Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: Die Agatha-Christie-Verfilmung „Das krumme Haus“

November 29, 2018

Während Kenneth Branagh noch mit der Verfilmung des Agatha-Christie-Romans „Tod auf dem Nil“ beschäftigt ist, läuft bei uns mit „Das krumme Haus“ eine andere Agatha-Christie-Verfilmung an.

In dem jetzt erstmals verfilmten Einzelwerk geht es um den Mord an dem vermögenden Geschäftsmann Aristide Leonidas. Der aus Griechenland stammende Selfmade-Millionär lebte mit seiner jüngeren Frau, seinen erwachsenen Kindern, ihren Ehepartnern und Kindern in dem titelgebenden krummen Haus. Ermordet wurde er mit Eserin. Die Augentropfen waren mit dem Insulin vertauscht worden.

Weil jeder der Hausbewohner die Flüssigkeit irgendwann hätte vertauschen können, erübrigt sich die Frage nach dem Alibi. Aber wer von ihnen hatte ein Motiv?

Im Buch und der Verfilmung ermittelt beide Male Charles Hayward. Er ist auch der Erzähler des Romans. Im Ende der vierziger Jahre spielendem Roman ist er der künftige Gatte von Sophia Leonidas, der Enkelin des Toten, und sein Vater ist Assistant Commissioner bei Scotland Yard. Beide halten es für eine gute Idee, dass er sich in dem Haus umhört und so Dinge erfährt, die die Polizei nicht erfährt.

Im Film wurde der Mordfall aus keinem wirklich ersichtlichem Grund in die späten fünfziger Jahre verlegt und aus dem Liebhaber wurde ein Privatdetektiv, der in schönster Hardboiled-Tradition in seinem Büro lebt. Seine frühere Geliebte Sophia Leonidas beauftragt ihn, herauszufinden, wer ihren Großvater ermordete. Durch diese Änderung können die Filmemacher – Regisseur Gilles Paquet-Brenner (zuletzt „Dark Places“) und die Drehbuchautoren Julian Fellowes (u. a. „Gosford Park“ [der ist sehr Christie] und „Downtown Abbey“) und Tim Rose Price (u. a. „Rapa Nui“, „Der Schlangenkuss“) – viel stärker mit den Privatdetektiv-Klischees spielen. So ist Hayward im ständigen Kleinkrieg mit der Polizei über Kompetenzen und Informationen. Und die naseweise zwölfjährige Josephine Leonidas darf noch mehr auf den Klischees des Rätselkrimis herumreiten, die Ermittlungen kommentieren und dem Privatdetektiv altkluge Ratschläge geben.

Im Film – und das kann mühelos als ätzender Kommentar zum Brexit und dem Gehabe von vor allem konservativen Oberschicht-Politikern gesehen werden – sind Leonidas‘ Kinder und ihre Ehepartner alle ziemliche Schnösel, die ihre Unfähigkeit, ihre Lebensunterhalt alleine zu verdienen, mit einer Überheblichkeit kompensieren, die ihre Unsicherheit kaum kaschieren kann.

Und weil eine durchaus erkleckliche Zahl bekannter Schauspieler (nicht die A-Liga aus dem „Mord im Orient-Express“, sondern ein, zwei Nummern kleiner) engagiert wurde, die die Mordverdächtigen in kurzen Szenen zum Leben erweckt, entsteht bei Haywards Ermittlungen vor mondäner Landhauskulisse ein kleines Sittengemälde einer sich im Abstieg befindenden Klasse (und damit Empires). Wobei die Ermittlungen vor allem im Haus stattfinden.

Allerdings ist die Geschichte des Rätselkrimis sehr vorhersehbar. Nicht nur ich wusste nach dem ersten, spätestens nach dem zweiten Auftritt des Mörders, wer der Mörder ist; – wobei, wie ein Blick auf das Plakat zeigt, ich besser von Mörderin spreche. Denn das Plakat zeigt neben dem Ermittler nur noch einen weiteren Mann. Und auch wer den Roman kennt, kennt die Lösung. Denn die Macher des Films verpflichten sich, mit der Nennung von Agatha Christie auch die Identität des Mörders beizubehalten.

