DVD-Kritik: Vier Noirs, gut abgehangen und immer noch sehenswert

Juli 20, 2015

Die Filme habe ich schon vor einiger Zeit gesehen, aber aus Gründen, die ausschließlich bei mir lagen (Planung, Planung und 5-Jahres-Pläne) komme ich erst jetzt dazu, „Unter Verdacht“, „Der unheimliche Gast“, „Ministerium der Angst“ und „Die Killer“ abzufeiern. Sie sind alle in der uneingeschränkt lobenswerten „Film Noir“-Collection von Koch Media erschienen und sie sind, auch wenn nicht jeder Film ein Klassiker ist, einen Blick wert. Bild und Ton sind, immerhin sind die Filme schon etwas älter, gewohnt gut. Die Zusatzinformationen sind, wie bei den vorherigen Veröffentlichungen, informativ und gut gewählt. Es gibt immer ein 16-seitiges Booklet mit einem Essay von Thomas Willmann über den Film, den Trailer, eine Bildergalerie und, manchmal noch mehr, wie ein parallel zum Film entstandenes Radiohörspiel.
Und es ist eine der Gelegenheiten, einige fast schon vergessene Filme von Größen wie Fritz Lang und Robert Siodmak (mehr über den inzwischen wieder fast vergessenen Regisseur könnt ihr in „Robert Siodmak“ lesen) wieder oder erstmals zu entdecken.

Robert Siodmak ist vor allem bei Noir-Fans hochgeschätzt und mit „Unter Verdacht“ und „Die Killer“ liegen jetzt zwei seiner großen Noirs vor.
„Die Killer“ ist die erste Verfilmung von Ernest Hemingways gleichnamiger Kurzgeschichte, die eigentlich nur aus einer Situation besteht: ein Mann wartet in einem Hotelzimmer auf seine Killer. Warum erfahren wir nicht in Hemingways Geschichte, aber Robert Siodmak und später Don Siegel (der die Geschichte 1964 verfilmte) bieten eine Erklärung an.
In dem Dorf Brentwood tauchen zwei Killer auf. Sie suchen einen Mann, finden und töten ihn. Während die Polizei den Fall als Auseinandersetzung zwischen auswärtigen Verbrechern zu den Akten legt, beginnt Versicherungsdetektiv Reardon mit seinen Ermittlungen. Dabei entdeckt er eine Versicherungspolice des Toten Pete Lunn, genannt „der Schwede“, den dieser auf ein Zimmermädchen ausgestellt hatte. Als Reardon weiter in Lunns Vergangenheit stöbert, erfährt er, wie der Boxer in kriminelle Gesellschaft geriet. Wegen einer Frau anderen Frau.
Siodmaks Film ist ein unumstrittener Noir-Klassiker voll grandioser Szenen und verzweifelter Menschen. Das mit dem Edgar-Allan-Poe-Award ausgezeichnete Werk war damals in den USA ein Kassenhit, der Robert Siodmaks Marktwert in Hollywood ungemein steigerte. Burt Lancaster, der in „Die Killer“ sein Leinwanddebüt als der Schwede gab, hätte keinen besseren Einstand haben können. Ava Gardner, die davor kleine, unwichtige Rollen spielte und hier die Femme Fatale war, wurde ebenfalls zum Star.
Ernest Hemingway, der die meisten Verfilmungen seiner Werke hasste, war begeistert von Siodmaks Verfilmung. Sie nennt zwar einen Grund für Lunns regloses Warten auf seinen Tod, nimmt aber nichts vom Fatalismus der Vorlage weg.


