TV-Tipp für den 14. September: The Killing of a sacred Deer

September 13, 2020

Arte, 22.00

The Killing of a sacred Deer (The Killing of a sacred Deer, Großbritannien/Irland 2017)

Regie: Yorgos Lanthimos

Drehbuch: Yorgos Lanthimos, Efthimis Filippou

Ein 16-jähriger Junge drängt sich in das Leben eines erfolgreichen Chirurgen.

In „The Killing of a sacred Deer“ interpretiert Yorgos Lanthimos („The Favourite“) den antiken Mythos der Iphigenie. Das Ergebnis enttäuschte mich.

Warum erkläre ich in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Colin Farrell, Nicole Kidman, Barry Keoghan, Alicia Silverstone, Raffey Cassidy, Sunny Suljic, Bill Camp

Hinweise

Moviepilot über „The Killing of a sacred Deer“

Metacritic über „The Killing of a sacred Deer“

Rotten Tomatoes über „The Killing of a sacred Deer“

Wikipedia über „The Killing of a sacred Deer“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Yorgos Lanthimos‘ „The Killing of a sacred Deer (The Killing of a sacred Deer, Großbritannien/Irland 2017)

Meine Besprechung von Yorgos Lanthimos‘ „The Favourite – Intrigen und Irrsinn“ (The Favourite, USA 2018)


TV-Tipp für den 11. Juli: The Lobster

Juli 10, 2020

3sat, 22.45

The Lobster (The Lobster, Irland/Griechenland/Großbritannien/Frankreich/Niederland 2015)

Regie: Yorgos Lanthimos

Drehbuch: Yorgos Lanthimos, Efthymis Filippou (als Efthimis Filippou)

45 Tage hat David Zeit, um in einem Paarungshotel seine künftige Frau zu finden. Wenn nicht, wird er in einen Hummer verwandelt. Als er kein Glück hat, flieht er und trifft im Wald auf eine Gruppe radikaler Einzelgänger, die mindestens genauso streng-absurde Regeln befolgen.

Köstliche Satire, die in Cannes den Preis der Jury erhielt.

mit Colin Farrell, Rachel Weisz, John C. Reilly, Léa Seydoux, Ben Whishaw, Olivia Colman, Jessica Barden

Hinweise

Rotten Tomatoes über „The Lobster“

Wikipedia über „The Lobster“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Yorgos Lanthimos‘ „The Killing of a sacred Deer (The Killing of a sacred Deer, Großbritannien/Irland 2017)

Meine Besprechung von Yorgos Lanthimos‘ „The Favourite – Intrigen und Irrsinn“ (The Favourite, USA 2018)


Neu im Kino/Filmkritik: Guy Ritchies „The Gentlemen“ sind keine Gentlemen

Februar 27, 2020

Es beginnt mit einem nächtlichen Besuch. Fletcher (Hugh Grant) hat sich in die Wohnung von Ray (Charlie Hunnam) eingeschlichen. Er will ihn allerdings nicht umbringen oder zusammenschlagen (was in einem Guy-Ritchie-Film ernstzunehmende Handlungsmöglichkeiten sind), sondern ihm eine Geschichte erzählen. Eine Geschichte, für die er gerne viel Geld von Rays Boss erhalten würde, damit er sie nicht meistbietend weitererzählt. Denn Ray ist die rechte Hand von Michael ‚Mickey‘ Pearson (Matthew McConaughey). Einem Drogenhändler. Deshalb ist Fletchers in Rückblenden erzählte Geschichte eine Gangstergeschichte. Es geht um einen als Verkaufsverhandlungen getarnten Revierkampf zwischen Pearson, einem glücklich verheirateten Exil-Amerikaner, der in London ein riesiges und sehr illegales Marihuana-Imperium aufgebaut hat, und etlichen Gangstern, die jetzt Pearsons Geschäft übernehmen wollen. Selbstverständlich ohne dafür die Summe auszugeben, für die Pearson es verkaufen möchte. Und weil sich alle beteiligten Verbrecher gegenseitig übers Ohr hauen und umbringen (nicht unbedingt in dieser Reihenfolge) wird die von Fletcher erzählte Geschichte sehr schnell sehr komplex, vulgo verwirrend. Und, das muss auch gesagt werden, der ölige Privatdetektiv Fletcher ist ein höchst unzuverlässiger Erzähler.

Für Guy Ritchie ist „The Gentlemen“ eine Rückkehr zu seinen Anfängen. Zuletzt inszenierte er „Aladdin“ und „King Arthur: Legend of the Sword“. „Aladdin“ ist ein kinderfreundlicher Disney-Film, den Millionen im Kino sahen. „King Arthur“ ein missglücktes Mittelalterdrama, das keiner sehen wollte. In beiden Filmen ist sein bekannter Stil und Humor nur in homöopathischen Spuren vorhanden. Über „The Gentlemen“ kann das nicht gesagt werden. Wie in seinen ersten beiden Filmen „Bube, Dame, König, grAS“ und „Snatch – Schweine und Diamanten“ treffen ein Haufen meist minderbemittelter Gangster und Dummköpfe aufeinander, es gibt coole Sprüche (nicht immer politisch korrekt) und viel sinnlose Gewalt, die schnell immer weiter eskaliert, weil der eine Trottel die Absichten des anderen Trottels vollkommen falsch interpretiert und der dritte Trottel die Situation vollkommen falsch einschätzt.

Ich fand beide Filme grandios. Daher sollte „The Gentlemen“ einer der Filme sein, die mich zwei Stunden durchlachen und danach, alle Bedenken und auch berechtige Kritik lässig ignorierend, euphorisch weiterempfehlen lässt. Etlichen Kollegen ging es auch so. Aber ich fand diese Gangsterfilmkomödie, trotz einiger witziger Momente, todsterbenslangweilig.

Der Grund dafür ist ziemlich einfach: keine der Figuren interessierte mich. Sie sind alle von sich selbst restlos überzeugte Arschlöcher, die sich wie Arschlöcher benehmen. Auch Fletcher ist letztendlich nur ein geldgieriges Arschloch, dem man jede Strafe gönnt. Wie allen anderen Figuren.

In Ritchies Debüt war das anders. Da wurde der Kleingangster Eddy bei einem Pokerspiel übel über den Tisch gezogen und er musste, um lebendig aus der Sache rauszukommen, ganz schnell ganz viel Geld besorgen. Es war eine David-gegen-Goliath-Geschichte.

The Gentlemen (The Gentlemen, Großbritannien/USA 2019)

Regie: Guy Ritchie

Drehbuch: Guy Ritchie

mit Matthew McConaughey, Hugh Grant, Charlie Hunnam, Michelle Dockery, Henry Golding, Jeremy Strong, Eddie Marsan, Colin Farrell

Länge: 114 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „The Gentlemen“

Metacritic über „The Gentlemen“

Rotten Tomatoes über „The Gentlemen“

Wikipedia über „The Gentlemen“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Guy Ritchies „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“ (Sherlock Holmes: A Game of Shadows, USA 2011)

Meine Besprechung von Guy Ritchies „King Arthur: Legend of the Sword“ (King Arthur: Legend of the Sword, USA/Australien 2017)

Meine Besprechung von Guy Ritchies „Aladdin“ (Aladdin, USA 2019)

Ein Q&A mit Guy Ritchie und den Schauspielern zum Film


TV-Tipp für den 19. Januar: The New World

Januar 19, 2020

Bevor am 30. Januar Terrence Malicks neuer Film „Ein verborgenes Leben – A hidden life“, der deutlich gelungener als seine vorherigen Filme ist (mehr zum Filmstart in meiner Besprechung), in unseren Kinos anläuft, kann man sich noch einmal seinen letzten, ähem, zugänglichen Film ansehen:

Arte, 20.15

The New World (The New World, USA 2005)

Regie: Terrence Malick

Drehbuch: Terrence Malick

„Badlands“, „In der Glut der Sonne“, „Der schmale Grad“ und dann „The New World“. Vier Filme in über dreißig Jahren, Das ist nicht gerade viel. Doch Malicks Filme sind für Cineasten immer ein optischer Festschmaus. Auch in seiner Interpretation der Legende von Pocahontas (wer die Geschichte nicht kennt: USA, 1607: John Smith soll für die Siedler mit den Indianern verhandeln. Diese nehmen ihn gefangen. Die Häuptlingstochter Pocahontas rettet ihn. Er verliebt sich in sie. Und jetzt beginnen die wirklichen Probleme.) sind die Bilder grandios, die Besetzung hochkarätig (obwohl in seinem Kriegsfilm „Der schmale Grad“ die Stardichte höher war), der Erzählduktus hypnotisch und fern der gängigen Hollywood-Konventionen.

Danach inszenierte Malick zwischen 2011 und 2017 wieder vier immer esoterischer und selbstbezogener werdende Spielfilme, in denen er seinen legendären Ruf gründlich ruinierte. Mit seinem neuesten Film „Ein verborgenes Leben – A hidden life“ kehrt er wieder zu einem stärker einer Geschichte verhaftetem Erzählen zurück.

Anschließend, um 22.25 Uhr, zeigt Arte die einstündige Doku „Pocahontas und Captain John Smith“ (Deutschland 2009)

mit Colin Farrell, Q’orianka Kilcher, Christopher Plummer, Christian Bale, August Schellenberg, Wes Studi, David Thewlis, Ben Mendelsohn, John Savage, Ben Chaplin, Eddie Marsan, Jonathan Pryce

Wiederholung: Donnerstag, 30. Januar, 13.45 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „The New World“

Wikipedia über „The New World“ (deutsch, englisch) und über Terrence Malick (deutsch, englisch)

Slant Magazine: Nick Schager über „Days of Heaven“ („greatest film ever made“, 22. Oktober 2007)

Meine Besprechung von Terrence Malicks „To the Wonder“ (To the Wonder, USA 2012)

Meine Besprechung von Terrence Malicks „Knight of Cups“ (Knight of Cups, USA 2015)

Meine Besprechung von Terrence Malicks „Song to Song“ (Song to Song, USA 2017)

Meine Besprechung von Dominik Kamalzadeh/Michael Peklers “Terrence Malick” (2013)

Terrence Malick in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 13. Januar: The Lobster: Eine unkonventionelle Liebesgeschichte

Januar 13, 2020

Arte, 22.30

The Lobster (The Lobster, Irland/Griechenland/Großbritannien/Frankreich/Niederland 2015)

Regie: Yorgos Lanthimos

Drehbuch: Yorgos Lanthimos, Efthymis Filippou (als Efthimis Filippou)

45 Tage hat David Zeit, um in einem Paarungshotel seine künftige Frau zu finden. Wenn nicht, wird er in einen Hummer verwandelt. Als er kein Glück hat, flieht er und trifft im Wald auf eine Gruppe radikaler Einzelgänger, die mindestens genauso streng-absurde Regeln befolgen.

