TV-Tipp für den 14. September: Untraceable

September 13, 2019

ZDFneo, 22.00

Untraceable (Untraceable, USA 2008)

Regie: Gregory Hoblit

Drehbuch: Robert Fyvolent, Mark R. Brinker, Allison Burnett

Es gibt es zwei Gründe für den Film: Gregory Hoblit und Diane Lane. Und es gibt, für Genrefans, einen sehr guten Grund gegen den Film: das Drehbuch. Denn es erzählt, sauber entwickelt (oder sollte ich sagen „vorhersehbar nach Schema F“?), eine typische logikfreie Serienkillergeschichte für ein Mainstreampublikum, das sich niemals einen der derzeit modischen Torture-Porn-Streifen ansehen würde und die stereotype Medienkritik des Geschichte gedankenlos bejaht.

Die Geschichte: FBI-Agentin Jennifer Marsh stößt bei ihren Ermittlungen im Internet auf eine neue Seite, auf der zuerst eine Katze und später Menschen, vor laufender Kamera qualvoll sterben. Der Clou: je mehr Menschen die Seite anklicken, umso schneller wird das Opfer hingerichtet. Marsh versucht dem Mörder auf die Schliche zu kommen. Aber die Seite ist ‚untraceable’.

Bei dem Drehbuch haben mir der schnelle Anfang, bei dem die Heldin auf wenigen Seiten vorgestellt wird; das gelungene Präsentieren von Informationen, die später wichtig werden und das ausgewogene Verhältnis von Berufsleben und etwas Privatleben mit ihrer sechsjährigen Tochter, gefallen. Überhaupt nicht gefallen hat mir dagegen die Story. Denn sie bewegt sich letztendlich spannungsfrei und ohne falsche Fährten von einem Mord zum Nächsten. Irgendwann hat die Heldin eine Idee und wir kennen sofort den richtigen Mörder und das, wie ich finde ziemlich alberne, Motiv. Sie macht einige dumme Fehler (Bei einem Fehler dachte ich nur ‚Nein, das darf nicht wahr sein’.). Ebenfalls zum festen Genreinventar gehört das Ende mit dem tödlichen Kampf zwischen der Polizistin und dem Mörder.

Insgesamt ist „Untraceable“ ein 08/15-Serienkillerfilm, für den man sich wirklich keine Kinokarte kaufen muss, sich aber im TV ansehen kann.

Mit Diane Lane, Colin Hanks, Billy Burke

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Rotten Tomatoes über „Untraceable“

Wikipedia über „Untraceable“ (deutsch, englisch)

Drehbuch „Untraceable“ von Robert Fyvolent, Mark R. Brinker und Allison Burnett

Interview mit Allison Burnett

Homepage von Allison Burnett


Neu im Kino/Filmkritik: Was eine Mutter für ihre Kinder tut: „Breaking in“

August 16, 2018

Shaun Russell will das malerisch gelegene, riesige Anwesen ihres Vaters verkaufen. Er starb bei einem Unfall, der in Wirklichkeit ein Mord war. Und die Mörder sind gerade in dem Russell-Anwesen. Irgendwo in dem Haus ist ein randvoll mit Geld gefüllter Safe, den sie schnell finden und öffnen müssen. Denn neunzig Minuten nachdem sie die Telefonleitung gekappt haben, wird die Polizei informiert.

Das ahnt Shaun nicht, als sie mit ihren beiden Kindern, Jasmine und Glover, vorfährt und durch das Haus streift, das sie seit Ewigkeiten nicht mehr betreten hat. Sie will sich einmal umsehen und alles für den Verkauf herrichten. Dabei bemerkt sie, dass ihr Vater das Haus zu einem Hochsicherheitsgebäude umfunktioniert hat. Kurz gesagt: das Haus kann mühelos als einziger riesiger Safe Room funktionieren.

Als sie die Eindringlinge entdeckt, kommt es zu einigem Hin und Her. Am Ende steht sie vor dem einbruchsicheren Haus und im Haus sind die vier Einbrecher und ihre beiden Kinder. Shaun versucht jetzt, sie zu befreien.

Einen Innovationspokal wird „Breaking in“ nicht erhalten. Dafür ist die Geschichte zu vorhersehbar und auch mit zu vielen offenen Fragen und zu großen Logiklücken versehen. So beschäftigen die Verbrecher sich lieber damit, Shaun durch den anliegenden Wald zu verfolgen und mit ihr um und im Haus Katz und Maus zu spielen, anstatt den Safe zu suchen, auszuräumen und schnell zu verschwinden.

