Neu im Kino/Filmkritik: In der Mitte einer neuen Trilogie: „Jurassic World: Das gefallene Königreich“

Juni 6, 2018

Drei Jahre nachdem eine Horde Dinosaurier auf Isla Nublar einen Freizeitpark mit ihnen als Attraktion verwüstete, ist die Insel verwaist. Bis auf die Dinosaurier, die dort ungestört von den Menschen leben. Als auf der Insel ein Vulkan ausbrechen soll, ist ihr Überleben fraglich.

Eli Mills (Rafe Spall), der Geschäftsführer des Lockwood Estate, möchte sie retten. Sein Chef, der kranke Benjamin Lockwood (James Cromwell), war, neben John Hammond, einer der beiden Hauptfinanziers des Freizeitparks. Die Dinosaurier sollen auf eine andere Insel gebracht werden. Claire Dearing (Bryce Dallas Howard) soll dabei helfen. Sie war früher die zahlenfixierte Leiterin des Parks. Jetzt kämpft sie für das Überleben der Dinos. Mills braucht sie, weil nur mit ihrem Handabdruck der Inselcomputer gestartet werden kann, mit dem die Dinos geortet werden können. Owen Grady (Chris Pratt) soll mitkommen, weil er ihnen helfen kann, Blue zu finden. Vor allem diesem besonders intelligenten Dino mit Führungsqualitäten (Dino! Nicht Affe.) gilt das Interesse der Expedition. Begleitet werden sie von einer kleinen Söldnerarmee, die das tut, was Söldnerarmee in solchen Filmen immer tun: schießen und eher illegale Aufträge erledigen.

Deshalb erfahren Grady und Dearing (inzwischen mit besserem Schuhwerk) schon auf der Insel, dass sie hereingelegt wurden. Mills will die Dinos nicht vor dem sicheren Tod retten, sondern sie meistbietend verkaufen.

Als der Vulkan ausbricht, sollen Grady und Dearing zu den Opfern der Katastrophe gehören. In letzter Sekunde gelingt ihnen die Flucht auf das rettende Transportschiff, das die Dinosaurier an einen anderen Ort bringen soll.

In diesem Moment ist noch nicht einmal die erste Stunde von J. A. Bayonas „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ um. Bayona, der Regisseur von „The Impossible“ und „Sieben Minuten nach Mitternacht“, übernahm die Regie, nachdem „Jurassic World“-Regisseur Colin Trevorrow keine Zeit hatte. Er sollte „Star Wars IX“ inszenieren. Das zerschlug sich später. Für „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ schrieb Trevorrow mit Derek Connolly das Drehbuch. Aktuell schreibt er, zusammen mit Emily Carmichael, das Drehbuch für den dritten „Jurassic World“-Film, der unter seiner Regie am 11. Juni 2021 die Trilogie global abschließen soll.

Unübersehbar ist bei Bayonas Film der Charakter eines Übergangswerk, das die Verbindung zwischen dem ersten und dritten Teil herstellen soll. Ohne große Erklärungen werden wir in die Handlung geworfen, die in der ersten Hälfte vor allem auf Isla Nublar, in der zweiten Hälfte auf dem riesigen Lockwood-Anwesen spielt. Es gibt viele Dialoge, die einfach nur Dinge erklären. Das ist nicht so wahnsinnig spannend. Es gibt reichlich Action und Spaß mit den Dinosaurier. Einige altbekannte, einige neue Dinosaurier. Insgesamt sind in „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ mehr Dinosaurier zu sehen als in allen anderen „Jurassic“-Filmen zusammen und sie sind in ihrer vollen Pracht schon von der ersten Minute an zu sehen. Aber die reichlich vorhandene Action packt nicht, weil uns die durchgehend ziemlich eindimensionalen Charaktere weitgehend egal sind. Suspense und eine damit verbundene Atmosphäre der Bedrohung. ist ebenfalls dünn gesät. Vor allem wenn man an Bayonas Tsunami-Film „The Impossible“ denkt, der anfangs sehr direkt die bedrohliche Atmosphäre von „Der weiße Hai“ zitiert und der später eindrücklich die Folgen der wahren Katastrophe zeigt. Aber in dem Film geht es um Menschen in einer realen Situation. In „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ geht es um Eskapismus im Blockbuster-Format, bei dem, so lange riesige Tiere aufeinander losgehen, eine persönliche Handschrift und mehrere erzählerische Ebenen nicht benötigt werden.