Köstliche Satire, die in Cannes den Preis der Jury erhielt.

mit Colin Farrell, Rachel Weisz, John C. Reilly, Léa Seydoux, Ben Whishaw, Olivia Colman, Jessica Barden

Hinweise

Rotten Tomatoes über „The Lobster“

Wikipedia über „The Lobster“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Yorgos Lanthimos‘ „The Killing of a sacred Deer (The Killing of a sacred Deer, Großbritannien/Irland 2017)

Meine Besprechung von Yorgos Lanthimos‘ „The Favourite – Intrigen und Irrsinn“ (The Favourite, USA 2018)


TV-Tipp für den 1. November: Minority Report

Oktober 31, 2019

RTL II, 21.55

Minority Report (Minority Report, USA 2002)

Regie: Steven Spielberg

Drehbuch: Scott Frank, Jon Cohen

LV: Philip K. Dick: The Minority Report, 1956 (erstmals erschienen in Fantastic Universe, Januar 1956, Der Minderheiten-Bericht, Kurzgeschichte)

Schöne neue Welt: 2054 werden in Washington, D. C., Verbrecher bereits vor der Tat, aufgrund der Prognose von Precogs, verhaftet. Ein perfektes System, bis die Precogs sagen, dass der Polizist John Anderton bald einen Mann, den er überhaupt nicht kennt, umbringen wird. Anderton glaubt nicht an die Prognose. Er flüchtet und versucht herauszufinden, warum er zum Mörder werden soll.

Guter, etwas zu lang geratener Science-Fiction-Thriller, der für den Bram-Stoker-, Nebula- und Hugo-Preis nominiert war und den Saturn-Preis erhielt.

mit Tom Cruise, Colin Farrell, Samantha Morton, Max von Sydow, Lois Smith, Peter Stormare, Frank Grillo

Wiederholung: Samstag, 2. November, 04.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Minority Report“

Wikipedia über „Minority Report“ (deutsch, englisch)

Homepage von Philip K. Dick

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels” (Indiana Jones and the kingdom of the skull, USA 2008)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Gefährten” (War Horse, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Lincoln” (Lincoln, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Bridge of Spies – Der Unterhändler“ (Bridge of Spies, USA 2015)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „BFG – Big Friendly Giant (The BFG, USA 2016)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Die Verlegerin“ (The Post, USA 2017)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Ready Player One“ (Ready Player One, USA 2018)

Steven Spielberg in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Über Tim Burtons Kinderfilm für Senioren „Dumbo“

April 1, 2019

Tim Burton drehte immer wieder Kinderfilme, wie „Charlie in der Schokoladenfabrik“ und „Alice im Wunderland“. Finanziell gehören sie zu seinen erfolgreichsten Filmen. Er drehte auch immer wieder Kinderfilme, die nicht für Kinder waren, wie „Frankenweenie“. Für den Spielfilm erweiterte er seinen 1984 für Walt Disney Pictures hergestellten Kurzfilm zu einem Spielfilm. Damals hielt Disney seine Vision für zu gruselig für Kinder. Außerdem passte die SW-Liebeserklärung an alte SW-Horrorfilme nicht zum Image der Firma.

Seitdem veränderte sich einiges. Burton und Disney arbeiteten in den vergangenen Jahren erfolgreich zusammen. Ihr jüngstes gemeinsames Projekt ist der Realfilm „Dumbo“; ein Remake des gleichnamigen Trickfilm-Klassikers von 1941. Und dieser Film kann als Kinderfilm für Senioren beschrieben werden.

Erzählt wird die Geschichte von Dumbo. Der Elefant kommt 1919 in einem Zirkus zur Welt. Max Medici, Inhaber eines um sein Überleben kämpfenden Wanderzirkus, hat Dumbos schwangere Mutter gekauft, weil er sich von dem Elefantenbaby ein Riesengeschäft erhoffte. Mit seinen riesigen Schlappohren ist Dumbo allerdings eine Missgeburt, mit der man kein Geschäft machen kann.

Das ändert sich, als Medici erfährt, dass Dumbo fliegen kann.

Dumbo“ ist eine weitere Realverfilmung eines Disney-Klassikers. Wobei man Realverfilmung vor allem in diesem Fall nicht allzu eng definieren sollte. Letztendlich sind nur die hochkarätige Besetzung – in Hauptrollen sind Colin Farrel, Danny DeVito, Michael Keaton und Eva Green dabei – und einige Sets real. Die Tiere wurden am Computer animiert. Gedreht wurde ausschließlich im Studio. Entsprechend künstlich sieht der Film aus. Jedes Bild sieht wie gemalt aus.

Schöne Bilder, Künstlichkeit und porentiefe Sauberkeit sind allerdings nicht das Problem von „Dumbo“. Es sind das langsame Erzähltempo und die schleppend entwickelte Geschichte, bei der immer unklar ist, wer das in erster Linie angesprochene Publikum ist und die keine klare Struktur zwischen Haupt- und Nebenplots findet. Stattdessen werden mehrere Geschichten parallel erzählt. Im Mittelpunkt steht dabei die Familie Farrier, die von Zirkusbesitzer Medici (Danny DeVito) angewiesen wird, sich um das Elefantenbaby zu kümmern.

Für einen Kinderfilm konzentriert sich der Film zu sehr auf Holt Farrier (Colin Farrell). Der Kriegsheimkehrer hat ein ganzes Bündel physischer und seelischer Probleme. Im Kampf in Europa verlor der Reitartist seinen linken Arm. Zur gleichen Zeit verstarb seine Frau. Der Witwer muss sich jetzt um ihre beiden Kinder kümmern und, als ob das alles noch nicht genug sei, verlor er seine Zirkusnummer und damit seine berufliche Existenz. Jetzt ist er im Zirkus Medici nur noch als Stallbursche im Elefantenkäfig zu gebrauchen. Immerhin trifft er in der zweiten Filmhälfte, die im Vergnügungspark des erzbösen Kapitalisten V. A. Vandevere (Michael Keaton) spielt, die Luftakrobatin Colette Marchant (Eva Green).

Für einen Erwachsenenfilm konzentriert „Dumbo“ sich sehr auf Holts Kinder Milly und Joe. Millie (Nico Parker) ist Holts naseweise, wissenschaftlich interessierte, superschlaue Tochter. Joe (Finley Hobbins) sein begeisterungsfähiger, aber artistisch hoffnungslos untalentierten Sohn. Beide wären in einem klassischen Kinderfilm die Protagonisten. In Tim Burtons neuem Film verschwinden sie immer wieder für lange Zeiträume aus der Filmgeschichte.

Diese plätschert, ohne den bekannten Tim-Burton-Humor, orientierungslos vor sich hin.

Sogar die im Hintergrund plätschernde Musik ist so austauschbar, dass ich erst im Abspann bemerkte, dass Burtons Hauskomponist Danny Elfmann sie geschrieben hat.

Dumbo“ ist ein seltsamer Film. Ein Tim-Burton-Film ohne Tim Burton. Ein Kinderfilm, der sich nicht an Kinder richtet. Ein Realfilm, der fast ausschließlich am Computer entstand. Es ist kein wirklich schlechter Film, es ist eher ein belangloser Film, der als Zirkusfilm arm an Attraktionen ist.

Und Dumbo? Der schaut die meiste Zeit traurig in die Welt.

Dumbo (Dumbo, USA 2019)

Regie: Tim Burton

Drehbuch: Ehren Kruger

LV: Helen Aberson, Harold Pearl: Dumbo the Flying Elephant, 1939 (Roll-a-Book, von dem wahrscheinlich nur ein Prototyp hergestellt wurde)

mit Colin Farrell, Michael Keaton, Danny DeVito, Eva Green, Alan Arkin, Nico Parker, Finley Hobbins, Roshan Seth, Deobia Oparei, Joseph Gatt, Sharon Rooney, Lars Eidinger

Länge: 112 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Dumbo“

Metacritic über „Dumbo“

Rotten Tomatoes über „Dumbo“

Wikipedia über „Dumbo“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Tim Burtons “Frankenweenie” (Frankenweenie, USA 2012, nach einem Drehbuch von John August)

Meine Besprechung von Tim Burtons „Big Eyes“ (Big Eyes, USA 2014)

Meine Besprechung von Tim Burtons „Die Insel der besonderen Kinder“ (Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children, USA 2016)

Tim Burton in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 6. Februar: The Lobster

Februar 6, 2019

3sat, 22.25

The Lobster (The Lobster, Irland/Griechenland/Großbritannien/Frankreich/Niederland 2015)

Regie: Yorgos Lanthimos

Drehbuch: Yorgos Lanthimos, Efthymis Filippou (als Efthimis Filippou)

45 Tage hat David Zeit, um in einem Paarungshotel seine künftige Frau zu finden. Wenn nicht, wird er in einen Hummer verwandelt. Als er kein Glück hat, flieht er und trifft im Wald auf eine Gruppe radikaler Einzelgänger, die mindestens genauso streng-absurde Regeln befolgen.

Köstliche Satire, die in Cannes den Preis der Jury erhielt.

mit Colin Farrell, Rachel Weisz, John C. Reilly, Léa Seydoux, Ben Whishaw, Olivia Colman, Jessica Barden

Hinweise

Rotten Tomatoes über „The Lobster“

Wikipedia über „The Lobster“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Yorgos Lanthimos‘ „The Killing of a sacred Deer (The Killing of a sacred Deer, Großbritannien/Irland 2017)

Meine Besprechung von Yorgos Lanthimos‘ „The Favourite – Intrigen und Irrsinn“ (The Favourite, USA 2018)


Neu im Kino/Filmkritik: „Widows – Tödliche Witwen“, tote Männer und ein todsicherer Plan

Dezember 8, 2018

Steve McQueens neuer Film beginnt mit friedlichen Bildern von Männern, die sich von ihren Frauen verabschieden und zur Arbeit gehen. Ihre Arbeit ist allerdings etwas ungewöhnlich: sie sind Profi-Einbrecher und bei diesem Einbruch geht einiges schief. Sie müssen flüchten, werden von der Polizei quer durch die Stadt verfolgt und als die Polizei sie in einer Lagerhalle verhaften will, explodiert ihr Fluchtfahrzeug im Kugelhagel. Die Beute geht in Flammen auf. Die Diebe sterben.

Ihre Frauen sind die titelgebenden Witwen, die kurz darauf knietief in finanziellen Problemen stecken. Und dann fordert auch noch Jamal Manning (Brian Tyree Henry) sein Geld zurück. Denn Harry Rawlins (Liam Neeson, vor allem lebendig in Rückblenden) und seine Gang haben sein Wahlkampfgeld gestohlen. Harrys Frau Veronica Rawlins (Viola Davis) hat einen Monat, um das Geld zu beschaffen.

Weil sie das Tagebuch ihres Mannes hat, in dem er alle Informationen für seinen nächsten Einbruch akribisch notierte, besitzt sie den Plan für einen Einbruch. Jetzt braucht sie nur noch einige Informationen, wie den Standort des Gebäudes, in dem der mit einigen Millionen Dollar gefüllte Tresor steht, und einige Helferinnen. Sie denkt dabei an die anderen Frauen, die bei Harrys letztem Einbruch ebenfalls ihre Männer verloren haben. Linda (Michelle Rodriguez), deren Kleidergeschäft von ihrem Mann verzockt wurde, und Alice (Elisabeth Debicki), die von ihrem Mann als Vollzeit-Ehefrau an der kurzen Leine gehalten wurde, helfen ihr. Später stößt Belle (Cynthia Erivo), die als Friseuse und Kindermädchen für Lindas Kinder kaum über die Runden kommt, zu ihnen.

Die ursprüngliche Idee für „Widows“ ist schon ziemlich alt. Lynda La Plante hatte sie bereits in den frühen achtziger Jahren und setzte sie ziemlich zeitgleich als Roman und TV-Miniserie um. Die uns anscheinend nie gezeigte TV-Serie war 1983 ein Hit im britischen TV und 2002 die Vorlage für eine US-TV-Miniserie. La Plante erzählte die Geschichte der diebischen Frauen 1985 und 1995 in zwei weiteren TV-Miniserien weiter. „Widows“ war für sie der Beginn einer erfolgreichen Karriere. So war sie als Autorin und Produzentin für die TV-Serien „Heißer Verdacht“ (Prime Suspect) und „Der Preis des Verbrechens“ (Trial & Retribution) verantwortlich. Um nur die zwei langlebigen Serien zu nennen, die auch in Deutschland bekannter sind.

Steve McQueen sah 1983 als Jugendlicher die TV-Serie und er war von den Frauen, die ein Ding drehen, fasziniert. Das war damals brandneu. Zusammen mit „Gone Girl“-Autorin Gillian Flynn setzte er sich jetzt an eine zeitgemäße Adaption des Stoffes.

McQueen und Flynn verlegten die Geschichte nach Chicago, in die Gegenwart. Die Lokalpolitik und die sozioökonomischen Verwerfungen und Konflikte innerhalb der US-Gesellschaft sind ein wichtiger Teil der sehr dicht erzählten Geschichte, die immer wirkt, als habe man die sechsteilige TV-Serie auf kinotaugliche zwei Stunden eingedampft. Da bringt jede Szene die Geschichte erkennbar voran. Und weil McQueen zwischen mehreren Handlungssträngen jongliert, kann man sich ziemlich schnell ausmalen, wie alles miteinander zusammenhängt.

Im Mittelpunkt des Thrillers stehen die Planung und Durchführung des Coup. Aber McQueen wechselt souverän zwischen mehreren Handlungssträngen. Neben den vier Frauen, die einige Taschen voll Geld stehlen wollen, sind auch Jack Mulligan (Colin Farrell) und Jamal Manning involviert. Sie sind gerade mitten im Wahlkampf um den Posten des Stadtrats für den 18. Bezirk von Chicago. Mulligans Vater Tom (Robert Duvall) will das Wahlamt an seinen Sohn vererben. Der Afroamerikaner Manning ist ein bekannter Verbrecher, der als Stadtrat ehrbar werden und etwas für seine Gemeinde tun will.

Es sind, auch weil McQueen die einzelnen Handlungsstränge immer wieder aufspaltet, viele Episoden und Themen, die dank seiner sicheren Regie und dank des guten Drehbuchs nie zu einer chaotischen Abfolge unzusammenhängender Episoden werden. Es ist auch schön zu sehen, dass jeder Charakter, auch wenn er nur wenige Minuten Filmzeit hat, zu einer dreidimensionalen Figur entwickelt wurde.

Widows – Tödliche Witwen“ ist ein mustergültiger, elegant erzählter Genrefilm, bei dem vor allem der Name des Regisseurs erstaunt. Denn Steve McQueens vorherige Filme „Hunger“, „Shame“ und „12 Years a Slave“ waren intensive Dramen, die sich auf einen Charakter, einen Mann, konzentrierten und dem nie von der Seite wichen. Sein neuester Film ist dagegen ein astreiner, konsequent den Regeln des Heist-Movies folgender Thriller mit mehreren Erzählsträngen und ganz gewöhnlich starken Frauen als Protagonisten.

Kurz gesagt ist „Widows“ für Steve McQueen das, was „Inside Man“ für Spike Lee war: ein aus dem sonstigen Werk herausstechender schnörkelloser und spannender Genrefilm.

Und mir fällt ein, dass ich immer noch nicht Wallace Strobys dritten Hardboiled-Krimi „Fast ein guter Plan“ (Pendragon) mit Profidiebin Crissa Stone gelesen habe.

Widows – Tödliche Witwen (Widows, USA 2018)

Regie: Steve McQueen

Drehbuch: Gillian Flynn, Steve McQueen (basierend auf der gleichnamigen TV-Serie von Lynda La Plante)

mit Viola Davis, Michelle Rodriguez, Elizabeth Debicki, Cynthia Erivo, Colin Farrell, Daniel Kaluuya, Jackie Weaver, Robert Duvall, Liam Neeson, Brian Tyree Henry, Garrett Dillahunt, Carrie Coon, Jon Bernthal, Manuel Garcia-Rulfo, Lukas Haas

Länge: 130 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Widows“

Metacritic über „Widows“

Rotten Tomatoes über „Widows“

Wikipedia über „Widows“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steve McQueens „Shame“ (Shame, Großbritannien 2011)

Meine Besprechung von Steve McQueens „12 Years a Slave“ (12 Years a Slave, USA 2013)

Meine Besprechung von David Finchers Gillian-Flynn-Verfilmung „Gone Girl – Das perfekte Opfer (Gone Girl, USA 2014) (Buch- und Filmkritik)

Meine Besprechung von Gilles Paquet-Brenners Gillian-Flynn-Verfilmung „Dark Places – Gefährliche Erinnerung“ (Dark Places, USA/Frankreich 2015)

Steve McQueen über den Film

Steve McQueen und Gillian Flynn über den Film

Steve McQueen, Viola Davis, Michelle Rodriguez und Elizabeth Debicki über den Film


TV-Tipp für den 10. Juli: Saving Mr. Banks

Juli 10, 2018

Super RTL, 20.15

Saving Mr. Banks (Saving Mr. Banks, USA/Großbritannien/Australien 2013)

Regie: John Lee Hancock

Drehbuch: Kelly Marcel, Sue Smith

Walt Disney will das Kinderbuch „Mary Poppins“ verfilmen. Dafür braucht er nur das Einverständnis der Autorin P. L. Travers. Die Engländerin hasst ungefähr alles abgrundtief, was Walt Disney verkörpert und mit ihrem Buch machen will.

Das sehr, sehr gelungene und sehr kurzweilige Making of zu dem Klassiker „Mary Poppins“.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung; mit vielen Clips.

mit Emma Thompson, Tom Hanks, Colin Farrell, Paul Giamatti, Jason Schwartzman, Bradley Whitford, Ruth Wilson, B. J. Novak, Rachel Griffiths, Kathy Baker

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Saving Mr. Banks“

Moviepilot über „Saving Mr. Banks“

Metacritic über „Saving Mr. Banks“

Rotten Tomatoes über „Saving Mr. Banks“

Wikipedia über „Saving Mr. Banks“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood untersucht „Saving Mr. Banks“

Das Drehbuch „Saving Mr. Banks“ von Kelly Marcel und Sue Smith

Meine Besprechung von John Lee Hancocks „Saving Mr. Banks“ (Saving Mr. Banks, USA/Großbritannien/Australien 2013)

Meine Besprechung von John Lee Hancocks „The Founder“ (The Founder, USA 2016)


Neu im Kino/Filmkritik: Denzel Washington ist „Roman J. Israel, Esq. – Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit“

April 19, 2018

Roman J. Israel hat sich in Los Angeles sein Reich geschaffen. Er ist ein brillanter Anwalt und Bürgerrechtler, der in seiner bis zur Zimmerdecke mit juristischen Texten vollgestopften Gelehrtenkammer Schriftsätze formuliert, die sein Kanzleipartner William Henry Jackson vor Gericht verteidigt. In der Szene ist er bekannt. In der Öffentlichkeit ist er ein Sonderling. Allein in einem 1-Zimmer-Apartment mit Erinnerungen an die Helden der Bürgerrechtsbewegung und vielen Schallplatten aus den siebziger Jahren (Herrje, ich will diese Wohnung haben!) in einer schlechten Gegend lebend, nicht an Äußerlichkeiten interessiert, kontaktscheu, introvertiert, mit einem enzyklopädischen Gedächtnis und einem untrüglichen Gerechtigkeitssinn. Er lebt noch in den sechziger und siebziger Jahren, als Männer selbstverständlich aufstanden, um einer Frau ihren Platz anzubieten.

Als Jackson nach einem Schlaganfall in ein Koma fällt, wird die Kanzlei aufgelöst. Einerseits, weil sie sowieso schon seit Jahren defizitär war, andererseits weil Israel keine Erfahrung als Verteidiger in Prozessen hat und er aufgrund seiner Persönlichkeit auch der denkbar schlechteste Anwalt für ein öffentliches Verfahren ist. George Pierce, ein Student von Jackson und Leiter einer großen, modernen, profitorientierten Anwaltskanzlei, übernimmt Jacksons restliche Mandanten und, nach kurzem Zögern, auch Israel. Einige Pro-Bono-Fälle sind gut für das Image, denkt er sich, und Israel scheint dafür der geeignete Mann zu sein.

Dummerweise hat Israel Probleme, sich anzupassen. Er kann und will die Regeln in Pierces Firma nicht befolgen. Er lernt Maya Alston kennen. Sie ist eine junge, engagierte Verfechterin von Gleichberechtigungsklagen, die eine Zweigstelle einer landesweit organisierten Freiwilligenorganisation für Bürgerrechtsklagen ist.

Roman J. Israel, Esq. – Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit“, der neue Film von „Nightcrawler“-Regisseur Dan Gilroy, ist vor allem ein Denzel-Washington-Solo. Washington spielt Roman J. Israel überzeugend als menschenscheuen, nicht auf seine Umwelt achtenden Sonderling. Für seine Darstellung wurde er unter anderem, als bester Hauptdarsteller, für den Oscar, den Golden Globe, den Screen Actors Guild Award (chancenlos gegen „Churchill“ Gary Oldman) und den Black Reel Award (chancenlos gegen „Get out“ Daniel Kaluuya) nominiert.

Auch die anderen Schauspieler, wie Colin Farell als George Pierce und Carmen Ejogo als Maya Alston, sind gut.

Aber das Drehbuch mäandert ziellos vor sich hin. Die einzelnen Szenen sind zwar gelungen, aber eine richtige Geschichte ist nicht erkennbar. Haupt- und Nebengeschichten werden niemals sinnvoll und sich verstärkend angeordnet. Die Anklage gegen ein überfordertes Justizsystem, das sich nicht für den einzelnen Menschen, sondern für reibungslose Verfahren interessiert, ist erkennbar, aber sie steht nicht im Mittelpunkt.

Der Noir-Krimiplot, in dem Israel das Gesetz in die eigenen Hände nimmt und, obwohl er es nicht dürfte, eine versprochene Belohnung kassiert, ist ebenfalls eher nebensächlich.

