Die Glauser-Gewinner 2020

April 20, 2020

Es gibt jetzt zwei Möglichkeiten:

a) diesen Text lesen und sofort erfahren, wer dieses Jahr vom Syndikat, dem Autorennetzwerk zur Förderung deutschsprachiger Kriminalliteratur, die Glauser-Preise erhielt

(Hinweis: Namensgeber für den Preis ist Friedrich Glauser. Im Unionsverlag erschienen seine grandiosen Wachtmeister-Studer-Romane vor einigen Tagen in einer preiswerten Gesamtausgabe, die auf der Werkausgabe des Limmat Verlags beruht.)

b) sich die Aufzeichnung der Preisverleihung ansehen:

Also dann:

Bester Kriminalroman

Jürgen Heimbach: Die Rote Hand, weissbooks.w

nominiert

Lena Avanzini: Am Ende nur ein kalter Hauch, Haymon

Ludwig Cardano: Die Glocke, braumüller

Romy Hausmann: Liebes Kind, dtv

Hoeps & Toes: Die Cannabis-Connection, unionsverlag

Bestes Debüt

Lioba Werrelmann: Hinterhaus, Bastei Lübbe

nominiert

Kai Havaii: Rubicon, Rütten & Loening

Thorsten Kirves: Der Aussteiger, Droemer

Patrick Lorenz: Zwei Millionen in kleinen Scheinen, Emons

Ricarda Oertel: Nordfinsternis, Emons

Bester Kurzkrimi

Sunil Mann mit Der Watschenmann, in: Blutige Lippe 3, Ventura Verlag

nominiert

Raoul Biltgen mit Harmlos, in: Mordsmäßig Münchnerisch 2, Hirschkäfer Verlag

Katja Bohnet mit D für Drive, in: Lametta, Lichter, Leichenschmaus, Knaur Verlag

Richard Fliegerbauer mit Nachtschicht, in: Woidbluad, HePeLo Verlag, Edition Golbet

Julia Hofelich mit Opfer, in: Geschmackvoll morden, Wellhöfer Verlag

Bester Kinderkrimi

Charlotte Habersack: Bitte nicht öffnen, Feurig, Carlsen Verlag

nominiert

Jonathan Cole: Dracula Junior, Vorsicht Vampirjäger, Edel Verlag

Andrea Martin: Die Geheimnisse von Oaksend – Die Monsterprüfung, CBJ Verlag

Jana Scheerer: Gefahr ist unser Geschäft, Verlag Woow Books

Annelies Schwarz: Aprilregen, Obelisk Verlag

Bester Jugendkrimi

Wulf Dorn: 21 Dunkle Begleiter, CBJ Verlag

nominiert

Marie Golien: Cainstorm Island – Der Gejagte, Verlag dtv

Andreas Gruber: Code Genesis . sie werden dich finden, CBJ Verlag

Ehren-Glauser

Nina George


Die Glauser-Gewinner 2018

Mai 6, 2018

Irgendwo im Osten, gestern nach Sonnenuntergang: Das Syndikat, die ehrenwerte Vereinigung deutschsprachiger Krimiautoren und -autorinnen, verleiht ihren jährlichen Friedrich-Glauser-Preis:

Bester Kriminalroman

Jutta Profijt: Unter Fremden, dtv

nominiert

Raoul Biltgen: Schmidt ist tot, Verlag Wortreich

Alfred Bodenheimer: Ihr sollt den Fremden lieben, Nagel & Kimche

Ellen Dunne: Harte Landung, Insel Taschenbuch

Monika Geier: Alles so hell da vorn, Ariadne

Bestes Debüt

Harald J. Marburger: Totengräberspätzle, Emons

nominiert

Hannah Coler: Cambridge 5, Limes Verlag

Kerstin Ehmer: Der weiße Affe, Pendragon

Gereon Krantz: Unter pechschwarzen Sternen, ProTalk Verlag

Takis Würger: Der Club, Kein & Aber

Bester Kurzkrimi

Karr & Wehner (Reinhard Jahn und Walter Wehner) mit Hier in Tremonia, in: Killing You Softly, KBV

