TV-Tipp für den 17. Juni: Ein Abend mit Peter Bogdanovich: Die letzte Vorstellung, Saint Jack

Juni 17, 2019

Heute ist Peter Bogdanovich vor allem als überaus kompetenter Gesprächspartnern in unzähligen Filmdokumentationen und für kleine Schauspielrollen (z. B. „Gefühlt Mitte Zwanzig“) bekannt. Dabei war er in den siebziger Jahren ein bekannter und erfolgreicher Regisseur, der drei Hits hintereinander hatte („Die letzte Vorstellung“, „Is’ was, Doc?“ [läuft öfter im TV] und „Paper Moon“). An diese Erfolgsserie konnte er nicht wieder anschließen.

Heute zeigt Arte aus keinem besonderem Grund zwei seiner schon lange nicht mehr, falls überhaupt, im TV gezeigten Filme

Arte, 20.15

Die letzte Vorstellung (The last picture show, USA 1971)

Regie: Peter Bogdanovich

Drehbuch: Larry McMurtry, Peter Bogdanovich

LV: Larry McMurtry: The last picture show, 1966 (Die letzte Vorstellung)

Hochgelobtes, an der Kinokasse erfolgreiches SW-Porträt einiger Jugendlicher, die 1951/1952 in der texanischen Kleinstadt Anarene leben, sich fragen, was aus ihrem Leben werden soll und das Dorfkino als Zuflucht haben, in dem sie von einem anderen Leben träumen können. Als der Betreiber stirbt, soll auch das Kino schließen.

Der Klassiker ist „kein nostalgischer Rückblick auf die ‚guten, alten Zeiten‘, wie ihn beispielsweise ‚American Graffiti‘ lieferte, sondern ein ehrliches, manchmal frustrierendes Psychogramm einer langsam zugrunde gehenden Kleinstadt.“ (TV Spielfilm: Das große Filmlexikon)

mit Timothy Bottoms, Jeff Bridges, Cybill Shepherd, Ben Johnson, Cloris Leachman, Ellen Burstyn, Eileen Brennan, Clu Gulager, Sam Bottoms, Randy Quaid, John Hillerman

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die letzte Vorstellung“

Wikipedia über „Die letzte Vorstellung“ (deutsch, englisch) und Peter Bogdanovich (deutsch, englisch)

Arte, 22.15

Saint Jack (Saint Jack, USA 1979)

Regie: Peter Bogdanovich

Drehbuch: Howard Sackler, Paul Theroux, Peter Bogdanovich

LV: Paul Theroux: Saint Jack, 1973 (Saint Jack)

Weltenbummler Jack will 1971 in Singapur das beste Bordell der Welt eröffnen. Das ist einfacher gedacht als getan.

Ein kleiner Film, offensichtlich mit niedrigem Budget gedreht. Doch der ‚Wunderknabe‘ Bogdanovich zeichnet das Porträt des Glücksritters Saint Jack mit viel Sorgfalt und Interesse für eine Person.“ (Fischer Film Almanach 1981)

Ben Gazarra, der hier Saint Jack spielt, spielte in John Cassavetes‘ „Tod eines chinesischen Buchmachers“ (1976) eine ähnliche Figur.

Kameramann war Robby Müller

mit Ben Gazarra, Denholm Elliott, James Villers, Joss Ackland, George Lazenby, Peter Bogdanovich

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Saint Jack“

Wikipedia über „Saint Jack“

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TV-Tipp für den 31. Oktober: Frankenstein Junior

Oktober 30, 2018

Arte, 23.20

Frankenstein Junior (Young Frankenstein, USA 1974)

Regie: Mel Brooks

Drehbuch: Gene Wilder, Mel Brooks (nach Motiven des Romans „Frankenstein“ von Mary Shelley)

Dr. Frederick Frankenstein ist ein anerkannter, in New York praktizierender Neurochirurg. Da überreicht ihm während einer Vorlesung ein Bote das Vermächtnis seines Urgroßvaters Victor von Frankenstein. Frederick reist ins ferne Transsylvanien. Dort tritt er gleich in die Fußstapfen seines experimentierfreudigen Großvaters.

Grandiose, ewig nicht mehr gezeigte Horrorfilmparodie, vor allem auf die klassischen „Frankenstein“-Filme (mit Boris Karloff). Aber auch auf viele andere Filme.

mit Gene Wilder, Peter Boyle, Marty Feldman, Teri Garr, Madeline Kahn, Cloris Leachman, Gene Hackman

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Frankenstein Junior“

TCM über „Frankenstein Junior“

Wikipedia über „Frankenstein Junior“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Gambit – Der Masterplan“ funktioniert nicht

Juni 20, 2013

Harry Deane (Colin Firth), ein kleiner, biederer und in jeder Beziehung ziemlich gehemmter Kurator für den vermögenden Kunstmäzen Lord Lionel Shahbandar (Alan Rickman), hat genug. Er will sich von dem arroganten Medienmogul Shahbandar nicht länger demütigen und ausnutzen lassen. Daher ersinnt er einen perfekten Plan, der rabiat mit der Wirklichkeit kollidiert und die Gegensätze, vor allem zwischen britischem Snobismus und amerikanischer Haudrauf-Mentalität, verkörpert durch das Cowgirl PJ Puznowski (Cameron Diaz), aufeinanderprallen.