Es gibt in „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ auch keine richtige, in sich abgeschlossene Geschichte, sondern nur einen Mittelteil, der dazu dient, viele Menschen und Tieren in die richtige Position für die finale Schlacht zu bringen.

In dem Gewusel bleibt dann wenig Zeit, um die verschiedenen Personen genauer zu charakterisieren und sie auf eine emotionale Reise zu schicken. Alles muss immer schnell gehen. Außerdem sind inzwischen auch im „Jurassic World“-Universum so viele wichtige Charaktere dabei, dass, wie bei einer TV-Serie, für den einzelnen Charakter innerhalb des Films kaum Zeit bleibt. So hat Jeff Goldblum im Film als vor dem menschlichen Treiben warnender Wissenschaftler Ian Malcolm nur zwei Szenen, die er sitzend wahrscheinlich innerhalb eines Tages abdrehte.

Es ist auch ein Film, der ständig an andere Filme erinnert. Schießwütige Söldner und die irrwitzige Idee, Dinosaurier auf das Festland zu bringen, kennen wir bereits aus „Vergessene Welt: Jurassic Park“ und „Jurassic Park III“. Anderes aus etlichen Monsterheulern, den neuen „Planet der Affen“-Filmen, „King Kong“, bzw. „Kong“ und, zuletzt, „Rampage“; – – – eigentlich erzählt „Rampage“ eine sehr ähnliche Geschichte, die dank der Konzentration auf wenige Personen und Tiere, deutlich besser und vor allem mit mehr Augenzwinkern, vulgo vergnüglicher, erzählt wird.

Jurassic World: Das gefallene Königreich (Jurassic World: Fallen Kingdom, USA 2018)

Regie: J. A. Bayona

Drehbuch: Colin Trevorrow, Derek Connolly

LV: Charaktere von Michael Crichton

mit Chris Pratt, Bryce Dallas Howard, Rafe Spall, Justice Smith, Daniella Pineda, James Cromwell, Toby Jones, Ted Levine, Jeff Goldblum, Isabella Sermon, BD Wong, Geraldine Chaplin

Länge: 129 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

DEnglische Homepage zum Film

Moviepilot über „Jurassic World: Das gefallene Königreich“

Metacritic über „Jurassic World: „Das gefallene Königreich“

Rotten Tomatoes über „Jurassic World: Das gefallene Königreich“

Wikipedia über „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Colin Trevorrows „Jurassic World“ (Jurassic World, USA 2015)

Meine Besprechung von Juan Antonio Bayonas „The Impossible“ (Lo imposible, USA/Spanien 2012)

Meine Besprechung von J. A. Bayonas „Sieben Minuten nach Mitternacht“ (A Monster calls, USA/Spanien 2016)

Werbeanzeigen

TV-Tipp für den 6. Juni: Jurassic World

Juni 6, 2018

ZDF, 20.15

Jurassic World (Jurassic World, USA 2015)

Regie: Colin Trevorrow

Drehbuch: Rick Jaffa, Amanda Silver, Derek Connolly, Colin Trevorrow

LV: Charaktere von Michael Crichton

Jedes Jahr besuchen Tausende die Isla Nublar, um dort lebendige Dinosaurier zu bestaunen. Eines Tages ergänzen die Urviecher ihren Speiseplan um die Inselbesucher und, nun, drücken wir es mal so aus: die Urlauber erleben einen unvergesslichen Urlaub. Wenn sie ihn überleben.

Unterhaltsamer und an der Kinokasse sehr erfolgreicher Dino-Thriller, der die Geschichte von „Jurassic Park“ weiter erzählt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

Heute startet die Fortsetzung „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ (Besprechung folgt) und der dritte Film, der die Trilogie abschließen soll, ist bereits in Arbeit.

mit Chris Pratt, Bryce Dallas Howard, Ty Simpkins, Nick Robinson, Vincent D’Onofrio, Judy Greer, BD Wong, Omar Sy, Jake Johnson, Irrfan Khan, Katie McGrath

Wiederholung: Freitag, 8. Juni, 00.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Andere deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Jurassic World“
Moviepilot über „Jurassic World“
Metacritic über „Jurassic World“
Rotten Tomatoes über „Jurassic World“
Wikipedia über „Jurassic World“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Colin Trevorrows „Jurassic World“ (Jurassic World, USA 2015)

Meine Besprechung von Colin Trevorrows „The Book of Henry“ (The Book of Henry, USA 2017)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Stephen Gaghans Drama „Gold – Gier hat eine neue Farbe“

April 15, 2017

1981 ist Kenny Wells (Matthew McConaughey) in Reno als künftiger Erbe der sich im Familienbesitz befindenden Washoe Mining Corporation auf der Sonnenseite des Lebens. Eine goldene Zukunft zeichnet sich am Horizont ab.

