock Holmes

Meine Besprechung von Arthur Conan Doyles “Sherlock Holmes Geschichten”, “Sherlock Holmes Kriminalgeschichten” und “The Adventures of Sherlock Holmes” (und hier eine Auflistung der in diesen Werken enthaltenen Geschichten)

Meine Besprechung von Anthony Horowitzs „Das Geheimnis des weißen Bandes“ (The House of Silk, 2011)

Meine Besprechung von Ian Edginton (Autor)/Davide Fabbris (Zeichner): Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies! (Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies, 2010)

Meine Besprechung von Ian Edginton (Autor)/Horacio Domingues/Davide Fabbris (Zeichner) „Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Dracula“ (Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Jekyll/Hyde; Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Dracula, 2010/2011)

Meine Besprechung von „Sherlock: Ein Fall von Pink“ (A Study in Pink, GB 2010)

Meine Besprechung von „Sherlock: Eine Legende kehrt zurück – Staffel 1“ (Sherlock, GB 2010)

Meine Besprechung von “Sherlock: Eine Legende kehrt zurück -Staffel 2″ (GB 2012)

Meine Besprechung von “Sherlock: Ein Skandal in Belgravia” (A Scandal in Belgravia, GB 2012)

Meine Besprechung von Guy Ritchies „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“ (Sherlock Holmes: A Game of Shadows, USA 2011)

Sherlock Holmes in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Das Biopic „The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben“ des Alan Turing

Januar 22, 2015

Ist „The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben“ wirklich so gut? Das Biopic wurde für acht Oscars, unter anderem in den Kategorien bester Film, beste Regie, bestes Drehbuch, bester Hauptdarsteller und beste Nebendarstellerin (wobei Keira Knightley in dem Film die einzige nennenswerte Frauenrolle hat und eigentlich die Hauptdarstellerin ist) nominiert. Insgesamt wurde, laut IMDB, der Film bis jetzt für über einhundert Preise nominiert und er erhielt schon 39 Preise. Diese immense Menge an Preisen und Nominierungen sagt inzwischen eigentlich mehr über die Inflation von Filmpreisen als über die Qualität des Films aus.
Dabei ist „The Imitation Game“ natürlich kein schlechter Film, sondern gutes, altmodisches Erzählkino, das zuerst mit seiner komplizierten, aber letztendlich sehr schlüssigen und sehr gelungenen Rückblendenstruktur irritiert.
1951 trifft ein Polizist, nachdem ein Einbruch gemeldet wurde, auf einen sehr seltsamen Mann in einer zugemüllten Wohnung. Der Polizist fragt sich, wer dieser Alan Turing (Benedict Cumberbatch) ist und was er ihm verschweigt. Dabei erfährt er schnell, dass Turings Arbeit während des Zweiten Weltkriegs streng geheim ist (was sie bis in die siebziger Jahre blieb) und höhere Stellen keine genaue Untersuchung des Einbruchs wünschen.
Turing (23. Juni 1912 – 7. Juni 1954) war ein herausragender Mathematiker, der heute als einer der einflussreichsten Theoretiker der frühen Computerentwicklung und Informatik gilt. Der unter Informatikern prestigeträchtige Turing Award trägt seinen Namen.
Dieses mathematische Talent, vulgo das abstrakte logische Denken, führte dazu, dass er, nachdem er behauptet, die unknackbare deutsche Codemaschine Enigma knacken zu können, vom britischen Geheimdienst eingestellt wird und in Bletchley Park mit anderen Männern Enigma knacken soll. Turing, ein teamunfähiger, von sich überzeugter Eigenbrötler, nähert sich dem Problem streng logisch und, wie inzwischen allgemein bekannt ist, kann er den Code knacken. Eine große Hilfe war ihm dabei die ebenfalls mathematisch extrem begabte Joan Clarke (Keira Knightley), der er auch einen Heiratsantrag machte.
Eigentlich stand ihm nach dem Krieg eine große wissenschaftliche Karriere offen. 1948 trat er eine Stelle an der Universität von Manchester an. Er entwickelte den Turing Test, der die Grundlage für die Definition von künstlicher Intelligenz wurde.
Aber dann wurde er 1952 wegen Homosexualität, was damals eine Straftat war, angeklagt. Um eine Haftstrafe zu vermeiden, unterzog er sich einer Hormontherapie, die auch sein seelisches Befinden störte und 1954 zu seinem Suizid durch Cyanid führte.
Erst am 10. September 2009 entschuldigte sich der britische Premierminister Gordon Brown im Namen der Regierung für die Verfolgung Turings aufgrund seiner Homosexualität. Am 24. Dezember 2013 sprach Königin Elisabeth II. ein „Royal Pardon“ (Königliche Begnadigung) aus.
Diese Daten sind das Grundgerüst für „The Imitation Game“, der vor allem die Entschlüsselung von Enigma und der Stimmung in Bletchley Park erzählt. Es ist eine Gruppe intelligenter Männer, die in der Heimat auf einem noblen Anwesen ihren Teil zum Sieg beitragen wollen, die nicht über ihre Arbeit reden dürfen und die einen Spion in den eigenen Reihen haben.
Morten Tyldum („Headhunters“) inszenierte diese Geschichte als traditionelles Schauspielerkino, bei dem die Story im Mittelpunkt steht und das Drehbuch ein schier endloses Spiegelkabinett zwischen Schein und Sein, Lüge und Wahrheit, entwirft: die genialen Wissenschaftler, die nicht über ihre Arbeit reden dürfen. Nicht während und auch nicht viele Jahre nach dem Krieg. Inzwischen sagen Historiker, dass die Entschlüsselung des Enigma-Codes den Krieg um zwei bis vier Jahre vekürzte. Alan Turing, der seine Beziehung zu Joan Clarke gegenüber seinen Kollegen und Vorgesetzten verschweigt. Joan Clarke, die als Sekretärin in Bletchley Park arbeitet (was historisch nicht ganz korrekt ist) und in ihrer Freizeit mit Turing versucht, den Code zu knacken, was ein Bruch der Geheimvereinbarungen ist. Ihre Scheinbeziehung, die eine Scheinehe hätte werden sollen. Ihre Lügen gegenüber Joan Clarkes den Konventionen verhafteten Eltern. Der Spion in Bletchley Park, der schon lange enttarnt ist. Und natürlich der Enigma-Code, der entschlüsselt ist, aber vom britischen Militär zunächst nicht benutzt wird.
Dabei sind viele dieser Geheimnisse überhaupt keine Geheimnisse, aber das Wissen wird strategisch eingesetzt.
So erscheint „The Imitation Game“, der über weite Strecken ein Spionagethriller ist, in jeder Szene wie ein Turing Test, bei dem die Charaktere versuchen herauszufinden, wer ihr Gegenüber ist – und natürlich Gefühle, also die Dinge, die Menschen von Computern unterscheidet, immer wieder das strikte logische Denken stören.
Inzwischen ist „The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben“ vielleicht etwas überbewertet, aber in jedem Fall ist das Biopic ein guter und ein sehenswerter Film mit klugen Dialogen und grandiosen Schauspielern.

The Imitation Game - Plakat

The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben (The Imitation Game, USA/Großbritannien 2014)
Regie: Morten Tyldum
Drehbuch: Graham Moore
LV: Andrew Hodges: Alan Turing: The Enigma, 1983 (Alan Turing – Enigma)
mit Benedict Cumberbatch, Keira Knightley, Matthew Goode, Mark Strong, Rory Kinnear, Charles Dance, Allen Leech, Matthew Beard, Alex Lawther
Länge: 114 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „The Imitation Game“
Moviepilot über „The Imitation Game“
Metacritic über „The Imitation Game“
Rotten Tomatoes über „The Imitation Game“
Wikipedia über „The Imitation Game“ (deutsch, englisch)
History vs. Hollywood über „The Imitation Game“
Drehbuch „The Imitation Game“ von Graham Moore
Meine Besprechung von Morten Tyldums „Headhunters“ (Hodejegerne, Norwegen/Deutschland 2011)

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