Neu im Kino/Filmkritik: „Renegades – Mission of Honor“ ist diese Schatzsuche

Juni 28, 2018

Renegades – Mission of Honor“ ist der mehr oder weniger neue Film aus Luc Bessons Filmfabrik und, wie man es von ihm gewohnt ist, hat er am Drehbuch mitgeschrieben. Die Regie übernahm dieses Mal „Storm Hunters“- und „Final Destination 5“-Regisseur Steven Quale. Die Geschichte ist, wie man es von Besson gewohnt ist, eine sattsam bekannte Geschichte, die er mit viel Action und Humor einfach noch einmal präsentiert und sich dabei nicht sonderlich um Originalität und Plausibilität bemüht. Denn sonst müsste man in diesem Fall überlegen, warum die Nazis 1944 einen Goldschatz und wertvolle Gemälde aus Deutschland nach Jugoslawien befördern. Die Fahrt der Deutschen endet in einem Dorf in der Nähe von Sarajewo. Dort wird der Staudamm gesprengt und das Dorf befindet sich fortan auf dem Grund eines Sees. Die Goldbarren ebenso.

1995 werden fünf Navy Seals nach einem in Sarajewo etwas aus dem Ruder gelaufenem Einsatz vom Dienst suspendiert. Anstatt ihren Auftrag still und heimlich zu erledigen, verballerten sie etliche Magazine und zerstörten mit einem geklauten Panzer, den sie auch als U-Boot benutzten, die kriegsversehrte Stadt weiter.

Während ihrer freien Tage erzählt ihnen die Einheimische Lara von dem Schatz, der seit einem halben Jahrhundert auf dem Boden des Sees liegt und der beim Wiederaufbau des Landes eine entscheidende Rolle spielen könnte.

Die Navy-Seals Matt, Stanton, Ben, Jackson und Duffy wollen ihr helfen und anschließend die Beute fifty-fifty teilen.

Das ist ein Unterschied zu den bekannten Vorbildern von „Renegades – Mission of Honor“. In „Stoßtrupp Gold“ (Kelly’s Heroes, USA 1970) und „Die Glorreichen“ (Les Morfalous, Frankreich/Tunesien 1983) wollten die Soldaten die Goldbarren für sich. Ein weiterer Unterschied ist, dass diese prominent besetzten Filme vom Anfang bis zum Ende Action und Humor haben. „Renegades – Mission of Honor“ hat Action nur am Anfang und danach in homöopathischen Dosen. Humor ist ebenfalls dünn gesät. Da helfen auch nicht die wenigen, kurzen Auftritte von J. K. Simmons als cholerischen Vorgesetzten mit dem Herzen auf dem rechten Fleck. Er poltert zunächst pflichtgemäß und lobt seine Jungs anschließend. Immerhin stimmt das Ergebnis des Einsatzes.

Renegades – Mission of Honor“ ist nicht das versprochene wirklichkeitsferne Actionfeuerwerk, sondern ein ziemlicher Langweiler, der nie auch nur versucht, sein Potential auszuschöpfen.

Da war „Das A-Team“ unterhaltsamer.

Gedreht wurde „Renegades – Mission of Honor“ bereits im Frühjahr 2015 im Studio Babelsberg, Belgien, Malta und Kroatien und danach mehrmals angekündigt. Letztendlich hatte der Film am 31. August 2017 in Taiwan seine Premiere. In Frankreich soll er am 29. August starten.

Renegades – Mission of Honor (Renegades, Frankreich/Deutschland 2017)

Regie: Steven Quale

Drehbuch: Richard Wenk, Luc Besson

mit J. K. Simmons, Sullivan Stapleton, Clemens Schick, Sylvia Hoeks, Charlie Bewley, Joshua Henry, Diarmaid Murtagh, Dimitri Leonidas, Ewen Bremner

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Moviepilot über „Renegades“

Metacritic über „Renegades“

Rotten Tomatoes über „Renegades“

Wikipedia über „Renegades“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steven Quales „Storm Hunters“ (Into the Storm, USA 2014)


Neu im Kino/Filmkritik: The Arty Dozen – „Monuments Men – Ungewöhnliche Helden“

Februar 21, 2014

 

Allein schon die Besetzung des Ensemblestücks „Monuments Men – Ungewöhnliche Helden“ lässt einem das Wasser im Mund zusammenlaufen: George Clooney, Matt Damon, Bill Murray, John Goodman, Jean Dujardin, Bob Balaban, Hugh Bonneville und Cate Blanchett.

Und dann die auf Fakten basierende Filmgeschichte: während der letzten Tage des II. Weltkriegs versucht eine kleine Gruppe Männer, die allein schon wegen ihres Alters untauglich für den Dienst an der Waffe ist, Kunst vor der Zerstörung zu retten. Und es ist – immerhin sehen wir täglich, was sie alles retten konnten – schon erstaunlich, was diesen „Monuments Men“, die Kurzform von „Monuments, Fine Arts and Archives (MFAA)“, mitten im Schlachtgetümmel und ohne Befehlsgewalt gelang. Die Sektion bestand aus Männern und Frauen aus dreizehn Ländern, die sich freiwillig dazu gemeldet hatten, oft schon anerkannte Künstler und Wissenschaftler waren, teils verheiratet waren und auch Kinder hatten.

2010 setzten Robert M. Edsel und Bret Witter diesen Menschen in ihrem Sachbuch „Monuments Men – Die Jagd nach Hitlers Raubkunst“ ein Denkmal. Sie erzählten die Abenteuer einiger dieser Männer, die auf oft getrennten Wegen von der Normandie durch Frankreich, Belgien, Deutschland bis nach Österreich in den Ort Altaussee die Spur der von Adolf Hitler geklauten Kunstwerke verfolgten, sie teilweise an absurden Orten, wie Minen und in Neuschwanstein, entdeckten. Gerade während der letzten Kriegstage befürchteten sie, dass ihre Arbeit weitgehend vergeblich gewesen sein könnte. Denn Adolf Hitler hatte seinen Soldaten den Nero-Befehl, der die Vernichtung der gesamten Beutekunst befahl, erteilt.

Das ist eine Geschichte ganz nach dem Geschmack Hollywoods. Auch wenn für die Verfilmung die Namen der Monuments Men geändert wurden und, wie es sich für eine ordentliche Hollywood-Bearbeitung gehört, großzügig mit den Fakten umgegangen wird.

George Clooney erzählt die Geschichte dieser Männer in seinem neuen Film „Monuments Men“, der zu großen Teilen in Deutschland und Babelsberg gedreht wurde (deshalb laufen auch einige deutsche Schauspieler durchs Bild), als launiges Kriegsabenteuer mit Starbesetzung, etwas Action, Drama, Witz, pathetischen Ansprachen und einer kleinen Dosis Liebe. Das erinnert zunächst an Kriegsfilmklassiker wie „Gesprengte Ketten“ und „Das dreckige Dutzend“, schlägt in den ersten Minuten, wenn George Clooney seine Monuments Men rekrutiert, auch einen „Ocean’s Eleven“-Ton an. Aber treffender ist der Vergleich mit Blake Edwards‘ kaum bekannter, ziemlich missglückter Kriegsklamotte „ Was hast du denn im Krieg gemacht, Pappi?“ (What did you do in the War, Daddy?).

Denn „Monuments Men“ plätschert vor sich hin, während die Stars ihre Solo-Autritte absolvieren und sich auf getrennten Pfaden durch einen eklektischen Plot, mit den sattsam bekannten Kriegsfilmsituationen, kämpfen und ab und an George Clooney lauschen, der ihnen über das problemlos und rauschfrei funktionierende Funkgerät pathetische Ansprachen über die Bedeutung ihrer Aufgabe hält.

So gelungen jede einzelne Szene auch ist, so enttäuschend ist dann das Gesamtwerk. Denn es bleibt als sich selbst genügendes Starkino immer Stückwerk. Auch das Ende, wenn die Männer am Kriegsende in Altaussee einige Kunstwerke, an denen sie besonders interessiert sind, entdecken, ist nur durch die historischen Umstände (der Krieg war halt vorbei), aber nicht durch die Dramaturgie der Filmgeschichte, die eh nur eine Abfolge von Episoden ist, bestimmt.

Monuments Men“ ist kein wirklich schlechter Film, es ist nur ein extrem nachlässig erzählter Film, der weit hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt. Auch wenn ich mich beim Ansehen amüsierte und nichts gegen die Botschaft über die Wichtigkeit von Kunst für das Gedächtnis einer Gesellschaft habe.

Monuments Men - Plakat

Monuments Men – Ungewöhnliche Helden (The Monuments Men, USA/Deutschland 2013)

Regie: George Clooney

Drehbuch: George Clooney, Grant Heslov

LV: Robert M. Edsel/Bret Witter: The Monuments Men, 2010 (Monuments Men)

mit George Clooney, Matt Damon, Bill Murray, John Goodman, Jean Dujardin, Bob Balaban, Hugh Bonneville, Cate Blanchett, Dimitri Leonidas, Justus von Dohnányi, Michael Brandner, Alexandre Desplat, Serge Hazanavicius, Grant Heslov, Nick Clooney (Vater von George Clooney; er tritt in der letzten Szene auf)

Länge: 118 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Die Vorlage

Auf über fünfhundert engbedruckten Seiten erzählt die Vorlage die wahre Geschichte der Monuments Men. Denn der Film nahm sich einige Freiheiten, wozu auch gehörte, dass die Namen geändert wurden.

Edsel - Monuments Men - 4

Robert M. Edsel (mit Bret Witter) Monuments Men – Die Jagd nach Hitlers Raubkunst

(übersetzt von Hans Freundl)

Heyne, 2014

560 Seiten

9,99 Euro

Deutsche Erstausgabe

Residenz Verlag, St. Pölten, 2013

Originalausgabe

The Monuments Men – Allied Heroes, Nazi Thieves, and the greatest Treasure Hunt in History

Center Street, New York 2010

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Monuments Men“

Moviepilot über „Monuments Men“

Metacritic über „Monuments Men“

Rotten Tomatoes über „Monuments Men“

Wikipedia über „Monuments Men“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „Monuments Men“

Die „Monuments Men“-Pressekonferenz in der National Gallery in London

Ein Interview mit Robert M. Edsel, dem Autor der Vorlage, und Drehbuchautor Grant Heslov

 

 


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