TV-Tipp für den 14. März: Inglourious Basterds

März 13, 2020

ZDFneo, 22.00

Inglourious Basterds (Inglourious Basterds, USA/Deutschland 2009)

Regie: Quentin Tarantino [Regie „Nation’s Pride“: Eli Roth]

Drehbuch: Quentin Tarantino (deutsche Dialoge: Tom Tykwer; französische Dialoge: Nicholas Richard)

Frankreich, 1944: Aldo Raine und seine Spezialeinheit sind zum Nazi-Skalpieren nach Europa gekommen. Die Jüdin Shosanna will den SS-Mann Hans Landa (Oscar für Christoph Waltz), der ihre Familie umbrachte, töten. In Paris, in einem Kino, treffen sie sich.

Ein feiner Kriegsfilm, den man unbedingt in der Originalfassung, in der meisterlich zwischen den verschiedenen Sprachen gewechselt wird, ansehen sollte. Außerdem wird auch im Original die meiste Zeit deutsch gesprochen.

Wahrscheinlich wird die deutsche Synchronisation gezeigt.

mit Brad Pitt, Mélanie Laurent, Eli Roth, Christoph Waltz, Michael Fassbender, Diane Kruger, Daniel Brühl, Til Schweiger, Gedeon Burkhard, Jacky Ido, B. J. Novak, Omar Doom, August Diehl, Sylvester Groth, Martin Wuttke, Mike Myers, Julie Dreyfus, Mike Myers, Rod Taylor, Sönke Möhring, Ken Duken, Christian Berkel, Ludger Pistor, Jana Pallaske, Bo Svenson, Enzo G. Castellari (als er selbst), Samuel L. Jackson (Erzähler in der Originalversion)

Hinweise

Moviepilot über „Inglourious Basterds“

Metacritic über „Inglourious Basterds“

Rotten Tomatoes über „Inglourious Basterds“

Wikipedia über „Inglourious Basterds“ (deutsch, englisch)

Collider: Interviews zum Film mit Christoph Waltz, Eli Roth, Samm Levine, B. J. Novak, Diane Kruger und Melanie Laurent

YouTube: Cannes-Pressekonferenz “Inglourious Basterds” (Teil 1, Teil 2)

The Quentin Tarantino Archives (Fanseite)

Everthing Tarantino (dito)

Q-Tarantino.de (noch eine Fanseite)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über ‘Inglourious Basterds’“ (Kleine Schriften zum Film: 1, 2009)

Meine Besprechung von Quentin Tarantinos „Django Unchained“ (Django Unchained, USA 2012)

Kriminalakte über Quentin Tarantino und „Django Unchained“ (Bilder,Pressekonferenz und Comic)

Meine Bespechung von Quentin Tarantinos „The Hateful 8“ (The Hateful Eight, USA 2015)

Meine Besprechung von Quentin Tarantinos „Once upon a Time in…Hollywood“ (Once upon a Time in…Hollywood, USA 2019)

 Quentin Tarantino in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „My Zoe“, für dich würde ich alles tun

November 17, 2019

Isabelle Perrault (Julie Delpy) arbeitet in Berlin in einem Labor als Genetikerin. Die Erziehung ihrer über alles geliebten Tochter Zoe teilt sie sich mit ihrem Ex-Mann James Lewis (Richard Armitage), einem egozentrischen und erfolgreichen Architekten. Aufgrund ihrer Arbeit, gelegentlicher Auslandsaufenthalte, fehlender vor Ort lebender Großeltern und gegenseitiger Vorwürfe gestaltet sich das gemeinsam ausgeübte Sorgerecht schwierig. Denn jede Begegnung von Isabelle und James scheint den Graben zwischen ihnen zu vergrößern.

Aus diesem Post-Scheidungsdrama wird im zweiten Akt ein Drama um Zoes Überleben. Isabelle findet ihre Tochter reglos im Bett. Im Krankenhaus sagen ihnen die Ärzte, dass Zoe eine Hirnblutung hatte. Nach der Operation liegt Zoe im Koma und es ist unklar, ob sie bleibende Schäden haben wird. Falls sie überhaupt aufwacht.

Und aus diesem Medizindrama wird im dritten Akt etwas ganz anderes. In dem Moment taucht dann auch der schon auf dem Plakat prominent erwähnte Daniel Brühl als in Moskau arbeitender Arzt auf.

Dieser dritte Akt bricht dem schon vorher nicht besonders überzeugendem Drama „My Zoe“ endgültig das Genick. Bis dahin war es ein zäh erzähltes Scheidungsdrama, in dem die Eltern sich angiften, aus dem ein ebenso zähes Medizindrama wurde, in dem die Eltern sich gegenseitig Vorwürfe machen und besorgt am Bett ihrer im Koma liegenden Tochter sitzen. So dankbar das für die Schauspieler in langen Szenen zu spielen ist, so undankbar ist es anzusehen. Denn in den Momenten passiert wenig. Aber immerhin verhielten Isabelle, ihr Ex-Mann, ihr neuer Freund und ihr Umfeld sich bis dahin plausibel.

In Moskau und im Epilog nicht mehr.

Außerdem kommen die in Moskau spielenden Ereignisse, die aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse in die Zukunft weiterspinnen, aus heiterem Himmel. Mit dem vorher gezeigten haben sie nichts zu tun. Und dass in dem Moment klar wird, dass „My Zoe“ in der nahen Zukunft spielt, macht das Gezeigte nicht glaubwürdiger.

My Zoe (My Zoe, Frankreich/Deutschland/Portugal/Großbritannien 2019)

Regie: Julie Delpy

Drehbuch: Julie Delpy

mit Julie Delpy, Richard Armitage, Daniel Brühl, Gemma Arterton, Saleh Bakri, Sophia Ally, Lindsay Duncan, Nicolette Krebitz, Jördis Triebel, Nina Kuzendorf

Länge: 102 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Filmportal über „My Zoe“

Moviepilot über „My Zoe“

Metacritic über „My Zoe“

Rotten Tomatoes über „My Zoe“

Wikipedia über „My Zoe“


TV-Tipp für den 5. September: Das Versprechen

September 4, 2019

HR, 23.15

Das Versprechen – Erste Liebe lebenslänglich (The Promise, Deutschland 2016)

Regie: Marcus Vetter, Karin Steinberger

Drehbuch: Marcus Vetter, Karin Steinberger

Informative, spannende und sehr akribische Doku über den deutschen Diplomatensohn Jens Söring, der seit 1990 in den USA im Gefängnis sitzt. Er soll am 30. März 1985 die Eltern von seiner Freundin und ersten großen Liebe Elizabeth Haysom in ihrem Haus in Lynchburg, Virginia bestialisch ermordet haben. Er behauptet, unschuldig zu sein und die neueren Beweise unterstützen seine Version.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Jens Söring, Gail Marshall, Tom Elliott, William Sweeney, Ricky Gardner, Gail Ball, Chuck Reid, Rich Zorn, Dave Watson, Tony Buchanan, Carlos Santos, Steven Rosenfield

und den Stimmen von Imogen Poots und Daniel Brühl

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Das Versprechen“

Moviepilot über „Das Versprechen“

Wikipedia über „Das Versprechen“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Marcus Vetter/Karin Steinbergers „The Forecaster“ (Deutschland 2014)

Meine Besprechung von Marcus Vetter/Karin Steinbergers „Das Versprechen – Erste Liebe lebenslänglich“ (The Promise, Deutschland 2016) und der DVD

The New Yorker: ausführliche Reportage von Nathan Heller über den Mordfall (9. November 2015)

Michael Remke: Neue Beweise für Unschuld des Diplomaten-Sohns? (Die Welt, 5. Mai 2017)


TV-Tipp für den 13. Juni: Inglourious Basterds

Juni 12, 2019

Vox, 22.55

Inglourious Basterds (Inglourious Basterds, USA/Deutschland 2009)

Regie: Quentin Tarantino [Regie „Nation’s Pride“: Eli Roth]

Drehbuch: Quentin Tarantino (deutsche Dialoge: Tom Tykwer; französische Dialoge: Nicholas Richard)

Frankreich, 1944: Aldo Raine und seine Spezialeinheit sind zum Nazi-Skalpieren nach Europa gekommen. Die Jüdin Shosanna will den SS-Mann Hans Landa (Oscar für Christoph Waltz), der ihre Familie umbrachte, töten. In Paris, in einem Kino, treffen sie sich.

