TV-Tipp für den 22. August: Heist – Der letzte Coup

August 22, 2019

Tele 5, 20.15

Heist – Der letzte Coup (Heist, USA 2001)

Regie: David Mamet

Drehbuch: David Mamet

Nachdem Meisterdieb Joe Moore bei einem Diebstahl von einer Überwachungskamera gefilmt wird, will er aussteigen. Aber sein Hehler Mickey Bergman erpresst ihn zu einem letzten großen Coup. Ab diesem Moment kämpfen sie gegeneinander.

Dank der guten Schauspieler und des wendungsreichen Drehbuchs von Regisseur David Mamet ist dieser Film vom letzten großen, perfekt ausgeführten Coup und den sich gegenseitig betrügenden Gaunern ein einziges Vergnügen. Denn „Heist – Der letzte Coup“ ist gutes Genrekino, präsentiert von einem Meister, der hier tief in seiner Trickkiste wühlt.

Mit Gene Hackman, Danny DeVito, Delroy Lindo, Sam Rockwell, Rebecca Pidgeon, Ricky Jay

Wiederholung: Freitag, 23. August, 02.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise:

Drehbuch von David Mamet

Moviepilot über „Heist“

Metacritic über „Heist“

Rotten Tomatoes über „Heist“

Wikipedia über „Heist“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von David Mamets „Bambi vs. Gorilla – Über Wesen, Zweck und Praxis des Filmbusiness“ (Bambi vs. Gorilla – On the Nature, Purpose, and Practice of the Movie Business, 2007)

David Mamet in der Kriminalakte

Werbeanzeigen

TV-Tipp für den 18. Juni: Big Fish

Juni 17, 2019

Disney Channel, 20.15

Big Fish – Der Zauber, der ein Leben zur Legende macht (Big Fish, USA 2003)

Regie: Tim Burton

Drehbuch: John August

Literaturvorlage: Daniel Wallace: Big Fish – A Novel of Mythic Proportions, 1998 (Big Fish)

Vertreter Edward Bloom ist ein begnadeter Geschichtenerzähler. Sein Sohn Will, der hinter den Geschichten nie den wahren Edward Bloom sah, brach deshalb vor Jahren entnervt den Kontakt zu ihm ab. Jetzt sitzt er an Edwards Sterbebett und versucht zum letzten Mal die Beziehung zu seinem Vater zu kitten. Aber dieser erzählt nur wieder einmal die altbekannten Geschichten aus seinem Leben und erfindet einige neue dazu.

Das Buch, eine lockere Sammlung von Episoden, ist bestenfalls solala. Aber der Film, der sich in vielen Teilen von dem Buch entfernt, die Episoden aus dem Buch und zahlreiche neue zu einer Biographie zusammenfügt und dabei das Thema des Buches deutlicher herausarbeitet,  ist eine zwischen trister Realität und farbenfreudiger Fantasie wechselnde Liebeserklärung an das Erzählen von Geschichten, die am Ende doch nicht so erfunden sind, wie der Sohn immer annahm.

Mit Ewan McGregor, Albert Finney, Billy Crudup, Jessica Lange, Helena Bonham Carter, Loudon Wainwright III, Steve Buscemi, Danny DeVito, Daniel Wallace (Econ Professor)

Hinweise

Homepage von Daniel Wallace

Homepage/Blog von John August (In der Abteilung „Downloads“ gibt es das Drehbuch und weiteres informatives Material zu „Big Fish“.)

Rotten Tomatoes über “Big Fish”

Wikipedia über “Big Fish” (deutsch, englisch)

Tim Burton bei Film-Zeit

Senses of Cinema-Artikel von Ben Andac über Tim Burton (2003)

Arte über die Tim-Burton-Reihe

Meine Besprechung von Tim Burtons “Frankenweenie” (Frankenweenie, USA 2012, nach einem Drehbuch von John August)

Meine Besprechung von Tim Burtons „Big Eyes“ (Big Eyes, USA 2014)

Meine Besprechung von Tim Burtons „Die Insel der besonderen Kinder“ (Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children, USA 2016)

Meine Besprechung von Tim Burtons „Dumbo“ (Dumbo, USA 2019)

