Neu im Kino/Filmkritik: Nicole Kidman, „Der verlorene Sohn“, „Mein Bester & Ich“

Februar 22, 2019

Es scheint, als habe Nicole Kidman ihrem Agenten gesagt, sie wolle in ihren nächsten Filmen möglichst unterschiedliche Rollen haben und so ihr Können zeigen. Anders ist ihre aktuelle Rollenauswahl kaum zu erklären. Im Dezember war sie in dem quietschbunten DC-Superheldenepos „Aquaman“ eine Meeresgöttin. Demnächst ist sie in dem zwiespältigen harten Polizeithriller „Destroyer“ (Kinostart 14. März, Besprechung folgt) eine süchtige Polizistin. In den in der Gegenwart spielenden Teilen ist sie kaum erkennbar. Und in den beiden Filmen mit ihr, die heute im Kino anlaufen, ist sie einmal eine aufgedonnerte Südstaaten-Mutter, einmal eine verhuschte Sekretärin.

Die verhuschte Sekretärin spielt sie in „Mein Bester & Ich“. Ihr stinkreicher Chef ist nach einem Sportunfall fast vollständig gelähmt. Jetzt benötigt er einen neuen Pfleger und, weil er gerade an Suizid denkt, nimmt er sich von allen Pflegern, die sich bei ihm um die Stelle bewerben, die Person, die am allerwenigsten für den Job geeignet ist und die beim Vorstellungsgespräch auch offensiv sagt, dass sie die Arbeit überhaupt nicht haben wolle.

Und wer jetzt denkt, dass ihn das an „Ziemlich beste Freunde“ erinnere, liegt richtig. „Mein Bester & Ich“ ist das US-Remake der Geschichte.

Olivier Nakache und Éric Toledanos Film ist von 2011 und die wahre Geschichte ereignete sich in den neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts. 2001 veröffentlichte Philippe Pozzo di Borgo seine Autobiographie „Le Second souffle“ in der er über seinen Gleitschirmunfall, die Folgen und seine Freundschaft zu seinem Pflegehelfer Abdel Yasmin Sellou schrieb. Es ist eine Geschichte, die wegen ihrer Gegensätze – arm und reich, schwarz und weiß – und ihrem Ende – aus dem Pfleger und seinem Patienten werden Freunde – förmlich nach einer Verfilmung schreit.

Aber während Nakache und Toledanos im unglaublich erfolgreichen Original die Geschichte als lockere Komödie inszenierten, inszenierte Neil Burger sie als Drama. Das ist, nachdem die ersten Minuten der US-Version die französische Vorlage fast 1-zu-1 schlecht nachstellten, ein deutlich anderer Tonfall. Daran ändern auch die später eingestreuten wenigen und in jeder Beziehung sehr deplatzierten Witzversuche nichts.

Die in der Gegenwart spielende Geschichte selbst folgt dagegen fast sklavisch dem Original. Die Kleinigkeiten, die geändert wurden, verändern nichts wesentliches. Ob einem jetzt diese oder jene Lösung besser gefällt, ist letztendlich Geschmacksache. Wobei die von Nicole Kidman gespielte Hausdame und damit auch persönliche Sekretärin des gelähmten Milliardärs hier deutlich konservativer als im Original ist.

Bryan Cranston ist als Gelähmter gewohnt überzeugend. Nicole Kidman blass bis zum gehtnichtmehr. Sie hat zwar einen guten Uniabschluss, aber sie ist so schüchtern, dass sie am liebsten mit der Tapete verschmelzen würde. Kevin Hart, der sonst für kindlich-vulgären Klamauk zuständig ist, bemüht sich hier als Pfleger um eine schauspielerische Leistung. Gegenüber Omar Sy, der im Original den Pfleger als einen breit grinsenden Sunnyboy mit Jean-Paul-Belmondo-Charisma spielte, ist Hart allerdings nur ein latent schlechte Stimmung verbreitender Stinkstiefel.

Wie bei den meisten US-Remakes von erfolgreichen Nicht-US-Filmen gilt auch hier die altbekannte Regel: Wer das Original bereits kennt, kann das US-Remake getrost ignorieren. „Mein Bester & Ich“ ist keine Neuinterpretation, sondern eine Nacherzählung von „Ziemlich beste Freunde“ in einem anderen Tonfall.

Neil Burgers Feelgood-Drama hatte seine Premiere 2017 beim Toronto International Film Festival. Die Weinstein Company wollte den Film in den USA verleihen. Mit dem allseits bekannten Weinstein-Skandal und der damit verbundenen Insolvenz der Firma zerschlugen sich diese Pläne. In den USA lief der Film, jetzt verliehen von STX Entertainment und Lantern Entertainment, im Januar an.

 

Auch der zweite Film mit Nicole Kidman, der heute anläuft, beruht auf einer wahren Geschichte, ist ein kleiner Film und sie spielt eine Nebenrolle. In „Der verlorene Sohn“ spielt sie die in schönster Südstaaten-Tradtion aufgedonnerte Mutter von Jared Eamons (Lucas Hedges, wieder als Junge mit Problemen). Ihr Mann Marshall (Russell Crowe) ist Autohändler und Baptistenprediger. Entsprechend textgetreu bibelnah gefestigt sind seine Moralvorstellung. Auch zur Homosexualität.

Als der neunzehnjährige Jared seinen Eltern seine Homosexualität gesteht, gibt es für Marshall nur eine Lösung: Jared wird in eine von Victor Sykes (Joel Edgerton) für Love in Action durchgeführte Reparativtherapie (auch bekannt als Konversionstherapie) gesteckt.

Diese findet über zwölf Tage in einer von außen, wie ein Gefängnis, hermetisch abgeschlossenen Einrichtung statt. In ihr führen der sich wie ein Guru benehmende Sykes und seine Untergebenen ein strenges und streng religiöses Regiment. Jared darf zwar, wie die anderen Teilnehmer, in den Nächten zurück zu seiner Mutter ins Hotel. Aber er darf mit ihr nicht über seine Erlebnisse in der Einrichtung sprechen. Er darf auch nicht mit anderen Teilnehmern darüber sprechen.

Durchgeführt werden diese Therapien meist von Vertretern der überwiegend evangelikal geprägten Ex-Gay-Bewegung. Ziel der Therapie ist es, den Homosexuellen von seinen homosexuellen Neigungen zu heilen. Denn Homosexualität sei eine sehr schlimme Krankheit, die geheilt werden könne.

Das ist unwissenschaftlicher und gefährlicher Humbug, der inzwischen von allen führenden internationalen psychiatrischen und psychologischen Fachgesellschaften und dem Weltärztebund abgelehnt wird. Depressionen, Angstzustände und selbstzerstörerisches Verhalten wurde bei LGBTQ-Jugendlichen nach einer Reparativtherapie beobachtet. Anstatt einer Heilung wurde das Gegenteil erreicht und die Schuldgefühle und Selbstzweifel der Jugendlichen verstärkt. Eine richtige Therapie will und muss das Gegenteil erreichen.

In den USA ist die Reparativtherapie in vierzehn Staaten (vor allem an der Ost- und Westküste) und in Washington, D. C., verboten. In Deutschland hat Gesundheitsminister Jens Spahn kürzlich einen Gesetzentwurf zum gesetzlichen Verbot von Reparativtherapien angekündigt.

In seinem zweiten Spielfilm zeichnet Joel Edgerton, der auch das Drehbuch schrieb und die Rolle des Therapieleiters Sykes übernahm, sehr genau und detailliert die Therapie und ihre Probleme nach. Denn es geht nicht um eine Heilung (auch wenn das von den evangelikalen Verfechtern behauptet wird), sondern um Gehirnwäsche und Psychofolter. Und es ist erschreckend, dass diese Humbug-Therapie heute immer noch angewandt wird.

Allerdings ist der gesamte Film zu dröge inszeniert und die Charaktere und ihre Dynamik zu flach, um wirklich zu begeistern. „Der verlorene Sohn“ wirkt dann eher wie ein mild dramatisierter Lehrfilm und nicht wie ein packendes Drama über die Rettung einer verlorenen Seele. Es geht vor allem um einen gläubigen Jungen, der versucht herauszufinden, wer er ist und, in zweiter Linie, eine gläubige Mutter, die sich, als sie sieht, wie ihr Sohn auf die Therapie reagiert, zwischen ihrem Mann und ihrem Sohn entscheiden muss. Nicole Kidman hat zwar nur eine Nebenrolle, aber es ist eine wichtige und sehr eindrücklich gespielte Nebenrolle.

Die Vorlage für die Filmgeschichte war die autobiografische Erzählung „Boy erased“ von Garrard Conley, der 2004 bei „Love in Action“ eine solche Therapie erlebte. Nach der Veröffentlichung wurde er zu einem der Sprecher der LGBTQ-Bewegung gegen die Reparativtherapie.

Am Ende überzeugt „Der verlorene Sohn“ vor allem wegen seinem Anliegen als gut gemachter und gespielter Aufklärungsfilm.

Das sieht auch Regisseur Edgerton so: „Wenn wir unsere Arbeit mit dem Film richtig machen, haben wir die Chance, eine größere Diskussion über ein Thema anzustoßen, das Aufmerksamkeit bedarf. Die Reparativtherapie im Allgemeinen existiert in vielen verschiedenen Varianten, in hundert verschiedenen Ländern. Es wird auf verschiedene Weise ständig wiederholt. Einige davon basieren auf Religion, andere nicht. Einige werden mit Psychotherapie kombiniert. Doch eines haben sie alle gemeinsam: Reparativtherapie richtet unglaublich großen Schaden an.“

Mein Bester & Ich (The Upside, USA 2017)

Regie: Neil Burger

Drehbuch: Jon Hartmere (nach dem Drehbuch „Intouchables“ von Olivier Nakache und Éric Toledano)

mit Kevin Hart, Bryan Cranston, Nicole Kidman, Golshifteh Farahani, Julianna Margulies, Aja Naomi King, Suzanne Savoy

