TV-Tipp für den 13. Juni: Inglourious Basterds

Juni 12, 2019

Vox, 22.55

Inglourious Basterds (Inglourious Basterds, USA/Deutschland 2009)

Regie: Quentin Tarantino [Regie „Nation’s Pride“: Eli Roth]

Drehbuch: Quentin Tarantino (deutsche Dialoge: Tom Tykwer; französische Dialoge: Nicholas Richard)

Frankreich, 1944: Aldo Raine und seine Spezialeinheit sind zum Nazi-Skalpieren nach Europa gekommen. Die Jüdin Shosanna will den SS-Mann Hans Landa (Oscar für Christoph Waltz), der ihre Familie umbrachte, töten. In Paris, in einem Kino, treffen sie sich.

Ein feiner Kriegsfilm, den man unbedingt in der Originalfassung, in der meisterlich zwischen den verschiedenen Sprachen gewechselt wird, ansehen sollte. Außerdem wird auch im Original die meiste Zeit deutsch gesprochen.

Wahrscheinlich wird die deutsche Synchronisation gezeigt.

mit Brad Pitt, Mélanie Laurent, Eli Roth, Christoph Waltz, Michael Fassbender, Diane Kruger, Daniel Brühl, Til Schweiger, Gedeon Burkhard, Jacky Ido, B. J. Novak, Omar Doom, August Diehl, Sylvester Groth, Martin Wuttke, Mike Myers, Julie Dreyfus, Mike Myers, Rod Taylor, Sönke Möhring, Ken Duken, Christian Berkel, Ludger Pistor, Jana Pallaske, Bo Svenson, Enzo G. Castellari (als er selbst), Samuel L. Jackson (Erzähler in der Originalversion)

Wiederholung: Freitag, 14. Juni, 02.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Inglourious Basterds“

Metacritic über „Inglourious Basterds“

Rotten Tomatoes über „Inglourious Basterds“

Wikipedia über „Inglourious Basterds“ (deutsch, englisch)

Collider: Interviews zum Film mit Christoph Waltz, Eli Roth, Samm Levine, B. J. Novak, Diane Kruger und Melanie Laurent

YouTube: Cannes-Pressekonferenz “Inglourious Basterds” (Teil 1, Teil 2)

The Quentin Tarantino Archives (Fanseite)

Everthing Tarantino (dito)

Q-Tarantino.de (noch eine Fanseite)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über ‘Inglourious Basterds’“ (Kleine Schriften zum Film: 1, 2009)

Meine Besprechung von Quentin Tarantinos „Django Unchained“ (Django Unchained, USA 2012)

Kriminalakte über Quentin Tarantino und „Django Unchained“ (Bilder,Pressekonferenz und Comic)

Meine Bespechung von Quentin Tarantinos „The Hateful 8“ (The Hateful Eight, USA 2015)

 Quentin Tarantino in der Kriminalakte


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: Tick Tock Tick Tock „Das Haus der geheimnisvollen Uhren“

September 23, 2018

Hier ist sie nun: die Verfilmung eines Kinderbuchklassikers, der sich förmlich für eine Verfilmung anbietet. Nicht weil die Geschichte so neu ist, sondern weil einfach eine sattsam bekannte Geschichte mit dem kleinen Twist erzählt, dass der Held, der einen Toten wieder erweckt ein zehnjähriger Junge ist und alles etwas harmloser abläuft als in einer Stephen-King-Verfilmung. Aber auch nicht so harmlos, dass man der FSK-Freigabe „ab 6 Jahre“ problemlos, aus vollem Herzen zustimmen möchte. Dafür ist „Das Haus der geheimnisvollen Uhren“ dann doch etwas zu düster geraten.

Im Buch und Film wird der zehnjährige Lewis Barnavelt (Owen Vaccaro) von seinem in New Zebedee lebendem Onkel Jonathan (Jack Black) aufgenommen. Lewis hat seine über alles geliebten Eltern verloren. Sein Onkel lebt, wie er schnell erfährt, in einem Zauberhaus und er ist etwas exzentrisch, aber sehr liebenswert. Und er belästigt Lewis nicht mit Regeln und Vorschriften. Außerdem sind er und seine Nachbarin, Mrs. Zimmerman (Cate Blanchett), richtige Zauberer.