Tim Burton in der Kriminalakte

Meine Besprechung von John Augusts “The Nines” (The Nines, USA 2007)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Tim Burtons Kinderfilm für Senioren „Dumbo“

April 1, 2019

Tim Burton drehte immer wieder Kinderfilme, wie „Charlie in der Schokoladenfabrik“ und „Alice im Wunderland“. Finanziell gehören sie zu seinen erfolgreichsten Filmen. Er drehte auch immer wieder Kinderfilme, die nicht für Kinder waren, wie „Frankenweenie“. Für den Spielfilm erweiterte er seinen 1984 für Walt Disney Pictures hergestellten Kurzfilm zu einem Spielfilm. Damals hielt Disney seine Vision für zu gruselig für Kinder. Außerdem passte die SW-Liebeserklärung an alte SW-Horrorfilme nicht zum Image der Firma.

Seitdem veränderte sich einiges. Burton und Disney arbeiteten in den vergangenen Jahren erfolgreich zusammen. Ihr jüngstes gemeinsames Projekt ist der Realfilm „Dumbo“; ein Remake des gleichnamigen Trickfilm-Klassikers von 1941. Und dieser Film kann als Kinderfilm für Senioren beschrieben werden.

Erzählt wird die Geschichte von Dumbo. Der Elefant kommt 1919 in einem Zirkus zur Welt. Max Medici, Inhaber eines um sein Überleben kämpfenden Wanderzirkus, hat Dumbos schwangere Mutter gekauft, weil er sich von dem Elefantenbaby ein Riesengeschäft erhoffte. Mit seinen riesigen Schlappohren ist Dumbo allerdings eine Missgeburt, mit der man kein Geschäft machen kann.

Das ändert sich, als Medici erfährt, dass Dumbo fliegen kann.

Dumbo“ ist eine weitere Realverfilmung eines Disney-Klassikers. Wobei man Realverfilmung vor allem in diesem Fall nicht allzu eng definieren sollte. Letztendlich sind nur die hochkarätige Besetzung – in Hauptrollen sind Colin Farrel, Danny DeVito, Michael Keaton und Eva Green dabei – und einige Sets real. Die Tiere wurden am Computer animiert. Gedreht wurde ausschließlich im Studio. Entsprechend künstlich sieht der Film aus. Jedes Bild sieht wie gemalt aus.

Schöne Bilder, Künstlichkeit und porentiefe Sauberkeit sind allerdings nicht das Problem von „Dumbo“. Es sind das langsame Erzähltempo und die schleppend entwickelte Geschichte, bei der immer unklar ist, wer das in erster Linie angesprochene Publikum ist und die keine klare Struktur zwischen Haupt- und Nebenplots findet. Stattdessen werden mehrere Geschichten parallel erzählt. Im Mittelpunkt steht dabei die Familie Farrier, die von Zirkusbesitzer Medici (Danny DeVito) angewiesen wird, sich um das Elefantenbaby zu kümmern.

Für einen Kinderfilm konzentriert sich der Film zu sehr auf Holt Farrier (Colin Farrell). Der Kriegsheimkehrer hat ein ganzes Bündel physischer und seelischer Probleme. Im Kampf in Europa verlor der Reitartist seinen linken Arm. Zur gleichen Zeit verstarb seine Frau. Der Witwer muss sich jetzt um ihre beiden Kinder kümmern und, als ob das alles noch nicht genug sei, verlor er seine Zirkusnummer und damit seine berufliche Existenz. Jetzt ist er im Zirkus Medici nur noch als Stallbursche im Elefantenkäfig zu gebrauchen. Immerhin trifft er in der zweiten Filmhälfte, die im Vergnügungspark des erzbösen Kapitalisten V. A. Vandevere (Michael Keaton) spielt, die Luftakrobatin Colette Marchant (Eva Green).

