DVD-Kritik: Das Ende von „Orphan Black“

März 5, 2018

Als Sarah Manning vor fünf Jahren auf einem Bahnsteig den Suizid einer Frau beobachtete, klaute sie anschließend die Tasche der Toten. Sie will die Identität der Toten, die wie ihr Zwilling aussieht,annehmen und sich so aus ihrer desaströsen finanziellen Lage zu retten.

Das war der Auftakt zu der von John Fawcett und Graeme Manson erfundenen und, abgesehen von der zerfaserten dritten Staffel, durchgehend auf hohem Niveau erzählten Science-Fiction-Serie, „Orphan Black – Ein Klon ist niemals allein“, die jetzt mit der fünften Staffel ihren würdigen und spannenden Abschluss findet.

Schnell fand Sarah Manning heraus, dass sie Teil eines Klon-Experiments ist, dass es noch weitere identische Klone gibt (die alles von Tatiana Maslany gespielt werden), dass dahinter der Konzern Dyad steckt und dass dieser über gute Kontakte zur Regierung, zur Polizei und zum Militär verfügt. Es gibt sogar eine Versuchsreihe mit männlichen Klonen, die hochgezüchtete Soldaten waren. Dieser Erzählstrang mit den männlichen Klonen in der dritten Staffel führte allerdings ins Nichts und wurde schnell fast vollständig fallengelassen.

Zusammen mit ihren Klon-Schwestern, ihrer Pflegemutter Mrs. S., die als Mitglied der „Birdwatchers“-Freiheitskämpfer immer noch über gute Kontakte zu einem Untergrund-Netzwerk verfügt, ihrem Pflegebruder Felix und einigen Freunden und Vertrauten, wie dem Polizisten Art Bell, versucht Sarah Manning in der SF-Serie herauszufinden, wer sie warum gemacht hat. Und sie kämpft um ihr Leben und ihre Identität. Denn wie kann sie eine eigenständige Person sein, wenn sie nur der identische Klon eines andere Klons ist?

Am Ende der vierten Staffel waren Sarah und Cosima (ihre Wissenschaftler-Klonschwester) auf einer malerischen Insel, auf der Percival Westmoreland leben soll. Sarah war schwer verletzt.

Westmoreland, der Gründer des Neolutionismus, hat, wie wir in der fünften Staffel erfahren, auf der Insel sein Reich errichtet. Wie Dr. Moreau experimentiert er an und mit Menschen. Er hat eine treue Gefolgschaft, die zu ihm auf die Insel gekommen sind. Sie wollen, wie er, ewig leben.

Die fünfte „Orphan Black“-Staffel schließt unmittelbar an die vierte Staffel an und bringt die Geschichte zu einem befriedigendem Ende. Auch wenn die große Verschwörung am Ende erstaunlich leicht aufgedeckt und die Verantwortlichen besiegt werden können. Und die Öffentlichkeit sich danach, was ich für sehr unglaubwürdig halte, nicht für die Klonschwestern und -brüder und die illegalen Klonexperimente von Westmoreland und dem Dyad-Konzern zu interessieren scheint.

Gelungen ist die Idee der Macher, in dieser Staffel in mehreren Episoden einzelne Klone und für die Serie wichtige Charaktere in den Mittelpunkt zu stellen. In diesen Episodengeschichte und den Rückblenden sehen wir, wie sehr sie sich in den vergangenen Staffeln veränderten und was für sie jetzt auf dem Spiel steht.

Durch diese Entscheidung steuert die finale Staffel nicht gradlinig auf das Finale zu, sondern sie nimmt sich viel Zeit und lässt einen noch einmal in die unterschiedlichen Welten der verschiedenen Charaktere eintauchen. Damit ist diese Staffel immer wieder sehr kontemplativ.

Zu dieser Stimmung passt auch die Entscheidung der Macher, die Serie nicht mit einer großen Konfrontation, einem Kampf, bei dem kein Stein mehr auf dem anderen bleibt, sondern mit einem langen gemeinsamen Abhängen der Klone und ihrer Familie im Garten von Soccer-Mum Alison Hendrix (die inzwischen auch etwas lockerer geworden ist), zu beenden. In dem Moment kann Tatiana Maslany in einer Szene in einem halben Dutzend Rollen brillieren.

