TV-Tipp für den 8. März: Der gekaufte Tod

März 8, 2018

Wer den Film vor einigen Tagen verpasste

Arte, 00.10

Der gekaufte Tod (La Mort en Direct, Deutschland/Frankreich 1979)

Regie: Bertrand Tavernier

Drehbuch: David Rayfiel, Bertrand Tavernier

LV: D. G. Compton: The unsleeping Eye; The continuous Katherine Mortehoe, 1974 (später „Death Watch“) (Schlaflose Augen; Der gekaufte Tod; Tod live)

In naher Zukunft gibt es fast keine tödlichen Kranheiten mehr. Deshalb ist die TV-Show „Death Watch“, die voyeuristisch das Sterben der Todkranken verfolgt, ein Quotenhit. Die junge, tödlich erkrankte Schriftstellerin Kathrine Mortenhoe (Romy Schneider) soll der neue Star der Show werden. Sie ist einverstanden. Als sie mit dem erklecklichen Honorar für ihre Teilnahme an „Death Watch“ untertaucht, setzt der Produzent (Harry Dean Stanton) Roddy (Harvey Keitel) auf sie an. In seine Augen wurde eine Kamera implantiert, die alles was er sieht, in die Zentrale des TV-Senders überträgt.

Extrem selten gezeigter Science-Fiction-Film.

„Ein eher zwiespältiger Film mit schauspielerischen Qualitäten, aber viel fehlgeleiteter Medienkritik.“ (Fischer Film Almanach 1981)

„die Auseinandersetzung mit der Frage, wie wirtschaftliche und politische Machtveränderungen in der Zukunft Moralbegriffe außer Kraft setzen, lohnt auf jeden Fall.“ (Filmbeobachter)

Was vor Jahrzehnten noch eine in weiter Zukunft liegende Dystopie war, ist heute, abgesehen von den besiegten Krankheiten, gar nicht mehr so unwahrscheinlich.

mit Romy Schneider, Harvey Keitel, Harry Dean Stanton, Therese Liotard, Max von Sydow, William Russel, Vadim Glowna, Bernhard Wicki, Eva Maria Meineke, Paul Young, Robbie Coltrane, Bill Nighy (beide haben nur Kurzauftritte: Coltrane in seinem Spielfilmdebüt als Limousinenfahrer, Nighy in seinem zweiten Spielfilmauftritt als Mann in der ‚Harriet Szene‘)

auch bekannt als „Death Watch – Der gekaufte Tod“ (Kinotitel)

Hinweise

Arte über „Der gekaufte Tod“

Filmportal über „Der gekaufte Tod“

Die Zukunft über „Der gekaufte Tod“

Rotten Tomatoes über „Der gekaufte Tod“

Wikipediia über „Der gekaufte Tod“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers „Der Uhrmacher von St. Paul (L’horloger de Saint-Paul, Frankreich 1974)

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers „In the Electric Mist – Mord in Louisiana (In the Electric Mist, USA 2009)

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers „Die Prinzessin von Montpensier“ (La Princesse de Montpensier, Frankreich 2010)

 

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TV-Tipp für den 12. Februar: Der gekaufte Tod

Februar 12, 2018

Arte, 22.20

Der gekaufte Tod (La Mort en Direct, Deutschland/Frankreich 1979)

Regie: Bertrand Tavernier

Drehbuch: David Rayfiel, Bertrand Tavernier

LV: D. G. Compton: The unsleeping Eye; The continuous Katherine Mortehoe, 1974 (später „Death Watch“) (Schlaflose Augen; Der gekaufte Tod; Tod live)

In naher Zukunft gibt es fast keine tödlichen Kranheiten mehr. Deshalb ist die TV-Show „Death Watch“, die voyeuristisch das Sterben der Todkranken verfolgt, ein Quotenhit. Die junge, tödlich erkrankte Schriftstellerin Kathrine Mortenhoe (Romy Schneider) soll der neue Star der Show werden. Sie ist einverstanden. Als sie mit dem erklecklichen Honorar für ihre Teilnahme an „Death Watch“ untertaucht, setzt der Produzent (Harry Dean Stanton) Roddy (Harvey Keitel) auf sie an. In seine Augen wurde eine Kamera implantiert, die alles was er sieht, in die Zentrale des TV-Senders überträgt.

Der extrem selten gezeigte Science-Fiction-Film ist der gelungene Abschluss eines Bertrand-Tavernier-Abends, der um 20.15 Uhr mit seiner grandiosen Jim-Thompson-Verfilmung „Der Saustall“ beginnt.

Ein eher zwiespältiger Film mit schauspielerischen Qualitäten, aber viel fehlgeleiteter Medienkritik.“ (Fischer Film Almanach 1981)

die Auseinandersetzung mit der Frage, wie wirtschaftliche und politische Machtveränderungen in der Zukunft Moralbegriffe außer Kraft setzen, lohnt auf jeden Fall.“ (Filmbeobachter)

Was vor Jahrzehnten noch eine in weiter Zukunft liegende Dystopie war, ist heute, abgesehen von den besiegten Krankheiten, gar nicht mehr so unwahrscheinlich.

mit Romy Schneider, Harvey Keitel, Harry Dean Stanton, Therese Liotard, Max von Sydow, William Russel, Vadim Glowna, Bernhard Wicki, Eva Maria Meineke, Paul Young, Robbie Coltrane, Bill Nighy (beide haben nur Kurzauftritte: Coltrane in seinem Spielfilmdebüt als Limousinenfahrer, Nighy in seinem zweiten Spielfilmauftritt als Mann in der ‚Harriet Szene‘)

auch bekannt als „Death Watch – Der gekaufte Tod“ (Kinotitel)

Hinweise

Arte über „Der gekaufte Tod“

Filmportal über „Der gekaufte Tod“

Die Zukunft über „Der gekaufte Tod“

Rotten Tomatoes über „Der gekaufte Tod“

Wikipediia über „Der gekaufte Tod“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers „Der Uhrmacher von St. Paul (L’horloger de Saint-Paul, Frankreich 1974)

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers „In the Electric Mist – Mord in Louisiana (In the Electric Mist, USA 2009)

Meine Besprechung von Bertrant Taverniers „Die Prinzessin von Montpensier“ (La Princesse de Montpensier, Frankreich 2010)

 


TV-Tipp für den 16. August: Pride

August 15, 2017

Arte, 20.15

Pride (Pride, Großbritannien 2014)

Regie: Matthew Warchus

Drehbuch: Stephen Beresford

Großbritannien 1984: Die Minenarbeiter streiken und hungern und werden von der Regierung bekämpft. In London entschließt sich der homosexuelle Aktivist Mark Ashton, ihnen zu helfen. Schließlich kämpfen sie doch beide gegen die Thatcher-Regierung. Das ist dann aber auch die einzige Gemeinsamkeit zwischen ihnen. Trotzdem überzeugt Ashton einige seiner Freunde, mit ihm Geld für die Streikenden zu sammeln und das Geld persönlich den Streikenden in Onllwyn zu überreichen.

Zum Kinostart des auf Tatsachen basierenden Feelgood-Movies schrieb ich: „Pride“ ist einer der schönsten Filme des Jahres. Erzählt in einem rauhen, unsentimentalem, aber auch humorvollem Tonfall, der das Herz wärmt und zeigt, wie Veränderungen geschehen können. So ist das Schlussbild, wenn die Bergarbeiter im gespendeten LGSM-Bus (Lesbians and Gays Support the Miners – yep, sehr unzweideutige Namensgebung) nach London kommen und bei dem Gay-Pride-Marsch mitdemonstrieren ein schönes Schlussbild.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Ben Schnetzer, George Mackay, Dominic West, Andrew Scott, Bill Nighy, Imelda Staunton, Paddy Considine, Jessica Gunning, Paye Marsay

Wiederholung: Montag, 28. August, 13.35 Uhr

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Pride“
Moviepilot über „Pride“
Metacritic über „Pride“
Rotten Tomatoes über „Pride“
Wikipedia über „Pride“ (deutsch, englisch)
The Guardian über „Pride“ und die historischen Hintergründe (18. September 2014) (es wird ein „A -“ für die historische Genauigkeit vergeben)
The Guardian über „Pride“: Ausführliche Reportage und Interviews über die historischen Hintergründe des Films (31. August 2014)