nominiert

Klaus Berndl mit Feueralarm, in: Feuerspuren, edition karo

Thomas Kastura mit Der Zuschauer, in: Kerzen, Killer, Krippenspiel, Knaur

Henry Kersting mit Der Blaue, in: Rache brennt, Verlag am Schloss

Cécile Ziemons mit Dünensingen, in: Feinste Friesenmorde, Leda Verlag

Hansjörg-Martin-Preis

Ortwin Ramadan: Glück ist was für Anfänger, Coppenrath

nominiert

Tanya Lieske: Mein Freund Charlie, Beltz & Gelberg

Christian Linker: Der Schuss, dtv

Lea-Lina Oppermann: Was wir dachten, was wir taten, Beltz & Gelberg

Martin Schäuble: Endland, Hanser


„Die Stadt, das Salz & der Tod“ und die Criminale in Halle an der Saale

April 29, 2018

Jetzt ist es wieder soweit. Das Syndikat, die Vereinigung deutschsprachiger Kriminalautorinnen und -autoren, ruft zum jährlichen Klassentreffen. Dieses Jahr ist es in Halle an der Saale, einer alten, geschichtsträchtigen, aber ansonsten unschuldigen kleinen Stadt in Sachsen-Anhalt. 238.000 Einheimische werden vom 2. Mai (mit Vorspielen schon ab ungefähr jetzt) bis zum 6. Mai versuchen, die riesige Verbrecherversammlung zu überleben. Zur Beruhigung der Einheimischen kann ich sagen: Krimischreiber sind nur auf dem Papier Serientäter. Im normalen Umgang sind es meist umgängliche Menschen…Wurde das nicht auch über Norman Bates gesagt?

Das offizielle Programm der Criminale besteht vor allem aus Lesungen. Lesungen. Lesungen.

Es gibt gefühlt mehr Fachveranstaltungen als in den Vorjahren, das unausgesprochene Nebenprogramm („Lebst du noch?“ „Hey, du hast dich überhaupt nicht verändert!“ „Du siehst aber alt aus! Dabei bist du noch gar nicht so alt.“ „Wo ist die nächste Kneipe?“) und die Verleihung des Krimipreises Friedrich-Glauser-Preis am Samstag, den 5. Mai.

Dieses Jahr sind für den Glauser und den Hansjörg-Martin-Preises nominiert:

Bester Kriminalroman

Raoul Biltgen: Schmidt ist tot, Verlag Wortreich

Alfred Bodenheimer: Ihr sollt den Fremden lieben, Nagel & Kimche

Ellen Dunne: Harte Landung, Insel Taschenbuch

Monika Geier: Alles so hell da vorn, Ariadne

Jutta Profijt: Unter Fremden, dtv

Bestes Debüt-Kriminalroman

Hannah Coler: Cambridge 5, Limes Verlag

Kerstin Ehmer: Der weiße Affe, Pendragon

Gereon Krantz: Unter pechschwarzen Sternen, ProTalk Verlag

Harald J. Marburger: Totengräberspätzle, Emons

Takis Würger: Der Club, Kein & Aber

Bester Kurzkrimi

Klaus Berndl mit Feueralarm, in: Feuerspuren, edition karo

Karr & Wehner (Reinhard Jahn und Walter Wehner) mit Hier in Tremonia, in: Killing You Softly, KBV

Thomas Kastura mit Der Zuschauer, in: Kerzen, Killer, Krippenspiel, Knaur

Henry Kersting mit Der Blaue, in: Rache brennt, Verlag am Schloss

Cécile Ziemons mit Dünensingen, in: Feinste Friesenmorde, Leda Verlag

Hansjörg-Martin-Preis (bester Kinder- und Jugendkrimi)

Tanya Lieske: Mein Freund Charlie, Beltz & Gelberg

Christian Linker: Der Schuss, dtv

Lea-Lina Oppermann: Was wir dachten, was wir taten, Beltz & Gelberg

Ortwin Ramadan: Glück ist was für Anfänger, Coppenrath

Martin Schäuble: Endland, Hanser

Ehrenglauser

Edith Kneifl

Zur sachfremden Vorbereitung gibt es, wie in den vergangenen Jahren, einen Sammelband Krimikurzgeschichten, die am Ort der Criminale spielen. Dieses Jahr übernahm Peter Godazgar, ein Zugezogener, die Herausgeberschaft des Sammelbandes. In „Die Stadt, das Salz & der Tod – Mörderisches aus Halle an der Saale“ sind extra für den Sammelband geschriebene Kurzgeschichten von Jürgen und Marita Alberts, Joachim Anlauf, Marc-Oliver Bischoff, Natine Buranaseda, Daniel Carinsson, Christiane Dieckerhoff, Peter Godazgar, Thomas Hoeps, Thomas Kastura, Ralf Kramp, Tatjana Kruse, Elke Pistor, Theresa Prammer, Uwe Schimunek, Frank Schlößer und Sabine Trinkaus enthalten. Es ist also eine bunte Mischung aus bekannten und unbekannte(re)n Autoren, die man teils mehr als Roman-, teils mehr als Kurzgeschichtenautoren kennt. Aber zur Steigerung der Mordrate in Halle an der Saale tragen sie alle bei. Ihre Leichen verteilen sie dabei großzügig über die gesamte Stadt.

Selbstverständlich ist nicht jede Geschichte gelungen. Nicht jede Geschichte spielt in der Gegenwart und wenn Georg Friedrich Händel dabei ist, wird sogar auf die obligatorische Leiche verzichtet. Dafür hat Münchhausen einen Auftritt.

Peter Godazgar (Herausgeber): Die Stadt, das Salz & der Tod – Mörderisches aus Halle an der Saale

grafit, 2018

224 Seiten

11 Euro

Hinweise

Homepage von Peter Godazgar

Homepage von Das Syndikat

Homepage von Der Criminale


Die Nominierungen für den Friedrich-Glauser-Preis 2018

Februar 4, 2018

Das Syndikat, die Autorengruppe deutschsprachige Kriminalliteratur, hat die diesjährigen Nominierungen für den Friedrich-Glauser-Preis bekannt gegeben. Die Preisverleitung ist am 5. Mai auf der Criminale in Halle.

Nominiert sind:

Bester Kriminalroman

Raoul Biltgen: Schmidt ist tot, Verlag Wortreich

Alfred Bodenheimer: Ihr sollt den Fremden lieben, Nagel & Kimche

Ellen Dunne: Harte Landung, Insel Taschenbuch

Monika Geier: Alles so hell da vorn, Ariadne

Jutta Profijt: Unter Fremden, dtv

Bester Debüt-Kriminalroman

Hannah Coler: Cambridge 5, Limes Verlag

Kerstin Ehmer: Der weiße Affe, Pendragon

Gereon Krantz: Unter pechschwarzen Sternen, ProTalk Verlag

Harald J. Marburger: Totengräberspätzle, Emons

Takis Würger: Der Club, Kein & Aber

Bester Kurzkrimi

Klaus Berndl mit Feueralarm, in: Feuerspuren, edition karo

Karr & Wehner (Reinhard Jahn und Walter Wehner) mit Hier in Tremonia, in: Killing You Softly, KBV

Thomas Kastura mit Der Zuschauer, in: Kerzen, Killer, Krippenspiel, Knaur

Henry Kersting mit Der Blaue, in: Rache brennt, Verlag am Schloss

Cécile Ziemons mit Dünensingen, in: Feinste Friesenmorde, Leda Verlag

Hansjörg-Martin-Preis (bester Kinder- und Jugendkrimi)

Tanya Lieske: Mein Freund Charlie, Beltz & Gelberg

Christian Linker: Der Schuss, dtv

Lea-Lina Oppermann: Was wir dachten, was wir taten, Beltz & Gelberg

Ortwin Ramadan: Glück ist was für Anfänger, Coppenrath

Martin Schäuble: Endland, Hanser

Ehrenglauser

Edith Kneifl in Würdigung ihres Engagements für die Kriminalliteratur

Herzlichen Glückwunsch an alle Nominierten.


„Secret Service – Jahrbuch 2015“ und das „Krimimagazin: Crime & Sex“ informieren über die Krimiwelt

Mai 21, 2015

Krimimagazin - Crime & SexSyndikat - Secret Service Jahrbuch 2015 - 2

Nachdem der alljährliche „Der deutsche Krimi ist schlecht und der Regionalkrimi ist noch schlechter“-Artikel dieses Jahr von Lisa Kuppler, die es eigentlich besser wissen müsste, in der FAZ erschien und es gleich einige geharnischte Kommentare gab (unter anderem Der Schneeman, CrimeNoir, Crimemag und Polar), erspare ich mir jede weitere Kommentierung (aber man könnte die bekannte „Der Regionalkrimi ist doof“-Melodie doch wenigstens mal etwas variieren) und wende mich den Sammelbänden „Secret Service – Jahrbuch 2015“ von der deutschsprachigen Krimiautorenvereinigung „Das Syndikat“ und dem Sammelband „Krimimagazin: Crime & Sex“ von Tobias Gohlis und Thomas Wörtche zu.

Im „Krimimagazin: Crime & Sex“ versammeln die beiden Krimikritiker neun Texte von Krimiautoren. Drei Frauen, sechs Männer. Drei Deutsche, sechs, hm, Ausländer.

Und auch nach der Lektüre kann ich immer noch nicht sagen, wer es kaufen soll und was die Absicht des Sammelbandes ist. Das heißt jetzt nicht, dass die Texte vollkommen uninteressant sind. Es sind Ergänzungen zu den von den Autoren geschriebenen Romanen, die teilweise schon etwas älter sind. Es handelt sich um Hintergrundmaterial und damit klassisches Material für ein Nachwort.

So schreibt Gary Dexter („Der Marodeur von Oxford“, Penser Pulp 2013) in „Kriminalliteratur und Sexologie: Bettgenossen des 19. Jahrhunderts“ über Krimis (viel Sherlock Holmes) und Sexologen im 19. Jahrhundert. Das liest sich eher wie ein Lexikonartikel.

Auch Wolfgang Kaes‘ Ausführungen über Stalking und die nicht mehr aktuelle Gesetzeslage in Deutschland lesen sich wie ein Lexikonartikel. Kaes (zuletzt „Spur 24“, rororo 2014) schrieb darüber in „Herbstjagd“ (2006).

Mechtild Borrmann schreibt über Zwangsprostitution am Beispiel einer Prostituierten. Das Porträt basiert auf ihren Recherchen für „Die andere Hälfte der Hoffnung“ (Droemer Verlag, 2014) und verrät einem informiertem Zeitungsleser nichts Neues.

María Inés Krimer („Sangre Kosher: Ruth Epelbaum und die Zwi Migdal“, Penser Pulp 2014) schreibt über Prostitution in Argentinien, gestern (viel und interessant) und heute.

Andrew Brown (zuletzt „Trost“, btb 2014) erzählt eine Episode aus seinem Alltag als Polizist mit einer Straßenprostituierten.

Carlo Lucarelli (zuletzt „Bestie“, Folio 2014) redet über den italienischen Mann und das Verbrechen in Italien, also vor allem die Mafia. Das Interview ist ein netter Einblick in die italienische Seele.

Liza Cody liefert einige Hintergründe zu ihrem letzten Roman „Lady Bag“ (ariadne, 2014). Sie porträtiert vier obdachlose Frauen, die sie zu dem Roman inspirierten und dieser gut geschriebene Text macht wirklich neugierig auf „Lady Bag“.

Howard Linskey schreibt über das Geschäft mit der Prostitution in England, das auch in seinen Romanen „Crime Machine“ (Knaur 2012), „Gangland“ (Knaur 2014) und „Killer Instinct“ (Knaur, angekündigt für August 2015) eine Rolle spielt.

Und Frank Göhre begibt sich wieder auf die sündige Meile St. Pauli. Darüber hat er mehrere Romane geschrieben und in diversen Nachworten und Essays auch über die wahren Hintergründe seiner Geschichten geschrieben. Trotzdem gelingt es ihm in „Palais d’Amour“ einige Aspekte anzusprechen, die auch für einen Göhre-Fan noch neu sind.

Aber in den Sammelband fehlt jede kritische Betrachtung oder Einordnung von ihren Romanen (was auch nicht die Aufgabe des Autors ist) oder des Themas „Sex und Verbrechen“ in die Geschichte der Kriminalliteratur. Es gibt, was man bei den beiden Herausgebern eigentlich hätte erwarten können, keinen einzigen Text, der sich mit der Darstellung von Kriminalität und Sexualität im Kriminalroman beschäftigt und was die Behandlung von Sex und Verbrechen in der Literatur über die Wirklichkeit aussagt.

In den Essays geht es fast immer nur um Prostitution in der Wirklichkeit in verschiedenen Ländern in der Vergangenheit und der Gegenwart, mal mit mehr, mal mit weniger Informationen über die Verbindung vom Sexgewerbe zum Verbrechen. Man erfährt auch etwas über den dortigen Sittenwandel. Aber ohne die Kenntnis der Romane hängen die Texte fast alle im luftleeren Raum, oft sind sie nicht sonderlich spannend geschrieben und allzu neugierig wurde ich nicht auf die meisten Romane.

Immerhin gelingt es Liza Cody, Howard Linskey und Frank Göhre, die alle auch sagen, wie die Wirklichkeit ihre Romane inspirierte, neugierig auf ihre Romane zu machen. Und das wäre nach „drei Frauen“ und „drei Deutsche“ das dritte Trio.

Für Februar 2016 ist mit „Crime & Money“ das zweite Krimimagazin angekündigt, das dann hoffentlich mehr als ein schlechter „True Crime“-Sammelband ist.

Das Zielpublikum von „Secret Service – Jahrbuch 2015“ des Syndikats ist dagegen ganz klar umrissen: die Mitglieder des Syndikats und deutschsprachige Krimiautoren. Für sie gibt es die bewährte Mischung aus Klatsch und Tratsch, vulgo Vereinsmeierei. Es gibt einige Kurzkrimis, die ungefähr die Länge eines Witzes haben, Veranstaltungsberichte (über die Wiener Kriminacht, die Criminale und das Forum Criminale; beides lesenswert), Hintergrundinformationen (über E-Books und Lesungen), Ratschläge und, von Thomas Przybilka (der auch wichtige Sekundärliteratur auflistet), die immer interessanten Befragungen der Glauser-Preisträger. Dieses Jahr sind es die 2014er Preisträger Judith W. Taschler (für „Die Deutschlehrerin“ als bester Roman), Harald Gilbers (für „Germania“ als bestes Debüt), Verleger Herman-Josef ‚Hejo‘ Emons (Ehrenglauser für besondere Verdienste), Alexander Pfeiffer (für „Auf deine Lider senk ich Schlummer“ als bester Kurzkrimi) und Alice Gabathuler (für „NO_WAY_OUT“ als bester Kinder- und Jugendkrimi).

Und dann gibt es, immer wieder, Texte, die mich kopfschüttelnd zurücklassen, wie Renate Klöppels „Lampenfieber bei Lesungen: Ein Übel, mit dem man sich abfinden muss?“. Anstatt wirklich sinnvolle Hinweise zu geben oder zu erzählen, wie eine Lesung funktioniert, plaudert sie ein wenig und die Tipps sind höchstens für Schüler, die zum ersten Mal ein Referat halten sollen, tauglich. Denn – und hier kommen meine Tipps für Lesungen – als Autor hat man im Gegensatz zu allen anderen Menschen, die etwas präsentieren, einige Vorteile: die Leute sind wegen einem gekommen, sie sind höflich und interessiert und sie wollen den Autor umschmeicheln. Sie werden also keine unhöflichen Fragen stellen oder einen kritisieren. Man hat schon einen Text, den man einfach nur vorlesen muss. Niemand erwartet, dass ein Autor ein guter Vorleser ist. Er sollte einfach seinen Text langsam und laut (wenn es kein Mikrophon gibt) vorlesen und danach einfach schon einmal die offensichtlichen Fragen (Woher haben Sie ihre Ideen? Warum haben Sie diesen Roman geschrieben? Wie sieht ihr Arbeitstag aus? Hat Hollywood schon wegen der Verfilmung angefragt?) beantworten. Dabei kann er sich viel Zeit lassen. Denn die Leute wollen ihm zuhören. Sie werden ihn nicht unterbrechen. Und, wie gesagt, sie sind höflich. Sie klatschen. Sie lachen. Sie freuen sich, dass der Autor sie beehrt. Am Ende signiert man die Bücher.

Außerdem sollte jeder Autor vor seiner ersten Romanveröffentlichung – immerhin haben sie fast alle studiert – schon einige Vorträge vor Publikum gehalten haben. In der Schule (die blöden Referate), in der Universität (die blöden Referate) und im Beruf (die blöden Referate).

Über Horst-Dieter Radkes Behauptung „Die Protagonisten der meisten aktuellen Romane haben keine Biographie.“ in „Über das Grab hinaus… – Von Krimiklassikern lernen“ lohnt es sich kaum zu streiten. Er nennt dann Dorothy L. Sayers‘ Lord Peter Wimsey, Agatha Christies Miss Marple und Hercule Poirot und George Simenons Kommissar Maigret als Charaktere mit einer ausgefeilten Biographie.

Der Leser aktueller Romane denkt an Lawrence Blocks Matt Scudder, James Lee Burkes Dave Robicheaux, Michael Connellys Harry Bosch, Ian Rankins John Rebus, Robert B. Parkers Jesse Stone, Ken Bruens Jack Tayler, und ehe ihm weitere Ermittler mit einer ausgewachsenen Biographie, die sich über mehrere Romane entwickelt, einfallen, beschließt er, den Text zu vergessen.

In „Großleinwandthriller oder: Warum machst du eigentlich kein Kino?“ schreibt Matthias Herbert über seine Erfahrungen bei der (Nicht-)Realisierung eines Spielfilms. Das ist amüsant geschrieben und bietet einen ernüchternden Einblick in die deutsche Filmszene.

Insgesamt zeigt „Secret Service – Jahrbuch 2013“, wie die vorherigen Ausgaben, warum der deutsche Krimi ist, wie er ist.

Tobias Gohlis/Thomas Wörtche (Herausgeber): Krimimagazin: Crime & Sex

Droemer, 2015

240 Seiten

9,99 Euro

Syndikat: Secret Service – Jahrbuch 2015

Gmeiner, 2015

256 Seiten

9,99 Euro

Hinweise

Homepage vom Syndikat

Meine Besprechung von „Secret Service – Jahrbuch 2009“

Meine Besprechung von „Secret Service – Jahrbuch 2011“

Meine Besprechung von „Secret Service – Jahrbuch 2012“

Meine Besprechung von „Secret Service – Jahrbuch 2013“

Meine Besprechung von „Secret Service – Jahrbuch 2014“


Das Syndikat und sein „Secret Sercive – Jahrbuch 2014“

Januar 20, 2014

Syndikat - Secret Service Jahrbuch 2014

Das neue Jahrbuch „Secret Service“ der deutschsprachigen Krimiautorenvereinigung „Das Syndikat“ ist erschienen und, wie in den vergangenen Jahren ist es ein echtes Mixed Bag. Es gibt Thomas Przybilkas Bibliographie von wichtiger Sekundärliteratur, Befragungen der Glauser-Preisträger, Kurzgeschichten, Hintergrundinformationen und Berichte. Was ja auf den ersten Blick nicht schlecht aussieht, aber entscheidend ist die Ausführung.

Also, die Befragungen der Glauser-Preisträger sind wie immer interessant. Dieses Mal wird bei einigen Preisträgern – nachdem ich es bei früheren Ausgaben monierte – sogar erwähnt, für welche Werke sie vom „Syndikat“ ausgezeichnet wurden. Inzwischen habe ich den Verdacht, dass das „Syndikat“ den Preis vergibt, aber die Werke für so unwichtig oder schlecht hält, dass es keine weitere Werbung dafür machen will. Jedenfalls gibt es hier in der Kriminalakte, wie in den vergangenen Jahren, wieder einmal die Liste der Preisträger und ihrer ausgezeichneten Werke:

Bester Roman: Kriegsgebiete, von Roland Spranger

Bestes Debüt: Tödliche Fortsetzung, von Marc-Oliver Bischoff

Bester Kurzkrimi: Hackfleisch, von Regina Schleheck (in „Mordsgerichte“)

Hansjörg-Martin-Preis (Kinder- und Jugendkrimipreis): Elefanten sieht man nicht, von Susan Kreller

Ehrenpreis (für besondere Verdienste um die deutschsprachige Kriminalliteratur): Gunter Gerlach

Ebenfalls sehr interessant ist eine kleine Autorenbefragung, an der sich Jürgen Kehrer, Michael Kibbler, Gisa Klönne, Paul Lascaux, Iny Lorentz, Nele Neuhaus, Ingrid Noll, Thomas Raab, Eva Rossmann und Klaus-Peter Wolf beteiligten. Sie durften aus einem Fragenkatalog vier Fragen auswählen und beantworten.

Witzig sind dieses Mal die Kurzgeschichten geraten, die nur wenige Zeilen, meist eine Drittel Seite, lang sind und durchgehend gelungen sind. Tödliche Krimiwitze eben.

Ziemlich uninteressant sind dagegen die Texte, die sich mit „Information“ und „Weiterbildung“ (Vorwort der Herausgeberin) beschäftigten.

Wie schon im letzten Jahr schreibt ein Rechtsmediziner über „Rechtsmedizin – Geschichte und Zukunft“. Gibt es bei der Polizei nicht auch andere Arbeitsbereiche? Spurensuche? Profiling? Cybercrime? Bestimmte Arbeitsbereiche der Polizei, zum Beispiel: wie läuft eine Mordermittlung ab? Was darf ein Polizist?

In „Recherche Reloaded. Das Internet als Arbeitshilfe für Krimiautorinnen und Krimiautoren“ erklärt Viktor Iro den Aufbau eines Textes, den nur „Syndikat“-Mitglieder bekommen.

Ebenso enttäuschend ist „Gut gemacht, Daniel“, in dem ein Interview mit Daniel Holbe, der die Romanserien des überraschend verstorbenen Andreas Franz weiterschreibt, angekündigt wird. Von dem Interview schafften es ungefähr zwei Sätze in den fünfseitigen Text.

In „Die Liga der außergewöhnlichen Ermittlerfiguren“ werden eine Reihe ungewöhnlicher Ermittlerfiguren aufgelistet, was ungefähr den Reiz eines Lexikonartikels verströmt. Denn ohne Wertung stehen Laien, Antihelden und ein Magier-Detektiv nebeneinander und erst in der Bibliographie, die es zum Glück gibt, erfährt man, wann und wo deren Abenteuer veröffentlicht wurden. Wobei einige schon lange nicht mehr erhältlich sind. Naja, so einen Artikel kann ich auch schreiben, wenn ich mich einige Minuten vor mein Bücherregal stelle.

Und wenn ich dann die Bücher herausziehe, kann ich den Artikel über Romananfänge schreiben. Denn Jürgen Ehlers listet einfach, ohne Wertung, Romananfänge auf. Am Ende der sechzehn Seiten bleibt die Erkenntnis, dass man eine Geschichte verschieden beginnen kann. Wer hätte das erwartet?

Besser wäre es gewesen, wenn er erklärt hätte, welche Romananfänge besser, welche schlechter sind und warum das so ist.

Mein Fazit ist, wie in den letzten Jahren: In der Bibliothek besorgen.

Syndikat (Herausgeber): Secret Service – Jahrbuch 2014

Gmeiner 2014

288 Seiten

9,99 Euro

Hinweise

Homepage vom Syndikat

Meine Besprechung von „Secret Service – Jahrbuch 2009“

Meine Besprechung von „Secret Service – Jahrbuch 2011“

Meine Besprechung von „Secret Service – Jahrbuch 2012“

Meine Besprechung von „Secret Service – Jahrbuch 2013“


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