Neu im Kino/Filmkritik: Kreative Filmtitel, nächste Folge: „Die Unglaublichen 2“

September 29, 2018

Die Unglaublichen 2“ schließt unmittelbar an „Die Unglaublichen“ an und weil es sich um einen Animationsfilm handelt, sind die Charaktere in den vergangenen vierzehn Jahren nicht gealtert.

Nachdem die Auswirkungen des Schlusskampfes aus „Die Unglaublichen“ halbwegs beseitigt sind, führt Familie Parr in einer neuen Stadt und mit neuer Identität ein normales Leben. Da erhält die Familienmutter Helen, aka Elastigirl, ein Angebot, das sie nicht ablehnen will. Der superreiche Telekommunikationsunternehmer Winston Deaver schlägt ihr vor, gegen Bösewichter zu kämpfen, etwaige Kosten zu tragen und so zu einem positiveren Image der Superhelden beizutragen. Elastigirl stimmt zu. Ihr Mann Bob, aka Mr. Incredible, muss derweil den Haushalt führen auf und auf die gemeinsamen Kinder Violetta, Flash und Baby Jack-Jack, die ebenfalls Superkräfte haben, aufpassen.

In den USA lief „Die Unglaublichen 2“ schon Mitte Juni an, wurde von der Kritik gelobt (94 Prozent bei Rotten Tomatoes) und spielte bis jetzt weltweit schon über eine Million Dollar ein. Aus Sicht von Pixar hat sich die Investition von zweihundert Millionen Dollar gelohnt. Und „Die Unglaublichen 2“ ist auch ein vergnüglicher Film, der eine James-Bond-Geschichte mit Superhelden und, in diesem Fall, einer Superheldin als Protagonistin erzählt. Die Animationen sind auch oft deutlich realistischer als in „Die Unglaublichen“.

Aber – und das ist ein Problem des Films – die Geschichte ist extrem vorhersehbar. Denn letztendlich wird die Geschichte von „Die Unglaublichen“ einfach noch einmal erzählt. Nur dass dieses Mal Elastigirl und nicht ihr Mann Mr. Incredible die Hauptrolle hat. Der muss jetzt die Hausarbeit machen, während sie, mit mehr oder weniger umfangreichen Kollateralschäden, Schurken fängt. Das macht das Ansehen arg redundant.

Außerdem führt Regisseur Brad Bird, der auch „Die Unglaublichen“ inszenierte, seine Charaktere nicht ein, sondern geht davon aus, dass man sie, ihre Fähigkeiten, Eigenschaften und Beziehungen aus dem ersten Film kennt.

So ist „Die Unglaublichen 2“ für die Kenner von „Die Unglaublichen“ einfach eine Wiederholung der altbekannten Geschichte, die schon beim ersten Mal nur die Krücke für eine damals erfrischend andere Nummernrevue war. Damals gab es im Kino noch nicht jeden Monat einen Superhelden-Blockbuster und zweifelnde Superhelden mit Familie und Eheproblemen hatte man noch nicht gesehen. Für die, die den ersten Film nicht kennen, bleiben dagegen einige Anspielungen unverständlich und sie müssen sich die Charaktere erst selbst erschließen. Um nicht falsch verstanden zu werden: man muss „Die Unglaublichen“ nicht kennen, um „Die Unglaublichen 2“ zu verstehen. Aber es hilft.

Und wenn man „Die Unglaublichen“ kennt, gibt es eigentlich keinen Grund mehr, sich „Die Unglaublichen 2“ anzusehen.

Ein klassischer Fall von Catch 22.

Die Unglaublichen 2 (Incredibles 2, USA 2018)

Regie: Brad Bird

Drehbuch: Brad Bird

mit (im Original den Stimmen von) Craig T. Nelson, Holly Hunter, Sarah Vowell, Huck Milner, Catherine Keener, Eli Fucile, Bob Odenkirk, Samuel L. Jackson, Michael Bird, Sophia Bush, Brad Bird, Phil LaMarr, Isabella Rossellini

(in der deutschen Fassung den Stimmen von) Markus Maria Profitlich, Emilia Schüle, Mechthild Grossmann, Riccardo Simonetti

Länge: 118 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Die Unglaublichen 2“

Metacritic über „Die Unglaublichen 2“

Rotten Tomatoes über „Die Unglaublichen 2“

Wikipedia über „Die Unglaublichen 2“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Brad Birds „Mission: Impossible – Phantom Protokoll“ (Mission: Impossible – Ghost Protocol, USA 2011)

Meine Besprechung von Brad Birds „A world beyond“ (Tomorrowland, USA 2015)

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Neu im Kino/Filmkritik „Book Club – Das Beste kommt noch“ nach dem Abspann

September 14, 2018

Dürfen ältere Frauen, – also so ungefähr im Alter von meiner Mutter und deiner Großmutter (oder umgekehrt) -, noch Sex haben und darf man einen Film darüber machen? Während diese Fragen in europäischen, siehe „Alles inklusive“, und südamerikanischen Filmen, siehe „Gloria“, schon lange eindeutig beantwortet sind, ist in den prüden USA ein Film wie „Book Club – Das Beste kommt noch“ dagegen eine kleine Sensation.

Denn im Mittelpunkt der Komödie stehen vier ältere, in gut situierten Verhältnissen lebende Frauen, die jetzt in ihrem wöchentlichen Lesekreis „Fifty Shades of Grey“ lesen und wieder Lustgefühle bekommen. Sie wollen, kurz gesagt, wieder Sex haben. So wie früher. Oder, dank des Buchs, noch schlimmer.

Ausgehend von dieser Idee entwickelt sich eine arg vorhersehbar vor sich hin plätschernde, reichlich unwitzige Komödie, bei der nur die Besetzung für Aufmerksamkeit sorgt. Der titelgebende Buchclub besteht aus Diane Keaton (geb. 1946), Jane Fonda (geb. 1937), Mary Steenburgen (geb.1953, das Nesthäkchen) und Candice Bergen (geb. 1946). Sie spielen alle so ungefähr Sixty-Somethings, die teils Kinder haben, teils verwitwet oder geschieden sind und teils erfolgreich berufstätig sind. Sie sind vier ganz normale weiße, bürgerliche Frauen, die seit Jahren ihren Lesezirkel als Anlass zum Tratschen und Wein trinken nehmen. Und sie müssen sich, damit die Liebesgeschichten funktionieren, oft so naiv und weltfremd verhalten, dass man nicht glauben will, dass hier sechzigjährige Frauen, Jahre nach der sexuellen Revolution, ihren zweiten oder dritten Frühling erleben.

Ihre Männer werden gespielt von Andy Garcia (geb. 1956), Don Johnson (geb.1949), Craig T. Nelson (geb. 1944), Richard Dreyfuss (geb. 1947), Wallace Shawn (geb. 1943) und, als Ex-Mann, Ed Begley Jr. (geb 1949).

Für eine kleine Komödie ist das eine beachtliche Besetzung. Auffallend ist außerdem, dass die Frauen hier normalerweise älter als ihre Objekte der Begierde sind. Das dürfte der größte Witz dieser dialoglastigen Komödie sein.

Die Dialoge erschöpfen sich in arg eindeutigen Doppeldeutigkeiten. Besonders witzig oder intelligent ist das nicht. Nur ein Werner-Herzog-Gag fällt positiv auf. Und die herrlich misslungene Tanznummer von Steenburgen und ihrem Filmmann Nelson zu Meat Loaf am Filmende.

Aber vielleicht sieht es das 60+-Zielpublikum anders.

Book Club – Das Beste kommt noch (Book Club, USA 2018)

Regie: Bill Holderman

Drehbuch: Bill Holderman, Erin Simms

mit Diane Keaton, Jane Fonda, Candice Bergen, Mary Steenburgen, Andy Garcia, Don Johnson, Richard Dreyfuss, Ed Begley Jr., Craig T. Nelson, Wallace Shaw, Alicia Silverstone

Länge: 105 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Facebook-Seite zum Film

Moviepilot über „Book Club“

Metacritic über „Book Club“

Rotten Tomatoes über „Book Club“

Wikipedia über „Book Club“


TV-Tipp für den 18. Dezember: Poltergeist

Dezember 18, 2016

ZDFneo, 23.45

Poltergeist (USA 1982, Regie: Tobe Hooper)

Drehbuch: Steven Spielberg, Michael Grais, Mark Victor (nach einer Geschichte von Steven Spielberg)

Die Freelings ziehen in ein neues Haus, in dem unheimliche Dinge geschehen. Um die Geister zu bannen, rufen sie eine Parapsychologin, die die Poltergeister aus dem Haus vertreiben soll.

Tobe Hooper, geboren am 25. Januar 1943 in Austin, Texas, schrieb mit dem „Texas Chainsaw Massacre“ Horrorfilmgeschichte und inszenierte mit „Poltergeist“ seinen kommerziellsten Film (obwohl es Gerüchte gab, dass eigentlich Steven Spielberg inszenierte). Jedenfalls ist „Poltergeist“, der damals an der Kinokasse ein Erfolg war, ein Horrorfilmklassiker für fast die ganze Familie.

