Neu im Kino/Filmkritik: Ist „Mein Ende. Dein Anfang.“ Zufall oder Bestimmung?

Dezember 1, 2019

Was bestimmt unser Leben? Zufall oder Bestimmung? In ihrem Spielfilmdebüt geht Mariko Minoguchi dieser Frage anhand eines gegensätzlichen Paares und mehrerer schicksalshafter Ereignisse nach. Nora treibt ziellos vor sich hin. Aron ist ein ambitionierter Physik-Dokorand. In seiner Arbeit, deren These er am Filmanfang ausführlich erklärt, will er beweisen, dass es keine Zufälle gibt, sondern dass alles einem vorher bestimmten Plan folgt. Zum Beispiel, dass er Nora kennen lernte. Allein schon ihre Namen Nora und, rückwärts gelesen, Aron zeigten das. (Schnelle persönliche Notiz: ich muss meinen Eltern für meinen Namen danken und meine Lexa suchen.)

Eines Tages geraten Aron und Nora in einen Banküberfall. Aron wird angeschossen und stirbt kurz darauf im Krankenhaus. Dieser Überfall ist der Kulminationspunkt für die verschiedenen Geschichten, die Minoguchi auf mehreren Zeitebenen. Dabei geht es immer um die Frage, ob Arons Tod ein dummer Zufall war oder ob er von Anfang an vorherbestimmt war. Und ob, kurz nach Arons Tod, Noras Begegnung mit Natan Zufall oder wieder Schicksal ist. Jedenfalls spürt sie eine seltsame Verbundenheit zu ihm.

Natans Geschichte ist, daraus macht der Film kein großes Geheimnis, selbstverständlich mit ihrem Leben verbunden und, ja, sie sind sich schon einmal begegnet. Durch Arons Tod und den danach folgenden Ereignissen steht Nora irgendwann vor einer Entscheidung, die Natans Leben entscheidend beeinflussen kann. Vor dieser Entscheidung steht sie allerdings nur, weil sie vorher Natan traf und Aron getötet wurde. Damit stellt sich wieder die Frage, ob alles Zufall ist oder alles einem vorher bestimmten Plan folgt.

Minoguchi erzählt die Geschichte von Nora, Aron und Natan nicht chronologisch. Sie wählte eine „elliptische, puzzleartige Erzählweise, um für den Zuschauer, für die Dauer des Films, die Zeit anders erlebbar zu machen“ (Minuguchi).

Dieses Erzählen auf mehreren Zeitebenen, die man nicht unbedingt sofort eindeutig zuordnen kann, führt dazu, dass man in „Mein Ende. Dein Anfang.“ viel Zeit damit verbringt, die einzelnen Szenen in einen zeitlichen Verlauf und in eine Dramaturgie einzuordnen, in der jedes Ereignisse eine genau definierte Ursache hat.

Gleichzeitig sind die einzelnen Szenen willkürliche Teile einer größeren Geschichte, die als einzelne Szene, manchmal auch nur wegen des Zeitpunkts, an dem sie im Film gezeigt werden, nicht überzeugen. Auch das nach gut zwei Stunden entstandene Gesamtbild überzeugt nicht. Es regt nicht zum Nachdenken an. Im Gegensatz zu Denis Villeneuves grandioser Ted-Chiang-Verfilmung „Arrival“, die uns in die Welt des nichtlinearen Denkens einführte.

Dagegen ist „Mein Ende. Dein Anfang.“ nur ambitioniertes Kunstkino.

Mein Ende. Dein Anfang. (Deutschland 2019)

Regie: Mariko Minoguchi

Drehbuch: Mariko Minoguchi

mit Saskia Rosendahl, Edin Hasanovic, Julius Feldmeier, Emanuela von Frankenberg, Hanns Zischler, Jeanette Hain

Länge: 111 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Mein Ende. Dein Anfang.“

Moviepilot über „Mein Ende. Dein Anfang.“

Rotten Tomatoes über „Mein Ende. Dein Anfang.“

Wikipedia über „Mein Ende. Dein Anfang.“


TV-Tipp für den 26. April: Der gute Bulle: Friss oder stirb

April 26, 2019

Arte, 20.15

Der gute Bulle: Friss oder stirb (Deutschland 2019)

Regie: Lars Becker

Drehbuch: Lars Becker

Zweiter Einsatz des ‚guten Bullen‘ Fredo Schulz (Armin Rohde). Dieses Mal soll er in Berlin Drogendealern das Handwerk legen.

Und wir haben unseren Spaß.

mit Armin Rohde, Edin Hasanovic, Nele Kiper, Sascha Alexander Gersak, Almila Bagriacik

Wiederholung: Donnerstag, 2. Mai, 01.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Arte über den Film

Lexikon der deutschen Krimi-Autoren über Lars Becker

Lars Becker in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Nur Gott kann mich richten“ und das wird er auch tun

Januar 26, 2018

Vor fünf Jahren bejubelten etliche Filmkritiker die „Lust am Genre“ im deutschen Film. Damals kamen parallel mehrere Kriminalfilme in unsere Kinos, die gelungen waren. Danach erlosch die Lust am Genre schneller als ein Strohfeuer. Der letzte deutsch(sprachig)e Kriminalfilm im Kino, der nicht Totalgrütze war, ist schon eine Weile her.

Özgür Yildirims „Chiko“ fällt einem ein. Inzwischen inszenierte er auch drei „Tatorte“ mit Wotan Wilke Möhring als Kommissar Thorsten Falke (Der Dritte wird dieses Jahr ausgestrahlt.). Bei seinem ersten „Tatort“ „Feuerteufel“ begann er auch an der Idee für seinen neuen Film „Nur Gott kann mich richten“ zu arbeiten. Es handelt sich dabei um ein waschechtes Gangsterdrama das Frankfurt am Main von einer sehr unglamourösen Seite zeigt. Es ist das Milieu der Klein- und Berufsverbrecher, die Stammgast im Knast sind, weil ihre Pläne größer als ihr Intellekt sind.

Ricky (Moritz Bleibtreu) ist so einer. Er wird nach fünf Jahren aus dem Knast entlassen. Bei einem grandios an der eigenen Unfähigkeit gescheitertem Überfall mit seinem Kumpel Latif (Kida Khord Ramadan) und seinem Bruder Rafael (Edin Hasanovic) nahm er die Hauptschuld auf sich. Jetzt will er ein ehrliches Leben führen. Er braucht dazu nur eine kleine Anschubfinanzierung für seinen Traum von einer Bar auf Cabrera.

Sein alter Kumpel Latif, inzwischen Besitzer einer schlecht gehenden Bar, vermittelt ihm einen Job. Er soll, mit einem zweiten Mann, die Albaner Branko und Fuad bei einem Drogendeal überfallen. Branko möchte nämlich die Drogen haben, ohne dafür zu bezahlen. Das ist ihm 50.000 Euro wert.

Vor dem fingierten Überfall wird Latif allerdings von der Polizei verhaftet. Ricky muss seinen nicht gerade zuverlässigen Bruder Rafael, der nichts mehr mit ihm zu tun haben will, um Hilfe bitten. Weil Rafael den ihn in Aussicht gestellten Teil des Geldes gut gebrauche kann, ist er einverdanden.

Der Überfall geht glatt über die Bühne, aber als Ricky und Rafael danach von der Polizei kontrolliert werden, gerät Rafael in Panik und es kommt zu einer Verfolgungsjagd durch Frankfurts Hinterhöfe, bei der Rafael die Beute verliert.

Die Tasche wird – wenn’s schon schiefgeht, dann geht alles schief – von einer Polizistin entdeckt, die die mit dem Heroin gefüllte Tasche nicht abgibt, sondern gewinnbringend verkaufen will. Sie könnte das Geld gut für ihre todkranke Tochter gebrauchen.

Weil der Albaner die spurlos verschwundenen Drogen haben will, erpresst er Ricky und Latif, der das Geschäft vermittelte. Also müssen sie die Drogen finden oder das nächste Verbrechen begehen, das nach Murphys Law nicht funktionieren kann.

Natürlich erfindet „Nur Gott kann mich richten“ das Genre nicht neu. Das will Özgür Yildirim auch nicht. Er will nur eine tief im Milieu verwurzelte Geschichte erzählen, in der ein Malheur dem nächsten folgt und alles etwas größer als das Leben ist. Natürlich mit den bekannten Klischees, Dialogen, Überhöhungen und wenigen Brechungen. So kümmert sich Ricky um seinen zunehmend dementen Vater (Peter Simonischek), der Rickys Bruder vergöttert.

Sowieso ist Ricky zwar der Vernünftigste unter den im Film agierenden Verbrechern. Aber Parkers Fußstapfen (der von Richard Stark erfundene eiskalte Profigangster) sind für ihn mehrere Nummern zu groß. Entsprechend wenig Illusionen hat man als Zuschauer über sein Schicksal. Das ist schon von der ersten Minute an vorgezeichnet.

Für Genrejunkies ist „Nur Gott kann mich richten“, trotz kleiner Schwächen, ein feiner Film.

Nur Gott kann mich richten (Deutschland 2017)

Regie: Özgür Yildirim

Drehbuch: Özgür Yildirim

mit Moritz Bleibtreu, Birgit Minichmayr, Edin Hasanovic, Kida Khodr Ramadan, Franziska Wulf, Peter Simonischek, Lilly Wagner, Cem Öztabakci, Blerim Destani, Marie-Lou Sellem, Alexandra Maria Lara

Länge: 100 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Nur Gott kann mich richten“

Moviepilot über „Nur Gott kann mich richten“

Rotten Tomatoes über „Nur Gott kann mich richten“

Wikipedia über „Nur Gott kann mich richten“

Meine Besprechung von Özgür Yildirims „Boy 7“ (Deutschland 2015)


TV-Tipp für den 26. März: Nachtschicht: Wir sind alle keine Engel

März 26, 2016

ZDFneo, 23.15
Nachtschicht: Wir sind alle keine Engel (Deutschland 2014, Regie: Lars Becker)
Drehbuch: Lars Becker
Während der „Ab-in-die-Wüste-Schlussmacherwoche” eines Radiosenders macht Pizza-Bote Mufti via Radio und Moderatorin, die seine Freundin Sharronda über die Trennung informieren soll, mit ihr Schluß. Sharronda flippt aus, überfällt den Blumenladen, in dem sie arbeitete, und das krisenerprobte Team vom Kriminaldauerdienst hat eine neue arbeitsreiche Nacht vor sich.
Denn nachdem die Geiselnahme beendet ist, wird Mufti von einem maskierten Mann auf offener Straße erschossen und Sharrondas Brüder Dexter und Gordon, zwei Schläger mit Nazi-Vergangenheit, haben die Tat gesehen.
Gewohnt kurzweiliger, top besetzter „Nachtschicht“-Krimi mit absurden Situationen und viel Wortwitz. Dieses Mal, wegen des Radiosenders, der eine wichtige Rolle hat, sogar mit vielen bekannten Rocksongs.
mit Armin Rohde, Barbara Auer, Minh-Khai Phan-Thi, Christoph Letkowski, Özgür Karadeniz, Alina Levshin, Katrin Bauerfeind, Clemens Schick, Margarita Broich, Tristan Seith, Edin Hasanovic, Chiara Schoras, Hans Jochen Wagner, Kida Khodr Ramadan
Hinweise

ZDF über „Nachtschicht: Wir sind alle keine Engel“

Wikipedia über „Nachtschicht“

Lexikon der deutschen Krimi-Autoren über Lars Becker

Lars Becker in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 30. April: Nachtschicht: Wir sind alle keine Engel

April 30, 2015

Wer am Montag keine Zeit hatte

ZDFneo, 20.15
Nachtschicht: Wir sind alle keine Engel (Deutschland 2014, Regie: Lars Becker)
Drehbuch: Lars Becker
Während der „Ab-in-die-Wüste-Schlussmacherwoche” eines Radiosenders macht Pizza-Bote Mufti via Radio und Moderatorin, die seine Freundin Sharronda über die Trennung informieren soll, mit ihr Schluß. Sharronda flippt aus, überfällt den Blumenladen, in dem sie arbeitete, und das krisenerprobte Team vom Kriminaldauerdienst hat eine neue arbeitsreiche Nacht vor sich.
Denn nachdem die Geiselnahme beendet ist, wird Mufti von einem maskierten Mann auf offener Straße erschossen und Sharrondas Brüder Dexter und Gordon, zwei Schläger mit Nazi-Vergangenheit, haben die Tat gesehen.
Gewohnt kurzweiliger, top besetzter „Nachtschicht“-Krimi mit absurden Situationen und viel Wortwitz. Dieses Mal, wegen des Radiosenders, der eine wichtige Rolle hat, sogar mit vielen bekannten Rocksongs.
mit Armin Rohde, Barbara Auer, Minh-Khai Phan-Thi, Christoph Letkowski, Özgür Karadeniz, Alina Levshin, Katrin Bauerfeind, Clemens Schick, Margarita Broich, Tristan Seith, Edin Hasanovic, Chiara Schoras, Hans Jochen Wagner, Kida Khodr Ramadan
Hinweise

ZDF über „Nachtschicht: Wir sind alle keine Engel“

Wikipedia über „Nachtschicht“

Lexikon der deutschen Krimi-Autoren über Lars Becker

Lars Becker in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 27. April: Nachtschicht: Wir sind alle keine Engel

April 27, 2015

ZDF, 20.15
Nachtschicht: Wir sind alle keine Engel (Deutschland 2014, Regie: Lars Becker)
Drehbuch: Lars Becker
Während der „Ab-in-die-Wüste-Schlussmacherwoche“ eines Radiosenders macht Pizza-Bote Mufti via Radio und Moderatorin, die seine Freundin Sharronda über die Trennung informieren soll, mit ihr Schluß. Sharronda flippt aus, überfällt den Blumenladen, in dem sie arbeitete, und das krisenerprobte Team vom Kriminaldauerdienst hat eine neue arbeitsreiche Nacht vor sich.
Denn nachdem die Geiselnahme beendet ist, wird Mufti von einem maskierten Mann auf offener Straße erschossen und Sharrondas Brüder Dexter und Gordon, zwei Schläger mit Nazi-Vergangenheit, haben die Tat gesehen.
Gewohnt kurzweiliger, top besetzter „Nachtschicht“-Krimi mit absurden Situationen und viel Wortwitz. Dieses Mal, wegen des Radiosenders, der eine wichtige Rolle hat, sogar mit vielen bekannten Rocksongs.
mit Armin Rohde, Barbara Auer, Minh-Khai Phan-Thi, Christoph Letkowski, Özgür Karadeniz, Alina Levshin, Katrin Bauerfeind, Clemens Schick, Margarita Broich, Tristan Seith, Edin Hasanovic, Chiara Schoras, Hans Jochen Wagner, Kida Khodr Ramadan
Wiederholung: ZDFneo, Donnerstag, 30. April, 20.15 Uhr

Hinweise

ZDF über „Nachtschicht: Wir sind alle keine Engel“

Wikipedia über „Nachtschicht“

Lexikon der deutschen Krimi-Autoren über Lars Becker

Lars Becker in der Kriminalakte


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