Meine Besprechung von Matthew Warchus‘ „Pride“ (Pride, Großbritannien 2014)


Neu im Kino/Filmkritik: Auf „Pride“ kann jeder Stolz sein

Oktober 31, 2014

Großbritannien, 1984: Premierministerin Margaret Thatcher regiert mit harter Hand das Land. Die streikenden Berg- und Minenarbeiter, die gegen zahlreiche Zechenstilllegungen und Entlassungen von über 20.000 Arbeitern protestierten, werden von der Polizei zusammengeknüppelt und die konservativen Medien schlagen verbal auf die Arbeiter ein.
In London bemerkt der junge Aktivist Mark Ashton Parallelen zwischen der Situation der auf dem Land lebenden Arbeiter und seinem Leben als Homosexueller. Auch er kennt, wie alle Schwulen, die Anfeindungen der Konservativen und die Schläge der Polizei. Also entschließt er sich, ihnen zu helfen und er versucht, zunächst erfolglos, seine schwulen Freunde zu überzeugen, Geld für die Arbeiter zu sammeln. Mit einigen Freunden gründet er die LGSM (Lesbians and Gays Support the Miners). Sie sammeln, wenn sie nicht zusammengeschlagen werden, Geld, das die Gewerkschaft nicht annehmen will. Denn ihre Situation ist nicht und wird niemals schlecht genug sein, um sich von den Perversen aus der Großstadt helfen zu lassen.
Per Zufallsprinzip wählen Mark und seine Freunde, die das gesammelte Geld unbedingt spenden wollen, den kleinen Walisischen Ort Onllwyn aus, der irgendwo im Nirgendwo ist. Die dort lebenden Menschen können jeden Cent gut gebrauchen. Denn sie haben, wie die anderen Streikenden, kein Einkommen, erhalten keine Unterstützung von der Regierung, Strom und Gas wurden abgestellt und die Kinder von der Schulspeisung ausgeschlossen. Der Gemeindevorstand Dai, der den Namen am Telefon nicht richtig versteht, fährt nach London, um das Geld abzuholen. Es ist immerhin die größte Einzelspende, die sie bislang erhielten.
In London kann Dai seinen ersten Schock nur mühsam verbergen. Aber er ist dankbar für das Geld, durchaus offen und er hält es für selbstverständlich, die LGSM nach Onllwyn einzuladen, was für Probleme, neue Einsichten und, auf lange Sicht, zu überraschenden Bündnissen führt.
Denn bis dahin lebten die Arbeiter und die Schwulen in verschiedenen Welten, die nichts miteinander zu tun hatten, außer ihrer tiefen Abneigung gegen die rückständigen Arbeiter (aus Schwulensicht) und die perversen Schwulen, die man ungestraft beleidigen und schlagen durfte (aus Arbeitersicht).
Das unglaublichste an der Geschichte von „Pride“, die sich wie die Geschichte eines auf die Tränendrüse drückenden Feelgood-Movies liest, ist, dass er auf Tatsachen basiert und den historischen Ereignissen auch, abgesehen von kleinen Änderungen, genau folgt.
Die LGSM, die letztendlich elf Abteilungen in Großbritannien hatte, war eine der zahlreichen Unterstützergruppen für die Streikenden, die es damals gab. Sie warb am lautesten für die Solidarität mit den Streikenden und die Londoner Gruppe, die auch das erfolgreiche Benefiz-Konzert „Pits and Perverts“ mit Bronski Beat und anderen Band organisierte, sammelte für die Streikenden mehr Geld als jede andere Gruppierung. Über 20.000 Pfund sammelte sie, was damals ungefähr 80.000 Deutsche Mark waren. Den heutigen Euro-Wert könnt ihr selbst ausrechnen.
Drehbuchautor Stephen Beresford und Regisseur Matthew Warchus, beides vor allem Theatermänner, entfalten in ihrem Film ein großes Ensemble unterschiedlicher Charaktere, von denen jeder, auch dank der guten Schauspieler, schnell zu einem dreidimensionalem Charakter mit nachvollziehbaren Wünschen und Problemen wird. Sie erzählen, kurzweilig und pointiert, immer witzig, mit dem Herzen auf dem rechten Fleck und ohne Beschönigungen, viele kleine Episoden aus dem Kampf der Arbeiter und der LGSM, welche gegenseitigen Vorurteile sie überwinden mussten und wie sie zu Verbündeten und Freunden wurden. Dabei zerfasert „Pride“ nie und bricht auch nicht unter der Last seiner vielen Charaktere und Plots zusammen. Denn in jeder Sekunde geht es um das titelgebende Thema „Stolz“ beziehungsweise Selbstbewusstsein geht. Jede Handlung hat damit zu tun. Jeder Charakter muss für sich und in seinem Verhältnis zu den anderen klären, was für ein Mensch er sein will und wie stolz er auf sich und seine Fähigkeiten ist.
„Pride“ ist einer der schönsten Filme des Jahres. Erzählt in einem rauhen, unsentimentalem, aber auch humorvollem Tonfall, der das Herz wärmt und zeigt, wie Veränderungen geschehen können. So ist das Schlussbild, wenn die Bergarbeiter im gespendeten LGSM-Bus nach London kommen und bei dem Gay-Pride-Marsch mitdemonstrieren ein schönes Schlussbild. Der Schlusstext erwähnt dann noch weitere Veränderungen, die durch die LGSM angestoßen wurden.