Gambit – Der Masterplan“ hätte eine witzige Gaunerkomödie werden können, wenn nicht irgendwo in der Entwicklung etwas vollkommen schiefgelaufen wäre. Und dabei sind die größten Probleme des Films nicht, dass er jahrelang in der Entwicklungshölle war, oder dass er ein Remake ist. Denn Joel und Ethan Coen, die das Drehbuch schrieben, übernahmen erstaunlich wenig vom Original „Das Mädchen aus der Cherry-Bar“ (Gambit, USA 1966). Ronald Neame inszenierte die eher unbekannte Komödie mit Michael Caine als Harry Deane, Shirley MacLaine als Nicole Chang und Herbert Lom als Scheich Shahbandar, der immer noch seiner vor Jahren verstorbenen Frau hinterhertrauert und eine wertvolle Büste hat, die Harry Deane klauen will. Damit Deane seinen Diebstahl durchziehen kann, soll Chang, die der Toten wie ein Zwilling ähnelt, Shahbandar ablenken. Aber der sehr weltliche Araber hat das Gaunerpärchen durchschaut.

Außer den Namen, dem Zusammenprall unterschiedlicher Mentalitäten und Bildungsniveaus (damals Prostituierte – Scheich, heute Cowgirl – Medienmogul), dem Tausch von Original und Fälschungen (wobei es in der Auflösung zwischen Original und Remake einige Unterschiede gibt) und der Idee, dass wir am Anfang, in einer Fantasie von Harry Deane sehen, wie der Coup ablaufen soll, und dann sehen, dass eigentlich nichts von seinem Plan funktioniert, haben die Coens herzlich wenig vom „Mädchen aus der Cherry-Bar“ übernommen.

Dafür haben sie ihre Version, wie schon ihre fast zeitgleich entstandene unlustige Screwball-Komödie „Ein (un)möglicher Härtefall“ (Intolerably Cruelty, USA 2003) und ihre ebenfalls unlustige „Ladykillers“-Version „Ladykillers“ (USA 2004), mit viel veraltetem Sechziger-Jahr-Humor angereichert. Es gibt einen hübsch animierten Vorspann, wie wir es aus den „Der rosarote Panther“-Filmen kennen. Es gibt snobistisches Hotelpersonal. Es gibt eine lange Sequenz, in der Harry Deane aus reiner Geldnot aus einem Nobelhotel eine wertvolle Vase stehlen will, dabei zum Fassadenkletterer wird, sich in verschiedene Hotelzimmer verirrt, den Verdacht amouröser Abenteuer provoziert und seine Hose verliert. Es gibt Klassengegensätze, wie wir sie aus Komödien der fünfziger und sechziger Jahre kennen, als die britischen Briten abschätzig auf die ungebildeten Amerikaner herab blickten. Es gibt Witze, die damals vielleicht witzig waren, aber heute ungefähr so zündend wie ein nasser Silvesterkracher sind.

Da kann die hochkarätige Besetzung nichts mehr retten. Colin Firth hat es dabei am Schlechtesten erwischt. Denn nachdem ich wusste, dass Michael Caine im Original (das ich damals noch nicht kannte) die Rolle gespielt hatte, fragte ich mich während des Films ständig, wie Michael Caine die Rolle gespielt hätte – und diese Fantasie gefiel mir besser als Colin Firth in einer witzlosen Komödie.

Nachdem ich jetzt auch das Original gesehen habe, weiß ich, dass Caine die Rolle besser spielte – und dass ein Remake von einer weitgehend unlustig-zähen Gaunerkomödie nicht unbedingt zu einem besseren Film führt.

Gambit – Der Masterplan“ ist eine unwitzige Retro-Komödie.

Gambit - Plakat

Gambit – Der Masterplan (Gambit, USA 2012)

Regie: Michael Hoffman

Drehbuch: Joel Coen, Ethan Coen

mit Colin Firth, Cameron Diaz, Alan Rickman, Tom Courtenay, Stanley Tucci, Cloris Leachman

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Gambit – Der Masterplan“

Rotten Tomatoes über „Gambit – Der Masterplan“

Wikipedia über „Gambit – Der Masterplan“ (deutsch, englisch)


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