Neu im Kino/Filmkritik: „Submission“ – der Herr ‚Professor Unrat‘ auf Abwegen

September 20, 2019

Ted Swenson (Stanley Tucci) hat es gut erwischt. Er ist glücklich verheiratet mit Sherrie (Kyra Sedgwick), einer Klinikärztin. Sein erster und bislang einziger Roman verschaffte ihm eine Stelle als Professor an einer ländlich gelegenen Universität in Vermont. Das ist eine Arbeit, die ihm bei überschaubarem Aufwand die nötige finanzielle Sicherheit und Zeit gibt, um weitere Romane zu schreiben. Nur die Muße hat ihn bislang nicht geküsst. Denn Swenson will nicht im Stephen-King-Tempo oder, literarisch anspruchsvoller, T.-C.-Boyle-Tempo einen Bestseller nach dem nächsten schreiben. Also unterrichtet er und zieht elitär-gelangweilt über seine Studenten her. Bis Angela Argo (Addison Timlin) in seinem Seminar einen intelligenten Satz sagt und ihn bittet, das erste Kapitel ihres Romans zu lesen.

Es gefällt ihm. Er will das nächste Kapitel ihrer Geschichte über eine Lehrer-Schülerinnen-Beziehung lesen. Schnell überwindet ihre Beziehung die normale, von gegenseitigem Desinteresse geprägte Lehrer-Schüler-Beziehung.

Richard Levine, der vor allem für das Fernsehen arbeitet (u. a. Drehbuchautor, Regisseur und Produzent von „Nip/Tuck“, „Boss“ und „Masters of Sex“), erzählt in seinem Spielfilm „Submission“ diese Liebesgeschichte zwischen Swenson und Argo sehr langsam und immer entlang der bekannten Konventionen. Das eine harmlose Ereignis führt zum nächsten harmlosen Ereignis. Dass die ihn bewundernde Studentin Hintergedanken haben könnte und dass eine solche Beziehung, auch schon vor den Zeiten von #MeToo, gegen die guten Sitten und etliche universitäre Verhaltensvorschriften verstößt, ignoriert Swenson trotz deutlicher Warnzeichen. Bei seinem Weg ins Verhängnis erstaunt vor allem, wie wenig sich seit Josef von Sternbergs „Der blaue Engel“ (1930), einer Verfilmung von Heinrich Manns Roman „Professor Unrat“ (1905), veränderte. „Der blaue Engel“ wird in „Submission“ mehrmals direkt angesprochen und gezeigt. Damit werden die Parallelen zwischen Professor Raths und Professor Swensons Abstieg auch für die Menschen, die von Sternbergs Film nicht kennen, überdeutlich.

So wird in „Submission“, mit guten Schauspielern und sehr stilbewusst-altmodisch, noch einmal eine Verführungsgeschichte erzählt, die genau so schon vor hundert Jahren erzählt wurde. Nur dass aus der Nachtclubsängerin inzwischen eine Studentin mit etwas zweifelhafter Vergangenheit wurde. Levine hätte wenigstens die Geschlechter und vielleicht sogar das Aussehen der beiden Hauptfiguren ändern können. Dann hätte sich vielleicht eine Professorin in einen Studenten verliebt.

Submission (Submission, USA 2017)

Regie: Richard Levine

Drehbuch: Richard Levine

LV: Francine Prose: Blue Angel, 2000

mit Stanley Tucci, Addison Timlin, Kyra Sedgwick, Janeane Garofalo, Peter Gallagher, Colby Minifie, Ritchie Coster, Alison Bartlett

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Submission“

Metacritic über „Submission“

Rotten Tomatoes über „Submission“

Wikipedia über „Submission“


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