TV-Tipp für den 10. Februar: Hell or High Water

Februar 10, 2019

Pro Sieben, 23.35

Hell or High Water (Hell or High Water, USA 2016)

Regie: David Mackenzie

Drehbuch: Taylor Sheridan

Zwei Brüder überfallen Banken, um ihre Schulden bei der Bank zu bezahlen. Zwei Polizisten verfolgen sie in einem Land in dem zu viele Männer zu viele Schusswaffen haben.

Toller Neo-Noir-Western

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Chris Pine, Ben Foster, Jeff Bridges, Gil Birmingham, Marin Ireland, Katy Mixon, Dale Dickey

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Hell or High Water“

Metacritic über „Hell or High Water“

Rotten Tomatoes über „Hell or High Water“

Wikipedia über „Hell or High Water“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Denis Villeneuves „Sicario“ (Sicario, USA 2015) (nach einem Drehbuch von Taylor Sheridan) und der DVD und des Soundtracks

Meine Besprechung von David Mackenzies „Hell or High Water“ (Hell or High Water, USA 2016) (nach einem Drehbuch von Taylor Sheridan)

Meine Besprechung von Taylor Sheridans „Wind River (Wind River, USA 2017)

Meine Besprechung von Stefano Sollimas „Sicario 2“ (Sicario: Day of the Soldado, USA/Italien 2018) (nach einem Drehbuch von Taylor Sheridan)

 

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Neu im Kino/Filmkritik: „Leave no trace“ hinterlässt Spuren

September 16, 2018

Ich kann es kurz machen: der neue Film von „Winter’s Bone“-Regisseurin Debra Granik ist selbstverständlich ein Pflichttermin.

Dabei hat der Film ein Problem: im Gegensatz zu „Winter’s Bone“, der seit seiner Premiere überall abgefeiert und so schnell zu einem langersehnten cineastischen Pflichttermin wurde, wird ihr neuer Film „Leave no trace“ nicht von so einer Welle euphorischer Vorabmeldungen und Festivalbesprechungen begleitet. Dabei sind die Kritiken, wie ein Blick auf „Rotten Tomatoes“ zeigt, noch besser als bei „Winter’s Bone“. Bei fast zweihundert Besprechungen fanden die Seite keine einzige negative.

Auch meine Besprechung reiht sich mühelos in den Kanon ein.

In „Leave no trace“ erzählt Granik die Geschichte von Will (Ben Foster) und seiner jugendlichen Tochter Tom (Thomasin Harcourt McKenzie). Er war Soldat, erhält eine Invalidenrente und er hat sich mit seiner Tochter in den Wald zurückgezogen. Nach seinen Kriegserlebnissen kann er nicht mehr in der Gesellschaft leben – und die Gesellschaft, also das Militär und der Staat, kümmern sich auch nicht weiter um ihn, solange er regelmäßig seinen Scheck und die ihm verschriebenen Medikamente abholt. Ob er sie anschließend nimmt oder verkauft, ist egal.

Die beiden leben autark und unerkannt im Forest Park, einem riesigen Waldgebiet am Rand von Portland, Oregon. Er erzieht sie, so gut er kann und ohne sie irgendwie zu indoktrinieren. Im Gegensatz zu „Captain Fantastic“ kann und will er sie nicht von einer Lebensphilosophie überzeugen. Sie haben ein richtiges partnerschaftliches und rundum harmonisches Verhältnis.

Eines Tages werden sie entdeckt. Jetzt schlagen die Mühlen der Verwaltung zu. Tom ist nämlich schulpflichtig. Sie werden in einem ländlich gelegenem Haus einquartiert. Will wird Waldarbeiter. Aber können Tom und Will sich an die neue Situation gewöhnen?

Graniks Film ist inspiriert von einer wahren Geschichte über einen Vater, der mit seiner Tochter vier Jahre bei Portland im Wald lebte. Peter Rock verarbeite, neben anderen Autoren, die Geschichte in seinem Roman „My Abandonment“, der als Vorlage für den Film diente.

Granik erzählt in „Leave no trace“ die Geschichte von dem an einer Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) leidendem, verwitweten Will und seiner Tochter Tom, die für ihn die beste Medizin ist, mit wenig Dialog. Die beiden sind so vertraut miteinander, dass sie wenig reden müssen. Die Schauspieler Ben Foster und Thomasin Harcourt McKenzie (die Astrid aus „Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere“) sind so gut, dass sie alleine durch die Art, wie sie miteinander umgehen, alles nötige sagen. Granik erzählt gewohnt subtil und offen für zahlreiche Zwischentöne. Mit endloser Geduld beobachtet sie die beiden und wie sich ihr Leben nach ihrer Entdeckung verändert und wie sie ihr weiteres Leben gestalten wollen.

Dabei hat Tom, die sich natürlich auch damit beschäftigen muss, wie sie erwachsen werden will, mehr Zeit für ihr Erwachsen werden als Ree (Jennifer Lawrence) in „Winter’s Bone“, die ihren spurlos verschwundenen Vater vor einem nahenden Gerichtstermin finden muss.

Leave no trace“ ist ein wundervoller, auch bedrückender und zutiefst wahrhaftiger Film, der auch einiges über Amerika verrät, Ein Film wie ein Gedicht: zart, fragil und in jeder Beziehung sehr präzise.

Jetzt ist nur zu hoffen, dass nicht wieder acht Jahre bis zu Debra Graniks nächstem Film vergehen.

Leave no trace (Leave no trace, USA 2018)

Regie: Debra Granik

Drehbuch: Debra Granik, Anne Rossellini

LV: Peter Rock: My Abandenment, 2009

mit Ben Foster, Thomasin Harcourt McKenzie, Jeff Kober, Dale Dickey, Isaiah Stone, Michael Hurley, Marisa Anderson

Länge: 109 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Leave no trace“

Metacritic über „Leave no trace“

Rotten Tomatoes über „Leave no trace“

Wikipedia über „Leave no trace“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Debra Graniks „Winters’s Bone“ (Winter’s Bone, USA 2010)

Interview mit Debra Granik über ihren neuen Film

Q&A mit Debra Granik und Derek Drescher (Larry im Film) über ihren Film

 


Neu im Kino/Filmkritik: Der grandiose Neo-Western „Hell or High Water“

Januar 14, 2017

Es beginnt mit einem Banküberfall in West-Texas und ehe die Polizei auftaucht, haben Toby Howard (Chris Pine) und sein gerade aus dem Knast entlassener, impulsiver Bruder Tanner (Ben Foster) schon die nächste Bank überfallen. Texas Ranger Marcus Hamilton (Jeff Bridges) und sein Partner Alberto Parker (Gil Birmingham) vermuten schnell, dass die Bankräuber es auf die Filialen einer bestimmten Banken abgesehen, einen Grund dafür und ein Ziel haben. Die Howards überfallen nämlich Filialen der Texas Midlands Bank und, wie wir etwas später erfahren, hat diese Bank ihrer Mutter einen kleinen Kredit auf das Grundstück gegeben und die Howards, während ihre Mutter im Sterben lag, immer weiter in eine Verschuldungsspirale getrieben hat. Jetzt will die Bank das Grundstück, auf dem Öl gefunden wurde, haben.

Mit den Banküberfällen wollen die Howard-Brüder genug Geld erbeuten, um ihre Schulden zu bezahlen.

David Mackenzie („Young Adam“, „Hallam Foe“) inszenierte nach einem Drehbuch von „Sicario“-Autor Taylor Sheridan, mit der Musik von Nick Cave und Warren Ellis (was schon eine Empfehlung an sich ist), einen schnörkellosen Neo-Western, der gleichzeitig ein Porträt des ländlichen Texas ist. Die weit auseinanderliegenden Städte sind klein, vom Verfall geprägt und immer wieder tauchen am Straßenrand oft schon ältere Schilder von Banken auf, die etwas verkaufen wollen. Schnell entsteht das bedrückende Bild eines ökonomisch darnieder liegenden Landes.

Es ist auch ein Land, in dem zu viele Leute zu viele Waffen haben. So müssen die beiden Bankräuber schon während ihres zweiten Banküberfalls vor einem schießwütigem Bankkunden weglaufen. Später hat auch Texas Ranger Hamilton immer wieder Probleme mit schießgeneigten Texanern. Denn natürlich hat jeder Texaner mindestens eine Waffe in seinem Auto liegen. Oft auch zwei, drei oder noch mehr, die er auch gerne und ohne erkennbare Gewissenskonflikte gegen Menschen einsetzt.

Der Schotte Mackenzies hat bei seinem Neo-Western immer auch einen europäischen Blick auf die USA. Er sieht Dinge, die einem US-Amerikaner nicht auffallen, weil er sie für selbstverständlich hält. Er hat, das ist in jedem Bild spürbar, eine große Liebe und Faszination für den Western und den Gangsterfilm. Er badet, auch dank der Musik der Australier Cave und Ellis, förmlich im Americana-Feeling. Allerdings ohne Verklärungen u d mit dem skeptisch-staunendem Blick eines Außenseiters. Die Bilder der dünn besiedelten Landschaft, der Sonnenauf- und -untergänge, der Häuser, der Diner, die in Texas noch die Patina der fünfziger Jahre verströmen (McDonalds kam nie dorthin, weil er dort keine Geschäfte hätte machen können) und der Menschen, die alle nicht wie die typischen Hollywood-Schauspieler aussehen. In der Originalfassung suhlen sie förmlich im texanischen Dialekt, der kaum verständlich ist und auch Kenner der englischen Sprache nach Untertiteln rufen lässt.

Mackenzie ist, trotz einiger Längen, ein feiner Film gelungen, der auf jegliche aufgesetzte Sozialkritik verzichtet. Die Längen des Neo-Westerns liegen an der seit Ewigkeiten bekannten Geschichte von Bankräubern, die sich gegen die Banken und ihre Macht auflehnen, und Gesetzeshütern, die sie gnadenlos verfolgen, und Taylor Sheridans Konzentration auf wenige Charaktere, über die wir wenig mehr erfahren, als ihre aktuellen Taten. Letztendlich kämpfen zwei Polizisten gegen zwei Bankräuber, die sich während der Filmgeschichte eigentlich nicht begegnen. Diese für Filme prinzipiell schwierige Erzählkonstruktion kennen wir aus Michael Manns Gangsterfilmklassiker „Heat“ und auch in „High or High Water“ funktioniert sie vorzüglich.

Alles in „Hell or High Water“ ist Handlung, die sich ohne eine einzig Rückblende oder lange Erklär-Dialoge chronologisch und ohne Umwege bis hin zu seinem durchaus positiven, aber moralisch zwiespältigem Ende bewegt. Damit besteht „Hell or High Water“ zwar nicht den 100-%-Noir-Test, aber niemand würde das düstere Drama für einen Feelgood-Film oder einen 08/15-Actionfilm halten.

hell-or-high-water-plakat

Hell or High Water (Hell or High Water, USA 2016)

Regie: David Mackenzie

Drehbuch: Taylor Sheridan

mit Chris Pine, Ben Foster, Jeff Bridges, Gil Birmingham, Marin Ireland, Katy Mixon, Dale Dickey

Länge: 102 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Hell or High Water“

Metacritic über „Hell or High Water“

Rotten Tomatoes über „Hell or High Water“

Wikipedia über „Hell or High Water“ (deutsch, englisch)

Und hier, zum Tonvergleich, der Originaltrailer

DP/30 versammelt die drei Hauptdarsteller zu einem gesitteten Gespräch

Mit Taylor Sheridan führte DP/30 ein Einzelgespräch


DVD-Kritik: „Regression“, verdränge Erinnerungen und satanische Kulte

März 23, 2016

Spoilerwarnung, weil es fast unmöglich ist „Regression“ zu besprechen, ohne einiges von der Handlung und auch den Überraschungen zu verraten. Allein schon, wenn ich sage, was der Titel bedeutet…

In einer Kleinstadt in Minnesota behauptet im Oktober 1990 Angela Gray (Emma Watson), dass sie von ihrem Vater missbraucht wurde. Detective Bruce Kenner (Ethan Hawke) soll den Vorwurf klären. Weil Angelas Vater John (David Dencik) sich nicht an die Vergewaltigung erinnert, sich aber schuldig bekennt, weil Angela niemals lügen würde, wird der Psychologe Kenneth Raines (David Thewlis) hinzugezogen. Er schlägt eine Regression-Therapie vor. Bei dieser Therapie werden mittels Hypnose verschüttete Erinnerungen des Hypnotisieren, vor allem aus seiner Kindheit, freigelegt.

Allerdings ist diese Therapie, die in den 1990er in den USA häufig angewendet wurde, inzwischen hoch umstritten, weil sie auch zu falschen Erinnerungen führen kann. So gab es, auch aufgrund der Fragen des Therapeuten, zu falsche Anschuldigungen wegen sexuellen Missbrauchs, Berichten über Entführungen von Außerirdischen und anderer traumatischer Erlebnisse.

Kenner glaubt Angela und mit jedem Familienmitglied, das sie für eine Regression-Sitzung hypnotisieren, wie Angelas Bruder und Vater, wird der Fall immer monströser. Aus der Vergewaltigung werden satanische Rituale, in die die gesamte Familie Gray und halb Minnesota involviert ist. Außerdem glaubt Kenner, dass seine Ermittlungen sabotiert werden, weil auch Kollegen und vermeintlich normale Stadtbewohner an den Ritualen teil nahmen. Letztendlich scheint der ganze Bundesstaat von einer satanischen Sekte unterwandert zu sein.

Alejandro Amenábar („Virtual Nightmare – Open your Eyes“, „The Others“, „Das Meer in mir“) benutzt in seinem psychologischem Horrorfilme die wahren Fälle von hypnotischen Regressionen und Verschwörungstheorien über Satanskulte als Inspiration und er erzählt seine Geschichte aus der Perspektive des Ermittlers, der zunehmend an Angelas Aussage glaubt.

Eben diese langsame Veränderung der eigenen Wahrnahme der Wirklichkeit und wie man sich aus verschiedenen Behauptungen und kleinen Hinweisen eine eigene Realität konstruiert, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun hat, wird von Amenábar gelungen gezeigt. Allerdings ist die Lösung, nachdem klar ist, dass Kenner sich in einem monströsen Wahngebilde verfängt, dann auch schnell absehbar und sie wird länglicher als nötig präsentiert.

Das Bonusmaterial ist auf den ersten Blick umfangreich mit zwei Making-ofs, einigen Featurettes, B-Roll und Interviews mit Ethan Hawke, Emma Watson, Alejandro Amenábar und David Thewlis. Insgesamt gut neunzig Minuten bewegte Bilder, teils in Deutsch, die Interviews in Englisch. Die Blu-ray hat mit „Online Spots“ noch mehr Bonusmaterial.

Aber es ist, teilweise auf deutsch, reines Werbematerial, das deshalb die Geschichte des Films nicht diskutiert. Es erschöpft sich weitgehend in oberflächlichen Statements und Lobhuddeleien.

Regression - DVD-Cover

Regression (Regression, Spanien/Kanada 2015)

Regie: Alejandro Amenábar

Drehbuch: Alejandro Amenábar

mit Ethan Hawke, Emma Watson, David Thewlis, Dale Dickey, David Dencik, Devon Bostick

DVD

Tobis/WVG Medien (Vertrieb)

Bild: 2.40:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte

Bonusmaterial: Featurettes, Making of, Interviews, Bildergalerie, B-Roll, Trailer

Länge: 103 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Die Blu-ray hat als zusätzliches Bonusmaterial einige „Online Spots“.

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

 

Film-Zeit über „Regression“

Moviepilot über „Regression“

Metacritic über „Regression“

Rotten Tomatoes über „Regression“

Wikipedia über „Regression“ (deutsch, englisch)


DVD-Kritik: „Anklage: Mord“ – Kate Beckinsale kämpft im Namen der Wahrheit

August 18, 2014

Anklage: Mord – Im Namen der Wahrheit“, der im Original treffender „The Trails of Cate McCall“ heißt, ist ein prominent besetzter und überraschend gelungener Justizkrimi in dem Kate Beckinsale als Cate McCall versucht, ihren Alkoholismus in den Griff zu bekommen, wieder als Anwältin arbeiten zu dürfen, einen Mordprozess zu gewinnen und von ihrer fünfjährigen Tochter wieder als Mutter akzeptiert zu werden, während ihr Ehemann mit der Tochter von Kalifornien nach Seattle umziehen will.

Der Mordprozess ist zwar nur ein Haftprüfungsfall und sie muss den Fall als Pflichtverteidigerin übernehmen, aber immerhin könnte sie so wieder ohne Wenn und Aber als Anwältin zugelassen werden. Außerdem ist sie nach einem Gespräch und einem Blick in die Akten von der Unschuld der zu einer lebenslänglichen Haft verurteilten Frau überzeugt.

Als es zur Gerichtsverhandlung kommt, beginnt sie die von der Polizei manipulierten Beweise und Aussagen auseinanderzunehmen.

Zugegeben, das ist eine Menge Stoff für neunzig Minuten, aber Karen Moncrieff, die das Buch schrieb und Regie führte, gelingt es die vielen Verhandlungen der Cate McCall schlüssig miteinander zu verbinden, weil McCall sich in allen Verhandlungen beweisen muss und sie immer um ihre Selbstachtung kämpft. Als Mutter, als Ehefrau und als Anwältin.

Wie sich diese verschiedenen Plots beeinflussen und ergänzen, ist der interessante Aspekt des Films. Denn gerade die Gerichtsverhandlung läuft doch arg nach den bekannten Mustern ab und McCalls unbedingter Wille, nur Schuldige hinter Gitter zu bringen, ist dann doch arg naiv und überhöht. Vor allem weil sie früher anscheinend eine sehr gute Anwältin war. Da waren die „Anatomie eines Morders“ und der „Lincoln Lawyer“ schon einige Schritte weiter; – vor allem weil es am Ende von „Anklage: Mord“ eine Wendung im Gericht gibt, die so wohl nicht möglich ist. Jedenfalls nach dem, was ich von US-amerikanischen Gerichtsverfahren weiß.

Anklage: Mord“ bewegt sich durchgehend auf dem Niveau eines guten TV-Films, der gut besetzt ist, fast nur in Innenräumen spielt, auf die Dialoge und Schauspieler baut und die Geschichte in jeder Beziehung altmodisch erzählt bis hin zum für mein Gefühl etwas zu positiven Ende.

Anklage Mord - DVD-Cover

 

Anklage: Mord – Im Namen der Wahrheit (The Trails of Cate McCall, USA 2013)

Regie: Karen Moncrieff

Drehbuch: Karen Moncrieff

mit Kate Beckinsale, Nick Nolte, James Cromwell, Clancy Brown, Taye Diggs, Isaiah Washington, Mark Pellegrino, Brendan Sexton III, David Lyons, Dale Dickey, Kathy Baker

DVD

Koch Media

Bild: 2.35:1 (16:9)

Ton: Deutsch (DTS, Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Trailer, Wendecover

Länge: 89 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Anklage: Mord“

Turner Classic Movies über „Anklage: Mord“

Wikipedia über „Anklage: Mord“


Neu im Kino/Filmkritik: „Lethal Weapon“ Shane Black macht mit Tony Stark in „Iron Man 3“ „Kiss Kiss Bang Bang“

Mai 1, 2013

 

Iron Man, aka Tony Stark, ist sicher der unernsteste Superheld im Kino und Robert Downey Jr. gelingt es diesen eigentlich sehr unsympathischen Charakter als einen coolen Kumpel erscheinen zu lassen und den teilweise doch sehr militaristischen Hintergrund vergessen zu lassen. Naja fast. Denn auch in „Iron Man 3“ geht es um milliardenschwere Rüstungsaufträge.

Im ersten „Iron Man“-Film, der ein Überraschungserfolg war, ist Tony Stark ein skrupelloser, egomanisch-egozentrischer Waffenhersteller und exzentrischer Playboy, der, als er gerade in Afghanistan dem US-Militär sein neuestes Waffensystem verkaufen will, von der internationalen Terroristengruppe „Die zehn Ringe“ gefangen genommen wird. Er baut sich die Iron-Man-Rüstung und kämpft anschließend auch gegen konzerninterne Gegner.

Im zweiten „Iron Man“-Film ist dann Justin Hammer (Sam Rockwell), Chef einer konkurrierenden Rüstungsfirma, sein Gegner. Und Ivan Vanko (Mickey Rourke), dessen Vater von Tonys Vater ausgebootet wurde, will sich an Tony Stark rächen.

Und im dritten „Iron Man“-Film ist Aldrich Killian (Guy Pearce) sein Gegner. Er hat den „Extremis“-Virus, der Menschen quasi unbesiegbar, macht, weiterentwickelt und er möchte mit Stark Industries optimierte Iron Männer herstellen. Weil Tony Stark sich aus dem aktiven Geschäft zurückgezogen und Pepper Potts (Gwyneth Paltrow) die Leitung übertragen hat, führt Killian die Gespräche mit ihr und er versucht dabei alte Gefühle wieder wachzurufen. Außerdem wurde er vor Jahren auf einer Silvesterfeier von Tony in dessen typisch arroganter Manier versetzt – und er scheint darüber immer noch serhr verärgert zu sein.

Aber Tonys Hauptgegner ist der Mandarin (Sir Ben Kingsley), ein international gesuchter Terrorist und Anführer der „Zehn Ringe“, der den USA mit seinen Anschlägen Lehren erteilen will und eine Mischung aus Osama bin Laden und Dr. Fu Manchu ist. Ein wahrer Anti-Gandhi, dessen erste Lehrstunde für Tony Stark, nachdem der sich ihm gegenüber unflätig äußerte (es war so etwas wie „ich werde dich vernichten“), die Vernichtung von Tony Starks mondänem Anwesen ist, das ja schon in den vorherigen „Iron Man“-Filmen nicht gerade pfleglich behandelt wurde. Tony kann in seinem neuesten Iron-Man-Anzug entkommen. Nach einer Bruchlandung in dem Ort Rose Hill, Tennessee (nicht gerade Kansas, aber fast), beginnt er, mit der Hilfe des achtjährigen Harley Keener (Ty Simkins), den Anzug zu reparieren und den Mandarin zu suchen. Denn nur Tony Stark hat die Lizenz, das eigene Haus zu zerstören.

Iron Man 3“, standesgemäß und ziemlich überflüssig in 3D, knüpft gelungen an die vorherigen beiden „Iron Man“-Filme an. Die vertrauten Charaktere sind dabei. Es gibt Action, Humor, köstliche Screwball-Dialoge zwischen Tony Stark und Pepper Potts, seiner ehemaligen Privatsekretärin und jetzigen Firmenleiterin und Quasi-Lebensgefährtin (für sie scheinen Wortgefechte der Ersatz für Sex zu sein), und Happy Hogan ist auch wieder dabei. Zuerst als überpenibler und absolut humorloser Sicherheitschef, danach schwer lädiert im Krankenbett.

Happy-Hogan-Darsteller Jon Favreau gab dieses Mal die Regie an Shane Black ab, der in den Achtzigern und Neunzigern als Drehbuchautor von Action-Krachern „Lethal Weapon – Zwei stahlharte Profis“, „Last Boy Scout – Das Ziel ist überleben“, „Last Action Hero“ (auch da spielte ein kleiner Junge mit, der seinem Superhelden begegnet) und „Tödliche Weihnachten“ Geld wie Heu verdiente und einer der wenigen Drehbuchautoren war, dessen Namen einem breiteren Publikum bekannt war. 2005 hatte er mit seinem Regiedebüt „Kiss Kiss Bang Bang“ eine triumphale Rückkehr, die für ihn in den nächsten Jahren trotzdem nicht zu weiteren Filmen in Hollywood führte, aber den Karriereneustart von Robert Downey Jr. einläutete.

Auch in „Iron Man 3“ ist Shane Blacks Handschrift, soweit bei einem Blockbuster und einem Film aus einer Serie davon gesprochen werden kann, zu erkennen. So gibt es für einen Action-Film erstaunlich wenig Action. Dafür widmet Black sich ziemlich ausführlich den Charakteren und auch die Beziehung von Tony Stark zu Harley, der ihn als Helden verehrt, nimmt viel Platz ein. Er wird für ihn zu einem Quasi-Vater.

Die Action, auch wenn die Iron-Man-Anzüge oft genug benutzt werden, erinnert eher an die 80er-Jahre-Action-Filme, in denen es ordentlich im Mann-gegen-Mann-Kampf krachte und wenn am Ende Robert Downey Jr. und Don Cheadle, nur bewaffnet mit ihren Pistolen, auf ein Schiff stürmen, dann sind wohlige Erinnerungen an Mel Gibson und Danny Glover und ihre „Lethal Weapon“-Wortgefechte nicht fern.

Und weil in „Iron Man 3“ Nick Fury und S.H.I.E.L.D. nicht auftreten und die Ereignisse in New York mit den Avengers nicht angesprochen werden (Tony will darüber nicht reden und kriegt, wenn er sich doch daran erinnert oder darauf angesprochen wird, Panikattacken; – hm, wie Martin Riggs in „Lethal Weapon“), knüpft „Iron Man 3“ an den ersten „Iron Man“-Film an und ist deutlich weniger militaristisch als „Iron Man 2“, der teilweise wie eine kaum getarnte Leistungsschau des Militärs aussieht..

Iron Man 3“ ist gutes Blockbuster-Kino mit selbstironischen Tönen, einem altmodischen Erzählduktus ohne 25 überraschende Plotwendungen am Ende und einer bedeutungsschwer vor sich hin getragenen Botschaft. Dafür ist Tony dann doch der falsche Charakter, auch wenn er einige neue Facetten erhält.

Der Film liefert genau das, was man inzwischen von einem „Iron Man“-Film erwartet und nach dem erfreulich kurzen Abspann gibt es noch eine kleine Sequenz und den Hinweis, dass es einen weiteren „Iron Man“-Film geben wird.

Iron Man 3 - Hauptplakat

Iron Man 3 (Iron Man 3, USA 2013)

Regie: Shane Black

Drehbuch: Drew Pearce, Shane Black

mit Robert Downey Jr., Gwyneth Paltrow, Don Cheadle, Sir Ben Kingsley, Guy Pearce, Jon Favreau, Ty Simpkins, Rebecca Hall, James Badge Dale, Stephanie Szostak, William Sadler, Miguel Ferrer, Dale Dickey

Länge: 131 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Iron Man 3“

Metacritic über „Iron Man 3“

Rotten Tomatoes über „Iron Man 3“

Wikipedia über „Iron Man 3“ (deutsch, englisch)

Collider: Interview mit Shane Black und Kevin Feige zum Film

Den of Geek: Interview mit Shane Black zum Film

 

 


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