TV-Tipp für den 9. Juni: Panic Room

Juni 8, 2018

RTL II, 23.05

Panic Room (Panic Room, USA 2002)

Regie: David Fincher

Drehbuch: David Koepp

Die frisch geschiedene Meg Altman entdeckt mitten in Manhattan ihr Traumhaus. In ihm ist sogar, letzter Schrei der Sicherheitsindustrie für ängstliche, stinkreiche Großstädter, ein Panic Room. In diesen sicheren Raum kann sich der Hausbesitzer während eines Einbruchs zurückziehen und abwarten bis die Polizei anrückt. Meg hält den Raum für überflüssig, aber als in der Nacht drei Einbrecher auftauchen, flüchtet sie mit ihrer Tochter in den Panic Room. Dummerweise wollen die Einbrecher die in diesem Zimmer versteckten Millionen des Vorbesitzers stehlen.

Das mag jetzt neu klingen, aber im Kern erzählt „Panic Room“ eine uralte, aus jedem zweiten Western bekannte Story. Tauschen Sie einfach den Panic Room gegen ein Fort oder eine Wagenburg; die Einbrecher gegen Indianer aus und Sie wissen genau, in welchem Moment die Kavallerie auftaucht. Oh, und in welchem Zustand das Haus ist.

David Koepp und David Fincher machen daraus einen spannenden Hightechthriller.

Oder sagen wir es mit den Worten von Georg Seeßlen: Panic Room „ist vor allem ein reduzierter, ebenso brillant konstruierter wie fotografierter Thriller, ein Kammerspiel des Terrors, das alle Elemente, die am Anfang eingeführt wurden, beständig transponiert, wendet und variiert. Insofern ist Panic Room ein Stück reiner Film-Komposition, in der Sujets, Objekte und Einstellungen die Rollen von Melodien, Takten und Tönen übernehmen (…). Und wie für eine musikalische Komposition, so gilt auch für Panic Room: Es kommt nicht allein auf die Erfindung einer Melodie an, sondern auch darauf, was ein Interpret mit ihr anzustellen weiß.“ (in Frank Schnelle [Hrsg.]: David Fincher)

Mit Jodie Foster, Kristen Stewart, Forest Whitaker, Dwight Yoakam, Jared Leto, Patrick Bauchau, Andrew Kevin Walker (der „Se7en“-Drehbuchautor spielt den verschlafenen Nachbarn)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Panic Room“

Wikipedia über David Fincher (deutsch, englisch) und „Panic Room“ (deutsch, englisch)

Die Welt: Interview mit David Fincher zu „Panic Room“

Süddeutsche Zeitung: Interview mit David Fincher zu „Panic Room“

Drehbuch „Panic Room“ von David Koepp

The Works and Genius of David Fincher (Fan-Blog – mit einem „Panic Room“-Special)

Meine Besprechung von David Finchers “Verblendung” (The Girl with the Dragon Tatoo, USA 2011)

Meine Besprechung von David Finchers „Gone Girl – Das perfekte Opfer“ (Gone Girl, USA 2014)

David Fincher in der Kriminalakte

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Neu im Kino/Filmkritik: „Die Mumie“ startet Universals „Dark Universe“ wenig überzeugend

Juni 9, 2017

Marvel machte es vor: mit mehreren, mehr oder weniger zusammenhängenden Kinofilmen ein eigenes Universum erschaffen und so einen steten Strom ein Einnahmen generieren, weil die Zuschauer ja wissen wollen, wie es weiter geht und sie auch die vorherigen Filme kennen sollten, um zu wissen wie es begann. DC versuchte es auch. Bis zu „Wonder Woman“ (startet nächsten Donnerstag in unseren Kinos) war das Projekt allerdings vor allem gruselig. Daran ändern auch die Einspielergebnisse nichts.

Universal will es jetzt auch machen und mit den alten Monsterhorrorfilmen, wie „Die Mumie“, „Frankenstein“, „Der Unsichtbare“ und „Der Wolfsmensch“, haben sie in ihren Archiven auch eine Reihe Klassiker, die einerseits uralt (die Filme entstanden vor allem in den Dreißigern), andererseits immer noch bekannt und beliebt sind. Und sie sind ein fester Teil unserer popkulturellen Gedächtnisses. Da bietet sich eine Neuauflage an. Auch wenn die letzten Reboot/Remake-Aufgüsse enttäuschten. Deshalb ignoriert Universal sie beim Start des „Dark Universe“. „Die Mumie“ ist der erste Film dieses Monsteruniversums. Die nächsten Filme sind schon mehr oder weniger konkret angekündigt. Johnny Depp ist „The Invisible Man“. Javier Bardem ist Doktor Frankenstein in dem für Februar 2019 angekündigten „Bride of Frankenstein“. „The Wolf Man“ und „Phantom of the Opera“ sind auch schon geplant, aber noch ohne Starttermin und Besetzung.

In dem „Dark Universe“ werden die Geschichten der alten Filme, die alle vollkommen unabhängig voneinander waren, in die Gegenwart verlegt und miteinander verknüpft. Mit der im Keller des Londoner Naturkundemuseums residierenden Geheimgesellschaft „Prodigium“, die das Böse erkennen, untersuchen, eindämmen und zerstören soll, gibt es eine Organisation, die in allen Filmen auftreten soll und sich sehr nach einer Kopie von Alan Moores „Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“ anhört. Geleitet wird sie von Dr. Henry Jekyll (Russell Crowe; er ist auch der Erzähler des Films).

Im Mittelpunkt von „Die Mumie“ stehen allerdings der leichtfüssig-abenteuerlustige Grabräuber Nick Morton (Tom Cruise) und Ahmanet (Sofia Boutella), eine Pharaonin, deren Machtgier ihr zum Verhängnis wurde. Als Strafe wurde sie lebendig mumifiziert und mit Quecksilber an einem Ort weit weg von Ägypten – ähem – eingelagert.

Der Soldat, Glücksritter und Grabräuber Nick Morton klaut von der Archäologin Jenny Halsey (Annabelle Wallis) eine Schatzkarte. Mit seinem Freund Chris Vail (Jake Johnson) suchen sie im Irak den Schatz, den sie in den ersten Filmminuten finden, weil ein von ihnen angeordneter Luftangriff ein Dorf zerstört und die darunter liegende riesige Grabkammer öffnet. Dort finden sie den Sarg von Ahmanet und Nick hält sich, im Gegensatz zu der Archäologin, nicht lange mit einer Dokumentation der Kammer auf. Er setzt den Mechanismus, der Ahmanet gefangen hält, außer Kraft. Der Sarkophag taucht auf und er wird in einem Flugzeug Richtung England befördert. Auf dem Weg dorthin wird Nicks Kumpel Chris zu einem Besessenen, der von Nick in einer witzig gemeinten, aber unendlich dämlichen Szene erschossen wird und fortan als Ratgeber in Nicks Kopf auftaucht.

Durch einen plötzlich auftauchenden Schwarm Raben wird das Flugzeug zum Abstürzen gebracht. Dabei stirbt Nick – und er wird kurz darauf in der Leichenhalle wieder wach. Wie das ging, interessiert und erstaunt niemanden.

Zur gleichen Zeit gewinnt Ahmanet durch das Aussagen von Menschen immer mehr Kraft und ihre Gestalt wird immer menschenähnlicher.

Nick, der Visionen von ihr hat, beginnt sie zu suchen, während sie, begleitet von ihren Untoten, ihn sucht.

Angesichts des vor und hinter der Kamera versammelten Talents – „Die üblichen Verdächtigen“ Christopher McQuarrie und „Jurassic Park“ David Koepp als Drehbuchautoren, „Star Trek“ Alex Kurtzman als Regisseur und Tom Cruise, der mit ihnen bereits mehrere Filme machte und der eigentlich immer gutes Mainstream-Kino macht, als Hauptdarsteller – enttäuscht „Die Mumie“ als Einzelfilm und als Auftakt eines ‚Universe‘. Zwar ist alles da, um „Die Mumie“ zu einem unterhaltsamen Blockbuster-Film zu machen, aber nie findet der Film seinen Ton oder Rhythmus. Alles wirkt immer verrückt, weil alle Elemente entweder am falschen Ort sind oder falsch präsentiert werden. Das beginnt schon in den ersten Filmminuten, wenn Russell Crowe (bzw. Martin Umbach in der synchronisierten Fassung) erzählt, warum und wie Ahmanet begraben wurde (was ein konventioneller Prolog wäre) und dass jetzt im Londoner Untergrund eine Grabkammer von Kreuzrittern gefunden wurde (was für weite Teile des Films eine vollkommen unwichtige Information ist, die aber Russell Crowe seinen ersten Filmauftritt beschert). Dann springt die Filmgeschichte in den Irak, wo Nick und Chris nach einem typischen, aber erschreckend unstimmig gespieltem und daher unwitzigem Buddy-Comedy-Dialog in das von Rebellen besetzte Dorf, in dem sie einen Schatz vermuten, einreiten und es zu einer Schlacht kommt, die „’Lethal Weapon‘ in der Wüste“ sein will.

Diese Comedy-Elemente und Tom Cruises Rolle als Schatzsucher knüpfen an die 1999er „Die Mumie“ und die beiden Fortsetzungen an. In ihnen spielte Brendan Fraser den Schatzsucher Rick O’Connell, der eine „Indiana Jones“-Kopie ist. Für die 2017er Version des Stoffes wurde dann einiges von dem Humor der Fraser-Filme genommen, aber alles soll gleichzeitig viel ernster und dramatischer sein; und natürlich der Auftakt für eine Reihe von Filmen.

Deshalb wird viel erklärt. Vieles wird sogar öfter erklärt in Dialogen, die einfach nur daran interessiert sind, die Informationen in den Kinosaal zu telegraphieren.

Dazwischen, also immer dann, wenn etwas Suspense angebracht wäre, stürmen Horden Untoter und Viecher auf Nick und Jenny, die ihn bei seinen Abenteuern begleitet. Da muss alles schnell gehen und, dank CGI, beeindrucken diese Szenen mit Vögeln, Untoten und Stürmen kaum. Im Gegensatz zu den Actionszenen, die live entstanden, wie der Kampf in dem abstürzendem Flugzeug.

Die Mumie“ ist ein Torso. Eine Ansammlung von Teilen und Ideen, die das Potential für einen guten Film gehabt hätten. Immer sieht man, was man mit der Szene erreichen wollte und was aus den Ideen hätte werden können, während man sich fragt, wo in der Produktion alles so schief ging, dass aus einem potentiell unterhaltsamen Horrorfilm ein Langweiler wurde, der noch nicht einmal unfreiwillig komisch ist.

Die Mumie (The Mummy, USA 2017)

Regie: Alex Kurtzman

Drehbuch: David Koepp, Christopher McQuarrie, Dylan Kussman (nach einer Geschichte von Jon Spaihts, Alex Kurtzman und Jenny Lumet)

mit Tom Cruise, Sofia Boutella, Annabelle Wallis, Jake Johnson, Courtney B. Vance, Marwan Kenzari, Russell Crowe

Länge: 111 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Die Mumie“

Metacritic über „Die Mumie“

Rotten Tomatoes über „Die Mumie“

Wikipedia über „Die Mumie“ (deutsch, englisch)

Damals

Heute

Die Zukunft?


Neu im Kino/Filmkritik: „Inferno“ – Professor Langdon muss wieder die Welt retten

Oktober 13, 2016

Harvard-Professor Robert Langdon wacht in Florenz in einem Krankenhauszimmer auf. Der Symbologe kann sich an nichts erinnert. Auch nicht, wie er nach Italien gekommen ist. Als kurz darauf eine wild um sich schießende Polizistin auftaucht, weiß er, dass er flüchten sollte. Dabei hilft ihm seine Ärztin Sienna Brooks (Felicity Jones) – und ungefähr jetzt muss man sich als Zuschauer entscheiden, ob man die dritte Dan-Brown-Verfilmung „Inferno“ rational-kritisch begleiten möchte (und, ja, man wird seine helle Freude am Kritisieren haben) oder ob man „Inferno“ in erster Linie als eine Achter- und Geisterbahnfahrt genießen möchte. Denn selbstverständlich gibt es überhaupt keinen in diesem Moment nachvollziehbaren Grund, warum die hübsche Ärztin den verletzten und vollkommen erschöpften Patienten, nachdem sie ihn vor der schießwütigen Polizistin rettete, aus dem Krankenhaus in ihre Wohnung schleppt.

Dort kann Langdon in einen Anzug von ihrem Ex-Freund schlüpfen und schon tauchen Heerscharen bewaffneter Bösewichter und die schon aus dem Krankenhaus bekannte Polizistin auf. Sie gehören zu mehreren, eher verfeindeten und mächtigen Organisationen, die alle über eine gut gefüllte Kriegskasse verfügen. Anscheinend wollen sie alle Langdon mehr oder weniger schnell töten. Anscheinend verfügt Langdon über Informationen, die irgendetwas mit Dantes Prophezeiung zu tun haben und die die Menschheit vernichten könnten. Unklar ist nur, ob Langdons Wissen das titelgebende Inferno verhindern oder befördern soll.

Langdon reagiert rein instinktiv, während er mit Brooks eine sportliche Sightseeing-Tour durch die historischen Schönheiten von Florenz, Venedig und Istanbul veranstaltet, als sei er eine jugendliche Ausgabe von Jack Bauer. Dabei vermitteln sie uns, wahrscheinlich brav aus der Romanvorlage übernommen, in hölzernen Erklärungen zwischen Fremdenführerlatein, Proseminar und Lexikonartikel das nötige historische Wissen zum Verständnis der Geschichte.

Und wie Jack Bauer nur von Kiefer Sutherland gespielt werden kann, kann Robert Langdon, der Indiana Jones im Anzug, nur von Tom Hanks gespielt werden. Er übernahm, nach „The Da Vinci Code“ (USA 2006) und „Illuminati“ (Angels & Demons, USA 2009) zum dritten Mal die Rolle des Professors, der Dank seines Wissens über alte Symbole, Geheimbünde und Verschwörungen die Welt vor großem Unheil bewahren kann. Ron Howard übernahm wieder die Regie und David Koepp, der bei „Illuminati“ nur Co-Autor war, ist jetzt der einzige Drehbuchautor. Koepp schrieb auch die Bücher für „Jurassic Park“, „Mission: Impossible“, „Spiel auf Zeit“, „Panic Room“, „Spider-Man“ und „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“. Auch das Drehbuch für den nächsten Indiana-Jones-Film hat er geschrieben. Massentaugliche Action mit Hirn kann er. Auch wenn bei „Inferno“ das Hirn aus der Vorlage, dem gut siebenhundertseitigem Schmöker von Dan Brown stammt.

Mit seinem zweiten Langdon-Roman „Sakrileg“ (The Da Vinci Code) landete Brown 2003 einen internationalen Bestseller, der eine Geschichtsstunde mit viel Verschwörungstheorie, – mit sehr viel Verschwörungstheorie -, und Action verband. Ein Erfolgsrezept, das Dan Brown auch nicht für „Inferno“, seinen vierten Langdon-Roman, änderte. Sein nächster Langdon-Roman „Origin“, der für den 26. September 2017 angekündigt ist, wird sicher ebenfalls dem bewährtem Rezept folgen. Der Thriller erscheint gleichzeitig in den USA und in Deutschland. Natürlich wieder bei Bastei Lübbe.

Da bleibt Koepp, wie es sich heutzutage für eine Bestsellerverfilmung gehört, nur noch die Aufgabe, den Wälzer in ein Drehbuch zu übersetzen ohne allzu viel von der Romangeschichte zu ändern. Das gelang ihm, in dem er sich auf die Action konzentriert, die Erklärungen knapp hält, etwas dringend notwendigen Humor integriert und mit knapp zwei Stunden (ohne Abspann) die kürzeste Brown-Verfilmung ablieferte. Angesichts der abstrusen Geschichte, die mehr Wendungen als zwei Sebastian-Fitzek-Romane hat, eine kluge Entscheidung. Denn im Gegensatz zu den Auflösungen in den Fitzek-Romanen ist in „Inferno“ der Plan des Bösewichts größenwahnsinnig, unglaublich kompliziert und vollkommen bescheuert. Er trägt das eigene Scheitern schon in seiner DNA.

Inferno“ ist eine durchgeknallte, aber auch, wenn man in der richtigen Stimmung ist, äußerst unterhaltsame Räuberpistole, die mit den Schauwerten der historischen Gebäude und Gärten, guten Schauspielern, etwas Humor und einem flotten Erzähltempo punkten kann. Es ist auch die bislang beste Dan-Brown-Verfilmung. Allerdings waren „The Da Vinci Code“ und „Illuminati“ überlange, vor Ehrfurcht gegenüber der Vorlage erstarrte, betuliche Verfilmungen, in denen sich viel zu viel Zeit für die Erklärungen der historischen Hintergründe genommen wurde.

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Inferno (Inferno, USA 2016)

Regie: Ron Howard

Drehbuch: David Koepp

LV: Dan Brown: Inferno, 2013 (Inferno)

mit Tom Hanks, Felicity Jones, Irrfan Khan, Omar Sy, Ben Foster, Sidse Babett Knudsen, Anna Ularu

Länge: 122 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Inferno“

Metacritic über „Inferno“

Rotten Tomatoes über „Inferno“

Wikipedia über „Inferno“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ron Howards „Rush – Alles für den Sieg“ (Rush, USA/Großbritannien/Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Ron Howards „Im Herzen der See“ (In the Heart of the Sea, USA 2015)

Homepage von Dan Brown

Krimi-Couch über Dan Brown

Perlentaucher über Dan Brown

Die Vorlage

Leider ohne Filmfotos (das gab es früher öfter in den Filmausgaben), aber mit einem neuen Cover und selbstverständlich nur kurze Zeit im Handel

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Dan Brown: Inferno

(übersetzt von Axel Merz und Rainer Schumacher)

Bastei Lübbe, 2016

688 Seiten

11 Euro

Deutsche Erstausgabe

Lübbe, 2013

Originalausgabe

Inferno

Doubleday, 2013

Das Teaserplakat, das mir besser gefällt

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TV-Tipp für den 3. September: Spiel auf Zeit

September 3, 2015

Kabel 1, 20.15
Spiel auf Zeit (USA 1998, Regie: Brian De Palma)
Drehbuch: David Koepp (nach einer Geschichte von Brian De Palma und David Koepp)
Während eines Boxkampfs in einem Casino in Atlantic City wird der Verteidigungsminister erschossen. Kurz darauf stirbt der Attentäter. Rampensau-Cop Rick Santoro (Nicolas Cage) reißt die Ermittlungen an sich und als er sich die Videoaufzeichnungen der Kampfarena ansieht, entdeckt er Unstimmigkeiten.
Der Anfang, eine gut viertelstündige Plansequenz Szene mit Nicolas Cage und dem Tatort im Mittelpunkt, ist grandios und atemberaubend. Danach dekonstruiert De Palma in einem atemberaubendem Tempo diese Sequenz bis kein Bild mehr auf dem anderen bleibt.
„Inhaltlich an klassischen Verschwörungsfilmen orientiert, ist der Parforcerittt vor allem eine gekonnte Studie, wie man mit Film manipulieren und die Wahrnehmung beeinflussen kann.“ (Fischer Film Almanach 1999)
Damals freute man sich noch auf den neuen Film mit Nicolas Cage und den neuen Film von Brian De Palma.
mit Nicolas Cage, Gary Sinise, John Heard, Carla Gugino, Stan Shaw, Kevin Dunn, Lou Logan, Michael Rispoli, Joel Fabiani, Luis Guzmán
Wiederholung: Freitag, 4. September, 00.40 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Spiel auf Zeit“
Wikipedia über „Spiel auf Zeit“ (deutsch, englisch)
Brian De Palma in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 10. Juli: Krieg der Welten

Juli 10, 2015

Pro 7, 20.15
Krieg der Welten (USA 2005, Regie: Steven Spielberg)
Drehbuch: Josh Friedman, David Koepp
LV: H. G. Wells: The War of the Worlds, 1898 (Der Krieg der Welten)
Aliens wollen die Menschheit vernichten und Hafenarbeiter Ray Ferrier (Tom Cruise) stolpert mit seinen Kindern, die er retten will, durch ein sich in Auflösung befindendes Land. Denn die Aliens sind unbesiegbar.
Extrem düsterer, von 9/11 beeinflusster Science-Fiction-Film von Steven Spielberg.
mit Tom Cruise, Dakota Fanning, Miranda Otto, Justin Chatwin, Tim Robbins, Amy Ryan
Wiederholung: Samstag, 11. Juli, 00.50 Uhr
Hinweise
Film-Zeit über „Krieg der Welten“
Moviepilot über „Krieg der Welten“
Metacritic über „Krieg der Welten“
Rotten Tomatoes über „Krieg der Welten“
Wikipedia über „Krieg der Welten“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels” (Indiana Jones and the kingdom of the skull, USA 2008)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Gefährten” (War Horse, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Lincoln” (Lincoln, USA 2012)

Steven Spielberg in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Johnny Depp ist „Mortdecai – Der Teilzeitgauner“

Januar 22, 2015

Vor Jahren habe ich Kyril Bonfigliolis Roman „Nimm das Ding da weg!“ gelesen und, auch wenn ich mich nicht mehr an die Geschichte erinnere, hat mir der Roman nicht gefallen. Ich konnte mit dem Humor nichts anfangen und wahrscheinlich fand ich auch den Protagonisten Mortdecai unsympathisch. Dabei gefallen mir eigentlich Gangsterromane und Gaunerkomödien. Mortdecai, ein Dandy, Kunsthändler und Betrüger, passt da eigentlich rein. Auch dass der Schlawiner ein unverbesserlicher Snob ist. Der Roman spielte, unüberlesbar, in den frühen Siebzigern, als die britische Klassengesellschaft noch in voller Blüte war und nichts gegen einen guten Kunstschwindel gesagt werden konnte.
Und, obwohl ich das Buch jetzt nicht noch einmal gelesen habe (auch weil ich keine Ahnung habe, wo es liegt), vermutete ich schon beim klamaukigen Trailer, dass der Film mit dem vor über vierzig Jahren erschienenem Roman nicht allzuviel zu tun hat; was ja grundsätzlich kein Problem ist. Jedenfalls gehöre ich nicht zu der Fraktion, die „Verrat“ brüllt, wenn der Film sich von der Vorlage entfernt.
Dieser Eindruck eines werkfernen Retro-Klamauks bestätigte sich beim Ansehen des Films, der sich erfolgreich bemüht durchgehend altmodisch zu sein. Die fast schon wohltuenden Ignoranz gegenüber der modernen Technik, also Computer, Handys und so Zeug, sagt deutlich, dass der Film zwar in der Gegenwart spielt, aber eigentlich in die Vergangenheit gehört, als Filme wie „Der rosarote Panther“ das Publikum erfreuten.
Charlie Mortdecai ist auch im Film ein mehr als halbseidener, auf großem Fuß lebender Kunsthändler und Schwindler, der mehr als einmal von seiner rechten Hand, dem dummen, aber Mortdecai treu ergebenen Schläger Jock Strapp, aus gefährlichen Situationen gerettet wird. Seine Frau Johanna ist ihm treu ergeben, aber mit seinem neuen Schnurrbart kann sie nichts anfangen. Sie findet ihn zum übergeben; – und das ist, angesichts neuer Komödien, wie „A Million Ways to Die in the West“ und „Kill the Boss 2“, ein positiver Aspekt: der Humor bleibt immer oberhalb der Gürtellinie und er hinterlässt nie den Eindruck des spontan Vor-sich-hin-Improvisierens. Die Gags scheinen wirklich alle so im Drehbuch zu stehen. Dummerweise sind die Gags fast nie visuell und gerade Johnny Depp als Charlie Mortdecai gefällt sich in seinem typischen „Pirates of the Carribean“/“Lone Ranger“-Chargieren, das nicht zu der Rolle passt. Jedenfalls wenn man in Mortdecai mehr als das plumbe Abziehbild eines Klischees sehen möchte. Außerdem nervt es.
Die anderen Schauspieler – Gwyneth Paltrow als verliebte Ehefrau ist Iron Mans Pepper Potts in einer anderen Umgebung, Paul Bettany als Jock und Ewan McGregor als Geheimagent bemühen sich um Coolness – nerven weniger, aber gegen das klamaukige Drehbuch, das vor allem verbale Gags aneinanderreiht, kommen sie nicht an.
Die Geschichte selbst ist da nur die Entschuldigung für die eher altmodischen Witzeleien, die heute oft auch jeglicher gesellschaftlichen Relevanz entbehren. Vor vierzig, fünfzig Jahren war das vielleicht anders. Aber auch Mortdecai ist mit seinen Ansichten ungefähr 1970 stehen geblieben.
Er soll, im Auftrag von MI5-Agent Alistair Martland, ein verschwundenes Goya-Gemälde suchen. Dieses wertvolle Gemälde will auch Emil Strago. Der Terrorist (geformt nach dem Bild von ikonischen Sechziger-Jahre-Revolutionären mit südländischem Charme und Womanizer-Bart) würde das Geld wahrscheinlich für unzählige Terror-Anschläge verwenden. Ein russischer Oligarch und ein amerikanischer Milliardär wollen ebenfalls das Bild. Deshalb wird Mortdecai nach Moskau entführt und muss auch einen Trip „in die Kolonien“ (Mortdecai) unternehmen.
„Mortdecai – Der Teilzeitgauner“ ist ein hoffnungslos altmodischer und verstaubter Klamauk, der sich eher an den bei mir nicht besonders beliebten „Der rosarote Panther“-Filmen als an, sagen wir mal „Ihr Auftritt, Al Mundy!“ (It takes a Thief) oder „Über den Dächern von Nizza“ (To catch a Thief) orientiert und als Kopie einer Kopie noch nicht einmal im Schatten dieser ungleich besseren und heute immer noch ungleich frischeren Filme steht. Selbstverständlich werden neuere, stilbewusste Gaunerkomödien, wie „Ocean’s Eleven“ oder „Hustle“, ignoriert.

Mortdecai - Plakat

Mortdecai – Der Teilzeitgauner (Mortdecai, USA 2014)
Regie: David Koepp
Drehbuch: Eric Aronson
LV: Kyril Bonfiglioli: Don’t point that thing at me, 1972 (Nimm das Ding da weg!)
mit Johnny Depp, Gwyneth Paltrow, Paul Bettany, Ewan McGregor, Olivia Munn, Jeff Goldblum, Jonny Paslovsky, Ulrich Thomsen, Michael Culkin
Länge: 107 Minuten
FSK: ab 6 Jahre

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Mortdecai“
Moviepilot über „Mortdecai“
Metacritic über „Mortdecai“
Rotten Tomatoes über „Mortdecai“
Wikipedia über „Mortdecai“


TV-Tipp für den 15. Oktober: Spiel auf Zeit

Oktober 15, 2014

Kabel 1, 22.00
Spiel auf Zeit (USA 1998, Regie: Brian De Palma)
Drehbuch: David Koepp (nach einer Geschichte von Brian De Palma und David Koepp)
Während eines Boxkampfs in einem Casino in Atlantic City wird der Verteidigungsminister erschossen. Kurz darauf stirbt der Attentäter. Rampensau-Cop Rick Santoro (Nicolas Cage) reißt die Ermittlungen an sich und als er sich die Videoaufzeichnungen der Kampfarena ansieht, entdeckt er Unstimmigkeiten.
Der Anfang, eine gut viertelstündige Plansequenz Szene mit Nicolas Cage und dem Tatort im Mittelpunkt, ist grandios und atemberaubend. Danach dekonstruiert De Palma in einem atemberaubendem Tempo diese Sequenz bis kein Bild mehr auf dem anderen bleibt.
„Inhaltlich an klassischen Verschwörungsfilmen orientiert, ist der Parforcerittt vor allem eine gekonnte Studie, wie man mit Film manipulieren und die Wahrnehmung beeinflussen kann.“ (Fischer Film Almanach 1999)
Damals freute man sich noch auf den neuen Film mit Nicolas Cage und den neuen Film von Brian De Palma.
mit Nicolas Cage, Gary Sinise, John Heard, Carla Gugino, Stan Shaw, Kevin Dunn, Lou Logan, Michael Rispoli, Joel Fabiani, Luis Guzmán
Wiederholung: Donnerstag, 16. Oktober, 02.10 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Spiel auf Zeit“
Wikipedia über „Spiel auf Zeit“ (deutsch, englisch)
Brian De Palma in der Kriminalakte


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