Neu im Kino/Filmkritik: „Catch me!“ – Große Jungs speilen Fangen

Juli 26, 2018

Mit dem Hinweis, der folgende Film basiere auf einer wahren Geschichte, beginnt „Catch me!“ (deutscher Titel). Das stimmt allerdings nur bedingt. Außer der Grundidee ist in „Tag“ (Originaltitel) alles erfunden.

Russell Adams schrieb im Januar 2013 für das Wall Street Journal einen kurzen Artikel über zehn Freunde, die seit ihrer Kindheit fangen spielen und so, auch Jahrzehnte nach dem Ende ihrer Kindheit und gemeinsamen Schulzeit, immer wieder zusammenkommen, um ein Kinderspiel zu spielen. Dabei ist es für sie kein normales ‚Fangen‘ mehr. Es gibt einige selbst auferstellte Regeln (so wird nicht zurückgeschlagen) und es wird nur während eines Monats im Jahr gespielt. Inzwischen leben die Schulkameraden über die USA verstreut. Manchmal müssen sie ihre Aktionen langfristig vorbereiten. Immerhin wissen die anderen Spielteilnehmer, dass sie innerhalb eines Monats ‚erwischt‘ werden können. Dafür organisieren sie Ablenkungsmanöver, verkleiden sich und verstecken sich manchmal für mehrere Tage im Gebüsch, Das ist dann gleichzeitig kindisch, rührend und auch bescheuert. Immerhin bleiben sie über das Spiel miteinander in Kontakt.

Dieses Spiel und die Hintergrundgeschichte ist allerdings nur die Idee für einen Film. Was fehlt, ist eine Geschichte.

Die Drehbuchautoren Rob McKittrick und Mark Steilen und Regisseur Jeff Tomsic überlegten sich für ihren Film folgende Geschchte: Jerry Pierce (Jeremy Renner) will nach dreißig Jahren aus dem Spiel aussteigen. Weil er bislang noch nie ‚erwischt‘ wurde, würde er damit ungeschlagen ausscheiden. Hogan ‚Hoagie‘ Malloy (Ed Helms) will das nicht akzeptieren. Zusammen mit Bob Callahan (Jon Hamm), Randy ‚Chilli‘ Cilliano (Jake Johnson) und Kevin Sable (Hannibal Buress) will er Jerry erwischen. Und weil Jerry demnächst in ihrer alten Heimatstadt Spokane, Washington, heiratet, ist das die Gelegenheit. Sie wissen, wann er wo ist und dass er die Hochzeit und die begleitenden Veranstaltungen nicht verlassen kann.

Selbstverständlich erwartet Jerry genau das von seinen alten Spielkameraden.

Die an Lachern arme Komödie erzählt nun, wie die vier Jungs immer wieder versuchen, Jerry zu erwischen und wie er ihnen immer wieder entkommen kann, weil er ihnen hoffnungslos überlegen ist. Dabei ist Jerry nicht nur gut in dem Spiel, sondern er ist so gut, dass er sogar Hawkeye jederzeit mühelos besiegen würde. Das langweilt in seiner endlosen Wiederholung von Versuch und garantiertem Schweitern schnell.

Garniert wird das Spiel durch einige Momente, in denen uns erklärt wird, dass sie dank des Spiels immer noch zusammen sind, dass das Spiel das Beste in ihnen hervorbringt und dass sie dank des Spiels nicht erwachsen werden. Denn erst wenn sie aufhörten zu spielen, seien sie alt.

Am Ende ist „Catch me!“ eine weitere belanglose US-Komödie, die einen eher pubertären Humor, etwas Action und einige Platitüden über Freundschaft hat. Halt genau das, was der Trailer verspricht.

Catch me! (Tag, USA 2018)

Regie: Jeff Tomsic

Drehbuch: Rob McKittrick, Mark Steilen (nach einer Vorlage von Mark Steilen)

LV: Russell Adams: It takes planning, caution to avoid being ‚It‘ (Wall Street Journal, 28. Janur 2013)

mit Ed Helms, Jeremy Renner, Jon Hamm, Jake Johnson, Annabelle Wallis, Hannibal Buress, Isla Fisher, Rashida Jones, Leslie Bibb, Cheryl Deakins

Länge: 101 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Catch me!“

Metacritic über „Catch me!“

Rotten Tomatoes über „Catch me!“

Wikipedia über „Catch me!“ (deutsch, englisch)

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Neu im Kino/Filmkritik: „Vacation – Wir sind die Griswolds“ und das ist unser Land

August 20, 2015

Über „Die schrillen Vier auf Achse“ (National Lampoon’s Vacation) schrieb das Lexikon des internationalen Films „Als Satire auf den ‚american way of life‘ angelegte Slapstickkomödie, gelegentlich etwas zu sehr überdreht.“
Und im Fischer Film Almanach 1985 steht: „Wer Slapstick und Satire mag, dabei aber auch einige grobe Hämmer in Kauf nimmt, kann sich als Zuschauer hier an dem Unglück anderer Menschen freuen.“
Damals unternahm Clark Griswold (Chevy Chase) mit seiner Frau Ellen (Beverly D’Angelo) und ihren Kindern im Auto die Reise quer durch die USA von Chicago nach Walley World, einem in Kalifornien liegendem Vergnügungspark.
Heute, dreißig Jahre später, unternimmt in „Vacation – Wir sind die Grisworlds“ Clarks Sohn Rusty Griswold (Ed Helms), weil Jugenderinnerungen so schön sind, mit seiner Frau Debbie (Christina Applegate) und ihren beiden Jungs die Reise durch die USA von Chicago nach Walley World.
Die Dramaturgie hangelt sich dabei von einem Ferienerlebnis zum nächsten, zwischen banal und klamaukig wechselnd. Wobei der Klamauk meist unter die Gürtellinie zielt und immer irgendetwas mit Sex zu tun hat. Das ist aber nie witzig oder befreiend, sondern verklemmt. Als hätte es niemals so etwas wie die sexuelle Revolution gegeben. Und als seien Busengrapscher und in enge Hosen eingezwängte Riesenpenisse (auch wenn er zu ‚Thor‘ gehört) der Höhepunkt der Höhepunkt des Humors.
Die im Original vorhandene Satire auf den ‚american way of life‘ ist nicht mehr erkennbar. Slapstick gibt es nur noch in einigen wenigen Momenten. Dabei ist die Titelsequenz – eine Abfolge von Urlaubsfotos, die teilweise erst nach einem kurzen Augenblick ganz gezeigt werden und den Schnappschüssen so eine vollkommen neue Perspektive geben – gelungen in ihrem Blick auf die Biederkeit und Absurdität von ganz normalen Familienurlauben und Situation, in denen das Lachen zwischen Schadenfreude und Betroffenheit über die unsensiblen Erwachsenen schwankt. Beim restlichen Film stellt sich diese Frage, warum man worüber lachen soll, nicht mehr. Zu altbacken und zu verklemmt sind die Witze. Auch Chevy Chase, der gegen Filmende seinen Auftritt hat, kann diesen biederen Klamauk nicht mehr retten.

Vacation - Plakat

Vacation – Wir sind die Griswolds (Vacation, USA 2015)
Regie: Jonathan Goldstein, John Francis Daley
Drehbuch: Jonathan Goldstein, John Francis Daley (basierend auf Charakteren von John Hughes)
mit Ed Helms, Christina Applegate, Skyler Gisondo, Steele Stebbins, Chris Hemsworth, Leslie Mann, Chevy Chase, Beverly D’Angelo, Ron Livingston, Keegan-Michael Key, Regina Hall, Charlie Day, Michael Peña, Kaitlin Olson, Norman Reedus, Hannah Davis, Colin Hanks
Länge: 99 Minuten
FSK: ?

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Vacation“
Moviepilot über „Vacation“
Metacritic über „Vacation“
Rotten Tomatoes über „Vacation“
Wikipedia über „Vacation“ 


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