Die beiden Freigeister führen Lewis in die wundervolle Welt der Zauberei ein.

Als Lewis, um einen Klassenkameraden zu beeindrucken, einen Toten wieder zum Leben erweckt, setzt er unwissentlich eine katastrophale Dynamik in Gang.

Denn er erweckte Isaac Izard (Kyle MacLachlan), den früheren Besitzer des Hauses. Izard ist ein böser Zauberer, der auch irgendetwas mit der tickenden Uhr zu tun hat, die irgendwo im Haus in der Wand verborgen ist und die einen Countdown schlägt.

Lewis, Onkel Jonathan und Mrs. Zimmerman versuchen die Katastrophe zu verhindern. Dummerweise haben sie keine Ahnung, wieviel Zeit sie noch haben und wer ihre Gegner sind.

Das klingt doch nach einer zünftigen Horrorgeschichte mit all den vertrauten und liebgewonnenen Genretopoi und Figuren, die dieses Mal für ein jüngeres Publikum erzählt wird.

Zu den Produzenten gehört, was für die kindgerechte Version spricht, Amblin Entertainment. Spielbergs Firma ist vor allem bekannt für familienfreundliche Filme, wie „E. T. – Der Außerirdische“. Zu den Amblin-Filmen gehört auch „Gremlins“. Und, obwohl es strenggenommen kein Amblin-ist, auch „Poltergeist“. Der Horrorfilm wurde von „The Texas Chainsaw Masscre“-Regisseur Tobe Hooper inszeniert. Hooper war damals und heute nicht für familien- und kindertaugliche Filme bekannt.

Ich sage das, weil „Das Haus der geheimnisvollen Uhren“ von Eli Roth inszeniert wurde. Roth ist für alles bekannt, außer für Kinderfilme. Horrorfilme, die oft Probleme mit der Zensur haben, sind sein Metier. Auch wenn er zuletzt mit „Knock Knock“ und „Death Wish“ Thriller drehte, die nicht gut waren.

Das Haus der geheimnisvollen Uhren“ ist jetzt ein Kinderfilm, der nicht gut ist.

Das beginnt schon mit den Gruselszenen, die für ein kindliches Publikum wirklich sehr gruselig geraten sind. Wenn Lewis, Onkel Jonathan und Mrs. Zimmerman von einer Horde Halloween-Kürbisse oder einer Armada Puppen angegriffen werden und sie diese mit spürbarer Lust an brachialer Gewalt vernichten, dann ist da kein Hauch von Magie, sondern nur die Lust am Gemetzel zu spüren. Es sind Szenen, die sich an ein älteres Publikum richten.

Humor könnte solchen Momenten seinen Schrecken nehmen, aber in „Das Haus der geheimnisvollen Uhren“ wirkt der Humor, vor allem die Neckereien zwischen Onkel Jonathan und Mrs. Zimmerman, immer etwas zu forciert. Er hat auch keine reale Grundierung. Das trifft auf den gesamten Film, der 1955 in einem typischen Fünfziger-Jahre-All-America-Ort spielt. Bellairs‘ Roman spielt bereits 1948; was nichts daran ändert, dass Buch und Film in einem Traum-Amerika spielen, in dem der amerikanische Traum als Traum des weißen Mannes noch ungebrochen zelebriert wurde. Es ist auch ein Ort, der immer wie eine leblose, aus dem Fundus zusammengestellte Theaterkulisse wirkt.

Zu diesen Problemen, die sich ausschließlich aus der Präsentation ergeben, kommt eine sehr schleppend erzählte Filmgeschichte, die bei all ihren Änderungen doch erstaunlich nahe an der Vorlage bleibt. Schon der Roman ist kein prototypischer Pageturner, sondern ein Kinderbuch, dessen Geschichte sich über viele Monate erstreckt, in dem Izard erst in der Buchmitte von den Toten aufersteht und in dem die potentiell gruseligen Momente schnell abgehandelt werden. In einem Roman ist das weniger ein Problem als in einem Film. Es dauert eine Stunde, bis Lewis, um bei einem Klassenkameraden Eindruck zu schinden, mitten in der Nacht den Bösewicht des Films wieder erweckt. Dass er dadurch eine tödliche Dynamik in Gang setzt, begreift er erst später. Spannender wird die Geschichte in den folgenden ungefähr vierzig Minuten dadurch allerdings nicht. Roth reiht einfach, ohne ein Gefühl für Stimmungen, Episoden aneinander, währen Jack Black und Cate Blanchett erstaunlich blass bleiben.