„Unter Verdacht“ ist vor allem eine Paraderolle für Charles Laughton, der Philip Marshall, einen reichen, unglücklich verheirateten Geschäftsmann spielt, der 1902 in London eine andere Frau kennenlernt. Kurz darauf stirbt Marshalls Frau bei einem Unfall. Scotland-Yard-Inspektor Huxley glaubt zwar an einen Mord, aber er hat gegen Marshall keine Beweise. Kurz darauf heiratet Marshall Mary Grey – und spätestens wenn Marshall seinen Nachbarn, der ihn erpressen wollte, vergiftet, wissen wir, dass hinter der jovialen Maske des Geschäftsmannes ein kaltblütiger Mörder ist.
Ein mit der Atmosphäre des viktorianischen Londons, in dem wenige Jahre früher Jack the Ripper mordete, badender Noir, der vor allem Dank Charles Laughton sehenswert ist.

Fritz Lang ist natürlich allgemein bekannt. „Metropolis“, „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ und die ersten„Dr. Mabuse“-Filme sind einflussreiche Filme, die jeder Filmfan gesehen hat (oder es behauptet und schnellstens nachholen sollte).
„Ministerium der Angst“ gehört zu seinen unbekannteren Werken. Er drehte den Thriller 1944 nach einem Roman von Graham Greene und Buch und Film sind natürlich eine unmittelbare Reaktion auf den 2. Weltkrieg und den London und halb England verwüstenden Bombenkrieg.
Stephen Neale (Ray Milland) wird aus einer ländlich gelegenen Irrenanstalt entlassen. Schon auf dem Weg nach London wird er von seltsamen Männern verfolgt. Dass er nicht an einer paranoiden Wahnvorstellung leidet, beweisen die Leichen, die plötzlich seinen Weg pflastern und die ihn als Mörder verfolgende Polizei, die noch gar nicht mitbekommen hat, dass ein Nazi-Agentenring in London arbeitet.
Die actionreiche Jagd mit einem von allen verfolgten, unschuldigen Normalbürger ist inzwischen immer noch als typischer Alfred-Hitchcock-Stoff bekannt. Schon Jahrzehnte vor „Der unsichtbare Dritte“ drehte Hitchcock, noch in England mehrere Filme mit einer ähnlichen Geschichte. Am bekanntesten dürfte seine John-Buchan-Verfilmung „Die 39 Stufen“ sein. Dicht gefolgt von „Der Mann, der zu viel wusste“ (wobei hier das Remake mit James Stewart bekannter ist). Diese Hitchcock-Filme sind dann auch das größte Problem für Langs Film, weil Hitchcock schon in den Dreißigern deutlich flottere Thriller inszenierte.
Dennoch, oder gerade deswegen und weil es hier nicht um Thriller, sondern um Noirs geht: empfehlenswert, wenn auch nicht so gut wie „Die Killer“.
„Obwohl Fritz Lang den Film nicht besonders mochte, gehört er zu den besten seiner Films noirs. Die Orientierungslosigkeit des Helden, der als Spielball unbekannter Mächte in einer Welt verborgener Identitäten seine eigene Identität sucht, stellt Lang mit äußerster formaler Geschlossenheit dar.“ (Paul Werner: Film noir)


Im Gegensatz zu Fritz Lang und Robert Siodmak ist Lewis Allen deutlich unbekannter. Nach einigen Spielfilmen, u. a. „Desert Fury – Liebe gewinnt“ (der ebenfalls in der Film Noir Collection erschien), die alle keine große Aufmerksamkeit erregten, arbeitete er seit den Fünfzigern vor allem für das Fernsehen, wo er zahlreiche TV-Episoden inszenierte, unter anderem für die Serien „Auf der Flucht“, „Kobra, übernehmen Sie“ und „Bonanza“.
Sein Spielfilmdebüt „Der unheimliche Gast“ ist eigentlich kein Noir. Da helfen auch einige Noir-Einstellungen, wenn die Kerzen im Haus große Schatten werfen, nicht. Es ist ein Geisterfilm und ein Liebesfilm, der nie wirklich gruselt. Über weite Strecken ist der Geist einfach ein Hausgeist, ein weiterer Bewohner, den man halt akzeptiert. Also wie „Beetlejuice“, nur ohne den Tim-Burton-Humor und ohne die Verbrüderung der Bewohner mit den Geistern.
1937 kaufen Komponist Patrick Fitzgerald (Ray Milland) und seine Schwester Pamela (Ruth Hussey) das einsam an der Küste in Cornwall gelegene, erstaunlich günstige Windward House. Schon bald bemerken sie, ihr Schoßhund und die Hauskatze, dass sie einen nicht eingeladenen Hausgast haben, der sie aus dem Haus verjagen will.
Trotz allem hat der doch inzwischen arg altmodische Grusler seine Fans. Martin Scorsese und Guillermo Del Toro nahmen den Film in ihre Listen der schaurigsten Horrorfilme auf – und allein das rechtfertigt schon einen Blick.