Das Bonusmaterial der DVD besteht aus fünf Featurettes, die insgesamt gut siebzig Minuten dauern und sehr informativ auf die Hintergründe zu bestimmten Episoden eingehen. Mal sind es technische Fragen (wie die Szene, in der zwei Klone in einer ungeschnittenen Szene ihre Kleider tauschen), meistens werden aber bestimmte Aspekte der Geschichte erklärt. Und mehr kann ich über die Featurettes ohne massive Plot-Spoiler nicht sagen. Deshalb sollte das Bonusmaterial auch erst nach dem Genuss der Serie angesehen werden.

Orphan Black: Ein Klon ist niemals allein – Staffel 5 (Orphan Black, Kanada 2017

Regie: John Fawcett, David Wellington, Helen Shaver, Grant Harvey, David Frazee, Aaron Morton

Drehbuch: Graeme Manson, Jeremy Boxen, Alex Levine, Greg Nelson, Jenn Engels, David Bezmozgis, René St. Cyr, Aisha Porter-Christie

Erfinder: John Fawcett, Graeme Manson

Mit Tatiana Maslany (Sarah Manning/Alison Hendrix/Cosima Niehaus/Rachel Duncan/Helena), Jordan Gavaris (Felix ‚Fee‘ Dawkins), Kevin Hanchard (Detective Art Bell), Evelyne Brochu (Delphine Cormier), Maria Doyle Kennedy (Siobhán Sadler, aka Mrs. S), Ari Millen (Ira Blair), Skyler Wexler (Kira Manning), Kristian Bruun (Donnie Hendrix), James Frain (Ferdinand Chevalier), Rosemary Dunsmore (Susan Duncan), Lauren Hammersley (Adele), Josh Vokey (Scott Smith), Cynthia Galant (Junge Rachel Duncan/Charlotte Bowles), Matt Frewer (Dr. Aldous Leekie), Rosemary Dunsmore (Susan Duncan), Kyra Harper (Virginia Coady), Stephen McHattie (Percival ‚P. T.‘ Westmoreland/John Paterick Mathieson), Elyse Levesque (Detective Maddy Enger)

DVD

Polyband

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch, Englisch)

Bonusmaterial (67 Minuten): Island of lost souls, The epic clone shot, Clone-centric, The Beginning of the End, Out of the Black

Länge: 450 Minuten (10 x 45 Minuten) (3 DVDs)

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

BBC über „Orphan Black“

BBC America über “Orphan Black”

Moviepilot über “Orphan Black”

Rotten Tomatoes über “Orphan Black” (bei Serien ist die Bewertung einfach zu positiv)

Wikipedia über „Orphan Black“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von „Orphan Black – Ein Klin ist niemals allein: Staffel 1“ (Orphan Black, Kanada 2013)

Meine Besprechung von „Orphan Black – Ein Klon ist niemals allein: Staffel 2“ (Orphan Black, Kanada 2014)

Meine Besprechung von „Orphan Black – Ein Klon ist niemals allein: Staffel 4“ (Orphan Black, Kanada 2016)

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DVD-Kritik: „Orphan Black“ geht in die vierte Runde

März 22, 2017

Jeder glaubt, dass er einzigartig sei. Aber ein Blick in verschiedene Statistiken zeigt, dass man dann doch nicht so einzigartig ist. Es kann auch passieren, dass man in einer Menschenmenge jemand sieht, der einem auf den ersten Blick zum Verwechseln ähnlich sieht. Normalerweise ist das kein großes Drama.

Für Sarah Manning ist die erste Begegnung mit ihrem ‚Zwilling‘ schon unangenehmer. Denn ihr ‚Zwilling‘ springt vor einen fahrenden Zug.

In der ersten Staffel der grandiosen Science-Fiction-TV-Serie „Orphan Black“ nahm die Teilzeit-Mutter, Betrügerin und kleine Drogenhändlerin Sarah Manning dann, in der Hoffnung auf etwas Geld, die Identität der Toten an. Schnell erfuhr sie, dass die tote Polizistin ihr nicht zufällig zum Verwechseln ähnlich sah. Sie ist ein Klon und es gibt noch über zwei Dutzend Klone von ihr, die irgendwo auf der Welt herumlaufen. Mit einigen ihrer Klonschwestern will sie herausfinden, wer sie warum erzeugte und jetzt töten will.

Inzwischen ist die vierte Staffel der mit zahlreichen Preisen ausgezeichneten BBC-America-Serie auf DVD erschienen. Sie beginnt mit einer fast die gesamte erste Folge einnehmenden Rückblende, in der wir mehr über die Ereignisse erfahren, die zum Suizid der Kriminalpolizistin Beth Childs führten. Dieser Plot wird in der vierten Staffel immer wieder aufgenommen, während im Hauptplot Sarah versucht herauszufinden, was die Neolution plant. Sie experimentiert inzwischen mit biotechnischen Implantate und leitet eine Geburtsklinik, die einwandfreie Babys garantiert.

Nach der hoffnungslos vergurkten dritten Staffel, die in ihren zahllosen Subplots ertrank, ohne den Hauptplot erkennbar zu befruchten, haben die „Orphan Black“-Macher sich jetzt wieder auf die Sarah-Klone konzentriert. Die männlichen Castor-Klone, die Teil eines geheimen Militärprojektes waren/sind, wurden ersatzlos aus der Geschichte gestrichen. Nur ein Castor-Klon, der nie Teil des Militärprojekts war, ist Teil der Geschichte der vierten Staffel. Er pflegt auf einer Insel Sarahs skrupellose Klonschwester Rachel, die sich langsam von ihren Verletzungen erholt und eine wichtige Position bei den Neolutionisten übernehmen möchte.

Die vierte Staffel konzentriert sich – und das ist gut so – auf Machtkämpfe innerhalb der Neolution, den damit zusammenhängenden geheimen Forschungen und, auf der Seite von Sarah und ihren Klon-Schwestern, auf ihre Versuche, mehr über ihre Vergangenheit herauszufinden und die Angriffe der Neolution zu überleben. Die hat anscheinend überall Verbündete.

Auch durch die Rückblenden tauchen in der vierten Staffel viele altbekannte, teils schon verstorbene Charaktere, wie Dyad-Chef und bekennender Neolutionist Aldous Leekie, wieder auf.

Im Mittelpunkt der Serie steht immer und in fast jeder Szene Hauptdarstellerin Tatiana Maslany, die alle weiblichen Klone spielt; teilweise in der gleichen Szene. Mit ihrem facettenreichen Spiel (und Kleidung und Frisur) porträtiert sie die verschiedenen Klone so unterschiedlich, dass man sie nicht miteinander verwechselt und sie immer als individuelle Charaktere begreift. Das gilt natürlich auch für die neuen Sarah-Klone.

Die Serie selbst entwickelt in der vierten, teils sehr elliptisch erzählten Staffel wieder den Sog, den man aus den ersten beiden Staffeln kennt, in denen sich die Geschichte unerbittlich fortbewegte. Deshalb sollte man sich vor der vierten Staffel auch die erste und zweite Staffel ansehen. Die dritte Staffel, so meine derzeitige Meinung, kann man dagegen getrost ignorieren.

Die finale fünfte, wieder aus zehn Episoden bestehende Staffel wird in Kanada und den USA ab dem 10. Juni 2017 ausgestrahlt. Ein deutscher Sendetermin steht noch nicht fest.

Das Bonusmaterial ist dieses Mal mit einer Stunde Laufzeit deutlich umfangreicher als bei den vorherigen Staffeln ausgefallen. Es ist, mit ganz wenigen Überschneidungen (insgesamt zwei, drei Minuten), unterteilt in drei längere Features und zehn kurze Featurettes, in den über bestimmte Details jeder Episode gesprochen wird und in denen wichtige Details der Handlung verraten werden.

Orphan Black – Ein Klon ist niemals allein: Staffel 4 (Orphan Black, Kanada 2016)

Regie: John Fawcett, Ken Girotti, Peter Stebbins, David Wellington, Grant Harvey, David Frazee, Aaron Morton

Drehbuch: Graeme Manson, Russ Cochrane, Aubrey Nealon, Alex Levine, Kate Melville, Chris Roberts, Nikolijne Troubetzkoy, Peter Mohan

Erfinder: John Fawcett, Graeme Manson

Mit Tatiana Maslany (Sarah Manning/Alison Hendrix/Cosima Niehaus/Rachel Duncan/Helena/Elizabeth ‚Beth‘ Childs/Krystal Goderitch/Veera ‚M. K.‘ Suominen), Dylan Bruce (Paul Dierden), Jordan Gavaris (Felix Dawkins), Kevin Hanchard (Detective Art Bell), Evelyne Brochu (Delphine Cormier), Maria Doyle Kennedy (Mrs. S), Ari Millen (Ira), Skyler Wexler (Kira Manning), Kristian Bruun (Donnie Hendrix), James Frain (Ferdinand Chevalier), Rosemary Dunsmore (Susan Duncan), Lauren Hammersley (Adele), Alison Steadman (Kendall Malone), Jessalyn Wanlin (Evie Cho), Gord Rand (Detective Duko), Matt Frewer (Dr. Aldous Leekie)