Besser man sieht sich noch einmal „Gänsehaut“ an. Das ist, ebenfalls mit Jack Black, ein richtig vergnüglicher Horrorfilm für Kinder, der auch Erwachsenen gefällt und etliche gelungene Anspielungen hat.

Das Haus der geheimnisvollen Uhren (The House with a Clock in its Walls, USA 2018

Regie: Eli Roth

Drehbuch: Eric Kripke

LV: John Bellairs: A House with a Clock in its Walls, 1973 (Das Geheimnis der Zauberuhr, Das Haus der geheimnisvollen Uhren)

mit Owen Vaccaro, Jack Black, Cate Blanchett, Renée Elise Goldsberry, Sunny Suljic, Collen Camp, Lorenza Izzo, Kyle MacLachlan

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 6 Jahre (nicht unumstritten)

Die Vorlage

John Bellairs: Das Haus der geheimnisvollen Uhren

(übersetzt von Alexander Schmitz)

Heyne, 2018

224 Seiten

9,99 Euro

Deutsche Erstausgabe

Das Geheimnis der Zauberuhr

Diogenes, 1977

Originalausgabe

A House with a clock in its walls

Puffin Books, Penguin, New York, 1973

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Das Haus der geheimnisvollen Uhren“

Metacritic über „Das Haus der geheimnisvollen Uhren“

Rotten Tomatoes über „Das Haus der geheimnisvollen Uhren“

Wikipedia über „Das Haus der geheimnisvollen Uhren“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Eli Roths „Knock Knock“ (Knock Knock, USA/Chile 2015)

Meine Besprechung von Eli Roths „Death Wish“ (Death Wish, USA 2018)


TV-Tipp für den 7. April: Inglourious Basterds

April 7, 2018

ZDFneo, 22.00

Inglourious Basterds (Inglourious Basterds, USA/Deutschland 2009)

Regie: Quentin Tarantino [Regie „Nation’s Pride“: Eli Roth]

Drehbuch: Quentin Tarantino (deutsche Dialoge: Tom Tykwer; französische Dialoge: Nicholas Richard)

Frankreich, 1944: Aldo Raine und seine Spezialeinheit sind zum Nazi-Skalpieren nach Europa gekommen. Die Jüdin Shosanna will den SS-Mann Hans Landa (Oscar für Christoph Waltz), der ihre Familie umbrachte, töten. In Paris, in einem Kino, treffen sie sich.

Ein feiner Kriegsfilm, den man unbedingt in der Originalfassung, in der meisterlich zwischen den verschiedenen Sprachen gewechselt wird, ansehen sollte. Außerdem wird auch im Original die meiste Zeit deutsch gesprochen.

Wahrscheinlich wird die deutsche Synchronisation gezeigt.

mit Brad Pitt, Mélanie Laurent, Eli Roth, Christoph Waltz, Michael Fassbender, Diane Kruger, Daniel Brühl, Til Schweiger, Gedeon Burkhard, Jacky Ido, B. J. Novak, Omar Doom, August Diehl, Sylvester Groth, Martin Wuttke, Mike Myers, Julie Dreyfus, Mike Myers, Rod Taylor, Sönke Möhring, Ken Duken, Christian Berkel, Ludger Pistor, Jana Pallaske, Bo Svenson, Enzo G. Castellari (als er selbst), Samuel L. Jackson (Erzähler in der Originalversion)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Inglourious Basterds“

Rotten Tomatoes über „Inglourious Basterds“

Collider: Interviews zum Film mit Christoph Waltz, Eli Roth, Samm Levine, B. J. Novak, Diane Kruger und Melanie Laurent

