„Das erste Jahr“, „Die Übermenschen“ – alte und neue Batman-Geschichten von Frank Miller

September 12, 2018

Früher war Frank Miller einer der Neuerer in der Comic-Welt. Er schrieb und zeichnete sich durch die verschiedenen Superheldencomics. Legendär sind seine Batman-Neuinterpretation „Die Rückkehr des dunklen Ritters“, „300“ und selbstverständlich „Sin City“.

In den letzten Jahre fiel er vor allem durch, höflich formuliert, sehr grenzwertige Formulierungen auf. Seine Comics spiegelten diese reaktionären, islamophoben und auch verschwörungstheoretischen Verirrungen in Geschichten, die arm an Dialog waren und deren Bildsprache die Ideologie spiegelten. Wobei einige seiner problematischen Ansichten auch zur Noir-Ursuppe gehören und daher auch zur Ursuppe von Batman und „Sin City“. Aber in dem Kontext haben sie eine andere Bedeutung, wie ein Blick auf seinen jetzt wieder veröffentlichten frühen Batman-Comic „Das erste Jahr“ und seinen neuesten Batman-Comic „Die Übermenschen“ (auch „Dark Knight III“), geschrieben mit „100 Bullets“ Brian Azzarello, zeigt.

Das erste Jahr“ erschien 1987, ein Jahr nach Frank Millers stilbildendem „Batman: Die Rückkehr des dunklen Ritters“. In der vierteiligen Geschichte schildert Miller die Anfänge von Bruce Wayne als Batman. Wayne kehrt nach einer jahrelangen Abwesenheit in seinen Geburtsort zurück und sich fragt, was er mit seinem künftigem Leben anstellen soll.

Die Geschichte ist eher eine Zusammenstellung mehrere unabhängiger Kurzgeschichten über Verbrechen in Gotham City, die lose miteinander verknüpft sind durch zwei durchgehende Geschichten. Einmal geht es darum, wie Batman Batman wird und einmal, wie ‚Batman‘ Bruce Wayne und Lieutenant James Gordon Vertrauen zueinander fassen. David Mazzucchelli zeichnete Millers Geschichte in einem heute doch sehr altmodischen Stil. Das erinnert alles an die später entstandenen von Ed Brubaker und Greg Rucka geschriebene Serie „Gotham Central“.

Die Übermenschen“ ist mit 376 Seiten deutlich umfangreicher und liegt im Trend der neuen Miller-Werke, in denen die Bilder eindeutig über den Text dominieren. Und während „Das erste Jahr“ Geschichten aus Gotham City erzählte, die sich zwischen der Polizei und Batman abspielen, wird in „Die Übermenschen“ gleich der ganze DC-Kosmos ins Bild gebracht. Neben der Hauptgeschichte gibt es in dem Sammelband auch die dazu gehörenden Minicomics mit Atom, Wonder Woman, Green Lantern, Batgirl, Lara und Commissioner Yindel, die die Hauptgeschichte vertiefen.

Diese in neun Heften zwischen November 2015 und Juni 2017 erschienene Geschichte dreht sich um den Kryptonier Quar, der von der Menschheit verlangt, dass sie ihn als Gott anerkennen. Sonst werden er und seine Getreuen die Erde vernichten.

Auf der ideologischen Ebene – immerhin lässt, nach Millers letzten Werken, der Titel „Die Übermenschen“ Schlimmes befürchten – kann eine Entwarnung gegeben werden. Das kann an Co-Autor Brian Azzarello liegen. Das kann auch daran liegen, dass Miller nach eigenem Bekunden die schlimme Phase, die er vor einigen Jahren hatte, überstanden hat.

Dafür hat „Die Übermenschen“ andere Probleme. So glänzt Batman in einer Batman-Geschichte weitgehend durch Abwesenheit. Stattdessen dürften Superman, Wonder Woman, Batgirl und die Polizei von Gotham City sich mit Quar auseinandersetzen. Und die Story ist für den Umfang, den sie hat, arg gestreckt und oft kaum nachvollziehbar. Immerhin dürfen Hauptzeichner Andy Kubert, Frank Miller und Eduardo Risso (bei den Zwischenspielen) sich in oft großformatigen, teils experimentellen Panels austoben. Das sieht dann gut aus, während die erzählerische Stringenz über die Länge des Buches nicht mehr erkennbar ist.