Seine Wandlung von einem Außenseiter zu einem sich wenigstens äußerlich in Pierces Firma anpassend und seinen unverdienten Reichtum genießenden Mann kommt zu plötzlich und ist auch nicht aus dem Charakter heraus motiviert.

Alles das könnte mit einem starken Ende geheilt werden. Aber anstatt die Geschichte von Roman J. Israel, Esq. mit einem Ende enden zu lassen, das der vorherigen Geschichte eine eindeutige ihre Botschaft verleiht, präsentiert Gilroy mehrere, sich mehr oder weniger im Weg stehende Enden, die teilweise sogar die vorherige Geschichte konterkarieren.

Gilroys menschelnde Charakterstudie „Roman J. Israel, Esq.“ erreicht niemals die Kraft von seinem hochkonzentrierten und auch zynischem Spielfilmdebüt „Nightcrawler“.

Aber als Denzel-Washington-Solo überzeugt das Drama restlos.

Roman J. Israel, Esq. – Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit (Roman J. Israel, Esq., USA 2017)

Regie: Dan Gilroy

Drehbuch: Dan Gilroy

mit Denzel Washington, Colin Farrell, Carmen Ejogo, Lynda Gravátt, Amanda Warren, Hugo Armstrong, Sam Gilroy, Esperanza Spalding

Länge: 123 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutscher Facebook-Hashtag zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Roman J. Israel, Esq.“

Metacritic über „Roman J. Israel, Esq.“

Rotten Tomatoes über „Roman J. Israel, Esq.“

Wikipedia über „Roman J. Israel, Esq.“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Dan Gilroys „Real Steel“ (Real Steel, USA 2011, Regie: Shawn Levy)

Meine Besprechung von Dan Gilroys „Das Bourne-Vermächtnis“ (The Bourne Legacy, USA 2012, Regie: Tony Gilroy)

Meine Besprechung vom Dan Gilroys „Nightcrawler – Jede Nacht hat ihren Preis“ (Nightcrawler, USA 2014)

Heute online gegangen: Der Trailer zu Denzel Washingtons nächstem Film


TV-Tipp für den 3. Februar: Brügge sehen…und sterben?

Februar 3, 2018

Der erste Film von „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“-Regisseur Martin McDonagh

ARD, 23.40

Brügge sehen…und sterben? (In Bruges, Belgien/Großbritannien 2008)

Regie: Martin McDonagh

Drehbuch: Martin McDonagh

Die Profikiller Ray und sein väterlicher Freund Ken sollen nach einem leicht missglückten Mord an einem Priester für einige Tage in Brügge untertauchen. Schnell verwandeln sie die friedliche Stadt in eine Kampfzone. Denn: „Shoot first. Sightsee later.“

Grandiose, mit dem Edgar ausgezeichnete schwarze Komödie

Mit Colin Farrell, Brendan Gleeson, Ralph Fiennes, Clémence Poésy, Zeljko Ivanek, Ciarán Hinds

Hinweise

Britische Homepage zum Film

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Brügge sehen…und sterben?“

Moviepilot über „Brügge sehen…und sterben?“

Metacritic über „Brügge sehen…und sterben?“

Rotten Tomatoes über „Brügge sehen…und sterben?“

Wikipedia über „Brügge sehen…und sterben?“ (deutsch, englisch)

Filmstew: Interview mit Martin McDonagh

IndieWire: Interview mit Martin McDonagh

Collider: Interview mit Martin McDonagh und Colin Farrell

Time porträtiert Martin McDonagh

New York Times ebenso

Meine Besprechung von Martin McDonaghs „7 Psychos“ (Seven Psychopaths, UK/USA 2012)

Meine Besprechung von Martin McDonaghs „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“ (Three Billboards outside Ebbing, Missouri, USA 2017)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Yorgos Lanthimos‘ „The Killing of a sacred Deer“

Dezember 28, 2017

Den meisten Kritikern gefällt Yorgos Lanthimos‘ neuer Film „The Killing of a sacred Deer“ und auf einer intellektuellen Ebene kann ich das auch nachvollziehen. Jedenfalls teilweise.

Es geht, in einem Satz, um eine Arztfamilie, die von einem jungen Mann, der ihr Leben zerstören will, bedroht wird und wie sich die Familie dagegen wehrt. Wie es sich für einen Mystery-Thriller gehört, wird der Grund für das zunächst seltsame Verhalten des jungen Mannes erst spät enthüllt. Spätestens in dem Moment ist der Filmtitel für Menschen mit einer gesunden abendländischen Bildung mühelos verständlich.

Und ungefähr jetzt begeben wir uns notgedrungen auf das Terrain von Spoilern.

Denn der Filmtitel spielt auf den griechischen Mythos der Iphigenie an. Danach muss Agamemnon seine Tochter Iphigenie opfern, weil er in einem heiligen Hain der Jagdgöttin Artemis einen Hirsch getötet hat und sich mit der Tat brüstete.

Im Film ist dann Doktor Steven Murphy Agamemnon. Vor Jahren starb bei einer Operation einer seiner Patienten. Vorher hatte der Patient einen Autounfall. Aber der ist für die Filmgeschichte egal. Irgendwie geplagt von Schuldgefühlen trifft er sich mit Martin, dem sechzehnjährigen Sohn des toten Patienten. Und dieser schleicht sich in Murphys Familie ein. Er will sogar Murphy mit seiner Mutter verkuppeln und so wohl wieder eine richtige Familie haben. Letztendlich ist Martin aber kein nach Liebe und Geborgenheit suchender Stalker, sondern der durchgeknallte Psycho von nebenan, den wir aus zahlreichen Filmen kennen und der stoisch seinen Racheplan verfolgt.

Denn er schleicht sich nicht nur in de Bilderbuchfamilie Murphy ein, sondern belegt sie mit einem Fluch. Plötzlich können Murphys beiden Kinder sich nicht mehr bewegen und Martin fordert Murphy auf, eines seiner Kinder zu opfern. Oder er werde die gesamte Familie töten.

Diesen eher wenig plausiblen Konflikt (Warum rächt er sich nicht an der Person, die den tödlichen Unfall verursachte? Warum will er nur Murphy und nicht auch das restliche Klinikpersonal bestrafen?) etablieren Lanthimos und seinem Stamm-Co-Autor Efthimis Filippou arg umständlich. Jedenfalls wenn man die gängigen Drehbuchregeln anlegt. Auch verglichen mit ihrem vorherigen, ungleich gelungeneren Film „The Lobster“ (ebenfalls mit Colin Farrell n der Hauptrolle) dauert es in „The Killing of a sacred Deer“ lange, bis der Konflikt etabliert ist und die damit zusammenhängende Geschichte beginnt. Dafür zeigen sie, in schönster David-Lynch-Manier inszeniert und mit Schauspielern, die konsequent unnatürlich spielen, in elegant gefilmten Szenen die bröselige Fassade des gut situierten Bürgertums. Diese Szenen bringen die Geschichte nicht vorwärts, aber sie etablieren eine herrlich ver-rückte, absurde Welt. Emotionslos werden Sätze vorgetragen. Man agiert eher neben- als miteinander und auch offensichtliche Lügen zerstören den schönen Schein nicht. Das führt zu wohltuenden Irritationen in einer durch und durch artifiziellen Welt, die mit der Realität oder einer realistischen Inszenierung der Realität nichts zu tun hat. Das ist eher die Welt von „Twin Peaks“. Ohne die Überhöhungen, Symbolismen und Andeutungen von großen Geheimnissen, die irgendwann gelöst werden.

In der zweiten Hälfte, wenn die Murphys Martin im Keller gefangenhalten (nicht in einem kleinen Kellerloch, sondern im Freizeitzimmer) und die üblichen Psychospielchen beginnen, mutiert „The Killing of a sacred Deer“ schnell zu einer banalen und erschreckend eindimensionalen Rachegeschichte in der Martin sich rächen und Murphy seine Familie beschützen will. Wie in Sabus „Happiness“, der vor einigen Wochen bei uns anlief und der in der Mitte einen ähnlichen erzählerischen Bruch hat, zieht sich dieser Teil elendig lang hin, ohne dass wir etwas substantiell neues erfahren, die Geschichte irgendeine Entwicklung hat oder das Thema aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet wird.

In „The Killing of a sacred deer“ wäre es natürlich die Frage, welches Opfer für eine schlimme Tat erbracht werden muss. Im alten Griechenland war es ein Menschenopfer. In dem Film verlangt das auch Martin. Immerhin ist, aus seiner Sicht, Murphy für den Tod seines Vaters verantwortlich.

Weil Lanthimos diese Frage nur innerhalb der von ihm selbst sehr eng gesteckten Regeln seines Spiel thematisiert, geht es nur darum, ob die Murphys Martin töten oder einer aus ihrer Familie (oder alle) sterben. Das hat einen Erkenntnisgewinn, der nicht über das alttestamentarische Auge um Auge, Zahn um Zahn hinausgeht, weil die Spielregeln genau so festgelegt wurden. Diese verkopfte Rache- oder, je nach Perspektive, Sühnegeschichte im Arthaus-Gewand ist damit sogar flacher als ein hundsgewöhnliches und strunzdummes Revenge-B-Movie.

The Killing of a sacred Deer (The Killing of a sacred Deer, Großbritannien/Irland 2017)

Regie: Yorgos Lanthimos

Drehbuch: Yorgos Lanthimos, Efthimis Filippou

mit Colin Farrell, Nicole Kidman, Barry Keoghan, Alicia Silverstone, Raffey Cassidy, Sunny Suljic, Bill Camp

Länge: 121 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „The Killing of a sacred Deer“

Metacritic über „The Killing of a sacred Deer“

Rotten Tomatoes über „The Killing of a sacred Deer“

Wikipedia über „The Killing of a sacred Deer“ (deutsch, englisch)

Die Cannes-Pressekonferenz

Q&A beim TIFF


TV-Tipp für den 20. Oktober: London Boulevard

Oktober 20, 2017

3Sat, 22.25
London Boulevard (London Boulevard, USA/GB 2010)
Regie: William Monahan
Drehbuch: William Monahan
LV: Ken Bruen: London Boulevard, 2001 (London Boulevard)
Ex-Knacki Mitchel will jetzt ehrlich leben, wird Bodyguard einer berühmten Schauspielerin und hat dann doch mächtig Ärger mit einem Gangster.
Ken Bruen!
William Monahan!
Colin Farrell!
Keira Knightley!
Ray Winstone!
Und dann sind noch David Thewlis, Eddie Marsan und London dabei.
Die Begründung meiner offensichtlichen und schamlosen Begeisterung gibt es hier.
mit Colin Farrell, Keira Knightley, David Thewlis, Anna Friel, Ben Chaplin, Ray Winstone, Eddie Marsan, Sanjeev Bhaskar, Stephen Graham, Ophelia Lovibon