YouTube: Cannes-Pressekonferenz “Inglourious Basterds” (Teil 1, Teil 2)

The Quentin Tarantino Archives (Fanseite)

Everthing Tarantino (dito)

Q-Tarantino.de (noch eine Fanseite)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über ‘Inglourious Basterds’“ (Kleine Schriften zum Film: 1, 2009)

Meine Besprechung von Quentin Tarantinos „Django Unchained“ (Django Unchained, USA 2012)

Kriminalakte über Quentin Tarantino und „Django Unchained“ (Bilder,Pressekonferenz und Comic)

Meine Bespechung von Quentin Tarantinos „The Hateful 8“ (The Hateful Eight, USA 2015)

 Quentin Tarantino in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Bruce Willis hat (k)einen „Death Wish“

März 8, 2018

Nach „Extraction“, „Precious Cargo“, „Marauders“, „Once Upon a Time in Venice“, „Acts of Violence“ und „First Kill“ (demnächst bei uns auf DVD) ist mit „Death Wish“ endlich wieder ein Bruce-Willis-Film in unseren Kinos. Sein letzter Kinoauftritt war 2016 in „Rock the Kasbah“ (2015). In der Komödie hatte er nur eine Nebenrolle und niemand ging wegen ihm in den Film. Naja, eigentlich ging niemand in den Film. Davor spielte er in „Vice“ und „The Prince – Only God Forgives“ mit. Zwei weitere vergessenswerte Straight-to-DVD-Filme. Und dann sind wir bei „Sin City 2: A Dame to Kill For“ (nur eine Nebenrolle), „R.E.D. 2 – Noch Älter. Härter. Besser.“, „G.I. Joe – Die Abrechnung“ (wieder nur eine Nebenrolle) und „Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben“ die zwar im Kino liefen, aber Schrott waren.

Das ist die aktuelle, erschreckend dürftige filmische Bilanz von dem großen (dem größten?) Actionstar der späten achtziger und neunziger Jahre, der mit John McClane einen neuen Actionhelden erfand und der damals zwischen seine Blockbuster-Actionfilme etliche kleinere Filme schob, in denen er sich als Schauspieler beweisen konnte. Damals freute man sich auf den neuen Bruce-Willis-Film. Auch die misslungen waren wenigstens interessant. Seine aktuelle Filmographie ist dagegen randvoll mit Filmen, die schon vor dem Drehstart uninteressant sind und in denen er lustlos seine Gage abgreift.

Da ist „Death Wish“ auf den ersten Blick etwas interessanter. Die Vorlage, der Roman „Ein Mann sieht rot“ (Death Wish) von Brian Garfield, ist ein Klassiker. Die Verfilmung von Michael Winner ebenfalls. Die Fortsetzungen und zahlreichen Kopien des Selbstjustiz-Thrillers sind meistens reaktionärer Müll. Joe Carnahan schrieb das Drehbuch. Er schrieb auch das Drehbuch für den Polizeithriller „Das Gesetz der Ehre“ und führte Regie bei „Narc“ und „The Grey – Unter Wölfen“. Die Regie übernahm dann Toture-Porn-Horrorregisseur Eli Roth.

Trotz Warnsignalen – Eli Roth ist wahrlich nicht für seine subtilen gesellschafts- und soziopolitischen Kommentare bekannt und Brian Garfield beschwerte sich schon bei Winners Verfilmung, dass der sein Anliegen falsch verstanden habe – könnte dieser Film vielleicht kein guter, aber immerhin ein interessanter Film werden.

Am Ende ist „Death Wish“ klassisches Straight-to-DVD-Futter, das in dem Rahmen als schnöder 08/15-Selbstjustiz-Thriller okay wäre, wenn er sich nicht neben Garfields Roman und Winners Film stellen würde. Leider ohne auch nur den Schimmer einer Ahnung davon zu haben, was das Thema, die Aussage, der gesellschaftliche Hintergrund und das schockierende an „Ein Mann sieht rot“ war. Kleiner Hinweis: es war nicht die Selbstjustiz. Die gibt es in jedem zweiten Western.