Ein feiner Kriegsfilm, den man unbedingt in der Originalfassung, in der meisterlich zwischen den verschiedenen Sprachen gewechselt wird, ansehen sollte. Außerdem wird auch im Original die meiste Zeit deutsch gesprochen.

Wahrscheinlich wird die deutsche Synchronisation gezeigt.

mit Brad Pitt, Mélanie Laurent, Eli Roth, Christoph Waltz, Michael Fassbender, Diane Kruger, Daniel Brühl, Til Schweiger, Gedeon Burkhard, Jacky Ido, B. J. Novak, Omar Doom, August Diehl, Sylvester Groth, Martin Wuttke, Mike Myers, Julie Dreyfus, Mike Myers, Rod Taylor, Sönke Möhring, Ken Duken, Christian Berkel, Ludger Pistor, Jana Pallaske, Bo Svenson, Enzo G. Castellari (als er selbst), Samuel L. Jackson (Erzähler in der Originalversion)

Wiederholung: Freitag, 14. Juni, 02.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Inglourious Basterds“

Metacritic über „Inglourious Basterds“

Rotten Tomatoes über „Inglourious Basterds“

Wikipedia über „Inglourious Basterds“ (deutsch, englisch)

Collider: Interviews zum Film mit Christoph Waltz, Eli Roth, Samm Levine, B. J. Novak, Diane Kruger und Melanie Laurent

YouTube: Cannes-Pressekonferenz “Inglourious Basterds” (Teil 1, Teil 2)

The Quentin Tarantino Archives (Fanseite)

Everthing Tarantino (dito)

Q-Tarantino.de (noch eine Fanseite)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über ‘Inglourious Basterds’“ (Kleine Schriften zum Film: 1, 2009)

Meine Besprechung von Quentin Tarantinos „Django Unchained“ (Django Unchained, USA 2012)

Kriminalakte über Quentin Tarantino und „Django Unchained“ (Bilder,Pressekonferenz und Comic)

Meine Bespechung von Quentin Tarantinos „The Hateful 8“ (The Hateful Eight, USA 2015)

 Quentin Tarantino in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 10. April: A most wanted man

April 9, 2019

Arte, 20.15

A most wanted man (A most wanted man, Deutschland/Großbritannien 2014)

Regie: Anton Corbijn

Drehbuch: Andrew Bovell

LV: John le Carré: A most wanted man, 2008 (Marionetten)

Als der militante Tschetschene und Islamist Issa Karpov in Hamburg auftaucht, ist Geheimagent Günther Bachmann (Philip Seymour Hoffman) alarmiert. Mit seinem Team und anderen Geheimdiensten heftet er sich an Karpovs Fersen. Der behauptet, nur ein Flüchtling zu sein.

Überfällige TV-Premiere einer sehr gelungenen, top besetzten John-le-Carré-Verfilmung und einer der letzten Leinwandauftritte des viel zu früh verstorbenen Philip Seymour Hoffman.

Eine kleine Episode aus dem unglamourösen Agentenleben, die in erster Linie ein intellektuelles Vergnügen ist, bei der wir beobachten, wie die Dienste, unter ständiger Berücksichtigung ihrer Eigeninteressen, zusammenarbeiten und im entscheidenden Moment eiskalt ihre Chance nutzen. Da ist der Einzelne, wie man es auch aus den anderen Romanen von John le Carré kennt, nur ein von anderen benutzter Spielball.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Philip Seymour Hoffman, Rachel McAdams, Grigoriy Dobrygin, Willem Dafoe, Robin Wright, Homayoun Ershadi, Nina Hoss, Franz Hartwig, Daniel Brühl, Kostja Ullmann, Vicky Krieps, Rainer Bock, Herbert Grönemeyer, Charlotte Schwab, Martin Wuttke

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Moviepilot über „A most wanted man“
Metacritic über „A most wanted man“
Rotten Tomatoes über „A most wanted man“
Wikipedia über „A most wanted man“ (deutsch, englisch)

Homepage von John le Carré

Meine Besprechung von John le Carrés „Geheime Melodie“ (The Mission Song, 2006)

Meine Besprechung von John le Carrés “Marionetten (A most wanted man, 2008)

Meine Besprechung von John le Carrés “Verräter wie wir” (Our kind of traitor, 2010)

Meine Besprechung von John le Carrés “Empfindliche Wahrheit” (A delicate truth, 2013)

Meine Besprechung von John le Carrés „Das Vermächtnis der Spione“ (A Legacy of Spies, 2017)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “Bube, Dame, König, Spion” (Tinker, Tailor, Soldier, Spy, Großbritannien/Frankreich/Deutschland 2011)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “A most wanted man” (A most wanted man, Deutschland/Großbritannien 2014) und der DVD

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung „Verräter wie wir“ (Our Kind of Traitor, Großbritannien 2016)

Meine Besprechung der ersten beiden Episoden von Susanne Biers „The Night Manager“ (The Night Manager, Großbritannien/USA 2016) und der gesamten Miniserie

John le Carré in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Anton Corbijns John-le-Carré-Verfilmung „A most wanted man“ (A most wanted man, Deutschland/Großbritannien 2014) (DVD-Kritik)

Meine Besprechung von Anton Corbiijns „Life“ (Life, Kanada/Deutschland/Österreich 2015)


TV-Tipp für den 23. Oktober: Ich und Kaminski

Oktober 22, 2018

WDR, 22.10

Ich und Kaminski (Deutschland/Belgien 2015)

Regie: Wolfgang Becker

Drehbuch: Wolfgang Becker, Thomas Wendrich

LV: Daniel Kehlmann: Ich und Kaminski, 2003

Journalist Sebastian Zöllner ist ein ausgemachtes, von sich selbst überzeugtes Arschloch, das sich mit einer Biographie über den legendären, blinden Maler Manuel Kaminski finanziell sanieren will. Dummerweise ist der 85-jährige Künstler auch kein Kind von Traurigkeit.

Enorm kurzweiliger, verspielter, einfallsreicher und in jeder Beziehung schöner Film von „Good Bye, Lenin!“-Regisseur Wolfgang Becker über unsympathische Menschen.

Mehr in meiner Besprechung.

mit Daniel Brühl, Jesper Christensen, Amira Casar, Denis Lavant, Jördis Triebel, Geraldine Chaplin, Jan Decleir, Joacques Herlin, Josef Hader, Peter Kurth, Milan Peschel, Patrick Bauchau

Hinweise
Homepage zum Film
Filmportal über „Ich und Kaminski“
Film-Zeit über „Ich und Kaminski“
Moviepilot über „Ich und Kaminski“
Rotten Tomatoes über „Ich und Kaminski“ (derzeit noch keine Kritiken)
Wikipedia über „Ich und Kaminski“ (Roman) und Daniel Kehlmann
Perlentaucher über „Ich und Kaminski“
Homepage von Daniel Kehlmann

Meine Besprechung von Daniel Kehlmann/Detlev Bucks „Die Vermessung der Welt – Das Buch zum Film“ (2012)

Meine Besprechung von Wolfgang Beckers Daniel-Kehlmann-Verfilmung „Ich und Kaminski“ (Deutschland/Belgien 2015)


TV-Tipp für den 15. August: Das Versprechen

August 15, 2018

ARD, 22.45

Das Versprechen – Erste Liebe lebenslänglich (The Promise, Deutschland 2016)

Regie: Marcus Vetter, Karin Steinberger

Drehbuch: Marcus Vetter, Karin Steinberger

Informative, spannende und sehr akribische Doku über den deutschen Diplomatensohn Jens Söring, der seit 1990 in den USA im Gefängnis sitzt. Er soll am 30. März 1985 die Eltern von seiner Freundin und ersten großen Liebe Elizabeth Haysom in ihrem Haus in Lynchburg, Virginia bestialisch ermordet haben. Er behauptet, unschuldig zu sein und die neueren Beweise unterstützen seine Version.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Jens Söring, Gail Marshall, Tom Elliott, William Sweeney, Ricky Gardner, Gail Ball, Chuck Reid, Rich Zorn, Dave Watson, Tony Buchanan, Carlos Santos, Steven Rosenfield

und den Stimmen von Imogen Poots und Daniel Brühl

Wiederholung: Donnerstag, 16. August, 02.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Das Versprechen“

Moviepilot über „Das Versprechen“

Wikipedia über „Das Versprechen“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Marcus Vetter/Karin Steinbergers „The Forecaster“ (Deutschland 2014)

Meine Besprechung von Marcus Vetter/Karin Steinbergers „Das Versprechen – Erste Liebe lebenslänglich“ (The Promise, Deutschland 2016) und der DVD

The New Yorker: ausführliche Reportage von Nathan Heller über den Mordfall (9. November 2015)

Michael Remke: Neue Beweise für Unschuld des Diplomaten-Sohns? (Die Welt, 5. Mai 2017)


Neu im Kino/Filmkritik: „7 Tage in Entebbe“: deutsche Flugzeugentführer, israelische Geisel und eine Befreiung

Mai 5, 2018

Am 27. Juni 1976 entführen Mitglieder der deutschen Terrorgruppe „Revolutionäre Zellen“ und der „Volksfront zur Befreiung Palästinas“ die Air-France-Maschine 139, Das Linienflugzeug landet mit 270 Menschen (12 Besatzungsmitglieder, 258 Passagiere) in Entebbe, wo sie von dem ugandischen Diktator Idi Amin aufgenommen werden. Er quartiert sie in einem leerstehenden Bereich des Flughafens ein.