Erzählerisch hangelt sich der Film in moderater Noir-Optik von einer aus Privatdetektiv-Krimis bekannten Situation zur nächsten und präsentiert alles so, als habe sich in den vergangenen Jahrzehnten erzählerisch nichts geändert. Da darf dann auch ein Auto, das über einen Abhang fährt, beim Aufprall in Flammen aufgehen und fotogen explodieren.

Aber im Gegensatz zu einem richtigen Privatdetektiv-Krimi ist im Roman und im Film der Ermittler eine passive Figur, die am Ende noch nicht einmal die Verdächtigen in einem Raum versammeln und seinem staunendem Publikum den Mörder präsentieren darf. Ob er seine kleinen grauen Zellen anstrengt ober es bleiben lässt, ändert nichts am Ergebnis: Beide Male löst sich der Fall ohne ihn und auch die Frage nach der Bestrafung des Mörders wird ohne ihn geklärt.

So ist „Das krumme Haus“ ein konventioneller, bräsiger Rätselkrimi, der bis auf einige kleine Änderungen dem Roman folgt.

Der Roman ist, vor allem wenn man vorher Rex Stouts Nero-Wolfe-Krimi „Der rote Siter“ (1938/1939) (Besprechung folgt) gelesen hat, ein langweiliger Rätselkrimi. Das liegt an dem passiven Ermittler, den vor sich hin plätschernden Ermittlungen, bei denen es nur eine überschaubare Zahl falscher Fährten und gut aufgebauter Verdächtiger gibt, und der Sprache. Während bei Rex Stout Humor und ein genauer Blick auf die Verdächtigen und ihr Leben den glänzend konstruierten Rätselkrimi zu einem Lesevergnügen machen, wirkt bei Christie alles verstaubt und zufällig. Das gilt auch für das Mordmotiv.

Agatha Christie hält „Das krumme Haus“ für eines ihrer besten Werke. Nun, ja.

Das krumme Haus (Crooked House, USA 2017)

Regie: Gilles Paquet-Brenner

Drehbuch: Julian Fellowes, Gilles Paquet-Brenner, Tim Rose Price

LV: Agatha Christie: Crooked House, 1949 (Das krumme Haus)

mit Max Irons, Stefanie Martini, Glenn Close, Honor Kneafsey, Christina Hendricks, Terence Stamp, Julian Sands, Gillian Anderson, Christian McKay, Amanda Abbington, Preston Nyman, John Heffernan, Jenny Galloway, David Kirkbride, Tina Gray, Roger Ashton-Griffiths, Andreas Karras, Gino Picciano

Länge: 116 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Die Vorlage

(neu übersetzt und aktuell als Movie Tie-in)

Agatha Christie: Das krumme Haus

(übersetzt von Giovanni und Ditte Bandini)

Atlantik, 2017

256 Seiten

10 Euro

Originalausgabe

Crooked Hous

Dodd, Mead & Company, 1949

Zahlreiche deutsche Veröffentlichungen in verschiedenen Übersetzungen.

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Das krumme Haus“

Metacritic über „Das krumme Haus“

Rotten Tomatoes über „Das krumme Haus“

Wikipedia über „Das krumme Haus“ (englisch)

Homepage von Agatha Christie

Krimi-Couch über Agatha Christie

Meine Besprechung von Agatha Christies „Mord im Orientexpress“ (Murder on the Orient Express, 1934)

Meine Besprechung von Kenneth Branaghs Agatha-Christie-Verfilmung „Mord im Orientexpress“ (Murder on the Orient Express, USA 2017)

Meine Besprechung von Gilles Paquet-Brenners „Dark Places – Gefährliche Erinnerung“ (Dark Places, USA/Frankreich 2015)

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Neu im Kino/Filmkritiken: „Die Spur“ führt „Alte Jungs“ zum „Das Leuchten der Erinnerung“

Januar 4, 2018

Auch wenn die Kinobesucher in den letzten Jahren im Durchschnitt immer älter wurden, sind immer noch fast vierzig Prozent der Kinobesucher unter dreißig Jahre. Immer noch kann bei ihnen das große Geld verdient werden und die Älteren, die Dreißig- bis Fünfzigjährigen (wieder gut vierzig Prozent) gehen dann auch in die Filme. Vielleicht weil ein, zwei Schauspieler dabei sind, die man seit frühester Jugend bewundert. Beispiele finden sich in jedem Superheldenfilm. Vielleicht weil es ein Kinderfilm ist, den man sich mit seinen Kindern ansieht.

Trotzdem gibt es immer mehr Filme, die sich explizit an ein älteres Publikum richten. Und damit meine ich nicht Vierzig- oder Fünfzig-Plus, sondern Sechzig- oder, wenn man dann noch rüstig ist, Siebzig-Plus. In den Filmen steht das Leben rüstiger und nicht mehr so rüstiger Rentner im Mittelpunkt. Mit Schauspielern, deren Sturm- und Drangjahre schon einige Jahre zurückliegen.

Diese Woche starten gleich drei sehenswerte Filme in unseren Kinos, die abgesehen von ihren, ähem, älteren Protagonisten kaum unterschiedlicher sein könnten. „Die Spur“ ist ein Kriminalfilm aus Osteuropa. „Das Leuchten der Erinnerung“ ein US-Roadmovie mit Starbesetzung. Und „Alte Jungs“ eine Komödie aus Luxemburg.

In „Alte Jungs“ beschließen vier Männer zwischen 65 und 84 Jahren, nachdem sie es sich endgültig im Altersheim verscherzt haben, ein Haus zu mieten und dort ein richtig progressives Altersheim für sich und alle anderen Alt-68er einzurichten. Ein Haus, das ihnen die gewohnten Freiheiten gibt, in dem sie nicht bevormundet werden und aus dem sie nicht herausgeworfen werden können.

Das ist der mit viel Schnaps entstandene Plan, für den sie Mitstreiter suchen, ein Anwesen finden und Geld beschaffen müssen. Auch im benachbarten Luxemburg ist das ein Plan, der leichter gedacht, als ausgeführt ist. Vor allem weil die finanziellen Möglichkeiten der alten Jungs begrenzt sind, die Kinder (sofern vorhanden) keine große Hilfe sind und sie nicht den Weg von Lina Braake gehen wollen

Mit seinen ersten Spielfilmen „Troublemaker“ und „A Wopbobaloobop a Lopbamboom“ wurde der luxemburger Regisseur Andy Bausch, der Filme über seine Heimat drehte, auch bei uns bekannt. Danach drehte er Krimis für das deutsche Fernsehen (u. a. „Die Männer vom K3“, „Doppelter Einsatz“, „Balko“), Dokumentarfilme und jetzt „Alte Jungs“.

Es ist eine, dem Alter der Protagonisten entsprechend, ziemlich gemütlich erzählte, sympathische Komödie, in der die meisten Charaktere eine gesunde Abneigung gegen Gesetze und Regeln haben.

Am Ende verwirklichen sich ihre Pläne für ihren letzten Aufenthaltsort (also den vor der letzten Ruhestätte) anders, als sie es planen.

Das Leuchten der Erinnerung“ ist dann Starkino. Immerhin wurden die Hauptrollen mit Helen Mirren und Donald Sutherland mehr als prominent besetzt. Er spielt einen zunehmend dementen, pensionierten Literaturprofessor. Sie seine patente, unheilbar an Krebs erkrankte Frau. Als letzte große Reise plant sie eine Fahrt quer durch die USA zu den Orten, an denen sie früher waren oder schon immer hin wollten. Das Ziel ihrer Reise ist das Haus von Ernest Hemingway in Key West, Florida.

Eines Tages setzt sie ihn, ohne ihren Kindern etwas zu sagen, in Wellesley, Massachusetts, in den (im Original) titelgebenden „Leisure Seeker“ hinter das Steuer. Denn sie kann nicht fahren, aber die Landkarte lesen und sie behält bei dieser Reise in den Süden immer den Überblick. Sie kennt auch jede seiner Marotten und hilft ihm immer wieder, wenn er sich nicht erinnern kann oder vom richtigen Weg abkommt.

Paolo Virzi („Die süße Gier“, „Die Überglücklichen“) inszenierte ein herziges Roadmovie, sozusagen ein „Easy Rider“ für die Silver Ager, das uns einmal quer durch die USA führt, garniert mit Humor, etwas Drama, Sentiment und Erinnerungen. Da kommt alles so herzig zusammen, dass man auch die eine Szene verzeiht, in der der von Sutherland gespielte links-liberale, immer die Demokraten wählende Lehrer, bei einer Wahlkampfveranstaltung, plötzlich zum Trump-Fan mutiert.

Eine andere Art von Schauspielerkino präsentiert Agnieszka Holland in ihrem neuen Spielfilm „Die Spur“, den sie mit ihrer Tochter Kasia Adamik als Co-Regisseurin drehte.

Holland arbeitete zuletzt viel in den USA, wo sie Folgen für TV-Serien wie „House of Cards“, „The Killing“, „Treme“, „The Wire“ und „Cold Case“ und die Miniserie „Rosemary’s Baby“ inszenierte. Cineasten mit einem funktionierendem Langzeitgedächtnis erinnern sich an ihre frühen Spielfilme wie „Eine alleinstehende Frau“, „Bittere Ernte“ (Oscar-nominiert), „Hitlerjunge Salomon“ (Oscar- und Bafta-nominiert, Golden-Globe-Gewinner) und „Der geheime Garten“. Davor war die Polin Regieassistentin von Krzysztof Zanussi und Andrzej Wajda. Und sie schrieb, oft mit Co-Autoren, Drehbücher. Für Wajda schrieb sie unter anderem „Eine Liebe für Deutschland“, „Danton“ und „Korczak“. Für Krzysztof Kieślowskis „Drei Farben: Blau“ und „Drei Farben: Weiß“. Da lohnt sich ein tiefes Eintauchen in die Filmarchive oder Arte präsentiert einmal eine Agnieszka-Holland-Reihe.

Bis dahin kann man sich ihren neuen Film „Die Spur“ ansehen. Er spielt in einem Bergdorf an der polnisch-tschechischen Grenze. Janina Duszejko (Agnieszka Mandat) ist eine pensionierte Bauingenieurin, die allein mit ihren Hunden in einem einsam gelegenem Haus lebt, zum Zeitvertreib Kindern in der Dorfschule Englischunterricht gibt und sich mit Gott und der Welt anlegt. Denn für sie sind Tiere gleichberechtigte Lebewesen. Die Jagd, vor allem wenn die Jäger außerhalb der Jagdsaison Wild schießen, lehnt sie vehement ab. Ihre zahlreichen, erfolglosen Anzeigen bei der Polizei belegen das. Denn die Polizei, der Bürgermeister und auch der Pfarrer halten die Jagd für ein Teil der polnischen Kultur und natürlichen Ordnung.

Als mehrere Jäger bei Jagdunfällen sterben, stellt sich die Frage, ob es Unfälle oder Morde waren. Oder, immerhin inszeniert Holland die polnischen Wälder als traumverlorene, dunkle Landschaft voller Schatten. In der Dämmerung (vulgo: Jagdzeit) verblassen die Farben, die Konturen und damit die Gewissheiten des helllichten Tages. In dieser düster-romantischen Atmosphäre erscheint es auch möglich, dass die Tiere sich an den Jägern rächen.

Auf den ersten Blick ist „Die Spur“ mit seiner Suche nach dem Mörder ein Kriminalfilm. Aber Holland vernachlässigt immer wieder die Mördersuche zugunsten eines eindrucksvollen Porträts ihrer Protagonistin Janina Duszejko und der immer noch archaischen Welt, in der sie lebt. Sie ist die von Kindern geliebte Kräuterhexe und Rebellin gegen die mächtigen Erwachsenen. Die Erwachsenen fürchten und ignorieren sie wegen ihres moralischen Rigorismus. Sie ist die Schreckschraube, die sich von niemandem etwas sagen lässt und keine Probleme damit hat, die halbe Ortschaft, die sehr gut mit, für und durch die Jagd lebt, zum Feind zu haben.