Die Story, die auch für die aktuelle Verfilmung kaum verändert wurde, dürfte ja bekannt sein. Roths Version spielt in Chicago, dem neuen Hort des Verbrechens. Denn New York, der Handlungsort des ersten „Ein Mann sieht rot“-Films, ist heute eine fast schon langweilig heimelige Stadt. Paul Kersey (im Roman Paul Benjamin) arbeitet als Arzt im Krankenhaus. Er ist glücklich verheiratet. Die Tochter geht demnächst auf die Universität. Er selbst ist ein Gewalt ablehnender Liberaler; – jedenfalls soweit das in dem Film erkennbar ist.

Eines Abends dringen Einbrecher in sein Haus ein. Sie töten seine Frau und misshandeln seine Tochter. Anschließend liegt sie im Koma. Und bei Kersey erwacht, nach der Beerdigung seiner Frau in Texas, der Wunsch, das Gesetz in die eigenen Hände zu nehmen.

Das tut er dann auch. Als Rächer. Als Vigilant. Als, unterstützt von Radiomoderatoren, die über seine Verbrechen sprechen, Stimme des Volkes, die einfach die Todesstrafe für jedes ihnen missfallende Verhalten fordert.

Diese Geschichte kann verschieden interpretiert werden. Roth entschließt sich für die reaktionäre Variante als feuchter Traum der NRA. Denn, so der idiotische Spruch der US-Waffenlobby, gegen einen bösen Mann mit einer Waffe hilft nur ein guter Mann mit einer Waffe. Auch Kerseys Psychiaterin befürwortet seine Aktionen, wenn sie in einer Sitzung zu dem sich aus seiner Trauer lösenden Kersey sagt, egal was er tue, es helfe ihm und er solle damit fortfahren. Dass sie in diesem Moment nicht weiß, was Kersey tut, ist egal. Erstens ist der Satz innerhalb der Filmgeschichte eine klare Legitimation für Kerseys Selbstjustiz. Zweitens folgt von ihr niemals eine Distanzierung gegenüber irgendeiner Form der Selbstjustiz.

In diesem Punkt hat Paul Kerseys Bruder eine interessantere Entwicklung. Sofern bei einer kaum ausformulierten Nebenfigur überhaupt von einer Entwicklung gesprochen werden kann. Immerhin darf er sich vor der finalen Schießerei Shoot Out alibimäßig gegen Selbstjustiz äußern.

Denn in „Death Wish“ wird Selbstjustiz als eine erfolgreiche und empfehlenswerte Form der Bewältigung von Verlust und als ein probates Mittel gegen das Verbrechen gezeigt. Das ist in jeder Beziehung gefährlicher Unfug.

Neben dieser Botschaft und dem schlampigen Plotting ist das größte Problem des Films Bruce Willis. Er spielt die Hauptrolle im von ihm in den letzten Jahren perfektionierten „Where’s my paycheck?“-Modus. Ohne irgendein spürbares Engagement steht er da und liefert emotionslos seine Sätze ab. Mit einigen typischen Willis-Manierismen und ein, zwei John-McClane-Momenten, die nicht in den Film passen. Weil Willis sich noch nicht einmal bemüht, zu spielen, ist von Kerseys Gewissenkonflikt und seiner emotionalen Reise bei seiner Wandlung vom superpatenten Vater und Arzt zum skrupellosen Rächer nichts zu spüren.

Eli Roths „Death Wish“ ist nur noch der reaktionäre Film, der Waffenfans gefällt. Ohne irgendeine der Fragen zu stellen, die in Winners Film (weniger) und Garfields Roman (mehr) thematisiert werden.

Nämlich wann ist Selbstjustiz, vulgo Vigilantismus, gerechtfertigt bzw. erklärbar und was macht das mit einem Menschen. Brian Garfield ist überzeugt, dass Gewalt nur Gegengewalt erzeugt und sie zu einem moralischen Verfall des Täters führt. Davon erzählt er in „Ein Mann sieht rot“ und, weil er fand, dass seine Botschaft von Michael Winner falsch dargestellt wurde, auch in seiner „Ein Mann sieht rot“-Fortsetzung „Death Sentence“ (1975). Der Roman wurde 2007 als äußerst pessimistische Studie über Selbstjustiz verfilmt. In anderen Romanen erzählt er, wie seine Protagonisten erfolgreich und ohne Gewalt anzuwenden gegen Gewalttäter vorgehen.

