TV-Tipp für den 21. Januar: The Blacklist: Raymond Reddingtons schwarze Liste/Der Freelancer

Januar 21, 2014

 

RTL, 20.15

The Blacklist: Raymond Reddingtons schwarze Liste/Der Freelancer (USA 2013)

Regie: Joe Carnahan, Jace Alexander

Drehbuch/Erfinder: Jon Bokenkamp

Serienhit aus den USA, der schon jetzt eine zweite Staffel erhalten hat, dort auch bei der Kritik gut ankam und die ohne James Spader ein Fall für die Mülltonne wäre. Er spielt Raymond ‚Red‘ Reddington, einen seit Ewigkeiten vom FBI weltweit gesuchten Topverbrecher und Ex-FBI-Agent, der sich im Serienauftakt freiwillig stellt (Warum?) und dem FBI anbietet, ihm bei der Jagd nach Verbrechern zu helfen (Warum?). Er hat dafür eine ziemlich lange Blacklist von besonders gefährlichen Verbrechern, deren Existenz teilweise sogar FBI, CIA und alle anderen Geheimdienste nicht kennen. Er wird allerdings nur, in schönster „Das Schweigen der Lämmer“-Tradition, mit Elizabeth Keen (Megan Boone), einer blutjungen Profilerin, reden. Und er hat noch einige andere Forderungen, die allerdings ein Ablenkungsmanöver sein können. Denn selbstverständlich ist vollkommen unklar, wie ehrlich der notorische Lügner Reddington ist und welche Agenda er verfolgt.

Die ersten beiden Folgen sind, abgesehen von James Spader (Grandios!), enttäuschend. Die anderen Schauspieler sind Stichwortgeber, die mit banalen Dialogen zu kämpfen haben. Der Serienauftakt ist eine einzige hektische, nicht nacherzählbare Hatz, die zweite Episode ist dann etwas ruhiger, aber beide Episoden sind unglaublich unlogisch und kaum nachvollziehbar. Auch weil es außer den Behauptungen von Reddington über die Bösewichter keinerlei Beweise gibt und es vollkommen unklar ist, wie sehr die Ereignisse von ihm manipuliert werden. So behauptet er in „Der Freelancer“, das ein vollkommen unbekannter Attentäter seine Anschläge als Unfälle kaschiert (zum Beispiel eine Zugentgleisung mit hunderten Toten – und, oh Wunder, bei solchen Katastrophen sterben auch immer wieder wichtige Personen, die von Reddington behaupteten Ziele des Freelancers). Jetzt soll er einen Anschlag auf eine Menschenrechtsaktivistin planen, der während eines Wohltätigkeitsdinners stattfinden soll; selbstverständlich getarnt als Unfall und nach dem MO des Täters mit vielen unschuldigen Opfern. Der Täter soll auch während des Dinners dabei sein – und am Ende kommt heraus, dass Reddington das alles geplant hat, um die Aktivistin, die in Wirklichkeit ein ganz böser Gangster ist (was niemand wusste), umzubringen. Der titelgebende Freelancer spielt am Ende keine Rolle mehr; wobei sogar unklar ist, ob es ihn überhaupt gibt. Es könnte auch sein, dass Reddington ihn einfach erfunden hat, nachdem er am Anfang der Episode einen Zug entgleisen ließ.

Ich werde mir noch ein, zwei Folgen ansehen, aber bis jetzt überwiegt eindeutig das Negative. Denn ohne Spader hätte ich es nicht bis zur zweiten Folge geschafft.

Mit James Spader (Raymond ‚Red‘ Reddington), Megan Boone (Elizabeth Keen), Ryan Eggold (Tom Keen), Diego Klattenhoff (Donald Ressler), Harry Lennix (Harold Cooper), Parminder Nagra (Agent Meera Malik), Hisham Tawfiq (Dembe), Deborah S. Craig (Luli)

Wiederholung: Mittwoch, 22. Januar, 01.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

NBC über „The Blacklist“

Metacritic über „The Blacklist“

Rotten Tomatoes über „The Blacklist“

Wikipedia über „The Blacklist“ (deutsch, englisch)

 

 

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Neu im Kino/Filmkritik: Über Guillermo del Toros „Pacific Rim“

Juli 19, 2013

 

Die ersten Trailer von „Pacific Rim“, dem neuen Film von „Hellboy“-Regisseur Guillermo del Toro, ließen einen etwas ratlos zurück, weil sie ziemlich abschreckend nach „Transformers meets Godzilla“ aussahen und es wirklich rätselhaft war, was del Toro an dieser „Riesenroboter verkloppen Riesenechsen“-Geschichte interessieren sollte.

Auch nach dem Film und der Lektüre des Pressematerials kann ich das nicht genauer sagen. Gut. Er sah in seiner Jugend die kultigen „Godzilla“-Filme von Ishiro Honda und er wollte seinen „Godzilla“-Film drehen. Honda und Ray Harryhausen, dem kürzlich verstorbenen Meister der Stop-Motion-Technik, widmete er den Film. Beide zauberten ihre fantastischen Welten mit Tricks, Modellen, viel Geduld und ohne Computer. Heute werden mit Computerhilfe fantastische Welten und Kämpfe entworfen, denen aber auch der Charme der Werke von Honda und Harryhausen fehlt.

Eben dieser Charme fehlt auch „Pacific Rim“. Denn die Kämpfe zwischen den Kaiju (japanisch für Riesenmonster) und den Jaeger (äh, ja, Jäger), wie die Riesenroboter heißen, sind meistens im Dunkeln stattfindende elend lange und auch langweilige Kloppereien zwischen Monstern und Robotern, die zwar gut inszeniert sind, aber auch auf ein Grundproblem der von Guillermo del Toro und Travis Beacham erfundenen und absolut vorhersehbaren Geschichte, die eigentlich ein „Top Gun“-Recycling ist, hinweisen: alle Charaktere sind uns herzlich egal. Es gibt den tapferen Jaeger-Piloten Raleigh (Charlie Hunnam), der sich in die Einöde zurückzieht, nachdem bei einem Einsatz sein Bruder starb.

2025 wird er von seinem ehemaligen Pan-Pacific-Defense-Corp-Kommandanten Stacker Pentecost (Idris Elba) gefunden. Er braucht ihn für das letzte Gefecht gegen die Kaiju. Diese kommen aus einer Spalte im Meer (und von dort über irgendein Wurmloch aus ihrer Welt) und sie sind kurz davor, die Erde endgültig zu übernehmen. Jetzt, wo ich über die Prämisse nachdenke, wird sie immer idiotischer.

Aber die Menschheit hat eine, ähem, interessante Idee: das Jaeger-Programm. Die Jaeger sind 25 Stockwerke hohe Roboter, die von zwei Menschen, die geistig miteinander verbunden sind und im Kampf daher wie ein Gehirn reagieren, gesteuert werden und die reihenweise Kaijus töten. Die Jaeger-Piloten werden wie Rockstars verehrt, aber dann entwickelen die Kaijus sich weiter und die Jaeger-Piloten sehen alt aus. Die Weltregierung will sich jetzt mit einer anderen Methode gegen die Kaiju verteidigen. Das Jaeger-Programm wird eingestellt.

Pentecost will das nicht akzeptieren und er trommelt seine Soldaten und zwei extrem nervige Wissenschaftler zusammen zur letzten Schlacht gegen die Viecher.

Das alles erzählt del Toro in den ersten fünfzehn, zwanzig Minuten. Danach gibt es in der Jaeger-Basis einen länglichen Ausleseprozess. Denn Raleigh braucht einen Partner – und wir wissen schon von der ersten Sekunde an, wer das wird: nämlich Mako (Rinko Kikuchi), die Gehilfin von Pentecost, die unter seinem besonderen Schutz steht (Yeah, genialer Plot-Zug: der Vorgesetzte als stinkiger, überfürsorglicher „Battleship“-Daddy). Es gibt auch, wie in „Top Gun“, einen anderen Jaeger-Piloten, der Raleigh als Konkurrenten von der ersten Sekunde an hasst.

Und den Rest können wir uns denken. Etwas Liebe, zwar ohne Knutschereien und Sex, aber mit dem ultimativen Gehirntrip, weil die Piloten, wenn ihre Gehirne für die Jaeger-Steuerung miteinander verbunden werden, erfahren sie auch gleichzeitig alles über den anderen. Ein Übungskampf. Und dann ab ins Finale mit zwei großen Kampfszenen, von denen der letzte Kampf unter Wasser, an der Spalte, aus der die Kaijus kommen, stattfindet.

Das ist so konventionell, dass eben auch die schwachen bis nicht vorhandenen Charakterisierungen und – wenn ich an „Hellboy“ denke – der mangelnde Humor auffallen. Vor allem Charlie Hunnam, der ja den Helden Raleigh spielt, und Idris Elba, der den Befehlshaber spielt, werden vom Drehbuch sträflich vernachlässigt. „Sons of Anarchy“-Hunnam vergisst man sofort. Und von Idris Elba bleiben nur die schlecht sitzenden Anzüge im Gedächtnis. Und dabei kann Elba, wie die derzeit im BBC laufende dritte, geniale „Luther“-Staffel zeigt, so viel mehr. Aber in „Pacific Rim“ ist er nur ein Kleiderständer. „Hellboy“ Ron Perlman als Kriegsgewinnler und Kaiju-Schwarzmarkthändler ist in seinen schillernden Kleidern eine Augenweide und auch der einzige Charakter, der mit seiner Dreißiger-Jahre-Hollywood-Asiaten-Bösewicht-Rolle so etwas wie Humor in den Film bringt. Die beiden Wissenschaftler Dr. Newton Geiszler (Charlie Day) und Herman Gottlieb (Burn Gorman) entsprechen dem Bild des durchgeknallten Nerd-Wissenschaftlers mit Dachschaden. Das ist witzig gemeint, aber es ist nicht witzig.

Pacific Rim“ ist nicht so schlecht, wie ich befürchtete. Es ist deutlich besser als „Battleship“, aber auch ein Film der verpassten Chancen. Es ist ein Film, der so viel besser sein könnte und dann doch nur ein Honda-“Godzilla“-Film mit besseren Tricks ist. Aber ohne den dilletantisch-billigen Charme der Originale und ohne einen irgendwie erkennbaren politischen Subtext, der in Hondas Filmen immer erkennbar war.

Guillermo del Toros Film ist nur mäßig spannendes und mäßig unterhaltsame Blockbuster-Kino mit guten Tricks, echt wirkenden Sets, einem gerade so die Geschichte zusammenhaltendem Drehbuch und einer Parade sträflich unterforderter Schauspieler.

Pacific Rim - Plakat

Pacific Rim (Pacific Rim, USA 2013)

Regie: Guillermo del Toro

Drehbuch: Travis Beacham, Guillermo del Toro (nach einer Geschichte von Travis Beacham

mit Charlie Hunnam, Idris Elba, Rinko Kikuchi, Charlie Day, Burn Gorman, Max Martini, Robert Kazinsky, Clifton Collins Jr., Ron Perlman, Diego Klattenhoff

Länge: 131 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Pacific Rim“

Metacritic über „Pacific Rim“

Rotten Tomatoes über „Pacific Rim“

Wikipedia über „Pacific Rim“ 

Pacific Rim - Teaser

 

 


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