Pride - Plakat 4

Pride (Pride, Großbritannien 2014)
Regie: Matthew Warchus
Drehbuch: Stephen Beresford
mit Ben Schnetzer, George Mackay, Dominic West, Andrew Scott, Bill Nighy, Imelda Staunton, Paddy Considine, Jessica Gunning, Paye Marsay
Länge: 120 Minuten
FSK: ab 6 Jahre

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Pride“
Moviepilot über „Pride“
Metacritic über „Pride“
Rotten Tomatoes über „Pride“
Wikipedia über „Pride“ (deutsch, englisch)
The Guardian über „Pride“ und die historischen Hintergründe (18. September 2014) (es wird ein „A -“ für die historische Genauigkeit vergeben)
The Guardian über „Pride“: Ausführliche Reportage und Interviews über die historischen Hintergründe des Films (31. August 2014)


Neu im Kino/Filmkritik: „I, Frankenstein“, du Gargoyle oder Dämon

Januar 23, 2014

I, Frankenstein“ ist eine Comicverfilmung, die sich anscheinend sehr weit von der Vorlage, die ziemlich interessant klingt, entfernt und wieder einmal sehr überzeugend allle Vorurteile, über Comicverfilmungen bestätigt. Denn das „Underworld“/Frankenstein-Mash-Up, natürlich in 3D (nachträglich aufgepimpt), ist einfach nur schlecht.

Die lieblos aus anderen Werken zusammengeklaubte Geschichte beginnt mit der Erschaffung von Frankensteins Monster, dem Tod von Dr. Victor Frankenstein und der ersten Begegnung von Monster, Gargoyles (naja, wir könnten auch Engel sagen) und Dämonen, die sich, mitten in der Nacht, auf einem Friedhof kloppen. Dann erzählen die Gargoyles dem Monster, das den Vornamen Adam und, weil er von Dr. Frankenstein erschaffen wurde, den Nachnamen Frankenstein erhält und so zum titelgebenden „Frankenstein“ wird, dass sich Gargoyles und Dämonen schon lange bekämpfen und er auf der Seite der Guten mitmachen soll. Frankenstein lehnt dankend ab und zieht sich die nächsten Jahre, bis zur Gegenwart, in die Einsamkeit zurück.

In der Gegenwart trifft er in Darkhaven, einer lauschigen Metropole mit Mittelalter-Flair, wieder auf die Gargoyles und die Dämonen.

Das Oberhaupt der Dämonen, Prinz Naberius (Bill Nighy, der offensichtlich seinen Spaß hatte und etwas lebendiges Leben in die Bude bringt), möchte herausfinden, wie Dr. Frankenstein sein Monster erschaffen konnte und die Methode bei weiteren Toten anwenden. Weil Tote seelenlos sind, können die Dämonen sie, hm, beseelen (dämonisieren?) und die Weltherrschaft übernehmen. Naberius hat schon ein riesiges Lager Toter im Keller seines Anwesens. Das ist zwar bescheuert, sieht aber gut aus. Und er beschäftigt eine nichtsahnenden blonde Wissenschaftlerin, deren Experimente zwar kurz vor einem Durchbruch stehen, die aber mit dem Tagebuch von Dr. Frankenstein, das sein Sohn Adam hat, oder der DNA von Adam Frankenstein zu einem schnelleren, erfolgreichen Abschluss gebracht werden können. Also will Naberius beides haben und er schickt seine Dämonen los.

Adam Frankenstein, der inzwischen doch irgendwie eine Seele hat, entschließt sich, den Gargoyles zu helfen und gegen die Dämonen zu kämpfen – und wenn nicht gerade irgendein esoterischer Schwurbel gelabert wird, wird gekämpft bis die Pixel glühen.

Bei dem Ansehen von diesem wahrscheinlich ausschließlich im Studio gedrehtem Desaster, bei dem noch nicht einmal Schadensfreude aufkommt, will man nicht glauben, dass das Drehbuch von Stuart Beattie ist. Genau der Beattie, der mit seinem Drehbuch für „Collateral“ vor zehn Jahren einen wahren Klassiker abliefert. Aber das scheint, wenn man sich seine späteren Arbeiten „Entgleist“, „Fluch der Karibik“, „30 Days of Night“ und „G.I. Joe – Geheimauftrag Cobra“ ansieht, vor allem der Verdienst von Regisseur Michael Mann gewesen zu sein. Eine solche Hilfe hatte er bei „I, Frankenstein“ nicht. Beattie übernahm auch die Regie.

Immerhin ist seine zweite Regiearbeit mit neunzig Minuten erfreulich kurz geraten und es gibt, man gibt sich ja mit wenig zufrieden, einige Bilder, die eine Noir-Atmosphäre heraufbeschwören und an Comic-Panels erinnern.

I Frankenstein - Plakat

I, Frankenstein (I, Frankenstein, USA/Australien 2013)

Regie: Stuart Beattie

Drehbuch: Stuart Beattie, Kevin Grivioux

LV: Kevin Grivioux: I, Frankenstein, 2009 (Comic)

mit Aaron Eckhart, Bill Nighy, Yvonne Strahovski, Miranda Otto, Jai Courtney, Socratis Otto, Aden Young, Caitlin Stasey

Länge: 93 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „I, Frankenstein“

Moviepilot über „I, Frankenstein“

Metacritic über „I, Frankenstein“

Rotten Tomatoes über „I, Frankenstein“

Wikipedia über „I, Frankenstein“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: In „Alles eine Frage der Zeit“ ist nichts eine Frage der Zeit

Oktober 17, 2013

An seinem 21. Geburtstag verrät sein Vater Tim Lake (Domhnall Gleeson) ein Geheimnis: In ihrer Familie können die Männer mit einigen Einschränkungen durch die Zeit reisen.

Während seine Ahnen diese Fähigkeit dazu benutzen, Geld anzuhäufen oder die Werke von Charles Dickens zweimal zu lesen, sucht Tim vor allem die Liebe seines Lebens – und, dank der Zeitreise, kann er sich ihr als der perfekte Liebhaber präsentieren. Vielleicht nicht beim ersten Mal. Aber beim zweiten oder dritten Mal.

Bei Richard Curtis, der das Buch schrieb und Regie führte, entstehen aus dieser Fähigkeit allerdings keine Konflikte oder moralische Dilemmas oder nicht bedachte Folgen. In Curtis‘ Film ist sie nur eine Möglichkeit, das eigene Leben zu verbessern, ohne dass sich in der Welt irgendetwas weltbewegendes ändert. Wenn Tim etwas nicht gelingt, dann versucht er es – wie in einem Labor – einfach noch einmal.

Ziemlich schnell wird deshalb die Zeitreisefähigkeit zu einem Gimmick für einen billigen Lacher, wenn er bei einem Gespräch mit seiner Sommerliebe immer in ein anderes Fettnäpfchen tappt oder er die erste Nacht mit seiner großen Liebe Mary (Rachel McAdams) so lange optimiert, bis er der größte Liebhaber aller Zeiten ist, sie mit ihrem Traummann zusammenbleiben will und sie gemeinsam eine Familie mit vielen Kindern gründen. Denn in „Alles eine Frage der Zeit“ geht es nur um die Verklärung des kleinen häuslichen Glücks mit Frau und Kind. Halt dem konservativen Idealbild einer Familie. Dazu passt auch, dass Tim Anwalt ist und er so schüchtern ist, dass er niemals bei Rot eine Ampel überqueren würde. Die beiden, ihre Eltern und ihre Freunde sind sympathische Menschen, die das tun, was sie in einer RomCom immer tun: sich verlieben und glücklich sein.

Und auf der Ebene ist „Alles eine Frage der Zeit“ als gut besetzte, etwas lang geratene romantische Komödie auch okay. Man muss halt nur die Zeitreise-Idee links liegen lassen (vielleicht hat Tim ja einfach nur eine blühende Fantasie) und sich nicht über die vielen verschenkten Möglichkeiten aufregen. Denn warum gibt es keine Konflikte, wenn Tim durch die Zeit reist? Warum ändert sich die Wirklichkeit nicht in einem größeren Maßstab? Kurz: Warum haben seine Handlungen keine Auswirkungen auf das Weltgeschehen? In „Alles eine Frage der Zeit“ ist Zeitreise das Äquivalent zu einem Laborversuch: wir probieren es einmal und dann ändern wir halt einfach der Reihe nach verschiedene Bedingungen und probieren verschiedene Sachen aus. Nur ist ein Film kein Laborversuch.

Andere Autoren, die sich mit Zeitreisen und den daraus entstehenden Problemen beschäftigten, haben die verschiedenen Paradoxien und unbedachten Auswirkungen ja thematisiert und natürlich fragten sie, ob man, wenn man weiß, dass etwas schreckliches Geschehen wird, das nicht verhindern sollte. Das bekannteste Beispiel ist natürlich die Frage, ob man Adolf Hitler nicht umbringen würde, wenn man es könnte. Stephen Fry schrieb dazu den köstlichen Roman „Geschichte machen“ (Making History, 1996). In Stephen Kings „Der Anschlag“ (11/22/63, 2011) versucht ein Zeitreisender die Ermordung von John F. Kennedy zu verhindern. Um nur zwei literarische Beispiele zu nennen. Genrejunkies können die Liste ja beliebig erweitern.

Das fragt Tim sich nie. Auch Autor und Regisseur Curtis interessiert sich nicht dafür. Außerdem bricht Curtis immer wieder, vollkommen willkürlich die von ihm etablierten Zeitreise-Regeln. So reist Tim irgendwann mit seiner Schwester in der Zeit zurück.

Insofern – und da tue ich wahrscheinlich Richard Curtis, der, nach „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“, „Notting Hill“ und „Tatsächlich…Liebe“, einfach nur eine nette romantische Komödie inszenieren wollte, wahrscheinlich Unrecht – ist „Alles eine Frage der Zeit“ ein unappetitlich, bieder-reaktionärer Film, der schamlos einen Rückzug ins Private propagiert.

Alles eine Frage der Zeit - Plakat

Alles eine Frage der Zeit (About Time, Großbritannien 2013)

Regie: Richard Curtis

Drehbuch: Richard Curtis

mit Domhnall Gleeson, Rachel McAdams, Bill Nighy, Lydia Wilson, Lindsay Duncan, Richard Cordery, Joshua McGuire, Tom Hollander, Margot Robbie, Will Merrick, Vanessa Kirby

Länge: 124 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Alles eine Frage der Zeit“

Moviepilot über „Alles eine Frage der Zeit“

Metacritic über „Alles eine Frage der Zeit“

Rotten Tomatoes über „Alles eine Frage der Zeit“

Wikipedia über „Alles eine Frage der Zeit“ (deutsch, englisch)


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