Zu „Ein Mann sieht rot“ erklärte Garfield: „I meant it (if you believe in the influence ov subtext) as a cautionary lesson, not a recommendation. Revenge is a universal fantasy but, in practice, it isnt’t a solution, it’s a problem.“

Charles Bronson, der Paul Kersey in „Ein Mann sieht rot“ spielte, äußerte sich in Interviews über Winner-Film ähnlich. Und Winners Film hat durchaus ein Interesse an dieser Frage. Sein Film spielt auch vor einem konkreten sozialen und politischen Hintergrund: dem New York der frühen siebziger Jahre. Er stellt Fragen. Auch darüber, ob der Staat versagt und wie der Staat mit Selbstjustiz umgehen soll.

Es sind Fragen, über die es sich lohnt, zu diskutieren und über die Geschichten erzählt werden können, die dann für Diskussionen sorgen. Brian Garfield und Michael Winner gelang das. Garfields Botschaft ist heute sogar, angesichts des US-Präsidenten und seiner Fürsprecher und Fans, aktueller denn je.

Eli Roths „Death Wish“ beschäftigt sich nicht mit diesen Fragen. Er versucht es noch nicht einmal. Entsprechend gering ist der Erkenntisgewinn.

Dazu kommt in diesem Fall, – schließlich gibt es unzählige Selbstjustizthriller -, die Verärgerung über die Macher, die sich explizit auf ein älteres Werk beziehen, sich höchst oberflächlich mit den dort gestellten Fragen und Themen beschäftigen und dann alles falsch verstehen. Dadurch wird ihr Versagen noch offensichtlicher.

Zum Abschluss noch ein Wort zum Drehbuchautor: Joe Carnahan sollte den Film vor mehreren Jahren inszenieren. Er schrieb ein Drehbuch und wollte Liam Neeson als Hauptdarsteller. Das zerschlug sich und seitdem waren mehrere Regisseure mit dem Projekt beschäftigt, verschiedene Hauptdarsteller im Gespräch (eigentlich jeder Mann über fünfzig) und Carnahans Drehbuch wurde von mehreren Autoren überarbeitet. Im Final Shooting Draft werden neun Autoren genannt. Dean Georgaris scheint der Hauptautor des verfilmten Drehbuchs zu sein, aber die Writer’s Guild beschloss, dass Carnahan in den Credits als einziger Autor genannt werden soll.

Deshalb wäre es Quatsch, diesen Film mit Joe Carnahans anderen Filmen zu vergleichen.

Georgaris ist der Autor von „Der Manchurian Kandidat“, „Paycheck – Die Abrechnung“ und „Lara Croft – Tomb Raider: Die Wiege des Lebens“.

Death Wish (Death Wish, USA 2018)

Regie: Eli Roth

Drehbuch: Joe Carnahan

LV: Brian Garfield: Death Wish, 1972 (Ein Mann sieht rot)

mit Bruce Willis, Elisabeth Shue, Camila Morrone, Vincent D’Onofrio, Beau Knapp, Kimberly Elise, Dean Norris

Länge: 109 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Death Wish“

Metacritic über „Death Wish“

Rotten Tomatoes über „Death Wish“

Wikipedia über „Death Wish“

Meine Besprechung von Eli Roths „Knock Knock“ (Knock Knock, USA/Chile 2015)

Homepage von Brian Garfield

Meine Besprechung von Joseph Rubens  “The Stepfather” (The Stepfather, USA 1986, nach einer Geschichte von Brian Garfield)

Bonushinweis

Nach einer Neuprüfung ist die Vorlage für Eli Roths „Death Wish“ (jau, der Film wird in den Credits ausdrücklich als Vorlage genannt), Michael Winners „Ein Mann sieht rot“ jetzt von der Liste jugendgefährdender Medien gestrichen und „frei ab 16 Jahren“. Studiocanal spendierte schneller als erwartet eine Neuausgabe des Films. Sie erscheint, ohne nennenswertes Bonusmaterial, am 22. März.

Herbie Hancock schrieb die Musik.

Ein Mann sieht rot (Death Wish, USA 1974)

Regie: Michael Winner

Drehbuch: Wendell Mayes

LV: Brian Garfield: Death Wish, 1972 (Ein Mann sieht rot)

mit Charles Bronson, Hope Lange, Vincent Gardenia, Steven Keats, William Redfield, Stuart Margolin, Stephen Elliott, Jeff Goldblum (sein Debüt)

BBC-Filmkritiker Mark Kermode fasst 2016  die Produktionsgeschichte von „Death Wish“ bis zur Regieübernahme von Eli Roth zusammen.


Neu im Kino/Filmkritik: „Knock Knock“, wer klopft denn da an meine Tür?

Dezember 10, 2015

Als Regisseur machte Eli Roth sich die letzten Jahre, eigentlich seit seinem 2007er Horrorfilm „Hostel 2“ (Hostel: Part 2) rar. Sein schon vor zwei Jahren auf Festivals gezeigter Kannibalenhorrorfilm „The Green Inferno“ soll bei uns im März 2016 auf DVD erscheinen. Es ist eine Hommage/Quasi-Remake von Ruggero Deodatos „Nackt und zerfleischt“ (Ultimo Mondo Cannibale/Cannibal Holocaust, Italien 1980), der in etlichen Ländern verboten ist, an der Kinokasse gut lief und inzwischen als Kultfilm gilt.
Auch Eli Roths neuester Film „Knock Knock“, wieder nach einem Drehbuch von ihm, Nicolás López und Guillermo Amoedo, mit denen er bereits „The Green Inferno“ schrieb, ist ein Remake. Allerdings ist Peter Traynors „Tödliche Spiele“ (Death Game, USA 1977) viel unbekannter (und dabei ist es unerheblich ob man den Film wirklich gesehen oder nur von ihm gehört hat) und es ist ein Thriller mit einem Star in der Hauptrolle.
Keanu Reeves spielt den glücklich verheirateten Architekten Evan Webber. Während seine Frau, eine erfolgreiche Künstlerin, mit ihren beiden Kindern über das Wochenende wegfährt, will er in aller Ruhe ein Projekt abschließen. Am Abend – Knock Knock – klopft es an seine Haustür und zwei junge, spärlich bekleidete, durchnässte Schönheiten stehen davor. Sie haben sich auf dem Weg zu einer Party gründlich verlaufen. Evan bittet sie hinein – sein erster Fehler – und er hilft ihnen mit Handtüchern und einem Anruf bei einem Taxiunternehmen aus.
Als das Taxi ankommt, springen Genesis (Lorenza Izzo) und Bel (Ana De Armas) unter die Dusche und sie verführen den Biedermann, der plötzlich williger als ein brünstiger Hengst ist, zu heißem Sex unter der Dusche. Das ist sein zweiter Fehler, der in den heutigen USA und bei ihrer allgegenwärtigen Hatz gegen Pädophile (und seine beiden Gäste sehen nicht sonderlich erwachsen aus) vollkommen unverständlich ist. Während wir uns noch fragen, warum er als treuer Ehemann nicht einfach vor die Tür zum Taxifahrer ging, quartieren sich die beiden Mädchen bei ihm ein, verwüsten seine Wohnung, fesseln den hoffnungslos überforderten Hausherrn und beginnen ein perfides Wahrheit-oder-Lüge-Spiel mit ihm, bei dem seine gesamte bürgerliche Existenz auf dem Spiel steht.
Das ist jetzt nicht der Auftakt für einen spannenden Psycho-Thriller, sondern für einen zunehmend absurden Film. Evan und die beiden Folterinnen, bei denen man nie genau weiß, ob sie jetzt die Wahrheit oder eine weiter Lüge erzählen und wie geistig zurechnungsfähig sie sind, verhalten sich durchgehend dumm und unvernünftig. Bei Evan wird das schon schnell offensichtlich. Denn er muss – obwohl er doch als intelligenter Mann eingeführt wird – während des gesamten Films eine Dummheit nach der nächsten begehen. Sogar wenn es ihm gelingt, zu flüchten, wird er schnell, aufgrund eigenen Verschuldens, von den beiden eher dumpfbackigen Perlen geschnappt. Wenn Genesis und Bel am Ende ihren großen, teuflischen Plan enthüllen, dann weiß man endgültig, dass eine Geschichte die vor knapp vierzig Jahren funktionierten konnte, heute, auch ohne Handy-Aufnahmen, unter keinen Umständen mehr funktioniert.
Und damit fällt das gesamte Moralstück über Untreue und Bestrafung schneller als ein Kartenhaus in sich zusammen. Immerhin bemüht Eli Roth sich hier durchgehend erfolgreich, seinen Torture-Porn-Ruf nicht gerecht zu werden. Und Keanu Reeves, der nach „John Wick“ ja wieder beliebt ist, hat „Knock Knock“ wohl primär als Zeitvertrieb vor seinen nächsten Filmen, wie Nicolas Winding Refns „The Neon Demon“, gesehen.

Knock Knock - Plakat

Knock Knock (Knock Knock, USA/Chile 2015)
Regie: Eli Roth
Drehbuch: Eli Roth, Nicolás López, Guillermo Amoedo (nach dem Drehbuch „Death Game“ von Anthony Overman und Michael Ronald Ross; ihrer einzigen Filmarbeit)
mit Keanu Reeves, Lorenza Izzo, Ana De Armas, Aaron Burns, Ignacia Allamand, Aaron Burns, Colleen Camp
Länge: 100 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
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Film-Zeit über „Knock Knock“
Moviepilot über „Knock Knock“
Metacritic über „Knock Knock“
Rotten Tomatoes über „Knock Knock“
Wikipedia über „Knock Knock“


TV-Tipp für den 4. September: Inglourious Basterds

September 4, 2014

Vox, 22.10

Inglourious Basterds (USA/Deutschland 2009, R.: Quentin Tarantino [Regie „Nation’s Pride“: Eli Roth])

Drehbuch: Quentin Tarantino (deutsche Dialoge: Tom Tykwer; französische Dialoge: Nicholas Richard)

Frankreich, 1944: Aldo Raine und seine Spezialeinheit sind zum Nazi-Skalpieren nach Europa gekommen. Die Jüdin Shosanna will den SS-Mann Hans Landa (Oscar für Christoph Waltz), der ihre Familie umbrachte, töten. In Paris, in einem Kino, treffen sie sich.

Ein feiner Kriegsfilm, den man unbedingt in der Originalfassung, in der meisterlich zwischen den verschiedenen Sprachen gewechselt wird, ansehen sollte. Außerdem wird auch im Original die meiste Zeit deutsch gesprochen.

Vox wird aber wahrscheinlich die deutsche Synchronisation bringen.

mit Brad Pitt, Mélanie Laurent, Eli Roth, Christoph Waltz, Michael Fassbender, Diane Kruger, Daniel Brühl, Til Schweiger, Gedeon Burkhard, Jacky Ido, B. J. Novak, Omar Doom, August Diehl, Sylvester Groth, Martin Wuttke, Mike Myers, Julie Dreyfus, Mike Myers, Rod Taylor, Sönke Möhring, Ken Duken, Christian Berkel, Ludger Pistor, Jana Pallaske, Bo Svenson, Enzo G. Castellari (als er selbst), Samuel L. Jackson (Erzähler in der Originalversion)

Wiederholung: Freitag, 5. September, 03.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Inglourious Basterds“

Rotten Tomatoes über „Inglourious Basterds“

Collider: Interviews zum Film mit Christoph Waltz, Eli Roth, Samm Levine, B. J. Novak, Diane Kruger und Melanie Laurent

YouTube: Cannes-Pressekonferenz “Inglourious Basterds” (Teil 1, Teil 2)

The Quentin Tarantino Archives (Fanseite)

Everthing Tarantino (dito)

Q-Tarantino.de (noch eine Fanseite)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über ‘Inglourious Basterds’“ (Kleine Schriften zum Film: 1, 2009)

Meine Besprechung von Quentin Tarantinos „Django Unchained“ (Django Unchained, USA 2012)

 Quentin Tarantino in der Kriminalakte


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