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „London Boulevard“

Rotten Tomatoes über „London Boulevard“

Wikipedia über „London Boulevard“ (deutsch, englisch)

Collider: Interview mit William Monahan (das Erste, das Zweite) und mit William Monahan und Colin Farrell zu “London Boulevard”

Homepage von Ken Bruen

Mein Besprechung von Ken Bruens „Brant“ (Blitz – or… Brant hits the Blues, 2002)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Füchsin“ (Vixen, 2003)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Kaliber“ (Calibre, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruens Jack-Taylor-Privatdetektivromanen

Meine Besprechung von Ken Bruens „Jack Taylor fliegt raus“ (The Guards, 2001)

Meine Besprechung von Ken Bruens “Jack Taylor liegt falsch” (The Killing of the Tinkers, 2002)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Sanctuary“ (2008)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Flop“ (Bust, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Crack“ (Slide, 2007)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Attica“ (The MAX, 2008)

Mein Porträt von Ken Bruen und Jason Starr in „Alligatorpapiere [Print] – Magazin für Kriminalliteratur – No. 2/2010“

Meine Besprechung von Ken Bruen/Reed Farrel Colemans “Tower” (Tower, 2009)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Kaliber“ (Calibre, 2006)

Meine Besprechung von William Monahans Ken-Bruen-Verfilmung “London Boulevard” (London Boulevard, USA/GB 2010)

Meine Besprechung der TV-Serie “Jack Taylor” (Irland 2010/2011/2013 – basierend auf den Romanen von Ken Bruen)

Ken Bruen in der Kriminalakte

Ken Bruen in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Rupert Wyatts „The Gambler“ (The Gambler, USA 2014 – nach einem Drehbuch von William Monahan)


TV-Tipp für den 19. Mai: Miami Vice

Mai 19, 2017

ZDFneo, 23.10

Miami Vice (USA 2006, Regie: Michael Mann)

Drehbuch: Michael Mann

Die Polizisten Crockett und Tubbs jagen einen mächtigen Drogenhändler.

Optisch überzeugendes, inhaltlich schwaches Remake der erfolgreichen von Michael Mann und Anthony Yerkovich erfundenen bahnbrechenden TV-Serie. Denn in dem Spielfilm zeigt Mann nichts, was er nicht schon besser in der Serie gezeigt hat. Der Film ist nur ein optisch (also Mode, Musik und Technik) auf den aktuellen Stand gebrachtes Best-of der ersten Staffel von „Miami Vice“.

Mit Colin Farrell, Jamie Foxx, Gong Li, Naomie Harris, Ciarán Hinds, Justin Theroux

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Miami Vice“

Rotten Tomatoes über „Miamic Vice“

Wikipedia über „Miami Vice“ (deutsch, englisch)

Spielfilm.de: Interview mit Michael Mann zum Film

Confessions of a film critic: Interview mit Michael Mann zum Film

Drehbuch “Miami Vice” von Michael Mann (First Draft, 22. September 2004)

Meine Besprechung der von Michael Mann erfundenen Krimiserie “Vega$ – Staffel 1″ (Vega$, USA 1978/1979)

Meine Besprechung von Michael Manns “Blackhat” (Blackhat, USA 2014)

Michael Mann in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 20. April: Nicht auflegen!

April 20, 2017

Kabel 1, 20.15/23.35
Nicht auflegen! (USA 2002, Regie: Joel Schumacher)
Drehbuch: Larry Cohen
Als Stuart Shepard das Telefon in der Telefonzelle abnimmt, wird sein Tag zum Alptraum. Denn es meldet sich ein Erpresser, der sagt, er werde ihn erschießen, wenn er die Telefonzelle verlässt.
Spannender Thriller, dessen erste Idee („ein Film, der in einer Telefonzelle spielt“) Larry Cohen („Die Wiege des Bösen“ [It’s alive], Maniac Cop“, „Final Call“) bereits in den Sechzigern Alfred Hitchcock erzählte. Aber sie wussten nicht, wie sie den Protagonisten in der Telefonzelle festhalten sollten. Michael Bay, dem die Idee auch einmal erzählt wurde, wollte nur wissen, wie man den Protagonisten aus der Telefonzelle bringt. Joel Schumacher („Falling Down“, „Batman forever“) ließ den Protagonisten in der Telefonzelle und inszenierte einen straffen kleinen, herrlich gemeinen Thriller.

Anschließend, um 21.50 Uhr, zeigt Kabel 1 „Final Call – Wenn er auflegt, muss sie sterben“, ebenfalls nach einem Drehbuch von Larry Cohen, und wieder geht es um Probleme mit dem Telefon.
mit Colin Farrell, Forest Whitaker, Katie Holmes, Radha Mitchell, Kiefer Sutherland (Stimme des Erpressers im Original)
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Nicht auflegen!“
Wikipedia über „Nicht auflegen!“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 8. März: Das Tribunal

März 8, 2017

Kabel 1, 20.15

Das Tribunal (USA 2002, Regie: Gregory Hoblit)

Drehbuch: Billy Ray, Terry George

LV: John Katzenbach: Hart’s Wwar, 1999 (Das Tribunal)

Film über eine Gerichtsverhandlung 1944 in einem deutschen Kriegsgefangenenlager. Die Amis wollen den Deutschen beweisen, dass bei ihnen alle Menschen gleich sind.

Beim Publikum und der Kritik kam der langatmige Gerichtsthriller schlecht an: „lauen Kriegs- und Gerichtsdramas“ (tip), „müden und mitunter wirren Mix aus Stalag-Studie, Gerichtsfilm und Rassenkonfliktdrama“ (Rheinische Post).

John Katzenbach arbeitete, wie Carl Hiaasen, beim Miami Herald und schrieb einige erfolgreiche Kriminalromane. Zwei von ihnen wurden, durchaus erfolgreich, verfilmt: sein Debüt „In the Heat of the Summer“ (1982) als „Das mörderische Paradies“ mit Kurt Russell und „Just Cause“ (1992) als „Im Sumpf des Verbrechens“ mit Sean Connery.

Mit Bruce Willis, Colin Farrell, Rory Cochrane, Terrence Howard, Cole Hauser, Sam Worthington

Wiederholung: Donnerstag, 9. März, 01.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Das Tribunal“

Wikipedia über „Das Tribunal“ (deutsch, englisch)

Homepage von John Katzenbach

Mein Hinweis auf John Katzenbachs „Das Tribunal“ (Hart’s War, 1999)

Meine Besprechung von John Katzenbachs „Der Professor“ (What comes next, 2012)

Meine Besprechung von John Katzenbachs „Der Wolf“ (Red 123, 2013)


TV-Tipp für den 14. Dezember: Minority Report

Dezember 14, 2016

Kabel 1, 20.15

Minority Report (USA 2002, Regie: Steven Spielberg)

Drehbuch: Scott Frank, Jon Cohen

LV: Philip K. Dick: The Minority Report, 1956 (erstmals erschienen in Fantastic Universe, Januar 1956, Der Minderheiten-Bericht, Kurzgeschichte)

Schöne neue Welt: 2054 werden in Washington, D. C., Verbrecher bereits vor der Tat, aufgrund der Prognose von Precogs, verhaftet. Ein perfektes System, bis die Precogs sagen, dass der Polizist John Anderton bald einen Mann, den er überhaupt nicht kennt, umbringen wird. Anderton glaubt nicht an die Prognose. Er flüchtet und versucht herauszufinden, warum er zum Mörder werden soll.

Guter, etwas zu lang geratener Science-Fiction-Thriller, der für den Bram-Stoker-, Nebula- und Hugo-Preis nominiert war und den Saturn-Preis erhielt.

Danach, um 23.05 Uhr, gibt es mit „Indiana Jones und der Tempel des Todes“ einen weiteren Spielberg-Film.

mit Tom Cruise, Colin Farrell, Samantha Morton, Max von Sydow, Lois Smith, Peter Stormare, Frank Grillo

Wiederholung: Donnerstag, 15. Dezember, 01.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Minority Report“ (deutsch, englisch)

Rotten Tomatoes über „Minority Report“

Homepage von Philip K. Dick

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels” (Indiana Jones and the kingdom of the skull, USA 2008)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Gefährten” (War Horse, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Lincoln” (Lincoln, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Bridge of Spies – Der Unterhändler“ (Bridge of Spies, USA 2015)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „BFG – Big Friendly Giant (The BFG, USA 2016)

Steven Spielberg in der Kriminalakte

Bonushinweis

seesslen-steven-spielberg-und-seine-filme-4

Am 18. Dezember wird Steven Spielberg siebzig Jahre. Für die TV-Sender ist das natürlich ein hochwillkommener Anlass, wieder einmal, eine Auswahl seiner bekannten Filme zu zeigen, wie „A. I. – Künstliche Intelligenz“ (Kabel 1, 8. Dezember, 20.15 Uhr), „Indiana Jones und der Tempel des Todes“ (Kabel 1, 12. Dezember, 20.15 Uhr), „Der Soldat James Ryan“ (Kabel 1, 12. Dezember, 22.35 Uhr), „Minority Report“ (Kabel 1, 14. Dezember, 20.15 Uhr), „Die Farbe Lila“ (Kabel 1, 15. Dezember, 20.15 Uhr), „Sugarland Express“ (ZDF, 18. Dezember, 01.45 Uhr) und „Terminal“ (Kabel 1, 21. Dezember, 20.15 Uhr).

Den Filmgenuss kann und sollte man mit Georg Seeßlens „Steven Spielberg und seine Filme“ vervollständigen. In der brandaktuellen Neuauflage seines Buches beschäftigt er sich, gewohnt wortgewaltig, gewohnt kundig, auf gut dreihundert, mit einigen Fotos illustrierten, engbedruckten Seiten mit all seinen Filmen von den Anfängen beim Fernsehen bis hin zum „Big Friendly Giant“. Er ordnet sie ein, stellt Querverbindungen her und lädt zum wiederholten Sehen der Filme ein.

Georg Seeßlen Steven Spielberg und seine Filme

(2., überarbeitete und aktualisierte Auflage)

Schüren Verlag, 2016

304 Seiten

29,90 Euro

Hinweise

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über ‘Inglourious Basterds’“ (Kleine Schriften zum Film: 1, 2009)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „George A. Romero und seine Filme“(2010)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Filmwissen: Detektive (Grundlagen des populären Films)“ (2010)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Filmwissen: Western (Grundlagen des populären Films)“ (2010)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Filmwissen: Abenteuer (Grundlagen des populären Films)“ (2011)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Filmwissen: Thriller (Grundlagen des populären Films“ (2013)


TV-Tipp für den 28. Juli: Brügge sehen…und sterben?