Sieben Jahre später ist Kenny Wells ganz unten. Einige Investitionen gingen schief. Er bettelt bei den Banken um jeden Kredit und wird von irgendwelchen Neulingen abgewiesen. Sein Geschäft wickelt er in einer Bar ab. Sein Alkoholkonsum ist verdächtig hoch und seine Freundin Kay (Bryce Dallas Howard) füttert ihn durch.

Da will er, inspiriert durch einen Traum, den er im Vollrausch hatte, seine letzte Chance ergreifen: im Dschungel von Borneo soll es unglaubliche Gold-Schätze geben. Die Vorkommen sollen mit Hilfe der „Ring of Fire“-Theorie gefunden werden. Ihr Erfinder Mike Acosta (Edgar Ramirez) entdeckte mit ihr schon ein großes Kupfervorkommen.

Wells kann den integren, in der Branche seit dem Kupferfund hochgeschätzten Acosta überzeugen, eine entsprechende Expedition zu organisieren und, – unglaublich, aber wahr -, sie finden Gold an dem Ort, an dem es nach Acostas Theorie sein sollte.

Mit dem Goldfund und der Aussicht auf noch viel mehr Gold haben sie plötzlich Kreditgeber. Die Börse ist begeistert. Die Kurse schnellen nach oben. Nur: wie lange hält der Traum an?

Gold – Gier hat eine neue Farbe“ (doofer deutscher Untertitel) ist der neue Film von Stephen Gaghan, dem Autor von „Traffic – Macht des Kartells“ und Autor/Regisseur von „Syriana“. In beiden Filmen verband er Unterhaltung mit der klaren Analyse komplexer ökonomischer Strukturen und, immerhin sind beides Ensemblefilme, einer grandiosen Handhabung der verschiedenen Plots. Da scheint die Geschichte über einen Goldrausch vor knapp dreißig Jahren an der Börse perfekt zu ihm zu passen.

Die Besetzung ist gewohnt hochkarätig. Vor allem Matthew McConaughey stürzt sich mit vollem Körpereinsatz in eine weitere Studie eines zwiespältigen Charakters, der, wenn er schon eine Hauptfigur sein soll, mehr zum Antagonisten als zum Protagonisten taugt. In jedem Fall ist der von McConaughey gespielte Kenny Wells als durchgehend unsympathischer Geschäftsmann ein recht eindimensionaler Charakter, der nur auf seinen Profit fixiert ist. Im Gegensatz zu dem von Edgar Ramirez gespielten Geologen Mike Acosta.

Beide werden allerdings von Gaghans Inszenierung im Stich gelassen. Er bedient in zwei Stunden ein halbes Dutzend verschiedener Genres und Stile, ohne jemals den richtige Grundrhythmus, der alles zusammen hält, zu finden. „Gold“ ist das filmische Äquivalent zu einer Bluesband, die keinen Blues spielen will.

Die Begegnungen von Wells mit den verschiedenen Bankern und, später, sehr spät im Film, den Wall-Street-Investoren, hätten das Potential für eine saftige Wirtschaftssatire, die auch eine Analyse der Börse ist, gehabt. Gaghan deutet das auch an, ohne sonderlich in die Tiefe zu gehen. Die satirische und analytische Schärfe von „The Big Short“ oder „The Wolf of Wall Street“ erreicht er nie auch nur im Ansatz.

Die Suche nach dem Gold und die Erlebnisse von Wells und Acosta im Dschungel bedienen die Elemente einer klassischen Abenteuergeschichte, auf die man sich gerne einlassen würde, wenn man nicht auf die große Gold-Stampede an der Börse warten würde. Um noch einmal eine musikalische Metapher zu verwenden: das Dschungelabenteuer ist bei einem Konzert die Vorband, die man stoisch erträgt, weil man auf die Hauptband wartet.