Länge: 126 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

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Wikipedia über „Mein Bester & Ich“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood vergleicht die Fakten mit der Fiktion

Der verlorene Sohn (Boy Erased, USA 2018)

Regie: Joel Edgerton

Drehbuch: Joel Edgerton

LV: Garrard Conley: Boy Erased: A Memoir of Identity, Faith, and Family, 2016 (Boy Erased. Autobiografische Erzählung)

mit Lucas Hedges, Joel Edgerton, Nicole Kidman, Russell Crowe, Joe Alwyn, Flea, Britton Sear, Xavier Dolan, David Craig, Troye Sivan

Länge: 115 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

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Neu im Kino/Filmkritik: Wes Anderson besucht die „Isle of Dogs – Ataris Reise“ wird erzählt

Mai 11, 2018

Beginnen wir gleich mit dem größten Problem von „Isle of Dogs – Ataris Reise“: die Synchronisation. Im Original verleihen Hollywoodstars Hunden und Menschen ihre Stimme. Bei uns sind es dann deutlich unbekanntere Synchronsprecher.

Die meisten Zuschauer werden sich, im Gegensatz zu den Cineasten und „ich will jeden Film von xyz sehen“-Fans, daran nicht stören. Sie kennen eh nur die Synchronstimmen von Scarlett Johansson und Greta Gerwig. Und die Fans von Originalfassungen, zu denen ich gehöre, sind eine überschaubare Minderheit. Sogar im CineStar im Berliner Sony Center, das nur Originalfassungen zeigt, wird man an der Kasse immer gefragt, ob man die Originalfassung sehen möchte.

Damit ist, ehrlich betrachtet, die Synchronisation und das damit verbundene Verschwinden der Starpower, etwas zwischen Schein- und Luxusproblem. Der Reiz der Bilder bleibt in dem witzigen Stop-Motion-Film in jeder Fassung erhalten.

Stop-Motion ist eine altbewährte Filmtechnik, die auch sehr aufwendig ist. Zuerst werden dreidimensionale Objekte, in diesem Fall Hunde und Menschen, gefertigt. Diese werden für jede Aufnahme minimal bewegt. Erst wenn man die so entstandenen Aufnahmen schnell zeigt, entsteht der Eindruck von Bewegung. Weil „Isle of Dogs“-Regisseur Wes Anderson statt der normalen 24 Bilder pro Sekunde eine Vorliebe für 12 Einzelbilder pro Sekunde hat, mussten für den Film nur 130.000 handgefertigte Standbilder angefertigt werden. Die Bewegungen erscheinen so etwas abgehackter als normal. Am Arbeitstempo änderte sich dadurch wenig. Täglich konnten nur wenige Sekunden Film entstehen. Insgesamt dauerte die Produktion des Films fast zwei Jahre. Und davor wurde das Drehbuch geschrieben und in einem Storyboard die einzelnen Einstellungen festgelegt. „Isle of Dogs“ ist daher kein Film, in dem mal schnell etwas improvisiert wurde.

Stop-Motion-Szenen hat jeder schon gesehen. Meistens in Science-Fiction- und Fantasy-Filmen. In „King Kong und die weiße Frau“ und den „Krieg der Sterne“-Filmen wurde die Technik für einige Szenen verwandt. Ray Harryhausen war ein Meister dieser Technik. Seine Arbeit kann in „Sindbads 7. Reise“, „Jason und die Argonauten“, „Eine Million Jahre vor unserer Zeit“ und „Kampf der Titanen“ bewundert werden. In den letzten Jahren inszenierten Tim Burton („Nightmare before Christmas“ [Regie: Henry Selick], „Corpse Bride – Hochzeit mit einer Leiche“ und „Frankenweenie“) und, für Erwachsene, Charlie Kaufman („Anomalisa“) Stop-Motion-Kinofilme. Mit „Der fantastische Mr. Fox“ inszenierte Wes Anderson bereits einen Stop-Motion-Animationsfilm.

In seinem neunten Spielfilm „Isle of Dogs – Ataris Reise“ erzählt Anderson die Geschichte von Atari Kobayashi (Koyu Rankin). Er ist der zwölfjährige Pflegesohn des autoritären Bürgermeisters von Megasaki City. Aufgrund einer grassierenden Hundegrippe werden alle Hunde aus der Stadt nach Trash Island verbannt. Die Insel, eigentlich eine Müllkippe, liegt in Sichtweite von Megasaki City.

Eines Tages wird Spots, der Wachhund von Atari, nach Trash Island deportiert.

Atari will seinen Freund retten. Er klaut ein Flugzeug, legt auf der Insel eine ordentliche Bruchlandung hin und will auf der riesigen Insel seinen besten Freund finden. Das ist eine ziemlich hoffnungslose Aufgabe, bis eine kleine Hundegruppe – bestehend aus Rex (Edward Norton), Boss (Bill Murray), King (Bob Balaban), Duke (Jeff Goldblum) und Chief (Bryan Cranston) – beschließt, dem Jungen zu helfen. Immerhin ist es das, was Hunde tun.

