TV-Tipp für den 8. Juni: Venus im Pelz/Der Tod und das Mädchen

Juni 7, 2016

Arte, 20.15

Venus im Pelz (La Vénus á la Forrure, Frankreich/Polen 2013)

Regie: Roman Polanski

Drehbuch: Roman Polanski, David Ives (nach seinem Theaterstück)

Als Vanda in das leere Theater platzt, ist der Vorsprechtermin schon vorbei. Dennoch lässt Regisseur Thomas, der sie für ein weiteres untalentiertes und kulturloses Dummchen hält, sie doch noch vorsprechen. Daraus, und weil Thomas ein Stück über eine sadomasochistische Beziehung inszenieren will, wird schnell ein Kampf der Geschlechter auf mehreren Ebenen.

Ein großartiger Spaß; mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Mathieu Amalric, Emmanuelle Seigner

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Venus im Pelz“

Moviepilot über „Venus im Pelz“

Metacritic über „Venus im Pelz“

Rotten Tomatoes über „Venus im Pelz“

Wikipedia über „Venus im Pelz“ (deutsch, englisch, französisch)

Arte, 22.40

Der Tod und das Mädchen (Death and the Maiden, USA 1994)

Regie: Roman Polanski

Drehbuch: Rafael Yglesias, Ariel Dorfman (nach seinem Theaterstück)

Lateinamerika: Paulina glaubt, dass Dr. Miranda sie vor fünfzehn Jahren, während der Militärdiktatur, folterte. Jetzt will sie im den Prozess machen. Aber ist der nette Doktor wirklich ihr Folterer?

Eine Theaterverfilmung, die Dank des Buches, der Schauspieler, der Kamera (Tonino Delli Colli) ganz großes Kino ist, das zeitlich wichtige Fragen stellt und keine einfachen Antworten gibt.

mit Sigourney Weaver, Ben Kingsley, Stuart Wilson, Krystia Mova

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Tod und das Mädchen“

Wikipedia über „Der Tod und das Mädchen“ (deutsch, englisch)

Arte über die Roman-Polanski-Werkschau

Meine Besprechung von Roman Polanskis “The Ghostwriter” (The Ghost Writer, Frankreich/Deutschland/Großbritannien 2010)

Meine Besprechung von Roman Polanskis “Venus im Pelz” (La Vénus á la Forrure, Frankreich/Polen 2013)

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Neu im Kino/Filmkritik: Roman Polanski lässt Emmanuelle Seigner die „Venus im Pelz“ spielen

November 21, 2013

 

Auch wenn Roman Polanski sagt, es seien nur Zufälle und es habe so in David Ives‘ Broadway-Erfolgsstück gestanden, beginnt man schon während des Ansehens des grandiosen Zwei-Personen-Stücks „Venus im Pelz“ die Filmhandlung, die in einem Theater lustvoll die Wirklichkeit mit der Fantasie verknüpft, mit Polanskis Werk und seinem Leben zu verbinden – und sicher hatte Polanski seinen diebischen Spaß daran, diese Ebene, die sicher mehr Fiktion und Spiel mit der Wirklichkeit als Wirklichkeit enthält, einzuflechten. Das beginnt schon mit der Besetzung. Immerhin spielt Polanskis Ehefrau Emmanuelle Seigner Vanda und Mathieu Amalric als Roman-Polanski-Lookalike den Autor und Regisseur Thomas, der in einem Theater seine Version von „Venus im Pelz“ inszenieren will. In dem Stück geht es um die sadomasochistische Beziehung zwischen dem jungen Severin von Kusiemski, der sich per Vertrag seiner schönen Despotin Fanny von Pistor, kurz Vanda, für eine gewisse Zeit wehrlos ausliefert. Die einzige Bedingung ist, dass die Herrin nichts von ihm verlangen darf, was ihn als Mensch und Bürger ehrlos mache.

Thomas hat den ganzen Tag Schauspielerinnen beim Vorsprechen ertragen und seine Traumbesetzung nicht gefunden. Jetzt will er nur noch zu seiner Frau zum Abendessen. Da schneit der Vamp Vanda herein. Sie ist unpünktlich, jung, naiv, anscheinend kulturell absolut ungebildet und absolut nicht vorbereitet. Sie glaubt, es gehe irgendwie um Lou Reeds „Venus in Furs“. Was nicht stimmt, weil Thomas Leopold von Sacher-Masochs1870 erschienene, skandalträchtige Novelle „Venus in Furs“ (so der englische Titel von „Venus im Pelz“) adaptierte. Und den Text habe sie, wie sie freimütig in ihrem knappen Outfit bekennt, vorher in der U-Bahn mal überflogen. Dennoch kann sie Thomas mit einer gehörigen Portion jugendlicher Unverschämtheit und der Macht einer Verzweifelten, die sich nicht mehr das Geld für ein U-Bahnticket leisten kann, überzeugen, sie wenigstens die ersten Sätze des Stücks vorspielen zu lassen – und sie verwandelt sich in die Traumbesetzung.

In den folgenden anderthalb Stunden entspinnt sich zwischen den beiden ein Spiel zwischen Realität und Fantasie, zwischen Diskussion über den Text, Probe und Stück (in der untertitelten Originalfassung werden die nahtlosen Textwechsel durch kursive Untertitel angezeigt), wobei immer auch unklar ist, wie sehr Vanda das naive Dummchen nur spielt. Später im Film, wenn sie Thomas auf sein Privatleben anspricht, scheint sie auch viel mehr über ihn zu wissen. Aber dieser Erzählstrang, der in einem Rachekomplott von Thomas‘ Frau münden könnte, wird, auch weil der Film in dem Moment schon immer weiter in eine Traumwelt gewandert ist, nicht weiterverfolgt. In „Venus im Pelz“ geht es, wie in Leopold von Sacher Masochs gleichnamiger Novelle um Macht und Unterwerfung, um Sadomasochismus, – und das in einem grandios gespieltem, herrlich pointiertem Stück, das sehr polanskiesk ist und bei dem Polanski-Fans genüsslich die „Venus im Pelz“ mit seinen früheren Werken, Themen und seinem Leben (auch wenn Polanski als Regisseur anscheinend das genaue Gegenteil von Thomas ist) vergleichen können bis der gute Mann als Trottel an einem Pfahl, der noch von der vorherigen Produktion auf der Bühne steht, gefesselt wird.

Es gibt nur einen Wermutstropfen: Emmanuelle Seigner, die hier grandios spielt, ist schon viel zu alt für die Rolle des naiven, etwa Zwanzigjährigen Dummchens. Denn, auch bei viel gutem Willen, kann ich mir Vanda nicht als Über-Dreißigjährige vorstellen.

Venus im Pelz - Plakat

Venus im Pelz (La Vénus á la Forrure, Frankreich/Polen 2013)

Regie: Roman Polanski

Drehbuch: Roman Polanski, David Ives (nach seinem Theaterstück)

mit Mathieu Amalric, Emmanuelle Seigner

Länge: 96 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Venus im Pelz“

Moviepilot über „Venus im Pelz“

Metacritic über „Venus im Pelz“

Rotten Tomatoes über „Venus im Pelz“

Wikipedia über „Venus im Pelz“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Roman Polanskis „Der Ghostwriter“ (The Ghost Writer, Frankreich/Deutschland/Großbritannien 2010)

 

 


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