TV-Tipp für den 17. März: Ein Geschenk der Götter

März 17, 2017

One, 21.00

Ein Geschenk der Götter (Deutschland 2014)

Regie: Oliver Haffner

Drehbuch: Oliver Haffner

Eine arbeitslose Schauspielerin soll einen Schauspielworkshop des Jobcenters leiten. Die Kursteilnehmer sind zunächst wenig begeistert von der deutlich überforderten Lehrerin, die auch keine Ahnung von ihrer Aufgabe hat. Dennoch beginnen sie, während der Proben für „Antigone“, ihr Schicksal in die eigene Hand zu nehmen.

Ein Geschenk der Götter“ ist eine sehenswerte deutsche Komödie (meine Besprechung), die deutlich von britischen Arbeiterklassenkomödien beeinflusst ist. Auch in „Ein Geschenk der Götter“ nehmen die Menschen ihr Schicksal in die eigene Hand. Die Milieuzeichnungen sind stimmig. Und es gibt viel Humor, der sich wohltuend vom üblichen deutschen Komödienhumor unterscheidet.

mit Katharina Marie Schubert, Adam Bousdoukos, Marion Breckwoldt, Paul Faßnacht, Katharina Haufer, Rainer Furch, Canan Kir, Maik Solbach, Rick Okon, Eva Löbau, Luise Heyer

Wiederholung: Samstag, 18. März, 00.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise
Homepage zum Film
Film-Zeit über „Ein Geschenk der Götter“
Moviepilot über „Ein Geschenk der Götter“

Meine Besprechung von Oliver Haffners „Ein Geschenk der Götter“ (Deutschland 2014)

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Neu im Kino/Filmkritik: Das ist wahrlich „Ein Geschenk der Götter“

Oktober 11, 2014

Anna gehört zu den wenigen glücklichen Schauspielerinnen, die beim Stadttheater eine feste Stelle im Ensemble hat. Als sie aus heiterem Himmel ihre Stelle verliert, steht sie vor dem Nichts. Dennoch hat sie Glück im Unglück. Im Jobcenter drückt ihr die Agenturleiterin einen Schauspielkurs aufs Auge. Anna, die das noch nie gemacht hat, soll die Ausbilderin sein. Ihre Schüler sind eine Gruppe schwer Vermittelbarer, die einen schönen Querschnitt durch die sozialen Problemgruppen bilden und die keine Lust auf den vollkommen sinnlosen Schauspielkurs haben. Vor allem nicht auf „Antigone“ von Sophokles. Wie soll ihnen dieses alte Stücke helfen?
„Ein Geschenk der Götter“ orientiert sich an den sozial engagierten, herzerwärmenden britschen Arbeiterkomödien. Oliver Haffner hat einen feinen, liebevollen Blick auf diese Gruppe Hartz-IV-Empfänger, die sich dann doch für das Stück, das viel mit ihrem Leben zu tun hat, erwärmen, zu einer Gemeinschaft werden und es schließlich, als es ihnen angeboten wird, unbedingt im Theater aufführen wollen.
Aber während in den britischen Komödien die Protagonisten gegen viele Widerstände ganz oder gar nicht für ihre Ziele kämpfen und sie, sogar wenn sie scheitern, gewinnen, werden in der deutschen Variante Anna alle Steine auf fast schon märchenhafte Weise (wobei die Leiterin des Job-Centers mehr als einmal der rettende Engel ist) aus dem Weg geräumt.
Eben diese Konfliktarmut verärgert dann auch zunehmend. Denn nie nimmt Anna ihr Schicksal in die Hand. Ihre Schüler dagegen schon.

Ein Geschenk der Götter - Plakat
Ein Geschenk der Götter (Deutschland 2014)
Regie: Oliver Haffner
Drehbuch: Oliver Haffner
mit Katharina Marie Schubert, Adam Bousdoukos, Marion Breckwoldt, Paul Faßnacht, Katharina Haufer, Rainer Furch, Canan Kir, Maik Solbach, Rick Okon, Eva Löbau, Luise Heyer
Länge: 102 Minuten
FSK: ab 0 Jahre

Hinweise
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DVD-Kritik: „Shocking Shorts“, Ausgabe 2014

Juli 22, 2014

 

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Normalerweise fasse ich ja die Handlung einer Geschichte selbst zusammen, aber bei „Shocking Shorts 2014“, einer Sammlung von zehn deutschen Kurzfilmen, die vor allem spannend sein sollen, wurde das bereits vom Verleih und der Presseagentur gut erledigt. Deshalb gibt es jetzt, mit kleinen Ergänzungen, erst einmal die Filmzusammenfassungen und danach meine Kritik:
1) Au Pair
Regie: Marc Schießer
Drehbuch: Marc Schießer
Deutschland, 2013
Länge: 25:03 Minuten
Darsteller: Pia Slomczyk, Yvonne Yung Hee, Darell Montoya, Janina Grün
Das französische Au-Pair-Mädchen Joline (Pia Slomczyk) kommt für einige Zeit nach Deutschland, um im chinesischen Restaurant „Blue Dragon“ zu arbeiten. Zwischen ihr und ihrer Gastmutter Frau Zhou (Yvonne Yung Hee) entsteht ein zunehmend angespanntes Verhältnis, das sich schnell zu einem Psycho-Duell zuspitzt.

