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April 16, 2019

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Neu im Kino/Filmkritik – und ein höllischer Buchtipp: „Hellboy – Call of Darkness“ – bekannter Charakter, neuer Schauspieler, viel rustikaler Spaß

April 11, 2019

Beginnen wir mit der großen Frage: wie schlägt sich der neue Hellboy-Darsteller? Ron Perlman, der Hellboy in zwei kultisch verehrten Filmen wahrlich verkörperte, ist für viele Hellboy. Für sie kann es keinen anderen geben. So wie die ganz alten James-Bond-Fans immer noch Sean Connery für den einzig wahren 007 halten. Die ersten Bilder und Trailer scheinen ihnen recht zu geben.

Im Film verschwinden die Bedenken gegen „Stranger Things“-Star David Harbour schnell. Das liegt auch daran, dass die Macher sich keine zwei Sekunden damit aufhalten, den Schauspielerwechsel zu erklären oder zu erzählen, wie Hellboy Hellboy wurde.

Hellboy – Call of Darkness“ beginnt mitten in der Geschichte. In Tijuana soll Hellboy einen vermissten Kollegen finden und zurückholen. Er findet ihn bei einem Wrestling-Kampf und, weil der Kollege nicht freiwilig mitkommen will, muss Hellboy sich mit ihm im Ring kloppen. Die die engen Grenzen des Rings überschreitende, alle Regeln brechende Schlägerei geht viral – und ab da, eigentlich schon ab dem ersten Moment, als Harbour als Hellboy durch eine dunkle Gasse stampft, hatte ich keine Probleme mehr mit dem neuen Hellboy.

Neil Marshall („The Descent“, „Doomsday“) inszenierte seinen „Hellboy“-Film „Call of Darkness“ mit punkiger No-Nonsense-Attitüde mehr down to earth als Guillermo del Toro seine beiden „Hellboy“-Filme. Alles ist düsterer, der Humor robuster und die Schlägereien sind ebenfalls ziemlich robust. „Hellboy – Call of Darkness“ ist wie der Besuch in einem Pub mit viel Bier, Hausmannskost, derben Sprüchen, Abschweifungen und, Gott bewahre, einer Kneipenschlägerei.

Das vermittelt genau den rotzfrechen Spaß, den „Hellboy“-Erfinder Mike Mignola seit 1993 in seinen Comics vermittelt. Und jetzt ist ein guter Zeitpunkt, um zu erklären, wer Hellboy ist. Hellboy ist ein im zweiten Weltkrieg von den Nazis mit der Hilfe von Rasputin aus der Hölle zurückgeholtes Wesen. Als er in unsere Welt zurückkehrte, war er ein Baby mit Hörnern. Professor Trevor ‚Broom‘ Bruttenholm (Ian McShane) rettet das kleine Wesen aus der Hölle, während er und seine Kampfgefährten die Nazis und alle anderen höllischen Wesen töten. Anschließend erzieht Broom das Kind aus der Hölle. Hellboy wird, als muskelbepacktes Mannsbild mit Höllenschwanz, aber ohne Hörner (die hat er sich abgeschnitten und rasiert sie fast täglich nach), zu einem Kämpfer gegen andere Wesen aus der Hölle, Dämonen, Hexen und was es sonst noch so gibt an Monstern und unmenschlichen Bösewichtern. Dabei helfen ihm seine Freunde aus der B. U. A. P. (Behörde zur Untersuchung und Abwehr paranormaler Erscheinungen, bzw. im Original B. P. R. D. – Bureau for Paranormal Research and Defense). Seine Kampfgefährten verfügen ebenfalls über besondere Fähigkeiten. Ihre Einsätze sollen unter dem Radar der Öffentlichkeit ablaufen. Hellboy gelingt das nicht immer.

In seinem neuen Kinoabenteuer (das lose auf dem neunten „Hellboy“-Sammelband „The Wild Hunt“ [Ruf der Finsternis] basiert) treten einige der aus den vorherigen beiden „Hellboy“-Filmen und den Comics bekannten Nebencharaktere nur kurz auf. Ihre Auftritte sind Cameos, während Hellboy fast im Alleingang gegen die Bluthexe Nimue (Milla Jovovich) kämpfen muss.

Nimue wurde, wie wir im Prolog des Films erfahren, 517 von König Artus getötet. Sie wurde zerstückelt und ihre Leiche in kleinen, versiegelten Truhen über das gesamte Königreich verteilt. Sie sollte auf Ewigkeiten zerstückelt bleiben. Denn wenn jemand ihre Einzelteile wieder zusammenfügt, kann die Hexe ihr Zerstörungswerk fortsetzen.

Noch bevor Nimue ihr Werk fortsetzen kann, wird Hellboy von Professor Broom nach England geschickt. Er soll dem Osiris-Club bei der Jagd nach Riesen helfen. Der Osiris-Club ist, salopp gesagt, das britische Pendant zur B. U. A. P..

Die Einladung zur Jagd ist eine Falle. Hellboy gelingt es, seine Häscher und die im Wald hausenden Riesen zu töten.

In London trifft er auf Alice Monaghan (Sasha Lane [„American Honey“]) und Ben Daimio (Daniel Dae Kim [„Hawaii Five-0“]), die ihm bei der Jagd nach Nimue und ihrem Gehilfen Gruagach helfen. Die übernatürlich begabte Alice lernte er vor Jahren kennen. Als Baby wurde sie von bösen Feen entführt und er sie rettete. Ben, der sich in einen Werjaguar (nicht Werwolf, aber so ähnlich) verwandeln kann, lernt er jetzt kennen.

Zu dritt ziehen sie in den Kampf gegen Nimue, die jetzt ihr vor Jahrhunderten begonnenes Werk beenden will. Und Hellboy erfährt dabei einige Dinge über seine Herkunft und Bestimmung, die ihm nicht gefallen.

So viel zu der nicht sonderlich wichtigen Story von „Call of Darkness“. Denn letztendlich ist der düstere Film eine herrliche mit One-Linern und Abschweifungen gesättigte Klopperei, in der es oft handfest und drastisch zur Sache geht – und David Harbour ist der Hellboy für eine neue Generation. Wie Roger Moore, Pierce Brosnan und Daniel Craig die neuen James Bonds für neue Generationen waren. Die kurzen Gastspiele von George Lazenby und Timothy Dalton (wobei der sich tapfer schlug) lassen wir mal weg.

P. S.: Nachträglich herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, David Harbour. Der war am 10. April.

Hellboy – Call of Darkness (Hellboy, USA 2019)

Regie: Neil Marshall

Drehbuch: Andrew Crosby

LV: „Hellboy“-Comics von Mike Mignola

mit David Harbour, Milla Jovovich, Ian McShane, Daniel Dae Kim, Sasha Lane, Thomas Haden Church, Brian Gleeson

Länge: 121 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Mehr Hellboy? Die brandneue literarische Ergänzung zum Film

Pünktlich zum Filmstart erscheint der dritte von Christopher Golden herausgegebene Sammelband mit Hellboy-Kurzgeschichten. Wieder sparsam illustriert von Hellboy-Erfinder Mike Mignola. Die brandneuen Geschichten (jedenfalls als „Oddest Jobs“ 2008 in den USA erschien) wurden von namhaften Autoren geschrieben:

Joe R. Lansdale: Mit Schatten und Drachen und langen schwarzen Zügen das Tanzbein schwingen

Mark Chadbourn: Pur, ohne alles

John Skipp & Cody Goodfellow: Zweite Flitterwochen

Ken Bruen: Danny Boy

Garth Nix: Merkwürdiger Angelausflug in den westlichen Highlands

Brian Keene: Salamander Blues

Tad Williams: Die Donnerstagsmänner

Amber Benson: Leckerbissen

Barbara Hambly: Rückeroberung

Gary A. Braunbeck: In Geschirrschränken und auf Bücherborden

Rhys Hughes: Die Flüsse des Skiron

Stephen Volk: Monster Boy

Don Winslow: Evolution im Hellhole Canyon

China Miéville: Ein eigenes Zimmer

Muss ich noch mehr sagen?

Christopher Golden (Hrsg.): Hellboy: Leckerbissen

(illustriert von Mike Mignola) (übersetzt von Verena Hacker und Aimée de Bruyn Ouboter)

Golkonda, 2019

ca. 360 Seiten

16,90 Euro (gedruckte Ausgabe)

9,99 Euro (E-Book)

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Hellboy – Call of Darkness“

Metacritic über „Hellboy – Call of Darkness“

Rotten Tomatoes über „Hellboy – Call of Darkness“

Wikipedia über „Hellboy – Call of Darkness“ (deutsch, englisch)

Homepage von Mike Mignola

Meine Besprechung von Mike Mignola (Autor)/John Arcudi (Autor)/Guy Davis (Zeichner) „B. U. A. P.: Tödliches Terrain (Band 7)“ (BPRD: Killing Ground, 2008)

Meine Besprechung von Mike Mignola (Autor)/John Arcudi (Autor)/Guy Davis (Zeichner) „B. U. A. P.: Die Warnung (Band 8)“ (BPRD: The Warning, 2009/2010)


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