Neu im Kino/Filmkritik: „Deine Juliet“ besucht einen Buchclub auf Guernsey

August 10, 2018

1946, kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, erhält die in London lebende Journalistin Juliet Ashton einen Brief. Dawsey Adams vom Lesezirkel „Guernseyer Freunde von Dichtung und Kartoffelschalenauflauf“ bittet sie um die Adresse einer Buchhandlung, die Bücher von Charles Lamb führt. Neugierig geworden durch den epischen Namen des Buchclubs und Dawseys Briefe, beschließt die sich gerade in einer Schaffenskrise befindende Juliet, für einige Tage auf die Insel zu fahren, die Mitglieder des Buchclubs kennen zu lernen, die Hintergründe des Namens (Was ist ein Kartoffelschalenauflauf?) zu erfahren und einen Bericht darüber zu schreiben.

Schnell – immerhin ist Mike Newells neuer Film ein romantischer Liebesfilm – verliebt sie sich in den Prachtburschen Dawsey, die Mitglieder des Buchclubs und die Insel, die während des Kriegs von Deutschen besetzt war. Diese Besatzung ist auch der schon in den ersten Filmminuten enthüllte Grund für den seltsamen Namen des Buchclubs. Die Mitglieder des damals noch nicht existierenden Buchclubs werden nachts, reichlich angeheitert von einer gemeinsamen Feier, von einer deutschen Patrouille erwischt. Um einer Bestrafung zu entgehen, behauptet Elizabeth McKenna, sie seien die Mitglieder eines Buchclubs. Um diese dreiste Behauptung gegenüber den Deutschen aufrecht zu halten, gründen sie dann schnell, durch eine Anmeldung bei den Besatzern, den Buchclub. Sie treffen sich dann zu regelmäßigen Leserunden, die auch den Zusammenhalt und das Gemeinschaftsgefühl zwischen ihnen stärken.

Vier Hochzeiten und ein Todesfall“-Regisseur Mike Newell wechselt in seinem neuen Film „Deine Juliet“ zwischen Rückblenden, in denen wir mehr über die Geschichte des Buchclubs während des Kriegs erfahren, und in der Gegenwart spielenden Szenen, in denen Juliet die Kanalinsel Guernsey kennen und lieben lernt und sie sich in den alleinerziehenden Farmer Dawsey verliebt. Dabei gelingt ihm nicht die richtige Mischung zwischen den Handlungssträngen, die sich mehr im Weg stehen als sich gegenseitig zu verstärken.

Die Liebesgeschichte zwischen der Journalistin Juliet und Dawsey kommt nicht recht voran. Das liegt nicht an Juliets schnöseligem Liebhaber, einem US-Soldaten, der sie heiraten möchte und, nachdem sie länger als geplant auf Guernsey bleibt, auch auf der Insel besucht. Es liegt an den zahlreichen Rückblenden und weil Juliet beginnt, nach der verschwundenen Gründerin des Buchclubs zu suchen. Elizabeth wurde von den Nazis deportiert. Ihre Freunde wissen nicht wo sie ist, aber Juliet will herausfinden was mit ihr geschah. Das Ergebnis ihrer für die damalige Zeit erstaunlich einfachen Recherche erfahren wir im Film.

Und, immerhin geht es um einige Menschen, die Bücher lesen und darüber reden, die Faszination des Lesens stellt sich nicht ein. Der Film macht noch nicht einmal neugierig auf einige Bücher, die im Film erwähnt werden.

Ein weiteres Manko der in seiner Geschichte vorhersehbaren Liebeserklärung an die gute alte Zeit ist, dass „Deine Juliet“ auf Guernsey spielt, man aber fast nichts von der Insel sieht und vom Lebensgefühl einer Insel spürt. Weil das heutige, bei Touristen beliebte Guernsey nicht mehr an das Nachkriegs-Guernsey erinnert, wurde in Cornwall und Devon gedreht und das sieht dann wie die Rosamunde-Pilcher-Welt aus.

Deine Juliet (The Guernsey Literary and Potato Peel Pie Society, USA/Großbritannien 2018

Regie: Mike Newell

Drehbuch: Kevin Hood, Thomas Bezucha, Don Roos

LV: Mary Ann Shaffer/Annie Barrows: The Guernsey Literary and Potato Peel Pie Society, 2008 (Deine Juliet – Club der Guernseyer Freunde von Dichtung und Kartoffelschalenauflauf)

mit Lily James, Michiel Huisman, Matthew Goode, Jessica Brown Findlay, Tom Courtenay, Penelope Wilton, Katherine Parkinson, Glen Powell

Länge: 124 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Deine Juliet“

Metacritic über „Deine Juliet“

Rotten Tomatoes über „Deine Juliet“

Wikipedia über „Deine Juliet“ (deutsch, englisch)

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TV-Tipp für den 23. Oktober: Diabolisch

Oktober 23, 2015

3sat, 22.30
Diabolisch (USA 1996, R.: Jeremiah S. Chechik)
Drehbuch: Don Roos
LV: Pierre Boileau/Thomas Narcejac: Les diaboliques: Celle qui n´etait pas, 1952 (Die Teuflischen; Tote sollen schweigen)
Mia und Nicole bringen das Ekel Guy um. Als seine Leiche verschwindet und eine neugierige Polizistin auftaucht, beginnt die brüchige Partnerschaft von Mia und Nicole merklich zu bröckeln.
Boileau/Narcejacs Thriller wurde 1954 von Henri-Georges Clouzot genial verfilmt unter dem Titel „Les Diaboliques“/“Die Teuflischen“. Hollywood versuchte vierzig Jahre später diesen Film zu toppen; jedenfalls bezog sich Drehbuchautor Dan Roos explizit auf Clouzots Film – und scheiterte. Da hilft auch die gute Besetzung nicht.
J.J. Abrams, der Erfinder von „Alias“ und „Lost“ und Regisseur von „Mission Impossible 3“, „Super 8“, den letzten beiden „Star Trek“-Filmen und dem neuen „Star Wars“-Film, hat eine kleine Rolle als Kameramann.
Mit Sharon Stone, Isabelle Adjani, Chazz Palminteri, Kathy Bates, J.J. Abrams
Wiederholung: Samstag, 24. Oktober, 03.10 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Diabolisch“
Wikipedia über „Diabolisch“ (deutsch, englisch)


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