Für Holland ist „Die Spur“ „ein anarchistisch feministischer Ökothriller mit Elementen einer schwarzen Komödie.“

2017 erhielt die starke Charakter- und Milieustudie auf der Berlinale den Alfred-Bauer-Preis. Inzwischen reichte Polen „Die Spur“ als Polens Kandidat für den Oscar als bester fremdsprachiger Film ein. Ihr vorheriger Film „In Darkness“ (2011) war 2012 in der entsprechenden Kategorie für den Oscar nominiert.

Alte Jungs (Rusty Boys, Luxemburg 2017)

Regie: Andy Bausch

Drehbuch: Andy Bausch, Frank Feitler

mit André Jung, Marco Lorenzini, Pol Greisch, Fernand Fox, Josiane Peiffer, Monique Reuter, Myriam Muller, Pitt Simon, Marie Jung

Länge: 112 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Alte Jungs“

Wikipedia über „Alte Jungs“

Das Leuchten der Erinnerung (The Leisure Seeker, USA 2017)

Regie: Paolo Virzi

Drehbuch: Stephen Amidon, Francesca Archibugi, Francesco Piccolo, Paolo Virzi

LV: Michael Zadoorian: The Leisure Seeker, 2009 (Das Leuchten der Erinnerung)

mit Helen Mirren, Donald Sutherland, Christian McKay, Janel Moloney, Dana Ivey, Dick Gregory

Länge: 113 Minuten

FSK: ab 12 Jahre (puh, keine Ahnung warum nicht ab 6 oder 0 Jahre)

Hinweise

Deutche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Das Leuchten der Erinnerung“

Metacritic über „Das Leuchten der Erinnerung“

Rotten Tomatoes über „Das Leuchten der Erinnerung“

Wikipedia über „Das Leuchten der Erinnerung“ (deutsch, englisch)

Die Spur (Pokot, Polen/Deutschland/Tschechische Republik/Schweden/Slowakische Republik 2017)

Regie: Agnieszka Holland (in Zusammenarbeit mit Kasia Adamik)

Drehbuch: Olga Tokarczuk, Agnieszka Holland

LV: Olga Tokarczuk: Prowadź swój pług przez kości umarłych. 2009 (Der Gesang der Fledermäuse)

mit Agnieszka Mandat, Wiktor Zboborowski, Miroslav Krobot, Jakub Gierszal, Patricia Volny, Borys Szyc

Länge: 129 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Die Spur“

Moviepilot über „Die Spur“

Rotten Tomatoes über „Die Spur“

Wikipedia über „Die Spur“ (deutsch, englisch)

Berlinale über „Die Spur“


Neu im Kino/Filmkritik: „Rush“: das Duell zwischen James Hunt und Niki Lauda

Oktober 4, 2013

 

Die Formel 1 interessiert mich höchstens peripher. Aber von „Rush“, einem Film über zwei Formel-1-Fahrer, bin ich begeistert. Denn Peter Morgan, der auch die Bücher für „Die Queen“, „Frost/Nixon“, „Hereafter – Das Leben danach“ und die David-Peace-Verfilmung „The Damned United“ schrieb, stellt die beiden gegensätzlichen Charaktere James Hunt (Chris Hemsworth) und Niki Lauda (Daniel Brühl) und ihren Kampf um die Weltmeisterschaft 1976 in den Mittelpunkt der Geschichte, die auch ein Porträt des damaligen Formel-1-Rennzirkusses und der frühen siebziger Jahre ist.