Am Ende, in den letzten Minuten und im Rückblick, ist „Gold“ dann eine Gaunerkomödie, die bis zur letzten Minute als ernstes Drama, mit einigen satirischen Spitzen, erzählt wird.

Inspiriert wurden die Drehbuchautoren Patrick Massett und John Zinman, Autoren und Mitproduzenten der TV-Serien „Friday Night Lights“, „Last Resort“ und „The Blacklist“, von dem Bre-X-Skandal. Die kanadische Explorationsfirma Bre-X kündigte in den frühen neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts die Erschließung eines riesigen Goldvorkommens in Indonesien an. Die ersten Funde waren vielversprechend. Die Aktien schossen in ungeahnten Höhen. 1997 stellte es sich als Schwindel heraus. Es war der größte Börsenbetrug der kanadischen Geschichte. Massett und Zinman verlegten die Geschichte in die USA und veränderten noch weitere Details.

Gold – Gier hat eine neue Farbe (Gold, USA 2016)

Regie: Stephen Gaghan

Drehbuch: Patrick Massett, John Zinman

mit Matthew McConaughey, Edgar Ramirez, Bryce Dallas Howard, Macont Blair, Adam LeFevre, Frank Wood, Toby Kebbell, Stacy Keach, Corey Stoll, Bruce Greenwood

Länge: 121 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Gold“

Metacritic über „Gold“

Rotten Tomatoes über „Gold“

Wikipedia über „Gold“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „Gold“ (Menschen, die etwas gegen Spoiler haben, sollten diese Seite erst nach dem Filmbesuch lesen.)


Neu im Kino/Filmkritik: „Elliot, der Drache“ aus dem Haus Disney und garantiert kinderlieb

August 26, 2016

Robert Redford, der inzwischen achtzigjährige Kinostar der siebziger Jahre, der immer wieder jahrelang keinen Film drehte, hat in den letzten Jahren ein beeindruckendes Arbeitspensum vorgelegt und bei dem Ein-Personen-Seglerdrama „All is lost“ sogar einen ganzen Film mit einer auch körperlich anstrengenden Rolle gestemmt. Da ist die Rolle von Mr. Meacham, bei dem die größte Gefahr darin bestand, sich beim Holzschnitzen zu schneiden, einfach dagegen.

Mr. Meacham ist der bei den Kindern von Milhaven, einer Kleinstadt im Pazifischen Nordwesten, beliebte Märchenonkel. Denn er erzählt ihnen Geschichten von einem Drachen, der in den Wäldern lebt und den er vor langer, langer Zeit gesehen hat.

Seine Tochter Grace (Bryce Dallas Howard), die als Försterin arbeitet, hält das, wie alle vernünftigen Erwachsene, für ein Märchen. Denn Drachen gibt es nicht.

Zur gleichen Zeit lebt Pete (Oakes Fegley) seit dem tödlichen Autounfall seiner Eltern vor sechs Jahren im Wald. Beschützt, behütet und befreundet mit einem Drachen.

Als Graces Freund und Sägewerkbesitzer Jack (Wes Bentley), dessen jüngerer Bruder Gavin (Karl Urban) und deren Männer den Wald abholzen, wird Pete entdeckt. Grace nimmt das zehnjährige Findelkind auf und weil auch „Elliot, der Drache“, Pete folgt, ist das beschauliche Milhaven-Kleinstadtleben zwischen Unglauben („Drachen gibt es nicht!“) und Sensationsgier bald vorbei. Denn Gavin will den Drachen fangen und zu Geld machen.

Elliot, der Drache“ ist ein sehr loses Remake von „Elliot, das Schmunzelmonster“ (USA 1977), einem Disney-Musical mit einem gezeichneten Drachen und realen Menschen. Für den neuen Film erfanden Toby Halbrooks und David Lowery, der auch Regie führte, eine komplett neue Geschichte, die in einer zeitlich nicht näher spielenden Vergangenheit ohne Handys und Computer spielt und die bis auf die Beziehung zwischen Pete und Elliot nichts mit dem 1977er-Film zu tun hat. Deshalb bringt es auch nichts, die Filme miteinander zu vergleichen und den einen Film gegen den anderen auszuspielen. In dem Remake wurde außerdem auf das Singen verzichtet und Elliot ist ein CGI-Drache, der daher ziemlich echt aussieht, aber keine Angst einflößt, weil er Kinder liebt, selbst ziemlich kindisch ist und gerne quitschvergnügt durch die unendlichen nordamerikanischen Wälder pflügt und über sie hinwegfliegt.

