TV-Tipp für den 1. Oktober: Finsterworld

Oktober 1, 2015

Arte, 23.15
Finsterworld (Deutschland 2013)
Regie: Frauke Finsterwalder
Drehbuch: Frauke Finsterwalder, Christian Kracht
Perfekte Einstimmung auf die Feierlichkeiten zur Einheit. Denn Frauke Finsterwalder und Christian Kracht toben sich in ihrem Episodenfilm so richtig gemein in deutschen Befindlichkeiten (echten und falschen, alten und neuen) aus. Denn das „Finsterworld“-Deutschland ist ein aus der Zeit gefallenes Deutschland voller gestörter Charaktere, die sich auf die Nerven gehen und die sich letztendlich in ihrer Tristesse gut eingerichtet haben.
Das ist zwar nicht durchgehend gelungen, hat aber erfrischend wenig mit den gängigen deutschen Komödien zu tun; was schon einmal eine gute Sache ist.
mit Johannes Krisch, Michael Maertens, Margit Carstensen, Sandra Hüller, Ronald Zehrfeld, Corinna Harfouch, Bernhard Schütz, Christoph Bach, Carla Juri, Leonard Scheicher, Jakub Gierszal, Max Pellny, Markus Hering, Dieter Meier

Hinweise
Homepage zum Film
Film-Zeit über „Finsterworld“
Moviepilot über „Finsterworld“
Wikipedia über „Finsterworld“
Die Zeit: Ijoma Mangold unterhält sich mit Christian Kracht über „Finsterworld“ (10. Oktober 2013)

Meine Besprechung von Frauke Finsterwalders „Finsterworld“ (Deutschland 2013)


TV-Tipp für den 20. Juni: Das System – Alles verstehen heißt alles verzeihen

Juni 20, 2014

ZDFkultur, 20.15
Das System – Alles verstehen heißt alles verzeihen (Deutschland 2011, Regie: Marc Bauder)
Drehbuch: Dörte Franke, Khyana El Bitar
Ein Ex-Stasiagent und Lobbyist nimmt den Sohn eines toten Freundes, der auch als Einbrecher unterwegs ist, unter seine Fittiche.
Spielfilm von Marc Bauder, der auch den tollen Dokumentarfilm „Master of the Universe“ inszenierte.
mit Jacob Matschenz, Bernhard Schütz, Jenny Schily, Heinz Hoenig, Florian Renner
Wiederholung: 21. Juni, 01.00 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Homepage zum Film
Filmportal über „Das System – Alles verstehen heißt alles verzeihen“
Moviepilot über „Das System – Alles verstehen heißt alles verzeihen“
Meine Besprechung von Marc Bauders „Master of the Universe“ (Deutschland/Österreich 2013)


DVD-Kritik: „Finsterworld“ ist Deutschland, ist nicht Deutschland, ist Deutschland,…

Mai 2, 2014

Auch „Finsterworld“, der erste Spielfilm von Frauke Finsterwalder, nach einem Drehbuch von ihr und ihrem Ehemann Christian Kracht, spielt, wie die ganzen romantischen Komödien, in einer Parallelwelt; einem Deutschland, das es so nicht gibt. Aber das „Finsterworld“-Deutschland ist ein aus der Zeit gefallenes Deutschland voller gestörter Charaktere, die sich auf die Nerven gehen und die sich letztendlich in ihrer Tristesse gut eingerichtet haben.
In dem Film gibt es ein Ehepaar, das nur das Negative sieht und ihren Deutschlandhass in kurzweiligen Sentenzen von sich gibt, einen Fußpfleger, der sich im Alterheim in eine Bewohnerin verliebt, einen Polizisten, der in einem Bärenkostüm nach Nähe sucht, eine TV-Reporterin, die in ihren Drei-Minuten-Reportagen gerne große Kunst über das wahre Leben abliefern würde und dabei doch nur um sich selbst kreist, einen Einsiedler, der stumm im Wald lebt, und uniformierte Schüler, die sich während einer Klassenfahrt zu einem Konzentrationslager nicht für das Leid der Ermordeten interessieren.
Weil diese Charaktere teilweise miteinander verwandt sind und sie sich während des Films mehr oder weniger zufällig begegnen, hängen die Geschichten, die eigentlich eher Episoden aus einem beschädigten Land sind, im bewährten „Short Cuts“- oder „Magnolia“-Stil locker miteinander zusammen. Aber letztendlich werden sie nicht durch einen erzählerischen Zusammenhang, sondern durch den durchgehend misantrophischen Blick auf die Charaktere und Deutschland zusammen gehalten.
„Finsterworld“ ist ein, auch in der Inszenierung, durch und durch künstlicher Film, der wenig über Deutschland, aber viel über die Macher und ihren Hass auf Deutschland verrät. Dieser Deutschland-Hass ist allerdings ein unter Linksintellektuellen seit Jahrzehnten so gepflegter Topoi, dass „Finsterworld“ wie ein später Nachfolger des Neuen Deutschen Films und eine Rainer-Werner-Fassbinder-Hommage wirkt.
Deshalb ist es ein aus der Zeit gefallener Film, ohne besonders großen Erkenntnisgewinn, aber durchaus immer wieder spaßig anzusehen. Vor allem wenn Corina Harfouch und Bernhard Schütz als versnobtes, sich prächtig verstehendes Ehepaar ihren Deutschlandhass pflegen. Schütz nennt sie im Presseheft treffend „Manufaktum-Faschisten“.
Oder Sandra Hüller als endlos plappernde, um sich selbst kreisende Dokumentarfilmerin, die mit Michelangelo Antonionis „Liebe 1962“ einen vollkommen verschobenen Referenzrahmen für ihre kurzen TV-Dokus, in denen sie das wahre Leben zeigen will, nennt.
Und Ronald Zehrfeld als ihr Freund und knuffiger Polizist im Bärenkostüm ist natürlich schön anzusehen.
Da braucht es dann keine „Feuchtgebiete“ Carla Juri als Schülerin und „Dutschke“ Christoph Bach als gutwilligen Lehrer, der seine Schüler mit einem KZ-Besuch fortbilden will. Dabei ist er viel zu jung für einen 68er-Lehrer, aber er verkörpert exakt diesen Typus.
Wie gesagt: „Finsterworld“ ist ein aus der Zeit gefallener Film. Ein Film, der einerseits dreißig, vierzig Jahre zu spät kommt, andererseits ein probates Gegengift zu den deutschen Kinokomödien, wie „Irre sind männlich“, „Vaterfreuden“ oder „Der fast perfekte Mann“, ist.

Finsterworld - DVD-Cover

Finsterworld (Deutschland 2013)
Regie: Frauke Finsterwalder
Drehbuch: Frauke Finsterwalder, Christian Kracht
mit Johannes Krisch, Michael Maertens, Margit Carstensen, Sandra Hüller, Ronald Zehrfeld, Corinna Harfouch, Bernhard Schütz, Christoph Bach, Carla Juri, Leonard Scheicher, Jakub Gierszal, Max Pellny, Markus Hering, Dieter Meier

DVD
Alamode Film
Bild: 2,35:1 (16:9)
Ton: Deutsch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial (angekündigt): Interview, Making of, Deleted Scenes, Trailer
Länge: 91 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Homepage zum Film
Film-Zeit über „Finsterworld“
Moviepilot über „Finsterworld“
Wikipedia über „Finsterworld“
Die Zeit: Ijoma Mangold unterhält sich mit Christian Kracht über „Finsterworld“ (10. Oktober 2013)


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