TV-Tipp für den 9. März: Columbo: Bluthochzeit

März 9, 2019

Nitro, 22.55

Columbo: Bluthochzeit (Columbo: No time to die, USA 1992)

Regie: Alan J. Levi

Drehbuch: Robert Van Scoyck

LV: Ed McBain: So Long As You Both Shall Live, 1976 (So lang ihr zwei noch lebt)

Ein persönlicher Fall für Columbo: Ein Irrer hat die Braut seines Neffen gekidnappt.

Ein Columbo, der sich nicht an die Columbo-Formel hält. Aber wer hätte das bei einer Ed McBain-Story erwartet?

„Bluthochzeit“ ist einer der besten neuen Columbo-Fälle; jedenfalls wenn man auch einmal auf die Columbo-Formel verzichten kann: ein ungewöhnlicher Fall (kein Mord, sondern ein Kidnapping ohne Lösegeldforderung), bei dem die normale Polizeiarbeit im Vordergrund steht (es wird öfters gezeigt, wie frustrierend langwierig das Beschaffen von Informationen ist), es fast keine Columbo-Maniriesmen gibt (und die verbleibenden sind eher zufällig) und die Geschichte ungewohnt straff erzählt (ein Manko der neuen Columbos ist, dass sie alle altmodischer als die klassischen Columbos wirken) wird. „Bluthochzeit“ ist ein Columbo, der auch Columbo-Hassern gefallen könnte.

Oh, es ist auch einer der ganze wenigen Fälle, in denen Columbo eine Pistole trägt.

Mit Peter Falk, Joanna Going, Daniel Davis, Thomas Calabro, Dan Butler, Doug Savant, Daniel McDonald, Donald Moffat

Hinweise

Wikipedia über „Columbo“ (deutsch, englisch)

Fernsehlexikon über “Columbo”

“Columbo”-Fanseite

Deutsche “Columbo”-Fanseite

Noch eine deutsche “Columbo”-Fanseite

TV Time Machine: Audiointerview mit Peter Falk und Mark Dawidziak

Mehr über Ed McBains Columbo-Filme

Homepage von Ed McBain

Meine Besprechung des von Ed McBain herausgegebenen Buches „Die hohe Kunst des Mordens“ (Transgressions, 2006)

Meine Besprechung von Ed McBains “Die Gosse und das Grab” (The Gutter and the Grave, 2005, Erstausgabe: Curt Cannon: I’m Cannon – For Hire, 1958)

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DVD-Kritik: „Der große Minnesota-Überfall“, Jesse James, Cole Younger und ihre Jungs

Februar 10, 2016

1876: der Wilde Westen ist gar nicht mehr so wild wie zu „The Revenant“-Zeiten und die Wunden des Bürgerkriegs sind ungefähr so verheilt wie in „The Hateful Eight“. Bodenspekulanten und Eisenbahnunternehmen bringen Farmer um ihren Besitz. Einige, wie die James- und Younger-Brüder wehren sich und sie werden zu legendären Verbrechern, über die es unzählige Filme gibt, die es meistens mit den historisch verbürgten Fakten nicht so genau nehmen. Wobei schon damals eifrig Legende und Wahrheit miteinander vermischt wurden.
In seinem dritten Spielfilm – davor drehte Philip Kaufman bereits zwei ziemlich unbekannte Komödien, danach „Die Körperfresser kommen“, „The Wanderers“, „Der Stoff, aus dem die Helden sind“, „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ und „Die Wiege der Sonne“, immer nach eigenen Drehbüchern, und er schrieb die Bücher für „Der Texaner“ und „Jäger des verlorenen Schatzes“ (genaugenommen hat er nur einen Story-Credit) – versucht Kaufman den Spagat zwischen Heldenverehrung, Demystifikation und Sozialreportage indem er aus verschiedenen Perspektiven die Vorgeschichte zu dem titelgebendem „großen Minnesota-Überfall“ und dem in einer langen Schießerei endenden, erstaunlich chaotisch durchgeführten Banküberfall am 7. September 1876 auf die First National Bank in Northfield schildert. Weil die Bewohner von Northfield der Bank nicht trauen, müssen die Outlaws sie vor ihrem Überfall mit einem Schwindel überzeugen, ihr Geld dort einzuzahlen und so den geplanten Überfall für die James-und-Younger-Bande zu einem lohnendem Unternehmen zu machen.
Diese Geschichte tritt immer wieder in den Hintergrund, zugunsten von Beschreibungen des damaligen Lebens oder der komödiantischen Beobachtung eines Baseball-Spiels, das von den Einheimischen als „unser Nationalsport“ verkauft wird, während Cole Younger meint, der Nationalsport der Amerikaner sei Schießen und werde es immer bleiben.
Diese Mischung macht Kaufmans betont uneinheitlich inszenierten Film etwas unausgewogen und auch wegen seiner Brüche und erzählerischen Unsicherheiten und Abwege faszinierend. Vor allem das Porträt des damaligen Lebens in Northfield und wie die Vorboten der Industriellen Revolution und des 21. Jahrhunderts dort einziehen und das alte Frontierleben verdrängen, fasziniert. Dieser mit dem Blick eines Soziologen geschilderte Zusammenprall der unterschiedlichen Kulturen, garniert mit etlichen ebenso spitzen wie treffenden Bemerkungen der Charaktere, hebt Kaufmans Film aus dem Einerlei zahlloser Western heraus und macht ihn zu einer kritischen und auch schonungslosen Betrachtung des damaligen Lebens, bei dem die in Legenden, Volksliedern, Erzählungen und Filmen glorifizierten Verbrecher als doch eher einfältige Gesellen nicht besonders gut wegkommen. Es sind eben Dialekt sprechende Hinterwäldler ohne jegliche Bildung, die schon in der Kleinstadt Northfield fremdeln. Der 1923 geborene Cliff Robertson porträtiert Cole Younger als einen Mann, der kein Interesse mehr am Banditenleben hat und der, wie ein kleines Kind von der Moderne fasziniert ist, jede Gelegenheit für eine meist eher wunderliche Ablenkung begrüßt. Sogar einige Sekunden vor dem Banküberfall. Die ihn und seine Bande verfolgenden Pinkerton-Agenten, eine hasserfüllte Kopie der Keystone-Cops, sind da allerdings nicht sympathischer. Und die zivilisierten Bewohner von Northfield zeigen erstmals ihre Talente bei dem neuen amerikanischen Nationalsport. Bei dem in eine blutige Schießerei ausartendem Banküberfall favorisieren sie dann den alten amerikanischen Nationalsport. Das ist in jeder Sekunde viel mehr New-Hollywood-Kino als klassischer Western, in denen Helden noch Helden waren.
„Der große Minnesota Überfall“, der jetzt bei Koch Media in der „Edition Western Legenden“ als deutsche Erstveröffentlichung in restaurierter HD-Qualität erschien, ist wirklich eine Wiederentdeckung wert.

Der große Minnesota-Überfall - DVD-Cover

Der große Minnesota-Überfall (The great Northfield Minnesota Raid, USA 1972)
Regie: Philip Kaufman
Drehbuch: Philip Kaufman
mit Cliff Robertson, Robert Duvall, Luke Askew, R. G. Armstrong, Dana Elcar, Donald Moffat, John Pearce, Matt Clark, Elisha Cook jr.

DVD
Koch Media (Edition Western Legenden # 35)
Bild: 1,85:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: –
Bonusmaterial: Booklet, Trailer, Bildergalerie
Länge: 88 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Rotten Tomatoes über „Der große Minnesota-Überfall“
TCM über „Der große Minnesota-Überfall“
Wikipedia über „Der große Minnesota-Überfall“


TV-Tipp für den 6. Juli: Der große Minnesota-Überfall

Juli 5, 2015

Arte, 20.15
Der große Minnesota-Überfall (USA 1971, Regie: Philip Kaufman)
Drehbuch: Philip Kaufman
Minnesota, 1876: Jesse James, Cole Younger und ihre Bande wollen in Northfield die Bank unblutig überfallen.
Ein Western, der, weil er seit Ewigkeiten nicht mehr im TV lief, schon genau so lang auf meiner Zu-sehen-Liste steht, obwohl Joe Hembus im „Western-Lexikon“ über den Film schreibt: „Der ehrgeizige und nur teilweise geglückte Versuch eines ehemaligen Geschichtsprofessors, alles auf einmal zu bringen; einen quasi-dokumentarischen Bericht; die Ballade, zu der die darin mitgeteilten Tatsachen verklärt werden; und die Reflektion des zum Mysthos erhobenen Guerilla-Kriminalfalles auss der Sicht des modernen Sozialpsychologen.“
Positiver äußert sich das Lexikon des internationalen Films: „Mehr am Charakter seiner Figuren als an Action interessierter Western; zwar nicht ohne Klischees des Genres, doch psychologisch differenziert und fesselnd.“
Kaufman inszenierte später „Die Körperfresser kommen“, „The Wanderers“, „Der Stoff, aus dem die Helden sind“, „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ und „Die Wiege der Sonne“. Er schrieb das Drehbuch zu „Der Texaner“ und er hat, neben George Lucas, einen Story-Credit bei „Jäger des verlorenen Schatzes“.
mit Cliff Robertson, Robert Duvall, Luke Askew, R. G. Armstrong, Dana Elcar, Donald Moffat, Elisha Cook jr.
Wiederholungen
Mittwoch, 8. Juli, 13.50 Uhr
Mittwoch, 15. Juli, 01.25 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Arte über „Der große Minnesota-Überfall“
Rotten Tomatoes über „Der große Minnesota-Überfall“
TCM über „Der große Minnesota-Überfall“
Wikipedia über „Der große Minnesota-Überfall“


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