Neu im Kino/Filmkritik: „Annabelle 2“ erzählt wie alles begann; – naja, fast

August 24, 2017

Vor einer Woche überschritten mit „Annabelle 2“ die Filme des „The Conjuring“-Cinematic-Universe die Schwelle von einer Milliarde Dollar weltweitem Einspiel. Dieser Erfolg war vor vier Jahren, als James Wans angenehm altmodischer Horrorfilm „The Conjuring“ in den Kinos anlief, nicht absehbar. Am Ende des Films zeigte Wan, eingesperrt in einer Glasvitrine im Keller des Hauses der Geisterjäger Ed und Lorraine Warren, erstmals die besonders böse Puppe Annabelle. In „Annabelle“ wurde dann ein Teil ihrer Geschichte erzählt. In „Annabelle 2“ (bzw. im Original „Annabelle: Creation“) geht es noch weiter zurück in die Vergangenheit der Puppe und das Prequel ist deutlicher gelungener als „Annabelle“.

Annabelle wurde in den vierziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts von dem Puppenmacher Samuel Mullins (Anthony LaPaglia) in Handarbeit hergestellt. Er lebt glücklich mit seiner Frau Esther (Miranda Otto) und ihrer Tochter Bee in einem einsam gelegenem Farmhaus. Durch einen tragischen Unfall stirbt ihre Tochter und, nun, sagen wir es mal etwas pathetisch, die Freude zieht aus ihrem Haus aus.

Zwölf Jahre später laden sie, auf Bestreben von Samuels zurückgezogen in ihrem Schlafzimmer vor sich hin dämmernder Frau, sechs Waisenmädchen ein. Die Mädchen sollen fortan, beaufsichtigt von Schwester Charlotte (Stepanie Sigman), in dem Haus leben und eine glückliche Jugend haben.

Aber schnell geschehen seltsame Dinge und Janice (Talitha Bateman) entdeckt in Bees Kinderzimmer, eingesperrt in einem Wandschrank, Annabelle, die unbedingt ihr Kabuff verlassen will.

Wie die vorherigen Filme aus dem „Conjuring“-Universum ist auch „Annabelle 2“ unblutig, liebevoll ausgestattet, altmodisch inszeniert und gut gemacht. Jedenfalls wenn man Geisterhorrorfilme mag und sich nicht daran stört, den x-ten Aufguss einer vertrauten Geschichte zu sehen, in dem pubertierende Mädchen gegen angsteinflößende Geister kämpfen müssen. „Lights out“-Regisseur David F. Sandberg lässt hier, abgesehen von episch eingestreuten christlichen Kreuzen, weitgehend jeden Subtext weg. Er konzentriert sich auf die edel gestalteten Thrills und, weil er, wenn der oder die Geister auftauchen, bei jedem einzelnen Mädchen bleibt, bis die Gefahr vorüber ist, kann man in diesen Momenten mühelos ihre Angst mitfühlen. Die Mädchen, bis auf Janice und ihre Freundin Linda (Lulu Wilson), bleiben dabei zwar austauschbar, aber immerhin fühlt man in diesen Momenten mit ihnen. Für das Zielpublikum – in den USA war das Publikum bis jetzt überwiegend weiblich und fast die Hälfte unter 25 Jahren – ist das wahrscheinlich genau die richtige Art Film.

Für ältere Horrorfilmfans ist „Annabelle 2“ nur ein Horrorfilm, der eine vertraute Geschichte mit den vertrauten Effekten erzählt. Das ist, wie gesagt, gut gemacht, aber wenn gegen Ende Bees Eltern uns erzählen, was zwischen dem tragischen Autounfall, bei dem ihre Tochter starb und der Einladung der Waisenmädchen geschah und warum Annabelle eingesperrt wurde, dann wünscht man sich, dass die Macher genau diese Geschichte erzählt hätten. Eine solche Geschichte über den Verlust eines über alles geliebten Kindes und den Versuch damit klarzukommen im Rahmen eines Genrefilms wäre natürlich eher eine Geschichte für ein älteres Publikum. Aber es wäre auch eine Geschichte abseits der in jeder Beziehung sicheren Bahnen einer Geschichte über Mädchen, die von einem Dämon gejagt werde, geworden.

Bei „Annebelle 2“ gingen die Macher dagegen auf Nummer sicher und erzählen uns eigentlich schon mehr über Annabelle, als wir wissen wollten.

Ein dritter „The Conjuring“-Film und zwei weitere Spinoffs, „The Nun“ und „The Crooked Man“ sind bereits geplant.

Annabelle 2 (Annabelle: Creation, USA 2017)

Regie: David F. Sandberg

Drehbuch: Gary Dauberman

mit Anthony LaPaglia, Samara Lee, Miranda Otto, Brad Greenquist, Lulu Wilson, Talitha Bateman, Stephanie Sigman, Mark Bramhall, Grace Fulton, Philippa Coulthard, Tayler Buck, Lou Lou Safran, Joseph Bishara, Alicia Vela-Bailey

Länge: 110 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Annabelle 2“

Metacritic über „Annabelle 2“

Rotten Tomatoes über „Annabelle 2“

Wikipedia über „Annabelle 2“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „Annabelle 2“

Meine Besprechung von James Wans „The Conjuring“ (The Conjuring, USA 2013)

Meine Besprechung von James Wans „The Conjuring 2″ (The Conjuring 2, USA 2016)

Meine Besprechung von John R. Leonettis „Annabelle“ (Annabelle, USA 2014)

Meine Besprechung von David F. Sandbergs „Lights out“ (Lights out,USA 2016)

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Neu im Kino/Filmkritik: „Lights out“ – und der Hausgeist kommt

August 4, 2016

Nachdem vor einigen Jahren Horror ja nur aus Torture-Porn, Wackelkamera und Found Footage bestand und Horrorfilmfans sich die sehenswerten Filme an den Fingern einer abgehackten Hand abzählten, gibt es seit einiger Zeit wieder eine durchaus angenehme Rückbesinnung auf die Vergangenheit, als ein nerviger Hausgeist genügte und Schrecken durch einen gelungenen Spannungsaufbau, meist mit Jumpscares und lauten Geräuschen, erzeugt wurde.

Etliche dieser Horrorfilme, die vor einigen Jahren bei uns höchstens als DVD veröffentlicht worden wären, laufen auch im Kino. Wie jetzt „Lights out“, der Debütfilm von David F. Sandberg, der dafür seinen gleichnamigen, ziemlich gruseligen Kurzfilm gelungen zum Spielfilm ausbaute und der damit eine der erfreulichen Überraschungen des Jahres lieferte. Jedenfalls für Horrorfilmfans.

Im Mittelpunkt steht Rebecca (Teresa Palmer). Als Kind hatte sie Angst vor einem Geist, den sie nur im Dunkeln sehen konnte. Wenn sie das Licht anmachte, war er weg. Er war auch der beste Freund ihrer psychisch kranken Mutter Sophie (Maria Bello).

Inzwischen lebt sie in der Stadt in einem kleinem Apartment. Als ihr jüngerer Bruder Martin Gabriel Bateman) ebenfalls von dem Geist verfolgt wird und der Geist nicht mehr an das elterliche Haus gebunden ist, entschließt sie sich, ihn zu bekämpfen.

Natürlich erfindet „Lights out“ das Genre nicht neu und natürlich liefert er das, was man von einem Geisterfilm erwartet. Inclusive der Szenen und Geräusche, die zu einem Geisterfilm dazu gehören. Aber David F. Sandberg erzählt die Geschichte straff in unter achtzig Minuten. Da bleibt keine Zeit für ablenkende Subplots, weshalb Maria Bello als psychisch kranke Mutter, die sich mit dem Geist, den sie Diana nennt, unterhält, nur eine Nebenrolle hat. Es ist, immerhin richtet sich der Film an jugendliches Publikum, das noch nicht Myriaden Horrorfilme gesehen hat, Rebeccas Geschichte und Teresa Palmer („Warm Bodies“, „The Choice“, „Triple 9“) überzeugt als Sympathieträgerin, die ihren kleinen Bruder beschützen will und sich dafür ihren Kinderängsten vor dem in der Dunkelheit auftauchendem Monster stellen muss.

Sogar die knappe Erklärung für Dianas Erscheinen in dunklen Räumen und ihre Taten ist durchaus logisch. Jedenfalls logischer als wir es aus anderen Geisterfilmen kennen, wenn der böse Geist alles und nichts sein kann und, je nach Film, zu viel oder zu wenig erklärt wird.

Das kann man Sandberg, der mit einfachen Mitteln und einem Lichtschalter Schrecken erzeugt, nicht vorwerfen.

Sein nächster Film ist „Annabelle 2“, ebenfalls produziert von James Wan und, ausgehend von „Lights out“, könnte in diesem Fall die Fortsetzung besser als der erste Film sein.

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Lights Out (Lights out, USA 2016)

Regie: David F. Sandberg

Drehbuch: Eric Heisserer (nach dem Kurzfilm von David F. Sandberg)

mit Teresa Palmer, Gabriel Bateman, Alexander DiPersia, Billy Burke, Maria Bello, Alicia Vela-Bailey, Lotta Losten, Andi Osho

Länge: 81 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Lights out“

Metacritic über „Lights out“

Rotten Tomatoes über „Lights out“

Wikipedia über „Lights out“ 

Licht an, Licht aus, Licht an, Licht aus – und hier ist Sandbergs Kurzfilm „Lights out“


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