Frank Miller/David Mazzucchelli/Richmond Lewis: Batman – Das erste Jahr

(übersetzt von Steve Kups)

Panini, 2018

100 Seiten

9.99 Euro

Originalausgabe

Batman # 404 – 407

DC Comics, 1987

Frank Miller/Brian Azzarello/Andy Kubert/Klaus Janson/Brad Anderson/Alex Sinclair: Batman – Die Übermenschen

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini, 2018

376 Seiten

34 Euro

Originalausgabe

Dark Knight III: The Master Race # 1 – 9

DC Comics, 2018

Hinweise

DC Comics über Batman

Wikipedia über Batman (deutsch, englisch)

Blog/Homepage von Frank Miller

Meine Besprechung von Frank Miller/Geoff Darrows „Hard Boiled“ (Hard Boiled, 1990/1992)

Meine Besprechung von Frank Miller/Dave Gibbons’ “Martha Washington – Ein amerikanischer Traum (Band 1)” (Give me liberty, 1990)

Meine Besprechung von Frank Miller/Jim Lee/Scott Williams’ “All-Star Batman” (All Star Batman & Robin: The Boy Wonder, 2005 – 2008)

Meine Besprechung von Frank Millers “Holy Terror” (Holy Terror, 2011)

Meine Besprechung von Frank Miller/Geoff Darrows „Hard Boiled“ (Hard Boiled, 1990/1992)

Meine Besprechung von Frank Miller/Robert Rodriguez‘ „Sin City 2: A Dame to kill for (Frank Miller’s Sin City: A Dame to kill for, USA 2014)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “Jonny Double” (Jonny Double, 2002)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Marcello Frusins “Loveless 1 – Blutrache” (Loveless: A Kin’ of Homecoming, 2006)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Marcello Frusins „Loveless 2 – Begraben in Blackwater“ (Loveless: Thicker than Blackwater, 2007)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Danijel Zezeljs „Loveless 3 – Saat der Vergeltung” (Loveless: Blackwater Falls, 2008)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Danijel Zezeljs “Loveless 4 – Stunde der Abrechnung” (Loveless, Vol. 19 – 24, 2008)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “100 Bullets 3 – Alle guten Dinge” (100 Bullets: Hang up on the Hang Low, 2001)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets 5 – Du sollst nicht töten“ (100 Bullets Vol. 5: The Counterfifth Detective, 2002)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets – Dekadent (Band 10)“ (100 Bullets: Decayed, Volume 68 – 75)

Meine Besprechung von Brian Azzarellos/Eduardo Rissos „!00 Bullets: Das Einmaleins der Macht (Band 11)“ (100 Bullets: Once upon a crime, Volume 76 – 83)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets: Das dreckige Dutzend (Band 12)“ (100 Bullets: Dirty, Volume 84 – 88)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “100 Bullets: Freitag (Band 13) (100 Bullets: Wilt, Volume 89 – 100)

Meine Besprechung von Brian Azzarello (Autor)/Eduardo Risso (Zeichner): Batman – Kaputte Stadt, 2012 (Broken City: Part 1 – 5, Conclusio (Batman # 620 – 625), Dezember 2003 – Mai 2004)

Meine Besprechung von Brian Azzarellos “Wonder Woman: Blut (Band 1)” (Wonder Woman #1 – 6, 2011/2012)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Lee Bermejos „Before Watchmen: Rorschach“ (Before Watchmen: Rorschach – Damntown (Part One – Four), 2012/2013)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Goran Sudžuka/Cliff Chiangs „Wonder Woman: Königin der Amazonen (Band 6)“ (Wonder Woman # 30 – 35, 2014)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Matteo Casalis „Batman: Europa (Batman: Europa, 2016)

 

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TV-Tipp für den 4. September: Stonehearst Asylum – Diese Mauern wirst du nie verlassen

September 4, 2018

Tele 5, 20.15

Stonehearst Asylum – Diese Mauern wirst du nie verlassen (Stonehearst Asylum, USA 2014)

Regie: Brad Anderson

Drehbuch: Joe Gangemi

LV: Edgar Allan Poe: The System of Doctor Tarr and Professor Fether, 1845 (Das System des Doktors Pech und des Professors Feder, Kurzgeschichte)

Weihnachten 1899 trifft der junge Arzt Edward Newgate in der abgelegenen Irrenanstalt Stonehearst ein. Dort haben die Patienten maximale Freiheiten. Schon beim ersten Rundgang verliebt er sich in die bildschöne Pianistin Eliza Graves. Später entdeckt er im Keller eine Gruppe Gefangener, die behaupten, von ihren Patienten gefangen gehalten zu werden.

Top besetzter, hübsch altmodischer Grusler mit einigen überraschenden Wendungen beim Ausprobieren von Therapien.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Jim Sturgess, Kate Beckinsale, Ben Kingsley, Michael Caine, David Thewlis, Brendan Gleeson, Jason Flemying

Wiederholung: Mittwoch, 5. September, 02.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise
Moviepilot über „Stonehearst Asylum“
Rotten Tomatoes über „Stonehearst Asylum“
Wikipedia über „Stonehearst Asylum“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Brad Andersons „The Call – Leg nicht auf!“ (The Call, USA 2013)

Meine Besprechung von Brad Andersons „Stonehearst Asylum – Diese Mauern wirst du nie verlassen“ (Stonehearst Asylum, USA 2014)


DVD-Kritik: Der klassische Horrorfilm „Stonehearst Asylum – Diese Mauern wirst du nie verlassen“

März 7, 2015

Ich habe keine Ahnung, warum „Stonehearst Asylum – Diese Mauern wirst du nie verlassen“ keinen deutschen Kinostart bekommen hat. Denn an der Besetzung und der Story kann es nicht liegen. Brad Anderson, zuletzt „The Call – Leg nicht auf“, liefert hier wieder einen spannenden Genrefilm. Dieses Mal ist es ein fast schon klassischer Horrorfilm, der auf der Kurzgeschichte „Das System des Doktors Pech und des Professors Feder“ von Edgar Allan Poe basiert, die etwas modernisiert und ordentlich erweitert wurde.
Weihnachten 1899 trifft der junge Arzt Edward Newgate (Jim Sturgess) in der abgelegenen Irrenanstalt Stonehearst ein. Der Anstaltsleiter Dr. Lamb (Ben Kingsley) führt ihn durch die Anstalt und macht ihn mit seinem Therapiekonzept bekannt: die Patienten genießen maximale Freiräume. Sie dürfen ihren Wahn ausleben und sind glücklich. Lamb gibt ihnen ein sicheres Umfeld. Denn was ist besser: ein glücklicher Mann, der sich für ein Pferd hält oder ein therapierter, aber unglücklicher Mann? Newgate ist fasziniert. Vor allem von der bildschönen Pianistin Eliza Graves (Kate Beckinsale).
Als er in der Nacht durch das riesige Haus streift, entdeckt er im Keller eine Gruppe Gefangener, die behaupten, dass sie von ihren Patienten im Keller eingesperrt wurden, sie vollkommen normal seien und er ihnen helfen solle. Aber wie? Und sagen sie ihm die Wahrheit? Denn natürlich behauptet jeder Irre, dass nicht er, sondern die anderen verrückt sind.
Neben den schon erwähnten Stars Jim Sturgess, Kate Beckinsale und Ben Kingsley sind auch Michael Caine (als einer der im Keller Eingesperrten), David Thewlis, Brendan Gleeson (eigentlich nur eine Nebenrolle) und Jason Flemying bei diesem Trip in den Wahnsinn dabei.
Anderson inszenierte die Geschichte ohne neumodische Effekthaschereien gediegen altmodisch wie einen klassischen Horrorfilm, der genau deshalb gefällt und der, im Gegensatz zu „Die Frau in Schwarz 2: Engel des Todes“ allemal einen Kinostart verdient hätte. Denn „Stonehearst Asylum“ ist in jeder Beziehung der bessere Film.

Stonehearst Asylum - DVD-Cover

Stonehearst Asylum – Diese Mauern wirst du nie verlassen (Stonehearst Asylum, USA 2014)
Regie: Brad Anderson
Drehbuch: Joe Gangemi
LV: Edgar Allan Poe: The System of Doctor Tarr and Professor Fether, 1845 (Das System des Doktors Pech und des Professors Feder, Kurzgeschichte)
mit Jim Sturgess, Kate Beckinsale, Ben Kingsley, Michael Caine, David Thewlis, Brendan Gleeson, Jason Flemying

DVD
Universum Film
Bild: 2.40:1 (16:9 anamorph)
Ton: Deutsch, Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Wendecover
Länge: 108 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Moviepilot über „Stonehearst Asylum“
Rotten Tomatoes über „Stonehearst Asylum“
Wikipedia über „Stonehearst Asylum“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Brad Andersons „The Call – Leg nicht auf!“ (The Call, USA 2013)


TV-Tipp für den 10. Februar: Transsiberian – Reise in den Tod

Februar 10, 2014

ZDF, 22.30

Transsiberian (GB/D/E 2007, R.: Brad Anderson)

Drehbuch: Will Conroy, Brad Anderson

Ein amerikanisches Ehepaar will mit der Transsibirischen Eisenbahn von Peking nach Moskau fahren. Auf ihrer Fahrt geraten sie zwischen die Fronten eines Kampfes zwischen Drogenschmugglern und einem skrupellosen Drogenfahnder.

Wer in den vergangenen Jahren nur einen Ben-Kingsley-Film gesehen hat, kann sich denken, auf welcher Seite Kingsley mitspielt. Und unser Mann in Hollywood (neinnein, der andere) ist auch dabei. Ansonsten: nach vielen Jahren wieder ein Eisenbahnthriller, der sogar in der Gegenwart spielt. Die internationale Kritik feierte, vollkommen berechtigt, das neue Werk des „The Machinist“-Regisseurs ab.

„Der Film hat eigentlich alle Anlagen zum B-Movie. Indem Anderson aber die inneren Konflikte seiner Figuren in den Mittelpunkt stellt, wird aus einem potenziellen Actionthriller ein durchaus überzeugendes Drama.“ (Andreas Busche, epd Film 12/2008)

mit Woody Harrelson, Emily Mortimer, Ben Kingsley, Kate Mara, Eduardo Noriega, Thomas Kretschmann

Wiederholung: Mittwoch, 12. Februar, 01.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Transsiberian“

Metacritic über “Transsiberian”

Rotten Tomatoes über “Transsiberian”

Wikipedia über “Transsiberian” (deutsch, englisch)

Arizona Daily Star: Phil Villarreal porträtiert Will Conroy (26. Juli 2007)

Cinematical: Interview mit Brad Anderson über “Transsiberian” (25. Juni 2008)

Dark Horizons: Interview mit Brad Anderson über “Transsiberian” (2. Juli 2008)

Shock till you drop: Interview mit Brad Anderson über “Transsiberian (14. Juli 2008)

IFC: Interview mit Brad Anderson über “Transsiberian” (17. Juli 2008)

Chud: Interview mit Brad Anderson über “Transsiberian” (19. Juli 2008)

Bullz-Eye: Interview mit Brad Anderson (25. Juli 2008)

Meine Besprechung von Brad Andersons „The Call – Leg nicht auf!“ (The Call, USA 2013)


Neu im Kino/Filmkritik: Halle Berry tätigt „The Call“

Juli 11, 2013

 

Brad Anderson, der vor allem als Regisseur für TV-Serien wie „Fringe“, „The Killing“ (die US-Version von „Kommissarin Lund“), „Boardwalk Empire“, „Treme“, „The Wire“, „Person of Interest“ und „The Shield“ sein Geld verdient, hat auch einige beachtliche Kinofilme inszeniert, wie „Transsiberian“ (Edgar-nominiert), „Der Maschinist“ und „Session 9“ (Regiepreis in Sitges), die als astreine Thriller immer auch einen Tick besser als der Rest waren. Auch sein neuester Film „The Call – Leg nicht auf!“ ist ein Thriller, der die Genrekonventionen bedient und mit einigen gelungenen Überraschungen spannend unterhält. Früher nannte man so etwas B-Picture. Denn Genrejunkies können sich schon nach der Entführung der Schülerin Casey (Abigail Breslin) tagsüber in einem Parkhaus ausrechnen, wie die Geschichte in groben Zügen weiter- und ausgeht. Aber das hat uns bei einem Western auch nie gestört.

Casey gelingt es mit dem Prepaid-Telefon ihrer Freundin, das sich aufgrund der fehlenden GPS-Funktion nicht genau orten lässt, aus dem Kofferraum des Entführerautos den Notruf zu wählen. In der Notrufzentrale übernimmt Jordan Turner (Halle Berry) den Anruf. Sie versucht die panische Casey zu beruhigen, versucht herauszufinden, in was für einem Auto Casey liegt, zeigt ihr Möglichkeiten auf, wie sie auf sich aufmerksam machen kann, indem sie das Rücklicht zerstört, winkt und Farbe auf die Straße kippt, und koordiniert anhand von Caseys spartanischen Hinweisen auf die Beschaffenheit der Straße, Gebäude und Bäume die Polizei, die auf den Straßen von Los Angeles das Auto sucht.

Anderson zieht aus dieser Situation eine beträchtliche Spannung. Auch weil Caseys Entführer Casey, wie Jordan herausfindet, ein Serienmörder ist und damit Caseys Überlebensaussichten gegen Null tendieren. Dass dann Caseys Flucht- und die Rettungsversuche der Polizei und von anderen Personen alle schief gehen, gehört zu den Genrekonventionen. Ebenso dass am Ende Jordan dem Entführer gegenübersteht in einer Konfrontation, die eher in einen Horrorfilm (mit der Deko aus einem Torture-Porn-Film) als in einen Thriller gehört. Erfreulich und auch bemerkenswert für einen US-Thriller ist dabei, auch wenn der Bösewicht während Caseys Entführung mehrere Menschen ermordet, der Verzicht auf Schusswaffen. Er nimmt einfach das, was gerade zur Hand ist. Ärgerlich, weil überflüssig und auch nicht aus dem Charakter von Casey und Jordan erklärbar, ist die allerletzte Wendung in der letzten Minute des Films die nur auf einen billigen Überraschungseffekt zielt.

Davon abgesehen ist „The Call“ ein guter, sich in den Genrekonventionen bewegender, hochenergetisch erzählter Thriller mit einer starken Heldin.

The Call - Plakat

The Call – Leg nicht auf! (The Call, USA 2013)

Regie: Brad Anderson

Drehbuch: Richard D’Ovidio (nach einer Geschichte von Richard D’Ovidio, Nicole D’Ovidio und Jon Bokenkamp)

mit Halle Berry, Abigail Breslin, Michael Eklund, Morris Chestnut, David Otunga, Michael Imperioli

Länge: 94 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „The Call“

Metacritic über „The Call“

Rotten Tomatoes über „The Call“

Wikipedia über „The Call“ 


TV-Tipp für den 18. März: Transsiberian – Reise in den Tod

März 18, 2013

Arte, 21.55

Transsiberian (GB/D/E 2007, R.: Brad Anderson)

Drehbuch: Will Conroy, Brad Anderson

Ein amerikanisches Ehepaar will mit der Transsibirischen Eisenbahn von Peking nach Moskau fahren. Auf ihrer Fahrt geraten sie zwischen die Fronten eines Kampfes zwischen Drogenschmugglern und einem skrupellosen Drogenfahnder.

Wer in den vergangenen Jahren nur einen Ben-Kingsley-Film gesehen hat, kann sich denken, auf welcher Seite Kingsley mitspielt. Und unser Mann in Hollywood (neinnein, der andere) ist auch dabei. Ansonsten: nach vielen Jahren wieder ein Eisenbahnthriller, der sogar in der Gegenwart spielt. Die internationale Kritik feierte, vollkommen berechtigt, das neue Werk des „The Machinist“-Regisseurs ab.

„Der Film hat eigentlich alle Anlagen zum B-Movie. Indem Anderson aber die inneren Konflikte seiner Figuren in den Mittelpunkt stellt, wird aus einem potenziellen Actionthriller ein durchaus überzeugendes Drama.“ (Andreas Busche, epd Film 12/2008)

mit Woody Harrelson, Emily Mortimer, Ben Kingsley, Kate Mara, Eduardo Noriega, Thomas Kretschmann

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Transsiberian“

Metacritic über „Transsiberian“

Rotten Tomatoes über „Transsiberian“

Wikipedia über „Transsiberian“ (deutsch, englisch)

Arizona Daily Star: Phil Villarreal porträtiert Will Conroy (26. Juli 2007)

Cinematical: Interview mit Brad Anderson über “Transsiberian” (25. Juni 2008)

Dark Horizons: Interview mit Brad Anderson über “Transsiberian” (2. Juli 2008)

Shock till you drop: Interview mit Brad Anderson über “Transsiberian (14. Juli 2008)

IFC: Interview mit Brad Anderson über “Transsiberian” (17. Juli 2008)

Chud: Interview mit Brad Anderson über “Transsiberian” (19. Juli 2008)

Bullz-Eye: Interview mit Brad Anderson (25. Juli 2008)


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