Neu im Kino/Filmkritik „Book Club – Das Beste kommt noch“ nach dem Abspann

September 14, 2018

Dürfen ältere Frauen, – also so ungefähr im Alter von meiner Mutter und deiner Großmutter (oder umgekehrt) -, noch Sex haben und darf man einen Film darüber machen? Während diese Fragen in europäischen, siehe „Alles inklusive“, und südamerikanischen Filmen, siehe „Gloria“, schon lange eindeutig beantwortet sind, ist in den prüden USA ein Film wie „Book Club – Das Beste kommt noch“ dagegen eine kleine Sensation.

Denn im Mittelpunkt der Komödie stehen vier ältere, in gut situierten Verhältnissen lebende Frauen, die jetzt in ihrem wöchentlichen Lesekreis „Fifty Shades of Grey“ lesen und wieder Lustgefühle bekommen. Sie wollen, kurz gesagt, wieder Sex haben. So wie früher. Oder, dank des Buchs, noch schlimmer.

Ausgehend von dieser Idee entwickelt sich eine arg vorhersehbar vor sich hin plätschernde, reichlich unwitzige Komödie, bei der nur die Besetzung für Aufmerksamkeit sorgt. Der titelgebende Buchclub besteht aus Diane Keaton (geb. 1946), Jane Fonda (geb. 1937), Mary Steenburgen (geb.1953, das Nesthäkchen) und Candice Bergen (geb. 1946). Sie spielen alle so ungefähr Sixty-Somethings, die teils Kinder haben, teils verwitwet oder geschieden sind und teils erfolgreich berufstätig sind. Sie sind vier ganz normale weiße, bürgerliche Frauen, die seit Jahren ihren Lesezirkel als Anlass zum Tratschen und Wein trinken nehmen. Und sie müssen sich, damit die Liebesgeschichten funktionieren, oft so naiv und weltfremd verhalten, dass man nicht glauben will, dass hier sechzigjährige Frauen, Jahre nach der sexuellen Revolution, ihren zweiten oder dritten Frühling erleben.

Ihre Männer werden gespielt von Andy Garcia (geb. 1956), Don Johnson (geb.1949), Craig T. Nelson (geb. 1944), Richard Dreyfuss (geb. 1947), Wallace Shawn (geb. 1943) und, als Ex-Mann, Ed Begley Jr. (geb 1949).

Für eine kleine Komödie ist das eine beachtliche Besetzung. Auffallend ist außerdem, dass die Frauen hier normalerweise älter als ihre Objekte der Begierde sind. Das dürfte der größte Witz dieser dialoglastigen Komödie sein.

Die Dialoge erschöpfen sich in arg eindeutigen Doppeldeutigkeiten. Besonders witzig oder intelligent ist das nicht. Nur ein Werner-Herzog-Gag fällt positiv auf. Und die herrlich misslungene Tanznummer von Steenburgen und ihrem Filmmann Nelson zu Meat Loaf am Filmende.

Aber vielleicht sieht es das 60+-Zielpublikum anders.

Book Club – Das Beste kommt noch (Book Club, USA 2018)

Regie: Bill Holderman

Drehbuch: Bill Holderman, Erin Simms

mit Diane Keaton, Jane Fonda, Candice Bergen, Mary Steenburgen, Andy Garcia, Don Johnson, Richard Dreyfuss, Ed Begley Jr., Craig T. Nelson, Wallace Shaw, Alicia Silverstone

Länge: 105 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Facebook-Seite zum Film

Moviepilot über „Book Club“

Metacritic über „Book Club“

Rotten Tomatoes über „Book Club“

Wikipedia über „Book Club“

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Neu im Kino/Filmkritik: „Ghostbusters“ – neue Gesichter, vertraute Geschichte

August 5, 2016

Lange bevor der Film in die US-Kinos kam, hatten sich im Netz die ‚Hater‘ schon ihre Meinung gebildet: der Film kann nur Scheiße sein, weil in dem neuen „Ghostbusters“-Film nicht die originalen Ghostbusters-Schauspieler wieder die Hauptrollen spielen, sondern die Ghostbusters von anderen Schauspielern gespielt werden (was schon schlimm ist) und diese auch noch von Frauen, Ja Frauen!!!, gespielt werden (was noch viel schlimmer ist).

Es gab dann zum Filmstart noch eine besonders unappetitliche Kampagne gegen Leslie Jones. Eine Afroamerikanerin; – muss ich noch mehr sagen?

Diesen Idioten kann ich nur empfehlen, sich in ihrer Wohnung einfach noch einmal die zwei alten „Ghostbusters“-Filme anzusehen. Es gibt sie noch. Sie wurden nicht verändert und sie stehen in eurer Filmsammlung. Den neuen Film könnt ihr ja getrost ignorieren.

In Hollywood war ein neuer „Ghostbusters“-Film seit Ewigkeiten im Gespräch. Immerhin waren die ersten beiden Filme von 1984 und 1989 mit Bill Murray (wieder dabei in einer gänzlich anderen Mini-Rolle), Dan Aykroyd (wieder dabei in einer gänzlich anderen Mini-Rolle), Ernie Hudson (wieder dabei in einer gänzlich anderen Mini-Rolle) und Harold Ramis (2014 verstorben) enorm erfolgreich. Entsprechend naheliegend sind da in der Hollywood-Logik Pläne für einen weiteren Film, der wieder die Kasse klingeln lässt,

Für den neuen „Ghostbusters“-Film übernahm jetzt Paul Feig die Regie und er machte eigentlich alles richtig. Er und seine Mit-Drehbuchautorin Katie Dippold (sie schrieb auch das Drehbuch für Feigs „Taffe Mädels“ [The Heat, USA 2013]) versuchten sich nicht an einem Reboot, der die alte Geschichte mehr oder weniger neu schreibt, mehr oder weniger düster ist und letztendlich nur ein Remake das Originals ist. Nur schlechter. Sie nahmen sich den alten „Ghostbusters“-Film vor, der ja nicht so genial ist, wie heute manchmal behauptet wird, entstaubten ihn liebevoll und verfilmten ihn wieder mit eigenen Akzenten, wie es von einem Song mehrere Versionen geben kann, die gleichberechtigt nebeneinander stehen.

Dabei ist auf der erzählerischen Ebene der genialste Schachzug der Macher, dass sie einerseits vieles aus dem alten Film verwenden (was für den Wiedererkennungswert gut ist und das Herz des Fans erfreut oder, siehe oben, auch nicht), aber es andererseits die New York erschütternden Ereignisse aus den alten „Ghostbusters“-Filmen nicht gab und es daher auch keine Ghostbusters gab. Sogar das allseits bekannte Logo wird neu erfunden. In der U-Bahn von einem Sprayer.

Der zweite Geniestreich ist die Besetzung – und dass das im Film nicht weiter thematisiert wird.

In der aktuellen „Ghostbusters“-Version, die im heutigen New York spielt, das allerdings in jedem Bild ein heimeliges Retro-Gefühl verströmt, gründen Abby Yates (Melissa McCarthy), Erin Gilbert (Kristen Wiig) und Julian Holtzmann (Kate McKinnon) die Ghostbusters. Kurz darauf stößt Patty Tolan (Leslie Jones) zu ihnen. Sie arbeitet in der U-Bahn, hat dort eine Begegnung mit einem Geist und hält eine Arbeit bei den Ghostbusters für aufregender als ihre derzeitige Arbeit. Außerdem organisiert sie das Ghostbusters-Mobil, ein 1981-83 Cadillac-Leichenwagen. Als Telefonistin stellen sie Kevin (Chris Hemsworth) ein. Er ist zwar komplett ungeeignet für den Job, aber gutmütig und gutaussehend ist. Vor allem Erin verliebt sich sofort in das propere Mannsbild.

Sie glauben, dass es Geister gibt und ihr Glaube wird durch Schleim spuckende Geister bestätigt, die sich in alten Häusern und U-Bahnen herumtreiben und am Ende sogar die ganze Stadt vernichten wollen.

Bis dahin gibt es eine schöne Kameradie zwischen den Geisterjägerinnen, einen eher zum schmunzeln einladenden Humor, etwas jugendfreien Klamauk und ein schönes Retro-Feeling. Schon der 1984er „Ghostbusters“-Film war ja eine Liebeserklärung an die klassischen Fünfziger-Jahre-Horrorfilme und auch der 2016er „Ghostbusters“-Film scheint eher in einem Fünfziger-Jahre-New-York zu spielen, was nicht nur an den historischen Gebäuden, den betont unhippen, aber praktischen Kleidern und den ebenso unhippen, aber praktischen Waffen zum Fangen und Vernichten von Geistern, sondern auch, im Finale, an der Rekonstruktion des Times Square im Stil der siebziger Jahre liegt.

Nur die ziemlich retro aussehenden Geister wurden mit modernster Tricktechnik in Szene gesetzt.

Ghostbusters“ ist eine launige Sommerkomödie mit vier Frauen, die ihren Mann stehen, und einem Mann, der als Blondinenwitz hundertfünfzigprozentig überzeugt, einer ordentlichen Portion Retro-Feeling und einem Humor, der einen lächelnd und wohlgestimmt aus dem Kinosaal entlässt.

Bis man dem ersten schleimspuckendem Geist begegnet.

Ghostbusters - Plakat

Ghostbusters (Ghostbuster, USA 2016)

Regie: Paul Feig

Drehbuch: Paul Feig, Katie Dippold

mit Melissa McCarthy, Kristen Wiig, Kate McKinnon, Leslie Jones, Chris Hemsworth, Charles Dance, Michael Kenneth Williams, Matt Walsh, Ed Begley Jr., Andy Garcia, Bill Murray, Dan Aykroyd, Ernie Hudson, Annie Potts, Ozzy Osbourne, Sigourney Weaver

Länge: 117 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Ghostbusters“

Metacritic über „Ghostbusters“

Rotten Tomatoes über „Ghostbusters“

Wikipedia über „Ghostbusters“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Paul Feigs „Taffe Mädels“ (The Heat, USA 2013)

Meine Besprechung von Paul Feigs „Spy – Susan Cooper Undercover“ (Spy, USA 2015)

Im AOL Building stehen die Ghostbusters Rede und Antwort

DP/30 unterhält sich mit Paul Feig über den Film

DP/30 unterhält sich mit Katie Dippold über den Film

 


TV-Tipp für den 24. Dezember: Whatever Works – Liebe sich wer kann

Dezember 24, 2014

Weil „Ist das Leben nicht schön?“ erst um 00.50 Uhr im ZDF läuft, „Stirb langsam 2“ und „Tödliche Weihnachten“ (Pro 7, ab 20.15 Uhr) nicht gerade friedliche Weihnachtsfilme sind, „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ überall läuft, aber einige Betrachtungen über Gott und die Welt angebracht sind

Eins Festival, 21.35

Whatever Works (USA 2009, Regie: Woody Allen)

Drehbuch: Woody Allen

Dass Woody Allen das Skript für „Whatever Works“ bereits in den frühen Siebzigern schrieb, merkt man an einigen Stellen und oft wirkt „Whatever Works“ wie ein abgefilmtes Theaterstück, aber whatever, it works. Denn der schlechtgelaunte Misanthrop Boris Yellnikoff, der fast den Physik-Nobelpreis bekommen hätte und jetzt in Manhattan versucht, geistigen Tieffliegern (also eigentlich alle, die nicht Boris Yellnikoff heißen) Schach beizubringen, lässt seinen Welthass an der gesamten Nachbarschaft und auch den Zuschauern, die er direkt anspricht, aus. Bis er Melody kennen lernt, die wahrlich keine Intelligenzbestie ist.

Spaßige Unterhaltung

mit Larry David, Evan Rachel Wood, Patricia Clarkson, Adam Brooks, Henry Cavill, Ed Begley jr.

Hinweise

Film-Zeit über “Whatever Works”

Metacritic über „Whatever Works“

Rotten Tomatoes über „Whatever Works“

Wikipedia über „Whatever Works“ (deutsch, englisch)

Homepage von Woody Allen

Deutsche Woody-Allen-Seite

Meine Besprechung von Robert B. Weides „Woody Allen: A Documentary“ (Woody Allen: A Documentary, USA 2012)

Meine Besprechung von Woody Allens “To Rome with Love” (To Rome with Love, USA/Italien 2012)

Meine Besprechung von Woody Allens “Blue Jasmine” (Blue Jasmine, USA 2013)

Meine Besprechung von Woody Allens „Magic in the Moonlight“ (Magic in the Moonlight, USA 2014)

Meine Besprechung von John Turturros “Plötzlich Gigolo” (Fading Gigolo, USA 2013 – mit Woody Allen)

Woody Allen in der Kriminalakte  


TV-Tipp für den 3. April: Whatever Works

April 3, 2013

Arte, 20.15

Whatever Works (USA 2009, R.: Woody Allen)

Drehbuch: Woody Allen

Dass Woody Allen das Skript für „Whatever Works“ bereits in den frühen Siebzigern schrieb, merkt man an einigen Stellen und oft wirkt „Whatever Works“ wie ein abgefilmtes Theaterstück, aber whatever, it works. Denn der schlechtgelaunte Misanthrop Boris Yellnikoff, der fast den Physik-Nobelpreis bekommen hätte und jetzt in Manhattan versucht, geistigen Tieffliegern (also eigentlich alle, die nicht Boris Yellnikoff heißen) Schach beizubringen, lässt seinen Welthass an der gesamten Nachbarschaft und auch den Zuschauern, die er direkt anspricht, aus. Bis er Melody kennen lernt, die wahrlich keine Intelligenzbestie ist.

Spaßige Unterhaltung

mit Larry David, Evan Rachel Wood, Patricia Clarkson, Adam Brooks, Henry Cavill, Ed Begley jr.

Wiederholung: Donnerstag, 4. April, 13.55 Uhr

Hinweise

Film-Zeit über „Whatever Works“

Metacritic über „Whatever Works“

Rotten Tomatoes über „Whatever Works“

Wikipedia über „Whatever Works“ (deutsch, englisch)

Homepage von Woody Allen

Deutsche Woody-Allen-Seite

Meine Besprechung von Robert B. Weides „Woody Allen: A Documentary“ (Woody Allen: A Documentary, USA 2012)

Meine Besprechung von Woody Allens „To Rome with Love“ (To Rome with Love, USA/Italien 2012)

Woody Allen in der Kriminalakte  


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