Juli 28, 2016

3sat, 22.25

Brügge sehen…und sterben? (B/GB 2008, Regie: Martin McDonagh)

Drehbuch: Martin McDonagh

Die Profikiller Ray und sein väterlicher Freund Ken sollen nach einem leicht missglückten Mord an einem Priester für einige Tage in Brügge untertauchen. Schnell verwandeln sie die friedliche Stadt in eine Kampfzone. Denn: „Shoot first. Sightsee later.“

Grandiose, mit dem Edgar ausgezeichnete schwarze Komödie

Mit Colin Farrell, Brendan Gleeson, Ralph Fiennes, Clémence Poésy, Zeljko Ivanek, Ciarán Hinds

Hinweise

Britische Homepage zum Film

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Brügge sehen…und sterben?“

Moviepilot über „Brügge sehen…und sterben?“

Metacritic über „Brügge sehen…und sterben?“

Rotten Tomatoes über „Brügge sehen…und sterben?“

Wikipedia über „Brügge sehen…und sterben?“ (deutsch, englisch)

Filmstew: Interview mit Martin McDonagh

IndieWire: Interview mit Martin McDonagh

Collider: Interview mit Martin McDonagh und Colin Farrell

Time porträtiert Martin McDonagh

New York Times ebenso

Meine Besprechung von Martin McDonaghs „7 Psychos“ (Seven Psychopaths, UK/USA 2012)


kurz & schnell: Eine Handvoll Besprechungen von Comics, Filmen und TV-Serien

Mai 31, 2016

Es hilft nichts. Die Steuererklärung ist gemacht (irgendwie), der Schreibtisch muss aufgeräumt werden (definitiv) und einige schon lange geplante Besprechungen, die als viel längere Besprechungen geplant waren, werden jetzt in der Kategorie „kurz & schnell“ abgehandelt. Denn nach dem Erwachen der Macht warten die nächsten Besprechungen schon und „Die Maske des Dimitrios“ will enthüllt werden.

Finch - Wonder Woman - Kriegswunden 1 - 2

Nachdem das Entsetzen über den neuen Zack-Snyder-Film, der Wonder Woman den Kampf zwischen Batman und Superman entscheiden ließ, können wir uns wieder den Bildergeschichten mit, nun, in diesem Fall den beiden Jungs und der gewohnt knapp bekleideten „Göttin des Krieges“ widmen.

Nachdem Brian Azzarello seine „Wonder Woman“-Neuinterpretation abschloss, übernahm Meredith Finch die Autorentätigkeit. Ihr Mann David Finch wurde der Zeichner. In ihrem ersten „Wonder Woman“-Sammelband „Kriegswunden“ geht es um Machtkämpfe in ihrem Amazonenreich, der Paradiesinsel, und um Kämpfe gegen Bedrohungen für die Menschheit. Denn für weniger rückt die Justice League nicht aus.

Gelungen,

Meredith Finch/David Finch/Goran Sudzuka: Wonder Woman – Göttin des Krieges

(übersetzt von Steve Kups)

Panini Comics, 2016

156 Seiten

16,99 Euro

Originalausgabe

Wonder Woman: War Torn (# 36 – # 40); Wonder Womand: War-Torn, Final Chapter (Wonder Woman Anual 1)

Januar 2015 – August 2015

Hinweise

DC Comics über Wonder Woman

Wikipedia über Wonder Woman (deutsch, englisch) 

Meine Besprechung von Brian Azzarellos Wonder Woman

Snyder - Capullo - Batman - Jahr Null - Die dunkle Stadt - 2

Scott Snyders grandiose Neuinterpretation von Batman geht mit dem über 250-seitigem „Jahr Null – Die dunkle Stadt“ weiter. Jetzt muss Batman gegen den Riddler kämpfen, der Gotham unter seine Kontrolle bringen will.

Die erste Runde endet für Bruce Wayne desaströs und der Riddler kann sich zum Herrscher über Gotham aufschwingen. Der zweite Teil des Buches zeigt dann ein ganz anderes Gotham, in dem der Riddler über die Stadt herrscht und die Bewohner mit seinen Ratespielen nervt und in den Tod treibt. Trotzdem hofft Batman, dass er ihn doch noch besiegen kann. Wenn er nicht stirbt.

Jahr Null – Die dunkle Stadt“ ist eine großartige Batman-Geschichte, die natürlich viel besser als dieser Film ist, den wir so gerne aus unserem Gedächtnis streichen würden.

Scott Snyder/JamesTynion IV/Greg Capllo/Andy Clarke: Batman: Jahr Null – Die dunkle Stadt (Band 5)

(übersetzt von Steve Kups)

Panini Comics, 2016

252 Seiten

19,99 Euro

Originalausgabe

Zero Year – Dark City, Part 2 – Part 5 (Batman # 25 – # 29, Januar 2014 – Mai 2014)

Zero Year – Savage City, Part 1 – Part 4 (Batman # 30 – 33, Juni 2014 – September 2014)

Hinweise

Meine Besprechung von Scott Snyder/Stephen King/Rafael Albuquerques (Zeichner) „American Vampire – Band 1“ (American Vampire, Vol. 1 – 5, 2010)

Meine Besprechung von Scott Snyder/Rafael Albuquerque/Mateus Santoloucos “American Vampire – Band 2″ (American Vampire, Vol. 6 – 11, 2010/2011)

Meine Besprechung von Scott Snyder/Rafael Albuquerque/Danijel Zezeljs “American Vampire – Band 3″ (American Vampire, Vol. 12 – 18, 2011)

Meine Besprechung von Scott Snyder/Sean Murphys “American Vampire – Das Überleben des Stärkeren, Band 4″ (American Vampire: The Survival of the Fittest, 2011)

Meine Besprechung von Scott Snyder/Greg Capullos „Batman: Jahr Null – Die geheime Stadt (Band 4)“ (Zero Year – Secret City: Part 1 – 3; Zero Year – Dark City: Part 1 (Batman # 21 – 24), August – Dezember 2013)

Griffo - Desberg - Golden Dogs 1 - 2Griffo - Desberg - Golden Dogs 2 - 2

Golden Dogs“ von Stephen Desberg (Szenario) und Griffo (Zeichnungen) erzählt die Geschichte einer vierköpfigen Verbrecherbande in London um 1820, die ein recht bunter Haufen sind. Dass eine Prostituierte dabei ist. Geschenkt. Aber dass auch ein Transvestit dabei ist, der sich jeden Abend, bevor er vor Publikum auftritt entscheiden kann, ob sie ein er ist (oder umgekehrt), das ist schon etwas anderes und bei den verschiedenen Raubzügen sehr hilfeich. Im ersten Band „Fanny“ kommt die Truppe zusammen. Im zweiten Band „Orwood“ muss sie, nachdem sie von der Polizei verfolgt werden, getrennte Wege gehen. Und es gibt einen Verräter unter ihnen.

In Frankreich sind bereits zwei die abschließenden beiden Folgebände erschienen.

Griffo/Desberg: Golden Dogs – Fanny (Band 1)

(übersetzt von Horst Berner)

Panini Comics, 2015

56 Seiten

13,99 Euro

Originalausgabe

Golden Dogs Volume 01: Fanny

Éditions du Lombard, 2014

Griffo/Desberg: Golden Dogs – Orwood (Band 2)

(übersetzt von Horst Berner)

Panini Comics, 2016

56 Seiten

13,99 Euro

Originalausgabe

Golden Dogs Volume 02: Orwood

Éditions du Lombard, 2014

Seeley - Revival 4 - 2Seeley - Revival 5 - 2

In „Revival“ erzählt Tim Seeley (Hack/Slash), wie in der Ortschaft Wausau im nördlichen Wisconsin eines Tages die Toten wieder auferstehen. Aber sie sind keine blutrünstigen Zombies, sondern ganz normale Menschen, die sich fast ganz normal verhalten. Im Mittelpunkt der Serie steht daher auch das Zusammenleben von Mensch und Nicht-mehr-Mensch, die sich im vierten und fünften Band, „Flucht nach Wisconsin“ und „Steigende Fluten“, endgültig zu einer nicht enden wollenden Soap entwickelt, in dem die Nebenstränge mehr Zeit einnehmen als die, sofern erkennbar, immer unwichtiger werdende Haupthandlung. Auf ein konkretes Ende, wie zum Beispiel einer Erklärung für die Wiederauferstehungen in Wausau, wird überhaupt nicht mehr hingearbeitet. Dafür werden weitere Rätsel aufgeworfen.

Wer damit leben kann, wird sich über den vierten und fünften Band von „Revival“ freuen. Neueinsteiger sollten dagegen mit dem ersten Band beginnen.

Tim Seeley/Mike Norton: Revial: Flucht nach Wisconsin (Band 4)

(übersetzt von Frank Neubauer)

Cross Cult, 2015

164 Seiten

18 Euro

Originalausgabe

Revival, Volume 4: Escape to Wisconsin

Image, 2014

Tim Seeley/Mike Norton: Revival: Steigende Fluten (Band 5)

(übersetzt von Frank Neubauer)

Cross Cult, 2016

128 Seiten

18 Euro

Originalausgabe

Revival, Volume 5: Gathering of Waters

Image, 2015

Hinweise

Homepage von Tim Seeley

Meine Besprechung von Tim Seeleys „Hack/Slash: (Re)Animatoren (Band 5)“ (Hack/Slash: Reanimation Games, 2009)

Meine Besprechung von Tim Seeleys „Hack/Slash: My First Maniac – Wie alles begann (Band 9)“ (Hack/Slash: Me without you, 2010)

Meine Besprechung von Tim Seeleys „Hack/Slash: Folterverliebt (Band 10)“ (Hack/Slash: Torture Porn, 2011)

Meine Besprechung von Tim Seeleys „Hack/Slash – Tote Promis (Band 11)“ (Hack/Slash: Dead Celebrities, 2012)

Meine Besprechung von Tim Seeleys „Hack/Slash – Heiraten, f#cken, töten (Band 12)“ (Hack/Slash: Marry F#ck Kill, 2012)

Meine Besprechung von Tim Seeley/Mike Nortons „Revival: Unter Freunden (Band 1)“ (Revival, Volume 1: You’re among friends, 2012)

Meine Besprechung von Tim Seeley/Mike Nortons „Revival – Lebe dein Leben (Band 2)“ (Revival, Volume 2: Live like you mean it, 2013)

Meine Besprechung von Tim Seeley/Mike Nortons „Revival – Ein ferner Ort (Band 3)“ (Revival, Volume 3: A faraway place, 2014)

Bunn - Night of the Living Deadpool - 2Bunn - Return of the Living Deadpool

À propos Untote: Deadpool darf in „Night of the Living Deadpool“ und „Return of the Living Deadpool“ von Autor Cullen Bunn und den Zeichnern Ramon Rosanas und Nik Virella auch einmal gegen sie kämpfen. Dass der Kampf eines unsterblichen Plappermauls gegen unsterbliche Mäuler nicht in den normalen Zombie-Bahnen verläuft und Deadpool am Ende von „Night of the Living Deadpool“ eine Lösung für die Zombieplage hat, die zu ungeahnten Folgen führt, die er in „Return of the Living Deadpool“ bekämpfen muss, erfreut natürlich das Herz des Deadpool-Fans.

Empfehlenswert!