Die Entführer versuchen in den nächsten Tagen ihre Geisel in der heißen und stickigen Flughafenhalle ruhig zu halten. Sie fordern die Freilassung von 53 in Israel, Frankreich, Deutschland und der Schweiz inhaftierten Terroristen und fünf Millionen US-Dollar.

In Israel fragen sich Premierminister Yitzhak Rabin und sein Verteidigungsminister Shimon Peres, der eine harte Keine-Verhandlungen-Linie verfolgt, wie sie mit der Geiselnahme umgehen sollen. Letztendlich – und das ist für alle, die sich auch nur oberflächlich mit der Geschichte des internationalen Terrorismus in den siebziger Jahren beschäftigten, eine vertraute und bekannte Geschichte – schickt Israel, unter der Leitung von Brigadegeneral Dan Schomron, eine Einheit des Militärs zur Befreiung der über hundert Geisel.

Diese erfolgreiche Befreiung, bei der alle sieben Geiselnehmer, ungefähr zwanzig ugandische Soldaten, ein israelischer Soldat und drei Geisel starben, wurde anschließend mehrmals verfilmt. Wenige Monate nach der Befreiung konkurrierten drei hochkarätig besetzte Filme um die Aufmerksamkeit des Publikums. Am bekanntesten ist heute noch Irvin Kershners „…die keine Gnade kennen“ (mit Charles Bronson, Peter Finch und Horst Buchholz). Unbekannter sind Marvin J. Chomskys „Unternehmen Entebbe“ (mit Burt Lancaster, Elizabeth Taylor und Anthony Hopkins) und Menahan Golans „Operation Thunderbolt“ (mit Klaus Kinski und Sybill Danning).

7 Tage in Entebbe“-Regisseur José Padilha kämpft in seiner Version der damaligen Ereignisse nicht nur gegen diese Filme an, sondern auch gegen die zahlreichen anderen Thriller, die Flugzeugentführungen schildern und dabei mehr oder weniger dicht an zahllosen weiteren wahren Fällen bleiben. Zum Beispiel der Chuck-Norris-Trash „Delta Force“, der von der Entführung des TWA Flug 847 am 14. Juni 1985 inspiriert war und durchaus eindrucksvoll das Leid der entführten Passagiere und Besatzungsmitglieder schildert. Oder Roland Suso Richters überzeugender Thriller „Mogadischu“ über die Entführung der Lufthansa-Maschine „Landshut“ am 13. Oktober 1977 und die erfolgreiche Geiselbefreiung durch die GSG 9. Um nur zwei Filme zu nennen, in denen eine Flugzeugentführung mit anschließender erfolgreicher Befreiung durch eine Spezialeinheit im Mittelpunkt stehen.

Gegenüber diesen Werken muss ein Remake gerechtfertigt werden. Es muss der bekannten Geschichte neue Facetten abgewinnen.

Drehbuchautor Gregory Burke und Regisseur José Padilha schienen dafür eine gute Wahl zu sein. Gregory Burke schrieb das Drehbuch für den grandiosen, dialogarmen IRA-Thriller „71 – Hinter feindlichen Linien“. José Padilha bewies mit „Tropa de Elite“, „Elite Squad – Im Sumpf der Korruption“ und der Netflix-Serie „Narcos“, dass er in einer Actiondramaturgie gut komplexe Sachverhalte erzählen kann. Mit seinem „Robocop“-Remake setzte er selbstbewusst eigene Akzente. Auch weil er konsequent die naheliegenden Actionszenen vermied. Mit ihnen als Macher und den neuen Erkenntnissen, die sie in ihrem Film verarbeiteten, durfte man auf eine faszinierende, spannende und informative Nacherzählung der damaligen Ereignisse erwarten.

Umso enttäuschender ist dann der Film. Er folgt den historisch verbürgten Ereignissen. Aber er hat überhaupt kein Interesse daran, sie für ein breites Publikum verständlich zu machen. Die Zuschauer, die nichts über den damaligen Linksterrorismus wissen, verstehen nichts. Die Motive der Entführer bleiben rätselhaft. Mehr als einige Soundbytes aus einer Filterblase, deren Bedeutung man nur mit dem nötigen Hintergrundwissen erfasst, bleiben nicht übrig. Entsprechend blass bleiben die Entführer. Das gilt vor allem für Daniel Brühl als Wilfried Böse und Rosamund Pike als Brigitte Kuhlmann. Die anderen Entführer sind noch nicht einmal bessere Nebendarsteller. Die Geisel bleiben eine austauschbare und geduldige Verfügungsmasse, über die man nichts erfährt und für die man sich daher nicht weiter interessiert.

Nur bei den Diskussionen und Machtkämpfen zwischen Yitzhak Rabin und Shimon Peres wird es spannend. In diesen Szenen duellieren sich Lior Ashkenazi (zuletzt, neben Richard Gere, in „Norman“) als Yitzhak Rabin und, gewohnt brillant, Eddie Marsan als Shimon Peres. Sie ringen mit der Frage, wie sie auf die Entführung reagieren sollen und gleichzeitig kämpfen sie um ihre politische Machtposition.

Ein dritter Erzählstrang ist die Vorbereitung und Durchführung der Geiselbefreiung. Für diesen Plot und die Befreiung, die in einem anderen Film die große Actionsequenz wäre, interessiert Padilha sich kaum. Noch konsequenter als in „Robocop“ vermeidet er hier die üblichen Bilder. Anstatt im Detail zu zeigen, wie die Befreiung abläuft, schneidet er in diesen Momenten immer wieder zu dem Stuhltanz aus Ohad Naharins von der Batsheva Dance Company gespieltem Tanzstück „Echad Mi Yodea“. Der Tanz verarbeitet den Zuzug jüdischer Menschen vor und nach dem Zweiten Weltkrieg nach Palästina. Während der Performance legen die Tänzer immer mehr Kleider ab. Ein Tänzer legt seine Kleidung nicht ab. Er rutscht immer wieder von seinem Stuhl herunter. Der Tanz ist selbstverständlich eine Metapher, die im Rahmen des Films verschieden interpretiert werden kann. Das ist eine interessante Idee, die nicht funktioniert. Der Tanz bleibt ein Fremdkörper im Film.

Dem Film selbst gelingt es nie, die Relevanz der damaligen Ereignisse für die Gegenwart deutlich zu machen. Und als Geschichtsstunde funktioniert er auch nur bei den Menschen, die über ein ordentliches Hintergrundwissen zu den damaligen Ereignissen, Diskussionen und Auswirkungen verfügen.

Für alle anderen bleibt nur ein beliebiger Entführungsthriller mit viel 70-Jahre-Patina und etwas Revolutionärskitsch.

7 Tage in Entebbe (7 Days in Entebbe, USA/Großbritannien 2018)

Regie: José Padilha

Drehbuch: Gregory Burke

mit Daniel Brühl, Rosamund Pike, Eddie Marsan, Lior Ashkenazi, Denis Menochet, Ben Schnetzer, Nonso Anozie

Länge: 107 Minuten

FSK: ?

