Neu im Kino/Filmkritik: Ist „Das Leben ist nichts für Feiglinge“ nichts für Feiglinge?

April 18, 2013

 

Nachdem die anscheinend allseits beliebte Mutter bei einem Unfall stirbt, stehen ihr Ehemann Markus Färber (Wotan Wilke Möhring), seine Mutter Gerlinde (Christine Schorn) und seine Tochter Kim (Helen Woigk) vor der Frage, wie sie mit dem plötzlichen Verlust umgehen sollen.

 

Markus versucht die Normalität aufrecht zu erhalten. Dass er eine Catering-Firma leitet hilft ihm etwas. Kim, die ihre Klassenkameraden und Lehrer gerne mit ihrem Gruftie-Look und ihrer Ihr-könnt-mich-alle-am-Arsch-lecken-Attitüde verstört, zieht sich noch weiter zurück. Denn für sie war ihre Mutter auch eine Vertraute und Freundin und jetzt kümmert sich niemand mehr um sie. Gerlinde erfährt, dass sie unheilbar an Krebs erkrankt ist und demnächst sterben wird. Sie will ihrem Sohn nicht zur Last fallen und schwindelt ihm etwas von einer Reise vor, während sie versucht sich mit Paula (Rosalie Thomass), einer Altenpflegerin, die gerne Schauspielerin wäre und immer Zeit hat, zu arrangieren.

 

Kim findet in Alex (Frederick Lau), einem Schulabbrecher aus reichem Haus mit einer kleinkriminell-punkigen Attitüde, einen Gleichgesinnten, in den sie sich auch verliebt und mit ihm nach Dänemark flüchtet.

 

Markus frisst den Verlust weiter in sich hinein und, als er erfährt, dass seine Mutter todkrank ist und seine Tochter gerade Richtung Dänemark auf einem Bonnie-and-Clyde-Trip unterwegs ist, bricht er mit seiner Mutter und ihrer Pflegerin nach Norden auf. Zur Familienzusammenführung.

 

Das Leben ist nichts für Feiglinge“, der neue Film von „Arschkalt“-Regisseur André Erkau, nach dem Roman von Gernot Gricksch, der auch das Drehbuch schrieb, ist ein Ensemblestück, das als Dramödie unentschlossen zwischen Drama und Komödie pendelt und einige Lebensweisheiten verkaufen will. Dummerweise nicht gelungen. Denn Erkau kann sich nicht entscheiden, welche Geschichte die Hauptgeschichte ist. Also erzählt er die drei Geschichten fast gleichwertig, mit viel zu vielen vorhersehbaren Wendungen und einer nie stimmigen Mischung aus Komödie und Drama. Vor allem die Szenen mit Markus wirken immer eine Spur zu gewollt. Mit Gerlinde geht es dann in Richtung Tapfere-Alte-trotz-der-Welt-Komödie, während es mit Kim in Richtung sattsam bekanntes Teenager-Drama geht.

 

Die ach so beliebte Mutter bleibt ein Phantom, das schon vor dem Filmbeginn gestorben ist und im Film höchstens in Halbsätzen erwähnt wird. Entsprechend schlecht kann gerade bei Kim nachvollzogen werden, warum für sie ihre Mutter so wichtig war und warum die Beziehung zu ihrem Vater so zerrüttet ist. Denn eigentlich wirkt Markus ziemlich okay. Es bleibt auch unklar, warum Gerlinde – abgesehen von dem göttlichen Willen des Autors, der seine Figuren wie Schachfiguren auf seinem Spielbrett bewegt – diese Charade mit dem Urlaub durchzieht.

 

So wirkt „Das Leben ist nichts für Feiglinge“ wie eine papierne Versuchsanordnung, die sich nie entscheiden kann, wessen Geschichte sie erzählen und welches Genre sie primär bedienen will.

 

Das Leben ist nichts für Feiglinge - Plakat

 

Das Leben ist nichts für Feiglinge (Deutschland 2012)

 

Regie: André Erkau

 

Drehbuch: Gernot Gricksch

 

LV: Gernot Gricksch: Das Leben ist nichts für Feiglinge, 2010

 

mit Wotan Wilke Möhring, Helen Woigk, Christine Schorn, Frederick Lau, Rosalie Thomass

 

Länge: 98 Minuten

 

FSK: ab 12 Jahre

 

 

Hinweise

 

Deutsche Homepage zum Film

Facebook-Seite zum Film

 

Film-Zeit über „Das Leben ist nichts für Feiglinge“

 

Droemer-Knaur-Verlagsseite über Gernot Gricksch

 

Meine Besprechung von André Erkaus „Arschkalt“ (Deutschland 2011)

 

 

Werbeanzeigen

%d Bloggern gefällt das: