Neu im Kino/Filmkritik: „Glass“ – M. Night Shyamalan besucht bekannte Figuren

Januar 20, 2019

Hier ist er: der Abschluss einer Trilogie, nach der niemand verlangt hat. Denn „Unbreakable“ und „Split“ waren zwei vollkommen eigenständige, an der Kasse erfolgreiche Filme. „Unbreakable“ erzählte eine Geschichte über einen Normalbürger (Bruce Willis), der zum Superhelden wird und das bevor es die ganze Aufregung über Superheldengeschichten gab. Damit war M. Night Shyamalans Film vor seiner Zeit. „Split“ ist letztendlich ein Thriller über einen wahnsinnigen Entführer (James McAvoy). Denn in dem Körpers des Entführers wohnen zwei Dutzend verschiedenen Persönlichkeiten. Am Ende zeigt er dann seine Superkräfte, indem er an Wänden entlangläuft. Das war während des gesamten Films nicht vorbereitet worden und gefiel mir damals überhaupt nicht. Am Ende gibt es dann noch einen Kurzauftritt von Bruce Willis und damit die Gewissheit, dass beide Filme in der gleichen Welt spielen. Das hätte aber auch ein kurzer Gag sein können, weil halt beide Filme in Philadelphia spielen.

War es nicht. Es war der Hinweis, dass beide Filme ‚Origin-Geschichten‘ sind und sie jetzt in „Glass“ zusammengeführt und zu Ende erzählt werden. So erzählt M. Night Shyamalan es jedenfalls heute. Es gibt auch fast zwanzig Jahre alte Statements von ihm, in denen er ebenfalls sagt, dass „Unbreakable“ der erste von mehreren Filmen sein soll. Es gibt auch Statements, in denen er das Gegenteil sagt. Ein Grund für seine wechselnden Statements war, dass „Unbreakable“ im Kino unter den Erwartungen blieb, aber im Heimkino dann gut lief. „Split“ war dann so erfolgreich, dass er jetzt „Glass“ drehen konnte.

Glass“ zerfällt dabei in zwei, letztendlich statische Teile. Die erste Hälfte spielt in einer gut gesicherten, geschlossenen Anstalt (aka Arkham Asylum?). Dort sitzen, gegen ihren Willen, David Dunn (Bruce Willis), Kevin Wendell Crumbs (James McAvoy) und Elijah Price, aka Mr. Glass (Samuel L. Jackson). Dr. Ellie Staple (Sarah Paulson) ist als Leiterin der Anstalt überzeugt, dass diese drei Männer zwar glauben, dass sie Superkräfte haben, aber alles natürlich erklärt werden kann. Sie möchte sie von Irrglauben heilen. Diese Hälfte ist vor allem ein Showcase für James McAvoy, der bruchlos zwischen den verschiedenen in Crumbs lebenden Charakteren wechselt. Es ist „Split“ ohne eine Geschichte.

Die zweite Hälfte spielt dann vor der Anstalt und sie ist vor allem eine endlose Klopperei.

Natürlich erzählt M. Night Shyamalan auch etwas mehr und am Ende gibt es einige Überraschungen, die dann teils nicht so wahnsinnig überraschend sind, teils wirken, als solle vor allem eine neue Serie vorbereitet werden. Weil allerdings keiner dieser Twists vorbereitet wurde, überzeugt auch keiner dieser Twists.

Dabei thematisiert Shyamalan all die bekannten Topoi und Klischees aus Superheldengeschichten und bürstet sie immer wieder gegen den Strich. Als intellektuelle Beschäftigung mit einem Genre hat das, wenn man sich in dem Genre auskennt, durchaus seine reizvollen Momente. Sogar die Struktur hat er aus den Comics übernommen, in denen eine Geschichte in zwei Heften erzählt wird und jedes Heft eigenständig gelesen werden kann. Aber als Film fehlt „Glass“ eine stringente Geschichte. Und es wird niemals deutlich, warum „Glass“ das Finale einer Trilogie sein soll. „Glass“ wirkt niemals wie der aus den vorherigen Filmen notwendige Abschluss einer Geschichte, sondern immer wie ein kühl kalkuliertes und lustlos ausgeführtes Kommerzprodukt.

Fortsetzung folgt…

Glass (Glass, USA 2019)

Regie: M. Night Shyamalan

Drehbuch: M. Night Shyamalan

mit James McAvoy, Samuel L. Jackson, Bruce Willis, Anya Taylor-Joy, Spencer Treat Clark, Charlayne Woodard, Sarah Paulson, Luke Kirby, M. Night Shyamalan

Länge: 130 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Glass“

Metacritic über „Glass“

Rotten Tomatoes über „Glass“

Wikipedia über „Glass“ (deutsch, englisch)

Collider über das Ende (Ähem, ja, vor allem bei Wikipedia und Collider: Vorsicht Spoiler! – und auch der jetzt wohl mehr oder weniger offizielle Name der Trilogie ist, wenn man „Glass“ nicht gesehen und ein gutes Gedächtnis hat, ein Spoiler.)

Meine Besprechung von M. Night Shyamalans „After Earth“ (After Earth, USA 2013)

Meine Besprechung von M. Night Shyamalans „Split“ (Split, USA 2017)

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TV-Tipp für den 13. Januar: Unbreakable – Unzerbrechlich

Januar 13, 2019

RTL II, 20.15

Unbreakable – Unzerbrechlich (Unbreakable, USA 2000)

Regie: M. Night Shyamalan

Drehbuch: M. Night Shyamalan

Nach einem Zugunglückfragt David Dunn sich, warum er als einziger die Katastrophe überlebte und warum er sie unverletzt überlebte. Der an der Glasknochenkrankheit leidende Comic-Nerd Elijah Price hat eine interessante Erklärung.

Damals, im Kino und lange vor dem Marvel Cinematic Universe, empfand ich M. Night Shyamalans ersten Film nach seinem Welterfolg „The sixth Sense“ (ebenfalls mit Bruce Willis) als einen durchaus interessanten, aber zähen Film mit absehbarer Pointe über Comic-Superhelden, die es auch in unserer Welt geben soll.

‚Unbreakable‘ ist so ein Superheldenfilm ohne Superhelden geworden, eher die melancholische Etüde über die unerträgliche Schwere des Seins eines Mr. Normal.“ (Hans-Joachim Neumann, Zitty 1/2001)

mit Bruce Willis, Samuel L. Jackson, Robin Wright Penn, Spencer Treat Clark, Charlayne Woodard, Eamonn Walker

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Unzerbrechlich“

Wikipedia über „Unzerbrechlich“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von M. Night Shyamalans „After Earth“ (After Earth, USA 2013)

Meine Besprechung von M. Night Shyamalans „Split“ (Split, USA 2017)

Am Donnerstag, den 17. Januar, läuft bei uns M. Night Shyamalans neuer Film „Glass“ an. Er schließt damit die mit „Unbreakable“ und „Split“ begonnene Trilogie ab. Meine Besprechung gibt es zum Kinostart. Hier ein Trailer:


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