TV-Tipp für den 15. Februar: Jodorowsky’s Dune

Februar 14, 2019

Arte, 21.45

Jodorowsky’s Dune (Jodorowsky’s Dune, Frankreich/USA 2013)

Regie: Frank Pavich

Drehbuch: Frank Pavich

Bevor David Lynch Frank Herberts SF-Saga „Der Wüstenplanet“ (Dune, 1965) verfilmte, sollte Alejandro Jodorowsky das Buch verfilmen. Die Verfilmung zerschlug sich. Die Pläne wurden legendär. Die Doku zeigt, warum Jodorowskys „Dune“ einer der großen nie gedrehten Filme ist. Jedenfalls wenn man sich die Ideen, Pläne und Visionen ansieht und anhört.

Aktuell ist Denis Villeneuve mit einer Verfilmung von „Dune“ beauftragt. Die Dreharbeiten sollen im Frühling beginnen und die Liste der Stars, die mitspielen, wird immer länger. Aktuell sind Timothée Chalamet (als Paul Atreides), Rebecca Ferguson, Josh Brolin, Charlotte Rampling, Javier Bardem, Dave Bautista, Stellan Skarsgård und, zuletzt, Josh Brolin dabei. Mit Zendaya und Oscar Isaac wird verhandelt. Einen Starttermin gibt es noch nicht.

Mit Alejandro Jodorowsky, Amanda Lear, Brontis Jodorowsky, Chris Foss, Christian Vander, Devin Faraci, Drew McWeeny, Gary Kurtz, H. R. Giger, Jean-Paul Gibon, Jean-Pierre Vignau, Michel Seydoux, Nicolas Winding Refn, Richard Stanley

Hinweise

Arte über die Doku (in der Mediathek bis zum 16. März)

Rotten Tomatoes über „Jodorowsky’s Dune“

Wikipedia über „Jodorowsky’s Dune“

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Neu im Kino/Filmkritik: „Endless Poetry“ von und mit Alejandro Jodorowsky als alter und junger Mann

Juli 19, 2018

Das ist eine in jeder Beziehung erfreuliche Überraschung. Denn Alejandro Jodorowskys neuer Film „Endless Poetry“ feierte bereits 2016 in Cannes seine Premiere. Danach tourte er über die Festivals, wie das Filmfest München. Über eine deutsche Veröffentlichung war nichts zu hören. Dabei ist Jodorowsky kein Unbekannter. Sein weltweiter Durchbruch und größter Erfolg war 1970 der abgedrehte Western „El Topo“. 1973 folgte „Montana Sacra – Der heilige Berg“. Ein Fantasy-Film, der vor allem ein einziger psychedelischer Trip ist. Von einer auch nur irgendwie nachvollziehbaren Geschichte sprach da schon lange niemand mehr. Aber durch die vorherige Einnahme bewusstseinserweiternder Drogen war der Film damals im Kino sicher ein großer und dann auch sehr nachvollziehbarer Spaß. Weitere Filmprojekte folgten in großem Abstand . Andere zerschlugen sich. Legendär sind seine Vorarbeiten für eine Verfilmung von Frank Herberts „Der Wüstenplanet“. David Lynch verfilmte den Film dann als brave Auftragsarbeit. Alejandro Jodorowsky wurde derweil zum Comickünstler.

2013 präsentierte er in Cannes „The Dance of Reality“ (La Danza de la Realidad). Der Film ist der Auftakt zu einer autobiographischen Trilogie. In Deutschland wurde der Film nicht verliehen und auch nicht anderweitig veröffentlicht.

Endless Poetry“ ist der zweite Film der Trilogie, in der Jodorowsky sein Leben Revue passieren lässt. Mit aus dem ersten Film bekannten Schauspielern und vielen Familienmitgliedern vor und hinter der Kamera.

In „Endless Poetry“ entdeckt der am 17. Februar 1929 in Tocopilla, Chile, geborene Alejandro Jodorowsky schon als Kind seine Liebe zur Poesie. Er will sogar Dichter werden. Sein Vater, ein cholerischer und gewalttätiger Kaufmann lehnt das entschieden ab. Poesie sei etwas für Schwuchteln. Sein Sohn soll einmal das Familiengeschäft übernehmen. Aber Alejandro will einen anderen Weg gehen. Beginnend mit einigen Episoden aus Alejandros Kindheit und Jugend erzählt Alejandro Jodorowsky von seinem Eintauchen in die vibrierende Kunstszene von Santiago de Chile in den vierziger und fünfziger Jahren.

Endless Poetry“ ist ein farbiger, fantasievoller Bilderbogen voll surrealer Episoden, die als Erinnerungen immer subjektiv sind. Jodorowsky kümmert sich überhaupt nicht um die Frage, wie sehr diese und viele andere Episoden sich wirklich so zugetragen haben oder zugetragen haben könnten. Es geht um poetische Wahrheit. Und die ist hier immer vorhanden. Wenn der Faschismus sein autoritäres und kunstfeindliches Haupt erhebt, wenn Alejandros Mutter immer singt und er sich in die äußerst trinkfeste und schlagkräftige Dichterin Stella Díaz Varín verliebt, dann ist das näher bei Federico Fellini als bei einem handelsüblich-biederen Biopic. Jodorowsky erzählt hier Episoden aus den Jahren, in denen er als junger Mann die Welt der Kunst und die mit ihr verbundenen Freiheiten entdeckt. Es sind Jahre in denen, ohne an den nächsten Tag zu denken, alles möglich ist und alles ausprobiert wird: vom Sex über künstlerische Interventionen bei Veranstaltungen bis hin zum geraden Marsch durch die Stadt.

Und wenn der junge Alejandro an seinem Weg als Poet zweifelt, dann tritt der alte Alejandro Jodorowsky auf und gibt ihm kluge Ratschläge: „Das Leben hat keine Bedeutung, du musst es leben! Lebe! Lebe! Lebe!“

Der gesamte überaus zugängliche und lebensbejahende Film spielt im Kosmos verschiedener damals avantgardistischer Kunstbewegungen, die dann auch alle auf den Film und die einzelnen Episoden angewandt werden. Es ist ein herzerwärmender Surrealismus, dessen farbenprächtige Bilder auf die große Leinwand gehören.

Endless Poetry“ ist das Werk eines souveränen Künstlers, der als alter Mann altersweise auf sein Leben zurückblickt und der, das sieht man in jedem Bild des Films, im Herzen jung geblieben ist. Er ist immer noch voller Neugierde, Entdeckerfreude und überbordender Improvisationslust, die Budgetbeschränkungen als Herausforderungen ansieht und richtig altmodisches Kino macht, das problemlos auf am Computer erzeugte Bilder verzichten kann. Dafür werden Kulissen verschoben oder über die Straße geschoben.

1953, und damit endet „Endless Poetry“, verlässt Alejandro das immer autoritärer werdende Chile. Er geht nach Paris und der abschließende Teil von Jodorowskys Erinnerungs-Trilogie dürfte dann dort spielen.

Bis dahin ist „Endless Poetry“ der zugänglichste Einstieg in Jodorowskys surrealen Kosmos und auch einer der schönsten Filme des Sommers.

Endless Poetry (Poesía sin fin, Frankreich/Chile 2016)

Regie: Alejandro Jodorowsky

Drehbuch: Alejandro Jodorowsky

mit Adan Jodorowsky, Pamela Flores, Brontis Jodorowsky, Leandro Taub, Alejandro Jodorowsky, Jeremias Herskovits, Julia Avedaño, Bastián Bodenhöfer, Carolyn Carson, Adonis (ein echter Familienfilm)

Länge: 128 Minuten

FSK: ?

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Endless Poetry“

Metacritic über „Endless Poetry“

Rotten Tomatoes über „Endless Poetry“

Wikipedia über „Endless Poetry“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Alejandro Jodorowskys „Die Söhne von El Topo: Kain (Band 1)“ (2017)


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