Neu im Kino/Filmkritik: „Money Monster“ – Geiselnahme im TV-Studio

Mai 27, 2016

Lee Gates (George Clooney) präsentiert im Fernsehen eine Finanzshow, die vor allem eine Show ist. Laut, schrill, mit Gags und Tanzeinlagen, die zwar unterhaltsam sind, aber nicht in das Umfeld einer seriösen Show gehören. Auch die Fachkompetenz von Lee Gates scheint vor allem im Entertainment zu liegen. Trotzdem ist die Sendung beliebt und Zuschauer vertrauen seinen Aktientipps. So auch Kyle Budwell (Jack O’Connell), ein einfacher Arbeiter, der sein gesamtes Vermögen in Ibis Clear Capital investierte, weil Gates es eine bombensichere Geldanlage nannte. Dummerweise verlor die Aktie aufgrund eines unerklärlichen Computerfehlers, so die offizielle Erklärung, rapide an Wert.

Budwell ist ruiniert, aber er will Antworten haben. Denn er hat doch immer das Richtige getan. Während einer Live-Sendung nimmt er Gates als Geisel.

Mit dieser Geiselnahme beginnt Jodie Fosters neuer Film „Money Monster“ und in den folgenden neunzig Minuten entfaltet sich die hochenergetisch erzählte Geschichte ungefähr in Echtzeit, vor allem im Fernsehstudio und vor laufender Kamera. Zunächst versucht Gates den Geiselnehmer zur Aufgabe zu bewegen. Er tut also, was er am besten kann: er redet. Als das nicht hilft und er bemerkt, dass die Erklärung von Ibis Clear Capital für den Aktieneinbruch nicht stimmig ist, will er Antworten haben.

Dabei hilft ihm sein Team, angeführt von seiner langjährigen Produzentin Patty Fenn (Julia Roberts), die innerhalb weniger Minuten herausfinden, was weder die Börsenaufsicht, noch die echten Journalisten herausfinden, die natürlich auch alle wissen wollen, warum die Aktie implodierte. Dieser auch aus der Not geborene Gesinnungswandel kommt etwas plötzlich. Immerhin sagte Fenn am Anfang des Thrillers: „Wir sind noch nicht einmal echte Journalisten.“

Ihnen zur Seite springt Diane Lester (Caitriona Balfe), die PR-Dame von Ibis Clear Capital, die sich fragt, warum der CEO Walt Camby (Dominic West) spurlos verschwunden ist und während der größten Krise der Firma sprichwörtlich über den Wolken schwebt in einem Flugzeug, das telefonisch nicht erreichbar ist.

Währenddessen wird die Polizei auf die Zuschauerränge verbannt.

Wenn man sich nicht an dem Aufklärungstempo von Fenns Team und der Erklärung für den Kurseinbruch der Aktie stört, sondern sich von dem Film mitreisen lässt, bekommt man einen hochspannenden Thriller, der konsequent auf Nebenstränge verzichtet. Jede Szene, jeder Satz, jedes Bild treibt die Handlung voran oder komplettiert das Bild einer von Gier und Geld geprägten Gesellschaft. So läuft „Money Monster“ anfangs im Restaurant als Hintergrundprogramm zur Mittagspause, bis die Zuschauer bemerken, dass sie gerade eine echte Geiselnahme sehen und schon erwacht ihr Interesse; die Sensationsgier. Etliche aus anderen Filmen bekannte Situationen enden vollkommen anders als gewohnt. Es gibt grandiose Einzeiler und Pointen. Sowieso ist der Film arg schwarzhumorig geraten.

Dabei vermittelt er keine wahnsinnig neuen Einsichten. Über das Funktionieren der Börse erfährt man auch nichts und im Gegensatz zu „The Big Short“, wo gezeigt wurde, wie das System funktioniert und es deshalb keine individuellen Schuldigen gab, die man einfach anklagen konnte, gibt es in „Money Monster“ am Ende einen Schuldigen, den man für seine Verbrechen vor Gericht anklagen und verurteilen kann.

Money Monster“ ist halt einfach nur ein spannender Thriller, der einige wichtige Themen unterhaltsam anspricht, der Gesellschaft einen Spiegel vorhält und auch zum Nachdenken anregt.

Money Monster - Plakat

Money Monster (Money Monster, USA 2016)

Regie: Jodie Foster

Drehbuch: Jamie Linden, Alan DiFiore, Jim Kouf (nach einer Geschichte von Alan DiFiore und Jim Kouf)

mit George Clooney, Julia Roberts, Jack O’Connell, Dominic West, Caitriona Balfe, Giancarlo Esposito, Christopher Denham, Lenny Venito, Chris Bauer, Dennis Boutsikaris, Emily Meade, Condola Rashad

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Money Monster“

Metacritic über „Money Monster“

Rotten Tomatoes über „Money Monster“

Wikipedia über „Money Monster“ (deutsch, englisch)

Ein Gespräch mit Jodie Foster über den Film und den ganzen Rest

Ein Gespräch mit Jodie Foster und Jack O’Connell (dem Geiselnehmer)

und, aus Cannes, ein „Interview“(mit französischer Simultanübersetzung)

und die Pressekonferenz (dito)

 

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DVD-Kritik: Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone haben den „Escape Plan“