Cullen Bunn/Ramon Rosanas: Night of the Living Deadpool

(übersetzt von Michael Strittmatter)

Panini Comics, 2014

116 Seiten

12,99 Euro

Originalausgabe

Night of the Living Deadpool # 1 – 4

Marvel, März 2014 – Mai 2014

Cullen Bunn/Nik Virella: Return of the Living Deadpool

(übersetzt von Michael Strittmatter)

Panini Comics, 2015

100 Seiten

12,99 Euro

Originalausgabe

Return of the Living Deadpool # 1 – 4

Marvel, April 2015 – Juli 2015

Hinweise

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)/Bong Dazo (Zeichner): Deadpool – Der Söldner mit der großen Klappe: Kopfsprung (Band 1 von 2) (Deadpool: Merc with a Mouth 1 – 6: Headtrip, 2009/2010)

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)/Bong Dazo (Zeichner)/Kyle Baker (Zeichner): Deadpool – Der Söldner mit der großen Klappe (Band 2 von 2) (Deadpool: Merc with a Mouth 7: Are you there? It’s me, Deadpool; Deadpool: Marc with a Mouth 8 – 15: Next Stop: Zombieville, 2010)

Meine Besprechung von Daniel Way (Autor)/ Shawn Crystal (Zeichner)/Paco Medina (Zeichner): Deadpool 1 (Deadpool 13/14: Wave of Mutilation; Deadpool 15: Want you to want me, Part 1: The complete idiot’s guide to metaphers, 2009)

Meine Besprechung von Duane Swierczynski (Autor)/Jason Pearson (Zeichner): Deadpool: Weiber, Wummen & Wade Wilson! (Sonderband 1) (Deadpool: Wade Wilson’s War, Vol. 1 – 4, 2010)

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)/Rob Liefeld/Whilce Portacio/Philip Bond/Paco Medina/Kyle Baker (Zeichner) „Deadpool Corps (Deadpool Sonderband 2)“(Prelude to Deadpool Corps, Vol. 1 – 5, März 2010)

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)/Rob Liefeld/Marat Mychaels (Zeichner) “Deadpool Corps 2 (Deadpool Sonderband 3)” (Deadpool Corps 1 – 6, Juni 2010 – November 2010)

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)Rob Liefeld/Marat Mychaels (Zeichner) “Deadpool Corps 3: You say you want a Revolution (Deadpool Sonderband 4)” (Deadpool Corps 7 – 12: You say you want a Revolution (Part 1 – Part 6), Dezember 2010 – Mai 2011)

Meine Besprechung von Duane Swierczynski (Autor)/Leandro Fernandez (Zeichner): Deadpool: Das Film-Special (X-Men Origins: Deadpool: The Major Motion Picture, 2010)

Meine Besprechung von „Deadpool: Greatest Hits – Die Deadpool-Anthologie“ (2016, Sammelband mit vielen Deadpool-Geschichten)

Meine Besprechung von Tim Millers „Deadpool“ (Deadpool, USA 2016)

Deadpool im Kino (und jetzt auch auf DVD/Blu-ray) wurde von Ryan Reynolds verkörpert, der auch in dem – zu Unrecht – kaum beachteten Spielerdrama „Dirty Trip – Mississippi Grind“ eine Hauptrolle spielt. Seinen Gegenpart spielt Ben Mendelsohn, der in den vergangenen Jahren zum Experten für gestörte Charaktere wurde. Da ist es schön, ihn auch einmal als ganz normalen Mann zu sehen.

Naja, fast. Denn Mendelsohn spielt Gerry, einen notorischen Spieler. In einer Bar lernt er Curtis (Ryan Reynolds) kennen. Einen Drifter und Spieler. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg nach New Orleans zu einem Pokerspiel mit einem großen Jackpot.

Dirty Trip“ von Anna Boden und Ryan Fleck erzählt die Geschichte dieser etwas ziellosen Reise von Gerry und Curtis, die sich zufällig begegnen und am Ende der Reise auch wieder getrennte Wege gehen. Stilistisch und erzählerisch steht ihr Film in der Tradition des New-Hollywood-Kinos, als problematische Charaktere im Mittelpunkt von, nun, Charakterstudien standen, die einen anderen Blick auf die USA warfen.

Sehr sehenswert!

Dirrty Trip - DVD-Cover - 2

Dirty Trip – Mississippi Grind (Mississippi Grind, USA 2015)

Regie: Anna Boden, Ryan Fleck

Drehbuch: Anna Boden, Ryan Fleck

mit Ben Mendelsohn, Ryan Reynolds, Sienna Miller, James Toback

DVD

Ascot Elite

Bild: 16:9 (2.38:1)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Featurettes, Making of, Originaltrailer, Wendecover

Länge: 105 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Dirty Trip – Mississippi Grind“

Metacritic über „Dirty Trip – Mississippi Grind“

Rotten Tomatoes über „Dirty Trip – Mississippi Grind“

Wikipedia über „Dirty Trip – Mississippi Grind“ 

Seit einigen Jahren erfreuen sich TV-Serien bei der Kritik einer wachsenden Beliebtheit. Gesehen wurden sie ja schon seit Ewigkeiten und die Fans tauschten sich, je nach Serie, mit großer Liebe zum Detail, über sie aus. Ich sage nur „Raumschiff Enterprise“ und „Akte X“. Dabei gibt es, grob gesagt, Miniserien, die innerhalb einer bestimmten Zeit, eine in sich abgeschlossene Geschichte erzählen; Serien, in denen jede Woche ein neues Problem gelöst wird; und Serien, in denen sich die Geschichte über viele Folgen und Staffeln entwickelt, bis die sinkenden Zuschauerzahlen die Serie beenden. Bei diesen Serien ist man, wenn man nicht von der ersten Folge an dabei ist, ziemlich schnell „Lost“.

Und so eine sich über viele Staffeln erstreckende Geschichte war wohl auch bei „Blochin – Die Lebenden und die Toten“ die Idee gewesen. Also nicht ein „deutsches ‚Lost’“, sondern eine Krimi-Serie mit komplexen Charakteren, überraschenden Wendungen und einer Analyse des Zusammentreffens von Organisierter Kriminalität und Politik in der Hauptstadt. „Eine Kriminal-Symphonie der Großstadt Berlin“ steht auf dem DVD-Cover. Mit Matthias Glasner als Regisseur und Jürgen Vogel in der Hauptrolle hätte es etwas werden können, aber dann ging irgendwo alles schief. Und zwar so schief, dass man fassungslos dieses Komplettdesaster ansieht.

Blochin (Jürgen Vogel), ein Findelkind mit krimineller Vergangenheit und Polizist bei der Mordkommission mit ausgeprägten Milieukontakten, soll den Mord an einem Dealer aufklären. Kurz darauf wird in seiner Anwesenheit ein Undercover-Polizist in einem Szenelokal erschossen und Blochin (nur Blochin, kein Vorname, weil cool) wird als Mörder verdächtigt. Sein Schwager und Vorgesetzter Dominik (Thomas Heinze), normalerweise ‚Lieutenant‘ genannt (weil megacool), hilft ihm indem er einen Zeugen hinterrücks erschießt – und spätestens in diesem Moment fragt man sich, was die Macher, während sie Subplots und uninteressante Nebenstränge halbherzig einführen, geritten hat, den Charakter, der einen echten Konflikt hat, zu einer Nebenfigur zu machen, während der titelgebende Blochin vor allem als Zuschauer alles verfolgt und er während der gesamten Serienlänge keinen einzigen nennenswerten Konflikt hat. Das ändert sich in den letzten Minuten, die unverhohlen auf eine Fortsetzung spekulieren. Das wäre akzeptabel, wenn wenigstens die erste Staffel ein befriedigendes Ende hätte. Aber die Macher hören einfach mitten in der Geschichte auf.

Blochin“ ist einfach nur Murks ohne irgendeinen Abschluss, das das größte Verbrechen begeht, das eine Serie begehen kann: Zeitverschwendung zu sein.

Wie das uninformative Bonusmaterial.

Blochin - DVD-Cover - 2

Blochin – Die Lebenden und die Toten: Staffel 1 (Deutschland 2015)

Regie: Matthias Glasner

Drehbuch: Matthias Glasner, Svenja Rasocha (Co-Autor), LauraLackmann (Co-Autor), Maxim Kuphal-Potapenko (Co-Autor)

mit Jürgen Vogel, Thomas Heinze, Jördis Triebel, Maja Schöne, Emili Eiot, Christoph Letkowski

DVD

Studio Hamburg

Bild: 16:9

Ton: Deutsch (Dolby Digital 2.0 Stereo)

Untertitel: –

Bonusmaterial (30 Minuten): Wer ist Blochin?, Deleted Scenes ‚Jennifer‘, Wendecover

Länge: 360 Minuten (2 x 90 Minuten, 3 x 60 Minuten; 2 DVDs)

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

ZDF über „Blochin“

Filmportal über „Blochin“

Moviepilot über „Blochin“

Wikipedia über „Blochin“

Meine Besprechung von Matthias Glasner „Gnade“ (Deutschland/Norwegen 2012)

Einen Abschluss gibt es bei den ARD-Sonntagskrimis immer nach neunzig Minuten. Egal ob es ein „Tatort“ oder ein „Polizeiruf 110“ ist und gerade die aus München kommenden „Polizeirufe“ sind immer einen Blick wert. In der dritten Box mit BR-„Polizeiruf 110“-Box sind

Pech und Schwefel (Regie: Klaus Krämer, Drehbuch: Klaus Krämer, Kaspar von Erffa, Deutschland 2003)

Vater Unser (Regie: Bernd Schadewald, Drehbuch: Christian Jeltsch, Deutschland 2004)

Die Maß ist voll (Regie: Klaus Krämer, Drehbuch: Klaus Krämer, Deutschland 2004)

Der scharlachrote Engel (Regie: Dominik Graf, Drehbuch: Günter Schütter, Deutschland 2005)

Die Prüfung (Regie: Eoin Moore, Drehbuch: Boris Gullotta, Deutschland 2005)

Er sollte tot (Regie: Dominik Graf, Regie: Rolf Basedow, Drehbuch 2006)

enthalten. Das Ermittlerteam bestand damals aus dem einarmigen Kommissar Jürgen Tauber (Edgar Selge) und der konsequent-fröhlich-patent-normalen Kommissarin Jo Obermaier (Michaela May). Ihre Fälle sind durchgehend sehenswert, durchgehend experimentierfreudig und auf einem durchgehend hohem Niveau; was sogar für die schwächeren Fälle gilt.

Dafür sprechen schon die vielen Preise, die diese sechs Fälle erhielten. So gab es für „Der scharlachrote Engel“ und „Er sollte tot“ jeweils einen Grimme-Preis und für „Er sollte tot“ gleich noch einen Sonderpreis für das Drehbuch beim Fernsehfilm-Festival Baden-Baden und für den Deutschen Fernsehpreis war es nominiert. Um nur die Drehbuchpreise zu nennen.