Die nach Petes Entdeckung in Graces Familie und Umfeld entstehenden Konflikte, wie die Frage nach Bewahrung oder Nutzbarmachung der Natur und des Umgangs mit Elliot, werden etwas plakativ in ein simples Gut-Böse-Schema gepresst. Das ist dann für Erwachsene zu banal und auch etwas zu eindimensional. Aber für sie ist „Elliot, der Drache“ nicht gemacht. Obwohl auch sie sich, wie Pete und Elliot, mit der Frage, wo sie hingehören, beschäftigen können.

Elliot, der Drache“ ist, wie man es von Disney erwartet, ein gelungener, liebenswert-charmanter Kinderfilm, der sein Publikum ernst nimmt.

null

Elliot, der Drache (Pete’s Dragon, USA 2016)

Regie: David Lowery

Drehbuch: David Lowery, Toby Halbrooks (basierend auf einem Drehbuch von Malcolm Marmorstein und einer Geschichte von Seton I. Miller und S.S. Field)

mit Bryce Dallas Howard, Oakes Fegley, Robert Redford, Wes Bentley, Karl Urban, Oona Laurence

Länge: 103 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Elliot, der Drache“

Metacritic über „Elliot, der Drache“

Rotten Tomatoes über „Elliot, der Drache“

Wikipedia über „Elliot, der Drache“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Herzlich willkommen in der „Jurassic World“

