TV-Tipp für den 18. Oktober: Das Millionenspiel

Oktober 17, 2020

Tagesschau 24, 20.15

Das Millionenspiel (Deutschland 1970)

Regie: Tom Toelle

Drehbuch: Wolfgang Menge

LV: Robert Sheckley: The Prize of Peril, in „The Magazine of Fantasy and Science Fiction“, Mai 1958 (Der Tod spielt mit, Kurzgeschichte)

Bernhard Lotz macht bei dem Millionenspiel mit. Die Spielregeln sind ganz einfach: wenn er, gejagt von drei Killern und immer beobachtet von Kameras, eine Woche in Deutschland überlebt und es in das Fernsehstudio schafft, dann erhält er eine Million DM.

Die brilliante, schwarze Satire war wegen eines Rechtsstreits (Menge verwandte Sheckleys Kurzgeschichte ohne Genehmigung) über dreißig Jahre im Giftschrank. Ein TV-Klassiker, der etliche aktuelle Produktionen alt aussehen lässt.

Die Idee einer Menschenjagd vor laufender Kamera wurde auch – ebenfalls auf Sheckleys Kurzgeschichte basierend – in „Kopfjagd – Preis der Angst“ (F 1982, Regie: Yves Boisset, mit Gérard Lanvin, Michel Piccoli) verwandt. Stephen King (aka Richard Bachman) schrieb mit „Menschenjagd“ seine Version. Sie war die Vorlage für den Arnie-Action-Kracher „Running Man“ (USA 1987, Regie: Paul Michael Glaser). Oh, und Sheckley selbst wandelte die Idee für den italienischen Pop-Art-Science-Film-Film „Das zehnte Opfer“ (I/F 1965, Regie: Elio Petri) etwas ab.

Mit Jörg Pleva, Dieter Thomas Heck, Dieter Hallervorden, Peter Schulze-Rohr, Elisabeth Wiedemann, Heribert Fassbender, Ralf Gregan

Wiederholung: Montag, 19. Oktober, 01.02 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Offizielle Robert Sheckley-Seite

Wikipedia über „Das Millionenspiel“ (deutsch, englisch) und Robert Sheckley (deutsch, englisch)

Phantastik-Couch über Robert Sheckley


Neu im Kino/Filmkritik: „Robinson Crusoe“, werkfern interpretiert in 3D

Februar 4, 2016

Die Geschichte von Robinson Crusoe dürfte allgemein bekannt sein. Immerhin ist Daniel Defoes Roman oft genug wieder veröffentlicht und verfilmt worden. Auch als auf dem Mars spielendes Science-Fiction-Abenteuer, das bei uns „Notlandung im Weltraum“, im Original „Robinson Crusoe on Mars“ heißt.
Jetzt erzählen Vincent Kesteloot und das belgische Studio nWave („Das magische Haus“, „Sammys Abenteuer“ und zahlreiche IMAX-Filme) die Geschichte als Animationsfilm und aus der Sicht eines Papageien. Warum auch nicht? Immerhin ist ihre „Robinson Crusoe“-Version ein Kinderfilm und eine altbekannte Geschichte kann neu interpretiert werden. Wobei, und das ist ein Problem des Films, die Filmgeschichte nichts mehr mit Defoes Geschichte zu tun hat. Außer, dass ein Mann auf einer einsamen Insel strandet. Der Rest ist dann freie Erfindung der Macher.
Auf der Insel befreunden sich, nach anfänglichem Misstrauen, die einheimischen Tiere und der Schiffbrüchige. Sie kämpfen gegen zwei biestige Schiffskatzen, die ebenfalls die Katastrophe überlebten, und gegen Piraten, die auf der Insel ein Feuer bemerken und deshalb die Insel ansteuern. Diese Geschichte, und das ist das große Problem des Films, ist nur die Ausgangssituation für nicht enden wollende und schnell ermüdende Slapstick-Actionszenen, die von etwas Klamauk (in der betont norddeutschen Synchronisation besonders klamaukig) unterbrochen werden. Das unterhält über die Filmlänge höchstens sehr kleine Kinder, denen, solange die Pixel sich bewegen, so etwas wie Charakterentwicklung, Plot, Thema und Subtext egal sind
So unbefriedigend „Robinson Crusoe“ auf der erzählerischen Ebene ist, so gelungen sind die Animationen in 3D. Da stimmt jedes Detail. Das Schiff, die Insellandschaften, sich bewegende Blätter und das Wasser, egal, ob es sich um einen Ozean oder eine Pfütze handelt, sind absolut realistisch. Auch die Figuren und ihre Bewegungen sind, innerhalb des Slapstick-Universums, absolut realistisch. Das hat in den 3D-Animationen eine atemberaubende Qualität, die locker mit den Spezialeffekten von Hollywood-Blockbustern mithalten kann.
Nur: wer will sich im Kino eine neunzigminütige Produktwerbung ansehen?

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Robinson Crusoe (Robinson Crusoe, Belgien/Frankreich 2015)
Regie: Vincent Kesteloot
Drehbuch: Lee Christoper, Domonic Paris, Graham Welldon (nach einer Idee von Chris Hubbell, Sam Graham, Domonic Paris und Ben Stassen)
mit (in der deutschen Fassung den Stimmen von) Matthias Schweighöfer, Kaya Yanar, Cindy aus Marzahn, Dieter Hallervorden, Aylin Tezel
Länge: 90 Minuten
FSK: ab 0 Jahre

Hinweise
Homepage zum Film
Moviepilot über „Robinson Crusoe“
Wikipedia über „Robinson Crusoe“


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