In diesem Moment sind wir schon mitten drin in einem Abenteuer, das Kindern und Erwachsenen gefallen dürfte. Für Kinder gibt es eine Geschichte über die Suche nach einem Hund, Freundschaft und den Kampf gegen einen Bösewicht. Denn die Hundegrippe wurde von Menschen verursacht. Genauso wie die Ausgrenzung und Deportation der einstmals geliebten Haustiere in den sicheren Tod. Denn auf Trash Island gibt es keine Nahrung. Anderson erzählt die Abenteuer von Atari und seinen Hundefreunden, mit vielen sehr vergnüglichen Um- und Abwegen, detailfreudig, voller Humor, Slapstick und Situationskomik.

Erwachsene und Cineasten werden in diesen Momenten auch etliche lässig eingestreute Anspielungen und Zitate erkennen. Stilistisch ist „Isle of Dogs“ unverkennbar inspiriert vom japanischen Film, vor allem von Akira Kurosawa („Die sieben Samurai“), und der japanische Kultur. Im Film wird auch ziemlich viel japanisch gesprochen. Anderson erzählt die Geschichte aus der Sicht der Hunde, die sich natürlich untereinander blendend verstehen. Sie sprechen daher, im Original, englisch. Japanisch verstehen die Hunde nicht. Deshalb gibt es, wenn Menschen japanisch sprechen, auch keine Untertitel. Wenn es wirklich wichtig ist, übersetzt eine Dolmetscherin (Frances McDormand im Original) ins Englische. Das ist nötig, weil eine junge US-Austauschstudentin, Hundefreundin und Journalistin eine gewaltige Verschwörung gegen die Hunde wittert.

Diese Verschwörung gegen die Hunde, ihre Ausgrenzung und die Pläne für ihre Vernichtung können mühelos als warnender Kommentar zum aktuellen politischen Geschehen gelesen werden. Dabei hat Wes Anderson den Film schon 2015 ankündigt und die Produktion begann 2016. Seine Premiere hatte er auf der diesjährigen Berlinale. Dort erhielt Anderson den Silbernen Bären als bester Regisseur.

Isle of Dogs – Ataris Reise (Isle of Dogs, USA 2018)

Regie: Wes Anderson

Drehbuch: Wes Anderson (nach einer Geschichte von Wes Anderson, Roman Coppola, Jason Schwartzmann und Kunichi Nomura)

mit (im Original den Stimmen von) Liev Schreiber, Edward Norton, Bill Murray, Bob Balaban, Jeff Goldblum, Bryan Cranston, Scarlett Johansson, F. Murray Abraham, Tilda Swinton, Harvey Keitel, Ken Watanabe, Koyu Rankin, Kunichi Nomura, Akira Takayama, Greta Gerwig, Akaira Ito, Yoko Ono, Frances McDormand, Nijiro Murakami, Mari Natsuki, Yojiro Nada, Frank Wood, Courtney B. Vance (Wuff, ein All-Star-Voice-Film)

Länge: 102 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

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Rotten Tomatoes über „Isle of Dogs“

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Berlinale über „Isle of Dogs“

Meine Besprechung von Wes Andersons „The Grand Budapest Hotel“ (The Grand Budapest Hotel, USA/Deutschland 2014)

Q&A bei der Film Society of Lincoln Center

 


Neu im Kino/Filmkritik: „The Disaster Artist“ erzählt die Geschichte eines schlechten Films

Februar 1, 2018

Wer sich regelmäßig auf US-Kinoseiten herumtreibt, hat schon von Tommy Wiseaus Film „The Room“ gehört. Das Werk wurde zum Kinostart 2003 von den Kritikern einhellig verrissen und war hundertfünfzigprozentiges Kassengift. Im Gegensatz zu vielen anderen schlechten Filmen, die schnell vergessen werden, hat „The Room“, dank der Mundpropaganda, seitdem ein langes Leben in Mitternachtsvorstellungen. Noch heute läuft er regelmäßig in den USA in Kinos und die Macher werden zu Kinotouren eingeladen. Das scheint dann ein kollektives Bad-Taste-Erlebnis zu sein.

In Deutschland haben wir, weil „The Room“ nie bei uns veröffentlicht wurde, davon nichts mitbekommen.

Bis jetzt.

Denn mit James Francos „The Disaster Artist“ erfahren wir, wie „The Room“ entstand.

Die Geschichte beginnt 1998 in San Francisco. Bei einem Theaterworkshop lernen sich der neunzehnjährige Greg Sestero und der deutlich ältere Tommy Wiseau kennen. Wiseau schockiert mit einer rohen Performance die anderen Kursteilnehmer. Sestero ist begeistert über diesen ungefilterten Gefühlsausbruch des Einzelgängers. Sie befreunden sich und ziehen gemeinsam nach Los Angeles, um dort eine Schauspielerkariere zu beginnen. Sestero kann in Wiseaus großer Wohnung in West Hollywood leben.

Als sie nach Jahren vergeblicher Vorsprechtermine immer noch auf den Durchbruch warten – wobei Sestero öfter Vorsprechtermine hat und ihm jeder rät, seine Beziehung zu dem sinisteren Wiseau zu beenden – schlägt Wiseau Sestero vor, gemeinsam einen Film zu drehen. Das Geld habe er.

Nach einem Drehbuch von Wiseau beginnen sie, mit Wiseau als Produzent, Regisseur und Hauptdarsteller, mit den Dreharbeiten zu „The Room“; einem auf dem Papier kleinen Film, der schnell dank Wiseaus Wesen – er hat keine Ahnung, er ist von sich selbst überzeugt, er ist unbelehrbar, er ist egozentrisch und ängstlich – für alle Beteiligten zu einem, immerhin bezahlten Höllentrip wird, der nichts, aber auch überhaupt nichts mit einem auch nur halbwegs professionellem Dreh zu tun hat.

James Franco erzählt diese Geschichte mit sich als Wiseau als Kömodie mit ernsten Zwischentönen aus und über Hollywood und über eine Freundschaft. Mit seinem Bruder Dave Franco als Sestero und vielen bekannten Schauspielern in oft kleinen Rollen. Einige treten nur am Anfang auf und geben die aus Dokumentarfilmen bekannten Eingangsstatements ab, in denen sie erzählen, wie beeindruckend das Werk ist.

Diese Herangehensweise behält James Franco bei. Er inszenierte „The Disaster Artist“ wie eine „Making of“-Doku, die Jahre nach dem ursprünglichen Film angefertigt wurde und daher einen halbwegs objektiven, aber immer positiven Blick auf den Film hat. Das ist informativ, aber auch etwas oberflächlich – und, vor allem bei den Dreharbeiten für „The Room“, witzig.

Wie Tim Burtons „Ed Wood“ ist James Francos „The Disaster Artist“ eine Liebeserklärung an den Enthusiasmus eines Machers, der sich durch Widerstände nicht beirren lässt und an sein Werk glaubt. Wobei Tommy Wiseau schon ein sehr spezieller Charakter ist, der über das (aus unklarer Quelle kommende) Geld, aber nicht über das Talent verfügt. Offiziell soll „The Room“ sechs Millionen Dollar gekostet haben, wel Wiseau einfach das Geld zum Fenster herauswarf.

Francos Film hat, zum Vergleich, zehn Millionen Dollar gekostet und jeder Cent wurde klug investiert.

Obwohl Franco viel über die Dreharbeiten und die Freundschaft zwischen Sestero und Wiseau erzählt, bleibt unklar, warum Greg Sestero Tommy Wiseau so sehr bewundert. Damals und heute immer noch. Aber echte Freundschaften sind auch immer, wie eine Liebe, etwas unerklärlich. Denn Wiseau als Alice-Cooper-Lookalike mit starkem Akzent (Uh, wie der wohl synchronisiert wurde?) und einem Benehmen, das ihn als missratenen Nachfahren eines osteuropäischen Vampirgeschlechts ausweist (obwohl Wiseau, was sich schnell zu einem Running Gag entwickelt, behauptet, aus New Orleans zu kommen), ist wirklich der unwahrscheinlichste Typ, den man sich am Beginn seiner Karriere zum Freund aussucht. Allerdings, und das wird am Anfang von „The Disaster Artist“ gezeigt, legt Wiseau im Theaterworkshop einen beeindruckend enthemmten Auftritt hin und er ist die einzige Person, die an Sestero glaubt.

Am Ende des Dramas stellt Franco Szenen aus Tommy Wiseaus „The Room“ und den Re-Enactments in „The Disaster Artist“ gegenüber. Diese Gegenüberstellung zeigt, wie präzise sie die Szenen nachstellten und wie sehr auch Mist, wenn er von guten, engagierten Schauspielern gespielt wird, an Qualität gewinnt.

The Disaster Artist (The Disaster Artist, USA 2017)

Regie: James Franco

Drehbuch: Scott Neustadter, Michael H. Weber

LV: Greg Sestero, Tom Bissell: The Disaster Artist: My Life Inside the Room, the Greatest Bad Movie Ever Made, 2003

mit James Franco, Dave Franco, Seth Rogen, Alison Brie, Art Graynor, Jacki Weaver, Josh Hutcherson, Zac Efron, Bryan Cranston, Sharon Stone, Melanie Griffith, Zoey Deutsch, Kristen Bell, Adam Scott, Zach Braff, J. J. Abrams (teilweise nur Cameos)

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Neu im Kino/Filmkritik: Die „Power Rangers“ retten die Welt vor Rita Repulsa

März 23, 2017

Jason, Kimberly, Billy, Trini und Zack sind fünf Jugendliche in der verschlafenen All-American-Kleinstadt Angel Grove. Teils waren sie schon immer die Außenseiter. Teils haben sie es sich dank unüberlegter Aktionen so in der Schule verscherzt, dass sie jetzt zu den Außenseitern gehören und gemeinsam Nachsitzen müssen.

In einem stillgelegten Bergwerk entdecken sie fünf leuchtende Münzen, die ihnen übermenschliche Kräfte verleihen. Kräfte die sie, wie ihnen Zordon (Bryan Cranston als körperloses Bewusstsein in der Matrix des Raumschiffes) und der Cyborg Alpha 5 (der Sidekick des Films) erklären, zum Wohl der Menschheit einsetzen müssen.

Als erstes müssen sie gegen Rita Repulsa (Elizabeth Banks) kämpfen, die die Erde vernichten will.

Bevor die Power Rangers sich mit ihr kloppen und dabei Angel Grove einer Grundsanierung unterziehen, müssen sie unter der Führung des weißen Jason zu einer schlagkräftigen Truppe werden.

Powers Rangers“ ist der neue Kinofilm mit den bekannten Seriencharakteren, die 1993 bei Fox Kids ihren ersten Auftritt hatten und seitdem, bei verschiedenen Sendern, im Kino, als Game und als Spielzeug, eine wahre Geldquelle für ihren Erfinder Haim Saban sind. Die Kinderserie läuft immer noch im TV. In Deutschland lief die Serie zuerst bei RTL und Super RTL und inzwischen bei Nickelodeon.

Der Kinofilm, der ebenfalls ein jüngeres, eher vorpubertäres Publikum anvisiert, soll jetzt der Auftakt zu einer von der TV-Serie unabhängigen Serie von Kinofilmen sein.

Regisseur Dean Israelite („Project Almanac“) erzählt in seinem zweiten Spielfilm die Origin-Geschichte der Power Rangers recht flott, ohne spürbaren Längen und Überraschungen, aber mit einem humoristischen Unterton, der einem verrät, dass niemand den SF-Trashfilm hundertprozentig ernst nimmt. Besonders Elizabeth Banks hatte erkennbar ihren Spaß als Rita Repulsa. Sie ist eine egomanische Over-the-Top-Bösewichtin, die aus irgendeiner fernen Sagenwelt (oder dem letzten „Flash Gordon“-Film) stammt und die vor allem kleine Kinder als spärlich bekleidete böse Hexe etwas erschrecken will.

Die Power Rangers selbst sind eine bunte Truppe, die keine gesellschaftliche Gruppe vernachlässigt und die sogar – das muss gesagt werden, weil die Macher die Szene in Interviews schon betonen, Malaysia sich (wie schon bei „Die Schöne und das Biest“ [läuft jetzt ungekürzt]) überlegt, wie sie mit dieser Szene umgehen können und man sie leicht überhören kann – eine lesbische Superheldin haben. Das ist für einen Major-Superheldenfilm eine Sensation, die sich darin äußert, dass bei einem Lagerfeuergespräch Yellow Ranger Trini gefragt wird, ob sie nicht „boyfriend problems“ sondern „girlfriend problems“ habe.

So lobenswert es ist, Jugendlichen zu erklären, dass sie sich nicht für ihre Gefühle während der Pubertät schämen müssen, so klein ist dann der Halbsatz, dem man schnell überhören und nicht in seiner ganzen Bedeutung erfassen kann. Die anderen Power Ranger fragen akzeptieren ihre Antwort ohne Nachfragen oder Irritationen. Für den restlichen Film ist Trinis Antwort ebenfalls unwichtig.

Abgesehen von dieser Bemerkung bleibt im Superheldenkosmos dann doch alles beim alten. Immer noch wird die Gruppe von einem weißen Jungen, dem Star des Football Teams, angeführt. Seine Befehle werden von den anderen ohne Diskussion befolgt. Es gibt den Nerd, die Schulschönheit, den Draufgänger und die Beobachterin. Das unterscheidet sich in seiner Zusammensetzung und Gruppendynamik dann kaum von der ebenso bunt zusammengesetzte Besatzung der Original-“Raumschiff Enterprise“-Serie aus den sechziger Jahren.

Fünfzig Jahre später könnte sich auch im Superheldengenre endlich einmal eine Superheldengruppe unter der Führung eines Nicht-Weißen, vielleicht sogar einer Frau, vielleicht sogar einer Lesbe, zusammenfinden. Das wäre dann einmal etwas wirklich Neues.

Das große Finale, bei dem Angel Grove zerstört wird, Blech auf Blech prallt, das wolkenkratzergroße Goldmonster Goldar und seine Herrin Rita Repulsa dazwischen stehen und die Power Rangers und ihre Zords (Mischwesen aus prähistorischen Tieren und Maschine) sie angreifen, sieht dann wie ein herzhaftes Verwenden der Reste und Storyboards aus dem letzten „Transformers“-Film aus.

Produzent Haim Saban hat mit „Power Rangers“ ähnlich langlebige Pläne. Im „Variety“ hat er schon fünf Fortsetzungen angekündigt, die dann bis ungefähr 2030 im Kino gezeigt werden. Es gäbe nämlich einen sechs Filme umspannenden Handlungsbogen.

Ob es dazu kommt, wird sich demnächst an der Kinokasse entscheiden.

Power Rangers (Power Rangers; Saban’s Power Rangers, USA 2017)

Regie: Dean Israelite

Drehbuch: John Gatins (nach einer Geschichte von Matt Sazama, Burk Sharpless, Michele Mulroney und Kieran Mulroney)

mit Dacre Montgomery, Naomi Scott, RJ Cyler, Becky G, Ludi Lin, Bill Hader, Bryan Cranston, Elizabeth Banks

Länge: 124 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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TV-Tipp für den 12. Februar: Der Mandant

Februar 12, 2017

RTL II, 20.15
Der Mandant (The Lincoln Lawyer, USA 2011)
Regie: Brad Furman
Drehbuch: John Romano
LV: Michael Connelly: The Lincoln Lawyer, 2005 (Der Mandant)
Lincoln Lawyer Mickey Haller (Matthew McConaughey) tut alles für seine meist mehr als halbseidenen Mandanten. Als er aber einen Freispruch für den stinkreichen Louis Roulet erwirken soll, packt ihn das Gewissen. Auch weil Roulets Taten mit einem früheren Mandanten von ihm, der seine Unschuld beteuerte und dem er mit einem guten Deal einen Knastaufenthalt verschaffte, zusammen hängen.
Heute ist die TV-Premiere der rundum geglückten Michael-Connelly-Verfilmung, die Matthew McConaugheys Karriere auf spannende Bahnen lenkte.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
„Der Mandant“ war Michael Connellys erster Justizthriller. Danach schrieb er noch weitere Romane mit Mickey Haller, der auch Harry Bosch (Connellys ersten Seriencharakter, der inzwischen eine „Fernseh“-Serie hat) trifft.
mit Matthew McConaughey, Ryan Phillippe, Marisa Tomei, William H. Macy, Josh Lucas, John Leguizamo, Michael Pena, Bob Gunton, Frances Fisher, Bryan Cranston

Wiederholung: Montag, 13. Februar, o1.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Der Mandant“

Rotten Tomatoes über „Der Mandant“

Michael Connelly unterhält sich mit Matthew McConaughey über den Film

Meine Besprechung der Filmausgabe von Michael Connellys „Der Mandant“

Homepage von Michael Connelly

Meine Besprechung von Michael Connellys „The Lincoln Lawyer“ (2005, deutscher Titel: Der Mandant)

Meine Besprechung von Michael Connellys „Vergessene Stimmen“ (The Closers, 2005)

Meine Besprechung von Michael Connellys “L. A. Crime Report” (Crime Beat, 2004)

Meine Besprechung von Michael Connellys “Kalter Tod” (The Overlook, 2007)

Meine Besprechung von Michael Connellys “Echo Park” (Echo Park, 2006)

Michael Connelly in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Brad Furmans „Der Mandant“ (The Lincoln Lawyer, USA 2011)

Meine Besprechung von Brad Furmans „Runner Runner“ (Runner Runner, USA 2013)

Meine Besprechung von Brad Furmans „The Infiltrator“ (The Infiltrator, Großbritannien 2016)


Neu im Kino/Filmkritik: Daddys Frage beim Anblick des Zukünftigen seiner Tochter: „Why him?“

Januar 13, 2017

Why him?“ gehört eigentlich, wie das Will-Smith-Vehikel „Verborgene Schönheit“, das am 19. Januar anläuft, zu den Weihnachtsfilmen, die im November/Dezember starten und ihre Geschichte, mehr oder weniger geschickt, an Weihnachten spielen lassen, ohne dass es einen signifikanten Einfluss auf die Qualität des Films hat.

Ned Fleming (Bryan Cranston) ist ein liebevoller Vater von zwei Kindern, Ehemann und Besitzer einer vor der Pleite stehende Druckerei. Er verbringt seine Weihnachten immer mit der Familie im heimatlichen Grand Rapids, Michigan.

Dieses Jahr überrascht ihn seine in Stanford studierende Tochter Stephanie (Zoey Deutch) mit ihrem neuen Freund, den sie während der Feier zu seinem 55. Geburtsgag via Skype sehr unvorteilhaft kennen lernen. Entsprechend groß sind die Vorbehalte von Ned gegenüber dem Hallodri, der wahrscheinlich gerade versucht vom Klein- zum etwas größeren Gangster aufzusteigen.

Trotzdem erklärt der biedere Familienvater sich bereit, mit seiner Frau und ihrem 15-jährigem Sohn ins immer sommerliche Kalifornien zu fliegen und die Weihnachtstage mit dem Schwiegersohn in spe (okay, das erfährt Ned erst etwas später) in Palo Alto zu verbringen.

Seine erste Überraschung ist, dass Laird Mayhew (James Franco) ein stinkreicher Silicon-Valley-Technik-Mogul ist. Und wir fragen uns, warum Ned etwas gegen einen Mann hat, der aus dem Nichts ein Vermögen aufbaute.

Es könnte natürlich an Lairds mangelnder Impulskontrolle, seiner Offenherzigkeit, seiner Ehrlichkeit und seiner erfrischenden Unbedarftheit im Umgang mit gesellschaftlichen Konventionen liegen.

Spätestens ab der ersten Begegnung zwischen Ned und Laird folgt „Why him?“ den vorhersehbaren Pfaden einer US-Vulgärkomödie, bei der die Schauspieler vielleicht ihren Spaß hatten (James Franco hatte ihn garantiert), aber der Film eine Qual für die Zuschauer ist. Anstatt sich auf ein Gagfeuerwerk zu konzentrieren, wird jeder der wenigen, meist von der ersten bis zur letzten Sekunde vorhersehbaren Witze bis zum Gehtnichtmehr gestreckt. Zum Beispiel dieser immerhin jugendfreie und nicht peinliche „Pink Panther“/“Der rosarote Panther“-Witz:

Der einminütige Clip zeigt nur die erste Hälfte des Witzes. Als ob man die Anspielung nicht schon beim ersten Mal verstanden hätte. Sowieso wäre dieser Witz, der später im Film noch einmal variiert wird (man könnte ihn ja vergessen haben), in einer besseren Komödie ein lässig eingeworfener Nebenbei-Gag gewesen. In einer Komödie wie „Das Leben des Brian“ (die ich vor einigen Tagen wieder gesehen habe) wäre der Gag wohl noch nicht einmal in die erste Drehbuchfassung gekommen.

Der die Geschichte bestimmende Konflikt zwischen Ned und Laird ist sowieso künstlich aufgebläht. Das liegt einerseits an der abgöttischen Bewunderung der US-Amerikaner für Reichtum. Außerdem hat der grundgütige Laird sich seinen Reichtum selbst erarbeitet. Eigentlich müsste Ned sich über einen solchen Schwiegersohn freuen. Auch wenn sein Benehmen etwas gewöhnungsbedürftig ist.

Schließlich ist Ned bekennender „Kiss“-Fan und, vor allem, der liebende Daddy, der alles für seine Kinder tut.

Kurz: der Konflikt zwischen Schwiegervater und potentiellem Schwiegersohn ist von der ersten Sekunde an nur behauptet.

Potentielle Konflikte, die die Handlung vorantreiben könnten – wenn Ned vielleicht versuchen würde, Laird mit allen Mitteln zu entblößen (was natürlich schon im Ansatz zum Scheitern verurteilt ist, weil Laird keine Hintergedanken, keine Impulskontrolle und kein Schamgefühl hat) oder er versuchen würde, Laird zu einem Investment in seiner vor dem Konkurs stehenden Firma zu überzeugen (was ebenfalls zum Scheitern verurteilt ist, weil Laird in die Firma investieren will, aber Ned das ablehnt) – werden ignoriert zugunsten von langen Sitzungen auf modernen Toiletten.

Why him?“ ist mit gut zwei Stunden Laufzeit eine mindestens dreißig Minuten zu lang geratene, überflüssige US-Komödie, die nicht witzig ist und, angesichts der geringen Witzdichte des Films, auch nicht als humoristisch gefärbtes Drama funktioniert. Da fragt man sich nur „Why?“.

Die Antwort ist wahrscheinlich „Geld“.

why-him-plakat

Why him? (Why him?, USA 2016)

Regie: John Hamburg

Drehbuch: John Hamburg, Ian Helfer

mit Bryan Cranston, James Franco, Zoey Deutch, Megan Mullally, Griffin Gluck, Cedric the Entertainer, Keegan-Michael Key, Adam Devine, Andrew Rannells, Casey Wilson

Länge: 112 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Rotten Tomatoes über „Why him?“

Wikipedia über „Why him?“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 1. Oktober: Contagion

Oktober 1, 2016

Vox, 20.15

Contagion (Contagion, USA 2011)

Regie: Steven Soderbergh

Drehbuch: Scott Z. Burns

Toller quasi-dokumentarischer Thriller über eine weltweite Pandemie. Ein Ensemblestück, bei dem auch Starpower nicht vor einem vorzeitigen Ableben schützt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Marion Cotillard, Matt Damon, Laurence Fishburne, Jude Law, Gwyneth Paltrow, Kate Winslet, Bryan Cranston, Jennifer Ehle, Sanaa Lathan, John Hawkes, Armin Rohde, Elliott Gould, Enrico Colantoni, Chin Han

Wiederholung: Sonntag, 2. Oktober, 03.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Contagion“

Moviepilot über „Contagion“

Metacritic über „Contagion“

Rotten Tomatoes über „Contagion“

Wikipedia über „Contagion“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Girlfriend Experience – Aus dem Leben eines Luxus-Callgirls” (The Girlfriend Experience, USA 2009)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Haywire” (Haywire, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Magic Mike” (Magic Mike, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen“ (Side Effects, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll (Behind the Candelabra, USA 2013)

Steven Soderbergh in der Kriminalakte


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