Der Film gewann den Saturn-Award der Academy of Science Fiction, Fantasy & Horror Films als bester Horrorfilm des Jahres. Hooper war als bester Regisseur nominiert.

mit Craig T. Nelson, JoBeth Williams, Heather O’Rourke, Oliver Robbins, Dominique Dunne, Zelda Rubinstein

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Poltergeist“

Wikipedia über „Poltergeist“ (deutsch, englisch) und Tobe Hooper (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Tobe Hoopers „Blutgericht in Texas“ (The Texas Chainsaw Massacre, USA 1974)

Meine Besprechung von Gil Kenans Remake „Poltergeist“ (Poltergeist, USA 2015)


Neu im Kino/Filmkritik: „Der Knastcoach“ ist kein guter Trainer

Mai 7, 2015

„Der Knastcoach“ hat eine Idee – ein ehrlicher Afroamerikaner ohne jede Gefängniserfahrung bereitet einen Millionär auf das Gefängnis vor – aber keine Ahnung, was er mit dieser Idee anfangen soll und keine Pointe. Und, auch wenn die Macher das Gegenteil behaupten, der Film ist keine Sozialsatire. Es ist auch keine Satire (oder höchstens eine fehlgeleitete) und keine Komödie. Jedenfalls wenn man von einer Komödie mehr als etwas Klamauk und das Abspulen der offensichtlichsten Gags erwartet, die sich einfach aus dem Abspulen bekannter Klischees über Schwarze und Schwule ergeben.
Hedge-Fonds-Manager James King (Will Ferrell), ein aufgeblasener Trottel mit der sozialen Kompetenz eines Backsteins und der Intelligenz eines Hohlkörpers, wird als Finanzbetrüger angeklagt und, obwohl unschuldig, zu einer zehnjährigen Haftstrafe in San Quentin unter den ganz bösen Buben verurteilt. Dieser King hat natürlich Angst vor dem Gefängnis. Während sein künftiger Stiefvater Martin (Craig T. Nelson) ihm versichert, dass er herausfinden werde, wer ihn hereingelegt habe, beginnt der vollkommen unschuldige und zu Unrecht verurteilte King sich auf das Gefängnis vorzubereiten. Er bittet den ersten Afroamerikaner, der ihm über den Weg läuft, ihn auf das Gefängnis vorzubereiten. Denn statistisch gesehen war jeder Schwarze schon einmal im Gefängnis. Dummerweise hat James Darnell Lewis (Kevin Hart), Chef einer kleinen Autopflegefirma, glücklich verheiratet mit einer Tochter, die er auf eine bessere Schule schicken möchte, noch nie etwas Unrechtes getan. Aber er braucht das Schulgeld für seine Tochter und King könnte es bezahlen. Also willigt Lewis für diesen Geldbetrag ein, James King auf das Gefängnis vorzubereiten. Er bedient sich dabei der auch ihm bekannten Knastklischees.
Weil so ein kleines Bootcamp, das sich weitgehend in verbalen Blödeleien erschöpft, nicht abendfüllend ist, gibt es auch noch eine „Geschichte“. Denn irgendwann glaubt Lewis, dass King unschuldig ist und er will ihn vor dem Gefängnis bewahren.

Der Knastcoach - Plakat

Der Knastcoach (Get Hard, USA 2015)
Regie: Etan Cohen
Drehbuch: Jay Martel, Ian Roberts, Etan Cohen (nach einer Geschichte von Adam McKay, Jay Martel und Ian Roberts)
mit Will Ferrell, Kevin Hart, Craig T. Nelson, Alison Brie, Edwina Findley Dickerson, Ariana Neal, Erick Chavarria, T.I., Paul Ben-Victor, John Mayer
Länge: 100 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Der Knastcoach“
Moviepilot über „Der Knastcoach“
Metacritic über „Der Knastcoach“
Rotten Tomatoes über „Der Knastcoach“
Wikipedia über „Der Knastcoach“


TV-Tipp für den 13. Januar: Poltergeist

Januar 13, 2014

Arte, 21,50

Poltergeist (USA 1982, R.: Tobe Hooper)

Drehbuch: Steven Spielberg, Michael Grais, Mark Victor (nach einer Geschichte von

Steven Spielberg)

Die Freelings ziehen in ein neues Haus, in dem unheimliche Dinge geschehen. Um die Geister zu bannen, rufen sie eine Parapsychologin, die die Poltergeister aus dem Haus vertreiben soll.

Das ist wohl ein verfrühtes Geburtstagsgeschenk für Tobe Hooper, der am 25. Januar 1943 in Austin, Texas, das Licht der Welt erblickte, mit dem „Texas Chainsaw Massacre“ Horrorfilmgeschichte schrieb und mit „Poltergeist“ seinen kommerziellsten Film inszenierte (obwohl es Gerüchte gab, dass eigentlich Steven Spielberg inszenierte). Jedenfalls ist „Poltergeist“, der damals an der Kinokasse ein Erfolg war, ein Horrorfilmklassiker für fast die ganze Familie.

Der Film gewann den Saturn-Award der Academy of Science Fiction, Fantasy & Horror Films als bester Horrorfilm des Jahres. Hooper war als bester Regisseur nominiert.

mit Craig T. Nelson, JoBeth Williams, Heather O’Rourke, Oliver Robbins, Dominique Dunne, Zelda Rubinstein

Wiederholung: Samstag, 18. Januar, 02.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Poltergeist“

Wikipedia über „Poltergeist“ (deutsch, englisch) und Tobe Hooper (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Tobe Hoopers „Blutgericht in Texas“ (The Texas Chainsaw Massacre, USA 1974)

 

 


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