2) Dunkler Wald
Regie: Felix F. Walz
Drehbuch: Florian Wentsch
Deutschland, 2013
Länge: 05:15 Minuten
Darsteller: Sarah Maria Besgen, Oliver Franck
Die junge Simone (Sarah Maria Besgen) erwacht in ihrem Badezimmer. Die Wände sind blutverschmiert und irgendwo in ihrem Haus ertönen merkwürdige Geräusche. Ängstlich und zugleich von Neugier getrieben macht sich Simone auf, um herauszufinden, was geschehen ist. Die Spuren scheinen sie zuerst in die Irre zu führen. Doch als sie einem Auto in den nahen Wald folgt, macht sie eine schockierende Entdeckung.

3) Vollnarkose
Regie: Johannes Furrer
Drehbuch: Johannes Furner
Deutschland, 2013
Länge: 12:53 Minuten
Darsteller: Christian Furrer, Jonas Müller-Liljeström, Bernd Michael Straub, Carolin Freund
Der junge Anästhesist Peter (Christian Furrer) wird bei einer OP mit seiner Vergangenheit konfrontiert: Auf dem Operationstisch liegt ein Mann, mit dem Peter noch eine Rechnung offen hat. Hin- und hergerissen zwischen seiner ärztlichen Pflicht und seinen Rachegelüsten, kämpft er mit der Erinnerung.

4) Revolve
Regie: Andreas Olenberg, Nils Klatt
Drehbuch: Andreas Olenberg, Nils Klatt, Daniel Littau
Deutschland, 2013
Länge: 17:36 Minuten
Darsteller: Alwin Barg, Martin Geuer, Hans Morgeneyer, Sebastian Sellner
Sechs Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen in einem abgelegenen Gasthaus zusammengekommen sind, eint ein Ziel: Sie wollen die Nacht überleben. Sie spielen mit hohen Einsätzen und kompromisslosen Regeln. Eine Waffe in der Mitte, in jeder zweiten Kammer eine Patrone, 50 Prozent Überlebenschance, für den, der an der Reihe ist. Und nur ein Gewinner. Wozu ist der Mensch bereit, wenn er nichts zu verlieren hat?

5) Anti Cupido
Regie: Andreas Pakull
Drehbuch: Andreas Pakull
Deutschland, 2014
Länge: 15:00 Minuten
Darsteller: Thomas Krutmann, Meike Gottschalk, Christof Düro, Laurenz Dietz
Ein Ehepaar wird von einer bizarren Gestalt (Thomas Krutmann) aus dem Schlaf gerissen und mit einer Armbrust bedroht. Doch der Fremde will das Ehepaar nicht berauben, sondern ein Gespräch erzwingen. Schnell stellt sich heraus, dass „Anti Cupido“ mehr über die beiden weiß, als ihnen recht ist.

6) Antlitz des Bösen
Regie: Jasmin Lord
Drehbuch: Jasmin Lord, Marco J. Riedl
Deutschland, 2014
Länge: 17:00 Minuten
Darsteller: Tamara Rohloff, Philipp Danne, Francisco Medina
Die erfolgreiche Autorin Nina Sanders (Tamara Rohloff) lädt den jungen Journalisten Daniel (Philipp Danne) zu einem ihrer seltenen Interviewtermine ein. Daniel recherchiert über einen Serienmörder, der in der Stadt sein Unwesen treibt. Auch Nina wurde als junges Mädchen von einem Psychopathen gefangen gehalten und missbraucht, konnte jedoch fliehen. Während des Interviews stellt sich heraus, dass Daniel mehr als nur Hintergrundwissen eines ehemaligen Opfers will.

7) Malik
Regie: Gregor Bös
Drehbuch: Gregor Bös, Thomas Bünger, Laurenz Lerch
Deutschland, 2013
Länge: 08:00 Minuten
Darsteller: Hubert Burczek, Laurenz Lerch, Canan Kir
David (Laurenz Lerch) arbeitet als Barkeeper. Beim Flirt mit der hübschen Sophie (Canan Kir) wird er von einem mysteriösen Mann (Hubert Burczek) gestört, der ihm eine perfide Wette vorschlägt: Er verspricht David einen Sportwagen, sollte sein Feuerzeug zehnmal hintereinander funktionieren. Doch bleibt die Flamme nur einmal aus, verliert David etwas viel Wertvolleres.

8) Rotkäppchen: Eine Erzählung von Blut und Tod
Regie: Florian von Bornstädt, Martin Czaja
Drehbuch: Florian von Bornstädt
Deutschland, 2013
Länge: 17:19 Minuten
Darsteller: Cornelia Werner, Alexx Grimm, Vivien Ciskowska
Als Markus (Alexx Grimm) vor seinem Wohnhaus ein verdrecktes Mädchen (Vivien Ciskowska) entdeckt und es mit in seine Wohnung nimmt, ahnt seine Frau Annika (Cornelia Werner) schnell, dass mit diesem Kind etwas nicht stimmt. Sie fühlt sich nicht wohl bei dem Gedanken, es über Nacht in der Wohnung zu haben und soll schnell Recht behalten. Das Mädchen kennt intime Geheimnisse des Ehepaars. Bald beginnt ein Psychospiel, das blutig enden soll.

9) die Prüfung
Regie: Claudio Franke
Drehbuch: Claudio Franke
Deutschland, 2014
Länge: 06:00 Minuten
Darsteller: Markus Knüfken, Valentin Teufel, Melanie Herbe
„Weil du jetzt zwölf bist. Jeder muss diese Prüfung ablegen.“ Als Léon (Valentin Teufel) zwölf wird, steht die Prüfung an. Der Staat, in dem er lebt, testet jeden Bürger im Alter von zwölf Jahren. Léons Mutter (Melanie Herbe) erklärt ihm, dass es eine Art Intelligenztest sei. Da er immer ein guter Schüler war, macht sich der Junge keine Sorgen. Doch seine Eltern verhalten sich merkwürdig.

10) Abbitte eines Mörders
Regie: Julian Cohn
Drehbuch: Julian Cohn
Deutschland, 2013
Länge: 21:30 Minuten
Darsteller: Olaf Krätke, Bernd Gnann, Ludwig Blochberger, David Heim, Marc Adler
Eine Kirche. Ein junger Pater (Ludwig Blochberger) im Beichtstuhl. Ein alter Mann (Olaf Krätke) in der Nachbarkabine. Er will Buße tun – so scheint es zumindest. Doch schon bald wird klar, dass keiner der beiden, der ist, der er vorgibt zu sein.

Na, das klingt doch ganz spannend und insgesamt fallen die zehn Kurzfilme auch überraschend spannend aus, sind kurzweilig und haben eine gelungene Pointe, auch wenn einige überdeutlich von bekannten Vorbildern inspieriert sind („Malik“ von einer Episode aus „Four Rooms“) oder die Pointe absehbar ist, vor allem bei den Psychodramen „Abbitte eines Mörders“ oder „Anlitz des Bösen“, dem Gewinner des diesjährigen Shocking Shorts Award, der seit fünfzehn Jahren vom TV-Sender 13th Street vergeben wird.
Ansonsten geht es quer durch die Genres und Genrevarianten zwischen Crime und Horror. Mal mehr, mal weniger ernst. So erzählt „Anti Cupido“, grotesk übersteigert und witzig, von einer Paartherapie der anderen Art. Der Horrorfilm „Dunkler Wald“ beeindruckt durch seine expressionistische SW-Noir-Kamera – und ist der stilistische Gewinner. „die Prüfung“ ist eine hundsgemeine Dystopie, die auf einer Kurzgeschichte von Henry Sleaser, einem Meister der kurzen Form, basiert.
Das sind die drei besten Filme, aber auch das stilisierte „Au Pair“, „Revolve“ (letztendlich ein lupenreiner Gangsterkrimi), die als Drogentrip abfallende „Vollnarkose“ und das in Richtung Fantasy gehende „Rotkäppchen: Eine Erzählung von Blut und Tod“ brauchen sich nicht zu verstecken.
Als Bonusmaterial gibt es einen gut neunminütigen „Bericht vom Shocking Shorts Award 2013“, der ungefähr die Tiefe einer Boulevard-Reportage hat. Da wären einige Hintergrundinformationen zu den für wenig Geld herstellten Kurzfilmen und den Machern deutlich spannender gewesen.

Shocking Shorts 2014
Concorde
Bild: 16:9
Ton: Deutsch (Dolby Digital 2.0, Dolby Digital 5.1)
Untertitel: –
Bonusmaterial: Bericht vom Shocking Shorts Award 2013
Länge: 145 Minuten
FSK: ab 18 Jahre

Hinweise
13th Street über den Shocking Shorts Award
Wikipedia über den Shocking Shorts Award

Einige Impressionen vom diesjährigen Shocking Shorts Award

und ein Gespräch mit dem Gewinner


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