Die Saison ging in die Geschichte ein, weil der damalige Formel-1-Weltmeister Niki Lauda auf dem Nürburgring verunglückte, sich lebensgefährliche Verbrennungen zuzog und wenige Wochen später wieder Rennen fuhr. Hunt gewann damals die Weltmeisterschaft mit einem Punkt Vorsprung und zog sich 1979 ohne einen weiteren Weltmeistertitel aus dem Renngeschäft zurück. Er wurde BBC-Sportmoderator und starb 1993, 45-jährig, an den Folgen eines Herzinfarkts.

Niki Lauda wurde danach noch zweimal, 1977 und 1984, Weltmeister, zog sich ein Jahr später aus dem aktiven Rennsport zurück und ist auch heute noch ein, wenigstens dem deutschsprachigem Publikum bekannter, Teilnehmer des Formel-1-Zirkusses.

James Hunt war ein impulsiver Playboy, der das Leben in vollen Zügen genoss, weil jedes Rennen seinen Tod bedeuten könnte. Denn damals war die Formel 1 mit ihren tödlichen Unfällen lebensgefährlich.

Niki Lauda ist dagegen der kühle Planer, der undiplomatische Stratege, der Kosten und Nutzen abschätzt und alles seinen Zielen unterordnet. Ihm würde niemals einfallen, vor einem Rennen eine Party zu veranstalten und Alkohol zu trinken. Auch die Siegesfeiern sind für ihn eher ein lästiges Pflichtprogramm, das er schnell absolviert, während Hunt jeden Sieg auskostet.

Ron Howard, der die auf wahren Ereignissen basierenden Filme „Apollo 13“, „A Beautiful Mind“ und „Frost/Nixon“ inszenierte, inszenierte den Kampf zwischen den beiden Männern, der auch von den Medien öffentlichkeitswirksam gepusht wurde und so den Rennen eine zusätzliche, persönliche Dimension gab, mit einer gehörigen Portion 70er-Jahre-Feeling und einer angenehm ambivalenten Zeichnung der beiden Charaktere, die sich gegenseitig ergänzen und in einer innigen Hassliebe miteinander verbunden sind. Dabei ist Hunt zwar der offensichtliche Sympathieträger, auch weil Lauda, der den Film unterstützte, immer wieder sehr unsympathisch gezeichnet wird, aber Lauda ist auch der Erzähler des Films, der den ersten und den letzten Satz hat. Und gerade weil sich der Film nie entscheidet, wer jetzt der Protagonist und wer der Antagonist ist, ist „Rush“ als Drama gelungen.

Dagegen enttäuschen die Rennszenen. Denn sie sind so zerschnitten, dass man das Renngeschehen nie überblickt. Es ist nur noch ein hektisches Geschnipsel von Autos, Helmen und Straße, das manchmal unsanft neben der Fahrbahn endet.

Da waren die damals spektakulären Rennszenen in John Frankenheimers starbesetzter „Grand Prix“ (1966) über eine Rennsaison, James Goldstones „Indianapolis“ (1969) über das gleichnamige Rennen mit Paul Newman, Frank Simon und Roman Polanskis fast vergessene Dokumentation „Weekend eines Champions“ (1971) über Jackie Stewart und das Rennen von Monaco, Lee H. Katzins „Le Mans (1971) über das gleichnamige Rennen mit Steve McQueen schon weiter. Aber in diesen Filmen war die Filmgeschichte meistens höchstens eine drittrangige Entschuldigung für die Rennszenen. In „Rush“ steht dagegen die Story und damit die Schauspieler an erster Stelle. Die Rennszenen sind dagegen das uninteressanteste am Film und deshalb gehört Ron Howards großartiger Schauspielerfilm schon jetzt zu den besten Rennfahrerfilmen.

Rush - Plakat

Rush – Alles für den Sieg (Rush, USA/Großbritannien/Deutschland 2013)

Regie: Ron Howard

Drehbuch: Peter Morgan

mit Chris Hemsworth, Daniel Brühl, Olivia Wilde, Alexandra Maria Lara, Pierfrancesco Favino, Christian McKay

Länge: 123 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Rush“

Moviepilot über „Rush“

Metacritic über „Rush“

Rotten Tomatoes über „Rush“

Wikipedia über „Rush“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „Rush“

 

 

 

 


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