DVD

Polyband

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bonusmaterial (60 Minuten): Back to the Beginning, Body Horror, Closer Looks

Länge: 420 Minuten (10 x 42 Minuten, 3 DVDs)

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

BBC über „Orphan Black“

BBC America über “Orphan Black”

Space über “Orphan Black”

ZDF über “Orphan Black”

Moviepilot über “Orphan Black”

Rotten Tomatoes über “Orphan Black” (bei Serien ist die Bewertung einfach zu positiv)

Wikipedia über „Orphan Black“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von „Orphan Black – Ein Klin ist niemals allein: Staffel 1“ (Orphan Black, Kanada 2013)

Meine Besprechung von „Orphan Black – Ein Klon ist niemals allein: Staffel 2“ (Orphan Black, Kanada 2014)


DVD-Kritik: „Orphan Black“ geht in die zweite Runde

März 5, 2015

Am Ende der ersten Staffel der Science-Fiction-Serie „Orphan Black“ verschwanden Sarah Mannings Tochter Kira und ihre Pflegemutter, Mrs. S, spurlos.
Die zweite Staffel beginnt wenige Sekunden später und, nachdem die erste Staffel öfter etwas ziellos vor sich hin plätscherte, thrillt die zweite Staffel von der ersten Sekunde an. Sarah Manning ist – für alle, die die erste Staffel nicht gesehen oder meine Besprechung nicht gelesen haben – ein Klon. Das erfährt sie zufällig, als sie auf einem Bahnsteig einen Suizid beobachtet, die Tasche ihrer Doppelgängerin klaut und deren Identität annimmt. Kurz darauf trifft sie auf eine weitere Doppelgängerin und, ehe sie komplett den Überblick über ihre Zwillinge verliert, erfährt sie von einer der Doppelgängerinnen, dass sie alle Klone sind und in verschiedenen Städten auf verschiedenen Kontinenten leben. Eigentlich hätten sie sich niemals begegnen dürfen. Sie wollen jetzt herausfinden, wer ihr Erzeuger ist und warum sie geklont wurden. Es gibt einige Hinweise, die alle zum Dyad-Konzern und Doktor Leekie führen.
Diese Hinweise werden in der zweiten Staffel konkreter, es gibt einige überraschende Enthüllungen, Sarah Manning trifft auch auf ihren Erzeuger und sie und ihre geklonten Schwestern müssen sich mit einer christlichen Sekte herumschlagen, während die Hintergründe, inklusive den Verwicklungen zwischen privater Wirtschaft und Militär, immer komplexer werden.
Und weil Klone gleich aussehen, werden sie alle von Tatiana Maslany gespielt, die hier eindrücklich ihr Können zeigt. Nicht nur, dass es immer wieder Szenen gibt, in denen die Klone im gleichen Raum miteinander diskutieren, was dann schon einmal ein halbes Dutzend Frauen sind. Das ist vor allem eine logistische Herausforderung beim Dreh. Viel beeindruckender ist, wie Maslany die verschiedenen Klone spielt. Sie sind sofort klar unterscheidbare, glaubwürdige Charaktere, die man nie miteinander verwechselt: die Straßengöre, die Vorstadtmutter, die Wissenschaftlerin, die Psychopathin und neue Klone, wie die eiskalte Geschäftsfrau und der Transgender-Klon. Und sicher habe ich jetzt einige von ihr gespielte Klone vergessen.
Nachdem die erste Staffel öfters seltsam ziellos vor sich hin plätscherte, haben die Macher in der zweiten Staffel ihren Rhythmus gefunden, in dem sie vor allem auf Thriller-Spannung setzen und pausenlos zwischen den verschiedenen Handlungssträngen (vulgo Klonen) hin und her wechseln und jeder Klon vor der Frage steht, wem sie vertrauen kann. Das führt dann zu einigen grandiosen Wendungen, die hier nicht verraten werden.
Jedenfalls machen sie neugierig auf die dritte „Orphan Black“-Staffel, die in Kanada und den USA am 18. April anläuft.

Orphan Black - Staffel 2 - DVD-Cover 4

Orphan Black – Ein Klon ist niemals allein: Staffel 2 (Orphan Black, Kanada 2014)
Regie: John Fawcett, T. J. Scott, David Frazee, Helen Shaver, Brett Sullivan, Ken Girotti
Drehbuch: Graeme Manson, Karen Walton, Alex Levine, Russ Cochrane, Tony Elliott, Chris Roberts, Aubrey Nealon
Erfinder: John Fawcett, Graeme Manson
Mit Tatiana Maslany (Sarah Manning/Alison Hendrix/Cosima Niehaus/Rachel Duncan/Helena), Dylan Bruce (Paul Dierden), Jordan Gavaris (Felix Dawkins), Kevin Hanchard (Detective Art Bell), Evelyne Brochu (Delphine Cormier), Maria Doyle Kennedy (Mrs. S), Matt Frewer (Dr. Aldous Leekie), Skyler Wexler (Kira), Kristian Bruun (Donnie Hendrix), Inga Cadranel (Detective Angela DeAngelis)

DVD
Polyband
Bild: 1,78:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bonusmaterial: Featurette „A look inside“
Länge: 450 Minuten (10 Folgen à 45 Minuten) (3 DVDs)
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

BBC über „Orphan Black“

BBC America über “Orphan Black”

Space über “Orphan Black”

ZDF über “Orphan Black”

Moviepilot über “Orphan Black”

Rotten Tomatoes über “Orphan Black” (bei Serien ist die Bewertung einfach zu positiv)

Wikipedia über „Orphan Black“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von „Orphan Black – Ein Klin ist niemals allein: Staffel 1“ (Orphan Black, Kanada 2013)

Und so geht es weiter


DVD-Kritik: Über die Science-Fiction-Serie „Orphan Black – Ein Klon ist niemals allein“

Juni 28, 2014

Auf der einen Seite verstehe ich die Begeisterung für „Orphan Black“. Die Serie hat eine gute Prämisse und die Hauptdarstellerin ist genial. Immerhin muss Tatiana Maslany sieben Rollen spielen, unter anderem eine Polizistin, eine Kleinkriminelle, eine Soccer-Mom, eine nerdige Wissenschaftlerin und eine religiöse Fanatikerin. Allerdings wirkt die 1985 geborene Tatiana Maslany immer viel zu jung für ihre Rolle; – vor allem für die der erfahrenen Polizistin.
Diese wirft sich in den ersten Minuten der Serie vor einen Zug. Sarah Manning, die das beobachtet, schnappt sich die Tasche der Toten und verschwindet. Sie hat wegen eines Drogendiebstahls mächtig Ärger und will untertauchen. Eine neue Identität scheint da ein guter Ausweg zu sein. Vor allem wenn die neue Identität an eine hübsche Wohnung gekoppelt ist. Dummerweise war Beth Childs Polizistin, die gerade ein Verfahren wegen eines dubiosen tödlichen Schusswaffeneinsatzes im Dienst hat.
Und dann setzt sich eine junge Frau in ihr, also in Childs‘ Auto. Sie sieht wie eine weitere, ihr unbekannte Zwillingsschwester aus und sie wird sofort erschossen.
Als Sarah kurz darauf die Vorstadt-Mutter Alison Hendrix und die Doktorandin Cosima Niehaus trifft, erfährt sie, dass sie alle Klone sind, es vielleicht noch weitere Klone gibt (Ja!) und jemand sie töten will. Sie haben allerdings keine Ahnung wer sie warum töten will. Sie wissen auch nicht, warum es sie gibt und woher sie kommen.
Wenn bei „Orphan Black“ nur die Hauptdarstellerin immer zu jung – eher wie eine Zwanzigjährige und nicht wie eine Dreißigjährige – gewirkt hätte, hätte mir die aus zehn 45-minütigen Folgen bestehende erste Staffel der Serie als Science-Fiction-Thrillerserie gefallen können.
Aber es gibt immer wieder extrem unwahrscheinliche Momente: so bemerkt Beths Partner Art Bell nicht, dass er mit einer anderen Person arbeitet. Auch keiner ihrer anderen Arbeitskollegen bei der Polizei oder ihr Freund wird misstrauisch.
Außerdem bildet die erste Staffel eher den Auftakt für die weiteren Staffeln, die beim Dreh noch nicht absehbar waren. Entsprechend wenig erfahren wir über die Hintergründe. Eigentlich erfahren wir nur, wer ihr Schöpfer ist, wer der unbekannte Mörder ist (aber nichts über die Hintermänner) und dass beide Fraktionen quasi unendliche Ressourcen haben. Das ist dann doch etwas wenig für zehn Folgen. Auch weil der Science-Fiction-Anteil immer wieder heruntergespielt wird; was auch daran liegt, dass die Serie in der Gegenwart spielt und damit die Klone Mitte der achtziger Jahre gezeugt wurden. Die auf der Hand liegenden philosophischen Fragen bleiben immer vernachlässigbar. Also Fragen nach der Individualität von Klonen, dem damit verbundenen Konflikt zwischen Freiheit des Einzelnen und genetischer Vorherbestimmung, die den Klonen keinen Raum für Individualität gibt und der Rolle des sozialen Umfeldes. Der Thrilleranteil ist nie so spannend wie möglich. Die globale Verschwörung, – immerhin wurden die Klonen in verschiedenen Ländern auf verschiedenen Kontinenten geboren -, erschöpft sich weitgehend in einem doppelten Spiel der engsten Freunde und Freundinnen der Klone. Dabei läge hier noch einiges an Potential, das vielleicht in den kommenden Folgen ausgeschöpft wird. Eine dritte Staffel ist bereits bestellt. Und die Aufklärung am Ende der ersten Staffel ist unbefriedigend; jedenfalls, was ja bei mauen Quoten möglich gewesen wäre, als potentielles Serienende.
So wirkt die erste Staffel wie ein zu lang geratener Prolog; – was auch verständlich ist: immerhin will Serienerfinder Graeme Manson die Geschichte von Sarah Manning über acht Staffeln und einen Kinofilm erzählen. Da will man in den ersten Stunden nicht alles enthüllen. Dennoch hätte er in der ersten Staffel mehr über die Hintergründe verraten, die Geschichten dichter miteinander verbinden und einige durchaus vergnügliche Subplots, die den Hauptplot nicht voran bringen, weglassen können.
Als Bonusmaterial gibt es eine halbe Stunde Infos, von denen die Statements der Macher und der Hauptdarstellerin interessant sind. Vor allem, wenn gezeigt wird, wie die Szenen entstanden, in denen Tatiana Maslany sich in einem Raum mit ihren Klonen unterhält. Aber insgesamt ist das Bonusmaterial eine Ansammlung von eher uninteressanten Werbeschnipseln.

Orphan Black - Staffel 1 - DVD-Cover

Orphan Black – Ein Klon ist niemals allein: Staffel 1 (Orphan Black, Kanada 2013)
Regie: John Fawcett (Episode 1, 2, 6, 10), David Frazee (Episode 3), Grant Harvey (Episode 4), T. J. Scott (Episode 5, 9), Brett Sullivan (Episode 7), Ken Girotti (Episode 8)
Drehbuch: Graeme Manson (Episode 1, 2, 3, 10), Karen Walton (Episode 4), Alex Levine (Episode 5, 9), Will Pascoe (Episode 6), Tony Elliott (Episode 7), Karen Walton (Episode 8)
Erfinder: John Fawcett, Graeme Manson
mit Tatiana Maslany (Sarah Manning und ihre Klone), Dylan Bruce (Paul Dierden), Jordan Gavaris (Felix Dawkins), Kevin Hanchard (Detective Art Bell), Maria Doyle Kennedy (Mrs. S), Skyler Wexler (Kira), Evelyne Brochu (Delphine Cormier), Kristian Bruun (Donnie Hendrix), Inga Cadranel (Detective Angela DeAngelis), Michael Mando (Vic), Matt Frewer (Dr. Aldous Leekie)

DVD
Polyband
Bild: 1,78:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bonusmaterial: Send in the Clones, Orphan Black on the Nerdist, Insiders
Länge: 400 Minuten (10 x 45 Minuten) (3 DVDs)
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
BBC über „Orphan Black“

BBC America über „Orphan Black“

Space über „Orphan Black“

ZDF über „Orphan Black“

Moviepilot über „Orphan Black“

Rotten Tomatoes über „Orphan Black“ (bei Serien ist die Bewertung einfach zu positiv)

Wikipedia über „Orphan Black“ (deutsch, englisch)

 


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