„Das erste Jahr“, „Die Übermenschen“ – alte und neue Batman-Geschichten von Frank Miller

September 12, 2018

Früher war Frank Miller einer der Neuerer in der Comic-Welt. Er schrieb und zeichnete sich durch die verschiedenen Superheldencomics. Legendär sind seine Batman-Neuinterpretation „Die Rückkehr des dunklen Ritters“, „300“ und selbstverständlich „Sin City“.

In den letzten Jahre fiel er vor allem durch, höflich formuliert, sehr grenzwertige Formulierungen auf. Seine Comics spiegelten diese reaktionären, islamophoben und auch verschwörungstheoretischen Verirrungen in Geschichten, die arm an Dialog waren und deren Bildsprache die Ideologie spiegelten. Wobei einige seiner problematischen Ansichten auch zur Noir-Ursuppe gehören und daher auch zur Ursuppe von Batman und „Sin City“. Aber in dem Kontext haben sie eine andere Bedeutung, wie ein Blick auf seinen jetzt wieder veröffentlichten frühen Batman-Comic „Das erste Jahr“ und seinen neuesten Batman-Comic „Die Übermenschen“ (auch „Dark Knight III“), geschrieben mit „100 Bullets“ Brian Azzarello, zeigt.

Das erste Jahr“ erschien 1987, ein Jahr nach Frank Millers stilbildendem „Batman: Die Rückkehr des dunklen Ritters“. In der vierteiligen Geschichte schildert Miller die Anfänge von Bruce Wayne als Batman. Wayne kehrt nach einer jahrelangen Abwesenheit in seinen Geburtsort zurück und sich fragt, was er mit seinem künftigem Leben anstellen soll.

Die Geschichte ist eher eine Zusammenstellung mehrere unabhängiger Kurzgeschichten über Verbrechen in Gotham City, die lose miteinander verknüpft sind durch zwei durchgehende Geschichten. Einmal geht es darum, wie Batman Batman wird und einmal, wie ‚Batman‘ Bruce Wayne und Lieutenant James Gordon Vertrauen zueinander fassen. David Mazzucchelli zeichnete Millers Geschichte in einem heute doch sehr altmodischen Stil. Das erinnert alles an die später entstandenen von Ed Brubaker und Greg Rucka geschriebene Serie „Gotham Central“.

Die Übermenschen“ ist mit 376 Seiten deutlich umfangreicher und liegt im Trend der neuen Miller-Werke, in denen die Bilder eindeutig über den Text dominieren. Und während „Das erste Jahr“ Geschichten aus Gotham City erzählte, die sich zwischen der Polizei und Batman abspielen, wird in „Die Übermenschen“ gleich der ganze DC-Kosmos ins Bild gebracht. Neben der Hauptgeschichte gibt es in dem Sammelband auch die dazu gehörenden Minicomics mit Atom, Wonder Woman, Green Lantern, Batgirl, Lara und Commissioner Yindel, die die Hauptgeschichte vertiefen.

Diese in neun Heften zwischen November 2015 und Juni 2017 erschienene Geschichte dreht sich um den Kryptonier Quar, der von der Menschheit verlangt, dass sie ihn als Gott anerkennen. Sonst werden er und seine Getreuen die Erde vernichten.

Auf der ideologischen Ebene – immerhin lässt, nach Millers letzten Werken, der Titel „Die Übermenschen“ Schlimmes befürchten – kann eine Entwarnung gegeben werden. Das kann an Co-Autor Brian Azzarello liegen. Das kann auch daran liegen, dass Miller nach eigenem Bekunden die schlimme Phase, die er vor einigen Jahren hatte, überstanden hat.

Dafür hat „Die Übermenschen“ andere Probleme. So glänzt Batman in einer Batman-Geschichte weitgehend durch Abwesenheit. Stattdessen dürften Superman, Wonder Woman, Batgirl und die Polizei von Gotham City sich mit Quar auseinandersetzen. Und die Story ist für den Umfang, den sie hat, arg gestreckt und oft kaum nachvollziehbar. Immerhin dürfen Hauptzeichner Andy Kubert, Frank Miller und Eduardo Risso (bei den Zwischenspielen) sich in oft großformatigen, teils experimentellen Panels austoben. Das sieht dann gut aus, während die erzählerische Stringenz über die Länge des Buches nicht mehr erkennbar ist.

Frank Miller/David Mazzucchelli/Richmond Lewis: Batman – Das erste Jahr

(übersetzt von Steve Kups)

Panini, 2018

100 Seiten

9.99 Euro

Originalausgabe

Batman # 404 – 407

DC Comics, 1987

Frank Miller/Brian Azzarello/Andy Kubert/Klaus Janson/Brad Anderson/Alex Sinclair: Batman – Die Übermenschen

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini, 2018

376 Seiten

34 Euro

Originalausgabe

Dark Knight III: The Master Race # 1 – 9

DC Comics, 2018

Hinweise

DC Comics über Batman

Wikipedia über Batman (deutsch, englisch)

Blog/Homepage von Frank Miller

Meine Besprechung von Frank Miller/Geoff Darrows „Hard Boiled“ (Hard Boiled, 1990/1992)

Meine Besprechung von Frank Miller/Dave Gibbons’ “Martha Washington – Ein amerikanischer Traum (Band 1)” (Give me liberty, 1990)

Meine Besprechung von Frank Miller/Jim Lee/Scott Williams’ “All-Star Batman” (All Star Batman & Robin: The Boy Wonder, 2005 – 2008)

Meine Besprechung von Frank Millers “Holy Terror” (Holy Terror, 2011)

Meine Besprechung von Frank Miller/Geoff Darrows „Hard Boiled“ (Hard Boiled, 1990/1992)

Meine Besprechung von Frank Miller/Robert Rodriguez‘ „Sin City 2: A Dame to kill for (Frank Miller’s Sin City: A Dame to kill for, USA 2014)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “Jonny Double” (Jonny Double, 2002)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Marcello Frusins “Loveless 1 – Blutrache” (Loveless: A Kin’ of Homecoming, 2006)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Marcello Frusins „Loveless 2 – Begraben in Blackwater“ (Loveless: Thicker than Blackwater, 2007)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Danijel Zezeljs „Loveless 3 – Saat der Vergeltung” (Loveless: Blackwater Falls, 2008)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Danijel Zezeljs “Loveless 4 – Stunde der Abrechnung” (Loveless, Vol. 19 – 24, 2008)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “100 Bullets 3 – Alle guten Dinge” (100 Bullets: Hang up on the Hang Low, 2001)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets 5 – Du sollst nicht töten“ (100 Bullets Vol. 5: The Counterfifth Detective, 2002)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets – Dekadent (Band 10)“ (100 Bullets: Decayed, Volume 68 – 75)

Meine Besprechung von Brian Azzarellos/Eduardo Rissos „!00 Bullets: Das Einmaleins der Macht (Band 11)“ (100 Bullets: Once upon a crime, Volume 76 – 83)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets: Das dreckige Dutzend (Band 12)“ (100 Bullets: Dirty, Volume 84 – 88)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “100 Bullets: Freitag (Band 13) (100 Bullets: Wilt, Volume 89 – 100)

Meine Besprechung von Brian Azzarello (Autor)/Eduardo Risso (Zeichner): Batman – Kaputte Stadt, 2012 (Broken City: Part 1 – 5, Conclusio (Batman # 620 – 625), Dezember 2003 – Mai 2004)

Meine Besprechung von Brian Azzarellos “Wonder Woman: Blut (Band 1)” (Wonder Woman #1 – 6, 2011/2012)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Lee Bermejos „Before Watchmen: Rorschach“ (Before Watchmen: Rorschach – Damntown (Part One – Four), 2012/2013)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Goran Sudžuka/Cliff Chiangs „Wonder Woman: Königin der Amazonen (Band 6)“ (Wonder Woman # 30 – 35, 2014)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Matteo Casalis „Batman: Europa (Batman: Europa, 2016)

 

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Batman besucht Europa – solange es noch steht

Juli 11, 2016

Azzarello - Batman Europa 1 - 2Azzarello - Batman Europa 2 - 2

Das nennt man wohl einen Arbeitsbesuch. Denn zum Vergnügen fährt Bruce Wayne nicht nach Europa. Als Batman kämpft er gegen einen Virus, das ihn innerhalb einer Woche tötet. Bis dahin nehmen seine Kräfte ab und seine Sinne schwinden. Sein Intimfeind, der Joker, der Clown des Verbrechens, wurde ebenfalls infiziert und nur wenn die Beiden zusammen arbeiten, können sie überleben. Die erste Spur führt nach Berlin. Dann geht es weiter nach Prag, Paris und Rom in dieser vierteiligen Geschichte von Brian Azzarello und Matteo Casali geschriebenen Geschichte, die eine zwiespältigen Eindruck hinterlässt.

Auf der einen Seite ist die gelungene Prämisse. Auf der anderen Seite das Städte-Hopping, in dem Berlin, Prag, Paris und Rom nur die austauschbare Kulisse für jeweils eine Konfrontation sind, die dann die beiden todsterbenskranken Notverbündeten in die nächste Stadt schickt. Die europäischen Städte haben in „Batman: Europa“ keinen erzählerischen und auch keinen wirklich visuellen Mehrwert. Die Geschichte könnte genausogut in Gotham City, Batmans vertrautem Schlachtfeld, spielen.

Die Geschichte selbst und vor allem die zeichnerische Umsetzung, vor allem wenn die Panels (Layouts: Giuseppe Camuncoli, Zeichnungen: Diego Latorre [Paris], Gerald Parel [Rom]) in dem zweiten Heft zunehmend unscharf, abstrakt und experimentell werden, spiegeln kongenial die zunehmend getrübte Wahrnehmung von Batman, der immer weniger zwischen Fieberwahn und Realität unterscheiden kann. Auch die Geschichte ähnelt in diesen Momenten mehr einem Fiebertraum.

Am Ende der erstmals 2004 angekündigten Miniserie bleibt die Erkenntnis, dass ein Bösewicht Batman einen längeren Europa-Aufenthalt spendieren sollte.

Brian Azzarello/Matteo Casali: Batman: Europa – 1 (von 2)

(übersetzt von Alexander Rösch)

Panini, 2016

68 Seiten

5,99 Euro

enthält

Batman: Europa 1 – Berlin (DC Comics, Januar 2016)

Batman: Europa 2 – Prague (DC Comics, Februar 2016)

Brian Azzarello/Matteo Casali: Batman: Europa – 2 (von 2)

(übersetzt von Alexander Rösch)

Panini, 2016

68 Seiten

5,99 Euro

enthält

Batman: Europa 3 – Paris (DC Comics, Februar 2016)

Batman: Europa 4 – Rome (DC Comics, April 2016)

Hinweise

DC Comics über Batman

Wikipedia über Batman (deutsch, englisch) und über Brian Azzarello (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “Jonny Double” (Jonny Double, 2002)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Marcello Frusins “Loveless 1 – Blutrache” (Loveless: A Kin’ of Homecoming, 2006)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Marcello Frusins „Loveless 2 – Begraben in Blackwater“ (Loveless: Thicker than Blackwater, 2007)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Danijel Zezeljs „Loveless 3 – Saat der Vergeltung” (Loveless: Blackwater Falls, 2008)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Danijel Zezeljs “Loveless 4 – Stunde der Abrechnung” (Loveless, Vol. 19 – 24, 2008)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “100 Bullets 3 – Alle guten Dinge” (100 Bullets: Hang up on the Hang Low, 2001)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets 5 – Du sollst nicht töten“ (100 Bullets Vol. 5: The Counterfifth Detective, 2002)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets – Dekadent (Band 10)“ (100 Bullets: Decayed, Volume 68 – 75)

Meine Besprechung von Brian Azzarellos/Eduardo Rissos „!00 Bullets: Das Einmaleins der Macht (Band 11)“ (100 Bullets: Once upon a crime, Volume 76 – 83)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets: Das dreckige Dutzend (Band 12)“ (100 Bullets: Dirty, Volume 84 – 88)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “100 Bullets: Freitag (Band 13) (100 Bullets: Wilt, Volume 89 – 100)

Meine Besprechung von Brian Azzarello (Autor)/Eduardo Risso (Zeichner): Batman – Kaputte Stadt, 2012 (Broken City: Part 1 – 5, Conclusio (Batman # 620 – 625), Dezember 2003 – Mai 2004)

Meine Besprechung von Brian Azzarellos “Wonder Woman: Blut (Band 1)” (Wonder Woman #1 – 6, 2011/2012)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Lee Bermejos „Before Watchmen: Rorschach“ (Before Watchmen: Rorschach – Damntown (Part One – Four), 2012/2013)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Goran Sudžuka/Cliff Chiangs „Wonder Woman: Königin der Amazonen (Band 6)“ (Wonder Woman # 30 – 35, 2014)


Über Brian Azzarellos Interpretation von „Wonder Woman“

Dezember 29, 2015

Mit „Königin der Amazonen“, dem sechsten „Wonder Woman“-Sammelband im neuen DC-Universum, ist Brian Azzarellos Neuinterpretation der Geschichte von Wonder Woman zu Ende. In 35 Heften (bzw. sechs Sammelbänden) mit den Hauptzeichnern Goran Sudžuka, Cliff Chiang und Tony Akins erzählte er die Geschichte von Wonder Woman neu. Diana wuchs auf der Paradiesinsel Themyscira als Amazone auf. Erst später erfuhr sie von ihrer Mutter Hippolyta, dass ihr Vater Zeus ist.
Zeus (Ja, genau der Zeus aus dem alten Griechenland.) ist spurlos verschwunden und seine mehr oder weniger göttlichen Kinder zoffen sich ordentlich. Denn nach einer alten Prophezeiung soll das gerade geborene Kind der Menschenfrau Zola später einen Gott töten und dessen Thron besteigen. Daher wollen die Götter das Baby töten. Diana und ihre mehr oder weniger göttlichen Gefährten wollen das Baby beschützen und den Göttermord verhindern.
Dass die griechischen Götter oft recht irdische Anwandlungen hatten und ihre Konflikte in verschiedenen Welten, auch unter den Menschen, austrugen, hat man irgendwann in der Schule gelernt.
Brian Azzarello nimmt jetzt diese Mythologie, transformiert sie in die Gegenwart, verbindet sie mit der Geschichte von Wonder Woman, deren Herkunftsgeschichte hier eine umfassende Neubetrachtung erfährt, und die aus einer anderen Dimension kommenden New Gods, vertreten durch Orion, haben auch ein Gastspiel.
Dabei geht es neben dem Verhindern der Prophezeiung und ihrer düsteren Folgen und der Rettung des Thronnachfolgers, auch um Diana (aka Wonder Woman), die mit ihrer Herkunft und ihrer bis dato ungeahnten Bestimmung ins Reine kommen muss. Das alles wird mit großer Lust am Fabulieren erzählt. Auch wenn in dieser Geschichte, die mit „Königin der Amazonen“ ihren Abschluss findet, die Kämpfe und olympischen Familienzwistigkeiten der Götter und Halbgötter im Mittelpunkt stehen.
Ob das den 1941 von William Moulton Marston erfundenen Charakter wirklich fit für die Gegenwart macht, weiß ich nicht. Aber Brian Azzarellos Geschichte macht Spaß in ihrer kindischen Unbekümmertheit, mit der er sich aus dem reichhaltigen Fundus unserer Mythologien, vor allem bei den Griechen, bedient und sie, kongenial von den Zeichnern unterstützt, neu in schönster Space-Opera-Tradition zusammensetzt.
Jedenfalls geht die Geschichte von „Wonder Woman“, inzwischen von Meredith Finch geschrieben und ihrem Mann David Finch gezeichnet, weiter.
Und im Kino darf Gal Gadot in den nächsten Jahren in mehreren Spielfilmen Wonder Woman spielen. Ihren ersten Auftritt als Wonder Woman hat sie in dem am 24. März startenden Zack-Snyder-Film „Batman v Superman: Dawn of Justice“.
Azzarello - Wonder Woman 6 - 2
Brian Azzarello (Autor)/Goran Sudžuka/Cliff Chiang (Zeichner): Wonder Woman: Königin der Amazonen (Band 6)
(übersetzt von Steve Kups)
Panini, 2015
128 Seiten
16,99 Euro

Originalausgabe
Wonder Woman # 30 – 35
DC Comics, Juni 2014 – Dezember 2014

Hinweise

DC Comics über Wonder Woman

Wikipedia über Wonder Woman (deutsch, englisch) und über Brian Azzarello (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “Jonny Double” (Jonny Double, 2002)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Marcello Frusins “Loveless 1 – Blutrache” (Loveless: A Kin’ of Homecoming, 2006)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Marcello Frusins „Loveless 2 – Begraben in Blackwater“ (Loveless: Thicker than Blackwater, 2007)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Danijel Zezeljs „Loveless 3 – Saat der Vergeltung” (Loveless: Blackwater Falls, 2008)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Danijel Zezeljs “Loveless 4 – Stunde der Abrechnung” (Loveless, Vol. 19 – 24, 2008)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “100 Bullets 3 – Alle guten Dinge” (100 Bullets: Hang up on the Hang Low, 2001)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets 5 – Du sollst nicht töten“ (100 Bullets Vol. 5: The Counterfifth Detective, 2002)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets – Dekadent (Band 10)“ (100 Bullets: Decayed, Volume 68 – 75)

Meine Besprechung von Brian Azzarellos/Eduardo Rissos „!00 Bullets: Das Einmaleins der Macht (Band 11)“ (100 Bullets: Once upon a crime, Volume 76 – 83)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets: Das dreckige Dutzend (Band 12)“ (100 Bullets: Dirty, Volume 84 – 88)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “100 Bullets: Freitag (Band 13) (100 Bullets: Wilt, Volume 89 – 100)

Meine Besprechung von Brian Azzarello (Autor)/Eduardo Risso (Zeichner): Batman – Kaputte Stadt, 2012 (Broken City: Part 1 – 5, Conclusio (Batman # 620 – 625), Dezember 2003 – Mai 2004)

Meine Besprechung von Brian Azzarellos “Wonder Woman: Blut (Band 1)” (Wonder Woman #1 – 6, 2011/2012)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Lee Bermejos „Before Watchmen: Rorschach“ (Before Watchmen: Rorschach – Damntown (Part One – Four), 2012/2013)


„Before Watchmen“ stöbert im „Watchmen“-Universum

Juli 8, 2013

 

Azzarello - Before Watchmen - Rorschach - HCAzzarello - Before Watchmen - Rorschach - SC

Cooke - Before Watchmen - Minutemen - HCCooke - Before Watchmen - Minutemen - SC

In den Achtzigern schrieb Alan Moore die Comicserie „Watchmen“, die eigentlich von Anfang an ein riesiger backsteingroßes Epos war, das so gut war, dass es als erster und bislang einziger Comic den Hugo-Award (der heilige Gral der Science-Fiction-Gemeinde) erhielt und vom Time Magazine in die Liste der wichtigsten literarischen Werke des 20. Jahrhunderts aufgenommen wurde. Eine Bildergeschichte als Teil des Literaturkanons. Wow. Aber auch nachvollziehbar. Denn Alan Moore entwarf ein Paralleluniversum, das ganz klar eine Kritik an der damaligen Politik war, er spielte mit Querverweisen und Anspielungen, die sich nicht vor der „Großen Literatur“ zu verstecken brauchte und er gehörte mit zu den Autoren, die mit ihren Werken Comics als ernstzunehmende Literatur etablierten. Denn „Watchmen“ hat mit Donald Duck, Fix und Foxi und den normalen Superheldengeschichten (wir reden von den Achtzigern!) nichts gemein.

Die lange geplante Verfilmung kam 2009 in die Kinos und sie ist, zwar gut besetzt und mit atemberaubenden Bildern, gerade wegen ihrer sklavischen Werktreue gescheitert. Regisseur Zack Snyder gelingt nie ein eigenständiger Zugriff auf Moores Geschichte.

Das gelingt den jetzt auch bei uns veröffentlichten „Before Watchmen“-Comics viel besser. Bislang liegen „Rorschach“ (geschrieben von Brian Azzarello, gezeichnet von Lee Bermejo) und „Minutemen“ (von Darwyn Cooke) auf Deutsch vor und sie überzeugen als spannende Vorgeschichten zu Moores „Watchmen“, ohne den politischen Ballast, der als ätzende Zeitkritik heute doch etwas veraltet und ohne Erklärungen wahrscheinlich kaum nachvollziehbar ist.

Rorschach“ spielt 1977 vor und während des legendären Stromausfalls in New York, als die Stadt zunehmend unbewohnbarer wurde und Vigilanten wie Paul Kersey („Ein Mann sieht rot“) und „Taxi Driver“ Travis Bickle, unter den Augen einer jubelnden Bevölkerung, kaltblütig Verbrecher erschossen. Der Taxi Driver hat auch einen kurzen Auftritt in Brian Azzarellos Geschichte, in der Rorschach den „Barden“, einen Frauenmörder, jagt, der ein überraschend zäher Gegner für den Rächer mit der Maske ist.

Die spannende Vigilantengeschichte wurde von Lee Bermejo hübsch düster gezeichnet wurde und im Krimibereich ist „100 Bullets“- und „Jonny Double“-Autor Brian Azzarello eine verlässliche Noir-Größe.

Das komplette Gegenprogramm ist „Minutemen“, geschrieben und gezeichnet von Darwyn Cooke, der schon in seinen „The Spirit“-Geschichten gelungen die Vergangenheit aufleben ließ. „Minutemen“ erzählt, in poppig bunten Panels, über mehrere Jahrzehnte, die Geschichte der Minutemen, einer Gruppe von normalen Menschen, die sich ab 1939 als Superhelden verkleideten, gegen Verbrecher kämpften und den New Yorkern die nötige Hoffnung auf eine bessere Welt gaben. Auch wenn die über sie erzählten Geschichten mehr Fabeln als Reportagen waren.

In der Öffentlichkeit traten sie immer als Team auf, das sie in Wirklichkeit nie waren.

Und Darwyn Cooke kann über die Diskrepanz zwischen Realität und Wunsch und, weil er die Biographie der Minutemen anhand einer von Minutemen-Mitglied Hollis T. Mason, der ersten Nite Owl, 1962 geschriebenen Biographie über ihre gemeinsame Zeit erzählt, auch über die Bewahrung ihres Erbes nachdenken. Wie sehr soll der Mythos erhalten bleiben oder die Minutemen als ein sehr gewöhnlicher, eher chaotischer Haufen von Aufschneidern entmystifiziert werden? Ein Frage, die schon den „Mann, der Liberty Valance erschoss“ beschäftigte.

Das ist auch, wenn auch vielleicht nicht so deutlich, ein Thema von „Rorschach“ und von „Watchmen“. Insofern sind die von Brian Azzarello und Darwyn Cooke geschriebenen Geschichten gelungen Ergänzungen zu Alan Moore und Dave Gibbons‘ „Watchmen“.

Darwyn Cooke: Before Watchmen: Minutemen

(übersetzt von Peter Thannisch)

Panini, 2013

176 Seiten

16,95 Euro

Originalausgabe

Before Watchmen: Minutemen (Chapter One – Six)

DC Comics, August 2012 – März 2013

Brian Azzarello/Lee Bermejo: Before Watchmen: Rorschach

(übersetzt von Joachim Körber)

Panini, 2013

104 Seiten

12,95 Euro

Originalausgabe

Before Watchmen: Rorschach – Damntown (Part One – Four)

DC Comics, Oktober 2012 – April 2013

Die „Before Watchmen“-Geschichten

Rorschach (von Brain Azzarello und Lee Bermejo)

Minutemen (von Darwyn Cooke)

Comedian (von Brian Azzarello und J. G. Jones) (erscheint im Juli)

Nite Owl (von J. Michael Straczynski, Andy Kubert und Joe Kubert) (erscheint im August)

Ozymandias (von Len Wein und Joe Lee) (erscheint im September)

Silk Spectre (von Darwyn Cooke und Amanda Conner) (erscheint im Oktober)

Dr. Manhattan (von J. Michael Straczynski und Adam Hughes) (erscheint im November)

Crimson Corsair (von Len Wein und John Higgins) (erscheint im Dezember)

Hinweise

DC über „Before Watchmen“

Panini über „Before Watchmen“

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “Jonny Double” (Jonny Double, 2002)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Marcello Frusins “Loveless 1 – Blutrache” (Loveless: A Kin’ of Homecoming, 2006)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Marcello Frusins „Loveless 2 – Begraben in Blackwater“ (Loveless: Thicker than Blackwater, 2007)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Danijel Zezeljs „Loveless 3 – Saat der Vergeltung” (Loveless: Blackwater Falls, 2008)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Danijel Zezeljs “Loveless 4 – Stunde der Abrechnung” (Loveless, Vol. 19 – 24, 2008)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “100 Bullets 3 – Alle guten Dinge” (100 Bullets: Hang up on the Hang Low, 2001)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets 5 – Du sollst nicht töten“ (100 Bullets Vol. 5: The Counterfifth Detective, 2002)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets – Dekadent (Band 10)“ (100 Bullets: Decayed, Volume 68 – 75)

Meine Besprechung von Brian Azzarellos/Eduardo Rissos „!00 Bullets: Das Einmaleins der Macht (Band 11)“ (100 Bullets: Once upon a crime, Volume 76 – 83)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets: Das dreckige Dutzend (Band 12)“ (100 Bullets: Dirty, Volume 84 – 88)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “100 Bullets: Freitag (Band 13) (100 Bullets: Wilt, Volume 89 – 100)

Meine Besprechung von Brian Azzarello (Autor)/Eduardo Risso (Zeichner): Batman – Kaputte Stadt, 2012 (Broken City: Part 1 – 5, Conclusio (Batman # 620 – 625), Dezember 2003 – Mai 2004)

Meine Besprechung von Brian Azzarellos „Wonder Woman: Blut (Band 1)“ (Wonder Woman #1 – 6, 2011/2012)

Blog von Darwyn Cooke

Meine Besprechung von Darwyn Cooke/J. Bone/Dave Stewarts “Will Eisner’s The Spirit – 1” (The Spirit, No. 1 – 6, 2007)

Meine Besprechung von Darwyn Cooke/Walter Simonson/Jimmy Palmiottis “Will Eisner’s The Spirit – 2” (The Spirit, No. 7 – 12, 2007/2008)

Meine Besprechung von Darwyn Cookes Richard-Stark-Comic „Parker“ (Richard Stark’s Parker – The Hunter, 2009)


Mord und Totschlag – mit Worten und Bildern – und der selbstlosen Hilfe von einigen Superhelden

März 19, 2013

Nachdem ich vor einigen Tagen einige der in den letzten Monaten gesehenen und noch nicht besprochenen Filme, Romane und Sachbücher abarbeitete, sind jetzt die gelesenen Comics mit Wenige-Satz-Kritiken dran. Einige gute, einige weniger gute – und einige Entdeckungen.

Mignola - Hellboy - Der Sturm2

Ein Ende, eigentlich zwei, gibt es auch im Hellboy-Kosmos. Hellboy ist der von Mike Mignola erfundene rote Dämon mit den abgeschnittenen Hörnern, der sich gerne mit irgendwelchen seltsamen, definitiv nicht-menschlichen Wesen kloppt – und in zwei Filmen (über einen Dritten wird immer noch geredet) von Ron Perlman kongenial verkörpert.

Der Sturm“ ist der Abschluss der von Mike Mignola mit Duncan Fegredo geschriebenen Trilogie, die mit „Ruf der Finsternis“ und „Die Wilde Jagd“ begann.

Im ländlichen England trifft Hellboy, bewaffnet mit dem Königsschwert Excalibur, auf die Armeen von Nimue, der Königin des Blutes, und Hellboy kann den Kampf nur für einen höllisch hohen Preis gewinnen.

Ein ziemlich stürmisches Finale und ein höllischer Spaß für uns.

Mike Mignola (Autor)/Duncan Fegredo (Zeichner): Hellboy: Der Sturm (Band 12)

(übersetzt von Frank Neubauer und Filipe Tavares)

Cross Cult, 2012

176 Seiten

22 Euro

Originalausgabe

Hellboy: The Storm and the Fury

Dark Horse Comics, 2010/2011/2012

Mignola - Arcudi - Davis - BUAP - König der Furcht

B. U. A. P.“ ist die Abkürzung für „Behörde zur Untersuchung und Abwehr paranormaler Erscheinungen“ und der Serientitel des „Hellboy“-Ablegers, in dem frühere Arbeitskollegen von Hellboy gegen paranormale Erscheinungen kämpfen. In den vorherigen neun Bänden kämpften sie gegen die Froschplage.

Jetzt, in „König der Furcht“, dem zehnten „B. U. A. P.“-Band von Mike Mignola, John Arcudi und Guy Davis kommt der Kampf zwischen der B. U. A. P. und den Fröschen und ihren Verbündeten zu einem vorläufigen Ende. Aber während in „Der Sturm“ wirklich ein Sturm losbrach, ist der „König der Furcht“ doch eher ein laues Lüftchen, das sich an mehreren Orten entfaltet. Immerhin gibt es einen schönen Epilog, in dem die B. U. A. P. vor einer Kommission ihr Verhalten rechtfertigen will. Und im Nachwort sagt Mike Mignola, dass der nächste „B. U. A. P.“-Zyklus „Hölle auf Erden“ heißt und mit „Die neue Welt“ beginnt.

Mike Mignola (Autor)/John Arcudi (Autor)/Guy Davis (Zeichner): B. U. A. P.: König der Furcht (Band 10)

(übersetzt von Frank Neubauer)

Cross Cult, 2012

144 Seiten

19,80 Euro

Originalausgabe

BPRD: King of Fear

Dark Horse Comics, 2010/2012

Hinweise

Hellboy-Comic-Seite (oder Mike Mignolas Hellboy-Seite)

Meine Besprechung von Mike Mignola (Autor)/John Arcudi (Autor)/Guy Davis (Zeichner) „B. U. A. P.: Tödliches Terrain (Band 7)“ (BPRD: Killing Ground, 2008)

Meine Besprechung von Mike Mignola (Autor)/John Arcudi (Autor)/Guy Davis (Zeichner) „B. U. A. P.: Die Warnung (Band 8)“ (BPRD: The Warning, 2009/2010)

Snyder - American Vampire 4 - 2

Fast schon auf „Hellboy“-Territorium begibt sich „Das Überleben des Stärkeren“, der vierte Sammelband von „American Vampire“, der genialen von Scott Snyder erfundenen Vampirserie, für die auch Stephen King eine Geschichte erfand.

Denn anstatt weiter vom Kampf der amerikanischen Vampire gegen die europäischen Vampire in den USA zu erzählen, werden Felicia Book und Cash McCogan, zwei Charaktere, die bislang eher Nebenfiguren waren, 1941 im Auftrag des die Vampire bekämpfenden Bundes „Die Vasallen des Morgengrauens“ nach Europa geschickt. In der abgelegenen, rumänischen Burg Vlan sollen sie Dr. Erik Pavel, der angeblich ein Heilmittel gegen die Vampire gefunden hat, befreien. Getarnt als reiche Amerikaner, die mit den Nazis Geschäfte machen wollen, treffen sie auf der Burg auf Pavel, ihn beschützend-bewachende Nazis und Vampire. Viele Vampire. Eine ganze Brigade.

Das Überleben des Stärkeren“ bringt vielleicht die große „American Vampire“-Geschichte nicht voran, aber als Einzelgeschichte, in der, fast schon in Indiana-Jones-Manier, tapfere Amerikaner gegen böse Nazis und noch bösere Vampire kämpfen, ist das spannend-kurzweilige Unterhaltung.

Scott Snyder (Autor)/Sean Murphy (Zeichner): American Vampire: Das Überleben des Stärkeren (Band 4)

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini, 2012

116 Seiten

16,95 Euro

Originalausgabe

American Vampire: The Survival of the Fittest, Vol. 1 – 5

Vertigo, 2011

Hinweise

Wikipedia über “American Vampire”

Meine Besprechung von Scott Snyder/Stephen King/Rafael Albuquerques (Zeichner) „American Vampire – Band 1“ (American Vampire, Vol. 1 – 5, 2010)

Meine Besprechung von Scott Snyder/Rafael Albuquerque/Mateus Santoloucos „American Vampire – Band 2“ (American Vampire, Vol. 6 – 11, 2010/2011)

Meine Besprechung von Scott Snyder/Rafael Albuquerque/Danijel Zezeljs „American Vampire – Band 3“ (American Vampire, Vol. 12 – 18, 2011)

Ross - Edwards - Turf - 2

Das kann von „Turf“, trotz eines Stan Lee Best Newcomer Award für Autor Jonathan Ross, nicht behauptet werden. In der 1929 in New York spielenden Geschichte bekämpfen sich die verschiedenen Verbrecherfamilien. Zuletzt eroberte die geheimnisvolle, aus dem Nichts aufgetauchte Dragonmir-Familie immer größere Territorien. Weil sie Vampire sind, haben sie in punkto Blutdurst und Quasi-Unverletzbarkeit gegenüber den menschlichen Verbrechern unschätzbare Kampfvorteile.

Auf der anderen Seite steht Gangsterboss Eddie Falco, der unverhofft Hilfe von einem gestrandeten Außerirdischen erhält.

Die steampunkige Idee fand ich im ersten Moment genial, aber „Turf“ ist dann doch kein fetziges Genre-Crossover, sondern ein sehr textlastiges und eher zähes Alien-treffen-Vampire-treffen-Gangster-Abenteuer, mit einigen popkulturellen Anspielungen.

Jonathan Ross (Autor)/Tommy Lee Edwards (Zeichner): Turf

(übersetzt von Claudia Fliege)

Panini, 2012

164 Seiten

16,95 Euro

Originalausgabe/enthält

Turf 1: The Fangs of New York, April 2010

Turf 2: Aliens with Dirty Faces, Juni 2010

Turf 3: BadFellas!, Oktober 2010

Turf 4: Once Upon a Time in Harlem, Februar 2011

Turf 5: The Bloodfather, Juni 2011

(Yeah, schöne Titel!)

Charlot - Chabert - Bourbon Street 2

Jazz und Crime gehören oft zusammen, aber nicht auf der „Bourbon Street“. In dem von Philippe Charlot geschriebenem und Alexis Chabert atmosphärisch gezeichnetem Comic geht es um die Musik und wie, inspiriert von dem Erfolg des Buena Vista Social Clubs, Alvin die alte New-Orleans-Jazzband wieder zusammentrommelt (erzählt in dem ersten „Bourbon Street“-Band „Die Geister des Cornelius“) und sie wieder auf Tour gehen, mit den Enttäuschungen und Freuden des Tour-Alltags konfrontiert werden und, immerhin lenkt der Geist von Louis Armstrong die Geschicke der echten Jazzer, sie am Ende eine einmalige Chance erhalten.

Das wird in dem jetzt vorliegenden zweiten „Bourbon Street“-Band „Abschiedstournee“ erzählt und, wie schon in dem ersten „Bourbon Street“-Buch gefällt auch dieser Band durch die gekonnte Verbindung von Gegenwart und Vergangenheit, von Wirklichkeit und Traum.

Jazzfans dürften von dieser Liebeserklärung an ihre Musik begeistert sein und die anderen hören sich nach einem Besuch auf der „Bourbon Street“ sicher ein Jazzstück mit anderen Ohren an.

Philippe Charlot (Autor)/Alexis Chabert (Zeichner): Bourbon Street: Abschiedstournee (Band 2)

(übersetzt von Horst Berner)

Ehapa Comic Collection, 2012

48 Seiten

13,99 Euro

Originalausgabe

Bourbon Street: Tome 2 – Tournée d’adieu

Bamboo Édition, 2012

Hinweis

Meine Besprechung von Philippe Charlot/Alexis Chaberts „Bourbon Street: Die Geister des Cornelius“ (Bourbon Street: Tome 1 – Les Fantômes de Cornelius, 2011)

Johns - Frank - Batman Erde Eins - 2

In „Batman: Erde Eins“ erzählen Geoff Johns und Gary Frank mal wieder – und wie der Zusatztitel „Erde Eins“ erahnen lässt, in einer neuen Serie außerhalb der Kontinuität der bestehenden „Batman“-Serie – den bekannten Werdegang von Bruce Wayne zu Batman: in einer Gasse werden seine Eltern ermordet, er hat Schuldgefühle, er wird von Butler Alfred erzogen, er will sich an den Bösewichtern rächen, er kämpft gegen den Pinguin. Das ist alles bekannt und es ist schon erstaunlich, wie gespannt man dann doch dieser bekannten Geschichte folgt, sich über die kleinen Variationen freut und man am Schluss das Buch zufrieden zuklappt und sagt: Gut gemacht.

Geoff Johns (Autor)/Gary Frank (Zeichner): Batman: Erde eins

(übersetzt von Steve Kups)

Panini, 2012

140 Seiten

16,95 Euro

Originalausgabe

Batman: Earth One

DC Comics, 2012

Hinweise

Homepage von Geoff Jones

DC Comics über „Batman: Earth One“

Azzarello - Wonder Woman 1 - Blut

Wie bekannt gab es Ende 2011 im DC-Comic-Universum einen umfassenden Neustart, in dem alle Serien und Charaktere quasi auf Null gestellt wurden, die Charaktere mehr oder weniger neu definiert werden und irgendwie die vielen, vielen Serien miteinander neue Verbindungen eingehen sollen.

Während der wahre Fan sich natürlich blind alle Serien besorgt, wählen wir fast willkürlich zwei aus: nämlich „Wonder Woman“ von „100 Bullets“-Erfinder Brian Azzarello und „Swamp Thing“ von „American Vampire“-Erfinder Scott Snyder und genießen deren gelungene Neuinterpretationen.

Wobei das besonders bei Brian Azzarello überrascht. Denn anstatt in düsteren Noir-Phantasien zu baden, erzählt er in „Wonder Woman: Blut“ ein herrlich durchgeknalltes Fantasy-Abenteuer mit einer kampfesstarken Heldin in äußerst knapper Bekleidung. Wonder Woman Diana will herausfinden, welches Geheimnis ihre Mutter Hippolyta, die Königin der Amazonen vor ihr bewahrt. Und dann mischen sich auch noch die griechischen Götter ein.

Brian Azzarello (Autor)/Cliff Chiang (Zeichner)/Tony Akins (Zeichner): Wonder Woman: Blut (Band 1)

(übersetzt von Steve Kups)

Panini, 2012

140 Seiten

16,95 Euro

Originalausgabe/enthält

Wonder Woman 1: The Visitation (Die Heimsuchung, November 2011)

Wonder Woman 2: Home (Zu Hause, Dezember 2011)

Wonder Woman 3: Clay (Lehm, Januar 2012)

Wonder Woman 4: Blood (Blut, Februar 2012)

Wonder Woman 5: Lourdes (Wallfahrt, März 2012)

Wonder Woman 6: Thrones (Herrscher, April 2012)

Hinweise

DC Comics über Wonder Woman

Wikipedia über Wonder Woman (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “Jonny Double” (Jonny Double, 2002)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Marcello Frusins “Loveless 1 – Blutrache” (Loveless: A Kin’ of Homecoming, 2006)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Marcello Frusins „Loveless 2 – Begraben in Blackwater“ (Loveless: Thicker than Blackwater, 2007)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Danijel Zezeljs „Loveless 3 – Saat der Vergeltung” (Loveless: Blackwater Falls, 2008)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Danijel Zezeljs “Loveless 4 – Stunde der Abrechnung” (Loveless, Vol. 19 – 24, 2008)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “100 Bullets 3 – Alle guten Dinge” (100 Bullets: Hang up on the Hang Low, 2001)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets 5 – Du sollst nicht töten“ (100 Bullets Vol. 5: The Counterfifth Detective, 2002)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets – Dekadent (Band 10)“ (100 Bullets: Decayed, Volume 68 – 75)

Meine Besprechung von Brian Azzarellos/Eduardo Rissos „!00 Bullets: Das Einmaleins der Macht (Band 11)“ (100 Bullets: Once upon a crime, Volume 76 – 83)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets: Das dreckige Dutzend (Band 12)“ (100 Bullets: Dirty, Volume 84 – 88)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets: Freitag (Band 13) (100 Bullets: Wilt, Volume 89 – 100)

Meine Besprechung von Brian Azzarello (Autor)/Eduardo Risso (Zeichner): Batman – Kaputte Stadt, 2012 (Broken City: Part 1 – 5, Conclusio (Batman # 620 – 625), Dezember 2003 – Mai 2004)

Snyder - Swamp Thing 1

Während Wonder Woman die Tochter einer Königin ist, die, so die Legende, in einer mondlosen Nacht aus Lehm geformt wurde, ist Swamp Thing der Botaniker Dr. Alec Holland, der nach einer Explosion in seinem Labor starb und sechs Wochen vor dem Beginn von „Swamp Thing: Die Auferstehung der Toten“ im Sumpf wiedererwachte und jetzt als Bauarbeiter, der die Schreie der Pflanzen hören kann, arbeitet. Er will nur seine Ruhe haben. Auch als er erfährt, dass ein Wesen, das die Fäulnis und der Zerfall ist, das alles Grün vernichten will und an den unfruchtbarsten Orten der Welt, wo es nur schwaches Grün gibt, nistet und jetzt auch andere Gebiete erobern will, will Alec Holland zunächst nur seine Ruhe haben.

Gut, unter den Superhelden hat Holland eine gewaltige Achillesferse. Denn als Beschützer der Pflanzen benötigt er Pflanzen in seiner Nähe. Wenn es keine gibt, zum Beispiel in der Wüste, verlassen ihn schnell seine Kräfte. Aber dafür hat er mehr ökologisches Bewusstsein als eine halbe Umweltschutzbewegung und die Geschichte von seinem Konflikt zwischen Wollen und Berufung ist von Scott Snyder spannend erzählt.

Mal sehen, wie die Abenteuer von Wonder Woman und Swamp Thing weiter gehen. Der Auftakt ist jedenfalls beide Male gelungen.

Scott Snyder (Autor)/Yanick Paquette (Zeichner): Swamp Thing: Die Auferstehung der Toten (Band 1)

(übersetzt von Josef Rother)

Panini, 2012

156 Seiten

16,95 Euro

Originalausgabe/enthält

Swamp Thing 1: Raise Dem Bones (Die Auferstehung der Toten, November 2011)

Swamp Thing 2: When it Coms a Knockin (Das Klopfen an der Tür, Dezember 2011)

Swamp Thing 3: Come Hither, Child (Komm zu mir, Kind, Januar 2012)

Swamp Thing 4: Desert Five O’clock (Die Wunderblume, Februar 2012)

Swamp Thing 5: Dead Meat (Totes Fleisch, März 2012)

Swamp Thing 6: The Black Queen (Die schwarze Dame, April 2012)

Swamp Thing 7: Swamp Thing (Swamp Thing, Mai 2012)

Hinweise

DC Comics über Swamp Thing

Wikipedia über Swamp Thing (deutsch, englisch)

David B - Tanquerelle - Die falschen Gesichter - 2

Genug Superheldentum. Wenden wir uns wieder normalen Menschen und ihren normalen Problemen zu: nämlich dem lieben Geld. In der von Autor David B. und Zeichner Hervé Tanquerelle erzählten, von wahren Ereignissen inspirierten Geschichte „Die falschen Gesichter“ besorgen die Protagonisten sich das Geld mit Banküberfällen. Als Tarnung maskieren die Jungs aus dem Pariser Viertel Belleville sich mit falschen Bärten und Perücken. Über viele Jahre können sie der Polizei entkommen, werden von der Öffentlichkeit wegen ihres unblutigen Vorgehens und ihrer Chuzpe als Helden gefeiert und sie finden Nachahmer, die deutlich weniger zimperlich vorgehen. Als die Polizei ihre Kräfte konzentriert und sie nach einem Überfall ein Video sicherstellen können, haben sie eine heiße Spur – und die Gang will das berühmte letzte Ding drehen.

Die falschen Gesichter“ spielt im Paris der späten siebziger und frühen achtziger Jahre und David B. und Hervé Tanquerelle gelingt es, die damalige Zeit und die damaligen französischen Kriminalromane und -filme wieder auferstehen zu lassen und man wünscht sich eine Verfilmung. Denn auch wenn Jean-Pierre Melville, Jose Giovanni, Robert Enrico, Yves Montand und Lino Ventura nicht mehr unter uns weilen und Alain Delon, Jean-Paul Belmondo und Gérard Depardieu sich heute in anderen Sphären bewegen, liest sich die Geschichte wie ein nie entstandener Film mit ihnen, der noch einmal die großen Mythen von Polizisten und Verbrechern, geerdet in einem bestimmten Milieu und einem Stadtviertel, beschwört.

David B. & Hervé Tanquerelle: Die falschen Gesichter

(übersetzt von Uli Pröfrock)

avant-verlag, 2012

152 Seiten

19,95 Euro

Originalausgabe

Les faux visages – Une vie imaginaire du Gang des Postiches

Futuropolis, Paris 2012

Hinweise

Wikipedia über David B.(deutsch, französisch) und Hervé Tanquerelle

Blog von Hervé Tanquerelle


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