TV-Tipp für den 15. Juli: Kamikaze 1989

Juli 15, 2015

Wegen des Todes von Wolf Gremm (26. Februar 1942 – 14. Juli 2014) ändert der RBB sein Programm.

In den letzten Jahrzehnten drehte Gremm, der seit 1977 mit der Filmproduzentin Regina Ziegler verheiratet war, einen vernachlässigbaren TV-Film nach dem nächsten. Dabei waren seine ersten Spielfilme gar nicht so schlecht. Sein erster Film „Ich dachte, ich wäre tot“ (1973), gleichzeitig der erste von Regina Ziegler produzierte Film, erhielt den Bundesfilmpreis. Danach folgten „Tod oder Freiheit“ (1977, eine freie Schiller-Verfilmung), „Fabian“ (1979, eine Erich-Kästner-Verfilmung), „Nach Mitternacht“ (eine Irmgard-Keun-Verfilmung und das Filmdebüt von Désirée Nosbusch) und „Kamikaze 1989“, sein wahrscheinlich immer noch bekanntester Film.

Zu „Nach Mitternacht“ schrieb der Fischer Film Almanach: „Wolf Gremm gehört zu den Regisseuren, die eine funktionierende Filmkultur dringend braucht. Nur bei uns sieht man das nicht so: Da kennt man nur die Künstler und den Dreck. In Hollywood wäre ein Mann wie Gremm hochgeehrt; man würde keine Kunstwerke von ihm verlangen, keine genialen Würfe, aber Fleiß, Hartnäckigkeit, sauberes Handwerk. Und genau das bietet er.“

Vor „Kamikaze 1989“ läuft bereits um 22.15 Uhr sein letzter Film „Ich liebe das Leben trotzdem“, in dem er seinen Tod durch Krebs dokumentierte.

RBB, 23.30

Kamikaze 1989 (Deutschland 1982, Regie: Wolf Gremm)

Drehbuch: Robert Katz, Wolf Gremm

LV: Per Wahlöö: Mord pa 31: a vaningen, 1964 (Mord im 31. Stock)

Was verbirgt sich in dem 31. Stock eines Verlagshochhauses? Kommissar Jansen ermittelt.

Von der damaligen Kritik wurde der Film lauwarm aufgenommen. Nur Fassbinders Darstellung wurde allgemein gelobt. Und er ist in seinem letzten Filmauftritt auch das Zentrum des Films. Um ihn scharen sich etliche Leute aus seinem Clan und weitere bekannte Schauspieler. Und Wolf Gremm vermischte munter alle Stile zu einem postmodernen Deutschland, in dem Intellektuelle nichts mehr zählen.

Aus heutiger Sicht ist „Kamikaze 1989“ einer der wenigen gelungenen bundesdeutschen S-F-Filme und, ungewollt, ein Abgesang auf eine Ära. Wahrscheinlich der beste Film von Wolf Gremm.

„Der letzte Auftritt von Fassbinder als Schauspieler…was Gremms durchdachten und rätselhaften Hybriden noch interessanter macht…stellt der Film eine Übung in einer Mischung von Stilen und genreübergreifender Charakterisierung dar.“ (Phil Hardy: Die Science Fiction Filmenzyklopädie)

Mit Reiner Werner Fassbinder, Günther Kaufmann, Boy Gobert, Arnold Marquis, Richy Müller, Nicole Heesters, Brigitte Mira, Franco Nero, Frank Ripploh, Hans Wyprächtiger

Hinweise

Krimi-Couch über Per Wahlöö

Wikipedia über Per Wahlöö

Die Zeit: Filmbesprechung von Hans-Christoph Blumenberg (16. Juli 1982)

Rotten Tomatoes über „Kamikaze 1989“

Moviepilot über „Kamikaze 1989“

Meine Besprechung von Annekatrin Hendels „Fassbinder“ (Deutschland 2015)

Filmportal über Wolf Gremm

Wikipedia über Wolf Gremm

 

 

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TV-Tipp für den 30. August: Lili Marleen

August 30, 2013

3sat, 22.35

Lili Marleen (D 1980, R.: Rainer Werner Fassbinder)

Drehbuch: Manfred Purzer, Rainer Werner Fassbinder, Joshua Sinclair (Mitarbeit)

LV: Lale Andersen: Der Himmel hat viele Farben

Fassbinders Version von Lale Andersens Leben. Gedreht im UFA-Look, aber mit genug Haken und Ösen, um jede blinde Identifikation zu verhindern.

Mit Hanna Schygulla, Giancarlo Giannini, Mel Ferrer, Karl-Heinz von Hassel, Christine Kaufmann, Hark Bohm, Karin Baal, Udo Kier, Erik Schumann, Gottfried John, Elisabeth Volkmann, Barbara Valentin, Adrian Hoven, Willy Harlander, Franz Buchrieser, Rainer Werner Fassbinder, Brigitte Mira, Irm Hermann, Harry Baer, Milan Boor, Volker Spengler

Hinweise

Rainer-Werner-Fassbinder-Foundation

Wikipedia über Rainer Werner Fassbinder (deutsch, englisch)


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