Unter Verdacht - DVD-Cover
Unter Verdacht (The Suspect, USA 1944)
Regie: Robert Siodmak
Drehbuch: Bertram Millhauser, Arthur T. Horman (Adaptation)
LV: James Ronald: This Way Out, 1939
mit Charles Laughton, Ella Raines, Dean Harens, Stanlec C. Ridges

DVD
Koch Media (Film Noir Collection 16)
Bild: 1.37:1
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Bildergalerie, Booklet, Einstündiges Hörspiel mit Charles Laughton und Ella Raines
Länge: 82 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Rotten Tomatoes über „Unter Verdacht“
Turner Classic Movies über „Unter Verdacht“
Wikipedia über „Unter Verdacht“ (deutsch, englisch)

Filmportal über Robert Siodmak

Senses of Cinema über Robert Siodmak

Noir of the Week über Robert Siodmak

Meine Besprechung von Robert Siodmaks “Zeuge gesucht” (Phantom Lady, USA 1943)

Meine Besprechung von Robert Siodmaks “Der schwarze Spiegel” (The dark mirror, USA 1946)

Meine Besprechung von Deutsches Historisches Museum (Hrsg.) „Robert Siodmak“ (2015)

Der unheimliche Gast - DVD-Cover

Der unheimliche Gast (The Uninvited, USA 1944)
Regie: Lewis Allen
Drehbuch: Dodie Smith, Frank Partos
LV: Dorothy Macardle: Uneasy Freehold, 1941 (US-Titel „The Uninvited“)
mit Ray Milland, Ruth Hussey, Gail Russel, Alan Napier, Cornelia Otis Skinner

DVD
Koch Media (Film Noir Collection 17)
Bild: 1.37:1 (4:3)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Englisch
Bonusmaterial: Trailer, Bildergalerie, Booklet, Zwei jeweils halbstündige Radio-Hörspiele zum Film mit Ray Milland von 1944 und 1949
Länge: 95 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Rotten Tomatoes über „Der unheimliche Gast“
Turner Classic Movies über „Der unheimliche Gast“
Wikipedia über „Der unheimliche Gast“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Lewis Allens „Desert Fury – Liebe gewinnt“ (Desert Fury, USA 1947)
Ministerium der Angst - DVD-Cover

Ministerium der Angst (Ministry of Fear, USA 1944)
Regie: Fritz Lang
Drehbuch: Seton I. Miller
LV: Graham Greene: Ministry of Fear, 1943 (Zentrum des Schreckens)
mit Ray Milland, Marjorie Reynolds, Dan Duryea, Percy Waram, Erskine Sanford, Alan Napier

DVD
Koch Media (Film Noir Collection 18)
Bild: 1.37:1 (4:3)
Ton: Deutch, Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Englisch
Bonusmaterial: Trailer, Bildergalerie, Booklet
Länge: 83 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Rotten Tomatoes über „Ministerium der Angst“
Turner Classic Movies über „Ministerium der Angst“
Wikipedia über „Ministerium der Angst“ (deutsch, englisch)

Senses of Cinema: Dan Shaw über Fritz Lang

BFI über Fritz Lang

MovieMaker: Interview von 1972 mit Fritz Lang

Manhola Dargis: Making Hollywood Films Was Brutal, Even for Fritz Lang (New York Times, 21. Januar 2011)

Meine Besprechung von Fritz Langs “Du und ich” (You and me, USA 1938)

Meine Besprechung von Fritz Langs “Auch Henker sterben” (Hangman also die, USA 1943)

Meine Besprechung von Astrid Johanna Ofner (Hrsg.): Fritz Lang – Eine Retrospektive der Viennale und des Österreichischen Filmmuseums (2012 – Sehr empfehlenswert!)

Fritz Lang in der Kriminalakte

Wikipedia über Graham Greene (deutsch, englisch)

Kirjasto über Graham Greene

Greeneland – The World of Graham Greene (Fanseite)

Meine Besprechung von Graham Greenes “Am Abgrund des Lebens” (Brighton Rock, 1938) und den englischen Verfilmungen von 1947 und 2010

Die Killer - DVD-Cover
Die Killer (The Killers, USA 1946)
Regie: Robert Siodmak
Drehbuch: Anthony Veiller, John Huston (ungenannt), Richard Brooks (ungenannt)
LV: Ernest Hemingway: The Killers, 1927 (Die Killer, Kurzgeschichte)
mit Burt Lancaster, Ava Gardner, Edmond O’Brien, Albert Dekker, Sam Levene, William Conrad
auch bekannt als „Rächer der Unterwelt“

DVD
Koch Media (Film Noir Collection 19)
Bild: 1.37:1 (4:3)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Englisch
Bonusmaterial: Trailer, Bildergalerie, Booklet, Radioadaption von 1949 mit Burt Lancaster, Shelley Winters und William Conrad
Länge: 98 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Rotten Tomatoes über „Die Killer“
Turner Classic Movies über „Die Killer“
Wikipedia über „Die Killer“ (deutsch, englisch)
Noir of the Week über „Die Killer“

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TV-Tipp für den 19. Juli: Spartacus

Juli 19, 2015

3sat, 21.40
Spartacus (USA 1960, Regie: Stanley Kubrick)
Drehbuch: Dalton Trumbo
LV: Howard Fast: Spartacus, 1951 (Spartacus)
71 nach Christus: Spartacus führt einen Sklavenaufstand gegen die Römer an – und Stanley Kubrick inszenierte (nachdem Produzent und Hauptdarsteller Kirk Douglas Regisseur Anthony Mann gefeuert hatte) einen der wenigen genießbaren Monumentalfilme.
mit Kirk Douglas, Laurence Olivier, Jean Simmons, Charles Laughton, Peter Ustinov, John Gavin, Tony Curtis, Nina Foch, John Ireland, Herbert Lom, John Dall, Woody Strode
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Spartacus“
Wikipedia über „Spartacus“ (deutsch, englisch)
Stanley Kubrick in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 6. April: Der Fall Paradin

April 6, 2015

3sat, 22.45
Der Fall Paradin (USA 1947, Regie: Alfred Hitchcock)
Drehbuch: David O. Selznick, Alma Reville (Adaption), Ben Hecht (ungenannt), James Bridie (ungenannt)
LV: Robert Hitchens: The Paradine case, 1933 (Wege im Zwielicht)
Der verheiratete Staranwalt Keane soll die des Mordes angeklagte Mrs. Paradine verteidigen. Er verliebt sich in die Angeklagte und möchte ihre Unschuld beweisen. Aber die Beweise sprechen eine andere Sprache.
„Der Fall Paradin“ war ein Lieblinsprojekt von David O. Selznick. Hitchcock hielt nie besonders viel von dem Stoff, aber er drehte den Film, um seinen Vertrag mit Selznick zu erfüllen. Selznick begann die Dreharbeiten ohne ein vollständiges Drehbuch, mischte sich immer wieder in die Drehbarbeiten ein (er gab Hitchcock täglich die zu drehenden Seiten), es wurde endlos unnützes Material gedreht, die Drehbarbeiten dauerten 92 Tage, die Kosten explodierten. Mit vier Millionen Dollar, so Donald Spoto in seiner Hitchcock-Biografie, kostete „Der Fall Paradin“ etwas mehr als Selznicks Epos „Vom Winde verweht“. Das kostete 3,9 Millionen Dollar; die allerdings auch im Film zu sehen sind. Eine erste Fassung von „Der Fall Paradin“ war fast drei Stunden. Für die Kinoauswertung wurde dann eine Stunde herausgekürzt. Dennoch ist „Der Fall Paradin“ immer noch ein dröger, langatmiger Gerichtsfilm. Halt zu viel Selznick und zu wenig Hitchcock.
Mit Gregory Peck, Ann Todd, Charles Laughton, Ethel Barrymore, Louis Jordan, Alida Valli, Leo G. Carroll

Wiederholung: Mittwoch, 8. April, 02.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Fall Paradin“

Douglas Pye: In and Around The Paradine Case – Control, Confession and the Claims of Marriage (ein ausführlicher Artikel über den Film, erschienen bei Rouge Press)

Wikipedia über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2“

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks „Mr. und Mrs. Smith“

Meine Besprechung von Thilo Wydras „Alfred Hitchcock“

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Ben Hechts „Von Chicago nach Hollywood – Erinnerungen an den amerikanischen Traum“


DVD-Kritik: Feiner Reihenauftakt der „Masterpieces of Cinema“ mit „Die Nacht des Jägers“ und „Einsam sind die Tapferen“

Mai 4, 2013

 

Für Cineasten sind der Country-Noir „Die Nacht des Jägers“ und der Neo-Western „Einsam sind die Tapferen“ Klassiker, die bislang in Deutschland noch nicht auf DVD oder nur in einer sehr spartanischen DVD veröffentlicht wurden.

 

So war „Die Nacht des Jägers“ bislang nur als DVD ohne Bonusmaterial erhältlich. Die DVD/Blu-ray-Ausgabe von Koch-Media in der „Masterpieces of Cinema“-Collection enthält jetzt den Film auf DVD und, erstmals, Blu-ray mit knapp zwanzig Minuten Bonusmaterial. Der nächste Schritt wäre eine deutsche Veröffentlichung der Criterion-DVD/Blu-ray mit umfangreichem Bonusmaterial, wie einem Audiokommentar mit dem Second-Unit-Regisseur Terry Sanders, Filmarchivar Robert Gitt, Kritiker F. X. Feeney und Autor Preston Neal Jones, dem gut vierzigminütigem „The Making of ‚The Night of the Hunter’“, dem gut 160-minütigem „Charles Laughton directs ‚The Night of the Hunter’“ und vielen weiteren Extras. Aber das dürfte noch einige Zeit dauern; falls überhaupt.

 

In „Die Nacht des Jägers“, dem einzigen Spielfilm von Schauspieler Charles Laughton, spielt Robert Mitchum den während der Depression über das Land ziehenden Prediger Harry Powell, der „Hate“ (Hass) und „Love“ (Liebe) auf seine Finger tätowiert hat und diese Tätowierungen bei seinen Predigen beeindruckend zur Geltung bringt. Er ist aber auch ein eiskalter Psychopath, der sich bei den Harpers einnistet, weil der vorherige Hausherr dort nach einem missglückten Überfall, für den er die Todesstrafe erhielt, 10.000 Dollar versteckt hat. Nur die beiden Kinder John und Pearl wissen, wo das Geld versteckt ist.

 

Nachdem Powell ihre Mutter getötet hat und will er von ihnen das Versteck erpressen. In einem kleinen Boot flüchten sie. Aber wie ein böser Dämon verfolgt Powell sie.