P_110_BOX3_Schuber_BR_V1.indd

Polizeiruf 110 – BR Box 3 (Die Folgen des BR 2003 – 2006)

DVD

EuroVideo

Bild: 16:9 anamorph (1,78:1)

Ton: Deutsch (Stereo 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: –

Länge: 530 Minuten (3 DVDs)

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Das Erste über den „Polizeiruf 110“

Wikipedia über den „Polizeiruf 110“ und die Kommissare Tauber und Obermaier

Meine Besprechung von „Polizeiruf 110 – BR Box 2 (Die Folgen des BR, 2000 – 2003)

Die erste Staffel von „True Detective“ wurde in den Himmel gelobt. „Meisterwerk“, „TV-Revolution“ und so. Da konnte die zweite Staffel natürlich nur schlechter abschneiden.

Ich bin da etwas zwiegespalten, weil für mich die erste Staffel hoffnungslos überbewertet und arg prätentiös ist. Da waren die Erwartungen an die zweite Staffel von Anfang an nicht so wahnsinnig hoch.

In der zweiten Staffel, die wieder eine in sich abgeschlossene Geschichte mit vollkommen neuen Charakteren erzählt, geht es um Korruption und mehr oder weniger kriminelle Geschäfte in Vinci, einer Kleinstadt in Kalifornien, die eine moderne Version von Dashiell Hammets „Poisonville“ ist.

Frank Semyon (Vince Vaughn) ist ein Ex-Gangster, der mit einem großen Projekt, in das auch die lokale Politik und ausländische Investoren involviert sind, zum respektierten Geschäftsmann werden will. Dieses Ansinnen könnte durch einen bizarren Mordfall gefährdet werden. Denn der Fundort der Leiche führt dazu, dass Motorradpolizist und Ex-Soldat Paul Woodrugh (Taylor Kitsch), Detective Sergeant Ani Bezzerides (Rachel McAdams) vom Ventura County Sheriff’s Office CID (das gerne die ganze korrupte Stadt Vinci ausmisten würde) und der korrupte Detective Ray Velcoro (Colin Farrell) vom Vinci Police Department, zusammenarbeiten müssen. Velcoro fragt sich, ob er in das Team entsandt wurde um den Fall aufzuklären oder die Aufklärung zu verhindern. Der trinkfreudige Polizist könnte mit beidem Leben. Woodrugh und Bezzerides haben auch ihr Päckchen persönliches Leid und Schuld zu tragen.

Die Besetzung mit Stars wie Colin Farrell, Vince Vaughn, Rachel McAdams, Taylor Kitsch und Kelly Reilly in den Hauptrollen und Abigail Spencer, Lolita Davidovich und David Morse in wichtigen Nebenrollen ist nicht schlecht. Regisseur Justin Lin, der einige Episoden der zweiten Staffel inszenierte, zeigt, dass er nicht nur ‚Fast & Furious‘ kann. Und „True Detective“-Erfinder Nic Pizzolatto schrieb wieder das Drehbuch für alle acht einstündigen Episoden.

Aber die über acht Stunden mäandernde Geschichte ist nur eine ziemlich vollständige, reichlich unstrukturierte Ansammlung von allen Klischees über Kalifornien, den Detektiv- und Polizeifilm. Wer will, kann mühelos zu jeder Szene mindestens zwei bessere Filme und Romane nennen. Das wäre, wenn Pizzolatto daraus etwas eigenständiges geschaffen hätte, gar nicht so schlimm. Aber so bleibt immer der Eindruck, dass eine ordnende Hand hier einiges hätte retten können.

So ist „True Detective: Staffel 2“ nur eine, durchaus kurzweilig, auf der Story-Ebene nicht besonders nachvollziehbare Ansammlung der bekannten Kriminalfilmklischees, in der, abgesehen von Vince Vaughn, gerade die anderen Hauptdarsteller erstaunlich blass bleiben.

Besser man sieht sich noch einmal die Klassiker, wie „Die Spur des Falken“, „Tote schlafen fest“, „Chinatown“ oder „L. A. Confidential“ an. Oder neuere Filme wie „Inherent Vice – Natürliche Mängel“ oder, ab Donnerstag im Kino, „The Nice Guys“ an.

True Detective - Staffel 2 - 2

True Detective – Die komplette zweite Staffel (True Detective – Season 2, USA 2015)

Regie: Justin Lin, Janus Metz, Jeremy Podeswa, John Crowley, Miguel Sapochnik, Dan Attias

Drehbuch: Nic Pizzolatto, Scott Lasser (Co-Autor)

mit Colin Farrell, Rachel McAdams, Taylor Kitsch, Kelly Reilly, Vince Vaughn, Ritchie Coster, Michael Irby, Abigail Spencer, Lolita Davidovich, Rick Springfield, David Morse

DVD

Warner Home Video

Bild: 1.78:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte

Bonusmaterial: Making ‚The Vinci Massacre‘, A Look Inside ‚True Detective‘, ‚True Detectiv’s‘ California, Zwei Audiokommentare

Länge: 483 Minuten (8 Episoden à 57 Minuten) (3 DVDs)

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

HBO über „True Detective“

Moviepilot über „True Detective“

Metacritic über „True Detective“

Rotten Tomatoes über „True Detective“

Wikipedia über „True Detective“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Cary Joji Fukunagas „True Detective: Staffel 1“ (USA 2014)

Ein wenig zwischen die Stühle fällt die BBC-Serie „The Game“, die als richtig schön altmodischer Spionagethriller in der Tradition von „Dame, König, As, Spion“ John le Carré steht und ein herrlich muffiges Früh-Siebziger-Jahre-Feeling hat.

Es beginnt mit dem Angebot des KGB-Offiziers Arkady Malinov an den britischen Geheimdienst MI5, ihm Informationen über die große russische Geheimdienstoperation „Glass“ zu verraten. Daddy (Brian Cox), der Chef des Dienstes, stellt ein kleines Team zusammen, das mehr über die Operation Glass herausfinden soll. Schnell vermuten sie in ihrem Team einen Maulwurf.

Diese Jagd nach dem Maulwurf wird allerdings über mehrere Folgen zugunsten des ‚Geheimagenten der Woche‘ aufgegeben, was der Serie etwas episodisches verleiht.

Am Ende ist der Maulwurf enttarnt, die Operation Glass verhindert und die Option für eine zweite Staffel vorhanden, die auch längere Zeit im Gespräch war. Inzwischen hat die BBC verkündet, dass es wegen des hohen Budgets keine zweite Staffel gibt.

The Game_DVD_trust no one_inl_1.indd

The Game (The Game, Großbritannien 2014)

Regie: Niall MacCormick, Daniel O’Hara

Drehbuch: Toby Whithouse, Sarah Dollard, Debbie O’Malley

Erfinder: Toby Whithouse

mit Tom Hughes, Jonathan Aris, Victoria Hamilton, Shaun Dooley, Brian Cox, Paul Ritter, Chloe Pirrie, Yevgeni Sitokhin

DVD

Polyband

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Interviews (eigentlich ein zwanzigminütiges Making of), Deleted Scenes

Länge: 300 Minuten (6 x 50 Minuten) (2 DVDs)

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „The Game“

Rotten Tomatoes über „The Game“

Wikipedia über „The Game“ (deutsch, englisch)

Die dritte Staffel von „Die Brücke – Transit in den Tod“ lief ja schon im ZDF und auf der DVD/Blu-ray ist nur die wieder aus fünf spielfilmlangen Episoden bestehende, gut zehnstündige Serie in der deutschen und der Originalfassung enthalten.

Sie beginnt 13 Monate nach der vorherigen Staffel, die man nicht gesehen haben muss, um den aktuellen Fall (oder besser Fälle) zu verstehen. Saga Norén (Sofia Helin) arbeitet immer noch bei der Kripo Malmö. Ihr Kollege Martin Rohde sitzt im Gefängnis, weil er am Ende der zweiten Staffel einen Mord beging und sie gegen ihn aussagte, weil er gegen das Gesetz verstieß. Saga Norén ist, für alle, die die vorherigen Staffeln nicht kennen, eine fähige Polizistin mit einem ausgeprägten Asperger-Syndrom. Sie ist nicht in der Lage, eine normale Konversation zu führen und sie merkt gar nicht, dass sie andere Menschen mit ihrer Direktheit verletzt. Und Regeln und Gesetze sind Regeln und Gesetze, an die man sich halten muss.

Jetzt soll sie zusammen mit ihrem dänischen Kollegen Henrik Sabroe (Thure Lindhardt) eine bizarre Mordserie aufklären. Es beginnt mit einer Gender-Forscherin und Aktivistin, die auf einer Baustelle als Teil eines Gemäldes des Grauens hergerichtet wurde.

Und wieder stapeln sich die möglichst fotogen inszenierten Leichen, etliche Charaktere werden eingeführt, deren Bedeutung erst viel später ersichtlich wird, fast ebenso viele Charaktere verschwinden mehr oder weniger spurlos aus der Geschichte (falls sie nicht ermordet werden) und dieses Mal gibt es so viele Subplots, dass der eigentlich im Zentrum stehende Kriminalfall dahinter verschwindet.

Zusammengehalten werden die vielen Plots durch ihre thematische Verwandtschaft. Immer geht es um die Folgen des eigenen Handelns und die Verantwortung dafür.

Und natürlich ist Saga Noréns sozial vollkommen inkompatibles Verhalten immer wieder gut für etliche Lacher in diesem unterkühlt erzählten Kriminaldrama, das allerdings immer mehr zu einer leichengesättigten Kolportage wird, in der flugs die aktuellen Schlagzeilen mit gruseligen Morden verziert werden.

Unterhaltsam: ja, schon. Aber auch etwas übertrieben und etwas unlogisch.

Die Brücke Staffel 3 - Blu-ray-Cover - 2

Die Brücke: Transit in den Tod – Staffel 3 (Bron, Broen, Dänemark/Schweden/Deutschland 2015)

Regie: Rumle Hammerich, Henrik Georgsson

Drehbuch: Hans Rosenfeldt, Camilla Ahlgren, Erik Ahrnbom, Astrid Øye

mit Sofia Helin, Thure Lindhardt, Rafael Pettersson, Dag Malmberg, Sara Boberg

Blu-ray

Edel: motion

Bild: 1080/50i High Definition Widescreen 16:9

Ton: Deutsch, Dänisch/Schwedisch (DTS-HD Master Audio 5.1)

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bonusmaterial: –

Länge: 568 Minuten (3 Blu-rays)

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

ZDF über “Die Brücke”

Moviepilot über „Die Brücke“

Wikipedia über „Die Brücke“ (deutsch, englisch, dänisch, schwedisch)

Meine Besprechung von „Die Brücke – Transit in den Tod – Staffel 1“ (Bron; Broen, Schweden/Dänemark/Deutschland 2011)

Meine Besprechung von „Die Brücke – Transit in den Tod – Staffel 2“ (Bron; Broen, Schweden/Dänemakr/Deutschland 2013)

Meine Besprechung von „Sebastian Bergman – Spuren des Todes 1“ (ebenfalls erfunden von Hans Rosenfeldt)


%d Bloggern gefällt das: