DVD-Kritik: Männlichkeitsrituale in der „Killing Season“

November 29, 2013

 

Ein Duell zwischen zwei Männern in der Wildnis mit Robert De Niro und John Travolta in den Hauptrollen. Das klingt doch ziemlich vielversprechend. Aber „Killing Season“ gehört dann doch eher in die Kategorie „auch für Genrejunkies verzichtbar“ und „nur für Komplettisten“. Denn auch die schönen Landschaftsaufnahmen, die in ihrer epischen Länge dem Werk wahrscheinlich eine tiefsinnige Bedeutung verleihen sollen, aber so tiefsinnig wie Kalenderbilder sind, strecken die dünne Geschichte um mehrere Minuten auf dreiundneunzig Minuten. Ohne Abspann.

John Travolta spielt Emil Kovac, einen Serben mit höchst seltsamer Bartrasur. Yeah, das erinnert an die seeligen Hollywood-Zeiten, als der Deutsche Peter Lorre einen Asiaten spielen musste.

Kovac will sich an Benjamin Ford (Robert De Niro) rächen. Der Soldat gehörte vor achtzehn Jahren zu einer Nato-Einheit, die nach irgendeinem Massaker mehrere ganz böse Serben erschoss. Kovac überlebte allerdings und jetzt, nachdem er weiß, wer ihn damals umbringen wollte, will er ihn umbringen.

Und dann kloppen und jagen die beiden sich durch die Appalachen, schießen mit Pfeil und Bogen und Gewehr aufeinander, benutzen Messer und Fäuste, zerstören auch ein Auto und forcieren ein Pseudo-Macho- und Krieg-ist-doof-Bild, das nie glaubhaft ist. Auch die Gegenüberstellung der beiden Charaktere, der eine hasserfüllt bis zum Gehtnichtmehr, der andere nach seinen Kriegserlebnissen friedfertig fotografierend im selbstgewählten Exil lebend, ist nur verquer. Ebenso die Botschaft des Films, die bestenfalls gut gemeint ist. Aber gut gemeint ist mal wieder das Gegenteil von gut gemacht.

Und dabei hätte „Killing Season“ – was sicher so geplant war – ein in der Gegenwart spielender Western werden können. Aber dafür hätte man ein besseres Drehbuch und einen besseren Regisseur gebraucht.

Sam Peckinpah, Walter Hill und William Friedkin (in dem ungleich gelungenerem „Die Stunde des Jägers“) haben ähnliche Geschichten inszeniert. Besser. Viel besser. Auch John McTiernan („Predator“, „Stirb langsam“, „Last Action Hero“), der ursprünglich als Regisseur im Gespräch war, wäre sogar im Wachkoma ein besserer Regisseur als Mark Steven Johnson gewesen. Seine bekanntesten Filme sind „Daredevil“ und „Ghost Rider“.

Killing Season - DVD-Cover - 4

Killing Season (Killing Season, USA 2013)

Regie: Mark Steven Johnson

Drehbuch: Evan Daugherty

mit Robert De Niro, John Travolta, Milo Ventimiglia, Elizabeth Olin, Diana Lyubenova, Kalin Sarmenov

DVD

Splendid

Bild: 2,40:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch, Niederländisch

Bonusmaterial (angekündigt): Interviews, B-Roll

Länge: 103 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Metacritic über „Killing Season“

Rotten Tomatoes über „Killing Season“

Wikipedia über „Killing Season“

Mehr Horror gefälig?

Deutscher Kinostart von „Zwei vom alten Schlag“ (Grudge Match) ist am 9. Januar.

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