 

Der Country-Noir-Klassiker, der formal an den deutschen expressionistischen Film anschließt und dessen oft irreale Fotografie und das oft übertriebene Schauspiel auch heute noch verstört, ist auch unglaublich spannend. Vor allem weil Robert Mitchum als Prediger eine Ausgeburt der schlimmsten Alpträume der beiden Kinder ist.

 

Und sicher beeinflusste der Film auch Joe R. Lansdale bei seinem neuesten Roman „Dunkle Gewässer“ (Edge of Dark Water). Jedenfalls sind die Bezüge und Querverweise zwischen dem Film und dem Buch, vor allem in der alptraumhaften Stimmung, wenn man sie kurz hintereinander genießt, verblüffend – und Joe R. Lansdale schrieb für eine für Juli 2013 angekündigte US-Prachtausgabe von Davis Grubbs Roman, der die Vorlage für den Film ist, eine Einleitung.

 

 

Einsam sind die Tapferen“ ist ein Post-Western, der normalerweise irgendwo im Nachtprogramm versteckt wird und jetzt erstmals auf DVD erhältlich ist. Das Bonusmaterial (es entspricht der US-DVD der Universal „Backlot Serie“) ist zwar kurz, aber sehr informativ.

 

Wie in „Die Nacht des Jägers“ ist die Geschichte auf den ersten Blick nicht sonderlich komplex. Es wird die Geschichte einer Jagd erzählt. Jack Burns, einer der letzten Cowboys, der sich den Cowboy-Idealen verpflichtet fühlt, provoziert 1953 in einer Kleinstadt in New Mexico eine Schlägerei, um in das Gefängnis eingeliefert zu werden. Dort sitzt sein Freund Paul, weil er Mexikanern über die Grenze geholfen hat. Ein Verbrechen vor dem Gesetz. Für Burns einfach ein Akt der Menschlichkeit. Eine Selbstverständlichkeit für jemand, der Grenzen sowieso nicht respektiert. Als Paul, der inzwischen bürgerlich wurde, nicht mit ihm ausbrechen will, bricht Burns alleine aus. Er will über eine Hügelkette in Richtung Mexiko flüchten. Sheriff Johnson verfolgt ihn.

 

Kirk Douglas nannte „Einsam sind die Tapferen“ später immer wieder seinen Lieblingsfilm, sein Sohn Kirk Douglas hält ihn für den besten Film seines Vaters, der Western taucht regelmäßig in Bestenlisten auf und er hat heute viele Fans, wie Steven Spielberg, der im Bonusmaterial über den Western spricht.

 

Für dieses Lob gibt es viele Gründe. So ist der Film, nach einem grandiosen Drehbuch von Dalton Trumbo, zugleich eine einfache, Western-typische Verfolgungsjagd, und eine komplexe, auf mehreren Ebenen spielende Meditation über das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft, von Freiheit und Konformität, von Western-Idealen, die vielleicht schon immer ein Mythos waren, und einer Gegenwart, in der andere Werte zählen.

 

Dazu kommen die grandiosen Schauspieler: Kirk Douglas als freiheitsliebender Cowboy, Gena Rowlands als seine Freundin und Pauls Frau, Walter Matthau als nach außen hin schläfriger Polizist (ungefähr so schläfrig wie ein im Schatten auf seine Beute lauernder Panther) und George Kennedy als sadistischer Gefängniswärter. Oh, und das Pferd von Kirk Douglas.

 

Einsam sind die Tapferen“ ist der bekannteste Film von David Miller und wahrscheinlich auch, – zugegeben, ich kenne seine anderen Filme nicht so sehr -, sein bester Film.