April 2, 2014

Wer einmal amoklaufende Fanboys erleben will, muss sich bei Amazon die Kommentare zu „Escape Plan“, dem ersten wirklich gemeinsamen Film von Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone durchlesen. In den beiden „Expendables“-Filmen hatte Arnie ja nur Cameos. Das Problem für die Fanboys bei „Escape Plan“ ist dabei nicht die Story, sondern die deutsche Synchronstimme von Arnie. Denn, was bislang kein Problem war: Arnie und Sly haben den gleichen Synchronsprecher und jetzt hat der deutsche Verleih sich erdreistet, eine der beiden Hauptdarsteller des Films von einem anderen Sprecher synchronisieren zu lassen. Weltuntergang für die Fanboys.
Mir selbst ist es dagegen ziemlich egal, weil ich inzwischen die meisten Filme im Original sehe – und da haben die beiden Action-Recken dann eh eine andere Stimme. Und vielleicht deshalb störte mich – ich habe mir wegen der Fanboy-Stampede die deutsche Fassung angesehen – die deutsche Synchronisation absolut nicht.
Also, liebe Fanboys, seht euch die Originalfassung an – und die ganzen elitären Typen, die immer wieder sagen „Filme muss man im Original sehen, weil die deutschen Synchronisationen so schlecht sind“, sollten sich wenigstens einige dieser Amazon-Kritiken durchlesen, die zeigen, dass die deutschen Synchronisationen wohl doch nicht so schlecht sind.
Nach dieser langen Vorrede kommen wir jetzt endlich zum „Escape Plan“.
In dem Thriller spielt Sylvester Stallone Ray Breslin, der in Gefängnissen Sicherheitlücken aufspürt, indem er sich unter einer Tarnidentität inhaftieren lässt und aus den Hochsicherheitsgefängnissen ausbricht. Ein, wie ein Blick in den Firmensitz zeigt, einträgliches Geschäft.
Jetzt soll er die Lücken in einem geheimen Regierungsgefängnis, das nach seinen Ratschlägen gebaut wurde, aufspüren. Was er nicht weiß: er soll, aus ziemlich unbekannten Gründen, überhaupt nicht ausbrechen, sondern dort bis zu seinem Tod versteckt werden. Im gut gefüllten Gefängnis trifft er den Österreicher Rottmayer (Arnold Schwarzenegger), der mit ihm flüchten will.
„Escape Plan“ ist ein grundsolider Gefängnisthriller, prominent besetzt – Jim Caviezel spielt den hundsgemeinen Gefängnisdirektor, Sam Neill einen Arzt, Vincent D’Onofrio Breslins Geschäftspartner, Curtis ’50 Cent‘ Jackson und Amy Ryan Kollegen von Breslin, Faran Tahir einen Insassen und Vinnie Jones den Oberaufseher – mit einer interessanten, futuristischen Gefängnisarchitektur und einem angenehm verwickeltem Plot, inclusive einer gelungenen Überraschung am Ende.
Schade ist, dass die eigentlichen Ausbrüche von Breslin mehr mit Überraschungen spielen und so nur eine oberflächliche Spannung entwickeln. Da sind die vorherigen Planungen und das Katz-und-Maus-Spiel mit dem aasigen Gefängnisdirektor und seinen weitgehend gesichtslosen Wärtern im Geheimgefängnis deutlich spannender. Denn hier müssen die beiden Muskelprotze ihre kleinen grauen Zellen arbeiten lassen, beobachten und täuschen.
Die beiden Actionhelden der achtziger Jahre hätten für ihren ersten gemeinsamen Film wahrlich ein schlechteres Drehbuch finden können. Sowieso macht Arnold Schwarzenegger bei seiner derzeitigen Last-Farewell-Tour, nach seiner politikbestimmten Auszeit und bevor er altersbedingt als Action-Held in Rente geht, ein erfreulich gutes Bild. In „Escape Plan“ kann er sogar schauspielerisch punkten.

 

Das Bonusmaterial

Mit einem kurzweiligen Audiokommentar von Regisseur Mikael Håfström und Drehbuchautor Miles Chapman und über einer Stunde an Featurettes ist es erfreulich umfangreich und informativ ausgefallen. Es gibt ein zwanzigminütiges „Making of“, das einen guten Einblick in die Dreharbeiten gibt. Ergänzend erzählen die beiden Hauptdarsteller in „Zwei Legenden treffen aufeinander“ von den Dreharbeiten und geben einen kleinen Rückblick auf ihre Karriere. Die gut neun Minuten an „Entfallenen Szenen“ sind nett, aber es ist auch sofort verständlich, warum sie am Ende geschnitten wurden. Sie hätten den Film einfach nur verlangsamt.
Die zwanzigminütige Kurzdoku „Maximale Sicherheit: Die echten Gräber“ gibt einen Einblick in die US-amerikanischen Hochsicherheitsgefängnisse und an ein, zwei Punkten wird auch gesagt, wo der Film sich künstlerische Freiheiten nahm.
Insgesamt ist das ein gut geschnürtes Bonusmaterial-Paket, bei dem eindeutig die Information an erster Stelle steht.

Escape Plan - DVD-Cover

Escape Plan (Escape Plan, USA 2013)
Regie: Mikael Håfström
Drehbuch: Miles Chapman, Arnell Jesko (Pseudonym von Jason Keller) (nach einer Geschichte von Miles Chapman)
mit Sylvester Stallone, Arnold Schwarzenegger, Jim Caviezel, Faran Tahir, Amy Ryan, Sam Neill, Vincent D’Onofrio, Vinnie Jones, Matt Gerald, Curtis ’50 Cent‘ Jackson, Caitriona Balfe

DVD
Concorde Home Entertainment
Bild: 2,40:1 (16:9)
Sprachen: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Audiokommentar mit Regisseur Mikael Håfström und Drehbuchautor Miles Chapman, Making of: Der Plan entsteht, Maximale Sicherheit: Die echten Gräber, Zwei Legenden treffen aufeinander, Entfallen Szenen, Kinotrailer
Länge: 111 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Escape Plan“
Moviepilot über „Escape Plan“
Metacritic über „Escape Plan“
Rotten Tomatoes über „Escape Plan“
Wikipedia über „Escape Plan“ (deutsch, englisch)


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