Neu im Kino/Filmkritik: „A Cure for Wellness“ mit Nebenwirkungen

Februar 23, 2017

Normalerweise würde man „A Cure for Wellness“ als Spaßprojekt bezeichnen. Es ist ein kleiner Film, den der Regisseur macht, um sich von seinen anderen, deutlich höher budgetierten Filmen eine Auszeit zu gönnen. Allerdings ist Gore Verbinski vor allem für die „Pirates of the Carribean“-Filme bekannt und auch sein letzter Film „The Lone Ranger“ schrieben „Spaß“ groß, „Story“ und „Tiefgang“ dagegen klein. „A Cure for Wellness“, gedreht mit dem Budget, das bei den Piratenfilmen für die Garderobe eines Schauspielers verwandt wird, ist wirklich keine Komödie (obwohl, wenn man den Film mit den richtigen Leuten sieht, er sicher eine lustige Angelegenheit wird). Viel „Tiefgang“ und „Story“ hat er auch nicht und mit gut 150 Minuten ist er auch deutlich zu lang geraten. Gekürzt um ein Drittel auf 100 Minuten könnte es ein netter kleiner Horrorfilm sein, in dem der Wall-Street-Broker Lockhart (Dane DeHaan) von seinen Vorgesetzten in die Schweiz geschickt wird. Dort soll er in einem einsam gelegenem Kurhotel den Vorstandsvorsitzenden Pembroke überzeugen, sofort in die USA zurückzukehren. Durch einen Autounfall wird Lockhart unfreiwillig zu einem Gast des Hotels, das von Dr. Heinrich Volmer (Jason Isaacs) geführt wird und der seine sehr wohlhabenden, älteren Gäste, vor, während und nach den Therapien immer mit reichlich Wasser, das heilende Wirkungen haben soll, versorgt. Denn: Trinken ist wichtig.

Schnell bemerkt Lockhart, dass in dem Spa irgendetwas nicht stimmt und langsam, weil Verbinski seinen Film sehr langsam erzählt, entdeckt er einige Merkwürdigkeiten, die ein Best-of-Horrorfilm sind. Inclusive einer Jungfrau, die seit ihrer Jugend in der Wellness-Oase lebt, eine mysteriöse Vergangenheit hat, und in die sich unser Held verliebt. Anscheinend wurde bei den Drehbuchbesprechungen nach der Methode vorgegangen „wenn ein Schloss in den Alpen dabei ist, gehört es in den Film“. So können Horrorfilmfans in jeder Szene mühelos Anspielungen auf zahllose Horrorfilmklassiker entdecken.

Trotz einiger Horrorszenen, die etwas mit dem Wasser zu tun haben, will „A Cure for Wellness“ nie mehr als ein sanfter Grusler sein, der ohne große Veränderungen auch um die Jahrhundertwende oder, einige Jahre früher, im neunzehnten Jahrhundert spielen könnte. Denn ob Lockhart mit einem Auto oder einer Kutsche in das Schloss fährt, ist einerlei. Ebenso ob er auf einem Fahrrad oder einer Kutsche mehr oder weniger erfolglos aus dem Schloss flüchtet.

Filmfans mit einem breiteren Spektrum können dann noch „Der Zauberberg“ (wegen des Handlungsortes) und „Das Apartment“ (wegen der in Manhattan spielenden Büroszenen am Filmanfang) erwähnen, während die Filmgeschichte in jeder Beziehung zunehmend zerfasert. Spätestens ab der Mitte rangiert sie dann ungefähr auf dem chaotisch-sinnfreiem Niveau von „The Lone Ranger“. Allerdings todernst, bedeutungsschwer, getragen und langsam. Sehr langsam.

Anfangs entfaltet sich so – auch wenn man als Zuschauer, während unser Held Lockhart nach der langen Zug- und Autofahrt noch mit der Empfangsdame des Spas über die Besuchszeiten diskutiert, schon die nächsten fünf Plotpunkte kennt – eine hypnotische Stimmung und eine leichte Verschiebung der Realität ins Irreale. Später fragt man sich, was dieser Wust disparater Ideen einem sagen soll.

Dabei ist „A Cure for Wellness“ schön gefilmt in seiner besinnungslosen, todernsten Zitathaftigkeit. Die Drehorte in Deutschland (viel wurde in der Burg Hohenzollern, den Beelitz Heilstätten und, selbstverständlich, den Babelsberg Studios gedreht) sind fotogen und voller naturgegebener Fin-de-Siècle-Atmosphäre. Da muss dann nur noch eine (!) (nicht zwei, drei oder viele) Geschichte erzählt werden.

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A Cure for Wellness (A Cure for Wellness, USA/Deutschland 2016)

Regie: Gore Verbinski

Drehbuch: Justin Haythe (nach einer Geschichte von Justin Haythe und Gore Verbinski)

mit Dane DeHaan, Jason Isaacs, Mia Goth, Celia Imrie, Harry Groener, Adrian Schiller, Michael Mendl

Länge: 147 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Filmportal über „A Cure for Wellness“

Moviepilot über „A Cure for Wellness“

Metacritic über „A Cure for Wellness“

Rotten Tomatoes über „A Cure for Wellness“

Wikipedia über „A Cure for Wellness“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Gore Verbinskis „The Lone Ranger“ (The Lone Ranger, USA 2013)


Neu im Kino/Filmkritik: Pierce Brosnan und Emma Thompson tun es „Wie in alten Zeiten“

Oktober 19, 2014

Die Scheidung von Richard (Pierce Brosnan) und Kate (Emma Thompson) liegt schon acht Jahre zurück und, abgesehen von kleinen Sticheleien, verstehen sie sich gut. Außerdem haben sie zwei Kinder,zu denen sie eine gute Beziehung haben und die inzwischen, studienbedingt, flügge sind.
Richard hat jetzt seine Firma verkauft und er sieht entspannt seinem Ruhestand entgegen, bis er erfährt, dass der Käufer seiner Firma eine Heuschrecke ist. Sein Vermögen, das seiner Angestellten und auch Kates Altersvorsorge sind weg.
In Paris wollen sie mit diesem betrügerischem Finanzmanager Vincent Kruger (Laurent Lafitte) ein ernstes Wort reden und an seine edlen Gefühle und Versprechen, die er beim Firmenkauf abgab, appellieren. Selbstverständlich haben sie keinen Erfolg, aber nachdem sie erfahren, dass Kruger demnächst in Cannes heiratet und seiner Künftigen eine wertvolle Halskette als Hochzeitsgeschenk umhängen will, beschließen sie, zusammen mit ihren Uralt-Freunden Jerry (Timothy Spall, demnächst „Mr. Turner“) und Pen (Celia Imrie), die Kette zu klauen.
Dafür müssen sie nur auf die Hochzeitsfeier in einem Schloss, das natürlich bestens gesichert ist, gelangen. Auf der einen Seite gibt es Wachleute mit Fingerabdruck-Scannern, auf der anderen Seite eine wirklich atemberaubende Klippe.
„Wie in alten Zeiten“ von Joel Hopkins („Liebe auf den zweiten Blick“) ist eine Romantic Comedy für die Generation 50+, in der das Klauen der Kette nur das Wiedervereinigungsprogramm für Richard und Kate ist. Denn selbstverständlich erwachen während des Abenteuers ihre alten Gefühle füreinander wieder.
Der Diebstahl ist allerdings erstaunlich schlampig vorbereitet und ohne unglaublich viele glückliche Umstände, hätten Richard, Kate, Jerry und Pen noch nicht einmal die Hochzeitsgesellschaft beehren können. Dabei hat Jerry zum Erstaunen seiner Frau, die ihn bislang nur als Biedermann kannte, sehr interessante und sehr halbseidene Freunde, die er aus seiner ihr unbekannten Zeit bei der Fremdenlegion und der Marine kennt. Da war er wohl so eine Art James Bond. In dem Film gibt es auch einige Anspielungen auf den Geheimagenten Ihrer Majestät, der für die in „Wie in alten Zeiten“ geplante Aktion allerdings ein schlechter Ratgeber ist. Besser hätte Richard sich vorher einige Folgen „Remington Steele“ angesehen. Dann hätte er keinen Plan ersonnen, der nur dank absurder Zufälle funktioniert, sondern er hätte einen perfekten Plan, der an der Realität scheitert.
Hopkins‘ Film ist, dank der gut aufgelegten Schauspieler, die man immer wieder gerne sieht, eine nette Caper-Komödie, die natürlich den Klassikern des Genres Tribut zollt und deutlich besser als „Gambit – Der Masterplan“ ist.

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Wie in alten Zeiten (The Love Punch, Frankreich/USA 2013)
Regie: Joel Hopkins
Drehbuch: Joel Hopkins
mit Pierce Brosnan, Emma Thompson, Timothy Spall, Celia Imrie, Louise Bourgoin, Laurent Lafitte
Länge: 95 Minuten
FSK: ab 0 Jahre

Hinweise
Englische Facebook-Seite zum Film
Deutsche Facebook-Seite zum Film

Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Wie in alten Zeiten“
Moviepilot über „Wie in alten Zeiten“
Metacritic über „Wie in alten Zeiten“
Rotten Tomatoes über „Wie in alten Zeiten“
Wikipedia über „Wie in alten Zeiten“


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