 

Genug gelobt, lassen wir zwei andere Stimmen zu Wort kommen:

 

Die Qualitäten und das Engagement des Films sind die Qualitäten und das Engagement seiner Autoren. Edward Abbey, der Romanautor, war hauptsächlich Umweltschützer in US-Nationalparks. Dalton Trumbo, der Drehbuchautor, war der prominenteste unter den ‘Hollywood-Ten’, die nach den McCarthy-Verfolgungen offiziell nicht mehr beschäftigt werden durften,…Es gibt Kritiker, die finden, dass in diesem Film sein missionarischer Enthusiasmus mit ihm durchgegangen ist.“ (Joe Hembus: Das Western-Lexikon, 1976/1995)

 

„‘Einsam sind die Tapferen’ ist der paradigmatische Postwestern. Ein existenzialistischer Film, eine kritische Studie, ein selbstreflexives Metapherngewitter. Schwarz-weiß war ein genialer Schachzug. (…) ‚Lonely are the Brave‘, ein kleiner Schwarzweißfilm, ist ein großer Western. Sollte einmal die Geschichte des Western als Genre tatsächlich geschrieben werden, so wird dieser Film in der Gruppe der Gründungsmythen und der filmischen Reflexionen auf das Problem der Gründungsgeschichte der amerikanischen Gesellschaft einen herausragenden Platz einnehmen.“ (Josef Rauscher in Bernd Kiefer/Norbert Grob, Hrsg.: Filmgenres: Western, 2003)

 

Die Nacht des Jägers - DVD-Cover

 

Die Nacht des Jägers (Night of the Hunter, USA 1954)

 

Regie: Charles Laughton

 

Drehbuch: James Agee

 

LV: Davis Grubb: Night of the hunter, 1953

 

mit Robert Mitchum, Shelley Winters, Lillian Gish, Billy Chapin, Sally Jane Bruce, James Gleason, Evelyn Warden, Peter Graves

 

 

DVD/Blu-ray

 

Koch Media (Masterpieces of Cinema Collection No. 01)

 

Bild: 1,66:1

 

Ton: Deutsch, Englisch (DTS-HD Master Audio 2.0, Dolby Digital 2.0)

 

Untertitel: Deutsch, Englisch

 

Bonusmaterial: Featurette „Moving Pictures“, Geschnittene Szene, Trailer, Bildergalerie, Booklet

 

Länge: 90 Minuten (DVD), 93 Minuten (Blu-ray)

 

FSK: ab 16 Jahre

 

 

Hinweise

 

All Movie über „Die Nacht des Jägers“

 

Rotten Tomatoes über „Die Nacht des Jägers“

 

Turner Classic Movies über „Die Nacht des Jägers“

 

Wikipedia über „Die Nacht des Jägers“ (deutsch, englisch)

 

Noir of the Week über „Die Nacht des Jägers“

 

 

Einsam sind die Tapferen - DVD-Cover

 

Einsam sind die Tapferen (Lonely are the Brave, USA 1962)

 

Regie: David Miller

 

Drehbuch: Dalton Trumbo

 

LV: Edward Abbey: The Brave Cowboy, 1956

 

Mit Kirk Douglas, Walter Matthau, Gena Rowlands, Michael Kane, George Kennedy

 

 

DVD/Blu-ray

 

Koch Media (Masterpieces of Cinema Collection No. 02)

 

Bild: 2.35:1 (16:9)

 

Ton: Deutsch, Englisch (DTS-HD Master Audio 2.0; DD 2.0)

 

Untertitel: Englisch

 

Bonusmaterial: Featurette „Ein Tribut an den Film“, Featurette „Die Musik zum Film“, Trailer, Bildergalerie, Booklet

 

Länge: 107 Minuten

 

FSK: ab 12 Jahre

 

 

Hinweise

 

All Movie über „Einsam sind die Tapferen“

 

Rotten Tomatoes über „Einsam sind die Tapferen“

 

Turner Classic Movies über „Einsam sind die Tapferen“

 

Wikipedia über „Einsam sind die Tapferen“

 

 

 


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