Juni 11, 2015

In „Jurassic Park“ hatte Dr. John Hammond die Vision eines gewaltigen Themenparks, in dem wir uns echte Dinosaurier ansehen können. Er zeigte einigen Wissenschaftlern seine Vision – und die Dinos jagten auf der Insel die Menschen.
Der Film, inszeniert von Steven Spielberg, nach einem Bestseller von Michael Crichton, war 1993 ein Welterfolg. Es folgte „Vergessene Welt: Jurassic Park“, in dem Dinos auf der Insel Menschen jagten und ein Dino sogar – Erinnert ich euch an King Kong? – halb San Diego zertrampeln durfte. In „Jurassic Park III“ jagten die Dinos dann wieder nur auf einer Insel Menschen und, wie schon in den vorherigen Teilen, mussten Erwachsene einige Kinder vor den gefräßigen Tieren retten.
In „Jurassic World“ gibt es jetzt den von Hammond erträumten Themenpark, der auch von Menschenmassen besucht wird. Der zweite und dritte „Jurassic Park“-Film fanden anscheinend in einer anderen Galaxis statt. Denn dass jemand einen Vergnügungspark einrichtet mit Tieren, die Vorstädte verwüsten und die auf einer militärisch abgeschotteten Insel leben, ist, auch wenn wir den Menschen jede Blödigkeit zutrauen, unvorstellbar. Immerhin sind in „Jurassic World“ die Menschen, also vor allem der Genetiker Dr. Henry Wu (BD Wong, bekannt aus dem ersten Film), munter dabei, in der Dinosaurier-DNA herumzupfuschen. Ihre neueste Züchtung ist ein Indominus Rex, eine Kreuzung aus T. Rex, Carnotaurus, Majungasaurus, Rugops, Gigantosaurus undsoweiter; – halt alles, was für Menschen gefährlich und tödlich ist. Er ist besonders stark, blutrünstig und intelligent. Die Macher glauben, dass er bald eine große Attraktion im Dino-Themenpark wird.
Er bricht aus seinem Gehege aus und macht sich auf den Weg zur Vergnügungsmeile des Themenparks. Dabei tötet er alles, was ihm über den Weg läuft.
Der Verhaltensforscher und Ex-Soldat Owen (Chris Pratt), sozusagen der Dino-verstehende Jäger, der es geschafft hat, als Alphatier einiger Velociraptoren anerkannt zu werden, und Claire (Bryce Dallas Howard), eine anfangs ziemlich zickige, nur auf Zahlen fixierte Managerin, jagen ihm hinterher. Denn der Indominus Rex verfolgt Claires Neffen Zach (Nick Robinson) und Gray (Ty Simkins), die nur ein schönes Wochenende auf der Insel verbringen sollten.
Während Masrani (Irrfan Khan), ein Milliardär und Besitzer des Themenparks, die Sache gerne unauffällig bereinigen möchte, sieht InGen-Vertreter Vic Hoskins (Vincent D’Onofrio) die Chance für eine militärische Leistungsschau, inclusive intelligenter, von Owen im Kampf angeführter Dinos.
Und die Themenpark-Besucher dürfen schreiend vor den Dinos davonlaufen.
Gut, wegen der besonders tiefschürenden Geschichte geht niemand in einen „Jurassic Park“-Film. Sondern wegen der Tricks. Und die sind, wieder einmal, beeindruckend.
Auch die Geschichte ist, für einen Blockbusterfilm, gut. Die Spannung wird kontinuierlich aufgebaut und am Anfang nehmen die Macher sich viel Zeit, um in die Welt des Themenparks einzuführen und die wichtigen Charaktere vorzustellen. Diese sind durchweg sparsam skizzierte Klischeefiguren: der Tierversteher mit leichter Macho-Attitüde, der egozentrische Kapitalist, der skrupellose Forscher, der das Recht des Stärkeren propagierende Privat-Militär, der sarkastische Witzbold (yeah, die Jeff-Goldblum-Rolle). Die wenigen Frauenrollen sind besonders sparsam skizziert. Eigentlich hat nur Claire eine etwas größere Rolle, die sich letztendlich darauf beschränkt, den strammen Naturburschen Owen zu bewundern und ihrem Chef hinterherzulaufen und ihm Ideen zur Steigerung der Rendite zu präsentieren. Aber dank der guten Schauspieler werden aus ihnen glaubwürdige Charaktere, wobei gerade die beiden Hauptdarsteller Chris Pratt und Bryce Dallas Howard wenig aus ihren Charakteren herausholen können.
Es werden auch – nicht besonders tiefschürend, aber immerhin – einige ethische Fragen gestellt. Es geht um den Kapitalismus (immerhin muss der Vergnügungspark jedes Jahr neue Attraktionen haben, um sein Publikum zu halten und einen größeren Gewinn abzuwerfen), den Machbarkeitswahn des Menschen, den ungeplanten Folgen von Eingriffen in das Erbgut und dem Umgang mit Tieren.
Es gibt viele Hinweise auf „Jurassic Park“ und, auch wenn der Film von Colin Trevorrow (Journey of Love – Das wahre Abenteuer ist die Liebe) inszeniert wurde, steht überall Steven Spielberg. In jedem Charakter, vor allem den Kindern, der Kameraführung, der Musik, der Inszenierung und natürlich der Suche nach der heilen Welt, verstanden als die funktionierende Kernfamilie aus beiden Eltern und ihren Kindern. Claire hat am Filmanfang noch keine Mann. Zach und Gray befürchten am Anfang, dass ihre Eltern sich scheiden lassen.
„Jurassic World“ ist gelungenes, angenehm altmodisches und storyzentriertes Blockbuster-Kino, das für Ältere selbstverständlich „Westworld“ mit Dinos ist. Michael Crichton, der Autor des Romans, der die Grundlage für den ersten „Jurassic Park“-Film (ja, und den zweiten „Jurassic Park“-Film „Vergessene Welt“) war, erfand auch „Westworld“; ein Themenpark, in dem menschenähnliche Roboter entgegen ihrer Programmierung Menschen töteten.
P. S.: Ich habe den Film in 3D im IMAX gesehen – und dieses Mal lohnt es sich wirklich.
Hier in Berlin wird der Film, so die Planung, bis zum 9. Juli, dem Start des neuen „Terminator“-Films „Terminator: Genisys“, im IMAX gezeigt.

Jurassic World - Plakat

Jurassic World (Jurassic World, USA 2015)
Regie: Colin Trevorrow
Drehbuch: Rick Jaffa, Amanda Silver, Derek Connolly, Colin Trevorrow
LV: Charaktere von Michael Crichton
mit Chris Pratt, Bryce Dallas Howard, Ty Simpkins, Nick Robinson, Vincent D’Onofrio, Judy Greer, BD Wong, Omar Sy, Jake Johnson, Irrfan Khan, Katie McGrath
Länge: 123 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Andere deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Jurassic World“
Moviepilot über „Jurassic World“
Metacritic über „Jurassic World“
Rotten Tomatoes über „Jurassic World“
Wikipedia über „Jurassic World“ (deutsch, englisch)


%d Bloggern gefällt das: