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„Before Watchmen“ stöbert im „Watchmen“-Universum

Juli 8, 2013

 

Azzarello - Before Watchmen - Rorschach - HCAzzarello - Before Watchmen - Rorschach - SC

Cooke - Before Watchmen - Minutemen - HCCooke - Before Watchmen - Minutemen - SC

In den Achtzigern schrieb Alan Moore die Comicserie „Watchmen“, die eigentlich von Anfang an ein riesiger backsteingroßes Epos war, das so gut war, dass es als erster und bislang einziger Comic den Hugo-Award (der heilige Gral der Science-Fiction-Gemeinde) erhielt und vom Time Magazine in die Liste der wichtigsten literarischen Werke des 20. Jahrhunderts aufgenommen wurde. Eine Bildergeschichte als Teil des Literaturkanons. Wow. Aber auch nachvollziehbar. Denn Alan Moore entwarf ein Paralleluniversum, das ganz klar eine Kritik an der damaligen Politik war, er spielte mit Querverweisen und Anspielungen, die sich nicht vor der „Großen Literatur“ zu verstecken brauchte und er gehörte mit zu den Autoren, die mit ihren Werken Comics als ernstzunehmende Literatur etablierten. Denn „Watchmen“ hat mit Donald Duck, Fix und Foxi und den normalen Superheldengeschichten (wir reden von den Achtzigern!) nichts gemein.

Die lange geplante Verfilmung kam 2009 in die Kinos und sie ist, zwar gut besetzt und mit atemberaubenden Bildern, gerade wegen ihrer sklavischen Werktreue gescheitert. Regisseur Zack Snyder gelingt nie ein eigenständiger Zugriff auf Moores Geschichte.

Das gelingt den jetzt auch bei uns veröffentlichten „Before Watchmen“-Comics viel besser. Bislang liegen „Rorschach“ (geschrieben von Brian Azzarello, gezeichnet von Lee Bermejo) und „Minutemen“ (von Darwyn Cooke) auf Deutsch vor und sie überzeugen als spannende Vorgeschichten zu Moores „Watchmen“, ohne den politischen Ballast, der als ätzende Zeitkritik heute doch etwas veraltet und ohne Erklärungen wahrscheinlich kaum nachvollziehbar ist.

Rorschach“ spielt 1977 vor und während des legendären Stromausfalls in New York, als die Stadt zunehmend unbewohnbarer wurde und Vigilanten wie Paul Kersey („Ein Mann sieht rot“) und „Taxi Driver“ Travis Bickle, unter den Augen einer jubelnden Bevölkerung, kaltblütig Verbrecher erschossen. Der Taxi Driver hat auch einen kurzen Auftritt in Brian Azzarellos Geschichte, in der Rorschach den „Barden“, einen Frauenmörder, jagt, der ein überraschend zäher Gegner für den Rächer mit der Maske ist.

Die spannende Vigilantengeschichte wurde von Lee Bermejo hübsch düster gezeichnet wurde und im Krimibereich ist „100 Bullets“- und „Jonny Double“-Autor Brian Azzarello eine verlässliche Noir-Größe.

Das komplette Gegenprogramm ist „Minutemen“, geschrieben und gezeichnet von Darwyn Cooke, der schon in seinen „The Spirit“-Geschichten gelungen die Vergangenheit aufleben ließ. „Minutemen“ erzählt, in poppig bunten Panels, über mehrere Jahrzehnte, die Geschichte der Minutemen, einer Gruppe von normalen Menschen, die sich ab 1939 als Superhelden verkleideten, gegen Verbrecher kämpften und den New Yorkern die nötige Hoffnung auf eine bessere Welt gaben. Auch wenn die über sie erzählten Geschichten mehr Fabeln als Reportagen waren.

In der Öffentlichkeit traten sie immer als Team auf, das sie in Wirklichkeit nie waren.

Und Darwyn Cooke kann über die Diskrepanz zwischen Realität und Wunsch und, weil er die Biographie der Minutemen anhand einer von Minutemen-Mitglied Hollis T. Mason, der ersten Nite Owl, 1962 geschriebenen Biographie über ihre gemeinsame Zeit erzählt, auch über die Bewahrung ihres Erbes nachdenken. Wie sehr soll der Mythos erhalten bleiben oder die Minutemen als ein sehr gewöhnlicher, eher chaotischer Haufen von Aufschneidern entmystifiziert werden? Ein Frage, die schon den „Mann, der Liberty Valance erschoss“ beschäftigte.

Das ist auch, wenn auch vielleicht nicht so deutlich, ein Thema von „Rorschach“ und von „Watchmen“. Insofern sind die von Brian Azzarello und Darwyn Cooke geschriebenen Geschichten gelungen Ergänzungen zu Alan Moore und Dave Gibbons‘ „Watchmen“.

Darwyn Cooke: Before Watchmen: Minutemen

(übersetzt von Peter Thannisch)

Panini, 2013

176 Seiten

16,95 Euro

Originalausgabe

Before Watchmen: Minutemen (Chapter One – Six)

DC Comics, August 2012 – März 2013

Brian Azzarello/Lee Bermejo: Before Watchmen: Rorschach

(übersetzt von Joachim Körber)

Panini, 2013

104 Seiten

12,95 Euro

Originalausgabe

Before Watchmen: Rorschach – Damntown (Part One – Four)

DC Comics, Oktober 2012 – April 2013

Die „Before Watchmen“-Geschichten

Rorschach (von Brain Azzarello und Lee Bermejo)

Minutemen (von Darwyn Cooke)

Comedian (von Brian Azzarello und J. G. Jones) (erscheint im Juli)

Nite Owl (von J. Michael Straczynski, Andy Kubert und Joe Kubert) (erscheint im August)

Ozymandias (von Len Wein und Joe Lee) (erscheint im September)

Silk Spectre (von Darwyn Cooke und Amanda Conner) (erscheint im Oktober)

Dr. Manhattan (von J. Michael Straczynski und Adam Hughes) (erscheint im November)

Crimson Corsair (von Len Wein und John Higgins) (erscheint im Dezember)

Hinweise

DC über „Before Watchmen“

Panini über „Before Watchmen“

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “Jonny Double” (Jonny Double, 2002)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Marcello Frusins “Loveless 1 – Blutrache” (Loveless: A Kin’ of Homecoming, 2006)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Marcello Frusins „Loveless 2 – Begraben in Blackwater“ (Loveless: Thicker than Blackwater, 2007)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Danijel Zezeljs „Loveless 3 – Saat der Vergeltung” (Loveless: Blackwater Falls, 2008)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Danijel Zezeljs “Loveless 4 – Stunde der Abrechnung” (Loveless, Vol. 19 – 24, 2008)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “100 Bullets 3 – Alle guten Dinge” (100 Bullets: Hang up on the Hang Low, 2001)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets 5 – Du sollst nicht töten“ (100 Bullets Vol. 5: The Counterfifth Detective, 2002)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets – Dekadent (Band 10)“ (100 Bullets: Decayed, Volume 68 – 75)

Meine Besprechung von Brian Azzarellos/Eduardo Rissos „!00 Bullets: Das Einmaleins der Macht (Band 11)“ (100 Bullets: Once upon a crime, Volume 76 – 83)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets: Das dreckige Dutzend (Band 12)“ (100 Bullets: Dirty, Volume 84 – 88)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “100 Bullets: Freitag (Band 13) (100 Bullets: Wilt, Volume 89 – 100)

Meine Besprechung von Brian Azzarello (Autor)/Eduardo Risso (Zeichner): Batman – Kaputte Stadt, 2012 (Broken City: Part 1 – 5, Conclusio (Batman # 620 – 625), Dezember 2003 – Mai 2004)

Meine Besprechung von Brian Azzarellos „Wonder Woman: Blut (Band 1)“ (Wonder Woman #1 – 6, 2011/2012)

Blog von Darwyn Cooke

Meine Besprechung von Darwyn Cooke/J. Bone/Dave Stewarts “Will Eisner’s The Spirit – 1” (The Spirit, No. 1 – 6, 2007)

Meine Besprechung von Darwyn Cooke/Walter Simonson/Jimmy Palmiottis “Will Eisner’s The Spirit – 2” (The Spirit, No. 7 – 12, 2007/2008)

Meine Besprechung von Darwyn Cookes Richard-Stark-Comic „Parker“ (Richard Stark’s Parker – The Hunter, 2009)


Endlich auf Deutsch: „Parker“ – Darwyn Cookes erster Parker-Comic

März 27, 2013

Cooke - Parker - 2

Jetzt wird’s langsam etwas unübersichtlich. Denn die jetzt auf Deutsch veröffentlichte Graphic Novel „Parker“ von Darwyn Cooke hat, außer dem Helden, nichts mit der gerade im Kino gestarteten Richard-Stark-Verfilmung „Parker“ zu tun. Taylor Hackfords gelungener Film basiert nämlich auf dem Roman „Irgendwann gibt jeder auf“ (Flashfire, 2000) von Richard Stark. Darwyn Cookes Comic auf „Jetzt sind wir quitt“ (The Hunter, 1962) von Richard Stark.

In „The Hunter“ trat Parker vor über fünfzig Jahren zum ersten Mal auf und im Manuskript starb der Held auch, entsprechend den damaligen Konventionen, dass Verbrechen sich nicht lohne, am Ende. Der Verleger fragte Donald Westlake, der den Roman unter einem Pseudonym schrieb, ob am Ende Parker überleben könne. Westlake sagte „ja“ und niemand konnte damals ahnen, dass damit eine der langlebigen Serien, mit etlichen Verfilmungen, begann. „The Hunter“ wurde zweimal verfilmt: einmal grandios von John Boorman als „Point Blank“ mit Lee Marvin; einmal nicht so grandios von Brian Helgeland als „Payback – Zahltag“ mit Mel Gibson. Denn Parker ist wirklich kein liebenswerter Zeitgenosse. Er ist ein Profiverbrecher, der seine Jobs cool und effizient durchzieht. Für seine Ziele geht er skrupellos über Leichen und Darwyn Cooke zeigt auch das in seinem Comic, der dem Roman (aus der Erinnerung) sehr genau folgt.

Es beginnt mit einer doppelseitigen Ansicht von Manhattan 1962. Danach beobachten wir, wie Parker ziemlich stinkig über die George-Washington-Bridge nach Manhattan marschiert und sich einen Grundstock an Geld und Papieren zusammenklaut. Erst auf Seite 20 sehen wir zum ersten Mal sein Gesicht in einem Spiegel. Er ähnelt Jack Palance, einem heute fast vergessenem Tough-Guy-Schauspieler, der dreimal für den Oscar als bester Nebendarsteller nominiert war. Und bis er einige Seiten später Lynn ohrfeigt, erzählen die Schwarz-Weiß-Blauen, fast schon abstrakten Zeichnungen von Darwyn Cooke die Geschichte mit archaischer Wucht. Erst jetzt erfahren wir auch, was Parker nach Manhattan getrieben hat und warum er so stinkig ist: er wurde von Mal nach einem Überfall hereingelegt, um seinen Anteil an der Beute betrogen und Lynn sollte ihn, erpresst von Mal, erschießen. Fast hätte sie Erfolg gehabt.

Parker will jetzt seinen Anteil an der Beute wieder haben – und dafür legt er sich auch mit der Mafia an. Denn Mal bezahlte mit dem Geld seine Schulden bei der Mafia.

Als vor vier Jahren vertrauenswürdige Noir-Comicautoren wie Ed Brubaker „The Hunter“ in den höchsten Tönen lobten und die ersten Bilder aus dem Comic im Netz auftauchten, war ich gespannt. Immerhin schrieb und zeichnete Darwyn Cooke unmittelbar davor einige fantastische, poppig-bunte „The Spirit“-Geschichten, die absolut keine Ähnlichkeit mit dem komplett vergurkten Film haben, und die ersten Seiten sahen fantastisch aus.

Die gesamte, erst jetzt übersetzte Geschichte (sie war schon für 2011 angekündigt) hält dem Versprechen der ersten Seiten, mit ihrer vorantreibenden und sehr stimmigen Mischung aus Bild und Text, stand. „Parker“ ist ein grandioser, stilbewusster Noir-Comic, in dem Darwyn Cooke Parker so grimmig zeichnet, wie Richard Stark ihn geschrieben hat und der in dieser Geschichte skrupellos mehrere Menschen umbringt.

Darwyn Cooke schrieb bis jetzt insgesamt fünf Parker-Comics – und ich freue mich schon auf die weiteren Auftritte von dem „Mistkerl“ (Stark über Parker).

Darwyn Cooke: Parker

(übersetzt von Stephanie Grimm)

Eichborn, 2013

144 Seiten

19,99 Euro

Originalausgabe

Richard Stark’s Parker – The Hunter

IDW Publishing, 2009

Vorlage

Richard Stark: The hunter, 1962 (später wurde das Buch wegen der Verfilmungen unter den Titeln „Point Blank“ und „Payback“, in Deutschland unter „Jetzt sind wir quitt“ und „Payback“, verlegt)

Hinweise

Blog von Darwyn Cooke

Meine Besprechung von Darwyn Cooke/J. Bone/Dave Stewarts “Will Eisner’s The Spirit – 1” (The Spirit, No. 1 – 6, 2007)

Meine Besprechung von Darwyn Cooke/Walter Simonson/Jimmy Palmiottis “Will Eisner’s The Spirit – 2” (The Spirit, No. 7 – 12, 2007/2008)

Homepage von Donald E. Westlake

Kriminalakte: Nachruf auf Donald E. Westlake

Kriminalakte: Covergalerie Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Get Real“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „What’s so funny?“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Watch your back!“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Kurzroman „Die Geldmacher“ (Walking around money; erschienen in „Die hohe Kunst des Mordens“ [Transgressions])

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes „Mafiatod“ (361, 1962)

Meine Vorstellung von Westlakes als Richard Stark geschriebener Parker-Serie (mit „Nobody runs forever“)

Meine Besprechung von Richard Starks Parker-Romans „Ask the Parrot“

Meine Doppelbesprechung von Richard Starks Parker-Romanen „Fragen Sie den Papagei“ (Ask the Parrot) und „Dirty Money“

Meine Besprechung von Richard Starks Parker-Roman “Irgendwann gibt jeder auf” (Flashfire, 2000)

Meine Besprechung von Taylor Hackfords Richard-Stark-Verfilmung „Parker“ (Parker, USA 2013)

Meine Besprechung des Films “The Stepfather”, nach einem Drehbuch von Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Lax/Donald Westlakes „Hot Rock“ (Pierre qui roule, 2008, Comic)

Richard Stark in der Kriminalakte

 Thrilling Detective über Parker

The Violent World of Parker (1-A-Fanseite!)

 


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