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „7 Tage in Entebbe“

Metacritic über „7 Tage in Entebbe“

Rotten Tomatoes über „7 Tage in Entebbe“

Wikipedia über „7 Tage in Entebbe“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von José Padilhas „Tropa de Elite“ (Tropa de Elite, Brasilien/USA 2007)

Meine Besprechung von José Padilhas „Robocop“ (Robocop, USA 2014)

Meine Besprechung von José Padilhas „Narcos – Die komplette erste Staffel“ (Narcos, USA 2015)


TV-Tipp für den 11. April: Die fetten Jahre sind vorbei

April 10, 2018

3sat, 22.35

Die fetten Jahre sind vorbei (Deutschland 2004)

Regie: Hans Weingartner

Drehbuch: Katharina Held, Hans Weingartner

Mit eher spaßigen Einbrüchen leben zwei Freunde in Berlin ihre Version der Revolution gegen das System aus. Dann gibt es „Jules und Jim“-Liebesprobleme und bei einem ihrer Einbrüche begegnen sie dem Hausherr, den sie spontan in die Berge entführen. Dort müssen sie feststellen, dass der böse Kapitalist ein Alt-68er ist.

Mehr sympathisch als revolutionär, aber: „Interessante Denkanstöße liefert der sehenswerte Film allemal.“ (Martin Schwarz, Zitty 25/2004)

Mit knapp 900.000 Kinobesuchern war Hans Weingartners Film damals ein für Diskussionen sorgender Kinohit. Auch wenn 2004 Werke wie „(T)Raumschiff Surprise – Periode 1“, „Sieben Zwerge – Männer allein im Wald“, „Der Untergang“ und „Der Wixxer“ deutlich mehr Besucher hatten.

3sat zeigt die etwas kürzere TV-Fassung in der die Schlusssequenz fehlt. Die Kinofassung endet offener.

mit Daniel Brühl, Julia Jentsch, Stipe Erceg, Burghart Klaußner, Claudio Caiolo, Bernhard Bettermann

Hinweise

Filmportal über „Die fetten Jahre sind vorbei“

Moviepilot über „Die fetten Jahre sind vorbei“

Rotten Tomatoes über „Die fetten Jahre sind vorbei“

Wikipedia über „Die fetten Jahre sind vorbei“ (deutsch, englisch)

Schnittberichte vergleicht die Fassungen


TV-Tipp für den 7. April: Inglourious Basterds

April 7, 2018

ZDFneo, 22.00

Inglourious Basterds (Inglourious Basterds, USA/Deutschland 2009)

Regie: Quentin Tarantino [Regie „Nation’s Pride“: Eli Roth]

Drehbuch: Quentin Tarantino (deutsche Dialoge: Tom Tykwer; französische Dialoge: Nicholas Richard)

Frankreich, 1944: Aldo Raine und seine Spezialeinheit sind zum Nazi-Skalpieren nach Europa gekommen. Die Jüdin Shosanna will den SS-Mann Hans Landa (Oscar für Christoph Waltz), der ihre Familie umbrachte, töten. In Paris, in einem Kino, treffen sie sich.

Ein feiner Kriegsfilm, den man unbedingt in der Originalfassung, in der meisterlich zwischen den verschiedenen Sprachen gewechselt wird, ansehen sollte. Außerdem wird auch im Original die meiste Zeit deutsch gesprochen.

Wahrscheinlich wird die deutsche Synchronisation gezeigt.

mit Brad Pitt, Mélanie Laurent, Eli Roth, Christoph Waltz, Michael Fassbender, Diane Kruger, Daniel Brühl, Til Schweiger, Gedeon Burkhard, Jacky Ido, B. J. Novak, Omar Doom, August Diehl, Sylvester Groth, Martin Wuttke, Mike Myers, Julie Dreyfus, Mike Myers, Rod Taylor, Sönke Möhring, Ken Duken, Christian Berkel, Ludger Pistor, Jana Pallaske, Bo Svenson, Enzo G. Castellari (als er selbst), Samuel L. Jackson (Erzähler in der Originalversion)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Inglourious Basterds“

Rotten Tomatoes über „Inglourious Basterds“

Collider: Interviews zum Film mit Christoph Waltz, Eli Roth, Samm Levine, B. J. Novak, Diane Kruger und Melanie Laurent

YouTube: Cannes-Pressekonferenz “Inglourious Basterds” (Teil 1, Teil 2)

The Quentin Tarantino Archives (Fanseite)

Everthing Tarantino (dito)

Q-Tarantino.de (noch eine Fanseite)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über ‘Inglourious Basterds’“ (Kleine Schriften zum Film: 1, 2009)

Meine Besprechung von Quentin Tarantinos „Django Unchained“ (Django Unchained, USA 2012)

Kriminalakte über Quentin Tarantino und „Django Unchained“ (Bilder,Pressekonferenz und Comic)

Meine Bespechung von Quentin Tarantinos „The Hateful 8“ (The Hateful Eight, USA 2015)

 Quentin Tarantino in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 13. Dezember: Colonia Dignidad – Es gibt kein Zurück

Dezember 13, 2017

Pro7, 20.15

Colonia Dignidad – Es gibt kein Zurück (Deutschland/Luxemburg/Frankreich 2015)

Regie: Florian Gallenberger

Drehbuch: Torsten Wenzel, Florian Gallenberger

Chile, 1973: Als ihr Freund während des Militärputschs verschwindet, macht Lena sich auf die Suche nach ihm. Sie glaubt, dass er in der Colonia Dignidad festgehalten wird. Als unlängst zum Christentum Bekehrte schleust sie sich in die von dem Deutschen Paul Schäfer geleitete, abgeschottet im Süden Chiles residierende Sekte ein. Dort entdeckt sie ein Terrorregime, das eine äußerst genaue Beschreibung des Lebens in der Colonia Dignidad ist. Sie wurde 1961 von dem ehemaligen evangelischen Jugendpfleger, Laienprediger und Pädophilen Paul Schäfer gegründet. In ihr sollte ein urchristliches Leben geführt werden. Seine Jünger, alles Deutsche, verehrten ihn.

Insgesamt sehenswerter Polit-Thriller, der zum Kinostart mit einer erfundenen Geschichte (Lena und ihr Freund Daniel sind erfundene Charaktere) ein unrühmliches Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte wieder ins öffentliche Bewusstsein zurückholte: die Colonia Dignidad, ihre Unterstützung durch die deutsche Politik (vor allem CSUler) und ihre Beziehungen zum chilenischen Pinochet-Folterregime.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

Es kann sein, dass um 20.15 Uhr eine gekürzte Fassung gezeigt wird. Die Nachtwiederholung müsste dann die ungekürzte Kinofassung sein.

mit Emma Watson, Daniel Brühl, Michael Nyqvist, Richenda Carey, Vicky Krieps, Jeanne Werner, Julian Ovenden, August Zirner, Martin Wuttke

Wiederholung: Donnerstag, 14. Dezember, 00.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise
Homepage zum Film
Filmportal über „Colonia Dignidad“
Moviepilot über „Colonia Dignidad“
Rotten Tomatoes über „Colonia Dignidad“
Wikipedia über „Colonia Dignidad“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Florian Gallenbergers „Colonia Dignidad – Es gibt kein Zurück“ (Deutschland/Luxemburg/Frankreich 2015)


TV-Tipp für den 15. November: Das Versprechen

November 15, 2017

Arte, 20.15

Das Versprechen – Erste Liebe lebenslänglich (The Promise, Deutschland 2016)

Regie: Marcus Vetter, Karin Steinberger

Drehbuch: Marcus Vetter, Karin Steinberger

Informative, spannende und sehr akribische Doku über den deutschen Diplomatensohn Jens Söring, der seit 1990 in den USA im Gefängnis sitzt. Er soll am 30. März 1985 die Eltern von seiner Freundin und ersten großen Liebe Elizabeth Haysom in ihrem Haus in Lynchburg, Virginia bestialisch ermordet haben. Er behauptet, unschuldig zu sein und die neueren Beweise unterstützen seine Version.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Jens Söring, Gail Marshall, Tom Elliott, William Sweeney, Ricky Gardner, Gail Ball, Chuck Reid, Rich Zorn, Dave Watson, Tony Buchanan, Carlos Santos, Steven Rosenfield

und den Stimmen von Imogen Poots und Daniel Brühl

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Das Versprechen“

Moviepilot über „Das Versprechen“

Wikipedia über „Das Versprechen“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Marcus Vetter/Karin Steinbergers „The Forecaster“ (Deutschland 2014)

Meine Besprechung von Marcus Vetter/Karin Steinbergers „Das Versprechen – Erste Liebe lebenslänglich“ (The Promise, Deutschland 2016) und der DVD

The New Yorker: ausführliche Reportage von Nathan Heller über den Mordfall (9. November 2015)

Michael Remke: Neue Beweise für Unschuld des Diplomaten-Sohns? (Die Welt, 5. Mai 2017)


TV-Tipp für den 27. September: Die Frau in Gold

September 26, 2017

RBB, 23.00

Die Frau in Gold (Woman in Gold, GB/USA 2015)

Regie: Simon Curtis

Drehbuch: Alexi Kaye Campbell

Die im Zweiten Weltkrieg in die USA geflohene Jüdin Maria Altmann hätte gerne wieder das titelgebende Klimt-Gemälde von ihre Tante Adele. Dummerweise ist das Jugendstilgemälde inzwischen zu einer Ikone der österreichischen Identität geworden und Österreich denkt gar nicht daran, Altmann das Gemälde zurückzugeben.

Gutes, gefällig inszeniertes, auf einem wahren Fall basierendes britisches Schauspielerkino mit entsprechend pointierten Dialogen und einem noblen Anliegen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Helen Mirren, Ryan Reynolds, Daniel Brühl, Max Irons, Elizabeth McGovern, Katie Holmes, Tatiana Maslany, Antje Traue, Justus von Dohnányi, Tom Schilling, Charles Dance, Jonathan Pryce, Frances Fisher, Moritz Bleibtreu

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Die Frau in Gold“
Moviepilot über „Die Frau in Gold“
Metacritic über „Die Frau in Gold“
Rotten Tomatoes über „Die Frau in Gold“
Wikipedia über „Die Frau in Gold“ (deutsch, englisch)
History vs. Hollywood über „Die Frau in Gold“
Meine Besprechung von Simon Curtis‘ „My Week with Marilyn“ (My Week with Marilyn, GB 2011)

Meine Besprechung von Simon Curtis‘ „Die Frau in Gold“ (Woman in Gold, GB/USA 2015)


TV-Tipp für den 21. Juli: Ich und Kaminski

Juli 20, 2017

Arte, 20.15

Ich und Kaminski (Deutschland/Belgien 2015)

Regie: Wolfgang Becker

Drehbuch: Wolfgang Becker, Thomas Wendrich

LV: Daniel Kehlmann: Ich und Kaminski, 2003

Journalist Sebastian Zöllner ist ein ausgemachtes, von sich selbst überzeugtes Arschloch, das sich mit einer Biographie über den legendären, blinden Maler Manuel Kaminski finanziell sanieren will. Dummerweise ist der 85-jährige Künstler auch kein Kind von Traurigkeit.

Enorm kurzweiliger, verspielter, einfallsreicher und in jeder Beziehung schöner Film von „Good Bye, Lenin!“-Regisseur Wolfgang Becker über unsympathische Menschen.

Mehr in meiner Besprechung.

mit Daniel Brühl, Jesper Christensen, Amira Casar, Denis Lavant, Jördis Triebel, Geraldine Chaplin, Jan Decleir, Joacques Herlin, Josef Hader, Peter Kurth, Milan Peschel, Patrick Bauchau

Wiederholung: Sonntag, 30. Juli, 01.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise
Homepage zum Film
Filmportal über „Ich und Kaminski“
Film-Zeit über „Ich und Kaminski“
Moviepilot über „Ich und Kaminski“
Rotten Tomatoes über „Ich und Kaminski“ (derzeit noch keine Kritiken)
Wikipedia über „Ich und Kaminski“ (Roman) und Daniel Kehlmann
Perlentaucher über „Ich und Kaminski“
Homepage von Daniel Kehlmann

Meine Besprechung von Daniel Kehlmann/Detlev Bucks „Die Vermessung der Welt – Das Buch zum Film“ (2012)

Meine Besprechung von Wolfgang Beckers Daniel-Kehlmann-Verfilmung „Ich und Kaminski“ (Deutschland/Belgien 2015)


TV-Tipp für den 16. Juli: Die Frau in Gold

Juli 15, 2017

Wer den Film am Mitwoch verpasste

One, 20.15

Die Frau in Gold (Woman in Gold, GB/USA 2015)

Regie: Simon Curtis

Drehbuch: Alexi Kaye Campbell

Die im Zweiten Weltkrieg in die USA geflohene Jüdin Maria Altmann hätte gerne wieder das titelgebende Klimt-Gemälde von ihre Tante Adele. Dummerweise ist das Jugendstilgemälde inzwischen zu einer Ikone der österreichischen Identität geworden und Österreich denkt gar nicht daran, Altmann das Gemälde zurückzugeben.

Gutes, gefällig inszeniertes, auf einem wahren Fall basierendes britisches Schauspielerkino mit entsprechend pointierten Dialogen und einem noblen Anliegen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Helen Mirren, Ryan Reynolds, Daniel Brühl, Max Irons, Elizabeth McGovern, Katie Holmes, Tatiana Maslany, Antje Traue, Justus von Dohnányi, Tom Schilling, Charles Dance, Jonathan Pryce, Frances Fisher, Moritz Bleibtreu

Wiederholung: Samstag, 22. Juli, 10.00 Uhr

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Die Frau in Gold“
Moviepilot über „Die Frau in Gold“
Metacritic über „Die Frau in Gold“
Rotten Tomatoes über „Die Frau in Gold“
Wikipedia über „Die Frau in Gold“ (deutsch, englisch)
History vs. Hollywood über „Die Frau in Gold“
Meine Besprechung von Simon Curtis‘ „My Week with Marilyn“ (My Week with Marilyn, GB 2011)

Meine Besprechung von Simon Curtis‘ „Die Frau in Gold“ (Woman in Gold, GB/USA 2015)


TV-Tipp für den 12. Juli: Die Frau in Gold

Juli 11, 2017

ARD, 20.15

Die Frau in Gold (Woman in Gold, GB/USA 2015)

Regie: Simon Curtis

Drehbuch: Alexi Kaye Campbell

Die im Zweiten Weltkrieg in die USA geflohene Jüdin Maria Altmann hätte gerne wieder das titelgebende Klimt-Gemälde von ihre Tante Adele. Dummerweise ist das Jugendstilgemälde inzwischen zu einer Ikone der österreichischen Identität geworden und Österreich denkt gar nicht daran, Altmann das Gemälde zurückzugeben.

TV-Premiere. Gutes, gefällig inszeniertes, auf einem wahren Fall basierendes britisches Schauspielerkino mit entsprechend pointierten Dialogen und einem noblen Anliegen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Helen Mirren, Ryan Reynolds, Daniel Brühl, Max Irons, Elizabeth McGovern, Katie Holmes, Tatiana Maslany, Antje Traue, Justus von Dohnányi, Tom Schilling, Charles Dance, Jonathan Pryce, Frances Fisher, Moritz Bleibtreu

Wiederholung: Donnerstag, 13. Juli, 00.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Die Frau in Gold“
Moviepilot über „Die Frau in Gold“
Metacritic über „Die Frau in Gold“
Rotten Tomatoes über „Die Frau in Gold“
Wikipedia über „Die Frau in Gold“ (deutsch, englisch)
History vs. Hollywood über „Die Frau in Gold“
Meine Besprechung von Simon Curtis‘ „My Week with Marilyn“ (My Week with Marilyn, GB 2011)

Meine Besprechung von Simon Curtis‘ „Die Frau in Gold“ (Woman in Gold, GB/USA 2015)


DVD-Kritik: „Das Versprechen – Erste Liebe lebenslänglich“ für einen Diplomatensohn, der an die große Liebe glaubte

Mai 22, 2017

Zum Kinostart der beeindruckenden Dokumentation „Das Versprechen – Erste Liebe lebenslänglich“ über einen möglichen Justizirrtum schrieb ich:

Damals war der Fall eine Boulevardsensation, der alles hatte, was ein deftiger Hollywoodthriller benötigt. Aber seltsamerweise wurde der Fall bislang noch nicht zu einem Spielfilm verarbeitet und jetzt, nach mehreren US-TV-Dokumentationen, gibt es eine spielfilmlange Dokumentation darüber. In „Das Versprechen – Erste Liebe lebenslänglich“ zeichnen Marcus Vetter und Karin Steinberger die Geschichte von Jens Söring und Elisabeth Haysom nach.

Im August 1984 lernt der am 1. August 1966 in Thailand geborene deutsche Diplomatensohn und Hochbegabtenstipendiat Jens Söring auf dem Orientierungsabend der Universität von Virginia Elizabeth Roxanne Hawson, die am 15. April 1964 geborene Tochter eines Stahlbarons kennen. Sie verlieben sich.

Am 30. März 1985 werden die Eltern von Elizabeth, Derek und Nancy Haysom, in ihrem Haus in Lynchburg, Virginia bestialisch ermordet.

Elizabeth Haysom und Jens Söring, die zunächst nicht verdächtigt werden, flüchten nach Thailand und Europa, wo sie am 30. April 1986 in London wegen Scheckbetrugs verhaftet werden. Bei den Verhören gestehen sie die Tat. Später widerrufen sie ihre Geständnisse.

1990 wird Haysom wegen Anstiftung zum Mord zu neunzig Jahren verurteilt. Söring wird am 4. September 1990 zu zweimal lebenslänglicher Haft verurteilt.

Damit könnte die Geschichte enden, wenn Söring nicht seitdem um seine Freilassung kämpfen würde. Er behauptet, an dem Doppelmord nicht beteiligt gewesen zu sein, sondern, nachdem Haysom ihm den Doppelmord gestanden hatte, beschloss, ihr mit einem Geständnis zu helfen. Er dachte, dass er als Diplomatensohn diplomatische Immunität genieße und höchstens für einige Jahre in den Jugendknast kommen könne. Das war ihm seine große Liebe wert.

Es gab auch während des Verfahrens, wie „Das Versprechen“ zeigt, Probleme und Merkwürdigkeiten, wie ein Richter, der schon vor dem Prozess von Sörings Schuld überzeugt war, ein spurlos verschwundenes FBI-Täterprofil, das Söring entlastet und Experten, die zu Themen aussagten, von denen sie keine Ahnung hatten.

Seitdem gab es auch einen Zeugen, der Haysom mit einen anderen Mann in einem blutverschmiertem Auto gesehen haben will. Und, das dürfte der wichtigste Punk für eine immer noch nicht erfolgte Neuaufnahme des Verfahrens sein, keine DNA-Blutspuren von Söring am Tatort. Dafür seien die Spuren einer anderen, nicht identifizierten Person gefunden worden.

Das alles und noch viel mehr (so war Haysom drogenabhängig und behauptete von ihrer Mutter sexuell missbraucht worden zu sein) dröseln Vetter und Steinberger in ihrem zweistündigem, niemals langweilig werdendem Film auf, der sich auch als Plädoyer für Jens Söring, an dessen Unschuld sie glauben, versteht. Auch die im Film befragten Personen glauben an Sörings Unschuld. Söring, der auch zu Wort kommt, beteuert sie ebenfalls. Die andere Seite, Elizabeth Haysom und die Ankläger kommen dagegen nicht zu Wort. Sie verweigerten Interviews.

Weil die beiden Filmemacher sachlich und schlüssig argumentieren und die neuen Fakten die offizielle Version fraglich erscheinen lassen, ist die Forderung nach einer Neuaufnahme des Verfahrens in jedem Fall gerechtfertigt. Es spricht auch einiges dafür, dass Söring als über beide Ohren verliebter Pennäler die Tat gestand, um seiner Freundin zu imponieren. Wie sehr sie ihn benutzte, ist dagegen unklar.

Insofern ist „Das Versprechen“, wenn man sie mit der gebotenen Skepsis ansieht, sehenswert.

 

Seit dem Kinostart Ende Oktober 2016 gab es neue Entwicklungen. Die wichtigste ist ein neues Gutachten. Sheriff J. E. „Chip“ Harding erstellte es im Auftrag der Verteidigung. Er kommt zu dem Ergebnis, dass Söring tatsächlich unschuldig sein könnte. In jedem Fall hält er jeden Beweis der Staatsanwaltschaft für ungenau, unverlässlich und im Widerspruch zu wissenschaftlichen Erkenntnissen. Auch aufgrund der in den vergangenen Jahren aufgetauchten Beweise würde Söring heute nicht mehr verurteilt werden.

Bis September will der demokratische Gouverneur Terry McAuliffe über ein Gnadengesuch entscheiden.

Die DVD enthält letztendlich nur den Film.

Das Bonusmaterial besteht aus auch auf der Film-Homepage ansehbaren Werbeclips, die in die Kategorien „Die Liebesbriefe“ und „Die Protagonisten“ eingeteilt wurden. Hier werden Chuck Reid, Ricky Gardner, Richard Zorn, Gail Marshall, Tom Elliott, Gail Ball & Dave Watson, Steven Rosenfeld, William Sweeney, Tony Buchanan, Ed Sulzbach und Carlos Santos in kurzen Cklips gezeigt, die es in teilweise minimal längeren Versionen auch auf der Film-Homepage gibt. Hinter „Die Liebesbriefe“ verbergen sich die Clips „Wie alles begann“, „Eine schicksalhafte Entscheidung“ und „Der Verrat“.

Das Versprechen – Erste Liebe lebenslänglich (The Promise, Deutschland 2016)

Regie: Marcus Vetter, Karin Steinberger

Drehbuch: Marcus Vetter, Karin Steinberger

mit Jens Söring, Gail Marshall, Tom Elliott, William Sweeney, Ricky Gardner, Gail Ball, Chuck Reid, Rich Zorn, Dave Watson, Tony Buchanan, Carlos Santos, Steven Rosenfield

und den Stimmen von Imogen Poots und Daniel Brühl

DVD

Farbfilm Home Entertainment

Bild: 1:2,35 (Cinemascope)

Ton: Originalfassung (Deutsch/Englisch, Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte

Bonusmaterial: Hörfilmfassung, Die Protagonisten, Die Liebesbriefe

Länge: 118 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Zum Lesen

Die Autobiographie von Jens Söring, der im Gefängnis mehrere Bücher schrieb

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Jens Söring: Zweimal lebenslänglich – Wie ich seit drei Jahrzehnten für meine Freiheit kämpfe

(mit einem aktuellen Vorwort von Karin Steinberger)

(aus dem Englischen übersetzt von Ulrike Strerath-Bolz)

Knaur, 2016

416 Seiten

10,99 Euro

Erstausgabe

Knaur Verlag, 2012

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Das Versprechen“

Moviepilot über „Das Versprechen“

Wikipedia über „Das Versprechen“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Marcus Vetter/Karin Steinbergers „The Forecaster“ (Deutschland 2014)

Meine Besprechung von Marcus Vetter/Karin Steinbergers „Das Versprechen – Erste Liebe lebenslänglich“ (The Promise, Deutschland 2016)

The New Yorker: ausführliche Reportage von Nathan Heller über den Mordfall (9. November 2015)

Michael Remke: Neue Beweise für Unschuld des Diplomaten-Sohns? (Die Welt, 5. Mai 2017)


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: Zur neuen Hans-Fallada-Verfilmung „Jeder stirbt für sich allein“

November 18, 2016

Hans Falladas nach dem Kriegsende geschriebene Fiktionalisierung der Taten des Ehepaares Otto und Elise Hampel ist einer der Klassiker der deutschen Literatur. Das Ehepaar lebte in der Amsterdamer Straße 10 (Berlin-Wedding). Nach dem Tod ihres Bruders an der Westfront wurden die Hampels zu Regimegegner. Zwischen September 1940 und September 1942 verfassten sie über zweihundert Karten, in denen sie zum Widerstand und zur Sabotage aufriefen. Die Karten hinterlegten sie in Treppenhäusern. Am 8. April 1943 wurden sie in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Nach dem Kriegsende erhielt Hans Fallada vom „Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands“ die Prozessakten. Im Oktober/November 1945 schrieb er in vier Wochen den Roman, der in der ersten Fassung 866 Typoskriptseiten umfasste, die vor der Veröffentlichung von Lektor Paul Wiegler überarbeitet wurden. 1947, kurz nach dem Tod von Hans Fallada, erschien im neugegründeten Aufbau-Verlag die Erstauflage von „Jeder stirbt für sich allein“, die seitdem unzählige Neuauflage erlebte. Übersetzungen gab es auch. Als der Roman 2009 in einer gekürzten Fassung erstmals ins Englische übersetzt wurde, wurde er sogar ein weltweiter Bestseller. In Deutschland erschien 2011 im Aufbau-Verlag eine ungekürzte Neuausgabe, die ebenfalls ein Bestseller wurde.

In dem Moment wollten Regisseur Vincent Pérez und der X-Filme-Produzent Stefan Arndt bereits den Roman wieder verfilmen. Es gibt bereits mehrere Verfilmungen, wobei die bekannteste die 1975er-Verfilmung von Alfred Vohrer ist. Arndt wollte das Buch als deutsche Produktion mit deutschen Schauspielern verfilmen. Aber er fand keine Geldgeber. Was angesichts der jetzt in den Kinos angelaufenen Verfilmung nicht nachvollziehbar ist. Als die damals erschienene englische Übersetzung sich zu einem Bestseller entwickelte, war die Idee geboren, den Film in Englisch für ein weltweites Publikum zu drehen. Und das taten sie dann auch.

Im Film stehen Anna (Emma Thompson) und Otto Quangel (Brendan Gleeson) im Mittelpunkt. Nach dem Tod ihres Sohnes im Krieg entschließen sie sich zum stillen Protest, indem sie in Berlin Postkarten auslegen. Ihnen auf der Spur ist Kommissar Escherich (Daniel Brühl).

Ergänzt wird dieser Krimiplot um zahlreiche Episoden aus dem Haus, die so ein Bild des Lebens in der Nazi-Diktatur entwerfen.

Man muss den gut siebenhundertseitigen Roman nicht kennen, um zu wissen, dass für den Film, der mit knapp hundert Minuten (ohne Abspann) eher kurz geraten ist, vieles aus dem Roman gestrichen wurde. Der Roman entfaltet ein breites Panorama der damaligen Zeit und der Bewohner des Mietshauses, in dem das Ehepaar Quangel lebt. Der Film erzählt dagegen vor allem eine Geschichte aus dem Haus. Außerdem endet der Film letztendlich mit der Verhaftung der Quangels, die im Roman in der aktuellen Ausgabe schon auf den Seiten 480 (er) und 491 (sie) ist. Der Roman endet in dieser Ausgabe auf Seite 668. Die Kürzungen fallen allerdings, solange man die Vorlage nicht kennt, nicht auf und allein schon das spricht für den Film und die Arbeit der Macher die eine Geschichte des stillen und gewaltlosen Widerstandes von zwei ganz normalen Leuten erzählen wollten.

Und das gelingt Pérez. Auch weil er sich auf Brendan Gleeson und Emma Thompson als Hauptdarsteller verlassen kann. Filmisch folgt „Jeder stirbt für sich allein“ dabei den Konventionen einer Romanverfilmung ohne eine wirklich eigene Handschrift. Es ist halt gediegenes Unterhaltungskino mit Anspruch und einer begrüßenswerten Botschaft.

Damit reiht sich „Jeder stirbt für sich allein“ in die von Fred Breinersdorfer geschriebene Widerstand-Trilogie ein, in der er mit „Sophie Scholl – Die letzten Tage“, „Elser – Er hätte die Welt verändert“ und „Das Tagebuch der Anne Frank“ drei Schicksale junger Menschen aus der Nazi-Diktatur nah an der historischen Wahrheit erzählte (die von verschiedenen Regisseuren verfilmt wurden). Die Quangels sind dagegen schon älter. Alles ist deutlich gesetzter.

Weil die Verfilmung mit internationaler Besetzung für den internationalen Markt gemacht wurde, wird in der Originalfassung englisch gesprochen. Das führt, wie bei der le-Carré-Verfilmung „Marionetten“ (A most wanted man) für uns Deutsche zu der eher seltenen Situation, dass man die synchronisierte Version, in der auch etwas berlinert wird, bevorzugen sollte.

Falladas Roman kann man dann ja während der Weihnachtstage lesen.

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Jeder stirbt für sich allein (Deutschland/Frankreich/Schweiz/Großbritannien 2016)

Regie: Vincent Pérez

Drehbuch: Achim von Borries, Vincent Pérez (in Zusammenarbeit mit Bettine von Borries)

LV: Hans Fallada: Jeder stirbt für sich allein, 1947

mit Emma Thompson, Brendan Gleeson, Daniel Brühl, Mikael Persbrandt, Katrin Pollitt, Lars Rudolph, Uwe Preuss

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Die Vorlage (mit Filmumschlag)

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Hans Fallada: Jeder stirbt für sich allein

(Ungekürzte Neuausgabe)

Aufbau Taschenbuch, 2016 (12. Auflage)

704 Seiten

12,99 Euro

Die ungekürzte Neuausgabe erschien erstmals 2011.

Die Erstausgabe erschien 1947 um Aufbau-Verlag.

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Jeder stirbt für sich allein“

Moviepilot über „Jeder stirbt für sich allein“

Rotten Tomatoes über „Jeder stirbt für sich allein“

Wikipedia über „Jeder stirbt für sich allein“ (deutsch, englisch) und Hans Fallada

Perlentaucher über „Jeder stirbt für sich allein“

Die Zeit: Johannes Groschupf über das Ehepaar Hampel und die historischen Hintergründe des Romans


Neu im Kino/Filmkritik: Über die Doku „Das Versprechen – Erste Liebe lebenslänglich“ für Jens Söring

Oktober 28, 2016

Damals war der Fall eine Boulevardsensation, der alles hatte, was ein deftiger Hollywoodthriller benötigt. Aber seltsamerweise wurde der Fall bislang noch nicht zu einem Spielfilm verarbeitet und jetzt, nach mehreren US-TV-Dokumentationen, gibt es eine spielfilmlange Dokumentation darüber. In „Das Versprechen – Erste Liebe lebenslänglich“ zeichnen Marcus Vetter und Karin Steinberger die Geschichte von Jens Söring und Elisabeth Haysom nach.

Im August 1984 lernt der am 1. August 1966 in Thailand geborene deutsche Diplomatensohn und Hochbegabtenstipendiat Jens Söring auf dem Orientierungsabend der Universität von Virginia Elizabeth Roxanne Hawson, die am 15. April 1964 geborene Tochter eines Stahlbarons kennen. Sie verlieben sich.

Am 30. März 1985 werden die Eltern von Elizabeth, Derek und Nancy Haysom, in ihrem Haus in Lynchburg, Virginia bestialisch ermordet.

Elizabeth Haysom und Jens Söring, die zunächst nicht verdächtigt werden, flüchten nach Thailand und Europa, wo sie am 30. April 1986 in London wegen Scheckbetrugs verhaftet werden. Bei den Verhören gestehen sie die Tat. Später widerrufen sie ihre Geständnisse.

1990 wird Haysom wegen Anstiftung zum Mord zu neunzig Jahren verurteilt. Söring wird am 4. September 1990 zu zweimal lebenslänglicher Haft verurteilt.

Damit könnte die Geschichte enden, wenn Söring nicht seitdem um seine Freilassung kämpfen würde. Er behauptet, an dem Doppelmord nicht beteiligt gewesen zu sein, sondern, nachdem Haysom ihm den Doppelmord gestanden hatte, beschloss, ihr mit einem Geständnis zu helfen. Er dachte, dass er als Diplomatensohn diplomatische Immunität genieße und höchstens für einige Jahre in den Jugendknast kommen könne. Das war ihm seine große Liebe wert.

Es gab auch während des Verfahrens, wie „Das Versprechen“ zeigt, Probleme und Merkwürdigkeiten, wie ein Richter, der schon vor dem Prozess von Sörings Schuld überzeugt war, ein spurlos verschwundenes FBI-Täterprofil, das Söring entlastet und Experten, die zu Themen aussagten, von denen sie keine Ahnung hatten.

Seitdem gab es auch einen Zeugen, der Haysom mit einen anderen Mann in einem blutverschmiertem Auto gesehen haben will. Und, das dürfte der wichtigste Punk für eine immer noch nicht erfolgte Neuaufnahme des Verfahrens sein, keine DNA-Blutspuren von Söring am Tatort. Dafür seien die Spuren einer anderen, nicht identifizierten Person gefunden worden.

Das alles und noch viel mehr (so war Haysom drogenabhängig und behauptete von ihrer Mutter sexuell missbraucht worden zu sein) dröseln Vetter und Steinberger in ihrem zweistündigem, niemals langweilig werdendem Film auf, der sich auch als Plädoyer für Jens Söring, an dessen Unschuld sie glauben, versteht. Auch die im Film befragten Personen glauben an Sörings Unschuld. Söring, der auch zu Wort kommt, beteuert sie ebenfalls. Die andere Seite, Elizabeth Haysom und die Ankläger kommen dagegen nicht zu Wort. Sie verweigerten Interviews.

Weil die beiden Filmemacher sachlich und schlüssig argumentieren und die neuen Fakten die offizielle Version fraglich erscheinen lassen, ist die Forderung nach einer Neuaufnahme des Verfahrens in jedem Fall gerechtfertigt. Es spricht auch einiges dafür, dass Söring als über beide Ohren verliebter Pennäler die Tat gestand, um seiner Freundin zu imponieren. Wie sehr sie ihn benutzte, ist dagegen unklar.