Für einen Erwachsenenfilm konzentriert „Dumbo“ sich sehr auf Holts Kinder Milly und Joe. Millie (Nico Parker) ist Holts naseweise, wissenschaftlich interessierte, superschlaue Tochter. Joe (Finley Hobbins) sein begeisterungsfähiger, aber artistisch hoffnungslos untalentierten Sohn. Beide wären in einem klassischen Kinderfilm die Protagonisten. In Tim Burtons neuem Film verschwinden sie immer wieder für lange Zeiträume aus der Filmgeschichte.

Diese plätschert, ohne den bekannten Tim-Burton-Humor, orientierungslos vor sich hin.

Sogar die im Hintergrund plätschernde Musik ist so austauschbar, dass ich erst im Abspann bemerkte, dass Burtons Hauskomponist Danny Elfmann sie geschrieben hat.

Dumbo“ ist ein seltsamer Film. Ein Tim-Burton-Film ohne Tim Burton. Ein Kinderfilm, der sich nicht an Kinder richtet. Ein Realfilm, der fast ausschließlich am Computer entstand. Es ist kein wirklich schlechter Film, es ist eher ein belangloser Film, der als Zirkusfilm arm an Attraktionen ist.

Und Dumbo? Der schaut die meiste Zeit traurig in die Welt.

Dumbo (Dumbo, USA 2019)

Regie: Tim Burton

Drehbuch: Ehren Kruger

LV: Helen Aberson, Harold Pearl: Dumbo the Flying Elephant, 1939 (Roll-a-Book, von dem wahrscheinlich nur ein Prototyp hergestellt wurde)

mit Colin Farrell, Michael Keaton, Danny DeVito, Eva Green, Alan Arkin, Nico Parker, Finley Hobbins, Roshan Seth, Deobia Oparei, Joseph Gatt, Sharon Rooney, Lars Eidinger

Länge: 112 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Dumbo“

Metacritic über „Dumbo“

Rotten Tomatoes über „Dumbo“

Wikipedia über „Dumbo“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Tim Burtons “Frankenweenie” (Frankenweenie, USA 2012, nach einem Drehbuch von John August)

Meine Besprechung von Tim Burtons „Big Eyes“ (Big Eyes, USA 2014)

Meine Besprechung von Tim Burtons „Die Insel der besonderen Kinder“ (Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children, USA 2016)

Tim Burton in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 17. Februar: Heist – Der letzte Coup

Februar 17, 2018

ZDFneo, 21.40

Heist – Der letzte Coup (Heist, USA 2001)

Regie: David Mamet

Drehbuch: David Mamet

Nachdem Meisterdieb Joe Moore bei einem Diebstahl von einer Überwachungskamera gefilmt wird, will er aussteigen. Aber sein Hehler Mickey Bergman erpresst ihn zu einem letzten großen Coup. Ab diesem Moment kämpfen sie gegeneinander.

Dank der guten Schauspieler und des wendungsreichen Drehbuchs von Regisseur David Mamet ist dieser Film vom letzten großen, perfekt ausgeführten Coup und den sich gegenseitig betrügenden Gaunern ein einziges Vergnügen. Denn „Heist – Der letzte Coup“ ist gutes Genrekino, präsentiert von einem Meister, der hier tief in seiner Trickkiste wühlt.

Mit Gene Hackman, Danny DeVito, Delroy Lindo, Sam Rockwell, Rebecca Pidgeon

Hinweise:

Drehbuch von David Mamet

Moviepilot über „Heist“

Metacritic über „Heist“

Rotten Tomatoes über „Heist“

Wikipedia über „Heist“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von David Mamets „Bambi vs. Gorilla – Über Wesen, Zweck und Praxis des Filmbusiness“ (Bambi vs. Gorilla – On the Nature, Purpose, and Practice of the Movie Business, 2007)

David Mamet in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 12. März: L. A. Confidential

März 11, 2017

Arte, 20.15

L.A. Confidential (USA 1997, Regie: Curtis Hanson)

Drehbuch: Brian Helgeland

LV: James Ellroy: L. A. Confidential, 1990 (Stadt der Teufel, L. A. Confidential)

Drei unterschiedliche Polizisten versuchen einen Mord aufzuklären und müssen dabei einen tiefen Sumpf aus Drogen, Sex, Gewalt und Abhängigkeiten trockenlegen.

Grandiose Verfilmung eines grandiosen Buches, das den Deutschen Krimipreis erhielt.

Brian Helgeland schaffte das scheinbar unmögliche: er raffte den 500-seitigen Thriller gelungen zu einem etwa zweistündigen Film zusammen und erhielt dafür einen Oscar. Kim Basinger für ihre Rolle als Edelhure erhielt ebenfalls die begehrte Trophäe. Den Edgar gab es natürlich ebenfalls.

mit Kevin Spacey, Russell Crowe, Guy Pearce, James Cromwell, Kim Basinger, Danny DeVito, David Strathairn, Ron Rifkin, Paul Guilfoyle, Simon Baker

Wiederholung: Dienstag, 14. März, 01.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „L. A. Confidential“

Wikipedia über „L. A. Confidential“ (deutsch, englisch)

SPLICEDwire: Interview mit James Ellroy zu “L. A. Confidential” (1997)

Drehbuch „L. A. Confidential“ von Brian Helgeland

Homepage von James Ellroy

Wikipedia über James Ellroy (deutsch, englisch)

Meine Besprechung der James-Ellroy-Verfilmung “Rampart – Cop außer Kontrolle” (Rampart, USA 2011)

Meine Besprechung von James Ellroys Underworld-USA-Trilogie (Ein amerikanischer Thriller, Ein amerikanischer Albtraum, Blut will fließen)

Meine Besprechung von James Ellroys “Der Hilliker-Fluch – Meine Suche nach der Frau” (The Hilliker Curse – My Pursuit of Women, 2010)

Meine Teilbesprechung von James Ellroys “Perfidia” (Perfidia, 2014)

James Ellroy in der Kriminalakte


DVD-Kritik: Todd Solondz, Dawn Wiener und ein „Wiener Dog“

November 30, 2016

Jetzt ist „Wiener Dog“, die neue Komödie von Todd Solondz auf DVD und Blu-Ray erschienen. Zum Kinostart schrieb ich ziemlich begeistert:

Nachdem seine letzten beiden Filme „Life during wartime“ (2009) und „Dark Horse“ (2011) bei uns überhaupt nicht gezeigt wurden und auch Todd Solondz‘ ältere Filme selten bis nie im Fernsehen laufen und auch auf DVD nicht wirklich erhältlich sind, dürfte „Wiener Dog“ für einige Zuschauer eine echte Entdeckung und für einige ältere Cineasten eine willkommene Wiederentdeckung des Regisseurs von „Willkommen im Tollhaus“ (1995) und „Happiness“ (1998) sein. Sie werden dann auch vielleicht bemerken, dass Dawn Wiener, die jetzt von Greta Gerwig gespielte Protagonistin der zweiten Geschichte von „Wiener Dog“, auch die Protagonistin von „Willkommen im Tollhaus“ war.

Dawn arbeitet jetzt in einer Tierklinik, wo sie ihr Herz an den Dackel, der eingeschläfert werden soll, verliert. Sie rettet ihn davor. Kurz darauf trifft sie in einem Supermarkt auf ihren ehemaligen Schulkameraden Brandon McCarthy (Kieran Culkin), der jetzt drogensüchtig ist und sie auf eine Reise nach Ohio einlädt. Dort gibt es Crystal Meth.

Dawn, die genug von ihrem tristen und eintönig-hoffnungslosem Leben hat, ist einverstanden. Auf ihrer Reise begegnen sie einer Mariachi-Band und Brandons Bruder, der Trisomie 21 hat, und glücklich mit einer ebenfalls behinderten Frau zusammen lebt. Dawn schenkt ihnen ihren Dackel, der danach noch zwei weitere Besitzer hat. Aber wie er zu dem Hochschullehrer Schmerz (Danny DeVito) und danach zu Nana (Ellen Burstyn) kommt, erfahren wir nicht. Es ist auch egal, weil der Dackel einfach nur ein fast beliebig austauschbares Bindeglied zwischen den vier unabhängigen Geschichten über in den Vorstädten lebende Menschen ist. Deren Leben, ihre Tristesse und ihre Lügen schildert Todd Solondz mit bitterbösem Humor, der unerbittlich jede Scheinheiligkeit und Selbsttäuschung für uns entlarvt bis die Suburbs mit ihren austauschbaren Häusern zu einer Vorhölle werden, in der es nur noch Stillstand gibt. Die porträtierten Charaktere haben sich in ihrem Leben schon lange eingerichtet.

So hat in der ersten Geschichte Dina (Julie Delpy) kein erkennbar schlechtes Gewissen, wenn sie ihren Sohn Remi (Keaton Nigel Cooke), der gerade eine Krebserkrankung überstanden hat, über den Dackel und seine Gefühle belügt. Denn Remis einziger Freund muss erzogen, sterilisiert und später, weil er einfach zu viel Arbeit verursacht, eingeschläfert werden. Aber Dina beruhigt ihren Sohn: „Es ist traurig, aber wahr. Wir sind der einzige Freund des Hundes.“

In der dritten Geschichte begegnet der Dackel in New York dem Filmprofessor Schmerz, der früher ein erfolgreicher Drehbuchautor war, seit Ewigkeiten kein Buch mehr verkauft hat, den Studenten seit Jahren die gleichen Ratschläge gibt und notorisch schlecht gelaunt ist, weil er kein Buch verkauft und unterrichten muss. Entsprechend unbeliebt ist er bei seinen Studenten und Kollegen.

In der vierten Geschichte wird die Großmutter Nana (Ellen Burstyn) nur dann von ihrer Enkelin Zoe (Zosia Mamet) besucht, wenn sie Geld braucht. Zum Beispiel für ihren gerade aktuellen Freund Fantasy (Michael Shaw; auch dieser Name ist nicht zufällig ausgewählt), der sich schon als großer Künstler sieht und eine Ausstellung plant. Auch Nana hat vor Jahrzehnten Kunst studiert.

Die Geschichten sind eher Zustandsbeschreibungen und dank der präzisen Beobachtung, der punktgenauen Zuspitzung und dem jeden Satz und jedes Bild durchziehenden schwarzen Humor unglaublich unterhaltsam und witzig; ohne jeden Fremdschäm-Reflex und mit einer tiefschwarzen Weltsicht, in der es keinen Gott gibt, aber die Welt nicht gottlos ist. Denn Solondz liebt seine Charaktere und er zeigt die Welt, die er kennt. Der US-Gesellschaft hält er so einen Spiegel vor; für uns ist es sie ein Blick in eine vertraut-fremde Welt, gespickt mit vielen Anspielungen, Verweisen, Doppelungen und Spiegelungen, die man analysieren oder einfach nur genießen kann.

In den in jeder Beziehung sehr unterschiedlichen Geschichten und in der Struktur des Films. So gibt es, immerhin erzählt „Wiener Dog“ vier Geschichten, eine „Intermission“, die im Film mit Pausenschild und Pausenprogramm gefüllt wird. Dabei ist Solondz‘ Film mit knapp neunzig Minuten kürzer als die üblichen Hollywood-Blockbuster, die schon lange notorisch die Zwei-Stunden-Grenze überschreiten. Die Geschichte von Schmerz ist auch eine Lektion im Geschichtenerzählen, garniert mit Hollywood-Weisheiten, einem „What. If.“-Running-Gag und eine Abrechnung mit Hollywood, die dann doch wieder eben dieser Formel bis zum explosiven Ende folgt. Dagegen fallen dann Nanas Begegnungen mit ihren jüngeren Ichs als Flucht in surreale Fantasy-Gefilde schwach aus. Bis dahin hat Ellen Burstyn vielsagend geschwiegen und mit wenigen Sätzen ihre Nichte aus ihrer Komfortzone geholt. Genau wie Todd Solondz uns aus unserer Komfortzone holt.

Dieses Mal ohne Vergewaltigungen, Masturbationen, Kindesmissbrauch, Abtreibungen und andere Tabuthemen, mit denen man das Publikum schnell verstören kann. Vor allem, wenn man plötzlich Verständnis und Sympathie für diese Charaktere entwickelt. In dem sehr zugänglichem Tierfilm „Wiener Dog“ muss man diese Angst nicht haben. Trotzdem ist es kein Feelgood-Film.

Ich liebe Hunde und hätte selber gerne einen. Das einzige Problem ist, dass ich nicht Gassi mit ihnen gehen will und sie nicht gerne füttere oder sie wasche oder wegen ihnen zu Hause bleiben will.“ (Todd Solondz)

Das Bonusmaterial ist mit zwei Trailern nicht existent. Wie bei Woody-Allen-DVDs..

wiener-dog-dvd-cover

Wiener Dog (Wiener Dog, USA 2016)

Regie: Todd Solondz

Drehbuch: Todd Solondz

mit Keaton Nigel Cooke, Tracy Letts, Julie Delpy, Greta Gerwig, Kieran Culkin, Danny DeVito, Ellen Burstyn, Zosia Mamet, Michael Shaw

DVD

Prokino

Bild: 1,85:1 (16:9 anamorph)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel Deutsch, Englisch (ausblendbar)

Bonusmaterial: Deutscher Kinotrailer, Original-Kinotrailer

Länge: 85 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Wiener Dog“

Metacritic über „Wiener Dog“

Rotten Tomatoes über „Wiener Dog“

Wikipedia über „Wiener Dog“

Webseite über Todd Solondz und seine Filme

Meine Besprechung von Todd Solondz‘ „Wiener Dog“ (Wiener Dog, USA 2016) (mit weiteren Interviews)


TV-Tipp für den 28. August: Mars Attacks!

August 28, 2016

Arte, 20.15

Mars Attacks (USA 1996, Regie: Tim Burton)

Drehbuch: Jonathan Gems, Tim Burton (ungenannt)

LV: Topps Company: 55-teilige Sammelkartenserie aus den Sechzigern (Neuauflage 1994)

Außerirdische besuchen die Erde. Der Präsident und einige Wissenschaftler glauben an ein friedliches Zusammenleben der Welten, aber die Marsmenschen wollen einfach nur alles kaputtmachen.

Schön schräge, respektlose Satire und Liebeserklärung an die S-F-Filme der Fünfziger. Burtons Werk wurde damals als Gegenentwurf zu dem patriotisch-ironiefreien Roland Emmerich-Werk „Independence Day“ gesehen. Einmal dürfen sie raten, welcher Film der bessere ist. Und einmal, welcher Film das bessere Einspielergebnis hat.

„Eine der kompromisslosesten Demontagen des Hollywood-Kinos.

Zuerst wären da die Schauspieler zu nennen, eine Crew voller Berühmtheiten, denen nacheinander Schreckliches passiert: Sie alle scheiden in kürzester Zeit dahin, sterben einen wenig ruhmreichen Tod. (…) Mars Attacks! Karikiert nicht nur die patriotische, militaristische Variante des Invasionsfilms, sondern auch die ‚liberale’ Spielart, die den Außerirdischen mit pazifistisch und neuerdings esoterisch motiviertem Wohlwollen begegnet.“ (Helmuth Merschmann: Tim Burton)

Mit Jack Nicholson, Glenn Close, Annette Bening, Pierce Brosnan, Danny DeVito, Martin Short, Sarah Jessica Parker, Michael J. Fox, Rod Steiger, Tom Jones (als er selbst), Lukas Haas, Natalie Portman, Jim Brown, Sylvia Sidney, Pam Grier, Joe Don Baker, Christina Applegate, Jerzy Skolimonkski (Regisseur, als Dr. Zeigler), Barbet Schroeder (Regisseur, als französischer Präsident),

Wiederholung: Dienstag, 30. August, 15.30 Uhr

Hinweise

Die Vorlage für den Film: die Sammelkarten der Topps Company 

Rotten Tomatoes über „Mars Attacks“

Wikipedia über „Mars Attacks“ (deutsch, englisch)

Senses of Cinema-Artikel von Ben Andac über Tim Burton (2003)

Meine Besprechung von Tim Burtons “Frankenweenie” (Frankenweenie, USA 2012, nach einem Drehbuch von John August)

Meine Besprechung von Tim Burtons „Big Eyes“ (Big Eyes, USA 2014)

Tim Burton in der Kriminalakte


%d Bloggern gefällt das: