Neu im Kino/Filmkritik: „Kingsman: The Golden Circle“ und die Statesman

September 22, 2017

Der erste „Kingsman“-Film „The Secret Service“ war der etwas andere James-Bond-Film, der alles hatte, was alte James-Bond-Fans von einem James-Bond-Film erwarten. Und noch etwas mehr.

Der zweite „Kingsman“-Film „The Golden Circle“ schreibt die Geschichte der Kingsman und von Eggsy (Taron Egerton), der jetzt den Codenamen ‚Galahad‘ hat, fort. Allerdings weniger im Modus eines James-Bond-Films, sondern mehr „eigenständig“ als vergnügliche, mit über hundertvierzig Minuten auch zu lang geratene Nummernrevue mit viel Action. Denn die Story, ein Mix aus Agenten- und Kriminalgeschichte mit einer größenwahnsinnigen Schurkin, ist überall und nirgends.

Es beginnt mit einem Mordanschlag auf Eggsy (Taron Egerton), der uns gleich eine große Actionszene auf den nächtlichen Straßen Londons mit zahlreichen Kollateralschäden beschert, die auch gut in einen James-Bond-Film gepasst hätte. Wenn die Inszenierung der Action nicht zu sehr auf den Kollegen Computer bauen würde.

Dann werden alle Kingsman gleichzeitig bei mehreren explosiven Anschlägen ermordet. Nur Eggsy und Merlin (Mark Strong) überleben. In einem Notfallsafe finden sie einen Hinweis, der sie in die USA nach Kentucky in eine gigantische Whiskey-Destillerie zu ihrer Bruderorganisation ‚Statesman‘ führt und in deren Venen Americana fließt. Die dortigen Agenten Tequila (Channing Tatum, der wegen seines Drogenkonsums schnell tiefgekühlt gelagert wird), sein Kollege Whiskey (Pedro Pascal, „Game of Thrones“, „Narcos“), Ginger Ale (Halle Berry) und ihr Chef Champagne (Jeff Bridges) helfen ihnen gegen den Golden Circle, der für die Anschläge auf die Kingsman verantwortlich ist, vorzugehen.

Der Golden Circle ist eine global aktive Drogenschmuggelorganisation, deren Chefin Poppy (Julianne Moore) nach höheren Weihen strebt. Dafür vergiftet sie jetzt alle ihre Kunden. Das Gegengift gibt es, wenn ihre Forderung nach einer vollständigen Freigabe von Drogen (Hey, klingt vernünftig!) erfüllt wird. Der Präsident der USA (Bruce Greenwood) denkt nicht daran und die Kingsman und die Statesman, vor allem Eggsy und Whiskey, beginnen, quer über den Globus reisend, Poppy und ihr Versteck zu suchen. Das liegt in Südostasien im Dschungel und sieht wie eine US-amerikanische Fünfziger-Jahre-Kleinstadt aus. Mit Diner, Kino und Konzertsaal, mit Elton John als Hauspianisten.

Bis dahin vergeht allerdings viel Filmzeit. Durchaus vergnüglich, aber auch deutlich mehr an einzelnen Episoden, Gags, teils gelungen, teils idiotisch (wie die Roboterhunde), teils geschmacklos, und Subplots zwischen Therapie für ‚Galahad‘ Harry Hart (Colin Firth) und Liebesknatsch zwischen Eggsy und seiner Freundin Prinzessin Tilde (Hanna Alström) interessiert, als am vorantreiben der erschreckend sinnfreien Haupthandlung.

Die Action ist zwar furios im derzeit gängigen, aus Superheldenfilmen bekannten Standard gefilmt, aber sie berührt oft nicht. Denn zu oft ist zu offensichtlich, dass die Szenen nur dank dem großflächigen CGI-Einsatz so aussehen, wie sie aussehen. Dabei haben zuletzt „John Wick: Kapitel 2“, „Atomic Blonde“ und „Baby Driver“ gezeigt, wie mitreisend handgemachte Action ist. Auch der erste „Kingsman“-Film „The Secret Service“ hatte da mit Harry Harts Kampf in einem Pub und einer Kirche Standards gesetzt, die in diesem Film nicht überboten werden. Die Pubszene wird in „The Golden Circle“ zitiert, aber am Ende ist ein Lasso nur ein kläglicher Ersatz für einen Regenschirm.

So ist „Kingsman: The Golden Circle“ ein deutlich zu lang geratener Nachschlag zum ersten „Kingsman“-Film, dem genau der Witz, Stil, erzählerische Stringenz und Überraschungseffekt des ersten Teils fehlt.

Kingsman: The Golden Circle (Kingsman: The Golden Circle, USA 2017)

Regie: Matthew Vaughn

Drehbuch: Jane Goldman, Matthew Vaughn

LV: Mark Millar/Dave Gibbons: The Secret Service, 2012/2013 (Secret Service) (naja, eigentlich „Inspiration“)

mit Taron Egerton, Julianne Moore, Colin Firth, Mark Strong, Channing Tatum, Halle Berry, Jeff Bridges, Pedro Pascal, Edward Holcroft, Elton John, Hanna Alström, Tom Benedict Knight, Michael Gambon, Sophie Cookson, Björn Granath, Lena Endre, Poppy Delevingne, Bruce Greenwood, Emily Watson

Länge: 141 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Kingsman: The Golden Circle“

Metacritic über „Kingsman: The Golden Circle“

Rotten Tomatoes über „Kingsman: The Golden Circle“

Wikipedia über „Kingsman: The Golden Circle“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Matthew Vaughns Mark-Millar-Verfilmung „Kingsman: The Secret Service“ (Kingsman: The Secret Service, USA/Großbritannien 2015)

Bonushinweis

Pünktlich zum Filmstart (obwohl der Comic nichts mit dem Film zu tun hat) erschien bei Panini als vierter Band der „Mark Millar Collection“. „Genosse Superman“ ist Mark Millars Interpretation der Geschichte von Superman. Nur dass der Sohn Kryptons in den Fünfzigern nicht in den USA, sondern einige Kilometer weiter, in der Sowjetunion landete und der, – man beachte das Zeichen auf Supermans Brust -, für andere Werte kämpft.

Genosse Superman“ war für den Eisner Award nominiert.

Mark Millar/Dave Johnson/Kilian Plunket: Genosse Superman (Mark Millar Collection Band 4)

(übersetzt von Christian Heiss)

Panini, 2017

172 Seiten

24,99 Euro

Originalausgabe

Superman: Red Son # 1 – 3

DC Comics, 2003

Hinweise

Homepage von Mark Millar

Meine Besprechung von Mark Millar/J. G. Jones‘ „Wanted (Mark Millar Collection 1)“ (Wanted # 1 – 6, Dezember 2003 – Februar 2005)

Meine Besprechung von Mark Millar/Steve McNivens „Nemesis“ (Nemesis, 2010/2011)

Meine Besprechung von Mark Millar/Grant Morrisons “Vampirella: Heiliger Krieg (Master Series 1)”

Meine Besprechung von Mark Millar/Steve McNivens „Wolverine: Old Man Logan“ (Old Man Logan, 2008/2009)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita, Jr. „Kick-Ass 2 (Band 1)“ (Kick-Ass 2 – Issue 1 – 4, Dezember 2010 – November 2011)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita, Jr. „Kick-Ass 2 (Band 2)“ (Kick-Ass 2 – Issue 5 – 7, Januar – Mai 2012)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita, Jr. „Hit-Girl – Kick-Ass 2: Die Vorgeschichte“ (Hit-Girl, Issue 1 – 5, August 2012 – April 2013)

Meine Besprechung von Mark Millar/Leinil Yus „Superior – Band 2“ (Superior, Issue 5 – 7, Dezember 2011 – März 2012)

Meine Besprechung von Mark Millar/Dave Gibbons‘ „Secret Service“ (Secret Service # 1- 6, Juni 2012 – April 2013)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita jr. „Kick-Ass 3 – Band 1“ (Kick-Ass 3, # 1 – 5, Juli 2013 – Januar 2014)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita jr. „Kick-Ass 3 – Band 2“ (Kick-Ass 3 – # 6 – 7, April – August 2014)

Meine Besprechung von Mark Millar/Leinil Yu/Nacho Vigalondos (Co-Autor/Drehbuch) „Super Croocks – Band 1: Der Coup“ (Super Crooks # 1 – 4, 2012)

Meine Besprechung von Jeff Wadlows Mark-Millar-Verfilmung „Kick-Ass 2“ (Kick-Ass 2, USA 2013)

Meine Besprechung von Matthew Vaughns Mark-Millar-Verfilmung „Kingsman: The Secret Service“ (Kingsman: The Secret Service, USA/Großbritannien 2015)

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Neu im Kino/Filmkritik: „Kingsman: The Secret Service“ spielt James Bond

März 12, 2015

Sie halten die Daniel-Craig-James-Bond-Filme für zu psychologisch? Sie lieben die alten James-Bond-Filme? Vor allem die mit Sean Connery? Und Sie sind keiner der James-Bond-Fans, die nur die von Eon produzierten Bond-Filme goutieren? Dann ist „Kingsman: The Secret Service“ definitiv einen Blick wert.
Am Anfang stand, während des Drehs von „Kick-Ass“, ein Gespräch zwischen Comicautor Mark Millar und Regisseur Matthew Vaughn, in dem sie sich fragten, warum die Macher des James-Bond-Films „Casino Royale“ in dem Film nicht die Ausbildung von James Bond, der damals erstmals von Daniel Craig gespielt wurde, gezeigt haben. Denn so eine Geheimagentenausbildung liefert Stoff für viele Anekdoten. Und sie erinnerten sich an die Geschichte zum ersten James-Bond-Film „James Bond 007 jagt Dr. No“/„Dr. No“, in der Regisseur Terence Young Sean Connery die richtige Kleidung und die richtigen Manieren für einen Geheimdienst ihrer Majestät beibrachte.
Ausgehend von diesem Gespräch entwickelten Autor Mark Millar („Kick-Ass“), Regisseur Matthew Vaughn (die Verfilmung von „Kick-Ass“) und Zeichner Dave Gibbons („Watchmen“) die Geschichte für den Comic „Secret Service“. Schon damals hatten sie eine Verfilmung im Hinterkopf, die jetzt von Matthew Vaughn auch realisiert wurde und die, trotz einiger Änderungen, dem Geist des Comics treu bleibt.
Im Film, und das ist die schönste und stilvollste Idee, wurde der Geheimdienst ihrer Majestät (der im Comic der Arbeitgeber unseres Helden wird) zum noblen Herrenschneider in der Savile Row. Diese Herrenschneider gründeten schon vor Jahrhunderten einen an König Arthurs Tafelrunde angelehnten Geheimbund und Geheimdienst, der von keiner Regierung Befehle entgegennimmt. Sie sind nur dem allgemeinen Wohl der Menschheit verpflichtet. Sie arbeiten im Verborgenen. Niemand weiß von ihnen. Und dank ihres Berufs haben sie Zugang zu allen Hinterzimmern der Mächtigen.
Als bei einem Einsatz einer der Kingsmen stirbt, wird ein Nachfolger gesucht. Jedes Mitglied der illustren Runde darf einen Kandidaten vorschlagen, der dann einem harten Auswahlprozess unterzogen wird. Harry Hart (Colin Firth), Codename Galahad, schlägt Gary ‚Eggsy‘ Price (Taran Egerton) vor.
Vor siebzehn Jahren starb Eggsys Vater bei einem Einsatz. Er rettete so Hart und sein Team. Seitdem steht er moralisch in der Schuld der Price-Familie. Und er glaubt, dass der Kleinverbrecher ohne Schulabschluss das Potential für einen echten Kingsman hat.
Währenddessen muss Hart auch gegen Richmond Valentine kämpfen. Valentine ist im Comic ein noch jugendlicher Milliardär, der mit Handys reich wurde. Er ist die größenwahnsinnige Ausgabe von Mark Zuckerberg. Im Film wird der Bösewicht von Samuel L. Jackson (mit einer gruseligen, immer irritierenden Synchronstimme) gespielt. Er ist ein ebenfalls durch technische Innovationen reich gewordener Milliardär mit eher nerviger HipHop-Attitüde. Denn auch wenn nicht mehr jeder HipHopper ein Zwanzigjähriger ist, ist Jackson zu alt für so ein pubertäres Gehabe.
Das verstrahlt-geniale Vorhaben von Valentine änderte sich nicht: er will etwas gegen die Überbevölkerung tun. Er will den Planeten retten, indem er fast die gesamte Menschheit durch ein Signal, das sich über seine Mobiltelefone verbreitet, vernichtet. Nur einige Auserwählte dürfe in seinem in den Bergen gelegenem Hauptquartier überleben.
Und nur unser James-Bond-Nachfolger Eggsy kann das verhindern.
„Kingsman: The Secret Service“ ist von der ersten bis zur letzten Sekunde eine James-Bond-Pastiche mit einem ordentlichen „Kick-Ass“-Vibe. Deshalb ist Matthew Vaughns Film auch deutlich brutaler als einer der klassischen Bond-Filme. Aber er ist auch enorm stilvoll. Immerhin müssen die Herrenausstatter für die gesellschaftliche Oberschicht selbst auch gut gekleidet sein und die richtigen Accessoires haben, teils mit verstecktem Q-Zubehör. Und natürlich ist ein Colin Firth (The King’s Speech, A single man) als James Bond ein Besetzungscoup. Da ist Michael Caine als Chef der Kingsmen (vulgo M) nur folgerichtig. Immerhin spielte Caine in den Sechzigern in drei Len-Deighton-Verfilmungen den Geheimagenten Harry Palmer, der einmal auch gegen „Das Milliarden Dollar Gehirn“ kämpfen musste.
Wenn Kenneth Branaghs „Cinderella“ der Film für achtjährige Mädchen, die gerne Prinzessin wären, ist, dann ist „Kingsman: The Secret Service“ der Film für pubertierende Jungs, die niemals einen Anzug anziehen würden, weil Anzüge uncool sind, und die sich niemals rasieren, weil Bartwuchs in dem Alter kein Problem ist. Ratet mal, zu welcher Gruppe ich gehöre?

Kingsman - Plakat

Kingsman: The Secret Service (Kingsman: The Secret Service, USA/Großbritannien 2015)
Regie: Matthew Vaughn
Drehbuch: Jane Goldman, Matthew Vaughn
LV: Mark Millar/Dave Gibbons: Secret Service, 2012/2013 (Secret Service)
mit Colin Firth, Samuel L. Jackson, Mark Strong, Taron Egerton, Michael Caine, Sofia Boutella
Länge: 129 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Die Vorlage (meine Besprechung)

Millar - Secret Service - 2

Mark Millar/Dave Gibbons: Secret Service
(übersetzt von Claudia Fliege)
Panini, 2013
172 Seiten
19,95 Euro

Originalausgabe
Secret Service # 1- 6
Millarworld, Juni 2012 – April 2013

Hinweise
Britische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Kingsman“
Moviepilot über „Kingsman“
Metacritic über „Kingsman“
Rotten Tomatoes über „Kingsman“
Wikipedia über „Kingsman“ (deutsch, englisch)

Homepage von Mark Millar

Meine Besprechung von Mark Millar/Steve McNivens „Nemesis“ (Nemesis, 2010/2011)

Meine Besprechung von Mark Millar/Grant Morrisons “Vampirella: Heiliger Krieg (Master Series 1)”

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita, Jr. „Kick-Ass 2 (Band 1)“ (Kick-Ass 2 – Issue 1 – 4, Dezember 2010 – November 2011)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita, Jr. „Kick-Ass 2 (Band 2)“ (Kick-Ass 2 – Issue 5 – 7, Januar – Mai 2012)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita, Jr. „Hit-Girl – Kick-Ass 2: Die Vorgeschichte“ (Hit-Girl, Issue 1 – 5, August 2012 – April 2013)

Meine Besprechung von Mark Millar/Leinil Yus „Superior – Band 2“ (Superior, Issue 5 – 7, Dezember 2011 – März 2012)

Meine Besprechung von Jeff Wadlows Mark-Millar-Verfilmung “Kick-Ass 2″ (Kick-Ass 2, USA 2013)

Meine Besprechung von Mark Millar/Dave Gibbons‘ „Secret Service“ (Secret Service # 1- 6, 2012/2013)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita jr. „Kick-Ass 3 – Band 1“ (Kick-Ass 3, # 1 – 5, 2013/2014)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita jr. „Kick-Ass 3 – Band 2“ (Kick-Ass 3 – # 6 – 7, 2014)

Meine Besprechung von Mark Millar/Leinil Yu/Nacho Vigalondos (Co-Autor/Drehbuch) „Super Croocks – Band 1: Der Coup“ (Super Crooks # 1 – 4, 2012)

Wikipedia über Dave Gibbons (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Alan Moore/Dave Gibbons’ “Watchmen” (Watchmen, 1986/1987)

Meine Besprechung von Frank Miller/Dave Gibbons’ “Martha Washington – Ein amerikanischer Traum (Band 1)” (Give me liberty, 1990)

Matthew Vaughn spricht über den Film


Verfilmte Bücher: Aus „Secret Service“ wird „Kingsman: The Secret Service“ – und einige weitere Werke von Mark Millar

Januar 28, 2015

Millar - Secret Service - 2

Gary ist ein Taugenichts, der im Armenghetto Peckham in Südlondon als Kleinkrimineller lebt und regelmäßig von seinem Stiefvater verprügelt wird. Wenn er mal wieder tief in der Scheiße steckt, hilft ihm sein Onkel Jack London, der ihm jetzt eine allerletzte Chance gibt. Weil er Potential in ihm sieht, verschafft er Gary einen Ausbildungsplatz beim Geheimdienst. Also nicht irgendeinem Geheimdienst, sondern dem James-Bond-Geheimdienst, der im Geheimen arbeitet, Zugriff auf unglaublich viele technische Spielereien hat und der Schurken mit Weltbeherrschungsplänen bekämpft.
Während Gary seine Ausbildung absolviert, werden, anscheinend planlos, bekannte Persönlichkeiten entführt. Zu ihnen gehören die Schauspieler aus der kultigen BBC-Science-Fiction-Serie „Red Dwarf“ und „Luke Skywalker“ Mark Hamill, der auch in der Verfilmung „Kingsman: The Secret Service“ als Professor James Arnold auftritt. Hinter den Entführungen steckt ein typischer James-Bond-Bösewicht, der mit seinem Plan die Menschheit retten will. Naja, irgendwie.
Die Ursprungsidee für den Comic „Secret Service“ von Mark Millar („Kick-Ass“), Regisseur Matthew Vaughn (die Verfilmung von „Kick-Ass“) und Zeichner Dave Gibbons („Watchmen“) war die Anekdote zum ersten James-Bond-Film „James Bond 007 jagt Dr. No“/„Dr. No“, in der Regisseur Terence Young Sean Connery die richtige Kleidung und die richtigen Manieren für einen Geheimdienst ihrer Majestät beibrachte, und die Frage, warum die Macher des James-Bond-Films „Casino Royale“ nicht die Ausbildung von James Bond zeigten.
Das taten sie dann in „Secret Service“, weshalb der Comic natürlich nur eine kaum verhüllte James-Bond-Geschichte ist, die gerade deshalb so reizvoll ist. Jedenfalls für den James-Bond-Fan.

Für die am 26. Februar bei uns startende Verfilmung des Comics, die „Kingsman: The Secret Service“ heißt, wurde dann, wie schon der Trailer verrät (Sorry, ich glaube, es gibt eine Sperrfrist.), einiges geändert. Das „Kick-Ass“-erprobte Team Millar/Vaughn veränderte für die Verfilmung, die dem Comic natürlich in groben Zügen folgt, etliche Details. Dabei sind die Änderungen mal mehr, mal weniger sinnvoll.

Millar - Kick-Ass 3 - Band 1Millar - Kick-Ass 3 - Band 2

Inzwischen ist auch „Kick-Ass 3“ von Mark Millar und Zeichner John Romita, Jr., der Abschluss der Geschichte von Dave Lizewski und Mindy McCready erschienen.
Während „Kick-Ass 2“ und der dazu gehörende, aber unabhängig lesbare Comic „Hit-Girl“ während der Verfilmung geschrieben wurden (Comic und Film entstanden ziemlich parallel), wird es, obwohl die Story gut ist, wahrscheinlich keinen dritten „Kick-Ass“-Film geben, weil „Kick-Ass 2“ an der Kasse nicht so viel Geld einspielte und weil Hit-Girl-Darstellerin Chloe Grace Moretz (geboren 10. Februar 1997) inzwischen einfach zu alt für eine dreizehnjährige Killerin ist.
Das Thema des Erwachsen-werdens zieht sich durch den gesamten dritten „Kick-Ass“-Comic, der bei uns aufgesplittet in zwei Teilen erschien (ein Sammelband erscheint sicher irgendwann in naher Zukunft). Inzwischen sitzt Hit-Girl in einem Hochsicherheitstrakt in einem Hochsicherheitsgefängnis, was sie aber nicht allzu sehr zu stören scheint. Während sie einem Psychologen Geschichten aus ihrem Leben erzählt, sorgt sie im Gefängnis für Gerechtigkeit und plant ihren Ausbruch.
Kick-Ass Dave Lizewski und seine Kumpels wollen sie zwar befreien, aber schon während des ersten Versuchs geben sie auf. Lieber treffen sie sich im Hauptquartier und reden über die großen Taten, die sie tun wollen.
Zur gleichen Zeit kommt Rocco Genovese aus Sizilien. Er übernimmt die Familiengeschäfte des von Kick-Ass, Hit-Girl und ihren Freunde radikal dezimierten Genovese-Clans. Onkel Rocco hat große Pläne für das Organisierte Verbrechen an der Ostküste. Außerdem bietet er Chris Genovese, aka Red Mist und später Motherfucker, an, sich an Kick-Ass und Hit-Girl zu rächen.
Dass die Dinge dann doch nicht so laufen, wie Onkel Rocco es plant, können wir uns denken. Es gibt auch wieder einige Gags, aber der Spaß wird durch die moralisierenden Reden über das Erwachsen-werden und Daves erste wahre Liebe gebremst.
Immerhin tut Hit-Girl, was sie am besten kann.

Millar - Super Crooks

Etwas ganz anderes ist „Super Crooks“ von Mark Millar und Leinil Yu, mit dem er bereits „Superior“ zusammen schrieb. Obwohl es heißt „Band 1: Der Coup“ erzählt der Sammelband, der die vier „Super Crooks“-Hefte enthält, eine in sich abgeschlossene Geschichte, die keine Fortsetzung verlangt.
In der Welt der Super Crooks gibt es echte Superhelden und echte Superverbrecher, die alle übermenschliche Fähigkeiten haben und die Guten die Bösen regelmäßig bei ihren Untaten festsetzen und der Justiz zuführen, die sie umstandslos in das nächste Gefängnis schickt. Weil die Superverbrecher in den USA, der Heimat der Superhelden und Superverbrecher, keine Verbrechen mehr begehen können, entschließt sich Johnny Bolt, der gerade eine fünfjährige Haftstrafe verbüßte, mit einer kleinen Gruppe Superschurken, die gerade alle in einem Zwangsruhestand (aka „im bürgerlichen Leben“) sind, nach Teneriffa zu fliegen, um einen großen Coup durchzuziehen, der ihrem Mentor Carmine Heat helfen soll, seine astronomischen Spielschulden zu bezahlen.
Die zu Spanien gehörende Insel hat zwei Vorteile: es gibt keine Superhelden, die ihnen die Tour vermasseln können und es gibt einen superreichen Inselbewohner. Christopher Matts, der Bastard, der Super-Superschurke, die Legende, die dort seit fünfzehn Jahren ihren Ruhestand genießt und unermessliche Reichtümer in seinem Anwesen gebunkert hat.
Die Geschichte leidet unter der durch das Heftformat bedingten Vier-Akt-Struktur, die die Macher zwingt, am Ende von jedem Heft einen Cliffhanger zu haben und davor die Geschichte auf die nötigen Seiten zu strecken oder zu kürzen. So ist der Anfang etwas zu lang und das Ende zu kurz geraten und der Mittelteil, der Planung des Coups, leidet genau unter diesem Ungleichgewicht.
Die Idee selbst, dass nicht alle Superhelden edle Menschen sind, ist natürlich gut. Und dass auch einmal Superschurken, die einen Diebstahl durchführen wollen, im Mittelpunkt stehen, ist ebenfalls gut. Sie macht aus einem gewöhnlichen Heist-Krimi einen Superhelden-Heist-Krimi.
Und genau wie in „Secret Service“ und „Kick-Ass“ erzählt Millar mit seinem respektlosem Humor eine bekannte Geschichte mit einem neuen Twist.
Ach ja: selbstverständlich sind die Filmrechte schon verkauft. Mit dem spanischen Regisseur Nachos Vigalondo („Timecrimes“) arbeiteten Mark Millar und Leinil Yu an den ersten Storyboards, die schon vor dem Comic entstanden; – was ja bei Mark Millar nicht ungewöhnlich ist.

Mark Millar/Dave Gibbons: Secret Service
(übersetzt von Claudia Fliege)
Panini, 2013
172 Seiten
19,95 Euro

Originalausgabe
Secret Service # 1- 6
Millarworld, Juni 2012 – April 2013

Mark Millar/John Romita jr.: Kick-Ass 3 – Band 1
(übersetzt von Bernd Kronsbein)
Panini, 2014
120 Seiten
14,99 Euro

Originalausgabe
Kick-Ass 3, # 1 – 5
Millarworld, Juli 2013 – Januar 2014

Mark Millar/John Romita jr.: Kick-Ass 3 – Band 2
(übersetzt von Bernd Kronsbein)
Panini, 2014
124 Seiten
14,99 Euro

Originalausgabe
Kick-Ass 3 – # 6 – 7
Millarworld, April – August 2014

Mark Millar/Leinil Yu/Nacho Vigalondo (Co-Autor/Drehbuch): Super Croocks – Band 1: Der Coup
(übersetzt von Bernd Kronsbein)
Panini, 2013
124 Seiten
16,95 Euro

Originalausgabe
Super Crooks # 1 – 4
Millarworld, 2012

Hinweise

Homepage von Mark Millar

Meine Besprechung von Mark Millar/Steve McNivens „Nemesis“ (Nemesis, 2010/2011)

Meine Besprechung von Mark Millar/Grant Morrisons “Vampirella: Heiliger Krieg (Master Series 1)”

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita, Jr. „Kick-Ass 2 (Band 1)“ (Kick-Ass 2 – Issue 1 – 4, Dezember 2010 – November 2011)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita, Jr. „Kick-Ass 2 (Band 2)“ (Kick-Ass 2 – Issue 5 – 7, Januar – Mai 2012)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita, Jr. „Hit-Girl – Kick-Ass 2: Die Vorgeschichte“ (Hit-Girl, Issue 1 – 5, August 2012 – April 2013)

Meine Besprechung von Mark Millar/Leinil Yus „Superior – Band 2“ (Superior, Issue 5 – 7, Dezember 2011 – März 2012)

Meine Besprechung von Jeff Wadlows Mark-Millar-Verfilmung „Kick-Ass 2“ (Kick-Ass 2, USA 2013)

Wikipedia über Dave Gibbons (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Alan Moore/Dave Gibbons’ “Watchmen” (Watchmen, 1986/1987)

Meine Besprechung von Frank Miller/Dave Gibbons’ “Martha Washington – Ein amerikanischer Traum (Band 1)” (Give me liberty, 1990)


TV-Tipp für den 7. Februar: Watchmen – Die Wächter

Februar 7, 2014

Pro7, 22.05

Watchmen – Die Wächter (Watchmen, USA/GB/Can 2009)

Regie: Zack Snyder

Drehbuch: David Hayter, Alex Tse

LV: Alan Moore/Dave Gibbons: Watchmen, 1986/1987 (Watchmen)

Der „Comedian“, ein Superheld, wird ermordet. Rorschach, ein anderer Superheld, glaubt an eine Verschwörung, die mit dem Tod von allen Superhelden, die sich „Watchmen“ nennen, enden soll. Er alarmiert die restlichen „Watchmen“ und sie müssen wieder gemeinsam in den Kampf ziehen.

Sehr werkgetreue Verfilmung des als unverfilmbar geltenden Comics; – und damit auch eine wegen zu großer Werktreue gescheiterte Verfilmung. Denn beim Sehen hakt man, wenn man den Comic kennt, zunehmend lustlos, die einzelnen Szenen der Reihe nach ab, freut sich über die sehr bildgenaue Umsetzung, rätselt über die wenigen Änderungen und bedauert im ‘Och, das hätte ich gerne auch noch gesehen’-Modus, die fehlenden Szenen. Aber ein eigenständiger Zugriff auf die Geschichte geht anders. Trotzdem ist „Watchmen“ als Übung in Fantum sehenswert.

Mit Jeffrey Dean Morgan, Malin Akerman, Patrick Wilson, Billy Crudup, Jackie Earle Haley, Matthew Goode, Carla Gugino, Matt Frewer, Stephen McHattie

Hinweise

Comic Book Database über Alan Moore

Alan-Moore-Fanseite (etwas veraltet)

Dave-Gibbons-Fanseite

DC Comics über „Watchmen“

YouTube: Alan Moore spricht über „Watchmen“ und Superhelden

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Watchmen“

Wikipedia über “Watchmen – Die Wächter” (deutsch, englisch)

Tagesspiegel: Interview mit Dave Gibbons über die Verfilmung

Meine Besprechung der ersten beiden “Before Watchmen”-Comics

Meine Besprechung von Alan Moore/Dave Gibbons’ „Watchmen” (Watchmen, 1986/1987)

Meine Besprechung von Alan Moore/Eddie Campbells “From Hell” (From Hell, 1999)

Meine Besprechung von Alan Moore (Manuskript, Original-Drehbuch)/Malcolm McLaren (Original-Drehbuch)/Antony Johnston (Comic-Skript)/Facundo Percios (Zeichnungen) „Fashion Beast: Gefeuert (Band 1)“ (Fashion Beast # 1 – 5, 2012/2013)

Meine Besprechung von Alan Moore/Kevin O’Neills „Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen: 2009“ (The League of Extraordinary Gentlemen #3: 2009, 2011)

Meine Besprechung von Alan Moore/Kevin O’Neills „Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen: Das schwarze Dossier“ (The League of Extraordinary Gentlemen: Black Dossier, 2007)

Meine Besprechung von Alan Moore/Jacen Burrows‘ „Neonomicon“ (The Courtyard, 2003; Neonomicon, 2010/2011)


TV-Tipp für den 15. September: Watchmen – Die Wächter

September 15, 2013

Pro7, 22.30

Watchmen – Die Wächter (Watchmen, USA/GB/Can 2009)

Regie: Zack Snyder

Drehbuch: David Hayter, Alex Tse

LV: Alan Moore/Dave Gibbons: Watchmen, 1986/1987 (Watchmen)

Der „Comedian“, ein Superheld, wird ermordet. Rorschach, ein anderer Superheld, glaubt an eine Verschwörung, die mit dem Tod von allen Superhelden, die sich „Watchmen“ nennen, enden soll. Er alarmiert die restlichen „Watchmen“ und sie müssen wieder gemeinsam in den Kampf ziehen.

Sehr werkgetreue Verfilmung des als unverfilmbar geltenden Comics; – und damit auch eine wegen zu großer Werktreue gescheiterte Verfilmung. Denn beim Sehen hakt man, wenn man den Comic kennt, zunehmend lustlos, die einzelnen Szenen der Reihe nach ab, freut sich über die sehr bildgenaue Umsetzung, rätselt über die wenigen Änderungen und bedauert im ‘Och, das hätte ich gerne auch noch gesehen’-Modus, die fehlenden Szenen. Aber ein eigenständiger Zugriff auf die Geschichte geht anders. Trotzdem ist „Watchmen“ als Übung in Fantum sehenswert.

Mit Jeffrey Dean Morgan, Malin Akerman, Patrick Wilson, Billy Crudup, Jackie Earle Haley, Matthew Goode, Carla Gugino, Matt Frewer, Stephen McHattie

Wiederholung: Montag, 16. September, 01.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Hinweise

Comic Book Database über Alan Moore

Alan-Moore-Fanseite (etwas veraltet)

Dave-Gibbons-Fanseite

DC Comics über „Watchmen“

YouTube: Alan Moore spricht über „Watchmen“ und Superhelden

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Watchmen“

Wikipedia über “Watchmen – Die Wächter” (deutsch, englisch)

Tagesspiegel: Interview mit Dave Gibbons über die Verfilmung

Meine Besprechung von Alan Moore/Dave Gibbons’ „Watchmen“

Meine Besprechung der ersten beiden „Before Watchmen“-Comics


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