Neu im Kino/Filmkritik: „Ein leichtes Mädchen“, Easy Living und viel nackte Frauenhaut am Mittelmeer

September 12, 2019

Nach der Schule fragt die sechzehnjährige Naima sich, was sie in den Sommerferien und danach tun soll. Ihre Mutter arbeitet in einem der zahlreichen Luxushotels in Cannes als Zimmermädchen. Weil sie wenig Geld haben und schon im Urlaubsparadies wohnen, wird Naima den Sommer am Mittelmeer verbringen.

Als ihre Cousine Sofia, die mit 22 Jahren schon viel älter und erfahrener ist, auftaucht, beginnen sie gemeinsam das Leben am Strand und auf der Touristenpromenade, tagsüber und nach Sonnenuntergang, zu erkunden.

Sofia ist dabei auf den ersten und zweiten Blick das auf Luxus, Äußerlichkeiten und Sex fixierte blonde Dummchen. Naima, die noch ein Teenager ist und zu Sofias ständiger Begleiterin wird, bewundert Sofias souveränes Auftreten. Und die Minderjährige erhält erstmals einen Einblick in die ihr bislang verschlossene Welt der reichen Müßiggänger, wie Andres, einem brasilianischen Multimillionär und Besitzer der „Winning Streak“, und seinem Begleiter Philippe. Dabei ist unklar, wie sehr Philippe mit Andres befreundet, seine rechte Hand und Mädchen für alles ist.

Sofia wird schnell zu Andres‘ Geliebten, die sich von ihm großzügig aushalten lässt. Und Naima könnte Philippes Geliebte werden.

Rebecca Zlotowski sieht ihren neuen Film „Ein leichtes Mädchen“ als Märchen über Macht, in das sie viele Anspielungen auf ältere französischer und italienischer Filme unterbrachte. Die wichtigste Inspiration war Eric Rohmers „Die Sammlerin“. Im Mittelpunkt des während der sexuellen Befreiung spielenden Films steht eine Frau mit täglich wechselnden Liebhabern. Zlotowski fragte sich bei ihrem Film, wie Rohmers Film wohl heute aussähe. In ihrem ‚persönlichen Mini-Pantheon‘ (Zlotowski) werden auch Valerio Zurlinis „Das Mädchen mit dem leichten Gepäck“, René Clements „Nur die Sonne war Zeuge“, Jacques Roziers „Adieu Philippine“ und Jacques Roziers „Blue Jeans“ zitiert. Für Cineasten sind das einige wohlbekannte Filme, die zeigen, in welche Richtung sich Zlotowski mit ihrem Film bewegen wollte.

Die Besetzung ist ein weiterer Hinweis. Naimas ältere Cousine Sofia wird gespielt von Zahia Dehar. In Deutschland ist sie vielleicht als Muse von Karl Lagerfeld bekannt. In Frankreich wurde sie bereits als Sechzehnjährige durch einen Prostitutionsskandal bekannt. Heute ist sie eine Designerin und, auch wenn Zlotowski betont, dass Dehar intelligenter sei, als man es auf den ersten Blick vermuten könnte, ist ihr Image über ihr sorgfältig gepflegtes und optimiertes Aussehen geprägt. Es entspricht genau dem Bild eines gutaussehenden Dummchens, das nur am äußeren Schein interessiert ist.

Und damit kommen wir zum Film, der den schönen Schein zelebriert in einer Welt, in der Frauen sich von Männern aushalten und benutzen lassen. Zlotowski inszenierte das wie ein Softporno aus den siebziger Jahren, der den schönen Schein und die glitzernde Oberfläche, feiert. Schöne Menschen bewegen sich ohne finanzielle Sorgen in einer schönen Gegend. Vor allem die jungen Frauen sind sehr leicht bis überhaupt nicht bekleidet. Die Kamera verliebt sich in ihre Körper und Busenfetischten erhalten reichlich Anschauungsmaterial. Die Männer behalten normalerweise Hemd und Hose an. Die Handlung ist ein luftiges Nichts, das dazu dient, Naima und Sofia bei ihren Streifzügen zu begleiten.

Erstaunlich bei diesem männlichen, um nicht zu sagen Altherrenblick auf weibliche Rundungen unter mediterraner Sonne ist, dass „Ein leichtes Mädchen“ von einer Frau inszeniert wurde.

Ein leichtes Mädchen (Une fille facile, Frankreich 2019)

Regie: Rebecca Zlotowski

Drehbuch: Rebecca Zlotowski, Teddy Lussi-Modeste (Mitarbeit)

mit Mina Farid, Zahia Dehar, Lakdhar Dridi, Nuno Lopes, Benoît Magimel, Clotilde Courau

Länge: 92 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Ein leichtes Mädchen“

AlloCiné über „Ein leichtes Mädchen“

Metacritic über „Ein leichtes Mädchen“

Rotten Tomatoes über „Ein leichtes Mädchen“

Wikipedia über „Ein leichtes Mädchen“ (englisch, französisch)

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TV-Tipp für den 5. Mai: Der Unbestechliche – Mörderisches Marseille

Mai 5, 2018

ARD, 01.10

Der Unbestechliche – Mörderisches Marseille (La French, Frankreich/Belgien 2014)

Regie: Cédric Jimenez

Drehbuch: Audrey Diwan, Cédric Jimenez

Marseille, siebziger Jahre: Richter Pierre Michel will den lokalen Drogenlord Gaetano Zampa zur Strecke bringen.

Toller Franco-Thriller, der die französische Seite der „French Connection“ zeigt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechungen.

mit Jean Dujardin, Gilles Lellouche, Céline Sallette, Mélanie Doutey, Benoît Magimel, Guillaume Gouix, Bruno Todeschini, Féodor Atkine, Moussa Maaskri

Hinweise

AlloCiné über „Der Unbestechliche“

Rotten Tomatoes über „Der Unbestechliche“

Wikipedia über „Der Unbestechliche“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Cédric Jimenez‘ „Der Unbestechliche – Mörderisches Marseille“ (La French, Frankreich/Belgien 2014)

Bonushinweis

Der neue Film von Cédric Jimenez, „Die Macht des Bösen – The Man with the Iron Heart“, erscheint am 17. Mai auf DVD. Davor ist er im Verleih und digital erhältlich. Meine Besprechung gibt es demnächst.


TV-Tipp für den 22. April: Der Unbestechliche – Mörderisches Marseille

April 21, 2017

RBB, 00.35

Der Unbestechliche – Mörderisches Marseille (La French, Frankreich/Belgien 2014)

Regie: Cédric Jimenez

Drehbuch: Audrey Diwan, Cédric Jimenez

Marseille, siebziger Jahre: Richter Pierre Michel will den lokalen Drogenlord Gaetano Zampa zur Strecke bringen.

Toller Franco-Thriller, der die französische Seite der „French Connection“ zeigt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechungen.

mit Jean Dujardin, Gilles Lellouche, Céline Sallette, Mélanie Doutey, Benoît Magimel, Guillaume Gouix, Bruno Todeschini, Féodor Atkine, Moussa Maaskri

Hinweise

AlloCiné über „Der Unbestechliche“

Rotten Tomatoes über „Der Unbestechliche“

Wikipedia über „Der Unbestechliche“ (englisch, französisch)

Meine Besprechung von Cédric Jimenez „Der Unbestechliche – Mörderisches Marseille“ (La French, Frankreich/Belgien 2014)


TV-Tipp für den 11. März: Der Unbestechliche – Mörderisches Marseille

März 11, 2017

One, 22.00

Der Unbestechliche – Mörderisches Marseille (La French, Frankreich/Belgien 2014)

Regie: Cédric Jimenez

Drehbuch: Audrey Diwan, Cédric Jimenez

Marseille, siebziger Jahre: Richter Pierre Michel will den lokalen Drogenlord Gaetano Zampa zur Strecke bringen.

Toller Franco-Thriller, der die französische Seite der „French Connection“ zeigt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechungen.

mit Jean Dujardin, Gilles Lellouche, Céline Sallette, Mélanie Doutey, Benoît Magimel, Guillaume Gouix, Bruno Todeschini, Féodor Atkine, Moussa Maaskri

Wiederholung: HR, Dienstag, 14. Mäzr, 00.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

AlloCiné über „Der Unbestechliche“

Rotten Tomatoes über „Der Unbestechliche“

Wikipedia über „Der Unbestechliche“ (englisch, französisch)

Meine Besprechung von Cédric Jimenez „Der Unbestechliche – Mörderisches Marseille“ (La French, Frankreich/Belgien 2014)


TV-Tipp für den 13. Februar: Die Brautjungfer

Februar 12, 2017

Arte, 22.00

Die Brautjungfer (Frankreich/Deutschland 2004, Regie: Claude Chabrol)

Drehbuch: Pierre Leccia, Claude Chabrol

LV: Ruth Rendell: The Briedesmaid, 1989 (Die Brautjungfer)

Auf der Hochzeitsfeier seiner Schwester verliebt sich Philippe in die Brautjungfer Senta. Ein böser Fehler, denn sie fordert von ihrem Liebhaber als Beweis seiner Liebe einen Mord.