Insofern ist „Das Versprechen“, wenn man sie mit der gebotenen Skepsis ansieht, sehenswert.

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Das Versprechen – Erste Liebe lebenslänglich (The Promise, Deutschland 2016)

Regie: Marcus Vetter, Karin Steinberger

Drehbuch: Marcus Vetter, Karin Steinberger

mit Jens Söring, Gail Marshall, Tom Elliott, William Sweeney, Ricky Gardner, Gail Ball, Chuck Reid, Rich Zorn, Dave Watson, Tony Buchanan, Carlos Santos, Steven Rosenfield

und den Stimmen von Imogen Poots und Daniel Brühl

Länge: 124 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Zum Lesen

Die Autobiographie von Jens Söring, der im Gefängnis mehrere Bücher schrieb

soering-zweimal-lebenslaenglich

Jens Söring: Zweimal lebenslänglich – Wie ich seit drei Jahrzehnten für meine Freiheit kämpfe

(mit einem aktuellen Vorwort von Karin Steinberger)

(aus dem Englischen übersetzt von Ulrike Strerath-Bolz)

Knaur, 2016

416 Seiten

10,99 Euro

Erstausgabe

Knaur Verlag, 2012

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Das Versprechen“

Moviepilot über „Das Versprechen“

Wikipedia über „Das Versprechen“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Marcus Vetter/Karin Steinbergers „The Forecaster“ (Deutschland 2014)

The New Yorker: ausführliche Reportage von Nathan Heller über den Mordfall (9. November 2015)


Neu im Kino/Filmkritik: „The First Avenger: Civil War“ – mal wieder munteres Superheldengekloppe

April 28, 2016

Fast alle aus den vorherigen Avengers-Filmen bekannten Charaktere sind wieder dabei. Ergänzt um einige Neuzugänge wie Black Panther und Spider Man, die in den kommenden Jahren im Marvel Cinematic Universe, der erzählerischen Klammer der Marvel-Filme, eine größere Rolle bekommen sollen. Einzelfilme inclusive.

Die Kloppereien sind gewohnt episch und dieses Mal kämpfen sie wieder gegeneinander. Der Grund dafür ist etwas kompliziert.

Nachdem bei ihren vorherigen Aktionen einiges zu Bruch ging und es auch etliche Kollateralschäden gab, sollen in „The First Avenger: Civil War“ die freischaffend und von niemandem kontrollierten Avengers unter eine UN/US-Aufsicht gestellt werden. Ihr Handeln soll kontrolliert werden. Sie sollen Befehlsempfänger werden. Dann dürfen sie weitermachen. Falls jemand von ihnen dieses Angebot ablehnt, so erklärt ihnen ihr künftiger Chef, General Ross, soll er als Gesetzloser verfolgt werden. Einige der Avengers halten das für eine gute Idee. Einige nicht.

Und dann gibt es noch die Bedrohung durch den Winter Soldier, einer im Ostblock hochgezüchteten Kampfmaschine, die in Wirklichkeit Bucky Barnes, der Jugendfreund von Captain America Steve Rogers ist. Captain America war immer das golden glänzende patriotisch-aufrechte Herz der USA. Zunächst kämpfte der All-American-Boy gegen Nazis. Später gegen andere, nicht minder böse Bösewichter.

Bucky wird, wenn ihm eine bestimmte Abfolge von Worten gesagt wird, zu einer eiskalten Killermaschine, die sich danach nicht an ihre Taten erinnert. Weil einige seiner Taten den Weltfrieden gefährden, sollen die Avengers ihn aufhalten. Tot oder lebendig.

Steve glaubt allerdings, dass Bucky unschuldig ist.

Und dann ist da noch Baron Zemo, ein geheimnisvoller Bösewicht, der den Winter Soldier für seine Ziele einspannen will. Er hat sogar ein sehr nachvollziehbares Motiv für seine Taten. Weil wir das erst am Ende von „Civil War“ erfahren, ist er bis dahin einfach nur ein gefährlicher Bösewicht, der im Film nur die Aufgabe hat, etwas Böses zu tun, damit die Avengers sich gegenseitig verkloppen. Wie in den anderen Marvel-Filmen ist auch in „Civil War“ der Bösewicht blass. Dabei hätten die Macher dieses Mal einen einprägsamen Bösewicht schaffen könne. Aber vielleicht darf Baron Zemo in einem weiteren Marvel-Film auftreten. Dann als vollwertiger Gegner der Avengers.

Im Mittelpunkt von „Civil War“ steht nämlich der episch ausgebreitete Kampf der Avengers gegeneinander und so flott, unterhaltsam und auch witzig der über zweistündige Film ist, so unbefriedigend ist die auch in diesem Superheldenfilm geführte Diskussion über Verantwortung, die kaum das Niveau einer gepflegten Kaffeekonversation erreicht. Anstatt sich in tiefere moralphilosophische Diskussion zu wagen, den Utilitarismus zu problematisieren, die Frage zu diskutieren, ob der Zweck die Mittel heiligt, ob man durch sein Handeln erst die Probleme schafft, die dann mühselig beseitigt werden müssen und über die Verantwortung des Einzelnen für sein Handeln zu reden, wird einfach, wieder einmal, auf Grundschulniveau erklärt, dass man tat, was man tun musste.

Nachdem das Thema in einem Gespräch abgehandelt wurde – der Film ist sowieso sehr redselig -, teilen sich die Avengers in zwei Gruppen auf, die in ihrer Zusammensetzung nie besonders glaubwürdig wirken. Da soll auf der einen Seite der egozentrische, niemand gehorchende Milliardär und notorische Unruhestifter Tony Stark (aka Iron Man) sich plötzlich zum fügsamen Befehlsempfänger wandeln, weil er nach dem Kampf gegen Ultron über sein Handeln nachdachte. Auf der anderen Seite steht der immer folgsame Soldat Captain America. Steve Rogers. Der niemals an seinen Vorgesetzten und der US-Regierung zweifelnde Befehlsempfänger, soll jetzt den Befehl verweigern. Er will nämlich keine Befehle von einer neu gegründeten, ihn und die Avengers beaufsichtigende und auch mit Aufträgen versehenden Behörde erhalten. Die könnte sich ja irren. Deshalb will er vollkommen unkontrolliert arbeiten. Das wirkt nie besonders glaubwürdig. Auch nicht durch die nachgeschobene Erklärung, dass er eigentlich nur seinem Jugendfreund helfen will.

Genauso bemüht wie die Begründung für die Teilung der Avengers in zwei sich bekämpfende Gruppen, ist dann der sich zwischen ihnen entwickelnde Kampf, der an ihrer Intelligenz und über mehrere Filme und gemeinsame Kämpfe gegen etliche Bösewichter gewachsene Freundschaft zweifeln lässt. Anstatt miteinander zu reden, wird sich gekloppt in einer niemals auch nur halbwegs glaubwürdigen, dafür unnötig verkomplizierten Geschichte, die eher pointillistisch nach ihren Schauwerten zusammengefügt ist. Wegen des Humors und dem durchgehend spielfreudigem Ensemble fällt das dann gar nicht so sehr auf.

Und als Berliner freut man sich über die zahlreichen Berlin-Aufnahmen, in denen die Gegend um das ICC und den Bundestag ausführlich und auch gut erkennbar gezeigt werden.

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The First Avenger: Civil War (Captain America: Civil War, USA 2016)

Regie: Anthony Russo, Joe Russo

Drehbuch: Christopher Markus, Stephen McFeely

mit Chris Evans, Robert Downey Jr., Anthony Mackie, Sebastian Stan, Paul Rudd, Jeremy Renner, Elizabeth Olsen, Scarlett Johannsson, Don Cheadle, Chadwick Boseman, Paul Bettany, Emily VanCamp, Tom Holland, Daniel Brühl, Frank Grillo, William Hurt, Martin Freeman, Marisa Tomei, Stan Lee (selbstverständlich)

Länge: 148 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „The First Avenger: Civil War“

Metacritic über „The First Avenger: Civil War“

Rotten Tomatoes über „The First Avenger: Civil War“

Wikipedia über „The First Avenger: Civil War“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Anthony und Joe Russos „The Return of the First Avenger“ (Captain America: The Winter Soldier, USA 2014)

Die europäische Pressekonferenz mit dem Avengers-Team, Kevin Feige, Anthony und Joe Russo


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