Interessant ist allerdings die Besetzung der Hauptrolle. Gabrielle Union spielt eine Action-Rolle, die früher von Männern gespielt wurde. Außerdem ist sie eine Afroamerikanerin. Und gerade das ist heutzutage immer noch ungewöhnlich.

Das ändert aber nichts daran, dass alle Charaktere, vor allem die Gangster, reinste Reißbrettcharaktere sind (der pseudokluge Anführer mit dem Plan, der blutrünstig-psychopathische Killer, die beiden austauschbaren Gehilfen), und die Story sich schnell zwischen Straight-to-DVD und „TV-Film der Woche“ einpendelt. Dazu trägt auch die kurze Laufzeit von knapp neunzig Minuten bei.

Immerhin versucht Shaun lange Zeit die Bösewichter auszutricksen und weckt damit die wahnwitzige Hoffnung auf eine kluge Heldin, die ihr Ziel auch ohne Gewaltanwendung erreicht. Am Ende wird der Konflikt zwischen den Einbrechern und der Hausbesitzerin nach dem vertrauten Muster gelöst, das der Justiz viel Arbeit erspart (Hm, man sollte mal einen Film darüber machen, wie eine solche Heldin sich vor Gericht gegen die Mordanklage von den Angehörigen der toten Verbrecher und dem Staatsanwalt verteidigt.).

Inszeniert wurde „Breaking in“ ohne eine spürbare eigene Handschrift von James McTeigue, der seit seinem Debüt „V wie Vendetta“ bei jedem Film über ein kleineres Budget verfügt. Das Drehbuch ist von Ryan Engle, der auch die Drehbücher für die Liam-Neeson-Actionfilme „Non-Stop“ und „The Commuter“ und für den Dwayne-Johnson-Aktionkracher „Rampage“ mit schrieb.

Am Ende ist bei „Breaking in“ das einzig ungewöhnliche die Hautfarbe der Hauptdarstellerin. Damit reiht sich der Thriller in die Reihe der Filme ein, die einfach noch einmal eine sattsam bekannte Geschichte erzählen. Nur dieses Mal nicht mit Weißen, sondern mit Afroamerikanern als Protagonisten. Spannender oder besser wird der Film dadurch nicht.

Breaking in (Breaking in, USA 2018

Regie: James McTeigue

Drehbuch: Ryan Engle (nach einer Geschichte von Jaime Primak Sullivan)

mit Gabrielle Union, Billy Burke, Richard Cabral, Ajiona Alexus, Levi Meaden, Jason George, Seth Karr, Christa Miller

Länge: 88 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Breaking in“

Metacritic über „Breaking in“

Rotten Tomatoes über „Breaking in“

Wikipedia über „Breaking in“


Neu im Kino/Filmkritik: „Lights out“ – und der Hausgeist kommt

August 4, 2016

Nachdem vor einigen Jahren Horror ja nur aus Torture-Porn, Wackelkamera und Found Footage bestand und Horrorfilmfans sich die sehenswerten Filme an den Fingern einer abgehackten Hand abzählten, gibt es seit einiger Zeit wieder eine durchaus angenehme Rückbesinnung auf die Vergangenheit, als ein nerviger Hausgeist genügte und Schrecken durch einen gelungenen Spannungsaufbau, meist mit Jumpscares und lauten Geräuschen, erzeugt wurde.

Etliche dieser Horrorfilme, die vor einigen Jahren bei uns höchstens als DVD veröffentlicht worden wären, laufen auch im Kino. Wie jetzt „Lights out“, der Debütfilm von David F. Sandberg, der dafür seinen gleichnamigen, ziemlich gruseligen Kurzfilm gelungen zum Spielfilm ausbaute und der damit eine der erfreulichen Überraschungen des Jahres lieferte. Jedenfalls für Horrorfilmfans.

Im Mittelpunkt steht Rebecca (Teresa Palmer). Als Kind hatte sie Angst vor einem Geist, den sie nur im Dunkeln sehen konnte. Wenn sie das Licht anmachte, war er weg. Er war auch der beste Freund ihrer psychisch kranken Mutter Sophie (Maria Bello).

Inzwischen lebt sie in der Stadt in einem kleinem Apartment. Als ihr jüngerer Bruder Martin Gabriel Bateman) ebenfalls von dem Geist verfolgt wird und der Geist nicht mehr an das elterliche Haus gebunden ist, entschließt sie sich, ihn zu bekämpfen.

Natürlich erfindet „Lights out“ das Genre nicht neu und natürlich liefert er das, was man von einem Geisterfilm erwartet. Inclusive der Szenen und Geräusche, die zu einem Geisterfilm dazu gehören. Aber David F. Sandberg erzählt die Geschichte straff in unter achtzig Minuten. Da bleibt keine Zeit für ablenkende Subplots, weshalb Maria Bello als psychisch kranke Mutter, die sich mit dem Geist, den sie Diana nennt, unterhält, nur eine Nebenrolle hat. Es ist, immerhin richtet sich der Film an jugendliches Publikum, das noch nicht Myriaden Horrorfilme gesehen hat, Rebeccas Geschichte und Teresa Palmer („Warm Bodies“, „The Choice“, „Triple 9“) überzeugt als Sympathieträgerin, die ihren kleinen Bruder beschützen will und sich dafür ihren Kinderängsten vor dem in der Dunkelheit auftauchendem Monster stellen muss.

Sogar die knappe Erklärung für Dianas Erscheinen in dunklen Räumen und ihre Taten ist durchaus logisch. Jedenfalls logischer als wir es aus anderen Geisterfilmen kennen, wenn der böse Geist alles und nichts sein kann und, je nach Film, zu viel oder zu wenig erklärt wird.

Das kann man Sandberg, der mit einfachen Mitteln und einem Lichtschalter Schrecken erzeugt, nicht vorwerfen.

Sein nächster Film ist „Annabelle 2“, ebenfalls produziert von James Wan und, ausgehend von „Lights out“, könnte in diesem Fall die Fortsetzung besser als der erste Film sein.

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Lights Out (Lights out, USA 2016)

Regie: David F. Sandberg

Drehbuch: Eric Heisserer (nach dem Kurzfilm von David F. Sandberg)

mit Teresa Palmer, Gabriel Bateman, Alexander DiPersia, Billy Burke, Maria Bello, Alicia Vela-Bailey, Lotta Losten, Andi Osho

Länge: 81 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Lights out“

Metacritic über „Lights out“

Rotten Tomatoes über „Lights out“

Wikipedia über „Lights out“ 

Licht an, Licht aus, Licht an, Licht aus – und hier ist Sandbergs Kurzfilm „Lights out“


TV-Tipp für den 25. April: Untraceable

April 25, 2015

ZDFneo, 22.00

Untraceable (USA 2008, Regie: Gregory Hoblit)

Drehbuch: Robert Fyvolent, Mark R. Brinker, Allison Burnett

Es gibt es zwei Gründe für den Film: Gregory Hoblit und Diane Lane. Und es gibt, für Genrefans, einen sehr guten Grund gegen den Film: das Drehbuch. Denn es erzählt, sauber entwickelt (oder sollte ich sagen „vorhersehbar nach Schema F“?), eine typische logikfreie Serienkillergeschichte für ein Mainstreampublikum, das sich niemals einen der derzeit modischen Torture-Porn-Streifen ansehen würde und die stereotype Medienkritik des Geschichte gedankenlos bejaht.

Die Geschichte: FBI-Agentin Jennifer Marsh stößt bei ihren Ermittlungen im Internet auf eine neue Seite, auf der zuerst eine Katze und später Menschen, vor laufender Kamera qualvoll sterben. Der Clou: je mehr Menschen die Seite anklicken, umso schneller wird das Opfer hingerichtet. Marsh versucht dem Mörder auf die Schliche zu kommen. Aber die Seite ist ‚untraceable’.

Bei dem Drehbuch haben mir der schnelle Anfang, bei dem die Heldin auf wenigen Seiten vorgestellt wird; das gelungene Präsentieren von Informationen, die später wichtig werden und das ausgewogene Verhältnis von Berufsleben und etwas Privatleben mit ihrer sechsjährigen Tochter, gefallen. Überhaupt nicht gefallen hat mir dagegen die Story. Denn sie bewegt sich letztendlich spannungsfrei und ohne falsche Fährten von einem Mord zum Nächsten. Irgendwann hat die Heldin eine Idee und wir kennen sofort den richtigen Mörder und das, wie ich finde ziemlich alberne, Motiv. Sie macht einige dumme Fehler (Bei einem Fehler dachte ich nur ‚Nein, das darf nicht wahr sein’.). Ebenfalls zum festen Genreinventar gehört das Ende mit dem tödlichen Kampf zwischen der Polizistin und dem Mörder.

Insgesamt ist „Untraceable“ ein 08/15-Serienkillerfilm, für den man sich wirklich keine Kinokarte kaufen muss, sich aber im TV ansehen kann.

Mit Diane Lane, Colin Hanks, Billy Burke

Wiederholung: Sonntag, 26. April, 03.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Untraceable“

Rotten Tomatoes über „Untraceable“

Wikipedia über „Untraceable“ (deutsch, englisch)

Drehbuch „Untraceable“ von Robert Fyvolent, Mark R. Brinker und Allison Burnett

Interview mit Allison Burnett

Homepage von Allison Burnett


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