Wie gewohnt seziert Chabrol auch in „Die Brautjungfer“ das Bürgertum. Hier konzentriert er sich auf eine fatale Liebesbeziehung und zeigt wieder einmal, wie schnell ganz normale Menschen bereit sind andere umzubringen. Natürlich ist „Die Brautjungfer“, trotz einer unglaubwürdigen Liebesbeziehung und der Konzentration auf zwei Personen, auf dem gewohnt hohen Standard seines Spätwerks

Mit Benoit Magimel, Laura Smet, Aurore Clément

Wiederholung: Dienstag, 14. Februar, 14.05 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Brautjungfer“

Wikipedia über „Die Brautjungfer“ (deutsch, englisch), Ruth Rendell (deutsch, englisch) und Claude Chabrol (deutsch, englisch, französisch)

Mein Nachruf auf Claude Chabrol

Claude Chabrol in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 28. Januar: Der Unbestechliche – Mörderisches Marseille

Januar 28, 2017

ARD, 23.40

Der Unbestechliche – Mörderisches Marseille (La French, Frankreich/Belgien 2014)

Regie: Cédric Jimenez

Drehbuch: Audrey Diwan, Cédric Jimenez

Marseille, siebziger Jahre: Richter Pierre Michel will den lokalen Drogenlord Gaetano Zampa zur Strecke bringen.

Toller Franco-Thriller, der die französische Seite der „French Connection“ zeigt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechungen.

mit Jean Dujardin, Gilles Lellouche, Céline Sallette, Mélanie Doutey, Benoît Magimel, Guillaume Gouix, Bruno Todeschini, Féodor Atkine, Moussa Maaskri

Hinweise

AlloCiné über „Der Unbestechliche“

Rotten Tomatoes über „Der Unbestechliche“

Wikipedia über „Der Unbestechliche“ (englisch, französisch)

Meine Besprechung von Cédric Jimenez „Der Unbestechliche – Mörderisches Marseille“ (La French, Frankreich/Belgien 2014)


DVD-Kritik: „Fast Convoy – Tödlicher Transport“ für Drogen und die Kuriere

Juli 27, 2016

Um 16.06 Uhr fahren sie im südspanischen Malaga in vier dunklen Limousinen los. Die sieben Männer wollen möglichst schnell in Paris sein. Ohne Ärger mit der Polizei zu haben. Denn sie transportieren Drogen. Tausend Kilo Cannabis und eine überraschend hinzugekommene Tasche Koks.

Aber dieses Mal geht der Go Fast schief. Ein Auto gerät in eine Polizeikontrolle. Bei dem Schusswechsel stirbt der Beifahrer. Panisch nimmt angeschossene Elyes auf seiner Flucht Nadia als Geisel und bittet Imad, den Organisator der Fahrt, um Hilfe.

Dieser informiert Alex (Benoît Magimel als wortkarger Profigangster), der als Nachhut bei Problemen eingreifen soll. Alex lädt die Drogen um, zündet Elyes‘ schrottreifes Auto an und fährt mit Elyes und Nadia weiter Richtung Grenze.

Kurz darauf geraten sie in eine weitere Polizeikontrolle und anscheinend wollen andere Gangster den Konvoi ausrauben.

Fast Convoy – Tödlicher Transport“ ist der neue Film von Genre-Regisseur Frédéric Schoendoerffer (Spuren von Blut – Scènes de Crimes, Agents Secrets – Im Fadenkreuz des Todes, Crime Insiders, Switch – Ein mörderischer Tausch, mehrere „Braquo“-Episoden), wieder geschrieben mit seinem Stammautor Yann Brion. Es ist ein schlanker Gangsterthriller, der seine Geschichte ökonomisch und angenehm ruhig erzählt. Bereits von der ersten Minute an, wenn die Fahrt beginnt, weiß man sich in sicheren Händen. Dieses Gefühl als Beifahrer neben einem Profi zu sitzen, verlässt einen bis zum Abspann niemals. Auch wenn einige Hintergründe nicht weiter ausgeführt werden und der Plot sich in den gewohnten Bahnen bewegt. Diese Mal sind diese Bahnen die Leitplanken der Autobahn und der geradlinige Film erzählt mit seinen spärlich, aber vollkommen ausreichend charakterisierten Drogenkurieren und ihrer Geisel nur die Geschichte einer Fahrt, die nicht ihr geplantes Ziel erreicht. Was wir über die Charaktere wissen müssen, erfahren wir über ihre Taten und ihre Gespräche während der Autofahrt.

Als Bonusmaterial gibt es ein 26-minütiges, nicht sonderlich interessantes „Making of“, in dem die Schauspieler einiges erzählen, der Kameramann seinen Einsatz von Farbfiltern erklärt und der Regisseur und Drehbuchautor durch Abwesenheit glänzen.

Fast Convoy - DVD-Cover

Fast Convoy – Tödlicher Transport (Le Convoi, Frankreich 2016)

Regie: Frédéric Schoendoerffer

Drehbuch: Yann Brion, Frédéric Schoendoerffer

mit Benoît Magimel, Reem Kherici, Tewfik Jallab, Mahdi Belemlih, Amir El Kacem, Leon Garel, Sofian Khammes, Foëd Amara, Alain Figlarz

DVD

Ascot Elite

Bild: 1,39:1 (16:9 anamorph)

Ton: Deutsch, Französisch (DD 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Making of, Originaltrailer, Deutscher Trailer, Wendecover

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

AlloCiné über „Fast Convoy“

Moviepilot über „Fast Convoy“

Wikipedia über „Fast Convoy“


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